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Hemma ...
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...   Erstellt am 26.03.2012 - 00:59Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Liebe Leser/innen!

Zu Ehren des Hl. Josefs u. der Gottesmutter Maria möchte ich einige Betrachtungen über die Ehe Josefs und Mariens von Pater Henri Caffarell (+ 2006) aus dem Buch „Nimm Maria, Deine Frau, zu Dir“ , wiedergeben. –(Titel der franz. Originalausgabe: „Prends chez toi Marie, ton épouse“, deutsch von Dr. Franz Burger).

Pater Caffarel hat sich an ein Thema gewagt, das in der christl. Literatur vernachlässigt wurde und reflektiert einfühlsam und scharfsinnig die Etappen der Liebe des hl. Paares, zeichnet in großen Zügen die Gedanken der Theologen über diese so außergewöhnliche Ehe nach; stellt die christliche Ehe in das Licht dieser "Pilot"-Ehe und lässt schließlich quer durch die Jahrhunderte Traditionszeugen selbst zu Wort kommen.



Die Ehe Josefs und Mariens
Ursprung und Urbild der christlichen Ehe und Familie




Der gerechte Josef

Josef ist ein Mann des Schweigens, sein Leben selbst liegt im Schweigen.
Immerhin sagt uns das Evangelium drei bedeutsame Worte über ihn: er stammt aus dem Hause Davids (Mt 1,20; Lk 1,27); er ist Zimmermann; schließlich, und vor allem: er ist ein „Gerechter“ (Mt 1,19).

Versuchen wir ihn uns vorzustellen, bevor er noch, wie sein schöner Ehrentitel lautet, „Gemahl Mariens“ wird.

Er ist jung, wahrscheinlich noch keine zwanzig Jahre. Denn wir müssen ein- für allemal mit den dummen Legenden aufräumen, die aus ihm, wie Claudel sagt, „eine Art angeschlagenen Hausmeister gemacht haben, dessen schlaffe Kahlköpfigkeit weniger nach dem Heiligenschein als nach der Zipfelmütze ruft“.
Der, der der Gemahl des jungen Mädchens Maria werden soll, steht in voller Jungendkraft.

Dieser junge Mann ist zunächst einmal Erbe eines Geschlechts; der Engel wird ihn ehrfürchtig als „Sohn Davids“ grüßen (Mt 1, 20).
Daran ändert auch die Unansehnlichkeit seiner gegenwärtigen Lage nichts; er ist sehr wohl königlichen Geblütes. „Weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids stammte“, ging er nach Bethlehem, der Wiege seines Herrscherhauses, um sich dort eintragen zu lassen (Lk 2,4).

Er musste manchmal an diesen fernen Ahnherrn denken, den Ruhm des ganzen Volkes, seinen direkten Blutsverwandten in aufsteigender Linie. Sah er ihn jedoch im königlichen Glanz, inmitten seines Ansehens und seiner Geltung – und seiner Schandtaten – in absoluter Macht?
Dachte der junge Josef nicht eher an den gleichalterigen Hirten, den Sohn des Isai, den Gottes Huld bei seiner Herde aufgesucht hatte?

„David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt“ (1 Sam 16, 12).

Wenn er daran dachte, dass das Geschlecht Isais mit David von einer Schäferei seinen Ausgang genommen hatte, brauchte er sich nicht für gescheitert zu halten, weil er in einer Handwerkerbude hauste; er wußte, dass der wahre Adel von Gott stammt.
Halten wir noch einen Zug dieser Abstammung fest. Der heilige Text vermerkt mehrmals, David war schön; schön von Angesicht, schön von Gestalt, schön auch von Kraft, weil er sich mit einem Wüstenlöwen messen konnte. Diese Schönheit ging auch auf seine Nachkommen über. „Edles Blut verkommt nicht“, sagte man früher.
Der Handwerker aus Nazareth musste durch seine Vorfahren, aber auch durch seine Bestimmung für „die schönste der Frauen“ (Hl 1,8) und den „Schönsten von allen Menschen“ (Ps 45,3) dieses hochgemute, „rassige“ Auftreten haben, das, wenn man es von Natur aus besitzt und sich die Seele darin spiegelt, durch kein Missgeschick entwürdigt werden kann.

Wenn Josef an seinen Ahn dachte, dann wusste er, dass auch er sich auf jenem Weg befand, der von David zum Retter Israels führt.
Zur Zeit ist dieser königliche Nachkomme freilich nur ein Dorfhandwerker, das ist die zweite Seite des Triptychons. Was ist ein „Zimmermann“? Weder ein Bauer, noch ein Geschäftsmann, sondern einer, der für jedermann alles macht.
Tischler und Stellmacher in einem, verfertigt er Joche, schmiedet und repariert er Pflugscharen, schafft er am Neubau und bei der Instandhaltung der Häuser.. Er hat ebenso mit dem Bauern zu tun, dem augenblicklich aus der Patsche geholfen werden muss, weil das Joch zerbrochen oder die Pflugschar verbogen ist, wie mit der Frau, die eine Truhe oder einen Scheffel kaufen will, mit dem Bäcker, der einen neuen Backtrog haben möchte, oder mit dem Maurer, der für seine Türen Pfosten und Stürze braucht.

Merken wir uns, was Josef von all diesen Holz- und Eisenarbeiten gelernt hat: er kennt durch seinen Beruf den Wert der Dinge und der Zeit, den Wert der menschlichen Mühe, die Haltbarkeit des Materials und die Würde recht verrichteter Arbeit; dadurch kommt er zu einem anderen Adel und zu einer anderen Weisheit.
durch das ständige Kommen der Kunden steht er, wieder durch seinen Beruf, an einem Kreuzungspunkt sozialer Kontakte; er wird reich an vielfältiger Kenntnis von Wünschen, Bedürfnissen, ehrgeizigem Streben, von Sorgen, kurz, von allem, was im Menschen ist.

Wenn wir also vom Sohn Davids und vom Zimmermann gesprochen haben, so haben wir doch noch nicht alles von Josef gesagt, ja wir sind sogar vor dem Wesentlichen stehen geblieben.

Der künftige Gemahl Mariens ist zu allererst ein „Gerechter“, ein Mann der „Gerechtigkeit“.

Dieser Ausdruck bezeichnet im Alten Testament die uns bekannt sittliche Tugend (die Achtung der Rechte anderer), jedoch erweitert und erhöht zur absoluten Achtung der Rechte Gottes und damit zur vollkommenen Beobachtung seiner Gebote.

In diesem Sinn setzt der „Gerechte“ wirklich seine Ehre darein, auch den kleinsten Abschnitten des Gesetzes, diesem irdischen Abbild der Unversehrtheit, ja der „Gerechtigkeit“ Gottes selbst in der Regierung der Menschen, gewissenhaft zu gehorchen:
"Ist jemand gerecht, so handelt er nach Recht und Gerechtigkeit...Er blickt nicht zu den Götzen des Hauses Israel auf...Er unterdrückt niemand. Er gibt dem Schuldner das Pfand zurück. Er begeht keinen Raub. Dem Hungrigen gibt er von seinem Brot, und den Nackten bekleidet er...Er lebt nach meinen Gesetzen, er achtet auf meine Rechtsvorschriften und befolgt sie treu. Er ist gerecht…Spruch des Herrn“ (Ez 18, 5-9.

In einem noch tieferen Sinn, der sich vor allem nach dem Exil entwickelt, wird die „Gerechtigkeit“ des Menschen zum Echo und zur Frucht der wunderbaren Zartheit, mit der Gott, nicht damit zufrieden, die Geschöpfe zu regieren, sie mit Wohltaten überhäuft:

„Der Herr ist gnädig und gerecht, unser Gott ist barmherzig. Der Herr behütet die schlichten Herzen; ich war in Not, und er brachte mir Hilfe“ (Ps 116, 5-6).

Wir sind hier von einer bloß förmlichen Achtung des Gesetzes, von einem seelenlosen Legalismus weit entfernt.

Josef ist „gerecht“, weil er sich ständig bemüht, im Gesetz der Liebe zu begegnen. Seine „Gerechtigkeit“ besteht also in der ständigen Haltung des Schweigens vor Gott und des Horchens auf ihn, im unbedingten Willen, gottgemäß zu leben, weshalb er später zum großen Vorbild beschaulicher Seelen werden wird.

Um den unumschränkten Frieden und das glühende Verlangen in Josef durch einen anderen biblischen Begriff auszudrücken, der ganz in der Nähe der „Gerechtigkeit“ steht, greifen wir gerne nach dem der „Weisheit“:
„Sie habe ich geliebt und gesucht von Jugend auf, ich suchte sie als Braut heimzuführen und fand Gefallen an ihrer Schönheit“ (Weish 8,2).
Dieser Weisheit, die kein bloßer Humanismus, sondern eine Gabe Gottes ist, der köstlichste Ausdruck seiner Gegenwart in einem Menschenherzen, hatte Israel schließlich eine solche Liebe entgegengebracht, dass es sie mit den zartesten weiblichen Zügen darstellte:
„Wer am Gesetz festhält (womit auf die oben beschriebene „Gerechtigkeit“ angespielt wird), erlangt die Weisheit. Sie geht ihm entgegen wie eine Mutter, wie eine junge Gattin nimmt sie ihn auf…Er stützt sich auf sie und kommt nicht zu Fall, er vertraut auf sie und wird nicht enttäuscht“ (Sir 15 1-4).

Wenn man diese Schilderung einer gastfreundlichen, Schutz gewährenden, hegenden, starken, treuen Frau liest, wie sollte man da nicht an die künftige Gemahlin Josefs denken, die ihn in die verborgensten Geheimnisse der göttlichen Weisheit einführen wird?

Nimmt man die drei Kennzeichen, die uns das Evangelium von Josef gibt, zusammen
– Nachkomme Davids, Dorfhandwerker, Mann der Gerechtigkeit - ,
dann sieht man, dass sie ihn an eine der lautersten geistlichen Traditionen Israels binden: an die „Armen“, die anawim.
Es geht nicht einfach um Bedürftige, Enterbte, wenngleich eine gewissen materielle Entblößung die Seelenhaltung der Armen begünstigt; es geht um eine Demut, um die vorhaltlose Hingabe an Gott, um die Weigerung, sich auf die bloß menschlichen Kräfte zu verlassen, um sich der göttlichen Allmacht anzuvertrauen.
„Ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk…“ (Zef 3,12).
„Jubelt, ihr Himmel, jauchze, o Erde, freut euch, ihr Berge“ Denn der Herr hat sein Volks getröstet und sich seiner Armen erbarmt!" (Jes 49, 13).
Schließlich diente das Wort „Armut“ dazu, die ganze geistliche Haltung des Menschen vor Gott sinnbildlich darzustellen, so dass die anawim mit dem gottesfürchtigsten Teil Israels identifiziert wurden.

Josef gehört also in der vom Evangelium selbst bestimmten Weise zu diesem bevorzugten Kern des Volkes Gottes. Schon seine ganze bescheidene Stellung als Dorfhandwerker macht ihn zum geraden Gegenteil der Mächtigen und Stolzen, welche die geschworenen Feinde der Anawim und deren Verfolger sind.
Alles, was wir von Josef wissen oder erahnen können, gipfelt in dieser geistigen Armut, die Offenheit für Gott, Hingabe, Demut und absolutes Vertrauen bedeutet.

In Josef ist also zusammengefasst, was es in den Gottesmännern des Alten Testaments an lauterster Gerechtigkeit, Weisheit und „Armut“ gab.
Lassen wir uns nicht täuschen vom Schweigen und vom Dunkel, in dem es versinkt. Andere waren berühmter, keiner war größer. Gott war es ieber, dass er der Tat und dem Wort sterbe, um sich mit Leib und Seele Maria und Jesus zu weihen.
So sieht man ja auch ruhmverheißende Männer des Geistes oder der Macht ins Kloster fliehen, wo sie dann vergessen werden. Das beschauliche Leben ist keine Zufluchtstätte für Ungeeignete, Kräcnkliche, Ängstliche, Kleinkarierte; es ist eine von Gott besetzte Einsamkeit, wo das Eine Notwendige allein zählt. Gott hat diesen Teil für Josef erwählt, und er wird ihm nicht genommen werden.
Das also war der junge Mann, der in den Augen aller nur gedankenvoll, arbeitsam und schweigsam war, in dem das junge Mädchen Maria aber den erkennen sollte, den Gott für sie zum Gemahl bestimmt hatte.


Forts. folgt



[Dieser Beitrag wurde am 26.03.2012 - 01:05 von Hemma aktualisiert]





Signatur
"ich vermag alles in dem, der mich stärkt" (Phil 4,13).


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