<Gast> unregistriert
| Erstellt am 12.07.2006 - 22:09 |  |
Hallo Minotaurus
"Es ist, bzw. es war - zumindest in der damaligen Zeit - sogar ein sehr großer Unterschied, ob der Vater nicht mehr aus dem Krieg zurückkehrte, oder ob er sich einfach seiner Verantwortung entzogen hat.
Zwar war das Ergebnis dasselbe, aber in ersterem Falle wurde der tote Vater i.d.R. als "Held" oder zumindest als Vorbild mystifiziert und sowohl seine Witwe, als auch deren Kinder von der Dorfgemeinde geachtet (oder auch bemitleidet), wogegen eine junge Mutter mit einem "ledigen Balg" dem Spott und der Verachtung genau jener Dorfgemeinde ausgesetzt war und beide wie Aussätzige behandelt wurden".
Das ist gar keine Frage. Und mir würde es auch nicht im Traum einfallen, diesen Aspekt zu unterschätzen. Ich habe in der vorgenannten Erzählung sogar einige Sätze darüber geschrieben:
"...Man sprach kaum mit uns, umso häufiger jedoch über uns. Denn, obwohl im Allgemeinen allein stehende Frauen mit Kindern in dieser Zeit als Kriegerwitwen galten, unterstellten diese Leute meiner Mutter ein uneheliches Kind und versuchten sie damit zu einem „losen Frauenzimmer“ zu stempeln; eine in der damaligen Zeit in einem katholisch, fränkischen Dorf kaum zu überbietende Diskriminierung, die verbal nur deshalb nicht derber ausfiel, weil man sich „Sünden fürchtete“, wenn man das Wort Nutte oder Hure in den Mund nahm.
Man schikanierte uns bei jeder Gelegenheit, so dass nichts anderes übrig blieb, als sich an den Bürgermeister zu wenden, was die Situation natürlich nicht verbesserte; auch nicht zwischen ihm und seinem Nachbarn, denn so waren nun mal die Verhältnisse.
Selbst die bei dieser Gelegenheit wiederholt vorgewiesene Heiratsurkunde meiner Eltern, brachte die Verleumder nicht zum schweigen"...
Beste Grüße
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