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Yolanda ...



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...   Erstellt am 16.09.2019 - 22:38Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Wie schon in der Facebookgruppe, soll es hier auch die Geschichten der Überlebenden geben. Ich fange dann mal an.


Yolanda stand eng bei der Nangistin Liliana und Enna aus dem Hause Herk. Sie verdeckten ihre Laternen wie es ihnen aufgetragen wurde. Die Minute vergingen wie Stunden und die Panik kroch in Yolanda hoch. Gleich würde die Blutleere kommen und die Schatten. Wieder würde sie in diesen verfluchten Wald müssen und die Schatten würden sie jagen, sie würde über Wurzel und durchs Unterholz rennen, immer hinter Liliana her. Sie holte tief Luft um sich etwas zu beruhigen. Liliana würde sie gut führen, sie würden es schon schaffen, sie mussten es schaffen, denn das hatte sie Melanis versprochen. „Versprich mir das du fliehst und Liliana mitnimmst“ hatte er gesagt.
Dann endlich war es so weit, die Blutleere kam und Yolanda hielt sich wie besprochen an Liliana fest, Enna nahm Yolandas Mantel. Dann rief die Blutleere ihre Jünger zu sich. Wiesel und Stinker waren unter ihnen und Liliana hauchte „die werden mich jagen“
Zeit zu antworten gab es nicht denn da kamen schon die Schatten. Die 3 rannten los. Plötzlich sprang Wiesel Yolanda an und riss sie zu Boden. Yolanda verlor Liliana und schrie nach ihr. Das nächste was man hörte waren Yolandas Schmerzensschreie als Wiesel sie biss. Sie hatte nicht die Kraft sie von sich zu schieben doch endlich ließ Wiesel von ihr ab und entfernte sich von ihr. Yolanda war irritiert das sie noch lebte. Aber hatte die Blutleere nicht gesagt „Quält sie aber tötet sie nicht“? Fest umklammerte Yolanda das Triunszeichen und das Zeichen Hoedals um ihrem Hals. Während sie mit der anderen Hand nach dem Heiltrank suchte den sie von Keyla bekommen hatte. Still sprach sie ein Gebet und trank einen Schluck Heiltrank. Als dieser wieder in ihrer Tasche verschwunden war kam Wiesel zurück. Öffnete ihre Laterne und löschte das Licht. ‚Das wars. Ohne mein Licht wird mich keiner hier liegen sehen und selbst wenn ich es anbekomme, den Weg finde ich niemals alleine zur Brücke.‘
Dachte Yolanda und Tränen stiegen ihr in die Augen. Hier würde sie also sterben. Doch in dem Moment kamen 2 Gestalten mit Laternen auf sie zugerannt.
„Vorsicht ich lieg hier“
war das einzige was ihr einfiel. Eine Stimme rief aufgebracht
„Yolanda was machst du da?!“
Es war Magnus von den Nangisten.
„Ich bin verletzt und mein Licht ist aus“
Sagte sie weinend. Ohne zu zögern zog er sie hoch und stützte sie.
„Ich bring dich hier raus.“
Sagte er und sie gewann wieder Hoffnung. Nachdem sie zahlreichen Schatten ausgewichen waren erreichten sie das Tor und verschwanden im Wald. Magnus schleppte Yolanda den ganzen Weg bis zur Brücke. Es war dunkel und Yolanda konnte kaum Atmen vor Angst. Da plötzlich ein Licht vor ihnen. es stoppte und kam ein paar Schritte auf sie zu. Als das Gesicht im schein der Laterne auftauchte hätte Yolanda am liebsten vor Freude geschrieen.Es war Liliana. Auch sie machte große Augen und flüsterne freudig "Yolanda du lebst"
Sie war mit Enna unterwegs deren Laterne aus war. so das die beiden als 2er Gruppe vor gingen und wir in Abstand hinterher. Endlich sahen sie die Lichter anderer Laternen. Sie hatten es geschafft.da war die Brücke. Vor Erleichterung aber auch vor tiefer Trauer brach Yolanda in Tränen aus. So viele hatten ihr Leben gelassen, so wenige waren zur Brücke gekommen. Die Überlebenden trösteten sich gegenseitig und sammelten einen Moment Kraft für den restlichen Weg nach Kumbersmerze. Wieder in 3ergruppen ging es durch den nicht mehr so gefährlichen Wald. Das Dorf feierte am Tor und als Yolandas Gruppe ankam jubelten und klatschten die Bewohner hießen sie Willkommen boten ihnen Speis und Trank an. Nannten sie "die Helden von Vhinbrosir" Yolanda war irritiert. Das hier konnte doch nicht echt sein? woher sollte das Dorf wissen das sie kommen würden? und wieso feierten sie ihre Ankunft. Sie brauchte eine ganze Weile bis sie begriff, das dies keine Falle war in die sie da gelaufen waren, sondern wirklich ein Dorf mit freundlichen Menschen. Sie entspannte sich langsam und schmiedete mit Brunhildis, Xaver, Liliana, Magnus und Sarah pläne für die Zukunft. Sie würden nach Tollgund reisen und Drisden suchen. Auch En wollte sich ihnen anschließen.

[Dieser Beitrag wurde am 17.09.2019 - 00:01 von Yolanda aktualisiert]




Marlene ...



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...   Erstellt am 16.09.2019 - 22:56Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Marlene, aus dem Hause Festünder.
Nach der roten Welle tranken die überlebenden Festünder ihr letztes Bier. Ihr Ehemann Krog war nicht mehr unter ihnen. Auch wenn sie nie aus Liebe geheiratet haben, wird sie ihn nie vergessen. Er war viel zu gut gewesen. Ein letzter Blick zu dem Tresen, wo sie gearbeitet hatte und dann stoßen sie zum letzten Mal an. Maya, Jule und Ria wollten die Blutleere töten. Auch Marlene wäre gerne dabei gewesen, denn Rache war ihr Antrieb. Aber ihr wurde nicht mehr vertraut, da ihr erst vor kurzem der Falschtod von Antima ausgetrieben wurde. Also wollte sie mit En gehen. Er wollte unbedingt noch die letzten Kunstschätze retten, die unser feiger Patron nicht gestohlen hatte. Das war unser En. Marlene rannte daher schnell zu ihrem Haus um eine Tasche zu holen. Als sie raus kam war es dunkel in der Taverne und Nebel stieg auf. Sie konnte nicht zurück zu ihrer Laterne und rannte angsterfüllt zum Tor. Auf einmal stand sie neben den Letzten. Sie erkannte Kemp, der Cousin von Ria & Valentina. Jemand drückte ihr eine Laterne in die Hand. Sie war sich nicht sicher, aber es könnte Dotti gewesen sein. Marlene bereitete sich daher auf eine alleinige Flucht vor und sah plötzlich Brin, Maya, Sintha und Milan neben sich stehen. Die Freude war nur von kurzer Dauer, denn sie schmeckte Blut. Sie war nicht fern, sie verspürte den Sog, es war wie damals bei dem Buch. Sie hörte ihr lachen und ihre Worte. Sie rief nach ihren Kindern. Doch dann stand plötzlich Kemp neben ihr und schlug ihr auf den Kopf. Dann dumpfes Geschrei: "Was machen wir? Wir können sie nicht tragen! Wir können sie aber auch nicht hier liegen lassen! Die Blutleere kommt! Weckt sie wieder auf! Aber dann will sie zu ihr hin. Schütz ihre Ohren! Gebt mir das Wachs!" Dann spürte sie einen stechenden Schmerz gefolgt von unendlicher Stille. Sintha nahm ihren Arm, brüllte irgendetwas und sie rannten auf die andere Seite. Die Laterne blieb stehen, bei den Letzten, die sie niemals gebrauchen werden. Auf der anderen Seite herrschte schon das Chaos. Marlene verspürte wieder den Drang und suchte mit ihren Blick nach der Blutleere. Doch dann hielt sie jemand ganz fest sie sah in die Augen von En, ihrem Licht. Er zeigte auf das Tor und brüllte irgendetwas. Sie hörte nichts, aber sie wusste was er wollte. Weitere Schatten stürmten in das Tor und rannten zu den Letzten. Marlene sah wie sie überrannt wurden. Es gab keine Hoffnung, doch En hielt sie mit aller Kraft fest und zog sie durch das Tor. Marlene war sich sicher, dass Sintha und Milan hinter ihr waren, aber sie schaute nicht zurück sondern rannte immer weiter hinter ihr Licht. Sie verloren die Orientierung. Irgendwann hielten sie an und Marlene schnitt sich das Wachs aus den Ohren. Dankbar nahm sie den Heiltrank, den sie von der Herkin noch in der Tasche hatte. Sie rannten weiter, es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, überall sah sie Schatten, doch dann erkannte sie das Unheiligtum und hätte niemals gedacht, dass es sie retten würde. Sie wusste wieder wo sie waren. An der Brücke angekommen, warteten sie noch lange Zeit auf weitere Überlebende. Marlene war der Meinung noch ein Licht gesehen zu haben, aber es war wohl nur eine Täuschung. Irgendwann war es Zeit und sie gingen zu dem Dorf. Sie lies En nicht los, obwohl sie mittlerweile eine eigene Laterne erhalten hatte. Im Dorf angekommen, wurden sie gefeiert wie Helden. Als Heldin fühlte sie sich keineswegs. Ihre Freunde, ihre Familie haben ihr geholfen und dafür mussten sie sterben. Sie schaute zu En. Er war ihr Licht, ihre Hoffnung.




Agatha ...



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...   Erstellt am 16.09.2019 - 23:03Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Agatha Herk
Zwei Versprechen hatte sie am Samstag gegeben: Ihrem Cousin Ulrik, langjähriger Patron der Herken, Eldermannkandidat, einer der Sieben, versprach sie, ihre Pflicht zu tun für das Dorf, für die Familie. Und Torfa, der großen Liebe ihres Freundes und Familienmitgliedes Lentz, versprach sie, dafür zu sorgen, daß er nicht schon wieder etwas Dummes tun würde, um sie oder andere zu schützen.
Bei der Flucht bei der roten Welle stand sie so, daß sie einen letzten Blick auf die standhaften Sieben werfen konnte, sehen, wie die Phalwargs gegen sie anrannten und sie diesem ersten Ansturm standhalten konnten. Dann mußte sie laufen, durch die Unterstadt und den Wald und die Schreie verfolgten sie noch lange.
Wie befürchtet, gaben sie alle ihr Leben, aber viel Zeit zum Trauern blieb nicht im Dorf, denn die nächste Welle sollte ja kommen und sie mußte die Wegbeschreibung noch verinnerlichen, gab es ja leider viel zu wenige, die als Führer im Wald dienen konnten, weil viele derjenigen, die den Wald kannten, auch diejenigen waren, die zu Den Letzten gehörten und den anderen Zeit für die Flucht verschaffen sollten.
Agatha beschloss, mit Lentz und Torfa zu gehen. Sie stellten sich zwischen Nangistenlager und Güldringerhäusern auf, um abzuwarten, bis der Weg durch das Tor frei war. Lentz drückte alle eng beisammen, um mit ihrer aller Mäntel die Lichter abzuschirmen und die Köpfe nach unten, um die Frauen vor dem Blick der Blutleere zu schützen. Beim zweiten Versuch, als eine der letzten fliehenden Gruppen, kamen die drei durchs Tor und stolperten durch den Wald, immer wieder Gestalten und Geräuschen ausweichend. Irgendwann - mehr durch Zufall als durch Absicht - fanden sie den Weg, der zur Brücke führen sollte. Und sie fanden Schatten. "Lauft weiter, zur Brücke!" Agatha scheuchte Lentz und Torfa weg, und sie rannten. Der Schatten griff an, verletzte Agatha am Arm, sie schrie, wich aus, und er war weg. Zitternd und betend, daß Lentz und Torfa es schaffen würden, bemerkte Agatha eine weitere übernatürliche Gestalt neben sich. Sie stand nur da, griff nicht an. Nun, dann konnte Agatha auch weitergehen, die beiden anderen waren zum Glück längst außer Sichtweite. Verängstigt und verletzt suchte sie den Weg und wußte nicht, ob sie schon längst an dem Abzweig vorbei war oder er noch kommen würde. Das Wesen wich nicht von ihrer Seite, weder als sie betete, noch als sie das Schutzlied sang. Als sie verzweifelt weinte, weil sie nicht mehr glaubte, zur Furt zu finden, hob das Wesen den Arm und zeigte in den Wald. Wollte es helfen? Oder war das eine Falle und Agatha würde ihre Seele verkaufen, wenn sie diese Hilfe annahm? Sie wußte es nicht. Bangend, betend, schwankend zwischen Hoffnung und Verzweiflung stolperte sie durch das Unterholz, immer wieder geleitet von dem Wesen, was sie begleitete. Irgendwann sah sie die Lichter der anderen, erreichte bald danach die Furt. Bevor sie in der Gruppe verschwand, um nach Lentz und Torfa zu suchen, zu sehen, ob sie ihr Versprechen hatte halten können, drehte sie sich noch einmal zu ihrem Begleiter um, und sah ihn ein letztes Mal winken, bevor er im Wald verschwand.
Wer er war, das konnte ihr die Sedai erklären: es war Ävir, einer der Sieben, der sie im Wald gefunden und geführt hatte, bis sie in Sicherheit war. Und so hatte ihr Triun einen guten Geist geschickt und Agatha damit gezeigt, daß er ihr vergeben hatte, daß sie in der zweiten Wylden Nacht so sehr an ihm gezweifelt hatte.




Cales ...



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...   Erstellt am 17.09.2019 - 08:37Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Endecho Morel, genannt En, Chronist des Hauses Festünder


Als die rote Welle kam stand er bei den drei Heldinnen, Ria, Jule und Maya, die später die Blutleere töten sollten. Er hatte schon damit gerechnet, alleine zu fliehen, um die Chronik in Sicherheit zu bringen. Dann wurde Marlene von ihren Freunden gebracht, weil sie fast zum Falschtod gelaufen wäre.
Das Licht Triuns half und beide rannten in einem unbeobachteten Moment zum Tor, während Schatten Freunde und Nachbarn abschlachteten und ihnen dadurch den Rücken zudrehten.

Auch viele andere rannten in diesem Moment aus dem Tor. Es waren so viele Lichter im Wald. Viel zu viele. Sie hätten warten müssen, doch die ersten Schatten kamen bereits aus dem Dorf.
Also schmissen die beiden sich ins Gestrüpp, schlichen außen an der Mauer entlang. Die Stimme der Blutleere griff nach Marlene.

Doch sie rannten weiter, Hand in Hand und mit nur einer Laterne. Weiter in den Wald, weg vom Pfad, wo verzweifelte Schreie zu hören waren.
Bald sahen sie den Scyldwall. Sie waren zu weit gelaufen. En zog Marlene zurück Richtung Pfad, sie kamen zum Unheiligtum und von dort wieder zum Pfad. Da waren noch andere, wieder zu viele Lichter und wieder ging es weg in die Schwärze des Waldes. Immer weiter und weiter. Zu weit, sie hatten sich verlaufen. Die Lichter waren weg.
Dann, endlich, tauchte ein anderer Pfad auf. Er führte zur Brücke! Da waren viele Laternen, es musste sicher sein.

En war einer der letzten, die an der Brücke ankamen. Vier Festünder waren dort. Insgesamt vielleicht 20 Überlebende. Dann warteten sie. Warteten und warteten. Doch es kam niemand mehr. Langsam dämmerte allen, dass sie die Einzigen waren, die letzten Vhinbrosier.

So zogen sie weinend weiter nach Kumbersmerze. Man konnte das Dorf schon von weitem hören. Nach einer gefühlten Ewigkeit sah man Lichter. Dann das Tor. Und dann all die jubelnden Menschen, die die Überlebenden beglückwünschten, sie als Helden bezeichneten. Es fühlte sich so falsch an. Die Helden waren gefallen. En war Elend. Niemals wird er die vergessen, die ihr Leben ließen, damit er weiter leben konnte.

Doch er wollte auch feiern.
Auf das Überleben, trinken auf die Verstorbenen, auf Vhinbrosir.
Auf Feste und Freundschaft! Auf die Familie!

[Dieser Beitrag wurde am 17.09.2019 - 08:40 von Cales aktualisiert]




karlina ...



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...   Erstellt am 18.09.2019 - 07:03Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Biene – die Boten-Biene von den Nangisten

Biene hat sich den zweitschlechtesten Tag ausgesucht in ihrem Heimatdorf vorbeizuschauen, um Post auszutragen – den Tag vor dem Untergang Vhinbrosirs. Der Abend ihrer Rückkehr hatte so schön angefangen, wie immer hatten die Nangisten keine Zeit, Biene hatte keine Ahnung war vor sich ging. Also betrank sie sich mit ein paar Grimwolds, die sie grade kennen gelernt hatte und bändelte mit Jetsam an – da hätte was Schönes daraus werden können. Warum war dieser Kerl nur so heldenhaft und wurde einer der Sieben? Biene spielte mit dem Gedanken ebenfalls nicht wegzugehen, doch Jetsam hatte sie gebeten zu versuchen zu überleben. Das war das Zünglein an der Waage, die eine oder andere schnelle Entscheidung in dem Chaos der Nacht hätte anders ausfallen können.
Biene war trotzdem bei den Letzten, entschlossen erst zu gehen, wenn alle die flüchten sollten, dies auch getan haben. In der ersten Welle hatte der Plan hingehauen, die Sieben erkauften Vhinbrosir genug Zeit, dass seine Bewohner zum Weißen Feld entkamen. Dort den gellenden Schreien der gefolterten Sieben Helden zuhören zu müssen, machte Biene mürbe und taub in ihrem Inneren. Kein Leben mehr in den Sieben zu finden, nahm sie wie hinter einem Schleier wahr und Tränen fand sie nicht.
In der zweiten Welle funktionierte der Plan die Wesen von den Dorfbewohnern abzulenken schlechter. Es brach gleich Chaos aus, nachdem die Schatten und die Blutleere das Dorf betreten hatten, Angst und Panik griffen um sich, die Schatten griffen die Dorfbewohner an. Die Letzten versuchten die Schatten wegzulocken, dies gelang teils, einige Bewohner flüchteten, andere gingen zu Boden. Dann gab einer der Letzten das vereinbarte Zeichen selbst die Beine in die Hand zu nehmen – und das tat Biene nach einem kurzen Blick in das Dorf, sie hatte ja versprochen zumindest zu versuchen zu überleben. Sie floh durch das Tor und traf bald auf Herrn Alberich. Es waren Schatten dort und hinter ihr, im Tor des Dorfes, tauchte nun der grüne Jäger auf. Hinter Biene hatte es keine Chance mehr auf Entkommen gegeben! Zunächst in wilder Panik floh sie mit Herrn Alberich durch den Wald. Ihre Füße trugen sie zu Hoedall, dessen Aura sie beruhigte und dann weiter zur Brücke.
Und dann, an der Brücke: dort standen viel zu wenig Menschen! Viel zu wenig! Wo waren sie alle? War sie zu früh losgelaufen? Verzweiflung und Scham durchflutete sie, sollte sie zurück gehen?
Ein paar mehr Vhinbrosier trafen auf Umwegen ein, doch nicht viele. Der bedrückte, kleine Haufen Menschen wartete lange in der Dunkelheit, schwenkte die Laternen, rief nach Überlebenden, schickte einen Suchtrupp aus, in der Hoffnung dass verspätet wenigstens die, die es mit der Blutleere aufgenommen hatten, noch kommen würden. Doch es war vergebens.
In Dreiergruppen machten sie sich vorsichtig durch den weniger gefährlich werdenden Wald auf nach Cumbersmerze. Mit Magnus begleitete sie Valrun Güldringer in jener Gruppe, welche anführte. So kam es, dass Magnus und sie Cumbersmerze als erste betraten. Sie hatten schon von weitem die Geräusche eines Festes gehört. Die Cumbersmerzer standen am Tor, jubelten und begrüßten sie als Helden – Oh! Wie sehr sich diese Leute täuschten! Waren die Helden doch diejenigen die nun tot waren! Und sie waren nur diejenigen, die durch den Tod geliebter Menschen überlebt hatten. Erst fühlte sie sich nur leer, dann löste sich die Taubheit auf Bienes Seele, Trauer und Angst brachen sich Bahn und lange konnte Biene nicht aufhören zu weinen. Im Laufe der Nacht versiegten die Tränen, dank der freundlichen, fröhlichen Cumbersmerzer.





Signatur
Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will.
(Jean-Jacques Rousseau, 1712 - 1778)

Torfa 



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...   Erstellt am 21.09.2019 - 03:10Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Torfa Ainsfahrt, Theater Haberstedt, Festünder

Wir wussten, dass Vhinbrosir untergehen würde, untergehen musste. Unser feiger Patron hatte sich mit dem Kunstschatz aus dem Staub gemacht, also mussten wir kurz vor der Elderwahl einen neuen wählen. Eigentlich hätte es En werden müssen, aber der stand zur Elderwahl und so wurde Torfa, das kleine Mädchen vom Theater, zur Patronin der Festünder. Ihre erste Aufgabe war es, drei Festünder in den Tod zu schicken. Navid war einer der Sieben. Er war erst seit kurzem in Vhinbrosir, aber das machte es ihr nicht einfacher, ihn gehen zu lassen, gehörte er doch zur Familie. Die beiden Festünder, die dem restlichen Dorf den Rückzug in die Unterstadt sichern sollten, waren Brin und Krog. Ja, auch die beiden waren noch nicht lange Festünder, aber sie gehen zu lassen hieß auch, Maya und Marlene unglücklich zu sehen. Torfa war kein Anführer, so wie Vero es war. Alles was sie ihrem Haus sein konnte, war eine Mama, denn es lag ihr sehr am Herzen, dass die Familie überlebt. Es war, wie es war, die drei waren die einzigen im Haus, die eine Chance hatten den anderen ein paar Minuten Zeit zu erkaufen. Sie fühlte sich so mies Maya und Marlene gegenüber. Als sich, wenig später, Krog bei der Elderwahl auf die Seite Schattenhands stellte, konnte Torfa ihren Augen kaum glauben. Er war einer der letzten, denen sie das zugetraut hätte. Klar, er kam aus der Unterstadt, aber sie konnte sich doch nicht so sehr in ihm getäuscht haben. Als Krog Schattenhand als erster angriff, schämte Torfa sich, dass sie so schlecht von Krog gedacht hatte, wenn auch nur für wenige Minuten. Für den Gedanken hatte sie aber nicht viel Zeit, denn kaum gedacht, sah sie zwischen den Häusern der Herken Lentz am Boden liegen. Die Situation war ähnlich wie bei der letzten Wylden Nacht. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und es hatte ihn - wieder - erwischt. Sie warf sich neben ihn, ohrfeigte ihn, schrie ihn an. Wieder war es Kayla, die ihn versorgte und ihm wieder auf die Beine half. Wenig später kam Sintha auf Torfa zu und frug um Erlaubnis, Milian heiraten zu dürfen. Torfa war klar, dass irgendetwas nicht stimmte, aber sie merkte auch, dass es Sintha wichtig war, also redete sie ihr ins Gewissen und gab den beiden anschließend ihren Segen. Es war schon schlimm genug, dass sie Sintha am Abend vorher angelogen hatte. Egal wie gut Sintha es gemeint hatte, Torfa wollte niemanden vergiften. Gedankenverloren ging sie durchs Dorf; ihre Füße liefen dabei automatisch rüber zu den Herken, mit denen sie in den letzten Wochen viel Zeit verbracht hatte. Agatha grinste sie breit an und ehe sie sich versah, nahm Lentz sie zur Seite. Er murmelte etwas, das sie nicht verstand, aber das war auch nicht nötig, denn plötzlich fiel er vor ihr auf die Knie und drückte ihr ein kleines Schmuckkistchen in die Hand. Darin war ein silberner Ring. Für einen wundervollen Augenblick vergaß Torfa alles, worum sie sich sorgte, und war glücklich.



Langsam ging die Sonne unter und zum ersten Mal in ihrem Leben bereitete Torfa sich darauf vor, nach Anbruch der Dunkelheit in den Wald zu gehen. Wen würde sie nach diesem Tag wiedersehen? Da sie es nicht wusste, beschloss sie, sich von allen zu verabschieden, die ihr wichtig waren. Lieber so, als es nachher zu bereuen, dass man es nicht getan hatte. Doch es fiel ihr schwer, so unendlich schwer. Allein die Vorstellung ihre beiden Familien zu verlieren ... Einzig noch schlimmer war der Gedanke, dass sie selbst jemandem etwas antun könnte. Also rang sie Lentz das Versprechen ab, sie mit allen Mitteln aufzuhalten, sollte sie den dunklen Mächten anheim fallen, und wenn nötig ihr Leben vorzeitig zu beenden.

Kurz bevor sich das Dorf versammelte, rief sie ihre Festünder zu sich. Noch einmal wollte sie ihre Familie um sich haben, wollte ihnen Mut zusprechen, doch schon mit den ersten Worten kamen ihr die Tränen. Sie wollte, dass sie wissen, wie wichtig sie ihr waren und dass keinen einzigen von ihnen verlieren wollte, aber was genau sie sagte, daran erinnerte sie sich später nicht mehr.

Man konnte den Zusammenhalt des Dorfes förmlich spüren, als es los ging. Es fühlte sich an, als wären aus den Häusern eine Familie geworden. Als die Sedai das Zeichen gab, rannte Torfa mit allen anderen in die Unterstadt. Ein einziges Mal war sie dort gewesen, damals mit Rhabek und Frau Haberstedt, als diese sich amüsieren wollte. Torfa folgte den anderen, verlor völlig die Orientierung, und dann war es so weit, es ging hinaus in den Wald. In ihrer rechten Hand hatte sie ihre kleine Laterne, mit ihrer linken klammerte sie sich an En. Antima führte die beiden. Antima war der Ruhepol der Gruppe. Immer wieder beruhigte sie die beiden, redete leise auf sie ein. Zitternd schaute Torfa nur auf den Boden, um bloß nicht zu stolpern oder irgendwo hängen zu bleiben. Überall schienen Schatten zu sein, hier und da ein Tehanier. Sie fühlte sich, als würde sie ständig irgendwo ausrutschen - dämliche Holzschuhe - und hielt sich panisch an En fest. Plötzlich blieb sie mit ihren langen Röcken an einem Ast hängen und schaffte es nur mit Ens Hilfe, sich loszureißen. Sie war überglücklich, als sie am weißen Feld ankamen und sie ihre Familie wiedersah, doch die Schreie aus dem Dorf hallten durch den ganzen Wald. Sie versuchte die Geräusche auszublenden, denn wie sollte sie für ihre Familie da sein, wenn sie selbst verzweifelte? Es gelang ihr nicht wirklich, aber sie war verdammt noch mal Schauspielerin! Ihre Rolle war die, der Patronin, und so hatte sie sich auch zu verhalten!

Nach einer gefühlten Ewigkeit traten die drei wieder den Weg ins Dorf an; En und Torfa Hand in Hand, Antima schritt voran. Etwa auf halber Strecke umklammerte En ihre Hand plötzlich fester. Torfa hatte keine Zeit, sich Gedanken zu machen, was gerade los war, aber zum Zeichen, dass mit ihr alles in Ordnung war und dass sie es schaffen würden, verstärkte auch sie ihren Griff. Die drei liefen immer schneller. Es war nicht mehr weit bis zum Tor, da verfolgte sie ein Tehanier. Torfa wurde ganz schummrig und ihr Kopf fühlte sich an wie nach einer ersten Premierenfeier, als die drei durchs Tor liefen. 'Oh, mir ist gerade beim Laufen wohl die Kerze ausgegangen', sagte sie, leicht verwirrt. 'Nein, nicht erst gerade', versicherte ihr En. Jetzt verstand sie, was vorhin geschehen war.

Die Rückkehr ins Dorf war erleichternd und erschreckend zugleich. Erleichternd, weil fast alle es geschafft hatten und erschreckend wegen der Opfer, die die rote Flut gefordert hatte. Natürlich wusste sie, dass es geschehen würde, aber Teile der Familie dort liegen zu sehen schnürte ihr die Kehle zu.

Es blieb nicht viel Zeit bis zur grünen Flut. Noch einmal suchte Torfa ihren Sack Flöhe zusammen. Jule, Maya und Ria hatten sich in die Idee verbissen, die Blutleere zu töten. Torfa konnte sich niemand besseren dafür vorstellen. Alle drei wirkten immer so arglos und lange hatte niemand den Festündern etwas zugetraut. Sie würden es schaffen, dessen war Torfa sich sicher. Hierfür brauchte es keine Kämpfer, keine Politiker, es brauchte drei kleine Mädchen, die stärker waren, als sie selbst es vermuteten. Es war wie in einem Theaterstück.

Das Dorf teilte sich in Gruppen auf und wartete und wartete und wartete. Es schien elendig lang zu dauern, bis die Blutleere mit ihrem Gefolge ans Tor kam. Diesmal war es komplizierter. Zu wenige kannten den Weg zur Brücke und so sollte Torfa mit Lentz und Agatha gehen. Während des Wartens legte Agatha ihre Hand auf Torfas Schulter: 'Wenn wir da draußen angegriffen werden, dann werde ich sie aufhalten und ihr beide lauft! Ich will nicht sehen, wie einer von euch beiden leidet, weil der andere nicht mehr da ist. Ihr werdet es zusammen bis zur Brücke schaffen!' Dann kam die Blutleere.

Die drei versuchten ihre Laternen zu verstecken, als sie an den Schatten vorbei durchs Tor huschten, doch es gelang nicht direkt und die Schatten fauchten sie an, drängten sie zurück. Der zweite Versuch glückte und sie schlitterten halb die Stufen hinunter und ins Geäst. Torfa hielt sich an Lentz fest, Agatha ging hinterher. Sie waren fast an den drei Kerzen angekommen, als sich ihnen Schatten näherten. 'Lauft!' rief Agatha und stellte sich dem Feind in den Weg. Ohne nachzudenken liefen die beiden, Hand in Hand, bis sie die Lichter an der Brücke sahen. Hatten sie es tatsächlich geschafft?



Marlene war da, En, Yolanda, die Sedai, Alma, einige mehr. Die drei Mädchen hatten noch eine Aufgabe vor sich, aber wo war Sintha? 'Torfa, komm schnell, Lentz liegt hier', hörte sie Alma rufen. Wieso? Was ist passiert? Einer der Schatten am Tor musste ihn an der Schulter erwischt haben. Lentz murmelte etwas davon, dass Torfa ja nun in Sicherheit sei und dann wollten ihm die Augen zu fallen. Da fiel Torfa die Flasche mit diesem Trank ein. En hatte sie ihr gegeben. Was auch immer darin sein mochte, sie öffnete die Flasche und kippte etwas davon in Lentz. Während Kayla sich um ihn kümmerte, murmelte er etwas davon, dass Torfa dafür sorgen solle, dass er ihr gemeinsames Haus nicht verlasse, denn er würde eh nur in solche Situationen geraten. Da ragte Alma - ganz Patronin - über den beiden. Mit strenger Stimme sagte sie zu Lentz: 'Du WIRST das Haus verlassen. Es haben fast alle Herken den Weg geschafft, aber nur wenige Festünder.' Torfa sah sich um. Schon eine ganze Weile waren sie an der Brücke und mittlerweile kam niemand mehr nach. Sie, En, Marlene und Yolanda. Das war's. Mehr waren sie nicht. Wie durch ein Wunder war auch Agatha bei ihnen. Wie auch immer sie das geschafft hatte, Torfa war froh, sie zu sehen. Doch die Zeit wurde lang und es war klar, dass niemand mehr kommen würde. Torfa dachte an die drei. Drei Mädchen, die sich der Blutleere gestellt haben. Torfa würde ein Theaterstück schreiben, auf dass niemand sie je vergessen würde, die drei Heldinnen der Festünder. Sie war sich sicher, dass sie es geschafft hatten und die Blutleere vernichtet war. Gedankenverloren griff Torfa in ihre Schürze, dorthin, wo sie immer Rias Geklimper aufbewahrte. Jedes Mal, wenn Ria in den Wald ging, gab sie es Torfa, damit sie es ihr wiedergeben konnte, wenn sie wiederkam. Dieses Mal hatten sie ihr kleines Ritual ... vergessen ... dieses eine Mal ... Torfa nahm sich vor, sich in der nächsten Stadt irgendwas zu kaufen, was klimpert.

Die Sedai riss sie aus ihren Gedanken, als sie zum Aufbruch rief. Das letzte Stück bis Kumbersmerze fühlte sich nicht real an. Torfa verstand nicht ganz, wie sie überlebt haben konnte. So viele Erinnerungen gingen ihr durch den Kopf. Die ersten Tage nach dem großen Vergessen, das erste Theaterstück im Dorf, das Singen für Gustus, das erste Zusammentreffen mit En, die verschiedenen Festünderpatrone, die ganzen Hochzeiten, das erste Mal einem Grimwold gegenüberstehen, ... Alles wirkte, als wäre es ein Traum.

Mit Lentz und Alberich ging sie den anderen hinterher. Da hörte sie die Geräusche der Stadt, Musik, Stimmen. Man schien sie alle zu erwarten. Als sie das Stadttor durchschritten standen da Menschen, die ihnen Getränke reichten und Essen. Sie freuten sich und beglückwünschten die Ankommenden. Es war völlig surreal. Torfa war erleichtert, doch ihr rannen die Tränen die Wangen herab. Sie hatte so viel verloren, doch in ihrer Verzweiflung lächelte sie.

En, Marlene, Yolanda, Lentz, Alma, Kayla, Aruna, ... Festünder, Herken, Güldringer und Nangisten, doch das war jetzt alles nicht mehr wichtig. Knapp über 20 hatten den Auszug überlebt. Was kümmerte es irgendwen, zu welchen Häusern sie einst gehörten? Sie waren eine Familie. Auf Feste, Freundschaft und Familie!





Signatur
Ich backe, also bin ich.

Aenna 



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...   Erstellt am 21.09.2019 - 10:11Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Aenna – aus dem Hause Herk

Die rote Welle:
Wie alle anderen Dorfbewohner versteckte sich Aenna im Festünder-Viertel vor der erwarteten roten Welle. Die Häuser versperrten ihr die Sicht auf das Tor und so konnte sie nur erahnen, was da auf sie alle zukam. Der Plan stand. Die Sieben sollten die rote Welle aufhalten und den Dorfbewohnern Zeit verschaffen. Die Letzten sollten die Tore zur Unterstadt öffnen und den Fluchtweg sichern. Wer es schaffte, noch zum weißen Feld folgen.
Nebel kündigte das Kommen der roten Welle an und der dunkle Wächter stellt ein Ultimatum. Wer sich in den nächsten 100 Herzschlägen zu ihm bekenne, dessen Schaden sollte es nicht sein. Das waren die längsten 100 Herzschläge, die Aenna in ihrem Leben je erlebt hat. Als der dunkle Wächter zurück kam löst sich eine Gestalt aus der Masse. Jonaz, einer der Unterstädter. Niemand sonst bekannt sich offen zu Lelicor, auch wenn es so schien, als würden einige gerufen. Doch sie wurden von ihren Liebsten und Freunden einfach festgehalten. Plötzlich passierte alles auf einmal. Der Angriff der Phalwargs begann und die Sieben stellten sich ihnen entgegen. Gleichzeitig brauchen die Tore zur Unterstadt und die Flucht begann.
Aenna war das erste Mal in der Unterstadt, doch vor lauter Angst hatte sie sich nicht wirklich umgesehen. Sie stolperte Milian einfach nur noch hinterher. Zog den Kopf ein, wenn er es sagte und hielt verkrampft das Seil fest das er hinter sich in die Höhe hielt. Die Gänge wanden sich durch die Unterstadt, dass sie schnell die Orientierung verloren hatte und ohne das Seil längst unauffindbar gewesen wäre. In eine Kuppel stoppte es vor ihr und in dem Moment ging die Kerze in ihrer Laterne aus. Sie ging zur Seite um den Nachfolgenden nicht noch im Weg zu stehen. Mit zitternden Händen versuchte sie die Kerze wieder anzuzünden. Das erste Zündholz brach, das zweite auch. Noch einmal tief einatmen. Die Hände beruhigen. Beim dritten Versuch brannte die Kerze wieder. In der Kuppel wurde es immer voller, denn am Ausgang staute es sich. Plötzlich stand Sintha vor ihr und hatte irgendein Pulver auf ihrer Hand. Sie hielt die Hand Aenna hin. „Will ich das wirklich?“ und Sintha nickte nur. Also nahm Aenna das erste Mal in ihrem Leben Drogen. Sie spürte die Wirkung sofort und war froh, dass die Panik weniger wurde. Sie konnte endlich wieder freier atmen, auch wenn die Flucht eigentlich erst losging. Die Leute konnten nur in dreier Gruppen die Kuppel verlassen. Gleichzeitig wurde der Brandgeruch immer deutlicher und es war klar, viel Zeit blieb nicht mehr.
Endlich war sie an der Reihe. Zusammen mit Lentz und Agatha zog das Herken-Trio los. Unter der Führung von Lentz schlichen sie aus der Kuppel und in den Wald, den Aenna nun zum zweiten Mal nachts betreten musste. Kaum waren sie fünf, sechs Meter gelaufen tauchte ein Tehanier vor ihnen auf und Lentz deutete an leise und möglichst schnell an ihm vorbei zu schleichen. Immer wieder musste Lentz sie stoppen, da sie sonst in die nächste Gruppe gerannt wären.
Nach einer gefühlten Ewigkeit und keinen weiteren unliebsamen Begegnungen kamen sie endlich am weißen Feld an und hielten ihre Laternen für die anderen im Wald hoch. Viele hatten es geschafft, doch ob es alle waren, konnte man nicht genau erkennen.
Dann begann das Warten. Sie hörten gequälte Schreie aus dem Dorf. Plötzlich Stille. War das Dorf wieder sicher? Hatte jemand das vereinbarte Signal gehört? Das Licht auf dem weißen Feld wurde schwächer und sie wussten schon wieder, die Zeit wurde knapp. Da! Der Uhu-Ruf. Zwei Mal. Sie konnten zurück. Also begannen die Dorfbewohner wieder in dreier Gruppen in den Wald zu schleichen. Wieder führte Lentz Agatha und Aenna sicher in das Dorf zurück. Im Dorf fanden Sie die übel zugerichteten Leichen der Sieben, doch für eine angebrachte Trauerzeremonie war keine Zeit. Sie versuchten in aller Hast Abschied zu nehmen, dankten ihnen noch einmal für ihr Opfer. Mehr konnten sie nicht tun. Die grüne Welle war auf dem Weg!

Die grüne Welle:
Nicht alle wussten, wie sie zur Brücke kommen sollten, die ihnen Sicherheit versprach. Also versuchten sie die Grüppchen so aufzuteilen, dass ein erfahrener Dorfbewohner, der sich im Wald auskannte mit denen ging, die noch nie oder nur selten im Wald waren. So landete Aenna bei Lilliana von den Nangisten und Yolanda von den Festündern. Da Aenna wusste, dass sie keine gute Läuferin war, schon gar nicht nachts im dunklen Wald, hatte sie schreckliche Angst davor, den beiden anderen zur Last zu fallen. Aber die Gruppe stand und Lilliana bläute ihr ein zu rennen, nicht nur ihr Leben und das von Yolanda hingen davon ab. Auch das Leben von Lillianas ungeborenen Kindes hing davon ab, das Aenna so schnell rannte wie noch nie zuvor. Um sich nicht zu verlieren hielt sich Yolanda an Lillianas Gürtel fest und Aenna klammerte sich an Yolandas Mantel.
Zwischen dem Güldringer-Viertel und dem Nangisten-Viertel versteckten sich wieder einmal die Dorfbewohner, die nicht als Ablenkung zurück bleiben würden. Der Fluchtweg durch die Unterstadt war versperrt. Sie brannte lichterloh. Dann begann wieder die Zeit des Wartens. Sie versteckten ihre Laternen zwischen sich, um den Schatten nicht sofort aufzufallen. Der Ablenkungstrupp stand ihnen gegenüber in der Gasse zwischen der brennenden Unterstadt und dem Festünder-Viertel. Als das Warten endlich ein Ende hatte und das Licht der Blutleere durch das Tor drang sengte Aenna den Blick, obwohl sie längst mit dem Rücken zum Tor stand. Lilliana würde schon wissen, wann der Zeitpunkt gekommen wäre um zu laufen. Die Blutleere rief nach ihren Kindern und Corbinian löste sich aus unserer Ecke. Mit einigen Unterstädtern zusammen ging er zu ihr und empfang ihren Kuss.
Das Ablenkungsmanöver startete, aber irgendetwas ging schief. Wir hörten den Ruf „Malfang“ und die Blutleere brüllte vor Wut. Doch nichts passierte. Kein grünes Licht. Keine Schatten, die Malfang anbeteten, um den Dorfbewohnern die Flucht zu erleichtern. Die Blutleere lachte und sagte nur: „Holt sie euch.“
Lilliana schlich vorwärts in das Nangisten-Viertel, um von dort durch das Tor zu entkommen. Es schien, als wäre ein kleines Schlupfloch zwischen den Schatten entstanden und sie startete die Flucht. Doch unerwartet sprang ein Schatten zwischen Lilliana und Yolanda. Yolanda ließ Lilliana schreiend los und auch Aenna konnte sich nicht mehr festhalten. Plötzlich war Aenna allein, um sie herum das Chaos. Überall waren Schatten und Dorfbewohner, die panisch versuchten ihnen zu entkommen. Ohne das Wissen, wie sie zur Brücke kommen sollte und die Angst ganz allein in den Wald zu rennen, ließen sie erstarren. Plötzlich eine Silhouette, die ihr bekannt vorkam. Sie stolperte auf sie zu, erkannte Lilliana und schnappte sich ihre Hand. Lilliana war kurz überrascht, erkannte sie allerdings schnell und sie suchten Yolanda. Sie wichen Schatten aus und kamen immer näher an das Tor. Noch einmal drehte sich Lilliana um und rief nach Yolanda, doch sie hörten keine Antwort. Da die nächsten Schatten auf sie zu kamen fällte Lilliana eine schwere Entscheidung und rannte los, Aenna im Schlepptau.
Auf dem Weg durchs Tor wurden sie von Schatten angespuckt. Aenna hatte noch nie solche Schmerzen, aber die Angst sorgte dafür, dass sie Lillianas Hand nicht los lies. Sie wichen weiteren Schatten aus und Aennas Laterne ging zum zweiten Mal in dieser Nacht aus. Also klammerte sie sich noch verzweifelter an Lillianas Hand und stolperte ihr hinterher. Nach einer Weile wurden die Schatten weniger, sie schienen im Dorf genug zu fressen zu finden. Lilliana wurde langsamer und zog Aenna unerbittlich weiter durchs Unterholz. Überraschend erschien eine Gestalt, die ihren Arm hob und nach rechts zeigte. Lilliana folgte dieser Gestalt und sie gingen weiter. Da, das Unheiligtum, sie waren auf dem richtigen Weg. Als nächstes die Kerzen, die die Abzweigung markierten. Dann ein steiler Abhang. Sie konnten vor sich schon eine Handvoll Laternen sehen. Sie konnten nicht mehr weit weg sein.
Vor ihnen war auf einmal der Schein von Laternen und sie mussten stehen bleibe, um nicht kurz vor dem Ziel noch dem Kronesiten zum Opfer zu fallen. Plötzlich war auch der Schein einer Laterne hinter ihnen und Lilliana ließ Aennas Hand los, um den beiden hinter ihnen zu sagen, dass auch Lilliana und Aenna zu zweit mit nur einer Laterne unterwegs waren. Und wieder stand Aenna allein da, diesmal im Wald. Sie spürte, wie das Wurzelwerk aus dem Boden kroch und sich um ihre Knöchel wand. Sie wusste, Lilliana würde wiederkommen, doch der Kampf gegen die Panik war der schwerste Kampf, den sie bis dahin mit sich selbst ausfechten musste. Sie kam nicht mal auf die Idee ihre Laterne, die sie immer noch umklammerte, selber wieder anzuzünden. Als Lilliana zurück kam und sie wieder an die Hand nahm waren die Lichter vor ihnen weit genug weg und sie konnten zur Brücke laufen.
Dort angekommen sah sie in die Gesichter, die schon da standen. Es waren noch nicht viele. Sie lief zur Seite um nun endlich, wieder halbwegs bei Verstand ihre Laterne anzuzünden. Die nächsten die eintrafen waren Yolanda und Magnus, der sie irgendwie aufgesammelt und durch den Wald gebracht hatte. Und wieder hielten Sie ihre Laternen hoch um denen, die noch im Wald waren den Weg zu leiten. Anfangs kamen in regelmäßigen Abständen noch Dorfbewohner an der Brücke an. Dann versiegte der Zulauf. Sie waren vielleicht zwanzig. Die Hoffnung ließ sie noch lange warten. Als es jedoch immer leiser im Wald wurde und die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Festünderinnen, Maja, Ria und Jule, die die Blutleere töten wollten nicht mehr kommen würden, marschierten sie wieder in kleinen Gruppen los. Noch war die Gefahr nicht gebannt. Sie befanden sich immer noch im Schildenholz. Die Wahrscheinlichkeit auf Schatten zu treffen wurde zwar mit jedem Schritt geringer, aber es gab immer noch Räuber und auch der Bürgerkrieg ließ so manche zwielichtige Person in der Nacht umherstreifen.
Diesmal ging Aenna mit En und Marlene von den Festündern. Auf dem Weg nach Kumbersmerze wurde ihnen langsam klar, was und wen sie zurück gelassen hatten. Es waren viel zu viele, die ihr Leben gegeben hatten, um so wenigen die Flucht zu ermöglichen. Nach einem langen Marsch hörten sie Trommeln, Gesang und Gelächter. Das Dorf konnte nicht mehr weit sein. Noch vor dem Tor wurden sie herzlich in Empfang genommen. Es schien, als wären sie in ein Fest gestolpert. Es waren so viele neue Gesichter, die auf sie einstürmten. Alle schienen sich darüber zu freuen, dass sie überlebt hatte. Man bot ihr was zu essen und zu trinken an. Leitete sie immer tiefer in dieses fremde Dorf und trennte sie von den bekannten Gesichtern. Wie sich heraus stellte war das Fest für sie, die Überlebenden. „Die Helden von Vhinbrosir“ wurden sie genannt. Es fühlte sich nicht richtig an. Die Helden waren auf brutale Art gestorben. Schnell fand sie En und Marlene wieder und ging mit ihnen in die Taverne. Hier nahm sie das zweite Mal in ihrem Leben Drogen und merkte schnell, wie die Wirkung ihr half nicht völlig in Trauer zu versinken. Die fröhliche Stimmung steckte langsam an und mit En und Marlene fing sie an, schon fast hysterisch, unsinnige Zukunftspläne zu schmieden…





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