Zahir Der Falkenkaiser
    

Status: Offline Registriert seit: 19.11.2005 Beiträge: 617 Nachricht senden | Erstellt am 15.03.2006 - 14:21 |  |
Die Rolle der Kirche im Mittelalter
Die Kirche und ihre besondere Machtstellung im Mittelalter Im Jahre 380, 15 Jahre vor der Reichsteilung Roms wurde das Christentum zur Staatsreligion des römischen Imperiums.
Bereits dort kommt es zur Verschmelzung von geistlicher und weltlicher Macht; nicht nur, dass der römische Kaiser das Oberhaupt der christlichen Kirche gewesen ist- die staatlichen Institutionen verbanden sich mit der christlichen Kirche. Gerade wegen dieser Kombination kommt es sehr häufig zu Konflikten zwischen Staat und Kirche. Christliche Oberhäupter beklagten die Einmischungen des römischen Staates in geistliche Angelegenheiten. Diese Streitigkeiten wurden, zumindest vorerst beendet durch die römische Reichsteilung 395 n. Chr. Durch sie wurde die Kirche, da es nun zwei voneinander unabhängige Kaiser gab, sowohl von Rom, als auch von Konstantinopel unabhängig.
Es bildete sich die "römisch-katholische" Kirche heraus. 753 ist das Weströmische Reich unter dem Einfluss germanischer Stämme endgültig zusammengebrochen. Die römisch-katholische Kirche überlebte und prägte die noch heidnischen Germanenstämme. Besonders dafür war der entstandene, sog. "Arianismus" (à Priester Arius v. Alexandria) verantwortlich. Ein Volk, was sich besonders im Mittelalter hervorgehoben hat und keiner "christliche Prägung" bedurfte, waren die Franken. Sie nahmen bereits 499 durch Chlodwig ="Chlodwigs Taufe" den christlichen Glauben an. Sie waren es auch, die dem Papst Land gewährten. 756, durch die "Pippinische Schenkung" erhielt der Papst die Pentapolis (5 Städte) sowie Gebiete um Ravenna- Schutzmacht der Kirche war seitdem der fränkische König. 772 geriet die Kirche in einen Konflikt mit dem Langobardenkönig Desiderius. Karl, der später der Große genannt wird, rettete die kirchlichen Gebiete und wiederholte die Pippinische Schenkung. Als Schutzmacht des Papstes schritt er erneut ein, nachdem der neue Papst Leo III. in einen Konflikt mit rivalisierenden Adelsfamilien, insbesondere denen des Oströmischen Reiches geraten ist. Karl wurde als Dank für die Rettung des geschundenen Papstes und seiner Gebiete am Weihnachtstag des Jahres 800 zum Kaiser gekrönt und wurde Erbe eines Titels, den zuletzt ein römischer Kaiser inne hatte. Daraufhin wurde die Kirche gewissermaßen immer mehr verstaatlicht. Im Frankenreich wurde eine Reichskirche geschaffen; darin wurde vom Kaiser bestimmt, wer die kirchlichen Ämter trug. Hieraus sollte sich später ein Konflikt zwischen Kaiser und Papst entwickeln, da der Papst den Anspruch auf die Ämterverteilung erhob (Investiturstreit). Nachdem das karolingische Herrscherhaus zerfallen ist, wurde die Reichskirche durch den Kaiser des neuentstandenen Heiligen Römischen Reiches, Otto I. weiter ausgebaut- er wurde 962 Kaiser des fränkischen Nachfolgerstaates. Durch den Ausbau wurde der katholischen Kirche mehr Macht zugesprochen, sodass sie zur wichtigsten Säule der Herrschaft Ottos wurden. Ein kluger Schachzug des Kaisers, denn Bischöfe wurden zu seinen seriösesten Beratern, da seine Fürsten lediglich eigene Interessen verfolgen würden und nicht die des Kaisers und Reiches. Zudem hatte er mit den Bischöfen als Landesfürsten die Option, sie jederzeit aus ihrem Amte zu entlassen und sie waren durch ihr Zölibat an Ehelosigkeit gebunden und sie konnten sich aufgrund dessen keine Dynastie aufbauen und ihre Ländereien dadurch auch nicht vom Reich spalten, wie es Reichsfürsten hätten können. Im Laufe der Geschichte wurde immer wieder die "Investitur", also die Einsetzung kirchlicher Würdenträger in staatliche Ämter kritisiert und darüber diskutiert, ob die sog. "Laieninvestitur" nicht dem Reich Schaden zufügen könne. Dieser Streit verhärtete sich Ende des 11. Jahrhunderts und wurde nun nicht mehr in Klöstern, sondern offen durch Kaiser und Papst ausgetragen. Der Papst Gregor VII. versuchte den kaiserlichen Einfluss in Kirchenangelegenheiten einzudämmen und Reformen in der Investitur herbeiführen. In Folge des Investiturstreites erklärten sich die beiden Kontrahenten gegenseitig für abgesetzt. Kaiser Heinrich V. gelang es schließlich 1122 den 47 Jahre langen Streit durch die Unterzeichnung des "Wormser Konkordats" beizulegen. Dadurch wurde die Investitur allein der Kirche vorbehalten.
Es herrschte nur kurzzeitig Ruhe im Reich. Ein neuer Streit entbrannte, nachdem der Papst, das Amt des Kaisers Friedrich I. (Barbarossa) als "Beneficium" bezeichnete und damit versuchte zu signalisieren, dass der Papst der Herr über den Kaiser sei. Als der Sohn Barbarossas, Heinrich VI. die Tochter des Königs Roger II. von Sizilien heiratete, befürchtete Papst Gregor VII. eine Umzingelung des "Kirchenstaates" durch das Heilige Römische Reich und machte die Anerkennung des Kaisers von dem Unterlassen der Eingliederung Siziliens an das Reich abhängig. (...)
Ferner lässt sich die Rolle der Kirche im Mittelalter durch die zahlreichen Verbrechen im Namen Gottes ablesen. Sie wären ohne staatliche Genehmigung doch nicht geschehen, oder? Gewissermaßen schon. Doch Gott und die Kirche standen in der Hierarchie der mittelalterlichen Feudalgesellschaft, sowie später in der absolutistischen Ständegesellschaft noch oberhalb des jeweiligen Kaiser- oder Königshauses. An den obigen Beschreibungen kann man erkennen, dass die christliche Kirche im Mittelalter bereits auf dem Höhepunkt seiner Macht war. Sie hatte stetig die Bildungshoheit. Geistliche waren gebildet- ihre großen Bibliotheken erlaubten dies; andererseits stand das Wissen gegen die Kirche.
Ein wesentlicher Schachzug war es wohl auch die Bevölkerung im Glauben zu festigen und sich gefügig zu machen. Wer u.a. mit Kräutern und Gewächsen hantierte, geriet als Hexe / Hexer durch die heilige Inquisition auf den Scheiterhaufen oder kam mit einer Verbannung davon. Andererseits verdiente sich die Kirche buchstäblich eine "goldene Nase" mit Ablassbriefen, um Sünder von ihren Seelenlasten zu befreien, auf dass sie in den Himmel kommen können.
Quellen: g.z.; verschd.
[Dieser Beitrag wurde am 15.03.2006 - 14:22 von Zahir aktualisiert]
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