Totenvogel  Superuser
      

Status: Offline Registriert seit: 20.10.2004 Beiträge: 709 Nachricht senden | Erstellt am 17.09.2007 - 23:00 |  |
Dichterische Verantwortung
Wer Worte zu einem Reim, zu einer klingenden Aufzählung oder zu einem Gedicht zusammenstellt,
sollte sich doch immer der Verantwortung bewusst sein, dass sein Werk gelesen und bedacht wird.
Ist das so?
Oder liegt es in der Verantwortung des Lesers, die Richtigkeit für sich selbst herauszufinden?
Wissen wir immer, was richtig oder falsch ist, denn was uns heute richtig scheint, liegt doch oft schon
morgen in Scherben hinter uns.
Wie definiert sich also dichterische Verantwortung? In uns selbst? Prinzipien müssen sich nicht einig sein.
Auch ein Gewissen, erreicht einen bestimmten Grad an Abgestumpftheit, je nach Leben.
Wo also legt man die Messlatte an?
Ich bin der Meinung: Am Individium, am Menschen selbst, ich fühle, also fühlt mein Gegenüber auch.
Jeder Mensch fühlt, selbst Hitler, Stalin oder Bush fühlen oder haben gefühlt und vielleicht wären sie nicht
solche Arschlöcher geworden, wenn sie über ihre Gefühle hätten sprechen können. (Theorie, aber interessant)
Zum Beispiel, wenn ich einsam bin und ein Gedicht lese das dieses Gefühl der Einsamkeit abgrundtief beschreibt,
bin ich nicht mehr alleine, denn da ist jemand, fern, vielleicht schon gestorben, aber er versteht was ich fühle.
Also glaube ich, der Dichter trägt das Gefühl in diese rationale Welt. Ohne Gefühl sind wir nur leere funktionierende Hüllen.
Auch daraufhin sollten wir unsere Zeilen prüfen.
Audiatur et altera pars.
Auch die zweite Seite möge gehört werden
(in doppeltem Sinne)
In diesem Sinne
Euer Totenvogel
Signatur Alleine geboren, allein gestorben, dazwischen diverse Berührungsversuche. © Margot S. Baumann (*1964), Schweizer Lyrikerin und Aphoristikerin
|