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...   Erstellt am 25.06.2007 - 20:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Part 1

Das sportliche Hauptereignis in Krefeld ist bis heute zweifellos die Eishockey Weltmeisterschaft geblieben , die 1955 mit dem Mittelpunkt Rheinlandhalle in Krefeld , Düsseldorf , Köln und Dortmund ausgetragen wurde . Es war einer der letzten grossen Triumphe Kanadas , als die Penticton V´s den Weltmeister von 1954 , Rußland , vor 10500 Zuschauern in der Rheinlandhalle mit 5:0 vom Eis fegten . Geschickt hatten die Ausrichter das Duell der beiden Eishockey Giganten auf den Schlusstag der WM gelegt , die vom 25 Februar bis 6 März 1955 Krefeld in den Mittelpunkt des Welt Eishockey Geschehens rückte .

Erstmals vergab der Weltverband , die LIHG ( Ligue Internationale de Hockey - sur - Glace ) , an Deutschland eine Weltmeisterschaft .

Als der Krefelder EV durch seine beiden Vorstandsmitglieder Willi Münstermann und Cuno Pursch 1952 den Antrag auf Ausrichtung der WM für 1955 an den Eishockey Verband richtete , verschlug es den Herren erst einmal die Sprache . Man zögerte lange , einem Verein , der ohne beeindruckende Vermögenswerte eine solche Meisterschaft ausrichten wollte , die Verantwortung aufzubürden . Willi Münstermann erklärte sich jedoch bereit , eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 100000 DM zu hinterlegen und das gesamte Risiko der WM zu tragen .

Dieser Vorschlagkonnte sich der deutsche Verband nicht verschliessen , und so war man bereit , einen entsprechenden Antrag zu stellen . Am 9 März 1953 fand in Zürich die Sitzung des Weltverbandes statt , in deren Verlauf die Mitglieder mit 27:12 Stimmen für die Bundesrepublik mit vier attraktiven Spielorten gegenüber Frankreich mit dem Spielort Paris stimmten . Die Fürsprache der Schweden mag da sicherlich mitendscheidend gewesen sein , denn der schwedische Verband hatte Münstermann zu seinem Vorhaben ermuntert .

Willi Münstermann hinterlegte die 100000 DM Bürgschaft und die Herren Cuno Pursch und Willi Overath ( Krefeld ) , Franz Widmann ( München ) und Dr. Günter Sabetzki ( Düsseldorf ) bildeten den Arbeitsausschuss . Die Grundlage für die grosse Weltmeisterschaft mit 16 teilnehmenden Nationen in zwei Gruppen war geschaffen . In einem kleinen Büro auf dem Krefelder Ostwall liefen fortan die Fäden bei Ferdinand Baumer , dem Generalsektretär der WM 55 , zusammen .

Als am 5 Februar das Direktorium des Internationalen Eishockey Verbandes im Krefelder Hof tagte , waren die Vorbereitungen für die 21. Weltmeisterschaft abgeschlossen . J.F.Ahearne ( London ) der 1975 vom jetzigen Weltpräsidenten Sabetzki abgelöst wurde , zeigte sich bei seinem ersten Besuch in Krefeld zufrieden , Willi Münstermann hatte sein Ziel erreicht .





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...   Erstellt am 25.06.2007 - 20:45Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Part 2

Je näher der 25 Februar rückte , um so emsiger wurde gearbeitet . An den Schaltstellen in den Stadien , im Büro auf dem Ostwall , bei den Verkehrsvereinen , überall standen die Weichen ganz auf Weltmeisterschaft . Das Karnevaltreiben eine Woche zuvor brachte nur eine kurzfristige Auflockerung und Abwechselung für die Verantwortlichen . Krefeld als zentraler Tagungs und Veranstaltungsort hatte gegenüber den drei weiteren ausrichtenden Städten natürlich das Gros der Festgäste und Besucher aufzunehmen , schliesslich sollte sich hier letztlich auch die WM entscheiden . Als man beim KEV am Vorabend der Eröffnung Bilanz zog , konnte man mit dem Geleisteten zufrieden sein . Krefeld zeigte sein Festtagskleid . Mit Hilfe des Krefelder Einzelhandels und der Industrie hatte man eine Fahnenallee vom Hauptbahnhof bis zum Stadion an der Westparkstrasse errichtet .

Wenn sich auch die Kriegsnarben in den Strassen nicht ganz verdecken liessen und bunte Fahnen vor schaurigen Trümmerresten wehten , so sah man doch ein Farbenfrohes , symphatisches Stadtbild . Diejenigen die gekommen waren , wollten zudem Sport und Spiel , bevorzugten die heitere Seite . Mr. J.F.Ahearne sparte dann auch nicht mit Lob für die Stadt und die Ausrichter . Namen wie Kunze , Pursch , Sabetzki , Overath , Leinweber und Münstermann wurden von ihm lobend erwähnt . Als Oberbürgermeister Johannes Hauser im Krefelder Stadttheater mehr als 300 Gäste , darunter die Vertreter der 16 teilnehmenden Nationen , die Verbandsspitzen aus Europa und der LIHG begrüsste , da hatte sich für Krefeld ein Traum erfüllt . KEV Vorsitzender Cuno Pursch gab die Losung aus : ´´ Froh beginnen und zufrieden zu Ende führen ´´ .

Während nach der festlichen Eröffnung bei einem Bankett im Krefelder Hof die Eishockey Leiter vieler Länder Kontakte knüpften , liessen sich in der Rheinlandhalle mehr als 350 Journalisten akkreditieren . Der Andrang war grösser als erwartet , und obwohl man das grosse Interresse von zeitungen , Funk und Fernsehen voll Stolz registriete , hatte man Mühe , die so zahlreich erschienenen Journalisten unterzubringen . Und überall , ob bei der Presse , auf dem Eis , in den Konferenzzimmern oder beim Büfett , das Duell der beiden grossen Nationen am Schlusstag bildete den Gesprächsstoff . Kann die russische Mannschaft ihren Erfolg von Stockholm wiederholen , oder holen sich die Kanadier die Trophäe zurück ?





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...   Erstellt am 25.06.2007 - 21:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Part 3

Es war wohl mehr als nur eine glückliche Auslosung , das ausgerechnet das Superspiel Kanada - Rußland den Abschluss in der Rheinlandhalle bringen sollte . Doch wen störte es ? Das Turnier konnte beginnen , sollte Spannung und schöen Spiele bringen und möglichst geradlinig auf den fieberhaft erwartenden Höhepunkt hinsteuern . Hatte man richtig gelost oder machten die Mannschaften auf dem Eis einen Strich durch die Rechnung ?

Fragen , die mit zunehmender Turnierdauer positv beantwortet wurden . In einem hatte man sich allerdings gründlich verrechnet : Statt der von Optimisten erwarteten eine Million Besucher kamen zu den insgesamt 36 Spielen der A Gruppe und 15 Spielen der B Gruppe nur 128124 zahlende Zuschauer . Da man finanziell jedoch vorsichtig geplant hatte , gab es am Ende keine Pleite . Es zeigte sich jedoch , das Lokalkämpfe und heisse Schlachten um Bundesligapunkte die Rheinländer mehr interresierten als Spiel zwischen zweitklassigen Ländermannschaften . Hinzu kamen die doch wohl hohen Eintrittspreise , aber auch der etwas unglückliche Start der deutschen Mannschaft , die wenige Sekunden vor Spielende erst gegen Schweden mit 4:5 unterlag , mag dazu beigetragen haben . Eine Sensation durch Deutschland hätte sicherlich auch Zuschauer gezogen . So bestimmten andere Nationen das Geschehen , während die Deutschen gegen den Abstieg kämpfen musste .

An der Spitze lief alles nach Plan . Der Endkampf Kanada - Rußland wurde immer gewisser , und während für viele Spiele die Karten unter normal Preis abgegeben wurden , erreichten die Schwarzmarktpreise für das Endspiel astronomische Höhen . Als selbst drastische Preisreduzierungen bei den Spielen der B Gruppe nicht zu durchschlagenden Zuschauererfolgen führten , erinnerte man sich der Schulkinder , und so sahen in Krefeld fast 8000 Kinder den Sieg der Italiener über Holland . Die beiden Eishockey Giaganten kämpften derweil nur um die Höhe ihrer Erfolge . So versuchten die Veranstalter , den schon fast schemenhaften Tagesablauf durch zahlreiche Einlagen aufzulockern . Da gab es Spiele der Schiedsrichter , wurden zahlreiche Besichtungen organisiert , konnten die teilnehmenden Mannschaften zusammne mit ihren Anhängern gesellschaftliche und gesellige Vernastaltungen durchführen .

Das Verfolgerfeld der beiden Eishockey Grossmächte mit der CSSR , Schweden und den USA mühten sich redlich , einem der beiden grossen ein Bein zu stellen , doch ohne Erfolg . Während die Russen ihr vorpragrammiert wirkendes Spiel aufzogen , übten sich die Kanadier in Fairneß und Mannschaftsspiel , ohne jedoch die gekonnten Einzelaktionen ihrer Stars verdecken zu können, mit denen sie letztlich die Weltmeisterkrone zurückholen wollten .





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...   Erstellt am 28.06.2007 - 20:16Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Part 4

Die Trainingsstunden der beiden Finalgegner fanden verstärktes Interresse , eine Fernsehübertragung war sicher . So bemühten sich diejenigen , die keine Karten mehr für das Endspiel ergattert hatten , um Fernsehplätze in den Gaststätten . Namen wie Bill Warwick , der rauhbeinige Superspieler der Penticton V´s und Bobrow , die Eishockey Maschine von Dynamo Moskau waren in aller Munde . Mit ein wenig Erleichterung registrierten die deutschen Eishockeyfans noch am Rande , das sich ihr Team hinten den grossen 5 Nationen durch einen 8:3 Sieg über die Schweiz den sechsten Tabellenplatz erkämpften , eher die Krefelder Rheinlandhalle engültig in den Mittelpunkt der Eishockeywelt rückte .

Der Sieg der Russen 1954 in Stockholm , die überheblichen Sprüche der Kanadier auf bittere Rache , die Anwesenheit einiger tausend kanadischer Soldaten in Krefeld , all dies sorgte für eine fast unerträgliche Spannung . Als sich am Sonntag 6 März , kurz nach 15 Uhr , also 2 Stunden vor Spielbeginn , die Halle langsam füllte , begann die grosse Zeit der Schwarzhändler . Mit Mark und Dollar wurde gehandelt , wechselten die Billetts für Summen , die ausgereicht hätten , eine Turnierkarte zu kaufen , den Besitzer . Zahlreiche Schwarzhändler wurden durch die Polizei abgeführt , doch immer neue tauchten auf . Im Stadion richteten derweil die Rundfunk und Fernsehreporter Mikrofone und Kameras .

Als dann das Team der Penticton V´s das Eis betrat , wurde es von frenetischen Jubel ihrer Landsleute in Uniform überschüttet . Aber auch die Russen empfingen die lautstarke Unterstützung vieler Zuschauer . Noch einmal Diskussionen über die Länge der kanadischen Schläger , zehn Minuten Verspätet , dann wurde der Puck zum ersten Drittel freigegeben .





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...   Erstellt am 28.06.2007 - 20:32Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Part 5

Das mit 10500 Zuschauern fast gesprengte Fassungsvermögen der Rheinlandhalle schuf eine drangvolle Enge , das sich am Rande der Arena tolle Szenen abspielten . Bald aber waren die Besucher gefesselt vom Geschehen auf dem Eis , liessen sich von der überschwenglichen Euphorie der kanadischen Zuschauer anstecken und schrien die V´s förmlich nach vorne . Kanada erlebte noch einmal eine grosse Eishockeystunde . Völlig konsterniert waren die Russen , als es bereits in der 4 Minute durch Shebaga 1:0 für Kanada hiess . Was die Eishockey Maschinen des Ostens aus ihrer Spielbahn warf , war die Tatsache , das die ansonsten stets auf Einzelaktionen bedachten Kanadier überraschend nicht die Spitzenstars , sondern die geschlossene Mannschaftsleistung als den entscheidenden Leistungsträger herausstellten .

Zu allem Unglück für die Russen wurde ein harter Bandenschuss von Bill Warwick von einem russischen Verteidiger ins eigene Tor abgefälscht , und wenige Minuten später nutze Shebaga die Verwirrung zum vorentscheidenden drittem Tor . Der russische Supersturm Babitsch / Schuwalow / Bobrow verlor die Linie und resignierte . Man fand gegen die kanadischen Härte , gegen die plötzliche Frische des Gegners , aber auch gegen die tolle Kulisse kein Gegenmittel , begnügte sich mit der bereits sicheren Euopameisterschaft und überliess den Welttitel in einem Schlussdrittel ohne besondere Höhepunkte den Männern mit dem Ahornblatt auf der Brust .

Bill Warwick und McAboy sorgten für einen letztlich verdienten glatten 5:0 Erfolg . Tosender Lärm , überschäumende Begeisterung und die Ovationen der kanadischen Soldaten verwandelten die Rheinlandhalle udn später teilweise auch die Stadt in ein Tollhaus .





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