MORGANE

Status: Offline Registriert seit: 27.09.2007 Beiträge: 33 Nachricht senden | Erstellt am 23.04.2008 - 18:38 |  |
In den Berichten von Seglern über ihre Begegnung mit Einheimischen in den so genannten Dritte-Welt-Ländern geht es oft darum, dass die Segler sich von Bootsboys, von Händlern und von Bettlern belästigt fühlen. 
Wie wär’s, wenn wir als erstes versuchen, uns mit den Menschen, deren Land wir besuchen und deren Gast wir ja sind, zu unterhalten? Wir haben diejenigen, die uns angesehen haben, in der Landessprache gegrüßt und sie angelächelt; nicht nur am Ankerplatz, in der Marina oder im Hafen, sondern auch unterwegs an Land. Daraus hat sich manchmal eine Kontaktaufnahme ergeben. Und manchmal - wenn wir länger an einem Ort waren - sogar eine andauernde Freundschaft. 
Und dann kommt es auf die eigene Sensibilität an, die einem signalisiert, ob man auf einen Wunsch eingeht oder nicht. Es kann durchaus sein, dass gut gemeinte milde Gaben als Beleidigung empfunden werden, zumal die meisten wohl um den relativen Reichtum ihrer Segler-Touristen-Besucher wissen. Wenn Väter (z.B. auf den Kapverden) pro Tag mit harter Arbeit 10 Euro verdienen, was richten wir in den Kindern an, wenn wir ihnen einen oder zwei Euro einfach so schenken (bzw. etwas im selben Wert). Da lohnt sich das Betteln doch eher als eine Ausbildung zu machen!? Wir waren vier Jahre mit unseren Kindern unterwegs (Kanaren-Kapverden-Südamerika) und haben nur etwas an Freunde verschenkt, wenn wir sicher waren, einen dringenden Bedarf zu decken. Ansonsten haben wir Stifte, einige Eurocent etc. z.B. an Jungs gegeben, die dafür auf unser Beiboot aufgepasst haben o.ä. Wenn uns z.B. alte Frauen auf einer Plaza in Bolivien angebettelt haben, haben wir etwas gegeben, wenn Schuhputzerjungs gebettelt haben, bekamen sie nichts, es sei denn, sie hätten unsere Schuhe geputzt (was meist ohnehin nicht ging, da wir meist in Sandalen herumliefen). Aber wir haben immer ein paar Worte mit ihnen gewechselt, ab und zu Scherze mit ihnen gemacht und sie nicht wie lästige Fliegen behandelt! Mit Händlern haben wir uns über ihre Produkte unterhalten, haben gesagt, wenn sie uns gefallen haben, aber haben auch auf unseren Rucksack verwiesen, in den eben nicht viel hinein geht oder auch darauf hingewiesen, dass wir gerne kaufen würden, aber wir auch sparsam mit unserem Geld umgehen müssen, da wir länger unterwegs sind. Niemals war uns jemand deswegen böse, niemals war jemand aufdringlich. Und manchmal erfährt man auch etwas über Land und Leute, was der eilige Tourist so nie mitbekommt. Und Zeit zum Zuhören und Plaudern haben wir ja genug, oder? 
Unsere in Deutschland antrainierte Verhaltensweise, an den anderen vorbei zu sehen, Fremde nicht zu grüßen, wegzusehen, wenn wir angesehen werden, wird schon auf den Kanaren als unfreundlich empfunden. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Text überhaupt schreiben sollte, aber nachdem ich diese befremdlichen Verhaltensweisen gerade wieder einige Male (in der Marina!) erleben musste, habe ich mich doch an den Computer gesetzt, um es mal loszuwerden.
Signatur Fair winds und sichere Reise wünscht die MORGANE-Crew.
www.richert.bodautor.de |
wolf 

Status: Offline Registriert seit: 18.11.2005 Beiträge: 159 Nachricht senden | Erstellt am 24.04.2008 - 17:48 |  |
dies Thema wurde hier schon, wie Bernd schrieb, verschiedentlich angesprochen, es wird auch an anderen Stellen diskutiert - mal sachlich und gut, manchmal auch überspitzt, das bleibt wohl nicht aus.
In den TO-Nachrichten gab es über die Jahre ein paar prinzipielle Aussagen dazu, die lesenswert waren.
Eine davon stand im Heft 97 aus 2002 und stammte von den Michels der SY "Da sind wir".
Ich will sie nicht wiederholen, aber vielleicht hat Helmut die Möglichkeit, den Text noch einmal hier einzustellen?
Ich denke, die dort genannten 15 Punkte, welche jeder Skipper und jede Crew beachten sollten, sind es wert, in Erinnerung zu bleiben.
Gruss
Wolf
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