derchefderII  Läufer
 

Status: Offline Registriert seit: 15.01.2006 Beiträge: 32 Nachricht senden | Erstellt am 28.01.2008 - 23:08 |  |
Ein um 10 Jahre gealterter, aber letztlich hoch zufriedener Berichterstatter möchte wie immer einen kurzen Bericht zum Doppelwochende in Naumburg geben.
Mit den Gohlisern und Naumburgern selbst konnten wir uns auf Wiedersehen von alten Bekannten freuen, wärend die Jenauer ja reichlich frisches Blut in die Liga brachten aber bisher noch nicht glücklich agierten.
Zu den Wettkämpfen:
Um die Dramatik plastisch zu machen, möchte ich die Partien in chronologischer Reihenfolge besprechen, wobei ich bei den Remispartien diesbezüglich mich auch mal irren kann.
Samstag Lok II vs. Naumburg
1. Weitzer : Malich 0,5:0,5
Steffen begann mit e4 recht unternehmungslustig und erspielte sich sicherlich Vorteil. Sein Remisangebot auf Verdacht wurde daher - nicht ganz überraschend - angenommen.
Zum Glück ist ja Burkhart wieder genesen, aber so richtig fit ist er wohl noch nicht.
6. Hillmann : Just 1 : 0
Eine rabenschwarze Partie für Wolfgang. Ich denke, das Tempo und die Art und Weise des Verlustes wird ihn am meisten geärgert haben. Von Beginn an reichlich improvisierend, stand er kurzzügig wirklich völlig gelähmt. Da wird ein schlechter Zug nicht gereicht haben. Immerhin musste er sich dann nicht lange quälen ....
8. Packroff : Dobierzin 1 : 0
Eine für Olafs Verhältnisse wahnwitzig scharfe Eröffnung erbrachte für ihn mit Sicherheit Vorteil. Ob der sich schon zu einem Sieg hätte verdichten lassen, wird die Analyse zeigen. Das war wirklich stark. Seinen späten Äußerungen nach konnte man aber entnehmen, dass er selbst etwas erschrocken war über seinen (Über ?-)Mut, die Stellung behagte ihm nicht. Daher spielte er dann eher sicher und die Partie verflachte. Im entstehenden Turmendspiel war eine Remisschaukel angezeigt, da riskierte Herrmann mit einem Bauernopfer etwas. Im entscheidenden Moment verlohr Olaf völlig den Faden: Statt seinen König stärker und den Turm hinter den Freibauern zu stellen manövrierte er den Turm unter Verlust von 2 Tempos davor. Ein weiterer, sehr kräftiger Durchbruch war dann sofort entscheidend.
Ich denke, die Stellung war bei richtiger Verteidigung mindestens gleich, evtl. sogar vorteilhaft, da sich dann Olafs Freibauern bewegen und der weiße Freibauer nicht zu halten ist ....Sehr Schade !!!!
7. Greger : Härtig 0,5:0,5
Wenn Ubald schon einmal pünktlich sein will, gerät er auch noch in eine verheerende Umleitung, sodass er mit fast 40 min Zeitrückstand begann. Zum Glück konnte er die Eröffnung aber genügend schnell abhandeln und nach zwei Stunden Spielzeit war die Bedenkzeit nahezu ausgeglichen. Gegen Ubalds sizilianische Ideen hatte Jens nichts Wesentliches entgegenzusetzen, obwohl die Variante nicht das erste Mal auf dem Brett war. Da sich alles neutralisierte und das Match für Naumburg ganz gut aussah, bot Schwarz Remis an und Ubald nahm es mangels wirklich guter Ideen an.
Aber nun ....
8. Dexter : Braun 0:1
Daniel spielt wirklich eine rabenschwarze Saison, die sich am Sonntag weiter fortsetzte.
Ohne Gottfrieds Leistung schmälern zu wollen, wage ich in dieser Partie von halbem Selbsmord zu reden. Daniel ist mir als schneller und taktisch beschlagener Spieler bekannt. So oberflächlich wie an diesem Tag habe ich ihn noch nie rechnen/spielen gesehen. Nach dem "Einsteller" von 2 Bauern wegen eines großen Lochs in der Kombi war die Partie schon weg, obwohl dann (zu spät) doch noch hartnäckige Verteidigung zu erkennen war. Doc ließ sich jedoch nicht mehr die Butter vom Brot nehmen und rechnete in der kritischen Endspielstellung wieder besser zum sofortigen Gewinn. Große Klasse !!
9. Will : Schirrmeister 0 : 1
Wieder einmal eine von Ralfs typisch zäh-strategischen Partien. Nach einer Eröffnung, für die es vielleicht auch einen Namen gibt, erreicht Matthias nur Ausgleich, ruiniert dann aber erst seine Bauernstruktur am Königs-, wenig später am Damenflügel. Prompt geht trotz reduziertem Material ein Bauer verloren, nach genauer Fortsetzung ein zweiter. Ein zaghafter Gegenangriff versickert sofort im drohenden Mattangriff ... und aus. So einfach kann Schach sein, auch wenn hier kräftig mitgeholfen wurde.
Aber man muss die gebotene Chance auch so nutzen können, daher großes Lob !!!
5. Limpert : Sallewski 1:0
Ausgerechnet gegen meinen alten Freund Salle (das darf man wörtlich nehmen, wir kennnen uns schon seit unseren Zeiten bei WBK 67 Halle-Neustadt) sollte meine Saisonbilanz wieder auf 50 % steigen? Zumindest hatten wir bisher gleich erfolglos agiert. Über das zeitige und berechtigte Remisangebot brauchte ich wegen der absehbaren Katastrophen gar nicht nachzudenken. Ich hatte auch Raumvorteil, aber relevanter Vorteil war erst einmal nicht in Sicht. Nach einer Abtauschkombination griff Bernd aber vielleicht schon entscheidend fehl: Plötzlich war die d-Linie offen und von meinen Türmen besetzt. Nach einem - nicht ganz offensichtlichen - Läuferpendel und einer wirklich offensichtlichen Linienöffnung ist die Stellung schon glatt gewonnen. Trotz knapper werdender Zeit verspiele ich meine Stellung diesmal nicht, sondern holte zwei wirklich große Hammer raus. Das nach einem Turmopfer sofort Matt geht, war dann noch das Sahnehäubchen.
Fritz hätte das Ganze (natürlich) noch einen Zug schneller und ästhetischer gelöst, dafür hätte er sich darüber nicht so freuen können.
Auf jeden Fall ein kleines (Eigen-)Lob für mich.
3. Römling : Fritsch 1:0
Sven war es vorbehalten, den Naumburgern den endgültigen k.o. zu versetzen. Er hatte aus der Eröffnung heraus leichten Vorteil, schien diesen aber nach allzu schematischer Aktivität verspielt zu haben. Er musste aber auch noch weiter kämpfen und stand bald wieder aktiv. Dies musste noch nicht zum Gewinn reichen, aber in der beiderzeitigen Zeitnot vor der ersten Kontrolle verlor Andreas den Faden, eine Figur und die Partie.
Wenn man zum Verlauf des Matches noch bedenkt, dass keine Partie über die 40 Züge bzw. 4 h der ersten Kontrolle ging ... ein wirklich ungewöhlicher Wettkampf.
Damit ist außerdem eine bestehende Serie gebrochen worden, da es uns (Lok Mitte II) in der Oberliga bisher noch nie gelungen war gegen Naumburg zu gewinnen !!
Sonntag Jena : Lok Mitte II
Es war uns bei Inaugenscheinnahme der bisherigen Saison klar, dass die Sportfreunde aus Jena sich bisher unter Wert verkauft hatten. Das konnte kein Selbstläufer werden, zumal Ralf wieder einmal über das Wetter wachen musste.
Dadurch hatten alle ab Brett 4 die gleiche Farbe wie am Samstag.
7. Pulina : Just 0,5 : 0,5
Wolfgang kam wieder nicht optimal aus der Eröffnung. In meinen dunkelsten - aber wohl unberechtigten - Albträumen sah ich ihn schon wieder unter die Räder kommen. Er konnte den Raumvorteil aber durch Öffnung der a-Linie neutralisieren und so sahen schnell beide kein Weiterkommen. Gut von Beiden gespielt !!
8. Gerhardt : Bräuer 0 : 1
Ein ärgerlicher Verlust. Dirk machte vielleicht den Fehler, eigentlich auf Gewinn spielen zu wollen, dafür aber die Beton-Variante d4-c3-e3 zu spielen.
Das ist ja an und für sich noch kein Problem. Soweit ich das Ganze verstanden habe, spielt Weiß dann aber auf Konter, wenn Schwarz versucht die Stellung zu öffnen. Irgendetwas lief jedenfalls schief und ein Bauer ging verloren. Das Turmendspiel barg noch einige Remischancen, zumal die Bauernstruktur von Schwarz nicht mehr ganz intakt war.
In einem völligen Black-Out bot Dirk jedoch den Turmtausch an, das entstehende Bauernendspiel war völlig chancenlos. Sehr schade!
7. Horatschek : Dobierzin 1 : 0
Olaf musste wieder mit Schwarz antreten und in dieser Partie schien er wirklich fast chancenlos. Der Vorteil von Stefan wuchs beständig und Olaf hatte gegen den Dauerdruck wirklich keine Idee.
Nach Stellungsöffnung wurde das Ganze vernichtend, die Bauernstruktur vor dem König war einfach zu anfällig.
Ein böses Wochenende für Olaf, hoffentlich kann er sich in dieser Saison noch einmal zu seiner normalen Form aufraffen !!
2. Braun : Darr 0,5 : 0,5
Man konnte sicherlich optimistisch ein, da Gottfried Weiß hatte. Aber Sascha bestätigte seine starke Saison und erspielte sich eine gute Stellung. Es schien fast, als ob Gottfried etwas unter Druck kommt, aber nach dem Abtausch der letzten Leichtfiguren war das D-T-Endspiel wohl für keinen mehr zu gewinnnen. Daher logisch - Remis. Ein Lob an Beide!!
8. Greger : Zipfel 0,5 : 0,5
Auf den Phillidor im Anzuge fiel Frank strategisch nicht wirklich etwas ein. Ubald konnte trotz reduziertem Material Druck und Vorteil beständig aurechterhalten. In der kritischen Stellung übersah er - nach eigentlich entscheidendem Fehler - jedoch den Bauerngewinn mit Quasi-Gewinnstellung. Aber auch die Schlussstellung kurz vor der Zeitkontrolle war praktisch noch gewinnträchtig, da sich Franks Springer etwas verlaufen hatte und er nur bei genauem Spiel zu retten gewesen wäre. Also etwas zu zeitig Remis - Schade !!
1. Neidhard : Weitzer 0,5 : 0,5
Dass Stefan kein Schlechter ist, war allen bekannt. Da er letztes Jahr in Liebschwitz aber etwas unter die Räder gekommen war und auch diese Saison erst einmal gespielt und verloren hatte, waren wir hier frohen Mutes. Steffen scheute wie - schon häufig - kein Risiko (Bauernopfer), um zu Initiative und Vorteil zu kommen. Aber er wurde klug abgewehrt und bewegte sich (zumindest optisch) am Abgrund. Im S-T-Endspiel stand sein eigentlich aktiver S dann "Patt" aber Beide meinten, dass sich die Stellung im Gleichgewicht befindet. Sicherlich eher gut für uns. Wieder ein dickes Lob an Beide für eine ausgekämpfte Partie !!
Mit -2 liefen noch zwei Partien ....
4. Limpert : Middelhoff 1 : 0
Im Schwung des Sieges vom Samstag war ich ganz optimistisch.
Cornelius macht m.E. den Fehler, die Eröffnung nach eigener Aussage nach dem Gegner zu wählen. Sicherlich kann man sich die Variante in der Vorbereitung aneignen, ein Gefühl für die Stellung hat man aber nicht automatisch.
So verbrauchte er bei der Suche nach dem strategischen Plan viel Zeit, während ich einiges automatisch ziehen konnte. Mit Raumvorteil und Läuferpaar spielte ich etwas zu sehr auf seine Zeit und wickelte zur Zeitkontrolle in ein Endspiel mit praktischen Remischancen für Schwarz ab. Es war aber viel zu rechnen. Im Bemühen zu vereinfachen, öffnete Schwarz die Stellung, was die entscheidenden Tempi und Raumgewinn brachte. Die Bauern (3 Stk.) fielen wie die Fliegen und die Stellung war nicht zu halten. Wieder beständig gespielt und daher sehr zufriedenstellend !!
3. Steinmetzer : Römling 0 : 1
Da es nun 3 : 4 stand, hing es wieder einmal an Sven. Während wir am Samstag quasi zeitgleich abschlossen, musste er sich noch laaange durch ein Doppelspringerendspiel quälen.
Thomas hatte in der Eröffnung keinen strategischen Plan und kam in Nachteil. Sven gewann sehr zeitig einen Bauern, die Remisgefahr war inzwischen durch die permanenten Opfermotive akut. Er behandelte das Ganze aber nervenstark. Mit einem Freibauern auf dem Königsflügel gewann er letztlich einen Eckspringer und die Partie. Große Klasse !!
Somit sind wir noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Für Jena war das ein verlorener Punkt, der noch einmal richtig schmerzen könnte.
Im Abstiegskampf sind wir zwar fast "save" aber unser Restprogramm ist entgegen dem der "Mitkandidaten" hammerhart und so sollten wir irgendwo noch ein Püntchen ergattern.
Das sollte möglich sein, wo wir doch jetzt in Fahrt gekommen sind !!
Signatur Man hat vom Schach gesagt, dass das Leben nicht lang genug dazu ist, -
aber das ist ein Fehler des Lebens, nicht des Schachs. - Christian Morgenstern |