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Brack ...
Söldnerhauptmann und Bärentöter
......

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...   Erstellt am 07.12.2007 - 14:29Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Des Diebes Los.

Ein schwarzer Schatten, schnell und lautlos bewegt sich das Tier durch das Unterholz. Über ihm der mächtige Wald, sein zuhause, in die Dunkelheit der Nacht getaucht unter dem mysteriösen Mantel der Natur, die keine Gnade kennt und doch sein Ernährer und einzige Zuflucht ist, sucht es nach Nahrung.
Hunger, der einzige Gegner, der das Tier zur Jagd zwingt, ihm ist es bewusst, dass jeder Fehler, jedes überflüssige Geräusch den Jäger zur Beute macht. An einer Klippe macht es halt und schaut gen Himmel. Der Mond scheint hell und silbern auf das Tier herab. Es hebt seinen Kopf und von der riesigen silbernen Scheibe am Firmament in den Bann genommen, löst sich ein Heulen von seiner Kehle. Genugtuung, Wonne und ein warmes Gefühl macht sich in dem von Fell bedeckten Köper breit, doch die Ohren spitz aufgestellt lässt es keinen Laut heraus. Wachsamkeit kann ihm das Leben retten, das weiß das Tier. Ein Geräusch, ein Knacken des Unterholzes und eine Bewegung der Farne verriet ihm das es an diesen wunderschönen Platz nicht alleine war.
Der Wolf schaut hinter sich, langsam dreht er sich in die Richtung aus der das Geräusch zu vernehmen war. Er lauscht, seine Augen, die an die Dunkelheit gewöhnt sind, tasten das Unterholz ab, ein Schatten, ein großer der sich auf den Wolf zu bewegt. Soll er flüchten? Nein, keine Chance. Um ihn herum nur ein tiefer schwarzer Abgrund! Der Wolf wird kämpfen müssen, siegen oder sterben. Sein Körper ist bis in die letzte Muskelfaser angespannt. Das Herz rasend vor Aufregung pumpt das Blut in seine Adern. Der Wolf fletscht die Zähne und ein aggressives Knurren entspringt seinem mit scharfen Fängen bewaffneten Maul. Das Fell aufgestellt und zum Angriff bereit wartet der Wolf auf sein Schicksal, egal was ihm gleich begegnet, egal wogegen er gleich kämpfen muss, er wird nicht weglaufen, er wird sein Leben und seine Ehre verteidigen. Der Schatten zerreist mit einem lauten Brüllen die Stille der Nacht. Ein riesiger schwarzer Bär stellt sich auf seine Hinterbeine und fixiert den Wolf mit seinen Augen. Der Bär droht, brüllt und präsentiert seine mit scharfen Klauen bewährten Vorderpfoten, doch der Wolf weicht keinen Schritt zurück. Seine im Mondlicht rot glühenden Augen zeigen keine Furcht. Der Wolf springt wie von einem Katapult abgeschossen vom Boden, seine Fänge nähern sich unaufhaltsam der Kehle des Angreifers. Der Bär holt aus … Krallen … Fänge … Blut.

Brack riss seine Augen auf, desorientiert schaute er sich um, links, rechts ,links. Wo bin ich? - Der Bär? Sein Herz raste wie das des Wolfes in seinem Traum, er atmete tief durch und wischte sich schnell über sein Gesicht. Ein Mann eilte aus dem Licht des Lagerfeuers herbei und mit einem Satz hockte sich dieser vor ihn hin. Brack tastete nach seiner Axt, doch der Mann sprach schnell, bevor er sie finden konnte.
“Steh auf! Schnell komm! Auf die Beine mit dir, die Templer haben Ärger Herr Iras wartet schon...“
Brack nickte und suchte in Eile nach seiner Waffe. Er riss sie schnell aus dem Stroh und sprang auf. Der Mann klopfte ihn ab und sich mit einer schnellen Drehung auf den Weg machend rief er Brack zu: “Folge mir!“
Brack rannte dem Mann einfach hinterher, quer durch das Lager bis zu einem Wehrtor vor dem schon eine kleine Gruppe Menschen stand, unter ihnen Iras mit Gefolge, Ulrich und die zwei jungen Damen die er schon öfters am Tisch von Ulrich gesehen hatte.
Brack machte halt an der linken Seite von seinem Herren, von der rechten schaute ihn interessiert eine Frau an. Eher klein und zierlich gewachsen mit ungewöhnlich kurzem Haar.
Brack verneigte sich vor Iras und sprach:
“Herr, ich stehe zu Diensten.“
Iras schaute Brack ungläubig an:
“Du? Schon hier? Ehrlich gesagt habe ich mit dir erst um einiges später gerechnet. Ich sehe der Umgang mit dem Herren Savertin und Ritter Ulrich war keine Fehlentscheidung.“
Iras schaute kurz zu der Frau an seiner Seite und trat einen kleinen Schritt zurück, so dass sich nun beide direkt anschauen konnten. Brack wusste ehrlich nicht was er jetzt machen sollte und wurde rot vor Verlegenheit. Iras merkte das, grinste und sprach:
“Brack, das ist Lady Rabea.“ Er deutete auf die Dame.
Brack verneigte sich.
“My Lady.“, sprach er mit unsicherem Ton.
Rabea musterte Brack und nickte. Auch sie sah Bracks Unsicherheit, seine rote Gesichtsfarbe und auch sie grinste leicht und entgegnete mit einer sanften Stimme:
“Brack.“
Um sich nicht noch mehr in die Bredoullie zu bringen, richtete Brack wieder das Wort an Iras.
“Herr, wie lauten eure Befehle?“
Iras Gesicht wurde ernst und er schaute Brack an:
“Brack, wie ich schon mal erwähnte, sind die Templer mit uns verbündet. Heute Nacht wurde ein Dieb vom Komtur persönlich gestellt, er wird gerade verhört. Die Templer baten mich, Savertin holen zu lassen, denn sollte ihm der Diebstahl nachgewiesen werden, hat er eine Strafe zu erwarten. Savertin soll dabei als Richter fungieren, um eine gerechte Strafe für den Dieb zu finden Auch er ist beim Verhör dabei. Ich werde einen Scharfrichter brauchen und jemanden der den Gefangenen bewacht. Deswegen habe ich dich geholt, du sollst dafür sorgen, dass die Strafe im Namen der Gerechtigkeit und unserem Herren im Himmel ausgeführt wird.“ Iras schaute Brack nun mit einem erwartungsvollen Blick an und Brack zögerte nicht länger. Mit höchster Wahrscheinlichkeit meinte Iras einen ganz anderen Gott, als Brack, aber auch er glaubte an einen Gott der seinen Sitz im Himmel hat, Fenriss, der Wolf der den Mond verschlingt. Dies geistige Mißvertändnis war in diesem Falle positiv, denn dadurch tat Brack was von ihm erwartet wurde.
“Ja, mein Herr, wie Ihr wünscht.“
Brack trat einen Schritt näher zum Tor, denn er war neugierig. Doch sobald er drei Schritt vor dem Tor stand, schaute ihn eine Wache an. Eine Lanze zeigte nun auf Brack und mit einer deutlichen Stimme sprach die Wache:
“Halt Ungläubiger! Hier haben nur Christen und Zugehörige der Freien Ritterschaft Duhlstein Zutritt!“ Brack stutzte. Wie sollte er der Scharfrichter sein, wenn man ihn hier nicht reinließe? Er schaute mit fragendem Blick zu Iras, der diese Szene mit Interesse verfolgte.
“Wartet ab, Hauptmann Brack. Das Verhör müsste gleich zu Ende sein.“ Als die Wache diese Worte hörte, hob diese sofort ihre Lanze von Brack weg, stellte sich wieder gerade vor das Tor hin und sprach erneut in einem deutlichen Ton:
“Entschuldigt, Herr Hauptmann.“ Die Wache war verblüfft, aber Brack entgleisten alle Gesichtszüge. Er schaute ungläubig zu Iras und dieser grinste so breit, dass wenn Iras keine Ohren hätte, würde er rund um seinen Kopf grinsen.
Brack kehrte langsamen Schrittes wieder zu Iras zurück. Er glaubte zu wissen, was Iras damit bezweckte. Er wollte mit Brack einen Spaß machen. Das war sein gutes Recht, dachte Brack und doch wollte er das nicht so einfach auf sich sitzen lassen. Er stellte sich neben Iras und sagte leise aber deutlich hörbar:
“Toller Scherz, mein Herr. Habt ihr das Gesicht der Wache gesehen? “ Doch bevor diese Anmerkung zu einer Diskussion führte, öffnete sich im Lager der Templer ein Zelt und ein älterer Kleriker trat heraus, hinterher eilend Savertin. Iras trat abrupt ein paar Schritte bis zum Tor vor. Er drehte seinen Kopf zu Brack und sprach:
“Das war kein Scherz, komm nun“, und eilte zu Savertin.
Brack blieb noch eine Sekunde stehen, er musste das Gehörte erst verdauen. Aber da dafür keine weitere Zeit blieb, eilte auch er seinen Herren hinterher.
Diesmal durfte Brack ohne Probleme passieren. Im Lager der Templer stand kurz hinter dem Tor ein Pranger. Noch war er leer, noch, denn an den eindeutigen Bewegungen Savertins erkannte Brack, dass dieser nicht lange leer bleiben würde. Nach einem kurzen, aber heftigen Gespräch zwischen Iras, Savertin und dem Komtur winkte Iras Brack zu sich. Er sprach mit einer lauten und für seine Verhältnisse sehr aggressiven Stimme zu Savertin und dem Komtur:
“Das ist Hauptmann Brack. Er wird sich des Diebes annehmen!“ In diesem Moment wurde aus dem Zelt, wo das Verhör statt fand ein hagerer kleiner Mann herausgeführt, eingespannt in eine Schandgeige. Savertin packte den an der Schandgeige befestigten Strick und zog den Gefangenen ein paar Meter hinter sich her bis er bei Brack ankam. Brack schaute Savertin in die Augen und er glaubte nicht was er dort sah, denn die ganze gewohnte Güte wich einem strengen, nach Gerechtigkeit schreienden Blick. Solch ein ernstes Gesicht kannte er bislang nicht von Savertin, der nun Brack anschaute und mit einer strengen Stimme sprach:
“Brack … … Entschuldigt … … Hauptmann Brack, meine ich natürlich. Bringt diesen Abschaum an den Pranger und bewacht ihn. Wir werden nun mit dem Bruder Abt und dem Herren Iras über seine Strafe entscheiden, denn seine Schuld ist zweifelsfrei bewiesen. Wenn er versucht zu fliehen, schlagt ihm die Beine ab!“
“Ja, Herr! Ich hoffe, dass er es versuchen wird Herr.” Das gefiel Brack. Er ergriff den Strick und zog den Dieb zu sich heran. Dieser war gut einen Kopf kleiner als Brack und mit der Hälfte des Kampfgewichtes von Brack ausgestattet … wenn überhaupt und schaute verstört seinen Scharfrichter mit feuchten Augen an. Brack legte die Schneide seiner Axt an den Nacken des Gefangenen und knurrte ihm ins Gesicht. Aufgrund dieser Aktion gaben die Knie des Gefangenen vor Furcht nach und dieser sackte zu Boden. Brack schaute Savertin an, denn er erinnerte sich daran, dass Savertin es gar nicht mochte wenn jemand auf dem Boden lag. Doch Savertin schaute nur abfällig den Gefangenen an und sagte mit einer Stimme die Brack das Blut in den Adern gefrieren ließ:
“Worauf wartet ihr Hauptmann? Bringt den Abschaum an den Pranger! Das war ein Befehl!“
Ohne zu zögern zog Brack mit aller Kraft an dem Strick. Der Gefangene machte einen gewaltigen Satz nach vorne und schlug mit den Ellenbogen auf den Boden, begleitet von einem schmerzerfüllten Stöhnen. Brack aber dachte nicht daran, halt zu machen. Seine Kraft erlaubte ihm den Gefangenen mit Leichtigkeit bis zum Pranger hinter sich her zu schleifen, was dem Dieb ein paar Schürfwunden bescherte. Am Pranger standen schon zwei Templer die erwartungsvoll das obere Holz des Prangers nach oben hielten. Brack packte den Gefangenen am Kragen und zog ihn mit einem Ruck hoch, was ihm wahrscheinlich die Luft abschnürte. Als Zeichen dieser Tatsache, kam die Zunge aus dem Mund des Gefangenen. Einer der Tempelritter öffnete nun die Schandgeige und Brack, der den Dieb immer noch am Kragen in der Luft hielt, konnte beobachten wie das Gesicht des Gefangenen langsam die Farbe von dunkelrot zu leicht blau wechselte. Also buchsierte Brack den Gefangenen in den Pranger bevor sein Gesicht dunkelblau würde und der andere Templer schlug den Pranger zu. Erst jetzt ließ Brack los und der Gefangene atmete tief ein und schnappte nach Luft. Ein schweres Vorhängeschloss hielt nun die zwei Hälften des Prangers zusammen und Brack stellte sich neben den Gefangenen und seine Axt vor sich. Viele neugierige Augen versuchten durch das Tor einen flüchtigen Blick auf den Gefangenen zu erhaschen, doch Brack verzog keine Mine. Er hatte den Gefangenen zu bewachen, wie der Herr es ihm befohlen hatte.

Iras , Savertin und der Komtur verschwanden in dem selben Zelt, aus dem vor einiger Zeit der Gefangene herausgeführt wurde. Die Lichter in den anderen Zelten erloschen allmählich, unter dem leisen Gemurmel der gesprochenen Gebete legte sich das Templerlager langsam in die nächtliche Ruh. Nur Brack, die Torwache und das Tribunal, das über den Gefangenen beriet, schien noch wach zu sein. Der Gefangene neben Brack jammerte leise vor sich hin, sein ach so schweres und ungerechtes Leben verfluchend. Es dämmerte schon als das Tribunal wieder vor das Zelt trat. Sie murmelten und zeigten immer wieder auf den Gefangenen. Aus diesem Verhalten heraus entnahm Brack, dass das Urteil gefallen ist und bald vollstreckt würde. Das Tribunal bewegte sich langsamen Schrittes auf Brack und den Gefangenen zu. Inmitten des Weges bog der Komtur in ein Zelt, sich kurz von Iras und Savertin verabschiedend.
Als Iras und Savertin am Pranger ankamen, schaute Iras kurz zu Brack und hielt an. Er kam etwas näher und sprach leise, so dass die Torwache kein Wort verstehen konnte.
“Brack, schlaf nicht ein! Wenn du zu müde bist, schicke ich Ablösung, wenn du willst. Wenn der Markt beginnt, wird das Urteil vollstreckt, hältst du noch so lange aus?“
Brack schaute Iras an und antwortet genauso leise.
“Nein, Herr, ich halte Wache, wie ihr befohlen habt.”
Iras nickte und setzte seinen Weg fort, Savertin blieb einen Moment lang stehen und schaute Brack ebenfalls an, er lächelte wieder gütig, doch sobald sein Blick den Gefangenen erreichte verwandelten sich seine Augen und sein Blick wurde wieder streng und abweisend.
Beim ersten Sonnenstrahl erwachte das Lager wieder zum Leben, Mönche und Kleriker traten vor ihre Zelte und begannen den Tag mit einem Gebet. Brack schaute interessiert diesem Treiben zu und unterbewusst in seinem Geiste sprach er leise auch ein Gebet an seinen Gott, Fenriss. Nach einer Weile betraten Iras und Savertin wieder das Lager und steuerten geradewegs auf das Zelt des Komturs zu, doch bevor sie dort ankamen, trat dieser auch aus seinem Zelt und schloss sich schweigend der Gruppe an. Sie gingen nun in das Zelt, in dem die Verhandlung statt fand und der Komtur befehligte seine Leute mit mehreren Gesten und kurzen Worten. Im Templerlager brach Hektik aus. Vor dem Wehrtor erschienen wieder Menschen, diesmal viel mehr als in der Nacht. Zwei Männer eilten herbei, Männer die Brack kannte. Es waren die zwei, die er für Söldner hielt, als er im Lager ankam, war er an ihnen vorbei gegangen. Sie stellten sich links und rechts neben den Pranger und schauten zu Brack. Er nickte höflich und stellte sich kurz vor. Einer von ihnen trat näher zu Brack und flüsterte ihm zu:
“Ich bin Ritter Konrad und das, “ er deutete auf den anderen “ist Ritter Arnulf. Dein Herr Iras hat uns gebeten dir bei der Gefangenenvorführung zu helfen … Willkommen in unserem Lager, Hauptmann Brack!“ Er klopfte Brack auf die Schulter und trat wieder einen Schritt zurück.
“Hauptmann Brack …“ Das hörte sich wie Musik in Bracks Ohren an. Er schaute zu den beiden und nickte hochachtungsvoll. Leise sprach er:
“Ritter Arnulf, Ritter Konrad, ich bin immer zu Diensten.“
Ein paar Novizen lenkten Bracks Aufmerksamkeit auf sich, denn sie bauten in Eile einige Schritte von dem Pranger entfernt einen Tisch auf. Drei Stühle stellten sie heran und auf die Tischplatte legten sie seltsame Dinge: Eine Feder, ein Stück Pergament und ein Symbol, das wie ein Kreuz aussah.
Sobald dieses bewerkstelligt wurde erschien auch das Tribunal, in der Mitte des Tisches nahm der Komtur auf einem Stuhl Platz, links davon setzte sich Iras und rechts nahm Savertin Platz. In der näheren Umgebung versammelten sich Kleriker, Mönche und dann letztendlich auch das gemeine Volk.
Savertin erhob sich und nahm das Pergament zur Hand. Er schaute darauf und sprach mit einer sehr lauten Stimme, so dass ihn niemand überhören konnte:
“Gefangener!“ Der Mann im Pranger zuckte zusammen und schaute herauf, sichtlich mit seiner letzten Kraft. Savertin sah ihn streng an und sprach weiter:
“Heute Nacht, habt Ihr einen großen Fehler begangen! Ihr habt versucht das Lager der Templer zu bestehlen und hättet somit auch unseren Herren im Himmel und seine Dreifaltigkeit bestohlen!“
“Auweia!“, dachte Brack im Stillen. “Na, der hat sich was eingebrockt!“ Nun verstand Brack, warum der Gefangene solche Furcht hatte, denn auch er hat von der außergewöhnlichen Strenge der Kreuzritter gehört, vor allem wenn es um ihren Glauben ging. In seinem Volk bekam man höchstens ordentlich eine aufs Maul, wenn man Fenriss beleidigte, aber die Templer brachten einen gleich um.
“So hört denn Euer Urteil!“, unterbrach ein Ruf Bracks Gedanken. “Nach langer Beratung verurteile ich Euch Kraft des mir verliehenen Amtes zu einer öffentlichen Vorführung und Verlesung Eurer Schandtat auf dem Markt und anschließender Übergabe an den Henker, wo Ihr den Rest der Marktzeit in einem Hängekäfig verbüßen werdet. Außerdem werdet Ihr nach Verbüßung der Strafe aus Unserem Lande verbannt und Euch wird verwehrt unter der Androhung des Todes Unsere Territorien zu betreten!“
Der Gefangene seufzte laut und schaute Brack mit flehendem Blick an, doch Brack grinste nur fies und der Gefangene ließ den Kopf hängen.
Der Komtur rief einen Novizen zu sich und das Tribunal, das immer noch am Tisch saß, beugte sich über das Pergament. Mit der bereitgelegten Feder unterschrieben und siegelten sie nacheinander das Urteil und der Komtur rollte es zusammen. Er band ein Band um die Rolle und versiegelte es mit Siegelwachs, in das er seinen Siegelring drückte. Das Tribunal stand nun auf und Iras sprach laut zu Brack:
“Hauptmann, macht Euch bereit, das Urteil zu vollstrecken! Ritter Konrad und Ritter Arnulf werden Euch dabei Anweisungen geben wie man es richtig macht.“ Der letzte Teil des Satzes hatte einen bitteren Unterton, den nicht nur der Gefangene bemerkte.
Das Tribunal trat nun wieder in das Verhandlungszelt und der Tisch wurde so schnell wieder weggeräumt, wie er dort hin gestellt wurde. Die Torwache trat nun zu dem Gefangenen und öffnete das Schloss am Pranger. Die Schandgeige wurde wieder herangeholt und während der Gefangene “umgespannt“ wurde, trat Ritter Arnulf zu Brack und sprach leise:
“Brack, nun wird Härte von Euch erwartet. Geht mit dem Abschaum nicht zimperlich um, denn das hätte er nicht verdient. Er hat sich gegen unseren Vater im Himmel gewandt und seine Gebote verletzt.“
Ritter Konrad lauschte diesem Gespräch und unterbrach den Ritter Arnulf in seinen Anweisungen:
“Ritter Arnulf“, warf er sein Veto ein und zeigte unauffällig auf Brack “das ist ein Roter Wolf, habt Ihr schon von ihnen gehört? Sie waren nie für ihre Barmherzigkeit bekannt und ich bin überzeugt, dass Brack es nicht vergessen hat, wie man Abschaum behandelt!“
In der Tat hatte Brack das nicht, schließlich wurde er lange als solcher behandelt. Diese Worte weckten wieder Erinnerungen in Bracks Kopf und er dachte an seine toten Brüder. Schlagartig fielen ihm all die Dinge ein, die er Jahre lang zu lernen hatte. Seine Mentoren und Lehrer die ihn mit Schmerz und Beleidigungen zu dem machten, was er am Ende wurde. Sein Gesicht verfinsterte sich und der Wolf erwachte wieder in seiner Seele. Er schaute mit diesem Blick den Gefangenen an, der mittlerweile wieder in der Schandgeige an der Kette hing. Brack knurrte leise.
“Unterbrecht mich nie wieder!“ Dieser aggressive Ruf holte Brack aus seinen Gedanken. Ritter Arnulf schien dem Ritter Konrad die Leviten gelesen zu haben, während Brack in der Vergangenheit gebunden vor sich hin träumte.
“Wie ihr meint, Ritter Arnulf.“, antwortete Ritter Konrad kurz und bündig. Er wandte sich dem Gefangen zu, indem er dessen Kette ergriff und hart an dieser rüttelte, wahrscheinlich um seinem Zorn Luft zu machen.
“Also, wo bin ich stehen geblieben?“, setzte Ritter Arnulf seine Ausführungen fort, “ Achja, Ritter Konrad und ich sichern die Flanken, während Ihr den Gefangenen über den Marktplatz schleift. Wir machen keinen Halt, auch wenn der Gefangene hinfällt! Wir gehen weiter bis zum Henker, wo Ihr den Gefangenen übergeben werdet. Habt Ihr verstanden?“
“Ja, Ritter Arnulf“, antwortete Brack.
In diesem Moment trat Ritter Konrad wieder zu Brack und drückte ihm die Kette in die Hand.
“Hier, Euer Spielzeug“, sagte er mit einem ironischen Unterton in seiner Stimme.
Brack ergriff die Kette und zog daran, worauf der Gefangene mit Brack unsanft kollidierte. Er prallte ab, wie vor eine Mauer geworfen und setzte sich leidvoll um sich her schauend hin. Die Menge vor dem Wehrtor wurde größer und größer und alle erwarteten die Vollstreckung der Strafe. Der Gefangene stand nun auf und wie auf ein unsichtbares Zeichen hin erschien das Tribunal wieder und schritt schnellen Schrittes auf Brack zu. Der Komtur sagte zu Brack mit strenger Stimme:
“Hauptmann, ist der Gefangene bereit seine Strafe zu empfangen?“
Brack schaute noch einmal auf das Häufchen Elend, was vor Brack stand und mit einer Hand die Kette haltend, ergriff er mit der anderen seine Axt, die immer noch neben dem Pranger stand. Brack schulterte sie und schrie laut dem Gefangenen ins Gesicht:
“Ja, Herr, er ist bereit zu leiden!” Die beiden Ritter zuckten zusammen und Ritter Konrad zischte zu Brack:
““Eure Eminenz“, Brack, „Eure Eminenz“ heißt das.“ Brack schaute den Ritter dankbar an und nickte. Der Gefangene grinste.
“Herr, Eminenz, … Herr Komtur …, Eure, … Eminenz“, berichtigte Brack sich hektisch.
Der Komtur, Iras und auch Savertin grinsten ebenfalls und schüttelten leicht den Kopf.
“Hör auf zu grinsen!!! Oder ich schneide dir was aus dem Gesicht !!!“, schrie Brack den Gefangenen an und wie von Zauberhand verschwand das Grinsen aus dem Gesicht des Mannes und ersetzte sich automatisch durch die gewohnte Furcht.
“Dann lasst uns aufbrechen!“, rief der Komtur. “Tore auf! Ritter, sichert den Weg! Hauptmann, führt den Gefangenen seiner Strafe zu und verkündet dem Volk seine Verfehlungen!“
Mit diesen Worten durchschritt das Tribunal das Tor, das Volk bildete ehrfürchtig eine Gasse. Die beiden Ritter blockierten daraufhin die Flanken, so dass keiner an den Gefangenen heran kam, den Brack nun an der Kette hinter sich her zog.
“Angeklagt und verurteilt wegen Diebstahl!!!“, schrie Brack so laut er konnte, sobald das Gefolge das Tor durchschritten hatte.
Der Gefangene zog seine Füße hinter her und versuchte sich gelegentlich zu wehren, aber ohne Erfolg. Bracks Griff war fest und sein Tempo unerbittlich schnell. Nach einer Weile kam das Gefolge zu dem Brack bekannten Marktplatz. Als sie diesen betraten verkündete er noch einmal mit lauter Stimme das Verbrechen des Gefangenen. Die Händler und das Volk scharten sich um das Gefolge und da die Ritter sie nicht an den Gefangenen heran ließen, versuchten sie den Verbrecher anzuspucken - nicht immer mit Erfolg. Doch das war nur der Anfang, denn als das Volk merkte, dass nur wenig Spucke ihr Ziel tatsächlich erreichte, kramten die hiesigen Händler faules Gemüse und Obst aus ihren Warenkörben und verwandten diese als Geschosse. Sie warfen den Abfall dem Gefangenen ins Gesicht. Tomaten, Äpfel und besonders stinkend, faule Eier, erreichten nun ohne Mühe den sich zu schützen versuchenden Gefangenen. Diejenigen Gegenstände, die nicht trafen, erreichten auch die andere Seite und landeten unsanft an dem feinen Zwirn manch eines Händlers, denen auch diese Tatsache den Spaß nicht verdarb. Unter dem Bombardement von faulen Obst und Gemüse, jeder Menge Beschimpfungen in Richtung des Gefangenen und dem harten Rütteln an der Schandgeige seitens Brack, machte das Gefolge eine volle Runde über den Marktplatz. Jeder Händler und Bürger wusste nun, was der Mann verbrochen hatte und hatten sichtlich keinerlei Verständnis dafür.
Die Menge löste sich allmählich von dem Gefolge, als dieses den Henker erreichte: Ein Folterplatz abseits des Marktes. Hängekäfige, Pranger, Streckbänke und alle Arten anderer Folterwerkzeuge standen dort und daneben stand der Henker.
“Hauptmann, übergebt den Gefangenen seinem Henker“, ertönte die laute Stimme des Komturs.
“Jawohl, Eure Eminenz“, antwortete Brack, diesmal mit richtiger Anrede.
Als der Gefangene den Hängekäfig zu sehen bekam, schienen seine Kräfte wieder zurück zu kehren und er wehrte sich mit all seiner übrigen Kraft. Er bockte und stieß wüste Beschimpfungen über Brack aus.
Brack packte ihn hart an und hob ihn samt Schandgeige vom Boden. Er knurrte laut.
“Wenn der Gefangene nicht bald im Käfig sitzt, dann benutzt Eure Axt Hauptmann: Schlagt ihm die Beine ab, damit er nicht mehr bocken kann!!!“, rief Iras Brack zu.
“Ja, Herr!!!“ Brack packte die Axt an der Hälfte des Schaftes, denn so konnte er sie auch einhändig schwingen. Er holte aus und zielte Richtung der Beine des Gefangenen.
“Nein!!! Nein!!!“, schrie der Gefangene was seine Lunge her gab und klammerte sich an den Käfig. Brack hielt inne.
Der Willen des Gefangenen war endgültig gebrochen. Bereitwillig betrat er nun den Käfig, wo er von der Schandgeige befreit wurde und die Käfigtür schloss sich hinter ihm. Wahrscheinlich für eine lange Zeit.
Das Tribunal wechselte noch ein paar Worte mit dem Henker, wahrscheinlich über die Dauer des Aufenthaltes des Gefangenen im Käfig. Der Komtur übergab das Urteil und sie traten den Weg zurück ins Lager an. Ritter Arnulf und Ritter Konrad bogen direkt wieder in das Lager ab, Iras und Savertin verabschiedeten sich vom Komtur und setzten ihren Weg Richtung Iras Zelt fort. Als sie das Lager betraten, wandte sich Iras Brack zu:
“Gut gemacht, Brack. Nun ruhe wohl, du musst müde sein“, sagte er anerkennend.
Brack merkte nun, dass er tatsächlich sehr müde war. Er schleppte sich in die Richtung seines Schlafplatzes und fiel in das Stroh. Sofort schlief er ein.





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