Halbelfenprinzessin  Literaturkenner

Status: Offline Registriert seit: 14.04.2007 Beiträge: 314 Nachricht senden | Erstellt am 07.05.2008 - 17:11 |  |
... Die Niemand verhindert hat"
Entstanden eigentlich nur auf Grund einer vollkommen absurden Zukunft, die mir ein Orakel ("Körchenorakel" :D) offenbart hat. Die Namen sind verändert [bis auf den des männlichen Hauptcharakters]. Die Charaktere existierten mit Aussehen und Charakter so aber wirklich. Es können einige Fehler auftreten, ich hab die Geschichte vor der Schule mal in 2 Stunden geschrieben.
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Abiball. Here we are, denke ich, als ich mich zwischen den vielen bunten Ballons wiederfinde, Lightshows und Beats rauben mir beinahe die Sinne, und mir stockt für einen Moment der Atem, als ich sie hier alle sehe: Kaum wiederzuerkennen in gerüschten und paliettenbesetzten Abendkleidern, traumhafte Steckfrisuren- einfach von Kopf bis Fuß ein perfektes Styling. Auch die männlichen Anweseden haben sich nicht lumpen lassen und sehen in ihren Anzügen viel älter als gewohnt aus.
Gott sei Dank tauchen wie aus dem nichts meine besten Freundinnen auf, sonst wäre ich in dem Trubel noch vollends verloren gegangen.
„Hey, Marie, du sieht ja klasse aus!“, schreit mir Jill ins Ohr, was auch bitter nötig ist, denn, wer immer den DJ macht, er macht ihn so laut, dass normale Gespräche unmöglich sind.
Ich grinse zur Antwort breit und schreie so laut es mir möglich ist zurück: „Danke, ihr aber auch!“
Das stimmt, im ganzen Farbwirrwarr ist die Farbe von Jills Kleid kaum noch zu erkennen, doch gerade das macht es zum absoluten Hingucker. Elena und Leila, die breitgrinsend neben ihr stehen, übertreffen meine Prophezeiung vom Vorabend, sie würden „umwerfend“ aussehen, um Längen.
Bevor ich auch nur annähernd die richtigen Worte dafür finden kann, macht Elena mehr mit Gestik, als mit ihrer Stimme den Vorschlag, erst mal vor die Tür zu gehen, und da mir langsam schon die Luft ausgeht, in all dem Nebelmaschinen- und Zigarettenrauch, folge ich ihr bereitwillig durch die Menschenmenge, darauf bedacht, keinem anderen Gast aus Versehen auf den Saum oder die Füße zu treten, zu einigen offenstehenden Glastüren, hinter denen sich eine dankenswerterweise beinahe leere und geräumige Terrasse befindet.
Draußen setze ich mich wenig elegant auf die etwa hüfthohe weiße Mauer, welche die Terrasse vom weitläufigen Park trennt und atme tief durch. Ich fühle mich, als wäre ich schon Stunden auf Achse. Einige Momente sind wir alle still, plötzlich fängt Leila an zu kichern. Wir sehen sie überrascht an, und müssen mitlachen. Obwohl niemand den Grund weiß- so sind wir eben. „Was war denn jetzt los, Leila?“, fragt Jill immer noch leicht kichernd, als wir uns wieder beruhigt haben.
„Das Kleid ist so typisch du!“ Leila fängt schon wieder an zu lachen. Auch jetzt habe ich einen zweiten Blick für Jills Outfit übrig. Es ist kurz, nicht zu kurz, aber schon sehr kurz, mit Spaghetti-Trägern und tiefem Ausschnitt. Der Stoff ist schön leicht, flattert im Nachtwind, und die Farbe... na ja, wer hätte etwas anderes erwartet: schweinchenrosa. Leila hat vollkommen recht. Typisch Jill. Ich schüttele den Kopf und meine Hand schießt sofort, fast reflexartig, zu meiner Hochsteckfrisur. Das ist typisch Marie. Sich einerseits nicht im geringsten um die Klamotten kümmern, andererseits aber ständig an den Haaren rumfummeln. Den anderen fällt das natürlich nicht auf, und ich lasse die Hand schnell wieder sinken, um nicht wirklich noch etwas zu ruinieren.
Währenddessen haben sich die anderen drei in eine Diskussion über Leilas Kleid vertieft. Ich höre zu, werfe Kommentare ein, und so reden wir beinahe eine halbe Stunde, bis Jill langweilig wird und vorschlägt, drinnen „jetzt mal so richtig Party zu machen“, schließlich gäbe es etwas zu feiern. Natürlich gibt es das, und als wir drinnen ankommen, werden wir sofort von der Stimmung angesteckt, die einfach nicht besser sein könnte. Denn eins muss man unserem Jahrgang lassen: Abrocken können wir immer noch am besten.
Ewigkeiten später saßen wir dann wieder draußen. Da die alte sich zwischendurch komplett aufgelöst hatte, hatten mir Leila und Elena in perfektem Teamwork gerade auf der Toilette eine neue Frisur gezaubert, die ich jetzt mit der einer Hand vorsichtig betaste und in der anderen ein Sektglas halte. Neben mir an der Gebäudewand lehnt Leila, ebenfalls mit Glas und lacht über einen Witz, den Kai soeben zum besten gegeben hatte. Der steht ihr gegenüber, in Anzug und Krawatte, die ihm einfach nicht stehen wollen und ihn so beinahe schon unrealistisch aussehen lassen. Ich lache mit, einfach, weil Leila lacht. Elena lächelt nur müde, sie hat Kopfschmerzen und verzichtet auf den Alkohol.
„Tja, jetzt sind wir also frei.“, wechselt Kai das Thema.
„Frei?“ frage ich belustigt. „Gesetzlich? Oder wie?“
„Naja, frei eben“, erwidert Kai mit toternstem Gesichtsausdruck, der aber niemand wirklich überzeugen will. „Wir können alles machen, was wir wollen.“
„Nicht alles“, wirft Elena ein, doch Kai ignoriert sie und fährt fort:
„Keine Schule mehr, wir können den ganzen Tag im Bett liegen, Fernsehen gucken, uns fett fressen...“
Leila kichert schon wieder. Sie hört gar nicht mehr auf.
Ich hingegen habe schon das Wort ergriffen, um Kai zu wiedersprechen: „Und womit zahlst du deine Rechnungen?“
“Welche Rechnungen? Solange ich zu hause wohne, brauch ich gar nichts zahlen.“, muss mir Kai natürlich widersprechen.
Elena, der es offenbar langsam besser geht, schlägt sich auf meine Seite: „Ich dachte, du willst groß mit deinem Drehbuch rauskommen?“
“Ja“, Kai schlägt seinen nervenden Du-verstehst-immer-alles-falsch-du-kleines-unwissendes-Ding-Ton an, „irgendwann! Aber doch nicht schon morgen!“
„Das wäre auch was schnell!“, meldet sich Leila zu Wort um sofort wieder in ihren Dauerkichern fortzufahren.
„Ja“, sagt Kai erneut, ohne den nervigen Tonfall diesmal und wechselt schon wieder das Thema.
„Wo ist Jill eigentlich?“
„Jill?“ Ich blicke mich um. „Nicht hier.“
„Die ist schon gar nicht mit rausgekommen, falls euch das nicht aufgefallen ist“, teilt uns Elena mit und zupft sich eine Haarsträhne aus der Stirn.
„Echt nicht?“, fragen ich und Leila gleichzeitig.
„Boah, ihr seit ja auch echt schnell, oder?“, fragt Kai spöttisch. Ich habe das echt nicht mitbekommen, obwohl man Jill schon leicht bemerkt, und ich mich jetzt im Nachhinein darüber zu wundern beginne.
„Wahrscheinlich vergewaltigt die gerade irgendeinen Typen auf dem Klo.“, fügt Kai noch grinsend hinzu, worauf Leila und ich lauthals zu lachen anfangen und sich einige Nahestehenden sich verwundert zu uns umdrehen.
„Sag mal, ist der Holstein eigentlich auch da?“, fragt er nach unserem Bio-Lehrer, der einfach immer ein Lacher ist, jetzt erst Recht.
„Ich glaub, der war eben auf dem Weg zur Toilette“, führe ich seine Andeutung unnötigerweise weiter, obwohl wir schon alle den Zusammenhang verstanden hatten.
„Jetzt mal ernsthaft....“, versuche ich dann ein neues Thema anzuschlagen, doch Leila unterbricht mich schon.
„Ja, genau Kai, jetzt mal ernsthaft. Wann gebt ihr denn jetzt eigentlich eure Verlobung bekannt?“
Alle drei Augenpaare richten sich auf sie. „Welche Verlobung?“, fragt Kai irritiert, während ich ohne irgendeinen bestimmten Grund anfange zu kichern, fast wie Leila eben, und mir noch nicht mal dämlich deswegen vorkomme.
„Du“, Leila muss eine Pause einlegen, um einen neuen Kicherkrampf ihrerseits in den Griff zu kriegen, „na, du und Jill!“
„Ich dachte, das sind Zwillinge!“, sagt Elena und stößt Kai scherzhaft in die Rippen (der das mal wieder als Katastrophe darstellt und sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Hände auf die Stelle presst), „Du weißt doch, dass Inzucht in Deutschland strafbar ist!“
Kai, immer noch mit leidendem Gesichtsausdruck, spielt den Ball geschickt weiter: „Ja, Jill weiß doch am besten, dass das nicht immer verhindert werden kann.“
„Jetzt ist aber gut, Kai!“. Langsam wird mir die Schickaniert-Jill-Nummer wieder zu viel.
„Aber willst du denn irgendwann mal heiraten?“, hakte Leila weiter nach.
Kai zuckt die Schultern. Sein Markenzeichen. Elenas und mein Blick treffen sich, und wir müssen grinsen.
„Wer will dich den denn schon heiraten?“, fragt Elena mit abschätzenden Blick auf Kai.
„Stimmt, den hält doch keiner aus“, pflichtet Leila ihr bei.
Ich schüttele entschieden den Kopf. „Bei uns wär es eher das Problem, dass er das nicht aushalten würde.“
„Keine Woche!“, Kai ist der gleichen Meinung. Ich grinse ihn an.
„Jetzt übertreib doch nicht! Eine Woche stehst du sicher durch, du hast es doch auch die letzten acht Jahre mit uns ausgehalten!“ Elena wiederspricht entschieden. Leila nickt jetzt Kai zu, was irgendwie ermutigend wirken soll, denke ich mal.
„Das musste ich doch.“, erwidert der trocken.
„Niemand hat dich gezwungen, zur Schule zu gehen!“ Elena ist jetzt wieder voll auf der Höhe und hat sich von irgendwoher auch ein Glas Sekt organisiert, meins ist schon wieder fast leer.
Leila klingt sich wieder ins Gespräch ein: „Also ich wette, wenn ihr das ernsthaft probieren würdet“, sie muss schon wieder kichern, ich verdrehe die Augen, „na ja, dann würde ich sagen, ihr haltet“, kleine Denkpause, „ein Jahr durch. Dann hat irgendeiner von euch die Nase voll.“
„Ein Jahr?“, meine Stimme ist etwas lauter, als ich geplant hatte.
Elena klopft mir beschwichtigend auf die Schulter, was bei mir einen Hustenanfall auslöst, da ich mir gerade den letzten Glasinhalt in den Mund gekippt hatte.
Die anderen müssen lachen, was mir in der Situation gar nicht passt, schließlich ist Husten und Lachen gleichzeitig kein sehr angenehmes Gefühl. Also hole ich mir schnell noch einen Schluckauf dazu. Meine Atemwege schließen sich ruckartig, ich wedele noch hilflos mit den Armen, und bin kurz davor, hintenüber zu kippen, Gott sei dank sind gleich vier Hände da, mich noch aufrecht zu halten. Leila war mit einer Flasche Bier beschäftigt, die sie einfach nicht aufbekommen wollte.
Weil sich Husten und Lachen erledigt hatten, konnte ich wieder einigermaßen gut Atmen und bedankte mich heiser bei meinen beiden Rettern.
„Wenn dich die Idee, mich zu heiraten so aus der Fassung bringt, wäre ich mir nicht so sicher, dass ich als erster das Handtuch werfe“, meint Kai besserwisserisch- wie ich diesen Unterton doch hasse. Naja, welchen Ton mag ich bei Kai? Darüber kann ich mir gerade keine Gedanken machen, ich bin damit beschäftig, die Tränen aus meinen Augen wegzublinzeln, sonst verschmiert mein Make-Up noch. Elena reicht mir eine Servierte, die sie um das Sektglas gewickelt hatte, keine Ahnung wieso.
Danach wendet sie sich an Kai. „Ach ja? Ich wette, dass du es nicht mal ein Jahr durchhältst!“
Leila hat die Bierflasche jetzt aufbekommen, genehmigt sich einen Schluck und sagt dann: „Um wie viel wettest du denn?“
Ich habe meinen Körper jetzt langsam wieder unter Kontrolle bekommen, nur der Schluckauf ist noch da. „Jetzt hört - doch auf! – Als – ob ich - Kai heiraten würde!“
„Für Geld machst du doch alles“ Kai grinst mich schon wieder an. Ich hätte ihm am liebsten eine Ohrfeige gegeben und hatte gerade den Entschluss gefasst, es wirklich zutun, da unterbricht Elena mich schon.
„Also, das wäre mir schon was wert... Ich meine, euch beide verheiratet zu sehen“, sie zieht Kai am Ärmel an meine Seite, ich stolpere von ihm Weg und wäre beinahe schon wieder umgekippt, „wäre bestimmt ein lustiger Anblick“, fährt sie unbeirrt fort. Leila ist vollkommen ihrer Meinung. „Genau! Also ich wette um“, sie nimmt einen weiteren Zug aus der Bierflasche, „500 €uro, dass Kai kaiiin Jahr durchhält.“ Mir fällt die Kinnlade runter. Drehte da der Alkohol das entscheidende Rad bei Leila, oder meinte sie das wirklich ernst? Kai fing an zu lachen.
„500 Euro? Ist das mickrig! Da kann ich ja noch mehr bieten!“ Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was ging da mit meinen Freunden ab? „Also, wenn ihr da mit macht, dann will ich aber auch Geld sehen“, klinkt sich Elena in das regelrechte Feilschen mit ein.
Fassungslos höre ich zu, wie sich die drei zu immer höheren Preisen hinaufschaukeln.
Kurzerhand verlasse ich das Geschehen erst mal. Ich habe Kopfschmerzen und lehte mich an ein leeres Stück Mauer um erst einmal nachzudenken.
Ich und Kai heiraten? Ehrlich gesagt konnte ich mir wirklich etwas schlimmeres vorstellen- natürlich, schließlich verstanden wir uns normalerweise ganz gut, bis auf einige Meinungsverschiedenheiten, was bestimmte Moralvorstellungen anging. Ich musste unwillkürlich lächeln. Was hatte schon zu verlieren? Nichts. Eine Jahr Ehefrau sein- ich muss noch nicht mal einen Ehering tragen, wir müssen auch nicht zusammenziehen. Die Ehe würde nur auf dem Papier existieren und danach musste ich nur noch Kai wegekeln und die Kohle einsacken. Das war fast zu einfach. Ich ließ meinen Blick über den tiefschwarzen Garten wandern, irgendwo schrie ein Vogel, vielleicht eine Eule. Als ich mich wieder der Terrasse zuwende, steht Kai vor mir. Er grinst breiter denn je, Leila und Elena wie Bodyguards an seinen Seiten. Er drückt mir eine beschriebene Servierte in die Hand. Dreistellige, nein vierstellige Zahlen hüpfen vor meinen Augen hin und her, in dieser merkwürdigen Handschrift. Der Alkohol steigt mir zu Kopf, und als ich aufblicke und Kai mich immer noch grinsend fragt: „Willst du mich heiraten?“, spüre ich die Blicke der vielen Leute gar nicht.
Ich nicke.
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