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madonna ...
admin


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...   Erstellt am 08.02.2009 - 13:46Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Trist
-
text-für-text-user
Geschrieben am 05.04.2004 21:36

--------------------------------------------------------------------------------



Die letzten Jahre

Die letzten Jahre
Suchte er
Holz für
Sein Feuer

Er fror
Er irrte
Der Wald
War dicht

Er starb
Unter einem
Von vielen

Kein Zufall

[Dieser Beitrag wurde am 31.03.2013 - 13:37 von madonna aktualisiert]




madonna ...
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...   Erstellt am 08.02.2009 - 13:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Herr M.
-
text-für-text-user

Geschrieben am 05.04.2004 22:40

--------------------------------------------------------------------------------

Liebe Trist,

ein Gedicht, das ich mehrere Male lesen musste, bevor sich mir die Anspielungen und größeren Bedeutungszusammenhänge der so sparsam gesetzen Worte erschlossen haben. Und erst dann ist mir ein Licht aufgegangen, warum es minimalistisch gehalten ist. Ein Andeuten, ein Nicht -mehr-bis-zu-Ende-Sprechen, vielleicht ein Suchen, das sich keine wirklichen Illusionen mehr macht über die Wahrscheinlichkeiten eines Findens. Und dennoch: nicht vom Zur-Ruhe-Kommen ist in Deinem Gedicht die Rede, sondern von einer die fortschreitende Reduktion begleitenden Rastlosigkeit. Immer noch sehr rätselhaft erscheint mir der letzte Vers, v.a. die Frage, in welcher Dimension, in welchem Ausmaß der Begriff Zufall zu verstehen ist. Sehr interessant jedenfalls das Waldbild, in dem für mich zunächst das Sprichwort "man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht" anklingt, das Irren des Protagonisten durch diesen Wald, und die letztliche grammatische Einswerdung mit dem Baum, den er vorher als fremd und befremdend erlebt hat. Wie gesagt: trotzdem kommt es am Ende nicht zu so etwas wie Er- oder Auflösung. Das muss es ja natürlich aber auch nicht

Liebe Grüße
vom Toma




madonna ...
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...   Erstellt am 08.02.2009 - 13:50Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


SZ-
text-für-text-user
Geschrieben am 06.04.2004 07:15

--------------------------------------------------------------------------------

Hi Trist,

viele feine Mehrbödigkeiten drin, die durch Weglassungen und bewußtes Zeilenumbrechen zustandekommen. Mag ich.

lg, Antje

[Dieser Beitrag wurde am 31.03.2013 - 13:37 von madonna aktualisiert]




madonna ...
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...   Erstellt am 08.02.2009 - 13:53Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Wikipenta
-
text-für-text-user
Geschrieben am 06.04.2004 09:54

--------------------------------------------------------------------------------

Trist schrieb
    Er starb
    Unter einem
    Von vielen

    Kein Zufall




Hallo Trist,

ich werd mich informieren, ob die alten Spartaner wirklich so lakonisch waren, wie ihnen in diesem Wort immer nachgesagt wird. Auf jeden Fall dürfest du dich unter ihnen heimisch gefühlt haben.

Hart arbeitende Menschen sind oft auch mit Worten sparsam. Wenn man müde ist, sagt man, wenn überhaupt, das Allernötigste.
Bist du müde?
Dieses Gedicht ist sehr lakonisch.
Das Zitat kann einfach die statistische Wahrscheinlichkeit meinen, unter der ein Mensch, der regelmäßig Holz sammelt, im Wald sterben könnte.

Mir fiel eine interessantere Lesart ein. Die Bäume rächen sich an dem harmlosen Holzsammler. Sie erschlagen den Eindringling. Kein Zufall.
Unter einem von vielen - sehr schön gesagt, genau, elegant.
Der Text ist unangreifbar. Was so einem lakonischen Gedicht fehlt, ist seine unmittelbare Gefühlsaussage. Kein Zufall: Es erschließt sich ganz langsam. Die Empfindungen steuert zu 100% der Leser bei. Das Textgebilde schafft wie eine Boje Markierungen für Koordinaten, zwischen denen das emotionale Schiff des Lesers seine Fahrtroute wählt.
Eigentlich gar nicht so schlecht, sollte man meinen.

Gruß
Dieter
______________________________________
Früher nannte er sich: Penta.




madonna ...
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Trist
-
text-für-text-user
Geschrieben am 07.04.2004 19:21

--------------------------------------------------------------------------------

Vielen Dank für eure Rückmeldungen.

Toma, Erlösung sollte auch nicht hinein in den Text. Im Gegenteil. Es liegt für mich viel Tragik und Paradoxes darin. Für mich wohlgemerkt. Das muss für einen Leser noch lange nicht so sein. Daher doch wichtig die Texte hier gegenlesen zu lassen. Ich bin drauf und dran die letzte Zeile ganz zu streichen, ich weiß aber nicht ob ich sie sowieso stets mitlesen würde...

Penta, lakonisch mag stimmen, wohl vor allem durch die letzte Zeile, dass der Leser 100 % beisteuert meine ich allerdings nicht. Ein Text-Gefäß sollte entsprechend angelegt sein. In eine Gebrauchsanweisung lege ich keine Gefühle hinein, es sei denn, sie ist aus dem Japanischen übersetzt und ich rege mich auf.

Dass den Spartanern das Lakonische nachgesagt wird, ist mir übrigens neu.
Und ja, ich bin im Moment etwas müde. Aber eigentlich ist es gerade das Schreiben, das mich erfrischt.

Und Antje, ich freu mich dass du´s magst und dies kurz hier gelassen hast.

Lieben Gruß von
Trist

[Dieser Beitrag wurde am 31.03.2013 - 13:42 von madonna aktualisiert]




madonna ...
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...   Erstellt am 08.02.2009 - 18:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Anna
-
text-für-text-user

Geschrieben am 09.04.2004 10:40

--------------------------------------------------------------------------------

Hallo Trist,

auch ich knabbere noch an diesem "kein Zufall" herum und frage mich, ob es einen neuen Blickwinkel in den Text bringt oder eigentlich nur das noch einmal ausdrücklich feststellt, was sich schon aus dem davor Gesagten ergibt? Hm ...


Trist schrieb
    Zitat:

    Die letzten Jahre
    Suchte er
    Holz für
    Sein Feuer




Da war mein erster Gedanke: nur die letzten Jahre?
Was war in Jahren davor? Brauchte es da noch kein Feuer? Oder musste er sich das Holz dafür noch nicht (selbst) suchen? Nun, auf jeden Fall war in diesen letzten Jahren ein Bedürfnis da nach Wärme, nach menschlicher Wärme, ist anzunehmen, wobei "Wärme hier vieles beinhalten kann, und er musste, er wollte sich darum bemühen.



Trist schrieb
    Zitat:

    Er fror
    Er irrte
    Der Wald
    War dicht





Wo sucht man Holz? Erster Gedanke: im Wald. Klar. (Aber) der Wald war dicht. Gut hier die Mehrfachbedeutung des Irrens und des dichten Waldes.



Trist schrieb
    Zitat:

    Er starb
    Unter einem
    Von vielen




Interessant, dass hier jeder annimmt, weil davor von Wald die Rede ist, dass er unter 'einem Baum' starb. Es steht so nicht da und ein Bezug ist mit diesem "einem" rein textlich auch nicht herstellbar.

Ich rätsle noch an der Aussage des Textes.
Aber ich nehme an, dass es hier weniger um die körperliche "Wärme", sondern mehr um die geistige geht, um das Suchen und das Nicht-Finden ...


LG, Anna


______________________________________

[Dieser Beitrag wurde am 08.02.2009 - 18:04 von madonna aktualisiert]




madonna ...
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madonna
-
text-für-text-user
Geschrieben am 09.04.2004 11:41

--------------------------------------------------------------------------------




Trist schrieb
    Interessant, dass hier jeder annimmt, weil davor von Wald die Rede ist, dass er unter 'einem Baum' starb. Es steht so nicht da und ein Bezug ist mit diesem "einem" rein textlich auch nicht herstellbar.




Er suchte Holz für sein Feuer.
Er starb unter einem von vielen.
Kein Zufall.


Anna, das war der allererste Eindruck, den ich von diesem Gedicht hatte.
Ich halte es für ein sehr reduziertes Gedicht über den Holokaust.

Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

madonna
______________________________________

Foto: das letzte auf dieser Seite
http://www.wsg-hist.uni-linz.ac.at//Aus … mmern.html

[Dieser Beitrag wurde am 08.02.2009 - 18:17 von madonna aktualisiert]




madonna ...
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MZ
-
text-für-text-user
Geschrieben am 09.04.2004 14:20

--------------------------------------------------------------------------------

diesen text als "reduziertes gedicht über den holokaust" zu bezeichnen sprengt jeglichen rahmen rationaler vernunft. diese "interpretation" ist durch -nichts- belegt und ruht auf dünnen vermutungen. der holokaust verdient keine "reduzierten gedichte", sondern eine ernstzunehmende, kunstvolle darstellung der thematik. ein beispiel:




abdelwahab meddeb, 27.mai 2003




1.
Die Litanei der Kuckucke
nichts dünstet aus weder Gras
noch Erde noch Blumen
Ziegelsteinzeilen eingestürzte Mauern
einzig die Fundamente zeigen dei Karrees
hermetisch die Bilder
worin die Insekten summen
die Weiße Bäume schießen auf
in einen verschleierten Himmel
der die Hitze filtert
Zäsur des Lieds

2.
nein, die Amseln sind nicht desertiert
da, wo das Schändliche
weder die Sonne
noch die dem Unglück gleichgültige
Natur
gehen in Trauer

3.
zwischen den Pflastersteinen trocknet
das Moos
dort eilen die emsigen
Ameisen
an der Stätte die den absoluten
Tod gekannt hat Fabrik
des Todes
Spuren unserer Zeit
haben die Stätten ein Gedächtnis?
durch den Körper der sich
im Rhythmus der Stimme wiegt
durch den Atem der das Auge
des Herzens öffnet
der Stätte ihr
Gedächtnis geben
es durch die Stille lebendig erhalten

4.
hier Ende Mai
da, wo das Schändliche
ein Zeichen der Kindheit wiederfinden
weiße flatternde Büschel
vom Bart des Satans ausgerissene Haare, sagt man
den Wimpern angehängt vor zwölf Jahren
zu Florenz
unterwegs zum letzten Abendmahl
des barbarischsten Opfers
wo das Jahrhundert beginnt und endet

5.
schließe die Augen Jude schließe die Augen
unter dem Blick der von der Kachel springt
Beton, herausgerissen gespalten zerbrochen
durch das Beben von Menschenhänden
bloßgelegt durchquert der schwarze Traum des
Kindes
den Zweifel in den Gott sich zurückzieht
in der Last des Tages
Levit im Schatten des Spiegels
der einen hocherhobenen Finger
spiegelt von wo der Rauch
im Himmel verschwindet




...




madonna ...
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MZ-
text-für-text-user
Geschrieben am 09.04.2004 14:27

--------------------------------------------------------------------------------

nachtrag:

das reduzieren einer thematik sollte das thema an sich (also wie hier vermutet: der holokaust) auch -erkennen- lassen, sonst braucht man überhaupt nicht von ihm zu sprechen.




madonna ...
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madonna
-
text-für-text-user
Geschrieben am 09.04.2004 15:04

--------------------------------------------------------------------------------




nihil schrieb
    diesen text als "reduziertes gedicht über den holokaust" zu bezeichnen sprengt jeglichen rahmen rationaler vernunft. diese "interpretation" ist durch -nichts- belegt und ruht auf dünnen vermutungen. der holokaust verdient keine "reduzierten gedichte", sondern eine ernstzunehmende, kunstvolle darstellung der thematik. ...




Lieber Nihel,

DU wirst mir nicht vorschreiben können, was mein erster Eindruck war
beim Lesen dieses Gedichtes.
Dünne Vermutung? - ich denke das solltest Du zurücknehmen.
Zugegebenermaßen kein "rationaler" Zugang sondern ein intuitiver,
emotionaler Überfall, dem ich mich nicht entziehen konnte.
Nicht zuletzt deswegen habe ich im Netz nach den Bildern gesucht,
die vor meinem inneren Auge erschienen, als ich das Gedicht las.

Dass nach Deiner Empfindung, die ich respektiere, so wenige Zeilen
nicht aussreichen um dem Thema Holokaust gerecht zu werden,
ist eine persönliche Auffassung. -
Lass Du mir meine Art der Betrachtung, die nicht weniger Respekt
verdient.

Als ständige Erinnerung an das Unfassbare nehme ich auch die
metallenen Plaketten ernst, die zwischen den Gehwegplatten in unseren
Straßen eingelassen sind, mit den eingravierten Namen der Menschen,
die aus den anliegen den Häusern deportiert und vernichtet wurden.
Nichts ist zu klein um Erinnerung wach zuhalten.
Ich bin gegen Riesendenkmäler.
Sie können nichts an Ausmaß des Unrechts und der Barbarei
heranreichen. Ich bin für Bewusstmachung in mitten unter uns.

Shalom
madonna

[Dieser Beitrag wurde am 08.02.2009 - 18:41 von madonna aktualisiert]




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