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IrasCignavojo ...
WeltChronist und
Ex-ZSL

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...   Erstellt am 28.08.2006 - 09:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Bericht des Händlers Hermez Kaphiz aus der der Stadt Aymara


Ganz still lag die See. Kein einziges Lüftchen war zu spüren. Die Sonne brannte erbarmungslos auf das kleine Ruderboot, das völlig verloren auf dem großen Ozean in der Strömung dahintrieb.In dem Ruderboot befanden sich drei Menschen. Zwei Männer und ein Knabe. Sie lagen alle drei auf dem Boden des Bootes und rührten sich nicht. Im Bug des Ruderbootes standen zwei Fäßer. Eins war halb gefüllt mit Wasser, in dem anderen befanden sich Äpfel.Die beiden Männer waren mit kostbaren Gewändern aus schwerem Samt bekleidet. Der Knabe allerdings trug die Tracht der Encebolischen Seefahrer. Als der jüngere der beiden Männer sich im Schlaf drehte, schlug er mit dem Kopf gegen die Bootswand. Er stieß ein unterdrückten Schmerzensschrei aus. Dadurch erwachte der Mann neben ihm. Mißmutig schaute er sich um. Nein, seit den zwei Tagen, die sie auf dem Meer trieben hatte sich nichts geändert und schuld war nur Gomez. Er mußte ja diesem Weibsbild auf den Leim gehen. Nun liegt Gomez neben ihm und ist schwer verletzt. Verletzt durch einen Schwerthieb, den ihm diese rothaarige Teufelin beigebracht hatte.

Die ganze Reise stand unter keinem guten Stern. Mit drei Schiffen waren sie losgefahren. Beladen mit Nahrungsmitteln, Stoffen, Farben und dem Sagenhaften Obsidian aus den Götterbergen. Das erste Schiff ging schon nach drei Tagen verloren. Plötzlich stand es in Flammen. Mit Mann und Maus ging es in sekundenschnelle unter. Zu retten war nichts und niemand mehr. Noch jetzt gellen die Hilfeschrei der Besatzung des Unglücksschiffes in seinen Ohren. Die Erinnerung an dieses Ereignis weckt ihn völlig auf. Hermez stand auf und kletterte über die beiden Schlafenden in den Bug des Bootes. Das Boot begann sanft zu schwingen. Im Bug angekommen, nahm er sich einen Apfel aus dem Faß und setzte sich auf den Bootsrand. Gedankenverloren sah er auf die See und reinigte den Apfel an seinem Gewand. Genußvoll verspeiste er ihn. Nach dem Mahl blickte Hermez suchend in die Runde. Nein, auch diesmal war kein Schiff am Horizont, geschweige denn Land, zu sehen. Langsam mußte etwas passieren. Gomez braucht unbedingt ärztliche Hilfe. Er hatte viel Blut verloren und begann nun auch noch zu fiebern. Wenigstens kam jetzt etwas Wind auf und ein paar Wolken zeigten sich am Himmel. Hermez Blick viel auf den Knaben. Timoz hieß er und war der Schiffsjunge auf dem Schiff, das ihnen am längsten geblieben war. Hermez dachte daran zurück, wie sie nach dem Brand auf hoher See mit zwei Schiffen weiterfuhren. Mit dem Verkauf der Waren der beiden Schiffe hatten sie einen beträchtlichen Gewinn erzielt. Und dann noch der Verkauf des alten Frachtschiffes Naruwa. Hermez kiecherte leise vor sich hin. Hatte er doch das Schiff zu einem Preis an diesen jugendlichen, adeligen Nichtsnutz verkauft, der in keinem Verhältnis zum eigentlichen Wert des Schiffes stand. Jetzt konnte er sich endlich einen zweiten Handelskontor in Aymara zulegen. Vergnügt betastete er die Edelsteine, die er für den Verkauf des Schiffes erhalten hatte und später dann in sein Gewand einnähte. Wenigstens die waren ihm geblieben. Die Piraten hatten sie nicht gefunden. Bei dem Gedanken an diese Seeräuber verfinsterte sich sein Gesicht. Mußte Gomez denn unbedingt in dieser verruchten Hafenkneipe so angeben und herausposaunen, daß sie viel Geld mit sich führten? Zuerst saßen sie allein am Tisch und dann kam diese rothaarige Schönheit zu ihnen. Selten hatte Hermez so eine Frau gesehen. Er ertappte Gomez dabei, wie dieser mit seinen Augen förmlich in den Ausschnitt ihres Kleides kroch, aus dem die Pfirsiche fast herausquollten. Ansonsten benahm sie sich wie ein richtiger Mann. Gomez wurde immer betrunkener und er mußte ihn aufs Schiff schleifen Auf dem Heimweg bemerkte Hermez ein paar zwielichtige Gestallten, die ihnen bis zum Schiff folgten. Nachdem Gomez in seiner Kajüte lag, befahl Hermez das sofortige Auslaufen des Schiffes. Der Kapitän vertröstete ihn auf den Morgen, den die Manschafft hatte Ausgang und war noch nicht vollständig an Bord. In den frühen Morgenstunden verließ die Juanita das Hafenbecken und glitt hinaus auf die offene See. Das kleine Hafenstädchen lag noch im Schlaf. Hermez genoß die Aussicht bald wieder zuhause zu sein. So segelte die " Juanita " einen Tag unter vollen Segeln dahin und legte eine gute Wegstrecke zurück. Am frühen Morgen des nächsten Tages wurde er durch den Bootsmann geweckt. Dieser teilte ihm mit, daß seit einiger Zeit ein Schiff neben ihnen herliefe. Mal sei es dichter dran, mal weiter weg, mal hinter dem Horizont verschwunden und dann tauchte es wieder auf.Eben gerade hatte es sich genähert und lief unter vollen Segeln auf sie zu. Hermez wollte gerade die Treppe zum Deck hinaufsteigen, als er den Ruf "Piraten" hörte. Das hatte gerade noch gefehlt! Die Manschafft war zwar in militärischen Dingen geschult, aber gegen Piraten hatten sie kaum eine Chance. Außerdem befanden sich relativ wenig Waffen an Bord. Die meisten Kanonen mußten weichen, um mehr Ladung transportiern zu können. Auf Deck angekommen sah er, wie Gomez gerade mit zwei Matrosen eine Kanone ludt und auf das Piratenschiff ausrichtete. Dieses hatte sich schon auf Schußweite genähert. In diesem Augenblick wurde eine ganze Breitseite auf ihr Schiff abgefeuert. Die "Juanita" erbebte förmlich, als die Geschosse einschlugen. Der Hauptmast ging zu Bruch und begrub drei Seeleute unter sich. Es waren ebenfalls Treffer unter der Wasseroberfläche zu vernehmen. Das Ruder wurde auch beschädigt. Der ganze Kahn war manövrierunfähig, aber ergeben wollte sich niemand. Gomez konnte einen guten Treffer an Deck des Piratenschiffes anbringen. Mehrere Gegner fielen über Bord oder lagen kampfunfähig an Deck. Aber dann kamen sie.Mit Enterhaken erklommen sie das Schiff und wüteten erbarmungslos unter der Manschaft. Diese setzte sich so gut wie möglich zur Wehr, konnte aber nicht lange standhalten. Hermez sah, wie Gomez gegen mehrere Piraten kämpfte und diese tötete. Dann stand Gomez vor dieser rothaarigen Teufelin. Ja, sie war es. Beide fochten gegeneinander und dann erhielt Hermez einen Schlag auf den Kopf. Als er erwachte lagen Gomez und Timoz neben ihm im Ruderboot. Zusammen verbanden sie mit einigen Kleidungsstücken die Bauchwunde von Gomez. Als Hermez hochblickte, sah er lauter wilde Burschen, die zu ihnen hinuntersahen und sie verhöhnten. Unter ihnen war die rothaarige Frau, die jetzt nicht mehr so schön aussah wie in der Hafenschenke, denn ihr fehlte das rechte Ohr. Gomez war ein guter Schwertkämpfer. Aber diesmal hatte er einen Meister, besser eine Meisterin, gefunden. Von der "Juanita" war nicht mehr viel übrig geblieben. Einige Trümmer schwammen auf der Meeresoberfäche. Dazwischen mehrere Leichen. Ganz in der Nähe des Ruderbootes trieb die Leiche des Bootsmannes vorbei. Hermez wurde übel, als er den geschundenen Leichnam sah und Haß stieg in ihm auf. Haß auf diesen brutalen Überfall und natürlich auf die Leute, die ihn durchgeführt hatten. Er fing langsam an zu murmeln und wurde dann immer lauter. Es war ein alter, sehr alter Fluch, den er als kleiner Junge von seiner Großmutter gehört hatte, als sie an einen reichen Adeligen ihr sämtliches Hab und Gut verloren hatten. Der Adelige konnte sich nicht mehr lange an seinen neuen Erungenschafften erfreuen. Kurze Zeit später fand man ihn in seinem Haus, an lebendigem Leibe verfault.

Hermez dachte daran zurück, wie die Piraten über ihn lachten und mit verfaulten Eiern und mit undefinierbaren Sachen aus der Latrinie nach ihnen warfen. Dann entfernte sich das Piratenschiff und segelte in Richtung Peristera davon. Das war vor zwei Tagen gewesen. Mißmutig blickte er auf den Horizont. Da, da war doch etwas in Richtung Bathron oder täuschte er sich etwa? Seine Augen hatten im Laufe der Zeit doch schon nachgelassen. Hermez kletterte zu den beiden Schlafenden und weckte Timoz. Dieser schlug die Augen auf und gähnte ihn mit geöffnetem Mund an. Pfui, wie das stank! Einfach grauenhaft! Aber sie hatten keine Mittel gegen Drachenatem an Bord. Stumm zeigte er auf den dunklen Punkt in Richtung Bathron. Timoz blickte in die Richtung und fing an zu schreien. "Ein Schiff. Ein Schiff!" Das gab es doch gar nicht! Sollten sie wirklich gerettet werden? Das Glück hatte sie wohl doch nicht ganz verlassen. Im Laufe der Zeit wurde das Schiff größer und größer. Doch plötzlich verstummten sie. Ihre Minen verfinsterten sich. Das Schiff kannten sie doch. Es war...

DAS PIRATENSCHIFF!

Ein entrinnen war nicht möglich, denn es hielt voll auf sie zu. Doch irgendetwas stimmte nicht, irgendetwas war ungewöhnlich. Das Schiff lief sehr unruhig, schlingerte ständig von rechts nach links und obwohl es keine Segel gesetzt hatte, bewegte es sich rasch auf sie zu. An Bord war niemand zu sehen. Timoz und er versuchten längs neben das Piratenschiff zu gehen, um dann an eine Außenbords hängenden Seiltreppe an Bord zu gelangen. Gemeinsam befestigten sie das Ruderboot am Schiff und kletterten dann die Seiltreppe hoch. Hermez ächzte, als er nach oben kletterte. Er war einfach schon zu alt, für solche akrobatischen Übungen. Mit letzter Kraft zog er sich über die Reeling und erstarrte...
So etwas hatte er noch nie gesehen. Hohlwangige bleiche Skelette starrten ihn an. Aber in ihren Augenhöhlen gab es noch Augäpfel. Langsam kamen sie auf ihn zu. Schreiend warf er sich rücklings in das Wasser. Timoz folgte kurze Zeit später. Gemeinsam banden sie das Ruderboot los und bewegten sich damit, die Hände als Paddel benutzend, vom Schiff weg. Über die Reeling sahen ihnen einige Skelette nach. Wild gestikullierten sie. Timoz und er paddelten wie die Verrückten, bis sie nicht mehr konnten. Dann sanken sie völlig erschöpft auf den Boden. Das Piratenschiff verschwand langsam außer Sichtweite. Hermez dachte an seine Großmutter. Ihr Spruch hatte Wirkung gezeigt....

Gehört und Aufgeschrieben durch
Alvarez den Barden in der Spelunke "Zum lustigen Seemann" in Aymara.





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