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liebe Helga Bilderelse!
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Bilderelse ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 17.02.2008 Beiträge: 173 Nachricht senden |
![]() (ansonsten ist dies nur eine schnöde Alltagsgeschichte) Ich glaube heute, dass nun der unselige Tag gekommen ist, an dem ich die Erkenntnis gewinne, dass meine Musen mich wohl verlassen haben. Warum tun sie das? Was habe ich ihnen angetan? Was mache ich bloß ohne sie? Setze ich mich in eine Ecke und weine ihnen dicke, blutige Tränen nach? Ich wusste es doch eigentlich schon so lange, dass, wenn mein eigenes Leben verarbeitet ist, mir vermutlich der Stoff ausgehen würde. Ich fühle mich dennoch eigenartiger Weise von dieser unseligen Erkenntnis mehr als betroffen. Mir fehlt das Schreiben an einem Buch so sehr, dass ich fast depressiv werden könnte. Krampfhaft renne ich den halben Tag irgendwie verwirrt durch die Wohnung, um mir banale Ersatzbeschäftigungen zu suchen, und schließlich betätige ich mich aber wenigstens nunmehr nützlich im Haushalt. Immerhin, besser als gar nichts zu verrichten und nur trübe Löcher in die Luft zu glotzen. Ich bin aber nahe daran, schlechte Laune zu verbreiten. Sehr unerquicklich. Wie gut, dass am Tage keiner meine Gegenwart ertragen muss. Ich bin zum Glück stundenlang der alleinige Herrscher in unserer schönen Wohnung. Keiner kommt mir in die Quere. Der Hausmeister klappert nur draußen geräuschvoll hin und wieder mit den Mülltonnen und hadert mürrisch wegen der unmöglichen Mieter, die alles wieder einmal zum wiederholten Male falsch entsorgten. Er kann die hier wohnenden Leute hier scheinbar nicht leiden. Alle sind in seinen Augen sowieso Schweine und ihre Hunde pinkeln zu allem Überfluss hin und wieder auch noch in den Hausflur. Der Mann hat also auch so seine Sorgen. Wenn es ihm zu bunt wird, dann dreht er zur Strafe die Sicherungen für die Außenbeleuchtung raus. Sollen sich doch diese Arschlöcher, die hier wohnen, die Augen oder Sonstwas im Dunkeln brechen, mag er denken. Hier macht doch jeder ständig, was er will. Jetzt hat er deswegen auch noch eine Klage am Hals. Seine Laune wird dadurch vermutlich auch nicht aufgebessert. Ich wenigstens bemühe mich den Müll richtig vorzusortieren, obwohl ich es wahrlich nicht nötig habe, mich beim Hausmeister einzuschleimen. Mein Mann meint, wir wären Eigentümer. Nicht bloß Mieter! Das verpflichtet. Ich nicke und werde mir nichts zu Schulden kommen lassen. Zum Glück haben wir keinen Hund, der in den Hausflur pisst, und auch keine Katze, die auf den Rasen mittelgroße Haufen macht, was ich im Vertrauen gesagt, nicht so schlimm fände. Jedenfalls gehören wir nicht zu diesen Mieterschweinen, wie der Hausmeister sagt. Das beruhigt. Zwischen unseren Häusern gibt es eine interne Straße. Sie kann nur mittels eines besonderen Schlüssels, der eine Schranke zum Heben bringt, langsam befahren werden. Um dies zu gewährleisten sind in regelmäßigen Abständen dicke Schwellen montiert. Man muss also vorsichtig sein, sonst wird der Unterboden des Autos gnadenlos aufgerissen. Porschefahrer mögen das nicht besonders, denn sie wollen stets forsch vorfahren, wie man weiß. Somit passierte das Unglück. Nun, der frustrierte Porscheeigentümer verklagt die Hauseigentümerschaft. Wie sollte er auch sonst sein Problem lösen, der Ärmste. Die Schwellen wären zu hoch und überhaupt man würde hier sowieso nur schikaniert und belästigt, es gäbe auch Leute, die halten sich einfach und ungeniert Kaninchen, die stinken. Die gleichen Vertreter zupfen auch nicht regelmäßig das Unkraut, von diesem unmöglichen Hausmeister einmal ganz abgesehen. Man hätte ihn beobachtet wie er sogar einen privaten Pflanzenkübel beim Heckenschneiden berührt hätte und darüber hinaus hätte er ihn auch noch versetzt. Hier kann wohl jeder machen, was er will. Der Mann war aufgebracht, wollte im Prinzip nur meinem Mann als ersten Prellbock in seiner Eigenschaft als Eigentümer, seine Empörung Kund tun. Als wenn mein armer Mann damit etwas zu tun haben könnte. Leider war ich aber nur zu Hause. Ich hörte mir also alles geduldig an und versprach, seine Sorgen weiterzureichen. Einen Teufel werde ich tun. Angesichts dieser Ärgernisse könnte ich keinem Menschen nun für meine alberne Scheißstimmung eine halbwegs plausible Begründung liefern, falls sich denn jemand dafür überhaupt interessieren würde. Ich schließe das allerdings aus. So bleiben mir wenigstens allerlei idiotische Erklärungen erspart. Vor meinem Mann suche ich meine lächerlich verzweifelte Stimmung eifrig zu verbergen. Er hat eigene Sorgen, muss seinen beschissenen Job meistern und schließlich die Kohle ranschaffen. Ich bin ja zu allem Ärger offensichtlich nicht einmal dazu mehr im Stande. Da kann ich ihm nicht mit dem Verlust von irgendwelchen bescheuerten, armseligen Musen kommen. Er würde mich schlicht auslachen und wahrscheinlich denken, dass ich nun tatsächlich eine wahrhafte Meise hätte. In dem Geruch, manchmal von einigen Vögeln besetzt zu sein, fürchte ich ohnehin zu sein. Das hat mich aber bislang nicht sonderlich belastet, denn ich war immer unheimlich produktiv und soweit mit mir durchaus zufrieden. Mal hat anscheinend jede Produktivität ein Ende. Ganz andere Typen, die sich ganz offiziell zu den Kapazitäten zählten, das große Maul hatten, von jedem öffentlich gelobt und weiter hoch gelobt wurden, haben auch gewissermaßen Musenverlust, Produktivitätsausfälle. Ein Desaster. Sie verschwinden dann gewöhnlich auch recht schnell in der Versenkung. Manchmal schneiden sie sich vorher noch schnell und aufwendig die Pulsadern auf. Das ist alles recht eklig und bewegt vermutlich keine einzige verschreckte Muse zurückzukehren. Nichts wird wieder wie früher. Die Sache, welche auch immer, bleibt versaut. Apropos, ich wohne nunmehr in einer wunderschönen grünen Stadt, deren zahlreiche Häuser und Straßen immer noch den leider heute so selten gewordenen Charme vergangener Zeiten ausstrahlen. Kaum ein normal veranlagter Mensch kann sich ihm entziehen. In dieser Stadt müssten sich die Musen eigentlich wohl fühlen. Nun, es gibt aber bedauerlicher Weise Menschen, gewählte Politiker, ganz offizielle Persönlichkeiten, die sich hier für das Gedeihen der Kultur und Kunst zu verantworten haben. Sie möchten den Kunstsommer 2006 prägen und damit eine Tradition ins Leben rufen: der jungen modernen Kunst im großen Stil Raum geben. Sie soll blühen und die Bürger erfreuen, in Erstaunen versetzen, auch verblüffen. In der Tat, dies geschah. Mit großer Presse wurde der Kunstsommer angekündigt, wortgewaltig der künstlerische Anspruch angepriesen. Die Sache versprach interessant und sehenswert zu sein. Warum sollte man sich nicht auch anschauen, was unsere Künstler uns heute zu sagen haben. Wir wollen uns die Freilandexponate betrachten. Wer weiß, vielleicht wird man ja angeregt, die eigene Kreativität herausgefordert. Ich lechze nach Inspirationen. Hoffnungsvoll begeben wir uns auf das großzügige Gelände. Wir sehen diverse weiße Plastikliegen wahllos auf den Rasenflächen herumstehen, ein großes Blumenbeet erfreut das Auge, weiter bemerken wir zahlreiche Dixi-Klohäuschen in einem Kreis zusammengestellt. Einige Müllcontainer sind durch fleißige Schweißarbeit zu Kühen und Vögeln mutiert. Nanu, denken wir, wo sind die Exponate? Warum hat man nicht ein wenig aufgeräumt? Man hätte doch wenigstens die zahlreichen Toilettenkabinen abtrans-portieren können. Verstört lesen wir, dass es sich bei all diesen Dingen, um die avisierte Kunst handle, die uns so beglücken oder aufrütteln soll. Eine bestimmte Botschaft können wir allerdings nicht erkennen, wenn auch die Dixis auf der Rückseite alle mit einem Guckloch versehen sind. Wir beobachten Menschen, die einen Blick in das Innere wagen. Wir tun es ihnen nach und sehen nichts. Eigentlich sind wir auch froh darüber. Man stelle sich vor, die Häuschen wären besetzt. Nun, mein einfaches Gemüt begreift hier rein gar nichts. Die Musen müssen sich auch völlig entsetzt abgewendet haben. Wahrscheinlich haben sie gesammelt empört die Stadt verlassen und meine haben sich zu allem Unglück ihnen angeschlossen. Die Kunst soll Freiheit genießen, Räume erhalten. Aber muss sie deswegen nur brauner Quark sein? Wir wandern kopfschüttelnd, ein wenig bestürzt nach Hause. Dort angekommen, betrachte ich sinnend meine Bilder. Ich bin ja nur eine völlig autodidaktische Hobbymalerin. Meine Bilder gefallen mir trotzdem. Ja, ja, ich weiß, man soll sich nicht loben. Das wirft kein gutes Licht ab, und Eigenlob soll ja auch stinken. Ich sage es ja nicht laut, nur so für mich. Wahrscheinlich hat jeder, der kreativ tätig ist oder zumindest glaubt es zu sein, so seine Gedanken, wenn er sein Baby erschafft, auch seine Ansichten, was das Ergebnis anbelangt. Die Welt nimmt mit unterschiedlichster Intensität daran teil, meist allerdings überhaupt nicht. Ich frage mich, ob dies immer so wichtig ist? Für die Anerkennung oder den Verriss, für den eventuellen Verdienst daran, ohne Zweifel. Viel wichtiger erscheint mir aber die Tatsache allein, dass man überhaupt kreativ etwas leistet. Sicher sagt man das immer ganz besonders gerne, wenn man halt nicht auf dem Markt ist, warum auch immer, also unbekannt bleibt. Schließlich braucht man doch wenigstens einen Trost, nämlich die Selbstbestätigung durch sich allein. Man sagt sich täglich aufs Neue, dass eigene Kreativität befriedigt, Spaß macht und eine Alternative zur allgemeinen üblichen und immer mehr verbreiteten Berieselung durch die Medien sein könnte. Deshalb vermissen wir unser Schaffen so sehr und stöhnen, wenn die Musen weg sind. Sie kommen aber wieder. Wahrscheinlich, überraschen sie uns ganz plötzlich. Und dann legen wir los, womit auch immer. Signatur Erkennen wollen ist der erste Schritt des Verstehens. Zunächst im Selbstversuch! | |||||||
Chrissi ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 12.02.2007 Beiträge: 441 Nachricht senden |
Hallo Helga,
Das kenne ich gut. Leider kann ich nur schreiben, was ich selbst erlebt habe.
Mach doch da mal ein "hier" weg?
Da bin ich ganz sicher.
Das ist ja das Schöne am Leben. Jeder Tag ist anders. Mal gut, mal mehr gut. ![]() Zur Geschichte selbst.... Ich hätte sie wohl kürzer gehalten. Mit ein paar zusätzlichen Absätzen wäre sie sicher auch lockerer zu lesen? Liebe Grüße Chrissi Signatur Ein Tag ohne Lachen, ist ein verlorener Tag! | |||||||
Daggi ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 20.02.2007 Beiträge: 529 Nachricht senden |
Hallo Helga,
Signatur Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist... | |||||||
Sommerwind ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 22.06.2007 Beiträge: 229 Nachricht senden |
Halli,hallo Helga, | |||||||
Stefan ![]() Admin Status: Offline Registriert seit: 12.02.2007 Beiträge: 828 Nachricht senden |
So sehe ich das auch. Male meine Bilder zwar nicht selbst, "knipse" sie nur selbst. ![]() Die Freude an "der Arbeit" ist zumindest für mich das Wichtigste dabei. Auch wenn mein Bild dann nicht "Regel Nr. 583" entspricht, Hauptsache es gefällt mir!
DAS ist doch eine lustige Vorstellung. Hoffentlich ist die Kamera dann "schußbereit"! ![]()
Da muss ich Dir widersprechen. Eine KATZE würde soetwas nie tun. Eine Katze verscharrt ihren Haufen, sie wählt also lieber das frisch eingesäte Blumenbeet. ![]() Da meine lieben Vorschreiberinen es schon "angemeckert" haben, schreibe ich jetzt nix von Absätzen. Hast Du Deinen Text zufällig aus Word hier reinkopiert? Ich glaube, dass wird dann nicht 1:1 übernommen. Probiere ich noch mal bei Gelegenheit, denn jetzt muss ich dringend ![]() Signatur ![]() | |||||||
Daggi ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 20.02.2007 Beiträge: 529 Nachricht senden |
Na da kennst du noch nicht die verstrahlte Katze aus unserer Nachbarschaft.
Ich schreibe auch in Word vor und kopiere es dann ins Boot. Geht wunderbar... Irgendwie gehts mir grad bescheiden und auf jeden Fall brauch ich jetzt einen Kaffee![]() Eure Daggi Signatur Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist... | |||||||
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