Tim_Lehmann  W:N:D-Beauftragter
              

Status: Offline Registriert seit: 21.07.2006 Beiträge: 3158 Nachricht senden | Erstellt am 08.03.2009 - 22:50 |  |
So, die ersten 100 Seiten von Lycidas sind gelesen, dem ersten Teil aus Christoph Marzis "Reihe" Die uralte Metropole.
Schon jetzt würde ich mich zu dem Urteil hinreißen lassen: Gutes Buch. Deutsche Phantastik (trotz Londoner Kulisse) in bester Tradition von Michael Ende und Cornelia Funke. Damit will ich weniger etwas über die Atmosphäre als über das Niveau sagen. Das ist (fast schon zu) anspruchsvolle Jugendliteratur, geschrieben in sehr feinem Stil. Hier ist ein intelligenter Autor am Werk, der nicht an Anleihen, Verweise und (mit Bravour und schamlos geklaute, nicht gekennzeichneten) Zitaten aus Musik, Literatur und Film - diese werden jungen Lesern freilich verborgen blieben, wer die Einflüsse kennt, freut umso mehr (er hat meinen Lieblingssatz aus Highlander wörtlich zitiert!!! ).
Die Geschichte wechselt in einem raschen Tempo von einem Schauplatz zum nächsten, für meinen Geschmack hier und da sogar zu schnell. Es gibt Action, aber genauso auch sich einbrennende Bilder, die man nicht vergisst. Darüber hinaus sieht man sich in Gesellschaft sympathischer Charaktere: Einem einäugigen Waisenmädchen mit Seherkräften, einem sehr britsich auftretenden Elfen und anderen netten dramatis personae. Die Mentor-Schülerin-Beziehung zwischen Emily und Wittgenstein ist geprägt von Witz, Ironie und Zuneigung und dürfte sich noch spannend weiter entwickeln. Sätze wie "Dieses Kind!" oder "Frag nicht!" gehören so selbstverständlich zu ihren Dialogen wie Regen zum Siegerland.
Ich freu mich schon auf die nächsten 750 Seiten. Und dann auch Lumen. Und auf Lilith. Ist nicht gerade erst Somina erschienen?
Hm, evtl. werde ich es dank Marzi nicht schaffen, zwischen zwei Fantasy-Büchern, ein normale zu lesen.
Mal sehen... 
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Winterherz  Maître Dîabolus
              

Status: Offline Registriert seit: 26.07.2006 Beiträge: 3156 Nachricht senden | Erstellt am 09.03.2009 - 14:53 |  |
So... Er ist auf den Geschmack gekommen. Über manches könnte man gerne eine Nachbesprechung verabreden. Insbesonder im zweiten Band (Lilith) gäbe es da so einiges...
Ja... Das ist ganz feine und durchaus anspruchsvolle Fantasy. Besitze mittlerweile alle vier Bücher und lese nach Lycidas und Lilith nun Lumen. Danach wartet dann Band IV auf mich, der eigentlich gleichtzeitg der Beginn einer neuen Saga ist, denn die Hauptfigur ist nicht mehr Emily Laing.
Die Sprache ist ziemlich anspruchsvoll, ebenso die ständigen Zeit und Ortswechsel. Zudem muss man ständig die Geschichte parat haben, da Marzi immer wieder Personen einfügt, die irgendwann schon mal erwähnt wurden (meistens nur am Rande).
Sehr gelungen finde ich die Ideen Marzis. Er hat nämlich scheinbar sämtliche Mythologien und Legenden jedweder Kultur zusammengewürfelt, sie miteinander verwoben und daraus zum Teil etwas Neues erschaffen bzw. seine Geschichte entwickelt. Hut ab, Daumen hoch!
Sehr sympatisch bzw. gelungen sind die Charaktere, die Marzis Welten bevölkern. Mortimer Wittgenstein, der auch der Erzähler der Geschichten ist, ist einfach nur gülden und seine Sprache, seine immer wiederkehrenden Redewendungen, lassen den Leser ständig schmunzeln.
Also.... Lohnt sich in jedem Fall, ist aber auch ziemlich anspruchsvoll und nichts für Zwischendurch. Jugendbuch? Sprachlich nicht wirklich.
[Dieser Beitrag wurde am 09.03.2009 - 15:29 von Winterherz aktualisiert]
Signatur "...Wir sind ihm blind durch die halbe Welt gefolgt und jetzt kennt er sich zwanzig Meilen von Zuhause enfernt nicht mehr aus. Ich weiß nicht, wie ihr es seht, aber mein Vertrauen in ihn schwindet rapide."
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