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AVTAK  Status: James Bond
   

Status: Offline Registriert seit: 13.09.2002 Beiträge: 2048 Nachricht senden | Erstellt am 22.08.2003 - 15:38 |  |
Moneypenny sortierte gerade einige Akten, als Bond hereinkam. Wie üblich blieb der ganze Papierkram an ihr hängen.
"Fleißig wie immer, Penny?"
"Die Akten sortieren sich nicht von alleine, James. Überhaupt bist du an allem Schuld. Hast du eine Ahnung, wieviele Forderungen nach Schadenersatz und Schmerzensgeld hier täglich eintreffen. Ganz besonders schlimm ist es, während du im Einsatz bist!"
"Das kann ja wohl nur Zufall sein, Moneypenny! Ich bin eigentlich aus einem anderen Grund hier: M sagte, sie hätten mir etwas besorgt"
"Ein Jammer das es nicht umgekehrt ist, James!"
Die gute, alte Moneypenny. Schlagfertig wie immer. "Ich meine eigentlich das Flugticket nach Berlin. Laut M müsste es hier irgendwo zwischen den Aktendeckeln liegen" Bond lächelte Moneypenny freundlich an.
Sie griff in die oberste Schublade ihres Schreibtisches und hielt kurze Zeit später Bond das Ticket unter die Nase.
Sie schaute ihm direkt in die Augen und verzog keine Miene "Hier ist es! British Airways Flug 103 von Gatwick nach Berlin-Schönefeld. Ich hasse es, das zu sagen, aber an ihrer Stelle würde ich mich beeilen hier raus zu kommen. Ihr Flug geht schon in 2 Stunden!"
"Erster Klasse?"
"Im Frachtraum war leider kein Platz mehr für Sie frei!"
"Danke, Penny! Sie sind ein Schatz!"
Moneypenny lächelte "Jetzt aber raus hier!" Bond nahm das Ticket und seinen Mantel und verließ das Zimmer "Und James..." Bond hörte es nicht mehr, die Tür war bereits wieder zugefallen "...sei vorsichtig!" fügte Moneypenny noch leise hinzu.
---
Bond begab sich in den Keller, in die heiligen Hallen des Mi6. Durch die große Schiebetür aus kugelsicherem Gals konnte er Q schon erkennen. Es war ein seltsames Gefühl, als er seine Chipkarte durch das Lesegerät an der Wand führte, das die Tür öffnete. Der alte Q hatte diese Technik noch entworfen.
Er ging durch die ersten zwei Räume hindurch in denen das übliche Treiben herrschte. Neuartige Materialien wurde auf ihre Schussfestigkeit getestet, harmlose Alltagsgegenstände in tödliche Waffen umgewandelt und überall lag Rauch und der Geruch von geschmolzenem Kunststoff in der Luft. Ein Mann in weißem Kittel kam auf Bond zu: Q! Er wirkte gestresst aber dennoch voller Tatendrang. Kurzum, alles war wie immer!
"Da sind Sie ja endlich, 007! Habe ich ihnen nicht das letzte Mal gesagt, Sie sollen pünktlich erscheinen. Jedes Mal kommen sie zu spät. In Belgien war es genauso. Wenn Sie..."
Bond kannte die übliche Begrüßung von Q. deshalb reagierte er ganz ruhig. "Morgen, Q! Viel los heute, was. Das nächste Mal bin ich pünktlich, versprochen!"
"Schon gut, 007!" Er sah auf Bonds Handgelenk "Ist das der Grund, warum Sie zu spät sind? Wo ist ihre Uhr?"
"Um ehrlich zu sein, Q, ich habe sie verlegt! Sie muss bei meinem Sprung von dieser Klippe bei Newcastle..."
"Ersparen Sie mir weitere Einzelheiten, 007! Immer diese Ausreden! Wir haben sowieso zu wenig Zeit! Mit sowas habe ich schon gerechnet. Sharon wird ihnen eine neue geben, wenn sie wieder gehen. Wir haben sie etwas verbessert. Im Ziffernblatt ist jetzt ein Kompass eingbaut und..."
"Ersparen Sie mir weitere Einzelheiten, Q!"
Q blickte Bond leicht böse an fuhr dann aber routiniert fort "Ihre Waffe haben Sie aber hoffentlich noch, oder?" Bond hielt Q triumphierend die Walther hin. "Wenigstens etwas! Zu ihrer usatzausrüstung für die Berlin-Mission; Ich habe wieder ein paar nette Extras für Sie. Ich wäre diesmal schon zufrieden wenn Sie, sagen wir 70% von ihnen zurückbringen würden. In tadelosem Zustand, bitte." Q führte Bond zu einem weißen Tisch auf dem einige technische Geräte lagen. Q nahm einen PDA und reichte ihm Bond. "Der sieht ihm ersten Moment wie ein normaler Pocket-PC aus" "Ist es aber natürlich nicht" unterbrach ihn Bond. "Selbstverständlich ist er leicht modifiziert. Sehen sie diese Taste an der Seite. Wenn ich nun hier zweimal draufdrücke aktiviert sich der Röntgenmodus - ein extrem starker Röntgenmodus. Damit können sie Stahlwände bis zu 1,7 cm Dicke und mehr durchleuchten. Das, was dahinter liegt sehen Sie hier auf dem Display. Aber halten Sie es möglichst weit weg vom Körper, wir haben immernoch Probleme mit der Strahlung. Hören Sie mir überhaupt zu, 007"
Bond legte den Kugelschreiber beiseite, den er gerade aufmerksam betrachtet hatte "Möglichst weit weg halten, wegen der Strahlung. Sie sehen, ich habe aufgepasst, Q!"
"Schön, 007" brummte Q "kommen wir zu dem Gegenstand, der Sie scheinbar so brennend interessiert. Dieser Kugelschreiber ist gleichzeitig auch eine hochpräzise Laserzielhilfe. Darf ich um ihre Waffe bitten!" Bond reichte ihm die P99 "Sie können in an ihrer Walther befestigen, hier oben, sehen Sie. Bitte versuchen sie es nicht Gewalt, 007, der Verschlussmechanismus ist sehr empfindlich. Außerdem können Sie hier an der Seite Nachrichten empfangen" Q zeigte auf ein Display, das im ausgeschalteten Zustand die Farbe des Stifts annahm. "Gesendet wird von einem speziellen Apperat in Moneypennys Büro! Weiter: Im oberen Teil des Schafts ist außerdem noch eine Selbstmordpille verbaut. Einfach hier abschrauben und die Pille aus dem Inneren holen! Sehen Sie. Passen sie auf, dass Sie dabei nicht das Display beschädigen. Sie dürfen auch die Linse des Lasers nicht zerkratzen oder verschmieren. Das wäre soweit alles. Haben Sie noch Fragen zu dem Stift, 007?"
"Kann der auch einfach nur schreiben?"
Q blickte Bond mürrisch an "Gewisse Grundfunktionen mussten den neuen, einmaligen Eigenschaften dieses Kugelschreibers geopfert werden! Ich empfehle ihnen für diesen Fall einen zweiten, stinknormalen Kugelschreiber mitzunehmen. Wenn man aber die Vorteile bedenkt, die dieser...Legen Sie das sofort wieder hin, 007!"
Bond hantierte gerade mit einem Schlüsselbund "Was ist das Q?"
"Meine Schlüssel. Unter anderem die für meinen Privatwagen und ich würde alles tun, damit sie den nicht in die Finger bekommen! Apropos Wagen: Ihr neuer Aston Martin ist schon auf den Weg nach Berlin. AMV8 Vantage, sehr schnell! Das wird Sie freuen: Auf deutschen Autobahnen gibt es nämlich keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Sie können so ganz legal rasen ohne das wir wieder ein gutes Wort bei der Polizei für Sie einlegen müssen. Ansonsten die üblichen Extras. Raketenwerfer, GPS-Navigationssystem, Maschinengewehre. Leider mussten wir die Anzahl der Getränkehalter von sechs wieder auf einen einzigen reduzieren. Der ist dafür 100% kompatibel zu einem handelsüblichen Martiniglas! Es ist eine Schande, wenn ich bedenke, wieviel Arbeit in dem Wagen steckt. Dabei weiß ich jetzt schon, dass er nicht in einem Stück zurückkommen wird"
"Rührend, wie Sie sich um mich kümmern, Q! aber glauben Sie mir, ich tue jedesmal mein Bestes, um den Verlust so gering wie möglich zu halten"
"Manchmal wünschte ich, Sie würden öfter von den Selbstmordpillen Gebrauch machen! Nun ja, das wärs von meiner Seite, 007! Denken Sie an die 70%, die Sie zurückbringen sollen!"
"Danke Q, ich werde mir Mühe geben!"
Der Waffenmeister schaute Bond kopfschüttelnd nach. Warum konnte er nicht etwas mehr Respekt für seine Erfindungen zeigen. Aber Q nahm es ihm nicht übel und ging wieder an seine Arbeit.
Bond ließ sich noch von Sharon die neue Uhr geben und fuhr dann nach Gatwick. Sein liebgewonnener DB5 und dessen Höchstgeschwindigkeit konnten gerade noch so verhindern, dass er seinen Flieger nach Berlin verpasste.
[Dieser Beitrag wurde am 26.08.2003 - 11:26 von AVTAK aktualisiert]
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***
In Berlin angekommen begab sich Bond zum Informationsschalter des Flughafens, wo ihn eine blonde junge Frau freundlich anlächelte. „Was kann ich für sie tun?“
„Oh, jetzt wo ich sie aus der Nähe sehe, gibt es sicher einiges.“
Die Frau sah etwas verlegen zu Boden.
„Aber das wichtigste ist wohl mein Wagen, der vorgeschickt wurde. Da versteht meine Firma keinen Spaß.“ Bond seufzte. „Mein Name ist Bond, James Bond.“
„Ihre Firma? Sie sind wohl ein viel beschäftigter Mann.“
„Ja, sehr beschäftigt und immer unterwegs, kaum lange an einem Ort.“
„Schade“, meint die Frau etwas betrübt.
„Nun, vielleicht kann ich meinen Aufenthalt hier in Berlin noch etwas ausweiten“, lächelte Bond.
Die Frau lächelte zurück, wurde dann aber wieder ernst. „Ihr Wagen ist wohlbehalten hier angekommen. Dieser Herr dort hinten wird sie hinführen. Ich wünsche ihnen gute Geschäfte, Mr. Bond. Auf Wiedersehen.“
„Vielleicht“, lächelte Bond und schaute sich um. Der Mann, der etwas abseits stand, war ihm wohlbekannt und er ging recht freudig auf ihn zu. „Smithers! Schön, dass sie den Wagen persönlich bringen.“
„Bond.“ Smithers nickte ihm kurz zu. „Q wollte es so offiziell und ich konnte ihn gerade noch davon abhalten, dass sie keine Quittung für den Wagen unterschreiben müssen und selbst für alles haften“, grinste er.
„Dann hätte ich gleich die Selbstmordpille nehmen könnte“, grinste Bond zurück. „Ohne Verschleiß kommt man an der Front nun mal nicht weiter.“
„Nun, von der Front verstehen sie mehr als wir.“ Smithers holte die Autoschlüssel hervor. „Er steht draußen auf dem Parkplatz. Über die Extras hat Q sie schon aufgeklärt nehme ich an?“
„Ja, wir haben kurz darüber gesprochen. Wirklich frustrierend, dass er die Getränkehalter wieder auf einen einzigen reduziert hat. Das wird mein Untergang.“
Smithers lächelte. „Wissen sie, Bond, ich hatte Zeit genug selbst noch ein wenig dran herumzuschrauben. Nun gibt es zwei Getränkehalter in Martini-Glas-Form. Ich weiß doch, dass sie selten einmal allein fahren.“
Bond nahm die Schlüssel in Empfang. „Sie sorgen für mich fast so gut wie Moneypenny.“
„Wir sind halt alles eine große, liebe Familie.“
Bond sah auf seine Armbanduhr. „So, jetzt muss ich aber leider weiter. Irgendjemand aus dieser Familie hat meinen Zeitplan extrem knapp kalkuliert. Ich wünsche ihnen eine gute Heimreise, Smithers, und grüßen sie Q von mir.“
„Danke. Alles Gute, Commander Bond.“ Smithers wandte sich ab und Bond verließ den Flughafen.
***
Bond betrat die Aussichtsplattform des Fernsehturmes am Alexanderplatz und sah sich um. Ihm fiel ein dunkelhaariger, recht gut aussehender Mann mit schwarzer Kleidung und Sonnenbrille auf, der nach Norden blickte. Ein kurzer Blick auf den Kompass in der Armbanduhr bestätigte dies. Bond gesellte sich zu ihm. „Dort liegt Skandinavien.“
„Kennen sie Wagners Götterdämmerung?“ fragte der Mann darauf.
„Ring der Nibelungen. Ein Epos nach der nordischen Mythologie.“
„Ganz recht. Nordisch. Wie in Oslo.“
„Oder Stockholm.“
Der Mann nahm die Sonnenbrille ab und reichte Bond die Hand. „Willkommen in Berlin, Commander Bond. Sten Beckster. Aber diesmal kommt die Götterdämmerung nicht aus Stockholm. Dort haben sie ja schon aufgeräumt. Die Spur führt ganz woanders hin.“
Bond nahm die Hand und sah Beckster freundlich an. „Und sie sind der Mann, der den schweren Sprung von der Straße bis in die Chefetage von der Count GmbH & Co. KG geschafft hat?“
Beckster steckte die Sonnenbrille weg und ersetzte sie durch eine normale Brille. „Genau das. Aber wir besprechen die Details besser bei der Chefin.“
„Chefin?“
„Ja, die Leitung der hiesigen Station hat schon länger eine Frau übernommen. Cathleen Steele.“ Er ging langsam mit Bond, der etwas verwundert war, Richtung Ausgang. Die Aussichtsplattform war erstaunlich leer. “Sie haben einen Wagen dabei, Mr. Bond?”
“Natürlich.”
“Gut. Ich bin weniger mobil. Die ewig überfüllten Straßen hier in Berlin und der recht gute öffentliche Nahverkehr machen einen Führerschein nicht unbedingt notwendig. Wissen sie, ich komme eigentlich nicht aus ihrer Branche. Ich habe früher eine kaufmännische Lehre gemacht und bin eher zufällig zu diesem Gewerbe gekommen. Jedenfalls bin ich dadurch glücklicherweise total unverdächtig für die zu infiltrierende Organisation und sitze jetzt in der obersten Verwaltung von Count GmbH & Co. KG.“
„Ahja. Sehr interessant.“ Sie betraten den Aufzug.
„Einige Qualitäten kann aber auch ich vorweisen“, lächelte Beckster. „Ich bin ein exzellenter Schütze.“
Bond schwieg und dachte über den letzten Satz von Beckster nach. Irgendwie musste er diese Information, zusammen mit der schwarzen Kleidung und der Sonnenbrille Becksters mit Mr. Lord assoziieren. Der Aufzug setzte sich in Bewegung.
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Beckster und Bond verließen den Fernsehturm und gingen über den Alexanderplatz zu einer kleinen Gasse in der Nähe des Roten Rathauses. Die Menschenmange war überschaubar, da ein warmer Regen die deutsche Hauptstadt heimsuchte, der nur die beiden regengewöhnten Briten nicht zu stören schien. Vor einem unauffälligen, dreistöckigen Gebäude blieben sie stehen. "Universal Exports, Zentrale Deutschland, aha - schön zuhause zu sein", grinste Bond.
Beckster führte Bond die Treppe hoch und blieb vor einem relativ großen Spiegel stehen, der an der Seite der Treppe angebracht war. Beckster griff zur obersten Stufe vor dem 1. Stcok und klappte sie hoch. Darunter erschien ein Knopf. Nachdem Beckster auf ihn drückte, öffnete sich der Spiegel. Bond und Beckster verschwanden dahinter und der Spiegel verschloss sich genauso wieder wie die Stufe, unter der sich der Knopf befand.
"Willkommen in den heiligen Hallen des MI6! Tut mir leid, Commander, aber Berlin ist nach wie vor ein heißes Pflaster. Da die deutsche Bürokratie sehr scharf ist und wir öfters unangemeldete Steuerprüfungen im Haus hatten, mußten wir "Universal Exports" als normale Firma mit regulären Mitarbeitern als getarnte Fassade aufbauen, die mit englischem Dosenessen handelt."
"Und da möchte dann sicher niemand zu genau nachprüfen, ob der Inhalt auch gut ist!" schmunzelte Bond.
Über einen kleinen Korridor erreichten die beiden ein Büro, in der eine schlanke attraktive Frau Mitte 30 mit langen schwarzen Haaren saß. "Cathleen Steele! Ich heiße Sie herzlich willkommen in Berlin, Mr. Bond!" "Vielen Dank!" "Mr. Beckster wird Ihnen gleich den Stand der Dinge erklären und Sie mit der Sachlage vertraut machen."
Beckster begann: "Ich bin inzwischen seit 4 Wochen in der Geschäftsstelle Berlin der Count GmbH & Co. KG tätig. Ich bedaure es sehr, dass Graf Burgstädter beim Überlaufen ermordet wurde. Er hätte uns sicher noch vieles erzählen können."
"Was konnten Sie bisher herausfinden?"
"Nicht viel. Die Fassade der Count GmbH & Co. KG wirkt unauffällig. Sie ist damit betraut, Projekte für Straßenkinder in aller Welt zu finanzieren. Sie ist dabei nur für die Finanzierung zuständig. Die Firma wird seit 2 Monaten von Richard Preston geleitet, einem amerikanischen Gentleman, der gute Beziehungen zur amerikanischen Politik und zur amerikanischen Wirtschaft besitzt. Da ich in der Verwaltung arbeite, bekomme ich ja einiges zu Gesicht, was aber alles in ordentlichen Bahnen zu verlaufen scheint. Es gibt aber im Geschäftshaus von Count am Kurfürstendamm ein Stockwerk, das nur für bestimmte Personen zugänglich ist. Mir war es bisher nicht möglich, dort hineinzukommen..."
"Mr. Bond," fiel Cathleen Steele Sten Beckster ins Wort, "morgen abend findet eine Party im 'Panorama Club 37', dem Berliner Casino statt. Es ist eine Veranstaltung ausschließlich für geladene Gäste, die die Count GmbH & Co. KG zu ihrem 10-jährigen Bestehen veranstaltet. Geladen sind Millionäre aus der ganzen Welt, die sich in den letzten Jahren für wohltätige Zwecke verdient gemacht haben. Lord Franklin Spencer wird auch teilnehmen."
"Wer ist das?" fragte Bond.
"Sie werden morgen abend so heißen, Mr Bond. Wir haben Sie als steinreichen schottischen Adligen dort via Mr. Beckster angemeldet. Da sich Mr. Preston gerne mit potentiellen Geldgebern einläßt, sehen wir gute Chancen, wenn Sie ihm dann besonders großzügige Spenden in Aussicht stellen. Er wird sich dann sicher um Sie kümmern. Um Sie als steinreichen schottischen Millionär glaubhaft zu machen, nächtigen Sie in der Präsidentensuite des Hotel Adlon. Ich hoffe, es ist Ihnen angenehm."
"Durchaus, damit kann ich mich anfreunden."
"Wunderbar! Sie treffen sich morgen abend um 20 Uhr mit Mr. Beckster in der Eingangshalle des Club 37. Mr. Beckster ist als Mitarbeiter selbstverständlich auch geladen und wird Sie dann mit Mr. Preston bekannt machen. Bis morgen abend haben Sie dann frei. Das ist mit M so abgesprochen. Genießen Sie die Stadt!"
Bond bekam von Mrs. Steele die Einladung für die Party und verabschiedete sich nun von ihr und Sten Beckster und machte sich mit seinem Aston Martin auf den Weg zum Adlon Hotel, der ihn durch mehrere Stadtteile von Ost nach West durch die ehemals geteilte Stadt führte. Unter dem Brandenburger Tor hindurch führte in sein Weg nun geradezu auf das Adlon Hotel zu. Als Bond mit seinem Auto vorfuhr rannte sofort ein hoteleigener Chauffeur her, der den Wagen in die Tiefgarage fuhr, während ein Boy Bonds Gepäck an sich nahm.
"Mein Name ist Spencer, Franklin Spencer. Ich habe die Suite reserviert." Die Dame an der Rezeption war sichtlich beeindruckt, wie attraktiv so ein vermeintlich betagter Lord doch sein konnte. Sie händigte ihm die Schlüssel aus und warf ihm noch einen schmachtenden Blick hinterher.
Bond gab dem Boy aus seinem üppig mit Geld ausgefüllten kleinen Handkoffer 50 € Trinkgeld und schloss die Türe ab, nachdem dieser alle Taschen abgestellt hatte. Die Suite, in der auch schon Bill Clinton übernachtete, war prunkvoll und mit allem ausgestattet, was man braucht und auch nicht. Goldene Wasserhähne im Bad, Marmortische standen um die ebenholzfarbenen Möbel und ein großes Bett, über dem ein Bild des ehemaligen Reichskanzlers Bismarck hing. Bond warf einen letzten Blick in Richtung Reichstag und legte sich todmüde schlafen.
****
Nach längerem Ausschlafen und ausgiebigem Frühstück nutzte Bond seinen freien Vor- und Nachmittag mit Besuchen auf der Museumsinsel und am ehemaligen Checkpoint Charlie. Er erinnerte sich an damals, als er noch zu Zeiten der Berliner Mauer die Stadt von West nach Ost überquerte, um sie kurze Zeit später wieder in Octopussys Zug in umgekehrter Richtung zu passieren. Nach einem abschließenden Kaffee im Café Kranzler am Ku'damm mit gleichzeitiger Besichtigung von außen des imposanten Geschäftsgebäudes der Count GmbH & Co. KG, begab sich Bond auf den Weg ins Hotel, um sich für die noble Party im Casino fertig zu machen.
Bond fuhr um 19:45 Uhr mit seinem Aston Martin vor dem Casino vor. Für ihn war einer der besten Parkplätze reserviert. Die anwesende Damenwelt war entzückt, als Bond im Schottenrock seinen Aston Martin verließ. Er gelangte in die Lobby der Casino ohne seine Einladung zeigen zu müssen. Jeder wußte, dass nur dieser smarte Brite im Kilt Lord Franklin Spencer sein konnte. Sofort kam ihm der ebenfalls sichtlich beeindruckte Beckster in einem Smoking entgegen.
"Sie haben sich aber schick gemacht", flüstert er Bond zu, "kommen Sie, wir gehen in die große Halle, wo Mr. Preston gleich eine Begrüßungsrede hält."
In der großen Halle standen bereits viele Menschen, denen Bond ansah, dass sie im Geld schwimmen könnten. Vielen betuchteren Männern standen schöne junge Frauen zur Seite. Obwohl es nicht Bonds Herkunft enspricht, fühlte er sich sichtlich wohl.
"Meine sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste..." Alles blickte nach vorne auf das Podest. "...ich freue mich, Sie alle hier im Namen meiner Firma für dieses kleine Jubiläum willkommen zu heißen. Ich möchte mich bei Ihnen für die tolle Unterstützung in den letzten 10 Jahren bedanken und wünsche uns allen einen unterhaltsamen Abend. Unsere netten Bedienungen werden sich bestens um ihr leibliches Wohl kümmern. Viel Spaß!"
Die Menge applaudierte vornehm und Mr. Preston verließ sein Rednerpult. Beckster und Bond gingen durch den großen Saal hindurch und gelangten zu der Seite, wo die vielen Spieltische den nicht unmajestätischer aussehenden Esstischen weichen mußten.
Preston schien gerade intensiv einen Notizzettel zu lesen, dem ihm gerade ein von Beckster als Count-Mitarbeiter identifizierter Mann vorbeigebracht hatte, als Beckster und Bond neben ihm auftauchten. Bonds Instinkt wurde aufmerksam. Warum sollte ein wichtiger Mann an einem wichtigen Abend einen vermeintlich unwichtigen Zettel so gespannt und erfreut lesen. Bond schien da mehr dahinter zu stecken.
"Guten Abend, Mr. Preston", ging Beckster auf seinen Chef zu, "ich möchte Ihnen gerne Lord Franklin Spencer vorstellen, von dem ich Ihnen bereits erzählte."
Preston schob unauffällig seinen geöffneten Koffer über den Notizzettel und stand auf.
"Lord Spencer, es ist mir eine Ehre, Sie bei uns begrüßen zu dürfen. Ich freue mich sehr, dass es Mr. Beckster gelungen ist, Sie für unsere Partie einzuladen!"
"Vielen Dank, Mr. Preston", erwiderte Bond, "Kinder sind doch unsere Zukunft und da möchte ich natürlich meinen bescheidenen Beitrag dazu leisten."
"Lassen Sie uns einen Drink nehmen", Preston drehte sich um und rief den Ober zu sich.
Bond nutzte diesen kleinen Moment und holte seinen Pocket PC aus seiner Tasche und hielt ihn über den geöffneten Koffer, unter dem der Notizzettel lag. '...morgen um 10:30 Uhr Treffen mit amerikanischem Kontaktmann im Café der Galopprennbahn Hoppegarten.' Bond zog seinen Mini-PC schnell wieder zu sich zurück ohne die komplette Nachricht gelesen zu haben, als Preston sich nach der Bestellung von 3 Gläsern Mouton Rothschild wieder umdrehte.
"Keinen Moment kommen meine Firmen ohne mich aus" murmelte Bond genervt den Kopf schüttelnd, um rechtzufertigen, dass er den Pocket-PC in der Hand hielt. Daraufhin steckte er das Gerät wieder ein.
"Lord Spencer, spielen Sie gerne?"
"Ich bin sozusagen mit Gücksspiel aufgewachsen."
Die hübsche Kellnerin brachte den 3 Männern die Weingläser. Preston legte den Zettel in seinen Koffer und schloss diesen sofort. Sie gingen dann zum Baccara-Tisch.
[Dieser Beitrag wurde am 27.08.2003 - 14:47 von Kronsteen aktualisiert]
Signatur "Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!" |
Count_Villain  Moderator


Status: Offline Registriert seit: 12.09.2002 Beiträge: 8203 Nachricht senden | Erstellt am 28.08.2003 - 17:55 |  |
Nach ein paar Runden Baccara, von denen Beckster auffallend viele gewann kam es schließlich zu einem Duell zwischen Bond und Preston. Beckster, dem der Einsatz zu hoch geworden war, hatte sich entfernt, um seinen, doch recht stattlichen Gewinn einzulösen.
„Es scheint ihren Mitarbeiter schreckt das Risiko, Mr. Preston“, kommentiert Bond.
„Das ist auch gut so, Lord Spencer. Ich brauche keine Mitarbeiter, die unnötige Risiken eingehen. Dieses hohe Spiel ist ausschließlich für mich reserviert. Und es hat Mr. Beckster ja auch nicht geschadet. Er hat ordentlich abgeräumt“, lächelt Preston.
„Das stimmt. Aber man kann sich erheblichen Schaden zufügen, wenn man nicht mit Risiken umgehen kann. Können sie mit einem Risiko umgehen, Mr. Preston?“ Bond erhöhte den Einsatz.
„Ich kann.“ Preston erhöhte den Einsatz weiter. „Notfalls werden Risiken einfach eliminiert.“
„Das klingt fast so, als würden sie ankündigen mich bei diesem Spiel jetzt zu betrügen“, lächelte Bond.
Preston lächelte zurück. „Aber wo denken sie hin, Lord Spencer. Wir sind doch zwei Gentlemen.“ Preston, der gerade Bankhalter war, verteilte die Karten. Bond war zufrieden mit seinem Blatt, Preston nahm eine weitere Karte. Beide deckten auf. Preston hatte einen Pik- und einen Karo-Buben, sowie eine Pik-Neun und grinste siegessicher. Nun deckte Bond auf. Eine Herz-Vier und eine Herz-Fünf. „Es scheint als hätten sie ein Risiko übersehen, Mr. Preston. Die niedrigere Kartenanzahl gewinnt.“
Preston schob ärgerlich den Schlitten zur Seite, doch langsam machte sich wieder ein Lächeln auf seinem Gesicht breit. „Ich hoffe doch, sie investieren das gewonnene Geld in unsere Projekte.“
„Wir werden sehen, Mr. Preston. Es gibt sehr viel, was man auf dem wohltätigen Sektor tun kann und es werden einige Projekte von mir unterstützt. Aber ich bin sicher es wird genug für sie abfallen. Oder hätten sie lieber eine Revanche für das letzte Spiel? Allerdings würde ich dann etwas anderes wählen statt Baccara.“
„Da bin ich aber gespannt.“ Preston sah Bond mit großen Augen an.
„Nun, ich bin geradezu vernarrt in den Pferderennsport und es gibt hier in Berlin ja die Galopprennbahn Hoppegarten.“
„Vernarrt in den Pferderennsport? Was sie nicht sagen. Ich auch. Da konnte die Affäre Zorin auch nichts dran trüben. Sie haben doch sicher davon gehört?“
„Natürlich. Da ging es um implantierte Ampullen mit Pferdesteroiden. Schlimme Sache. Hat dem Rennsport einiges von seinem Ruf gekostet. Wie man hört soll Zorin größenwahnsinnig gewesen und mit einem Zeppelin bei der Golden-Gate-Bridge tödlich verunglückt sein.“
„Ich sehe sie kennen sich aus, Lord Spencer. Wie wäre es morgen 11 Uhr auf der Galopprennbahn?“ Preston stand auf.
„11 Uhr passt mir sehr gut“, lächelt Bond. „Ich freue mich.“ Er stand ebenfalls auf. Preston verabschiedete sich. Bond ging ebenfalls. An einer ruhigen Ecke in der Nähe des Ausgangs sah er Beckster bei einem der Kellner. Als Beckster Bond bemerkte, verabschiedete er sich von dem Kellner und gab ihm einen zärtlichen Kuss. Dann ging er zu Bond. „Privates Tete-a-tete zwischendurch, Mr. Beckster?“
„Auch“, lächelte Beckster. „Aber lassen sie uns draußen reden.“ Beckster und Bond verließen den Club. „Kellner hören viel und dieser hier hat sich auf mein Geheiß etwas auf der Party umgehört und erfahren, dass die Abteilung Maschinenbau derzeit keine weiteren externen Aufträge mehr annimmt. Offiziell wurde einigen Gästen etwas von einer Routineprüfung gesagt. Einige Mitarbeiter sprachen aber von einer Art Bereitschaft und es wird wohl ein großer interner Auftrag erwartet. Einige Gäste scheinen auch Geldgeber speziell für C.O.U.N.T. zu sein, denn sie sprachen über Straßenkinder in Stockholm. Und es gab Gerüchte über eine Verlegung der Ressourcen. Was war bei ihnen und Preston, Bond?“
„Er hat morgen um 10.30 Uhr einen Termin mit einem amerikanischen Kontaktmann im Cafe der Galopprennbahn Hoppegarten und um 11 Uhr dann mit Lord Spencer. Ebenfalls auf der Galopprennbahn.“
„Gut“, nickt Beckster. „Ich werde dann Mrs. Steele berichten und sie setzt sich morgen früh mit ihnen in Verbindung. Ich werde wohl nicht verfügbar sein. Ich gehe ja nun bei unserem Gegner einer geregelten Tätigkeit nach und will nicht unbedingt eine Entlassung riskieren, war schwer genug überhaupt da rein zu kommen. Vielleicht finde ich auch noch etwas über diese ominöse Etage heraus.“
„Soll ich sie fahren?“
„Nein. Es ist besser wir trennen uns. Offiziell sind sie ja noch Lord Spencer. Sie fahren am Besten ins Hotel zurück. Außerdem habe ich schon jemanden, der mich mitnimmt“, lächelte Beckster und ging zu einem Mercedes SLR, wo ihn schon der Kellner von eben am Steuer erwartete. Er musste einen anderen Ausgang aus dem Club genommen haben. „Er kann nicht nur Drinks servieren, sondern auch ausgezeichnet chauffieren. Auf Wiedersehen, Mr. Bond. Und viel Erfolg auf der Rennbahn.“ Beckster stieg ein und der andere Mann fuhr los. Bond sah dem Wagen lächelnd nach, ging zu seinem AMV8 Vantage und fuhr ins Hotel.
[Dieser Beitrag wurde am 10.08.2007 - 22:08 von Count_Villain aktualisiert]
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Als Bond am nächsten Morgen das Adlon gegen halbneun verlassen wollte, wurde er vom Concièrge an der Rezeption aufgehalten.
"Lord Spencer!" er legte hastig den Telefonhörer zur Seite. Bond drehte sich um "Ja" "Post für Sie, Sir" er gab ihm den Umschlag und widmete sich wieder dem Telefongespräch. Bond blickte auf den Absender: Universal Exports, London
Er öffnete den Brief, der an einer Stelle leicht ausgebeult war. In ihm befanden sich zwei kleine Apperate und ein Zettel:
Wie von ihnen gestern angefordert ein kleines Abhörgerät. Hochempfindlich und unauffällig. Die aufgenommenen Gespräche werden an den beiliegenden Empfänger übertragen (Reichweite etwa 75 m) Viel Erfolg und bringe sie das Geräte in einem Stück wieder ---- Q
Bond lächelte über die letzte Zeile. Bis jetzt waren sämtliche Spielereien von Q noch unbeschädigt. Er konnte stolz auf sich sein - aber der Tag war ja noch lang. Bond ging durch die große Tür des Hotels nach draußen, ließ sich von einem Hotelangestellten seinen Aston-Martin holen und fuhr zum Kurfürstendamm, wo er in einem der kleinen aber traditionsreichen Cafés in aller Ruhe frühstückte, bevor er sich auf den Weg nach Hoppegarten machte.
Die Reitanlage wirkte sehr gepflegt und hatte sich scheinbar den alten Glanz der Kaiserzeit erhalten können, obgleich sie auch nicht ganz an Ascot herankam. Bond parkte den Aston Martin etwas außerhalb des Geländes. Immerhin erwartete ihn Preston erst um 11 Uhr, jetzt war es gerade kurz vor 10 und Bond hatte noch etwas zu erledigen. Er musste vermeiden vorher gesehen zu werden.
Das Café, dass in der Nähe der Hauptribüne untergebracht war, war um diese Zeit schon gut besucht. Bond ging durch den hellen, freundlichen Raum auf eine der Kellnerinnen, die hinter einer Art Anrichte Gläser polierte, zu. Sie war etwa Ende 20, hatte mittellanges braunes Haar und passte gut zur angenehmen Atmosphäre des Cafés.
"Guten Tag, mein Name ist Bernard P. James. Ist Mr Preston schon eingetroffen?" Schon wieder ein neuer Deckname! Aber wer sagte ihm, dass nicht sogar diese entzückende Kellnerin zur Gegenseite gehörte. Keine Risiken! Preston durfte nicht erfahren, dass er schon früher da war, was den Decknamen "Lord Spencer" ausschloss. Und noch weniger durfte irgendjemand Bonds richtigen Namen kennen.
"Mr Preston ist noch nicht hier, Sir. Wenn Sie einer seiner Geschäftspartner sind, müsssten Sie eigentlich wissen, dass er sich nie vor 10.30 Uhr hier sehen lässt. Sind Sie sicher, dass Sie ihn heute treffen?" Preston schien wohl fast jeden Sonntag hier zu sein. Nicht selten wurden auf solchen Pferderennbahnen zwischen der einen oder anderen Wette wichtige Geschäfte abgeschlossen. Gewinnbringende Geschäfte. Vielleicht auch illegale Geschäfte? Die richtige Umgebung für Preston! Aber das wichtigste war, dass er noch nicht hier war. So würde sich eine Gelegenheit finden, Qs Wanze in seiner Nähe unterzubringen. Er musste dieses Gespräch zwischen Preston und dem "amerikanischen Geschäftsfreund" unbedingt mithören. Jetzt musste Bond nur noch den Tisch ausfindig machen!
"Ich nehme an Mr Preston hat resevieren lassen, Ms ..."
"...er hat reservieren lassen, Sir, wie immer. Tisch 40." Sie merkte das Bond zufrieden nickte und sich auf die Suche nach Tisch 40 machen wollte. Er hatte sich schon wieder von der Kellnerin abgewandt, als er noch einmal ihre Stimme hörte "Geben Sie sich keine Mühe, Mr James, Tisch 40 ist im VIP-Bereich Nummer 1. Mr Preston mietet ihn immer komplett an, wenn er ein Rennen besucht." Sie deutete nach rechts, wo zwei Bodyguards eine schwere Holztür bewachten. Unangenheme Leute, Bond kannte diese Art von Menschen "Das ist der einzige Eingang. Mr Preston hasst es, gestört zu werden. Ich fürchte, da werden Sie ohne schriftliche Einladung keinen Zutritt haben. Und da die Mr Preston normalerweise nicht ausstellt..."
Vor seinem geistige Auge zerbrach sein ganzer schöner Plan mit der Wanze. Jetzt musste er improvisieren. Aber wie? Bond versuchte sich nichts anmerken zu lassen und seine innere Anspannung nicht zu zeigen. Sein Blick wanderte durch den Raum. Aber da war nichts, mit dem sich improvisieren ließe! Er ging zu ihr zurück und lehnte sich lässig auf die Anrichte. Bond schaute ihr tief in die braunen Augen:
"Gibt es keine Möglichkeit vorher in den Raum zu kommen" Sie beugte sich zu Bond vor bis sie fast seine Wange berührte "Nein!" sagte sie kurz. Sein Charme schien also auch nicht mehr so wie früher zu wirken.
Noch leicht von der Niederlage irritiert - er war wohl etwas zu selbstsicher gewesen - antwortete er" Nun gut! Ich habe um 11.00 Uhr einen Termin mit Mr Preston. Bis dahin werde ich dann wohl noch etwas die Pferde begutachten und mein Geld auf sie setzen!" Die Kellnerin sah ihn schnippisch an "Das werden sie wohl!"
Bond wandte sich ab und drehte sich gleich darauf wieder um, so als wäre ihm gerade wieder etwas eingefallen "Bevor ich es vergesse: Ich wünsche einen vollen Korb Kekse bei meinem Meeting vorzufinden. Ich will genau diese da, verstanden!" Bond nahm den Korb von der Anrichte und hob ihn leicht an, um der Kellnerin klarzumachen, dass er nur diesen Korb wollte. "Vergessen Sie es nur nicht, bei Keksen kenne ich kein Pardon!"
Die Kellnerin nickte "Ist gut, ich werde ihn gleich zu Mr Prestons Tisch bringen!"
"Das will ich ihnen auch geraten haben!"
Seltsam, diese Briten! Während die Kellnerin kopfschüttelnd Bond nachsah und die Kekse in den VIP-Bereich zu Tisch 40 brachte, verließ Bond zufrieden das Café. Er hatte es doch noch geschafft. Bei seinem ganzen Theater um die Kekse konnte er die Wanze im Korb unterbringen! Jetzt konnte er sich bis 10.30 Uhr tatsächlich den angenehmen Seiten dieses Sports widmen.
Bond hatte es sich mit einem kühlen Getränk und dem Empfänger auf der Haupttribüne bequem gemacht, als der schwarze Lincoln mit Preston und dem anderen Amerikaner eintraf. Sie gingen auch gleich zu Prestons Loge und nach einer kurzen Begrüßung konnte Bond die Unterhaltung, Q's Erfindungsreichtum sei Dank, mitverfolgen. Preston begann als erster zu reden:
"Der Raum ist doch abhörsicher, nicht wahr, Preston!"
"Natürlich, meine Männer haben ihn gestern dreimal überprüft!"
"Ich wollte nicht an ihrer Kompetenz zweifeln, aber man kann bei einem solchen Gespräch nicht vorsichtig genug sein"
Bond hörte, wie sich die beiden setzten.
"Selbstverständlich! Nun, General Vanderbilt, die von ihnen versprochene Waffe ist immernoch nicht da. Meine Vorgesetzten warten nicht gerne, besonders nicht, wenn es um Waffen geht! Immerhin ist das ganze ja ihr Plan. Sie haben auch die Termine festgelegt. Wenn wir Ihnen helfen sollen, sollten Sie sich auch an die Vorgaben halten"
"Mr Preston, glauben sie mir, wir versuchen unser Möglichstes, aber es ist nicht so leicht an eine Bombe dieser Sprengkraft zu kommen. Sagen Sie ihren Auftraggebern, sie müssen sich noch höchstens Woche gedulden. Ich denke, dass können wir bei der Summe, die wir ihnen zahlen verlangen. Sie wird schon noch rechtzeitig am Übergabeort eintreffen. Der weitere Verlauf von Projekt Euphrat liegt dann in ihren Händen. Meine Regierung darf nichts davon wissen, es gibt immernoch zu viele Weicheier in Washington. Nichts als Angsthasen und Friedenstauben! So kann man die USA niemals vor Terroranschälägen sichern. Wir müssen mit alle Härte durchgreifen! Besonders im Nahen Osten! Aber einige Mitglieder der Regierung sperren sich! Sie können es nicht begreifen, man muss diese Leute einschüchtern. Es ist die einzige Möglichkeit um auf längere Frist etwas zu erreichen, deshalb habe ich Projekt Euphrat ins Leben gerufen! Die werden mich kennenlernen, meine Pläne als zu gewalttätig und diplomatisch taktlos abzustempeln. Ich werde den USA Sicherheit geben - koste es was es wolle!"
"Wir können ihnen versichern, dass sie sich mit C.O.U.N.T die richtigen Helfer ausgesucht haben. Wir haben mit solchen Operationen schon einige Erfahrung. Durch ihre Planung sind wir im Vorteil! Projekt Euphrat wird ein Erfolg!"
"Davon bin ich überzeugt, Preston. Ihre Kekse hier sind übrigens ganz ausgezeichnet!"
"Bedienen Sie sich ruhig, General! Wenn Sie erlauben würde ich die Einzelheiten des Weitertransports gerne morgen besprechen. Ich habe in 10 Minuten ein weiteres Meeting mit einem Schotten, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich ihm trauen kann"
Bond hatte mit diesem Satz gerechnet und dennoch verspürte er ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Man wusste nie, wann C.O.U.N.T zuschlug. Er musste bei dem Gespräch mit Preston unbedingt vorsichtig sein. Die kleinste Unaufmerksamkeit konnte ihn verraten!
"Preston!!!" Bond zuckte zusammen, bei dem merkerschütternde Schrei, den General Vanderbilt gerade ausgestossen hatte.
"Was ist denn los General?"
"Sagten Sie nicht, ihre Loge wäre absolut abhörsicher. Wie erklären sie sich dann das!" General Vanderbilt zeigte auf die Stelle von der er sich gerade einen weiteren Keks nehmen wollte. Da lag sie. Sie hatten die Wanze entdeckt. Der General nahm sie in seine knochigen Finger und betrachtete sie ganz genau.
"Eine Einzelanfertigung! Geheimdienst? Vielleicht sogar die CIA?"
"Das haben wir gleich, General" Preston stürmte aus der Loge mit dem Sender in der Hand, der General hinterher. Sein Gesicht war feuerrot vor Wut. Er packte einen der Bodyguards an der Holztür am Kragen. Ihm war es völlig gleichgültig, dass er damit die Blicke aller Anwesenden im Café auf sich zog. Preston war außer sich "Wissen Sie was das ist!" der Bodyguard war nicht sicher, was er antworten sollte "Habe ich nicht gesagt, dass nach der letzten Durchsuchung gestern abend keiner mehr diesen Bereich zu betreten hat!"
"Hier ist keiner vorbei gekommen, Sir!" stammelte der Bodyguard "Außer Sophie!"
"Wer zum Teufel ist Sophie?" Auch der General war sichtlich nervös und wütend. Wie konnte sowas passieren! Bei diesem Plan hing so viel von der absoluten Geheimhaltung ab.
"Na, die Kellnerin da"
Jeder im Raum hatte die Unterhaltung mitgehört. Unheimliche Totenstille. Preston ließ seinen Bodyguard los und seine Augen inspizierten sorgfältig das Café. Am anderen Ende stand Sophie mit einem Tablett in der Hand. Sie blickte erschrocken auf, als sie ihren Namen hörte. Ihr Blick und der von Preston trafen sich mitten im Raum. Seine Augen traten fast aus dem hochroten Schädel. Jetzt, du musst rennen! Nicht überlegen! Lauf! Deine einzige Chance! Sophie ließ das Tablett fallen. Die Gläser schlugen klirrend auf den kalten Steinboden auf.
"Hinterher, ihr Idioten! Ihr seid dran, wenn ihr sie nicht kriegt! Tot oder lebendig!"
Auf der Haupttribüne Bond legte verstört den Empfänger auf die Holzbank. Er hat sie da mit reingezogen. Er hat den Sender in den Korb geschmuggelt. Er hatte alles mitgehört, nicht sie. Sie war unschuldig. Aber jetzt rannte sie vor zwei von Prestons Schlägern davon. Sie hatte keine Chance, das wusste er. Sie würden sie kriegen!
In diesem Moment knackte wieder der Empfänger neben ihm. Er hörte das schwere aber zufriedene Atmen des immernoch aufgeregten Preston "Sehr gut! Sie haben sie, General!" Anscheinend hatten ihn die Bodyguards gerade über Funk verständigt "Bringt Sie ins Hauptquartier!" er wandte sich an General Vanderbilt "Die werden wir zum Reden bringen! Wie haben da so unsere Mittel! Und wenn wir haben was wir wollen, oder wenn sie nichts sagen will, wird man ihre Leiche aus der Spree fischen!"
Was hatte er nur getan! Er war für den bevorstehenden Tod dieses Mädchens verantwortlich. Er ganz allein! Wütend schmetterte er den Empfänger auf den Boden. Er brauchte Hilfe - Steele! Nach einem kurzem Anruf, in dem er ihr die Ereignisse der letzten halben Stunde kurz schilderte, versprach sie persönlich vorbeizukommen. Beckster war leider nicht verfügbar; er ging, wie Bond am Vorabend mitgeteilt, seinen aufgaben bei Count nach.
Der beschädigte Empfänger gab nocheinmal Prestons markante Stimme wieder. Anscheinend waren sie wieder in der Loge "...Wir müssen solche kleinen Zwischenfälle wegstecken! Projekt Euphrat kann sowieso niemand mehr aufhalten. Wir sehen uns morgen wieder, General. Ich werde mich jetzt um den Schotten kümmern..." Die beiden Männer verabschiedeten sich.
Dass erinnerte Bond an den eigentlichen Grund, weswegen er gekommen war. Hastig schaltete er den ohnehin schon beschädigten Empfänger ab und warf ihn unter die Tribüne. Dort würde ihn keiner finden und niemand würde ihn und die Abhöraktion miteinander in Verbindung bringen. Er musste alle Emotionen und dieses erdrückende Schuldgefühl so schnell wie möglich wieder in den Griff bekommen: Sein Auftritt als Lord Franklin Spencer wurde erwartet!
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Bond schaute auf die Uhr, 10:55. Gut. Er verdrängte alle Gefühle und betrat das Café. Preston bemerkte ihn sofort. Auch er hatte sich wieder gefangen und ging freundlich lächelnd auf Bond zu, während der General mit den Bodyguards anscheinend zu einem Hinterausgang ging. „Lord Spencer. Schotten sind also nicht nur geizig, sondern auch pünktlich. Aber ich hoffe doch, dass sie ersteres auch schnell als Vorurteil und falsch abtun werden. Schließlich geht es ja um einen guten Zweck. Bis zum nächsten Rennen haben wir noch Zeit. Setzen sie sich doch.“ Preston deutete auf einen kleinen Tisch am Fenster.
„Gut. Dann reden wir erst über das Geschäftliche. Aber sie wollen doch sicher nur sicher gehen, dass sie mit einer großzügigen Spende rechnen können, bevor ich alles hier in der Rennbahn lasse, Mr. Preston“, lächelte Bond etwas gezwungen und setzte sich.
Preston setzte sich ebenfalls. „Da habe ich keine Angst, Lord Spencer. Aber wie heißt es so schön? Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
„Recht so. Dann fange ich mal unverblümt an. Was sind denn ihre derzeitigen Projekte?“
„Nun, wir sind quasi immer und überall präsent wo es derartige Probleme gibt. In Großstädten überall auf der Welt, Ostblock-, Drittwelt- und Entwicklungsländer. Aber im Moment versuchen wir auch im fernen Osten Fuß zu fassen und da wären Geldmittel immer willkommen.“
„Ferner Osten?“ Bond wirkt sehr interessiert.
„Im Moment haben wir Agenten der Stiftung in Neu Delhi in Indien und in Jakarta in Indonesien.“
„Ach, das ist ja wirklich interessant. Eine Investition dorthin ist sicher lohnenswert. Leiten sie das von hier aus?“
Preston schüttelt den Kopf. „Nein, das Projekt ferner Osten wird von unserer kleinen Zweigstelle in Rom geleitet. Wir besorgen und verwalten hier nur die Geldmittel. Die Gewinne aus den verschiedenen Industrie- und Handelsbetrieben der Count GmbH & Co. KG laufen in die Stiftung und nebenbei pressen wir noch schottische Lord aus“, lächelt Preston.
„Oh, für einen wohltätigen Zweck lasse ich mich doch gerne mal auspressen“, lächelt Bond zurück. „Wo kann ich das mit der Spende endgültig klären?“
„In unserem Hauptgebäude auf dem Kurfürstendamm. Mr. Beckster wird ihnen da sicher helfen können. Ich habe ihnen schon vorsorglich für morgen 15:00 Uhr einen Termin bei ihm reserviert. Wenn ihnen das passt?“
„Das passt vortrefflich“, nickt Bond.
Preston erhebt sich. „Gut. Dann können wir ja jetzt zum Vergnügen übergehen.“
Bond erhebt sich ebenfalls. „Schauen wir mal wie die Risiken heute verteilt sind, Mr. Preston.“ Bond und Preston verließen das Café und gingen Richtung Wettschalter, als ihnen eine gut aussehende, langhaarige Frau entgegenkam, Cathleen Steele. „Lord Franklin Spencer?“
Bond und Preston blieben stehen. „Ja, was gibt es? Ähm, wenn ich vorstellen darf? Robert Preston und das ist…“
„Miss Kent. Ich bin die Privatsekretärin des Lords“, vervollständigte Cathleen.
„Erfreut“, meinte Preston.
Cathleen wandte sich Bond zu. „Es gab einen wichtigen Anruf aus Schottland, Lord Spencer und ich habe sie nicht erreichen können. Ist ihr Handyakku wieder leer? Ich sagte ihnen doch gestern schon, dass sie es wieder aufladen müssen.“
Bond wirkte bedrückt. „Oh ja. Da sieht man es mal wieder. Ich höre viel zu wenig auf die Frauen.“ Er schaute zu Preston. „Es tut mir leid, aber dann werden wir das Vergnügen wohl verschieben müssen.“
Preston nickt. „Gut. Aber es bleibt doch bei morgen 15:00 bei Mr. Beckster?“
„Selbstverständlich, Mr. Preston.“ Bond wandte sich mit Cathleen ab und auch Preston ging seiner Wege.
Auf dem Vorplatz der Rennbahn blieben Bond und Cathleen stehen. „Schön, dass sie so schnell gekommen sind, Mrs. Steele.“ Cathleen wollte gerade ansetzen etwas zu sagen, als etwas durch die Luft surrte und sie leblos zusammenbrach. Mit Schalldämpfer erschossen! Genau ins Herz, wie bei Graf Burgstädter! Bond drehte sich blitzschnell in die Richtung des Schusses. Er konnte nur eine schwarze Gestalt ausmachen, die durch die Büsche zum Parkplatz verschwand. Bond hechtete hinterher. Am Parkplatz angekommen, setzte sich gerade ein Mercedes in Bewegung. Bond eilte zu seinem Aston Martin, um die Verfolgung aufzunehmen. Bond startete den Wagen und raste los. Der Mercedes hatte schon einen guten Vorsprung und es waren einige Autos zwischen ihm und Bond. Langsam holte Bonds Aston auf und er machte sich bereit die Wagen vor ihm zu überholen, als das Schicksal an der nächsten Ampelkreuzung gegen ihn war. Der Mercedes beschleunigte und kam bei Gelb herüber. Dann schaltete die Anlage auf Rot und die Wagen vor Bond stoppten. Bonds Aston war eingekeilt, denn auf der Gegenspur kamen ihm nun die ganzen Rechtsabbieger entgegen. Fluchend haute Bond gegen das Lenkrad. Woraufhin sich neben ihm auf Beifahrerseite eine Klappe öffnete und ein Martini-Shaker sowie zwei Getränkehalter mit Martini-Gläsern herausfuhr. „Na dann Prost.“ Grimmig lächelnd ließ er die Halterung wieder zurückfahren und fuhr ziemlich mitgenommen zum Hotel zurück als die Ampel wieder auf Grün schaltete.
***
In der Präsidentensuite des Adlon kippte sich Bond einen doppelten Wodka hinunter und ließ sich in einen Sessel fallen. Dann holte er sein Handy hervor und ließ sich mit M in London verbinden. “Was gibt es Bond?“
„Schlechte Neuigkeiten“, raunte Bond. „Mrs. Steele wurde auf dem Vorplatz der Galopprennbahn Hoppegarten erschossen. Ich brauche dringend eine Kontaktperson hier in Berlin, der ich ganz vertrauen kann und Informationen über Sten Beckster.“
„Gut“, M wirkte bedrückt. „Ich werde ihnen sofort jemanden schicken.“
„Danke.“ Bond legte auf und goss sich wieder von dem Wodka ein. Was war nur im Gange? Warum wurde Mrs. Steele erschossen und nicht er? Hatte sie neue Erkenntnisse? War die Tarnung aufgeflogen? Warum spielte man dann so mit ihm und ließ ihn weiter Lord Spencer sein? War er ohne es zu wissen eine Marionette von C.O.U.N.T. und Odin? Was plante Odin? Es entsprach ihm nicht einfach nur irgendwelche Generäle zu unterstützen. Es musste mehr dahinter stecken. Oder plante Odin gar nichts und Preston handelte ähnlich wie Dr. Morton weitestgehend selbstständig und unabhängig? Und was war mit Beckster? Es war heute ebenfalls ein Mercedes SLR, wie Beckster ihn benutzte. Auch die Farbe stimmte. War er, nach eigenen Worten ein ausgezeichneter Schütze, der Mörder von Mrs. Steele? Was war mit den Infos, die sein Gespiele angeblich im Club herausgefunden hatte? Wollte man ihn irreführen? Hätte ich nur gestern Abend auf das Nummernschild geachtet! Und Sophie? Lebte sie noch?
Bond atmete tief durch, kippte auch diesen Wodka hinunter, ging ins Bad und nahm eine kalte Dusche.
***
Am nächsten Morgen betrat Bond das Berliner Gebäude von Universal Exports und gelangte nach Becksters Vorbild vor ein paar Tagen in die Hinterräume. An Mrs. Steeles ehemaligem Büro klopfte er an. „Herein“, ertönte eine männliche Stimme.
Bond betrat das Büro und sogleich erhellte sich seine Laune und sein Gesicht. „Sieh an, der 00-Bürokrat. Schön dich hier zu sehen, Urs.“
„Ebenfalls, James“, lächelte Urs Messler. „Wer sollte denn sonst für das Vermächtnis von Mrs. Steele sorgen wenn nicht ein Bürokrat?“
„Auch wieder wahr“, lachte Bond erleichtert. Erleichtert zwar, doch war er immer noch bedrückt.
„Setz dich doch, James.“ Bond nahm Platz. „Am besten setzt du mich über alles was bisher hier in Berlin geschehen ist in Kenntnis.“
Bond nickte und begann mit seinen Ausführungen. Messler nickte ab und an verzog hier und dort das Gesicht bedrückt oder interessiert. „Was gibt es nun Wissenswertes über Beckster?“, fragte Bond zum Schluss.
„Nun“, setzte Messler an. „Ich fürchte nichts was ihn reinwaschen könnte. Er stammt aus einer anglo-nordischen Familie und wurde in Kiel geboren. Dort verbrachte er auch seine Lehrzeit. Danach lange Aufenthalte in England und vor einem Jahr wurde der Geheimdienst auf einem Schießstand in der Umgebung von London auf ihn aufmerksam. Er ist zweisprachig aufgewachsen und beherrscht fließend Deutsch und Englisch. Ansonsten keine weiteren Fremdsprachen.“ Messler machte eine Pause. „Aber da gibt es noch etwas was wir recherchieren konnten.“ Messler wurde ernst. „Thorbjörn Lindström ist sein Patenonkel.“
„Lindström?“ Bond fuhr sich etwas fassungslos durchs Haar. „Was wird hier nur gespielt?“
Messler sah Bond besorgt an. „Ich weiß es auch nicht, James.“ Er atmete durch. „Zu Lindström konnten wir ermitteln, dass er zur Zeit schwedischer Botschafter in Rom ist. Clarissa Field wurde ebenfalls zuletzt in Rom gesichtet, von wo aus sie eine Maschine nach Bombay genommen hat.“
„Hm, das passt auch zu meinen Ermittlungen“, meinte Bond nachdenklich.
„Wie gehen wir nun weiter vor?“
„Ich habe heute um 15 Uhr einen offiziellen Termin als Lord Franklin Spencer mit Mr. Beckster im Count-Hauptgebäude. Ich werde ihm mal ein bisschen auf den Zahn fühlen. Und du solltest mir Informationen über einen gewissen amerikanischen General Vanderbilt beschaffen.“ Bond erhebt sich.
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"James, ganz unter uns: Verdächtigst du Beckster? Die Beweise sprechen für sich."
Bond drehte sich nachdenklich um "Ich weiß es nicht, Urs, wirklich nicht. Wir werden sehen!"
Bond fuhr zurück ins Adlon. Es passte alles so gut zusammen. Beckster fuhr einen Mercedes, genau dieses Modell, genau diese Farbe. Er hatte sich bei Count einschleusen lassen - oder war es umgekehrt und Count hatte ihn bei Universal Exports eingeschleust? War er ein potentieller Mörder? Vermutlich, immerhin hatte er tagtäglich mit solchen Fällen zu tun. Bond dachte weiter nach. Rückblickend kam es ihm sogar so vor, als würde die schwarze Gestalt, die Cathleen Steele auf dem Gewissen hatte, zumindest eine ähnliche Statur wie Beckster haben. Waren diese auffällig hohen Summen, die Beckster im Club beim Spielen gegen Preston erzielen konnte in Wirklichkeit Honorarzahlungen. Vielleicht sogar für einen Auftragsmord an Cathleen Steele? Und dann diese bisher verschwiegene Verwandtschaft mit Thorbjörn Lindström, bei dem eine Verbindung zu Odin immerhin bewiesen war. Warum hatte er nichts gesagt? Wollte er nicht oder hielt er es nicht für relevant. Bond hätte Beckster wirklich gerne vertraut, aber die Fakten ließen das momemtan nicht zu. Im Hotel angekommen spülte er seine Trauer und Wut über Steeles Ermordung, gegen die er so machtlos war, obwohl er keine zwei Meter von ihr entfernt stand, mit einem Wodka herunter.
Mit einem unguten Gefühl erreichte er gegen drei Uhr nachmittags die Zentrale von Count am Kurfürstendamm. Beckster kam ihm schon entgegen, diskret wartete er in der Nähe vom Eingang bis Bond den Aston geparkt hatte. "Guten Morgen, Bond. Ich habe ihren Wagen schon von meinem Büro oben gesehen."
Bond sah eine Chance Beckster etwas genauer auf den Zahn zu fühlen. "So viele Aston-Martin gibt es wohl nicht in Berlin. Was macht eigentlich ihr Mercedes, Beckster." Er schien über die Frage etwas verwundert zu sein" Seltsam, dass Sie das fragen, Bond. Gerade gestern habe ich ihn in die Werkstatt zur Reperatur gebracht. Die Bremsbeläge mussten ausgetauscht werden und noch so ein paar Kleinigkeiten. Aber was soll diese Frage? Ich glaube nicht, dass das eine gute Gelegenheit ist um sich über Autos zu unterhalten"
"Sie haben Recht, Beckster, wir haben Wichtigeres zu tun!" Die beiden betraten das Gebäude. In Wirklichkeit hatte sich das Gespräch für Bond mehr als gelohnt. Ein komischer Zufall: Ausgerechnet dann, wenn der Mercedes als wichtiger Beweis dienen könnte ist er "in der Werkstatt". Hatte sich Beckster keine bessere Ausrede einfallen lassen können. Nein, er machte sich noch zusätzlich verdächtig, indem er das Thema als unwichtig abtat, sobald dies möglich gewesen war. Auf welcher Seite stand er? Wessen Befehle führte er aus, die von Count oder die von Universal Exports. Die Frage nach dem Mercedes hatte er jedenfalls ungenügend beantwortet. Ein neues Teil eines Puzzles war aufgetaucht und man konnte allmählich das Gesamtbild erahnen. Ein grausames Bild, dass durch immer mehr Teile Gestalt annahm; Teile, die alle eine unglaubliche Botschaft in sich trugen: Stan Beckster war der Mörder von Cathleen Steele!
Beckster führte Bond zu seinem Büro bei Count und achtete darauf, ihn jedesmal, wenn Personal in der Nähe war, mit "Lord Spencer" anzusprechen. "Sie waren doch bei der Ermordung von Steele dabei, oder? Muss schlimm gewesen sein!" Bond schaute Beckster an. Vielleicht war Bond nicht der einzige der beiden, die bei ihrer Ermordung dabei waren. "In der Tat, dass war es. Sie wollte mir gerade etwas sagen, als es passierte. Lasen Sie uns über etwas anderes sprechen, Beckster"
Dass er so direkt auf Steeles Tod zu sprechen kam, verwunderte Bond etwas. Wenn er der Mörder war, hätte er nicht besser daran getan, möglichst lange diese Thema zu meiden. "Sie haben Recht, wie taktlos von mir!" Beckster schwieg betreten und schloss die Tür zu seinem Büro auf. "Jetzt können wir endlich offen reden. Kurz bevor sie zu ihnen gefahren ist, hat mich Cathleen angerufen. Ich sollte darauf achten, ob demnächst eine Frau um die 30 hier angekommen ist und ..."
"Sophie!" Bond hatte sie bei den ganzen anderen Ereignissen fast vergessen. Es widerstrebte ihm zwar, Beckster Glauben zu schenken, aber es war das einzige, was er momentan tun konnte. Woher sollte er sonst seine Informationen kriegen.
"Ich weiss nicht, wie sie heißt, Bond, aber gestern ist tatsächlich eine Frau diesen Alters hier eingetroffen und es sah nicht so aus als wäre sie freiwillig gekommen." Beckster warf Bond einen vielsagenden Blick zu "Ich habe sie nur kurz gesehen, aber ich weiß wo sie sie hingesteckt haben. Und das ist das eigentlich beunruhigende an der Geschichte!"
"Machen Sie es nicht so spannend, Beckster!"
"Sie ist ausgerechnet in diesem einen Stockwerk, zu dem nur wenige Zutritt haben. Wie Sie wissen gehöre ich leider nicht dazu und glauben Sie mir: Ich habe schon öfter versucht, zumindest in den Vorraum zu kommen. Immer vergeblich. Ich zog mich allerdings auch frühzeitig zurück. Es wäre eine Katastrophe gewesen, wenn man mich erwischt hätte. Die anschließenden Erklärungsversuche bei Preston wären nicht einfach gewesen..." Beckster lächelte.
"Wie kann ich da reinkommen!"
"Vergessen Sie es, Bond. Ein Einbruch in Etage 5? Das wäre glatter Selbstmord!" Man merkte Beckster die Aufregung an. Er war richtig aufgekratzt. Oder war alles nur gespielt?
"Wie kann ich da reinkommen, Beckster!"
Beckster nahm seine Brille ab und polierte die Gläser "Na schön. Die besten Chancen hätten Sie nachts, wenn das Personal daheim ist. Auf Etage 5 gibt es einige Wachen. Gut trainierte Männer, Preston wirbt Sie oft von der Polizei oder dem Militär ab. Sie sollten also keinesfalls unbewaffnet losziehen. Die Etage wird durch einige Lichtschranken zusätzlich gesichert, außerdem gibt es an eingen stellen Kameras. Ein Stromausfall wäre wohl sehr hilfreich. Der Sicherungskasten ist im Keller. Das könnte ich organisieren"
"Man darf Sie nicht mit dieser Operation in Verbindung bringen, Beckster! Ihre ganze Tarnung wäre hin. Am besten Sie bleiben heute abend daheim oder beschaffen sich sonst ein Alibi! Ich finde schon jemanden, der mit einem Sicherungskasten umgehen kann" Beckster wirkte irgendwie erleichtert "Gut. Ich kopiere Ihnen dann einen Plan der Kellerräume, damit ihr Mann weiß wo der Sicherungskasten ist" Bond war froh, dass er sich bei dieser äußerst heiklen Operation nicht auf jemanden verlassen musste, hinter dessen Loyalität ein großes Fragezeichen stand.
"Zurück zu Etage 5! Es gibt verschiedene Sicherheitsmechanismen im Vorraum, der durch zwei Stahltüren von der übrigen Etage getrennt ist. Es ist meines Wissens der einzige Eingeng. Beide Türen sind mit einem Kombinationsschloss versehen, wie ich gehört habe. In den übrigen Räumen war ich noch nicht, ich nehme aber an dass auch dort diverse Fallen aufgestellt sind. Sie müssen verzeihen Bond, aber mehr kann ich ihnen auch nicht sagen, ich war ja selbst noch nicht da! Nur noch eins: Sie müssen die Treppe benutzen, der Fahrstuhl hält auf dieser Etage nicht! Die ist allerdings auch bewacht!"
"Das hört sich doch ganz machbar an!" Bond setzte ein sarkastisches Lächeln auf
"Wenn Sie das sagen, Bond! Ich werde ihnen nachher noch einen Hintereingang zeigen. Der ist zwar - Sie ahnen es schon - bewacht aber dort kommen Sie immernoch besser rein als durch das Hauptportal!"
"Danke, Beckster!"
"Nicht so schnell, Bond!" Beckster griff in die oberste Schublade seines Schreibtisches. Bond blieb wie angewurzelt stehen. War der Moment gekommen? Ließ Beckster nun seine Maske fallen? Trug er über haupt eine? Sollte er das nächste Opfer nach Steele sein. "Sie schulden mir noch was, Bond!" Bond wollte gerade seine Walther ziehen als Beckster aufstand und auf ihn zukam."Ich benötige noch eine Unterschrift von ihnen, Lord Spencer. Sie waren doch offiziell wegen einer Spende hier"
Die Angst in Bonds Gesicht wich einem Lächeln. Er nahm den Kugelschreiber und unterschrieb "Es ist ja für einen guten Zweck!"
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"Du musst verrückt sein, James!" Messler konnte es nicht fassen "Wieviel Beweise willst du noch, bevor du ihm endlich misstraust. Das Ganz sieht mir sehr nach einer Falle aus. Überleg doch: Beckster lotst dich allein zum Hauptquartier von Count. In der Nacht. Wenn nun wesentlich mehr Wachen da sind, als er dir gesagt hat. Vielleicht hat er dir nicht alle Sicherheitsvorrichtungen mitgeteilt. Was, wenn es ein Notstromaggregat gibt? Wenigstens in einem Punkt hat er dir garantiert die Wahrheit gesagt: Es ist glatter Selbstmord"
"Es ist die einzige Spur, die wir haben, Urs. Du nweißt, ich kann Sophie nicht im Stich lassen, immerhin bin ich doch für ihre Festnahme verantwortlich. Außerdem werde ich nicht allein sein!"
"Willst du etwa diesen Beckster mitnehmen!" Messler war entsetzt.
"Nein, du kommst mit!"
"Ich!" Messler sprang auf "Wie kommst du auf die Idee, dass ich mitkomme!"
"Ich brauche dich ja nur, um hinzukommen" beruhigte Bond Messler "Mein Aston fällt zu sehr auf und zu Fuß will ich wirklich nicht gehen! Wir treffen uns heute abend am Adlon? Du fährst mich zum Hauptquartier von Count, parkst in der Nähe und holst mich wieder ab, wenn ich herauskomme."
"WENN du wieder herauskommst" Messler konnte sich einfach nicht mit Bonds Plan anfreunden "Also gut, abgemacht. Aber ich rate dir trotzdem ab, James. Warum machen wir nicht in Rom bei Thorbjörn Lindström weiter"
"Wir wissen nicht, ob er überhaupt in die Sache verwickelt ist. Es bleibt dabei: Heute Abend am Hotel. Besorg dir einen unauffälligen Wagen" Messler nickte zähneknirschend. Er hielt immernoch nichts von Bonds Plan, aber solange er nur fahren musste. "Ach und Urs, verstehst du was von Sicherungskästen?"
Messler starrte Bond entgeistert an. Soviel zu "Ich brauche dich ja nur, um hinzukommen"!
[Dieser Beitrag wurde am 21.09.2003 - 13:42 von AVTAK aktualisiert]
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Bond und Messler hatten sich für sieben Uhr im Adlon verabredet. Zuvor hatte sich Bond bei Beckster erkundigt, wann Schichtwechsel ist. Beckster sagte ihm, dass das Personal, das Nachtschicht hatte, um acht Uhr eintreffen würde. Außerdem hatte Bond einen Plan des Gebäudes von Beckster bekommen. Danach hatte er Messler losgeschickt, um einen Blaumann und einen Lieferwagen zu besorgen. Messler wunderte sich zwar, machte sich aber gleich auf den Weg. Einige Leute machten große Augen, als am Abend ein blauer Lieferwagen vor dem Nobelhotel vorfuhr. Messler war pünktlich um sieben angekommen und ging nun mit einem Blaumann in der Hand zu Bonds Appartement. 007 begrüßte Messler kurz und fing dann an, ihn in seinen Plan einzuweihen: „Also. Wir werden heute Abend um acht Uhr zum Hintereingang des Gebäudes fahren, und zwar mit dem Lieferwagen. Du wirst dich als Elektriker ausgeben und den Wachen sagen, sie sollen dich zum Sicherungskasten führen. Dazu der Blaumann.“ Messler wurde leichenblass: „A-Aber was ist, wenn sie mir nicht glauben?“ Bond entgegnete selbstsicher: „Sie werden, keine Panik. Sag einfach, die letzte Schicht hätte dich herbestellt, um den Sicherungskasten zu überprüfen.“ Der Agent war lange nicht so sicher, wie er sich gab. Er wollte Messler beruhigen. Messler sagte ängstlich: „Und was machst du?“ Bond antwortete: „Das Treppenhaus ist zu stark bewacht. Ich werde versuchen, durch den Aufzugschacht in die fünfte Etage zu gelangen. Das geht aber erst, wenn du den Strom ausgeschaltet hast. Ich werde merken, wann es soweit ist.“
Es war acht Uhr, als der Lieferwagen vor dem Hintereingang des Hochhauses eintraf. Der Eingang war nur von zwei Wachmänner bewacht. Messler stieg aus und näherte sich den Wachmännern. Er versuchte, sein Zittern zu unterdrücken und betete, dass alles gut ginge. Einer der Wachen fragte: „Wo wollen sie hin?“ Messler antwortete: „Ich wurde gerufen, um ihren Sicherungskasten zu überprüfen.“ Die Wachmänner sahen sich kurz an, dann zückte einer von ihnen ein Walkie-Talkie. Er schaltete es an und ging einen Moment zur Seite, um nachzufragen. In dieser Zeit starrte der zweite Wachposten Messler misstrauisch an. Messler hoffte, nicht zu sehr zu zittern. Nach einer Minute kam der Wachmann wieder und sagte: „Ich habe nachgefragt. Keiner hat irgendeinen Elektriker gerufen!“ Dabei funkelte er Messler böse an. Messler nahm all seinen Mut zusammen und erwiderte entschlossen: „Na hören sie mal. Ich wurde vor einer halben Stunde gerufen und musste mich eben durch zwei Staus quälen. Denken sie, ich habe den Weg umsonst gemacht?! Glauben sie wirklich, ihr Chef wird glücklich sein, wenn das ganze Gebäude auf einmal keinen Strom mehr hat? Und jetzt lassen sie mich endlich rein!“ Das überzeugte die Wachen. Sie sahen sich an, seufzten kurz und brachten Messler ins Gebäude. In dem Moment stieg Bond aus dem Wagen. Er hatte sich im hinteren Teil des Wagens versteckt und war froh, dass schon mal der erste Teil seines Planes funktioniert hatte. Er huschte durch den Hintereingang. Vor sich sah er eine Glastür, die zur Eingangshalle führte. Bond ging aber nicht dort hinein, sondern folgte dem Gang, der links neben ihm verlief. Vom Gang, in dem Bond sich befand, zweigten weitere Gänge ab. Er war froh, dass er sich am Nachmittag noch mit dem Plan des Gebäudes befasst hatte.
Schließlich erreichte er das Treppenhaus. Er rief den Aufzug, der eine Minute später eintraf. Als sich die Tür öffnete, stellte 007 einen Mülleimer in die Tür, um den Aufzug am Weiterfahren zu hindern. Dann eilte er in die zweite Etage. Auf dem kurzen Weg dorthin begegnete Bond zu seinem Glück keinem Wachmann. Er hörte aber Stimmen aus dem oberen Teil des Treppenhauses. Dann lief er zum Aufzug und wartete.
In der Zwischenzeit bastelte Messler bereits am Sicherungskasten herum. Er hatte wenig Ahnung von dem, was er da gerade tat. Er werkelte mit seiner Zange herum und murmelte Worte wie „Ich hab`s gleich“, um den neben ihn stehenden Wachmann nicht zu beunruhigen. Als Messler mit einer Zange gerade ein dickeres Kabel durchknipste, stoßen ein paar Funken aus. Eine Sekunde später standen Messler und der Wachmann im Dunkeln.
Als das Licht ausging, wusste Bond, dass es Zeit war, zu handeln. Er drückte die Aufzugstür auf und spähte in den Schacht. Eine Etage unter ihm sah er den Aufzug. Als er hochsah, sah er nur Dunkelheit. Bond zog sich seine Brille an und stellte sie auf Nachtsicht. Dabei musste er wieder an Q denken. Bond verdrängte diese Gedanken und begann, an einer Wartungsleiter hochzuklettern.
In der fünften Etage angekommen, stellte sich Bond auf einen Absatz neben der Tür und versuchte sie aufzudrücken. Aber es ging nicht. Bond fluchte, doch plötzlich sah er neben sich einen Kasten. Die Steuerung für die Tür, dachte Bond, und öffnete den Kasten. Es gab einige Knöpfe in darin. Aber noch während er sie drückte, erinnerte sich 007, dass der Strom ja weg war. Verdammt! Aus Wut schlug Bond kräftig auf das Pult – und die Tür ging auf! Doch Bond konnte sich nicht darüber freuen. Er sah, dass im Gang vor ihm Licht brannte. Das Stockwerk musste eine eigene Stromversorgung und einen eigenen Sicherungskasten haben. Verdammt! Verdammt! VERDAMMT! Aber der Agent bewahrte seine Ruhe. Er setzte seine Brille, die ihn nun sehr blendete, ab und ging schnellen Schrittes den Gang entlang. Einige Räume lagen neben dem Gang, doch einer fiel ihm besonders auf. Als er durch eine der offenen Türen spähte, sah er einige Wachmänner, umgeben von einer großen Anzahl Waffen und anderer Gerätschaften. Die Wachen sahen den Agenten und waren im ersten Moment verdutzt. Dann lief Bond los und die Wachen schrien auf und betätigten einen Alarmknopf. Daraufhin dröhnte eine Sirene auf. Bond rannte, den Gang entlang und holte im Laufen seine Walther P 99 raus. Er wusste zwar, dass es keinen Sinn hatte, gegen all die Wachen aus dem Bereitschaftsraum zu kämpfen, die ihm auf den Fersen waren, aber gegen die, die ihm eventuell entgegenkamen, musste er gewappnet sein. Der Gang endete in einem riesigen Raum, der voller Schreibtische, Schränke und Computer war. Keiner arbeitete jetzt noch hier, aber er sah sofort die 3 Wachmänner au der anderen Seite des Raumes. Und diese sahen ihn auch!
Bond lief in den Raum, und einen Moment später wurde das Feuer eröffnet. Bond lief schnell hinter einen der Computertische, verweilte dort kurz und schoss dann dreimal zurück. Zwei der Schüsse verfehlten ihr Ziel, aber der dritte traf einen der Wachmänner in die Brust, woraufhin dieser zusammensackte. Nur noch zwei. Aber jetzt kamen auch seine Verfolger in den Raum. Nun war guter Rat teuer. Bond rannte feuernd und geduckt auf sie andere Seite des Raumes und traf dabei einen weiteren Wachmann. Nur noch einer. Jetzt erkannte er den Sicherungskasten. Er hing an der Wand, in einem Raum, der nur durch eine Glaswand vom großen Raum getrennt war. Nur leider stand noch der letzte der ursprünglichen drei Wachmänner in diesem Raum. Er verschanzte sich so, dass ihn weder seine Verfolger noch der Wachmann vor der Glasscheibe treffen konnte. Dann kroch er vorsichtig aus seinem Versteck, sodass ihn der Wachmann sehen konnte. Er schoss auf Bond und traf einen Monitor, der laut klirrend zerbrach. Bond aber schoss zurück und traf den Mann mit einem Schuss direkt zwischen die Augen. Das war`s. Er lief geduckt weiter in Richtung Glastür und schoss dabei auf die Wachmänner aus dem Bereitschaftsraum, die begannen, durch den Raum auf ihn zuzukommen. Bond öffnete die Tür, die Glasscheibe neben ihm zerbrach durch einen weiteren Schuss. Das musste Prestons Büro sein! Bond kroch zum Sicherungskasten und schaltete den Strom entgültig aus. Der Agent hörte seine Verfolger laut schimpfen und fluchen. Er setzte sich seine Spezialbrille wieder auf und gab ein paar Schüsse ab. Er wusste, dass er die Wachmänner nicht treffen würde, aber das hatte er auch gar nicht vor. Er wollte nur verhindern, dass sie sich weiter näherten. Ein paar der Wachmänner liefen zurück in Richtung Bereitschaftsraum. Bond befürchtete, dass sie sich Nachtsichtgeräte holen würden. Er gab noch zwei Schüsse ab und begann dann, den Aktenschrank neben dem Schreibtisch zu durchsuchen. Der Schrank hatte drei Schubladen: Die oberen beiden konnte 007 öffnen, doch in ihnen fand er nur Büromaterial. Die untere Schublade war verschlossen. Bond holte einen Dietrich heraus, den er sich vorsichtshalber eingepackt hatte, und fing an, das Schloss zu knacken. Zwischendurch schoss er noch einige Male. Die Wachmänner , die den Raum verlassen hatten, waren noch nicht wieder zurückgekommen. Nach kurzer Zeit hatte Bond das Schloss geknackt. In dieser Schublade lag nur eine Mappe mit dem Vermerk „For Mr. Preston`s Eyes Only“. Bond jubelte innerlich. Er machte sich nicht mehr die Mühe, die Mappe durchzusehen, sondern er beschloss, die ganze Mappe mitzunehmen. In der Zwischenzeit waren die übrigen Wachmänner wiedergekommen, und sie hatten Nachtsichtgeräte mitgebracht. Als Bond die ersten Kugeln um die Ohren flogen, hörte er plötzlich eine ihm bekannte Stimme, die laut rief: „Feuer sofort einstellen!“ Es war Preston höchstpersönlich. Bond guckte hinter Prestons Schrank hervor und sah ihn, auch mit einem Nachtsichtgerät ausgestattet, auf der anderen Seite des Großen Raumes stehen. Preston rief: „Es ist sehr nett von ihnen, dass sie mich hier besuchen kommen, Lord Spencer... oder sollte ich sie James Bond nennen?“ Bond ärgerte sich; seine wahre Identität war erkannt worden. Als er genauer in den Raum sah, erkannte er etwas, dass ihn noch wütender werden ließ: Neben Preston standen die zwei Wachmänner vom Hintereingang. Und zwischen ihnen stand Messler, der aussah, als sei er jetzt schon tot. Er hatte kein bisschen Farbe mehr im Gesicht. Doch jetzt kam Bond eine Idee. Soweit er es sehen konnte hatten alle Wachmänner Nachtsichtgeräte aufgesetzt... und Preston auch... Preston rief: „Es hat doch keinen Sinn mehr. Geben sie auf. Oder müssen wir ihrem Freund hier erst wehtun?“ Doch 007 wollte sich nicht ergeben. Mit einem Satz war er beim Sicherungskasten, und schaltete das Licht wieder an. Die Wirkung war großartig: Alle Wachmänner und Preston rissen sich gleichzeitig ihre Nachtsichtgeräte vom Kopf und schrien wegen dem Schmerz auf, der in ihren Augen brannte. Bond lief blitzschnell aus seinem Versteck und auf die Wachmänner und Preston zu. Im Laufen schoss er die Wachen des Hintereingangs nieder, sodass Messler wieder frei war. Alle anderen warfen sich auf dem Boden in der Angst, von einer Kugel getroffen zu werden. Bond schnappte sich Messler, der zum Glück kein Nachtsichtgerät bekommen hatte, und zusammen liefen die beiden in Richtung Fahrstuhl. Die Fahrstuhltür war noch immer offen. Bond wusste, dass die noch geblendeten Wachen bald die Verfolgung aufnehmen würden. Zum Hinunterklettern an der Leiter war keine Zeit mehr, aber Hinunterspringen wäre glatter Selbstmord gewesen, denn es ging 20 m tief nach unten. Dann kam Bond eine Idee: Er drückte dem zitternden Messler die Mappe in die Hand, umarmte ihn und betätigte einen Spezialknopf an seiner Uhr. Sofort kam ein Haken an einem dünnen Seil aus seiner Uhr geflogen und hakte sich an einer Kante der gegenüberliegenden Wand fest. Diese Erfindung hatte ihm auch schon gute Dienste geleistet, als er gegen Renard kämpfen musste. Bond schrie „Festhalten!“ und stürzte sich mit dem schreienden Messler in den Schacht. Auch die Tür der zweiten Etage war immer noch geöffnet. Hier gab es anscheinend noch keinen Strom. Bond bremste und stieg mit Messler aus dem Schacht. Dann ließ er seinen Haken wieder zurück in die Uhr ziehen. In der zweiten Etage waren keine Wachmänner, aber als Bond und Messler wieder durch den Hinterausgang liefen, hörten sie hinter sich zornige Stimmen. Die beiden stiegen in den Lieferwagen ein, doch im selben Moment sah Bond drei Wachmänner aus dem Hintereingang kommen. Sie eröffneten sofort das Feuer. Bond rief „Raus aus dem Wagen!“ und der verängstigte Messler tat, wie ihm geheißen. Sie liefen auf die Straße, und im nächsten Moment explodierte der Lieferwagen in einem mächtigen Feuerball. Bond und Messler liefen weiter. Nach zehn Minuten hatten sie es geschafft, ihre Verfolger abzuhängen. Die beiden setzten sich auf einen Mauervorsprung und schnappten nach Luft. Nach einiger Zeit sagte Bond: „Na, das war ja gar kein Problem! Ich bin mal gespannt, was ich in der Mappe so finden werde. Bist du so nett und schickst die Rechnung für den Lieferwagen nach London?“ Messlers Schlag traf Bond so fest im Gesicht, dass er zu Boden fiel. Messler schrie ihn an: „VON WEGEN, DU BRAUCHST MICH NUR, UM HINZUKOMMEN!!!“ Bond konnte ihm noch nicht einmal böse sein. Im Gegenteil, er musste lächeln.
[Dieser Beitrag wurde am 27.11.2003 - 19:51 von Superschaf aktualisiert]
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Tobias  Status: James Bond
   

Status: Offline Registriert seit: 13.09.2002 Beiträge: 1915 Nachricht senden | Erstellt am 22.09.2003 - 20:55 |  |
Bond rappelte sich wieder auf, und zusammen mit Messler fuhr er mit der U-Bahn zurück in die Innenstadt, wo sich Ihre Wege trennten. Messler übernachtete wie gewohnt in den Universal Exports Räumen, während Bond zum Adlon ging. Sie verabredeten sich für den nächsten Tag um 10 Uhr im Hauptquartier.
Bond schlief schlecht. Er musste immer wieder an den Fall 'Carver' vor 6 Jahren zurückdenken. Damals übernachtete er auch in einem deutschen Hotel, und nachdem er enttarnt wurde, sollte er zusammen mit Carvers Frau in seinem Zimmer hingerichtet werden. Es schauderte ihn. Preston wusste wer er wirklich war, und vermutlich wusste er auch schon längst, wo er schlief, und vor allem was er im 5. Stock wollte. Schließlich schlief er doch noch ein ohne gestört zu werden.
Am nächsten Morgen wurde er um halb Sieben von 'God Save The Queen', der Anruf-Melodie seines Handys geweckt.
Etwas verschlafen und ohne sich zu melden nahm er das Gespräch an.
"Bond? Sind sie schon wach?"
"Messler, um Gottes Willen! Sind Sie des Wahnsinns mich nach so einer Nacht so früh zu wecken? Und um Ihre Frage zu beantworten: Nein, ich bin noch nicht wirklich wach!"
"Dann werden Sie es spätestens jetzt gleich sein! Setzen sie sich hin und hören sie genau zu. Nach der Aktion letzte Nacht, habe ich, bevor ich schlafen gegangen bin, noch die Nachtschicht beauftragt, das Gebäude von C.O.U.N.T. zu observieren. Mit Erfolg! Sie konnten beobachten wie man Sophie in einen Lieferwagen gesteckt hat, und sie an den Wannsee gefahren hat. Dort hat C.O.U.N.T. GmbH & Co. KG. ein kleines Lager. Ich schlage vor, wir treffen uns in einer halben Stunde vor der U. E. Vertretung."
"Aye, aye Sir!" Bond musste grinsen. Er konnte Messler diesen forschen Ton nach dem gestrigen Abend kaum übelnehmen.
"Ach, seien sie doch bitte so nett, und bringen sie ihren Wagen mit. Ich habe keine Lust schon wieder irgendeinen Handwerker zu spielen!"
"Also wirklich Urs, glaubst du ich verwickle dich heute schon wieder in so eine Sache? zzz... Bis später." Bond legte auf, und machte sich so schnell es ging auf den weg zu Messler.
Messler stieg ein, und Bond musste schmunzeln. Wenigstens ging es nicht bloß ihm so 'verschlafen'. Während der Fahrt erzählte Messler nochmal in allen Einzelheiten, was er von der Nachtschicht erfahren hatte.
Bond übergab Messler die Preston-Akte, die er selbst noch nicht geöffnet hatte, und die er heute Morgen in aller Eile noch mitgenommen hatte.
Messler bemerkte beiläufig, während er die Akte öffnete: "Ohh, was für eine Ehre für so einen kleinen Elektriker! Hat der..."
"Ach Urs! Seien sie doch nicht so nachtragend!" unterbrach ihn Bond.
Messler stieß einige unverständliche Laute aus, und begann die Akte zu überfliegen, und stieß auf einige interessante Daten, die er Bond natürlich sofort mitteilte. Unter anderem hatte Preston vor, sich in 5 Tagen in Rom mit General vanderbilt zu treffen. Das erweckte Bonds Interesse, und er beauftragte Messler, alles vorzubereiten.
In 5 Tagen sollte also vermutlich die Superwaffe übergeben werden... Was hatte Preston mit dieser Bombe vor? Bzw. der General? Er konnte keinen klaren Gedanken fassen...
***
Bond schlich sich an das Gebäude heran, um die Lage zu sondieren. Messler hatte er im Wagen zurückgelassen. Sicher ist sicher. Er wollte nicht riskieren, dass sich Messler noch mehr über ihn aufregt.
Scheinbar rechnete Preston nicht damit, dass Bond jemals hier auftauchen würde. Außer einem halb-verrosteten Drahtzaun war das Gebäude von Außen nicht gesichert.
Bond schlich sich näher an das Lagerhaus heran, und versuchte durch eines der vergitterten Fenster zu spähen.
Hinter den ersten 6 Fenstern brannte Licht, während die letzten beiden dunkel waren. Er schlich sich an das letzte heran, und spähte hindurch. Außer ein paar Kartons konnte er nichts sehen, und beschloß, das Gitter mit seiner Laser-Uhr zu entfernen. Gesagt getan. Leise wie ein Katze auf Samtpfoten durchtrennte er das Gitter und öffnete das Fenster. Drinnen landete er weich auf einem Stapel alter Felle. Er sah sich um. Außer einer Tür, die zu dem beleuchteten Teil des Hauses zu führen schien, und außer den ganzen Kartons konnte er nichts erkennen. Bond schlich sich an die Türe und konnte Stimmen von mindestens 4 Personen hören. So viele Wachen für so ein kleines Lager? Sophie war also auf jeden Fall hier. Und vermutlich dort drinnen. Über sein Handy schrieb Bond Messler eine SMS, dass er an der Tür vorne Klopfen solle, um so die Wachen abzulenken. Er fragte sich ob Messler seiner Bitte nachkommen würde. Er wartete und wartete und endlich klopfte es. Zwei der Wachen öffneten und im selben Moment riss Bond die Hintertür auf und schmiss eine Rauchgranate in den realtiv kleinen Raum. Aus den Augenwinkeln heraus, sah er Sophie gefesselt und geknebelt in der hintersten Ecke liegen. Die Wachen wurden natürlich dadurch alle überrumpelt und versuchten in dem dichten Nebel zur anderen Tür zu gelangen. Bond hörte sie immer wieder fluchen als sie über diverse Kartons und Kisten stolperten. Noch bevor Bond den Raum gestürmt hatte, hatte er seiner Walther das neue Laser-Zielvisier aufgesetzt, das ihm nun bei der Liquidierung der vier Wachen große Dienste leistete. Bond hatte sich hinter einigen Kisten verschanzt, und konnte die im Nebel herumtorkelnden Wachen mit Hilfe seiner Infrarotbrille bestens orten, und mit der Laser-Zielhilfe ausschalten.
Als alle 4 erledigt waren stolperte Messler in die verrauchte Halle und murmelte nur: "Q sei dank!" und machte sich daran Sophie zu befreien, die nach dem kleinen Geballere etwas geschockt war.
Sie funkelte Bond böse an. 'Wenn Blickte töten könnten' schoß es Bond durch den Kopf und er musste lächeln.
"Sophie! Wie schön sie wieder lebendig zu sehen! Nach unserem kleinen Rendevouz auf der Pferderennbahn mussten sie ja urplötzlich gehen." "Wie schade..." fügte Sophie ironisch hinzu.
"Ich hoffe doch sie haben Preston nichts von unserem kleinen Plausch erzählt, oder?" hakte Bond nach.
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[Dieser Beitrag wurde am 23.09.2003 - 21:06 von Tobias aktualisiert]
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AVTAK  Status: James Bond
   

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"Erst mal bin ich mit fragen dran, Mr ... wie war doch gleich Ihr Name... Bernard P. James!?"
"Das James ist schon mal richtig. Es tut mir leid, dass ich Sie belügen musste, Sophie, aber "Bernard P. James" ist nur ein Deckname!"
"Deckname? Wofür?"
"Mein richtiger Name ist Bond" er lächelte sanft "James Bond"
"Wozu benötigen Sie einen Decknamen. Halten Sie sich für so eine Art Geheimagent." Bond schaute verlegen zur Seite, so wie ein Kartenspieler, der gerade des Falschspiels überführt worden war. Eines musste man dieser Sophie lassen, sie war nicht nur attraktiv, sondern schien auch ziemlich clever und intelligent zu sein.
"Aha, Volltreffer!" sagte sie zufrieden "Das erklärt natürlich, warum sie die Wanze in Prestons Loge geschmuggelt haben und anschließend unerkannt bleiben wollten. Praktisch, dass ich den Korb in die Loge gebracht habe, oder? Dadurch ist ihnen das Verhör bei Mr Preston erspart geblieben. Mir leider nicht" fügte sie mit vorwufsvollem Unterton hinzu.
"Das war nicht so geplant" versuchte Bond sich zu rechtfertigen "Das mit Preston tut mir Leid!"
"Es tut ihnen Leid!" Sophie wirkte auf einmal nicht mehr so gefasst, wie noch vor ein paar Sekunden. Die Rettung durch Bond, hatte ihr vorübergehend über den Schmerz und die Qualen, die sich in den letzten Stnden und Tagen in ihr Gedächtnis eingebrannt hatten, hinweggeholfen. Jetzt kehrte alles langsam zurück. "Ist ihnen eigentlich klar, was Sie mir angetan haben" Ihre Erinnerungen an die Gefangenschaft im Hauptquartier von Count schien Sophie irgendwie aus der Bahn zu werfen. Preston hatte sicherlich alles versucht um Informationen aus der augenscheinlichen "Agentin" herauszupressen. Was mochte sie alles erlitten haben. Bond kannte viele Foltermethoden und jeder einzelne Gedanke daran ließ ihn schaudern. Kein Wunder, dass Sophie das alles sehr mitgenommen hatte. Irgendwie fühlte er sich auf einmal wieder sehr schuldig. Er hatte Sophie da mit hineingezogen. Und diese Gefühl verstärkte sich noch, je länger er in ihr blasses, müdes Gesicht schaute. Auf der Pferderennbahn war es noch so voller Glück und Energie gewesen. Die Strapazen der letzten Tage hatten ihre Spuren hinterlassen. "Sie wollten Informationen. Was ich über Lindström weiß, was ich über ein Projekt Euphrat weiß - ich hätte ihnen alles gesagt, was sie wissen wollten, aber... " sie begann zu schluchzen " ...ich wusste doch nichts!" Eine Träne floß langsam über Sophies Wange. Bond streckte vorsichtig seine Hand aus und wischte sie weg "Es tut mir Leid" wiederholte er.
Das Aufstehen fiel Sophie schwer, sie hatte sich zu lange nicht mehr bewegt. Bond half ihr und stützte sie, so gut es eben ging. "Es war so schrecklich. Sie haben..." Sophie fing zu weinen an. "Ist ja gut" beruhigte sie Bond. Er küsste sie zärtlich auf die Stirn "Ich bringe sie jetzt an einen sicheren Ort und morgen sehen wir weiter!" Langsam, da Bond Sophie immernoch stützen musste, verließen sie den Lagerschuppen am Wannsee. Im Freien angekommen, half ihnen Messler, der bis jetzt gewartet hatte, Sophie bis zu Bonds Wagen zu bringen. Zusammen schafften sie es, ihren totmüden Körper im Fond des AMV8 zu verstauen. Die beiden Männer schlossen die Türen von außen und gingen an das Ufer des Wannsees hinunter. Zeit für weitere Planungen.
Auf dem ganzen Gelände war kein Mensch mehr zu sehen. Über dem See lag noch ein Nebelschleier und das einzige Geräusch, das man hören konnte, war das stetige, leise Auflaufen der Wellen auf das Kiesufer. Bond und Messler schauten auf den See hinaus und sagten lange Zeit gar nichts. Aber jeder wusste genau, woran der andere gerade dachte, ohne ihn jedoch dabei anzusehen.
"Armes Ding" murmelte Messler schließlich
"Sie hat viel mitgemacht" Beiden starrten immernoch in den Nebel, der die Wasserfläche bedeckte.
"Wie geht's jetzt weiter?" Messler versuchte im unendlichen Weiß des Nebels etwas zu erkennen
"Ich muss raus aus Berlin. Preston kennt meinen richtigen Namen"
Messler seufzte "Was ist mit dem Mädchen?"
Bond brauchte einige Sekunden um eine Antwort zu finden "Nehme ich mit" sagte er schließlich. Messler hatte mit dieser Antwort gerechnet. Bis jetzt lief das ganze Gespräch ohne jeglichen Augenkontakt ab. Die Blicke beider Männer verloren sich in den Nebelschwaben des Wannsees.
"Wohin?" Messler drehte seinen Kopf zu Bond "Rom?" fragte er leise.
Bond schwieg, wandte seinen Blick von der stummen Szenerie des Wassers ab und schaute Messler an "Rom!" antwortete er.
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