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hebbedie ...



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...   Erstellt am 30.10.2005 - 19:27Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Titel: Der Unfall
Kategorie: Drama
Zusammenfassung: Ein Unfall gibt Scotts Leben eine andere Richtung.
Disclaimer: Ich besitze keinerlei Rechte an den Charakteren oder der Serie „Boston Public.“ Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Außer der Idee, gehört mir nichts. Mit dieser FanFiction wird kein Geld gemacht.

„Nein, Scott, das kann ich beim besten Willen nicht machen!“
Ich verstehe nicht, warum Scott mir mit diesem Thema so auf die Nerven geht.
„Aber Lauren...“ Ich lasse ihn gar nicht ausreden.
„Scott! Sie können nicht von mir verlangen die Schüler auszuhorchen, nur weil Sie davon ausgehen, dass manche bei den Arbeiten schummeln.“
Ich drehe mich um und gehe den Gang entlang. Scott ist mir dicht auf den Fersen. Er versucht mich zu überzeugen, aber das wird ihm nicht gelingen. Ich lasse seine Worte an mir vorüberhuschen und beobachte unsere Putzfrau wie sie die Treppen wischt. Scott und Ich sind die einzigen, die noch im Gebäude sind. Der Schultag ist rum. Die Schüler und auch die Lehrer sitzen jetzt wahrscheinlich gemütlich in ihren Gemächern vor dem Fernseher. Nur ich muss mir Scotts Gerede anhören. Er hat mich nach Feierabend zu sich bestellt, um mich zu bitten, die Schüler auszufragen und herauszufinden, ob sie bei den Arbeiten schummeln oder nicht. Ich bleibe vor den Treppen stehen und lasse die Putzfrau vorbeigehen, damit die Frau ihren Job machen kann und auch endlich nach Hause gehen kann. Scott ist immer noch am Reden. Ich schaue ihn an. Eins muss ich ihm lassen, er hat ein überzeugendes Auftreten und wahrscheinlich hätte er mich überredet, wenn mir diese Aufgabe nicht zuwider gewesen wäre.
„Bitte Lauren, Sie müssen mir helfen.“
Jetzt hat er einen flehentlichen Blick aufgesetzt. Ich schüttele den Kopf.
„Nein und nochmal Nein. Es nützt nichts, Scott.“
Ich frage mich, warum er ausgerechnet mich darum bittet. Ist es, weil er was für mich empfindet und keinen Hehl daraus macht? Oder weil er in mir die Person sieht, die Vertrauen zu den Schülern aufbauen kann? Ich versuche ihm den Sachverhalt nochmal zu erklären.
„Scott, ich kann verstehen, dass sie dieses Thema beschäftigt, aber Sie müssen jemanden fragen, der auch das Vertrauen zu den Schülern aufbauen kann. ICH bin es definitiv nicht. Mein Gott, Scott, sie nennen mich Nonne!“
Er schaut auf den Boden und scheint eine Weile zu überlegen.
„Wen soll ich dann fragen?“
„Na Harry, er hat´s drauf. Er kann das Vertrauen der Schüler spielend gewinnen.“ I
ch merke noch bevor ich den Satz ausspreche, dass Scott die Stirn runzelt. Wahrscheinlich ist er mit Harry nicht einverstanden. Er hatte schon von Anfang an was gegen ihn. Es fing an, als er herausgefunden hat, dass ich mit Harry zusammen bin. Jetzt sind Harry und ich schon eine ganze Weile auseinander, doch bei Scott ändert es nichts. Er würde Harry am liebsten nach wie vor hochkantig rauswerfen.
Noch bevor Scott was erwidern kann, sage ich „Oder noch besser ist Danny Hanson. Ja. Den fragen Sie, mich lassen Sie damit bitte in Ruhe.“
Mitten bei den Treppen angelangt, höre ich, dass Scott nochmal meinen Namen ruft und mir hinterherhetzt. Ich drehe mich zu ihm um und setze zu einer Antwort an, doch die Worte bleiben mir im Hals stecken. Da die Treppen vom Putzen noch nass sind, rutscht Scott aus, fällt die Treppen runter, schlägt mit dem Kopf gegen das Treppengeländer und regt sich nicht mehr. Er ist bewusstlos. Ich starre ihn an, unbeholfen. Ich weiß nicht wieviele Minuten vergangen sind, vielleicht waren es auch nur Sekunden, aber Scott einfach daliegen zu sehen, so bewusstlos und hilflos, das versetzt mir einen gehörigen Schock.
„Ilsa!“, voller Panik rufe ich nach der Putzfrau und hoffe, dass sie mich noch hören kann, doch das einzige was ich höre ist meine eigene Stimme, die durch den Gang hallt. Ich schaue mich hilflos um und weiß nicht was ich tun soll, tausende Bilder jagen mir durch den Kopf. Ich versuche mich an meinen Erste-Hilfe-Kurs zu erinnern, den ich vor wenigen Monaten absolviert habe. Auch das war eine Idee von Scott gewesen. Er wollte, dass sich jeder Lehrer einem Erste-Hilfe-Kurs unterzieht. Wie vorausschauend Scott doch ist! Oft genug hat man uns in diesem Kurs gesagt, dass man einen ruhigen Kopf bewahren sollte, doch es ist leichter gesagt als getan. Ich beschließe mich zu ihm runterzuknien und ihn wachzurütteln. Vielleicht schläft er nur! Doch alles ist hoffnungslos. Ich rüttle ihn und schreie seinen Namen, doch er rührt sich nicht. Ich werde immer nervöser und beginne zu beten. Ich versuche seinen Puls zu fühlen, doch meine Hände sind viel zu zittrig als dass ich irgendetwas fühlen kann. Ich lege mein Ohr an seine Lippen, um zu hören, ob er noch atmet, doch sein Brustkorb bewegt sich nicht auf und ab. Grundgütiger! Er atmet nicht! Ich bin den Tränen nahe. „Bitte Scott, bitte wach auf...“, obwohl ich weiß dass er mich nicht hören kann, flehe ich ihn an.
Dann fällt mir etwas ein und mir wird leicht ums Herz. Das ist es! Ich mache eine Herzmassage! Ich beuge mich zu ihm vor, lege meine Lippen auf seine und versuche ihn zu beatmen. Seine Lippen schmecken süß, wahrscheinlich hat er vorhin einen Donut gegessen. Mehrmals wiederhole ich die Herzmassage und die Mund- zu Mundbeatmung und bin insgeheim froh, dass Scott nicht merkt, dass mir die Mund zu Mundbeatmung gefällt.
Nachdem ich meine Lippen zum dritten Mal auf seine lege merke ich, dass er plötzlich die Augen weit aufreißt und micht anstarrt. Nun fange ich doch an zu weinen - diesmal vor Erleichterung. Jetzt schaut er mich mit gerunzelter Stirn an.

Ich hebe leicht den Kopf, um mich umzugucken, lege ihn doch sofort wieder hin, als ich merke, dass er unheimlich weh tut. Wieder starre ich die Frau an, die neben mir sitzt.
„Wo… wo bin ich?“
"Scott? Oh mein Gott bin ich froh, dass sie bei Bewusstsein sind. Geht es Ihnen gut?"
"Ähm... ja...", sage ich zögernd.
"Kommen Sie, nehmen Sie meine Hand, ich helfe Ihnen auf."
Ich nehme ihre Hand, die sie mir entgegen streckt, und stehe auf. Schnell greife ich an meinen Hinterkopf, wo ich was Feuchtes fühle.
"Ich blute."
Ungläubig gucke ich auf meine Hand. Woher kam das?
"Ich...Oh Gott, Sie bluten wirklich!"
Ich blicke hoch und sehe sie wieder an.
"Wer sind Sie?"
"Ähm...Scott? Geht es Ihnen wirklich gut?"
Mittlerweile habe ich schon rausgefunden, dass sie mich wohl mit Scott meinte. Aber ich weiß weder wo ich bin, noch was passiert ist. Irgendwie ist mir das peinlich.
Mit der Hand gehe ich wieder an meinen Hinterkopf, wo ich eben das Blut gefühlt hatte.
„Ja, aber das tut schon weh.“
"Kommen Sie, haken Sie sich bei mir unter, ich fahre Sie jetzt ins Krankenhaus."
Ich folge ihrer Anweisung und gehe mit ihr mit. Sie führt mich durch Gänge, die ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Interessiert schaue ich mich nach allen Seiten um. Oder war ich hier doch schon mal? Gerade kamen wir an einem Zimmer vorbei, das mir irgendwie bekannt vorkam. Aber das konnte doch nicht sein. Krampfhaft denke ich nach, was passiert war. Doch ich weiß es nicht. Da ist nichts. Nichts, an das ich mich erinnern kann. Langsam bekomme ich Panik. Was würde geschehen, wenn das jemand rausfinden würde? Ich beschließe so zu tun, als sei alles normal.
Ich beruhige mich und mustere die Frau, die mich durch das Gebäude führt, das sehr groß zu sein schien. Wir gingen durch eine große Eingangstür und kamen ins Freie. Auch hier war ich noch nie. Oder vielleicht doch?
Die Frau geht mit mir zu einem dunkelblauen Auto und öffnet mir die Tür. Auf der Fahrt schaue ich aus dem Fenster und versuche etwas zu entdecken, das ich kenne.
"Wir sind gleich da. Bluten Sie immer noch?"
Als ich ihre Stimme höre, erschrecke ich mich und bewegte meinen Kopf schnell in ihre Richtung.
„Was?“
"Sie machen mir langsam Sorgen, ich wollte wissen ob Sie immer noch bluten. Wenn ja in meinem Handschuhfach liegen noch Taschentücher."
Wieder greife ich mit der Hand an die Wunde und merke, dass sie aufgehört hat, zu bluten. Da die Stelle darum jedoch mit Blut verschmiert ist, öffne ich das Handschuhfach und will mir ein Taschentuch nehmen. Beim suchen finde ich ein Foto, das ich interessiert raus nehme. Zu sehen ist ein etwas kleiner Mann, der ein Glas in der Hand hält und lächelt. Neben ihm steht die Frau, die neben mir sitzt.
„Wer ist das?“, frage ich und halte meiner Begleiterin das Foto hin, als wir an einer roten Ampel stehen bleiben.
"Ähm...also ich...das sind Sie, Scott! Dieses Foto wurde auf der Geburtstagsparty von Harry gemacht, wir haben miteinander getanzt und Ronnie hat dann das foto gemacht."
Schnell schaue ich in den Seitenspiegel und betrachte mich.
„Ach ja. Ich… ich habe mich nur nicht erkannt.“ Stottere ich und lächle nervös.

Ich schaue ihn von der Seite an. Er kommt mir irgendwie hilflos vor. Ständig schaut er auffallend um sich. Außerdem schaut er die ganze Zeit an sich herunter, als ob er nicht glauben kann, dass er überlebt hat. Was wohl in ihm vorgeht? Er hat mich gefragt wer ich bin, ob das der Schock war? Ich mache mir langsam Sorgen. Irgendwas stimmt hier nicht. Selten habe ich Scott so durcheinander erlebt.
"Scott, Sie können sich doch an die Geburtstagsparty erinnern?"
"Was meinen Sie?"
Mir wird heiß und kalt zugleich. Ich merke, dass ich nicht mehr weiterfahren kann und bleibe am Straßenrand stehen. Verwirrt drehe ich mich zu Scott.
„Die Geburtstagsparty von Harry. Wir haben uns lange im Badezimmer aufgehalten, dann haben wir zusammen getanzt. Scott, wissen Sie nicht mehr?“
"D..doch?!"
Ich sehe wie er rot anläuft. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass er mich anlügt. Doch in seinem Zustand darüber zu diskutieren erscheint mir etwas abwegig. Kopfschüttelnd wende ich mich wieder dem Steuer zu und fahre an.
„Wir sind gleich da. Sie werden wahrscheinlich gefragt werden, ob Sie Ilsa anzeigen.“
"Wer ist denn Ilsa?"
Langsam werde ich wütend. „Die Putzfrau!“
"Und wieso soll ich eine Putzfrau anzeigen?"
Langsam schließe ich meine Augen und atme einmal tief auf.
„Schon gut, Scott. Wir sind gleich da.“
Zum Glück erscheint gerade die Einfahrt zum Krankenhaus. Ich finde auf Anhieb einen Parkplatz neben dem Eingang. Die Krankenschwester überreicht Scott einen Aufnahmebogen.
Er bedankt sich bei ihr und schaut nervös auf den Aufnahmebogen.
„Kommen Sie Scott“, ich nehme ihn am Arm „wir setzen uns an den Tisch hier.“
„Ok.“
Wir setzen uns und ich schaue Scott an. Er nimmt einen Stift, der auf dem Tisch liegt und schaut mich verwirrt an. Ich versuche ein Lächeln zustande zu bringen.
„Soll ich Ihnen helfen?“
Vielleicht hat er starke Kopfschmerzen, sodass er sich nicht auf die Fragen konzentrieren kann.
„Scott, ich lese Ihnen die Fragen vor, ok? Wenn Sie wollen, schreibe ich auch für Sie.“
"Können Sie vielleicht schreiben? Ich... mir geht es nicht so gut."
Wenn ich ihn mir so ansehe, bekomm ich Mitleid mit ihm und ein schlechtes Gewissen dazu. Ich frage mich, warum ich ihn früher so schlecht behandelt habe. Schließlich ist Scott - und das weiß ich schon seit der Geburtstagsparty - ein sehr lieber Mensch. Ich nehme ihm den Kugelschreiber aus der Hand und lächele ihn an.
„Ok erste Frage: Wie heißen Sie? Diese Frage kann ich selber beantworten: Scott Guber, zweite Frage: Wann sind Sie geboren?“
"Ähm..."
Wieder wird er rot und beginnt auf seinem Stuhl hin- und herzurutschen. Ich schaue ihn fragend an und für einen kurzen Moment entseht eine drückende Stille. Ich beschließe ihm unter die Arme zu greifen. Wahrscheinlich ist er von dem Sturz sehr mitgenommen und weiß nicht was er tun soll.
„Scott geben Sie mir bitte Ihren Personalausweis. Der müsste in ihrem Geldbeutel sein und der wiederum ist in der Innentasche ihres Jackets.“ Zufälligerweise weiß ich, dass Scott seinen Geldbeutel dort aufbewahrt.
Er kramt in seinem Jacket, holt seinen Geldbeutel raus und sucht darin. "Hier." Er überreicht mir seinen Personalausweis und ich fülle den Aufnahmebogen für ihn aus. Zum Glück stehen alle Informationen, die ich brauche, in seinem Ausweis drin, sodass ich mir weitere peinliche Fragen ersparen muss. Nachdem ich den Bogen ausgefüllt habe, drücke ich Scott wieder den Stift in die Hand. „Scott, Sie müssen hier unterschreiben.“

Mit zitternden Händen nehme ich ihr den Stift ab. Wie war mein Name? Scott Guber. Unbeholfen schreibe ich schnell den Namen an die richtige Stelle und schaue sie dann unsicher an.
Sie zieht die Augenbrauen hoch und lächelt leicht.
„Ok, gut.“
Wir stehen auf und geben der Dame von eben das Blatt zurück, die uns daraufhin in einen Raum bringt, der wohl zur Untersuchung dient. Ich setzte mich auf Anweisung auf eine Liege.
„Der Doktor kommt gleich.“, sagt die Dame und lächelt mir aufmunternd zu. Sie gefällt mir. Sie hat dunkelrotes, gelocktes Haar, das ihr bis zum Kinn geht. Sie ist klein, aber nicht zu klein, und ein wenig moppelig. Ich lächle zurück und schaue ihr hinterher.
Meine Begleitung schaut mich mit gerunzelter Stirn ungläubig an. Ich höre auf zu lächeln und schaue zu Boden.
Wenige Minuten später kommt ein großer, schlanker Mann in den Raum und gibt uns beiden die Hand. Er stellt sich als Dr. Fink vor. Das muss also der Arzt sein.
„So…“, fängt er an und schaut auf ein Klemmbrett, das er in der Hand hält. „…Mr. Guber. Wie geht es Ihnen?“
„Er ist mit dem Hinterkopf gegen das Treppengeländer geknallt, als er die Treppe runtergefallen ist.“, wirft die Frau ein, bevor ich etwas sagen kann.
„Ah, ach ja. Das muss ich mir mal ansehen.“
Er kommt auf mich zu und sieht sich meinen Hinterkopf an. Ich beiße vor Schmerz auf meine Unterlippe und schließe die Augen, als er vorsichtig rumtastet.
„Hm, es ist nichts ernstes, eine Platzwunde. Haben sie gelegentlich Schwindelanfällte, Mr. Guber?“
Ich sage erst mal nichts, als mir einfällt, dass ich gemeint bin. Scott Guber, das muss ich mir merken.
„Äh, bis jetzt nicht, nein.“
Dr. Fink wirft einen Seitenblick auf die Frau. „Und haben Sie starke Kopfschmerzen?“
„Ja.“
„Ok. Sonstige Auffälligkeiten?“
Außer, dass ich mich an nichts erinnern kann und nicht weiß wo ich bin, ist alles bestens…
„Nein.“ Er wendet sich an meine Begleiterin.
„Es wird nur eine leichte Gehirnerschütterung sein. Er braucht jetzt erstmal ein wenig Ruhe und wird morgen wieder arbeiten können. Aber die Platzwunde hier muss genäht werden.“
Der Arzt verlässt das Zimmer und kommt wenige Augenblicke später wieder. Er hat ein Tablet mit Utensilien drauf, die ich nicht erkennen kann, und einer Spritze.
„Das muss erstmal örtlich betäubt werden. Sagen sie bitte Bescheid, wenn sie nichts mehr spüren.“
Als ich ein komisches Kribbeln verspüre und daraufhin der gesamte Hinterkopf taub wird, sage ich bescheid.
Die Prozedur dauert nicht lange. Er klebt noch ein weißes Pflaster drauf und sagt, ich könne nun nach Hause gehen.




hebbedie ...



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...   Erstellt am 30.10.2005 - 19:51Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Er sieht sehr angeschlagen aus. Wahrscheinlich hat er große Schmerzen. Als er versucht aufzustehen, reiche ich ihm meine Hand.
„Kommen Sie, Scott! Nehmen Sie meine Hand.“
Ich bedanke mich bei dem Arzt und verlasse mit Scott an der Hand das Krankenhaus.
„Ok, Sie haben ja gehört was der Arzt gesagt hat: Sie brauchen Ruhe. Ich schlage vor, ich bleibe heute Nacht bei Ihnen.“
Ich öffne ihm die Autotür und er setzt sich rein.
„Scott schnallen Sie sich sicherheitshalber an“, sage ich als auch ich einsteige. Ich merke, dass die Situation angespannt ist und versuche ihn ein bisschen auzuheitern.
„Wir können jetzt noch einen Anschlag auf Ihren Kopf nicht brauchen“, sage ich lächelnd. Er schaut mich nur verdutzt an. Ich sage nichts. Nach einer Weile des Schweigens frage ich „Scott, was denken Sie?“
"Worüber?"
"Ja, das will ich eben von Ihnen wissen, worüber Sie denken."
Ich überlege, ob ich mir weiterhin Sorgen machen müsste, aber der Arzt sagte ja, dass das normal sei.
"Ich denke nichts Spezielles."
„Ich weiß nicht, Sie sind so still, das ist normalerweise nicht Ihre Art.“ Ich versuche zu lächeln, doch wenn ich an die bevorstehende Nacht denke, vergeht mir das Lächeln. Ich muss unwillkürlich an jene Nacht zurückdenken, in der Harry im Sterben lag und ich Scott fragte, ob ich bei ihm schlafen darf. Ob er sich wohl an diese Nacht erinnert?
„Scott, das wird das zweite Mal sein, dass ich bei Ihnen übernachte.“ Ich merke wie er mich schockiert ansieht. Was hat er bloß?
"Ja, stimmt.“ Diese Antwort kam sehr langsam und nachdenklich rüber. Ich schaue ihn an und sehe, dass er rot anläuft und nachdenklich die Stirn runzelt.
„Was ist los?“, will ich wissen.
"Ähm... ich... ich habe mir nur die Nacht in Erinnerung gerufen." Kann mir bitte jemand erklären warum er so zaghaft lächelt und mich prüfend anschaut?
„Scott? Was haben Sie sich in Erinnerung gerufen?“
"Na, unsere Nacht natürlich. Es war wirklich sehr schön. Ich erinnere mich gern daran."
Ungewollt trete ich mit voller Wucht auf die Bremse und lenke das Auto an den Straßenrand. Mit lautem Quietschen kommen wir zum stehen. Ich starre Scott ungläubig an.
„Was war schön? Woran erinnern Sie sich?“
"An den... Sex, den wir hatten."
Ich lasse seine Worte noch mal an mir vorüberziehen. Irgendwie glaube ich nicht so recht, was er gerade gesagt hat. Hat er eben erwähnt, dass wir miteinander geschlafen hätten?? Langsam schüttele ich den Kopf, als könnte ich seine Worte auch abschütteln. Er sieht mich ängstlich an und ich weiß nicht was ich sagen soll.
„Ähm...Scott, Sie scheinen da was verwechselt zu haben...“, sage ich „...wir hatten keinen...Sex, das war nicht ich.“
Irgendwie bin ich schon ein bisschen enttäuscht. Es ist offensichtlich, dass Scott sich an eine heiße Nacht erinnert und seine Partnerin bin nicht ich gewesen. Wahrscheinlich hat er durch den Aufprall was durcheinandergebracht. Er erinnert sich an Sex, aber nicht an die Nacht mit mir, wobei diese auch schön war, obwohl wir keinen Sex hatten.
"Oh, dann war das... jemand anderes... also, eine andere Frau..."
Das ist ja sowas von frech wie er wieder rot wird und aus dem Fenster starrt, als könnte er sich vor der Unterhaltung drücken. Ich versuche meine Wut zu verbergen und atme tief durch
„Kenne ich diese andere Frau?“, frage ich und tue so, als ob die Frage nebensächlich ist. Es überrascht mich, dass Scott mit einer anderen Frau geschlafen hat, obwohl er ja noch offensichtlich was für mich empfunden hat. Eigentlich sollte es mir nichts ausmachen und ich kann mir dieses Stechen im Herz bei der Vorstellung, dass Scott eine andere Frau hatte, nicht erklären.
"Hm, nein, ich denke nicht. Es war nur eine kurze Bekanntschaft."
„Och, also ein One-Night-Stand?“
Ich merke, wie ich rot anlaufe. Diese Frage ist mir rausgerutscht und ich warte auch keine Antwort ab, sondern starte das Auto. Mit voller Kraft trete ich auf das Gaspedal und höre noch wie ein Auto hinter mir hupt, aber das interessiert mich in diesem Moment nicht besonders. Auch nicht die Tatsache, dass Scott sich an der Tür festhält. Soll er ruhig Angst haben. In diesem Moment verspüre ich Genugtuung und bringe sogar ein Lächeln zustande.

Die Frau, deren Namen ich noch immer nicht kenne, fährt plötzlich so schnell. Ich habe richtig Angst und schließe die Augen.
Wieso war sie eigentlich so komisch? Ich wusste nichts von der Nacht und nahm einfach an, dass wir zusammen geschlafen hatten. Als ich erfuhr, dass das nicht stimmt, musste ich mir ja irgendwas ausdenken. Ich wüsste gerne, was denn dann an der Nacht so schön war, wenn wir keinen Sex hatten. Und wieso ist sie eigentlich so wütend geworden? Empfindet diese Frau was für mich?
Ich öffne wieder die Augen und mustere sie. Schön ist sie ja, das muss man zugeben.
Nach einigen Minuten des Schweigens hält sie vor einem Haus, das ich – überraschenderweise – noch nie gesehen habe. Wir steigen aus und ich gehe mit ihr zusammen auf den Hauseingang zu.
Sie bleibt stehen und schaut mich erwartungsvoll an. Ich schaue sie misstrauisch an und warte ab.
"Scott wenn Sie nicht wollen dass ich mit raufgeh brauchen sie es nur zu sagen - oder wartet etwa eine Frau auf sie?", sagt sie, verschränkt die Arme und schaut demonstrativ weg.
Gute Frage, hatte ich eigentlich sowas wie eine Familie?
„Nein, ich denke nicht.“ Ich schaue sie fragend an.
"Was heißt denn jetzt ich denke nicht?"
Ich seufze und verdrehe die Augen.
„Es tut mir leid, ich bin gerade etwas verwirrt.“
Erstaunlich. Ich kenne sie jetzt seit vielleicht vier Stunden und ich will trotzdem nicht, dass sie sauer auf mich ist.
"Ach ist schon gut - mein temperament geht wieder mit mir durch. Also wo sind Ihre Schlüssel?"
Gute Frage. Ich taste sämtliche Möglichkeiten ab und finde ihn schließlich in meiner rechten Hosentasche. Ratlos sehe ich die vielen Schlüssel an. Ich probiere einen aus. Ohne Erfolg. Ich nehme einen anderen – wieder ohne Erfolg. Nach dem fünften erfolglosen Versuch gebe ich genervt auf.
"Geben Sie schon her!", sagt sie und reißt mir die Schlüssel aus der Hand und schließt die Tür auf.
„Entschuldigung…“, murmel ich und lass sie als Erste eintreten. Hauptsächlich, weil ich gar nicht wusste, wo ich hin gehen sollte.
Ich muss sagen, meine Wohnung ist gar nicht so hässlich. Richtig wohnlich. Es ist jedoch sehr peinlich, dass sie mir das Meiste zeigen muss. So weiß ich zum Beispiel nicht, wo ich ein Glas finden kann, um was zu trinken. Sie öffnet ein paar Schränke und reicht mir dann eins.
Hoffentlich hatte sie nicht Verdacht geschöpft. Wobei das langsam richtig offensichtlich wurde….
Ich hab keinen großen Hunger, also gehe ich relativ früh in mein Schlafzimmer und lege mich ins Bett. Kurz darauf schlafe ich auch schon ein. Ich muss mich auf die Seite liegen, da die genähte Wunde noch immer ziemlich weh tut.

„Ich begrüße Sie herzlich um 6:45h an einem beschissenen, verregneten Mittwochmorgen...“
Ich fahre hoch und schaue mich verwirrt nach der Stimme um. Als ich sehe, dass die Stimme aus dem Wecker kommt, den ich vergangene Nacht eingestellt habe, beruhige ich mich. Ich habe die Nacht auf der Couch verbracht und sehe auch dementsprechend aus. Der Blick in den Spiegel zeigt mir die brutale Wahrheit: Meine Haare haben über Nacht ein Eigenleben geführt und zeigen nun in alle Richtungen. Unter meinen Augen machen sich Ränder bemerkbar.
Ich bin gestern noch lange wach gelegen und habe nachgedacht. Als Scott gestern bewusstlos dalag, hat er mir einen gehörigen Schrecken eingejagt und auch sonst kommt mir sein Verhalten suspekt vor. Als hätte ihn der Schlag auf seinen Kopf verändert. Plötzlich will er nichts mehr mit mir zu tun haben - er zieht sich zurück und weicht mir aus. Ob er mich für den Unfall verantwortlich macht?
Ich beschließe diese Gedanken beiseite zu schieben und mich voll und ganz auf Scotts Genesung zu konzentrieren. Nachdem ich mir das Gesicht gewaschen, die Zähne geputzt und mich halbwegs ordentlich zu Recht gerichtet habe, gehe ich in die Küche und setze Kaffee auf. Als ich kurze Zeit später mit der Tasse in der Hand ins Wohnzimmer gehe und nach einer Zeitschrift Ausschau halte, sehe ich wie Scott vollständig angekleidet am Türrahmen zu seinem Zimmer steht und mich fragend ansieht. Ich lächele.
„Guten Morgen Scott! Wie geht es Ihnen heute?“
"Was... was machen Sie hier?", fragt er.
Ich verstehe die Welt nicht mehr. Verdutzt stelle ich die Tasse auf den Tisch, weil ich befürchte, dass sie mir aus der Hand fallen könnte. Meine Hände sind nämlich am Zittern. Irgendwie ist diese Situation ziemlich peinlich und leiser Groll gegen Scott stellt sich in mir auf.
Ich versuche ruhig zu bleiben und mit entspannter Stimme zu antworten.
„Scott wissen Sie nicht mehr? Sie sind gestern auf den Treppen ausgerutscht und ich habe Sie ins Krankenhaus gefahren...“
Wenn er mich nur nicht so anstarren würde. Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen und fahre fort „...der Arzt sagte, Sie brauchen Ruhe, weil Sie eine leichte Gehirnerschütterung hätten und wir beschlossen, dass ich die Nacht hier verbringe, um zur Stelle zu sein, falls was passiert.“
Ich kann mich nicht erinnern jemals so schnell geredet zu haben.
„Möchten Sie auch Kaffee?“, frage ich nun etwas eingeschüchtert.
Ich höre regelrecht wie es in seinem Kopf rattert, als er mich mit gerunzelter Stirn anstarrt.
"Ach ja, jetzt erinnere ich mich wieder...", er fasst sich an den Hinterkopf. Ich gehe zu ihm.
„Haben Sie noch Schmerzen?“ Wahrscheinlich muss ich sehr besorgt aussehen, anders kann ich mir sein Gestarre nicht erklären.
"Ja. Aber nicht mehr so schlimm wie gestern. Was machen wir heute?"
„W...Was wir heute machen?“, ich überlege eine Weile und frage mich, ob er eben Spaß gemacht hat. Das wäre nicht allzu verwunderlich, denn Scotts Auffassung von Humor ist nicht jedermanns Sache. „Wir...gehen zur Arbeit?“, sage ich, während ich auf die Uhr schaue. „Oh, es ist schon spät... Na ja, meinen Kaffee trinke ich dann im Lehrerzimmer. Kommen Sie Scott, wir müssen uns beeilen.“
Er schaut mich erstaunt an und verlässt die Wohnung. Beim rausgehen merke ich, dass Scott seine Schlüssel auf dem Tisch liegen gelassen hat. Ich nehme die Schlüssel mit und mache die Tür hinter mir zu.
„Scott, Sie haben Ihre Schlüssel vergessen“, sage ich lachend.
"Oh, äh, danke."




hebbedie ...



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...   Erstellt am 31.10.2005 - 18:02Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Nach einer kurzen Autofahrt parken wir vor dem Gebäude, aus dem wir gestern gekommen waren, als wir ins Krankenhaus fuhren. Ich nehme die Tasche, die mir die Frau in der Wohnung in die Hand gedrückt hat und folge ihr. Im Auto hatte sie gesagt, wir würden erstmal ins Lehrerzimmer gehen, um einen Kaffee zu trinken. Ich war gespannt.
Dort angelangt, schaue ich mich interessiert um. Erinnern kann ich mich an gar nichts. Wirklich überhaupt nichts.
In einer Sitzecke in der Nähe der Tür sitzen drei Erwachsene. Ein großer blonder, mit kurzem, leicht gelocktem Haar, eine dunkelhäutige Frau, die sehr hübsch ist und eine sehr korpulente Frau, die ebenfalls dunkelhäutig ist.
Ich lächele sie an und sage „Guten Morgen.“
"Morgen"
"Guten Morgen Scott!"
"Was soll bitte so gut sein an diesem Morgen?"
Erstaunt reiße ich die Augen auf, als ich den letzten Kommentar hörte.
„Eh, entschuldigung, ich dachte mir nichts weiter dabei.“, sage ich eingeschüchtert.
"Ja...ja vergessen Sie es, sagen Sie mir lieber ob Sie jemanden für den Mathematikunterricht gefunden haben.", antwortet die korpulente Frau und macht eine wegwerfende Handbewegung.
Ich runzle die Stirn. „Wie bitte? Wen soll ich denn für welchen Matheunterricht finden?“
Meine Begleitung gibt mir eine Tasse Kaffee und setzt sich selber mit einer anderen Tasse zu den drei Leuten auf die Couch.
„Scott, Sie wissen ganz genau, dass ich keine Mathematiklehrerin bin. Ich habe Probleme damit die Schüler zu unterrichten. Ich weiß nicht was ich Ihnen beibringen soll. Mir fällt nichts anderes ein als mit ihnen Songs von Aretha Franklin zu singen in denen Zahlen vorkommen. Ich verlange auf der Stelle, dass ich nicht mehr zum Mathematikunterricht eingeteilt werde sondern, so wie es sein sollte, als Geschichtslehrerin!“
Je mehr sie spricht, um so weniger verstehe ich. Genauso gut hätte sie auf Chinesisch reden können. Und diese Schnelligkeit! Was will sie von mir?
„Nochmal bitte… von wem singen sie Songs?“
"ARETHA FRANKLIN, ich verlange nicht von Ihnen dass Sie diese Frau kennen, das wär unvorstellbar. ABER DARUM GEHT ES NICHT! Ich will nicht mehr Mathematik unterrichten! Haben Sie mich verstanden? Und bewegen Sie Ihren verdammten Arsch in Ihr Büro und suchen einen anderen Idioten der das Fach unterrichtet! Ich kann nicht mehr! Verstehen Sie? ICH KANN NICHT MEHR!"
Oh Gott, sie schreit ja richtig laut. Sie steht auf und kommt auf mich zu. Ängstlich gehe ich mehrere Schritte zurück, bis ich gegen die Kaffeemaschine komme und nicht mehr weiter kann. Sie stellt sich ganz dicht vor mich und starrt mich wütend an. Ich gehe mit meinem Oberkörper so weit ich kann zurück.
„Bitte tun Sie mir nichts.“, sage ich schließlich ängstlich und sehe sie an.
„Ok! Marla beruhige dich, Scott gehts nicht besonders gut er ist gestern auf der Treppe ausgerutscht und hat sich am Hinterkopf verletzt. Er ist etwas verwirrt.“, greift meine Begleiterin ein und stellt sich zwischen uns. Erleichtert atme ich aus und gehe einen weiteren Schritt weiter weg.
„Das ist mir egal! Ich kann nicht mehr Mathematik unterrichten!“, sagt die korpulente Frau und starrt mich wieder an. Dieses Mal jedoch eher erstaunt, als sauer.
„Hast du heute Morgen deine Pillen schon genommen?“ fragt der blonde Mann und grinst gehässig.
„Danny hör auf damit. Marla beruhige dich bitte wieder.“, wirft die dunkelhäutige Frau ein und verdreht die Augen. Anscheinend passiert das hier öfter, dass Leute andere bedrohen?!
"Ich habe herausgefunden, dass mein Penis nicht mehr steif wird. Und wisst ihr warum? Weil ich ein Jude bin.", höre ich plötzlich eine mir völlig unbekannte Stimme sagen. Ich drehe mich um und erblicke einen sehr alten Mann, der leicht gebäugt geht. Ich starre ihn mit offenem Mund ungläubig an. Hatte er das gerade wirklich gesagt?
„Scott, Sie sind doch auch Jude, wird ihr Penis noch steif?“, fragt der komische Mann mich und schaut mich erwartungsvoll an.
„Ähm… ja, ich denke schon.“, antwortete ich zweifelnd. Will er mich etwa auf den Arm nehmen? Scheinbar ist er mit meiner Antwort nicht zufrieden, denn er schüttelt den Kopf und schaut meine Begleiterin an.
"Lauren, sagen Sie es mir. Wird Scotts Penis steif?", fragt er sie.
Ah, Lauren heißt sie. Endlich weiß ich es. Diese starrt ihn entsetzt an, antwortet jedoch nicht.

Dieser Harvey! Ständig kommt er mit den peinlichsten Fragen angerannt, manchmal frage ich mich warum ich mich noch für ihn einsetze. Es ist doch offensichtlich dass der alte Mann senil geworden ist. Ich versuche ihn zu ignorieren und überlege einen Moment was ich als nächstes tun soll. Ich müsste einen Weg finden indem ich Danny, Marilyn, Marla und auch Harvey über Scotts Zustand aufklären kann ohne dass Scott dabei ist.
"Ok...Ok jetzt reichts - Scott bitte gehen Sie in Ihr Büro“, sage ich etwas hektisch. Natürlich entgeht mir sein fragender Blick nicht. Wahrscheinlich hat er keine Ahnung wo sein Büro ist. Was ist nur los mit ihm? Ich versuche es ihm zu erklären „das ist das erste zimmer an dem wir vorhin vorbeigegangen sind.“ Nur widerwillig wendet er sich zur Tür und verlässt den Raum. Ich atme tief auf. Dann besinne ich mich wieder und wende mich den anderen zu. „Bitte entschuldigt aber ich bin total im Stress...“, sage ich verzweifelt. Mariyln steht auf und legt ihren Arm um mich „was ist denn passiert?“, will sie wissen. Auch die anderen Lehrer wollen es wissen. Sie schauen mich erwartungsvoll an. Ich setzt mich auf den nächstbesten freien Stuhl und seufze „Wo soll ich bloß anfangen?“
„Fang einfach an“, sagt Marla in ihrer ungeduldigen Art.
„Also es ist so, gestern waren Scott und ich die letzten im Gebäude, die Treppen...“
„Hattet ihr Sex?“ Havey wieder! Jetzt hat er seine Lauscher aufgestellt und grinst wieder so frech. „Nein Harvey wir hatten keinen Sex, verdammt, und jetzt lasst mich bitte ausreden!“
„Beziehungsstress?“ murmelt Danny. Ich werfe ihm einen vernichtenden Blick zu und sein Lächeln erfriert auf seinem Gesicht.
„Kann ich jetzt weitererzählen?“, frage ich.
„ja“, sagen alle im Chor außer Harvey. Er ist gerade mit seinem Hosenschlitz beschäftigt.
„Also...die Treppen waren noch nass und Scott ist auf einer Treppe ausgerutscht und hat sich den Hinterkopf angeschlagen. Ich habe ihn ins Krankenhaus gefahren...“
„Was habt ihr beiden denn alleine hier gemacht?“, wollte Marilyn wissen.
„Er hat mich zu sich bestellt und wollte dass ich die Schüler ausfrage ob sie bei den Arbeiten schummeln“, sage ich und verdrehe dabei die Augen „und jetzt lasst mich verdammt nochmal ausreden.“ Ich schaue in die Runde und da niemand ansetzt um was zu sagen fahr ich fort „..der Arzt sagte es sei eine vorrübergehende Gehirnerschütterung aber ich glaube irgendwas stimmt hier nicht, weil er sich komisch benimmt...so anders....er kann sich kaum noch an was erinnern.“
„Das habe ich gemerkt“, wirft Marla wütend ein
„Ich weiß nicht mehr was ich tun soll“, sage ich traurig.
„Warum fühlst du dich für ihn verantwortlich?“, will Marilyn wissen
Ich starre in Gedanken versunken auf den Boden „Weil ich Schuldgefühle habe.“
„Das brauchst du nicht...“, sagt Marilyn „...du wusstest ja nicht dass er stürzt.“
Ich blicke weiterhin zu Boden weil ich den Tränen nahe bin, warum weiß ich nicht. Marla steht auf und legt ihre Hand auf meine Schulter „Mädchen ich sag dir eines - Scott gehts gut! Ihm gehts immer gut solange er uns herumschikanieren kann. Das ist alles nur gespielt, glaub mir. Er drückt sich vor Verantwortung, das ist alles. Wirst schon sehen, ich muss jetzt in den verdammten Matheunterricht und ich sage dir eines. Spätestens morgen ünterrichte ich wieder Geschichte und wenn ich mit Harvey tauschen muss!“
„Was ist mit mir?“, sagt Harvey. Ich frage mich ob er mir überhaupt zugehört hat. Marla verdreht wieder ihre Augen „Nichts Harvey und jetzt kommen Sie ich bring Sie in Ihre Klasse bevor Sie wieder die Räume verwechseln.“ Ich muss lachen, denn Harvey verzieht wie üblich sein Gesicht. Aber er steht auf und folgt Marla, wenn auch widerwillig.
„Ich mache mich jetzt auch auf den Weg, ich habe vor meine Klasse mit einem Test zu überraschen...“, sagt Danny und fügt grinsend hinzu „...mann wie ich mich auf die Gesichter der Schüler freue!“
„Mach dir nichts draus“, Marilyn legt ihre Hand beschwichtigend auf meine, steht auf und nimmt ihre Tasche „...ich sollte mich auch mal aufmachen, was hast du jetzt?“
„Geschichte“ auch ich stehe nun auf und verlasse mit Marilyn das Zimmer.
„Wir sehen uns später“, sagt sie noch bevor sie um die Ecke ist.
„Ja bis später“, antworte ich trostlos.

Ich verlasse den Raum und versuche mich an den Weg, den wir eben gegangen sind, zu erinnern. Die Gänge waren jetzt voll von Schülern, die redeten und lachten, Schränke zuknallten und an mir vorbei gelaufen kamen. Wenn ich an ihnen vorbei ging, schauten mich fast alle ehrfürchtig oder böse an. Ich frage mich wieso, was hatte ich denn getan?
Plötzlich prallt jemand von hinten gegen mich. Ich kann mich noch so gerade halten und drehe mich zu ihm um. Es ist ein großer, schmächtiger Junge. Er schaut mich ängstlich an und schluckt schwer.
„Es… es tut mir leid, Mr. Guber.“, stammelt er. Ich mustere ihn misstrauisch.
„Schon ok.“, antworte ich und lächele. Der Junge blickt mich an, als sei ich der Weihnachtsmann. Einige Schüler, die um uns rumstehen und den Jungen schon schadenfroh ausgelacht hatten, starren mich an. Ich wurde nervös.
„Ähm… jetzt geh dahin, wo du gerade hin gehen wolltest.“, sage ich.
Der Junge geht weiter. Ich bleibe noch stehen und denke nach. Hatte ich irgendwas falsch gemacht?
„Mich haben Sie supsendiert, als ich sie aus Versehen gerammt haben.“
Ich schaute auf und sehe einen Jungen mit schwarzen Haaren vor mir. Er sah sportlich aus. Und stark.
„Ähm, tut mir leid.“, sage ich eingeschüchtert.
„Es tut Ihnen leid?“ Der Junge starrt mich ungläubig an.
“Ich hab jetzt zu tun, entschuldigen Sie mich.“ Ich drehte mich um und ging schnell weg. Hoffentlich hatte er nicht gemerkt, was für eine Angst er mir eingejagt hatte. Was ist hier eigentlich los? Korpulente, verrückte Frauen greifen mich an, alte Männer fragen, ob ich nicht impotent bin und die Schüler starren mich ungläubig an, wenn ich den, der mich angerempelt hat, nicht töte.
Ich verschnellere meinen Schritt. Langsam werde ich wütend, weil ich mein Büro einfach nicht finden kann. Und wenn ich da bin – was soll ich dann machen?
Ich biege um eine Ecke und kann von weitem den großen hellen Ausgang sehen. Endlich. Lauren hatte eben gesagt, mein Büro sei daneben. Ich gehe weiter. Als ich angelangt bin, gucke ich in die Tür, die zu meinem Büro führen müsste. Ich trete ein und sehe eine Frau, die an einem PC hinter einer Art Theke sitzt. Sie scheint mich nicht entdeckt zu haben. Ich räuspere mich, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.
“Entschuldigen Sie, ist das hier das Büro von…“ Ich denke kurz nach. „… von Scott Guber?“
Peinlich, dass ich mir noch immer nicht meinen Namen merken kann. Sie blickt mich an.
„Scott, wenn das wieder einer Ihrer Witze sein soll – das ist nicht witzig.“ Sie steht auf und packt sich einen Stapel von Briefen. Sie legt ihn vor mich auf die Theke. Ich sehe sie einen Augenblick an.
„Sind die für mich?“
„Für wen denn sonst?“
„Was ist denn da drin?“, frage ich ungläubig.
„Woher bitte soll ich das wissen?“ Sie schaut mich genervt an.
Ich nehme den Packen und bleibe stehen. Sie wendet sich wieder ihrer Arbeit zu, schaut aber nach wenigen Augenblicken wieder hoch.
„Wollen Sie nicht in ihr Büro gehen?“
„Oh, ja, natürlich.“
Ich gehe den Gang entlang, der sich dem Zimmer anschloss. Es waren zwei Türen zu sehen, hinter denen mein Büro sein konnte. Ich schaute in die eine Tür und sehe einen großen, ebenfalls korpulenten und dunkelhäutigen Mann. Das ist also nicht mein Büro. Ich gehe weiter und blicke in die nächste Tür. Als ich ein Schild mit „Scott Guber“ auf dem Tisch stehen sehe, drücke ich die Türklinke runter. Zu meiner Überraschung ist sie abgeschlossen.
Ich stelle die Tasche auf den Boden, lege die Post daneben und krame in meinen Taschen nach dem Schlüssel. Ich höre wie sich hinter mir eine Tür öffnet und jemand herauskommt.
„Scott? Guten Morgen?“ Es ist der Mann von eben, der in dem anderen Büro saß.
„Guten Morgen?!“, antworte ich stirnrunzelnd. Was will er von mir?
„Hör zu, es tut mir Leid wegen gestern. Du kannst ruhig sagen, wenn du sauer bist, aber ignorier mich nicht.“
Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon er spricht.
„Was war denn gestern?“
„Oh Gott… Gut, du bist sauer und tust jetzt so, als sei nichts passiert. Machen wir es also wie immer?“
Ich höre einen wütenden Unterton raus.




hebbedie ...



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...   Erstellt am 02.11.2005 - 22:14Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


„Ich bin nicht sauer.“, sage ich, um ihn zu beschwichtigen. Mir reicht schon, dass ich von der Lehererin angeriffen wurde und von den Schülern angestarrt wurde. Da brauche ich nicht auch noch von diesem Riesen verprügelt zu werden.
„Wirklich nicht?“
„Wirklich.“
Er bleibt neben mir stehen und atmet aus. Scheinbar ist er erleichtert.
„Was machst du denn da mit den Schlüsseln?“, fragt er schließlich. Seit einigen Minuten hantierte ich mit dem Schlüsselbund rum, an dem tausend verschiedene Schlüssel hingen und kann einfach nicht den richtigen finde.
„Ich finde den richtigen Schlüssel irgendwie nicht.“
“Scott? Es ist der gleiche wie sonst auch, nur so als Tipp.“
„Ach, jetzt weiß ich mehr.“
„Gib schon her.“, sagt er genervt und nimmt mir den Schlüssel weg. Er sucht kurz und schließt dann auf.
„War eine lange Nacht, wie?“, fragt er und grinst. Ich weiß nicht, was das jetzt wieder zu bedeuten hat.
„Ja, vielleicht.“, antworte ich nur und betrete mein Büro. Der Mann bleibt am Türrahmen stehen und schaut mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Na gut, wir sehen uns noch, ich bin in meinem Büro.“
„Ok. Bis dann.“
Erschöpft lasse ich mich in den Stuhl fallen, der hinter einem großen Schreibtisch, der voll von irgendwelchen Papieren ist, steht. Ich war erst ungefähr eine halbe Stunde hier. Wie kann man das den ganzen Tag nur aushalten?

Ich bin in eine Lektüre vertieft die mir Marilyn vorhin in der Pause unter die Nase gehalten hat. „Sie dir das an“, hat sie gesagt „Lies es dir durch und sag mir was du davon hälst.“ Für mich war es eine willkommene Ablenkung. Doch je mehr ich lese um so weniger gefällt es mir. Es geht um ein Mädchen dass Selbstmord begeht. Ich kann mir vorstellen dass Marilyn denkt, die Verfasserin wär das Mädchen in der Geschichte und die Geschichte wäre so eine Art Hilferuf. Deswegen sollte ich es auch lesen. Ich hasse das. Jetzt bin ich dazu verdammt die Geschichte zu Ende zu lesen weil ich Marilyn nicht vor den Kopf stoßen will. Ich kann einfach nicht nein sagen. Unwillkürlich gehen meine Gedanken an den Abend zurück an dem Marla mir unterstellt hat dass ich eine Primadonna bin. Mittlerweile hat sie sich wieder entschuldigt. Ich kann mich einfach nicht auf den Text konzentrieren, hauptsächlich weil ich wieder an Scott denken muss. Ich hoffe er hat in der ganzen Aufregung sein Büro gefunden. Als ich heute Morgen in meine Klasse bin hat mir John erzählt dass er Scott aus Versehen angerempelt hätte, dieser aber sehr locker ja sogar etwas ängstlich reagiert hat. Die Schüler waren sofort verunsichert und vermuten dass eine neue Taktik hinter alledem steckt. Vorhin kam Steven ins Lehrerzimmer und hat mich auf die Seite gezogen. Das erste wonach er mich fragte war Scott. Er hätte sich so komisch benommen sagt er, so merkwürdig. Ich habe ihm alles erzählt. Steven hat das Lehrerzimmer ohne ein Wort zu sagen verlassen. Louisa meinte vorhin dass Scott heute Morgen eine seiner üblichen trockenen Witze gemacht hat. Vielleicht wird er ja langsam.
Da ich mich weiterhin nicht konzentrieren kann gebe ich Marilyn die Geschichte zurück. „Und?“, will sie wissen. Ich überlege eine Weile „Ich denke dasselbe was du denkst“, gebe ich zurück. „Ich wusste es“, sagt sie und verlässt mit der Geschichte in der Hand das Lehrerzimmer. Nachdem ich eine Zeitlang mit der Kaffeetasse in der Hand vor mich sinnend im Lehrerzimmer sitze beschließe ich doch noch Scott aufzusuchen und mich nach seinem Befinden zu erkundigen. Zum Glück habe ich eine Freistunde. Ich verlasse das Lehrerzimmr und mache mich auf den Weg in Scotts Büro. Die Gänge sind leer, alle sind in den Klassen. Nur Louisa sitzt wie immer an ihrem üblichen Platz. „ist er drin?“ will ich wissen. Sie schaut kurz auf und antwortet knapp „Nein.“ Ich bleibe verdutzt stehen und schaue sie fragend an „Wo ist er dann?“
„Keine Ahnung“, sagt Louisa schulterzuckend. „er ist heute nicht besonders gesprächig.“ Trotzdem öffne ich seine Bürotür und spähe hinein, es kann ja sein dass Louisa übersehen hat dass er wieder zurückgekehrt ist. Tatsächlich sein Platz ist leer und auch sonst ist sein Schreibtisch aufgeräumt. Das passt nicht zu Scott, dem arbeitswütigen Menschen den ich kenne. „Ich sagte doch dass er nicht drin ist“ sagt Louisa und ich meine Wut aus ihrer Stimme zu hören. „Ist ja schon gut“ sage ich und gehe hinaus auf den Gang. Da bleibe ich erst mal stehen und schaue mich um. Ich überlege wo er hingegangen sein könnte. Normalerweise verlässt Scott sein Büro nur wenn er auf die Toilette muss oder wenn er einen Schüler tadeln will. Ich horche doch ich höre keine Stimmen, also gehe ich zu den Toiletten und klopfe an die Tür der Herrentoilette. „Scott Sind Sie da drin?“, nichts rührt sich. Ich öffne die Tür und gehe langsam hinein. Kann ja sein dass er ohnmächtig geworden ist. Doch die Toiletten sind leer. Langsam beschleicht mich eine Angst. Ich gehe wieder auf den Gang und bewege mich Richtung Eingangstür. Je länger ich gehe um so schneller werde ich und schließlich laufe ich zur Eingangstür und schaue hinaus auf den Lehrerparkplatz. Scotts Auto steht nach wie vor an der Stelle an der es gestern schon war. Ich versuche mich zu beruhigen und überlege mir wo Scott noch hingegangen sein könnte. Tausende Gedanken jagen mir durch das Hirn. Die Angst schnürt mir die Kehle zu, ich weiß nicht wo Scott ist oder was er gemacht hat in seiner Verwirrnis. Der Keller! Das ist für mich die einzige Erklärung, ich laufe zu der Tür die zum Keller führt, reiße sie auf und bleibe ein paar Schritte weiter wie angewurzelt stehen. Einerseits wird es mir leichter ums Herz weil er direkt vor mir steht und ihm nichts passiert ist, andererseits jagt mir sein Gesichtsausdruck weitere Angst ein. Er starrt ängstlich auf die Treppen als sähe er zu seinen Füssen eine Leiche liegen. Ich folge seinem Blick doch da liegt nichts. Langsam gehe ich auf ihn zu und lege meine Hand auf seine Schulter, er zuckt zusammen. „Scott? Ist alles in Ordnung?“ ich rede leise weil ich befürchte dass eine laute Stimme ihm noch mehr Angst zufügen würde.
Ich sehe wie er schluckt und sich bemüht einen zusammenhängenden Satz zustandezubringen, doch er stottert nur "Ich... ich muss da... runter."
„Aber warum?“ ich verstehe nicht warum er sich krampfhaft darum bemüht die Treppen runterzugehen, oder was so schlimm an den Kellertreppen ist.
Weiterhin ängstlich auf die Treppen starrend, zeigt er mir ein Blatt, das er offensichtlich in seinen Händen hielt, meinem Blick aber verwehrt blieb. Ich nehme ihm das Blatt aus der Hand und versuche es zu entknittern und glattzustreichen um lesen zu können was darin steht. "Ich... ich soll das... das hier... zu Harry bringen..." sagt er. Ich schaue ihn verwundert an „Und was hält Sie davon ab?“
Schlagartig wird mir klar was los ist. Ich atme auf weil es dafür eine logische Erklärung gibt. Ich nehme seine Hand in meine, lege meine Hand unter sein Kinn und zwinge ihn mich anzusehen. „Scott das ist vollkommen verständlich, so würde jeder reagieren der einen Tag davor die Treppen runtergestürzt und sich eine schwere Verletzung zugezogen hat.“ Ich lege eine kleine Pause ein und beobachte die Wirkung meiner Wörter auf seinem Gesicht.
Ich sehen nur wie er seine Stirn runzelt. „Kommen Sie“, ich drücke seine Hand fester in meine „ich begleite Sie da runter ja? Dann müssen Sie das nicht alleine durchstehen. Wir schaffen das schon.“
„Nein...“ sagt er panisch. Ich muss gestehen dass mich das ein bisschen verwirrt doch ich beschließe mich nicht verwirren zu lassen ich zerre ihn leicht in Richtung Treppe und rede beruhigend auf ihn ein „Scott, vertrauen Sie mir, es wird Ihnen nichts passieren. Ich bin bei Ihnen.“ Zuerst hält er meine Hand sehr fest sodass sie ein bisschen schmerzt doch als wir einen Fuss auf die erste Treppe setzen lässt der Druck in meiner Hand los. „Sehen Sie“, sage ich ihm „es ist nichts dabei.“
Langsam, Stufe für Stufe steigen Scott und ich die Treppen runter und ich merke wie sich Scott jede einzelne Stufe die er runtersteigt immer mehr entspannt. Nach kurzer Zeit sind wir auch schon unten angekommen und ich schaue ihn wieder an. Irgendwas in seinem Gesichtsausdruck bringt mich zum lachen. Er schaut so entspannt doch als ich lache schaut er mich fragend an. Ich versuche ihn zu beruhigen „Keine Sorge Scott, wir haben es geschafft sehen Sie es war nicht so schlimm.“ Auch er lächelt jetzt, zum ersten Mal in den zwei Tagen. Es ist schön ihn lächeln zu sehen. Ich stelle erstaunt fest, dass sich zwei Grübchen auf seinen Wangen bilden. Komisch, dass mir das vorher noch nicht aufgefallen ist. Er schaut runter und ich folge seinem Blick. Überrascht stelle ich fest, dass ich seine Hand immer noch in meiner halte und in der anderen Hand liegt das Blatt für Harry. Ich lasse Scotts Hand los, „Ich würde sagen, Sie warten hier auf mich und ich gebe das schnell Harry.“
"Ok, danke."
"Ok, danke." Wieder lächelt er. Flugs mache ich mich auf den Weg in Harry’s Klassenzimmer und bitte ihn zu mir heraus.
„Was gibts?“ will er wissen
„Das hier ist für dich“, sage ich und reiche es ihm. Er liest es sich durch und schaut mich komisch an „Warum gibst du es mir?“
„Ich hatte gerade nichts zu tun.“
„Lauren, willst du wieder zu mir zurück?“ Ich starre ihn an, er grinst „das war nur ein Scherz, mach dir nicht gleich in die Hosen. Sonst noch was?“
„Nein“, sage ich und gehe weg. Scott steht noch an derselben Stelle. „Fertig“, sage ich „wollen wir nochmal gemeinsam hoch?“ Er nickt und wir gehen langsam wieder die Treppen rauf. Mittendrin merke ich wie Scotts Hand die meine hält und so gehen wir Hand in Hand die Treppen hoch. Oben angekommen schaut er mich an und bedankt sich bei mir. „Kein Problem“ sage ich. Er öffnet die Tür und geht hinaus auf den Gang, ich schaue ihm hinterher. Scott geht in sein Büro und ich gehe ins Lehrerzimmer um meine Tasche zu holen. Die Freistunde ist bald rum und ich habe Unterricht.

Ich gehe wieder in mein Büro zurück. Die Situation mit der Treppe hat mich doch ganz schön geschlaucht. Mehr als eben fühle ich mich erschöpft und müde. Ich setze mich wieder auf den Stuhl in meinem Büro und reibe mir die Augen, als es auch schon weiter geht.
„Scott? Erica Miller, sie wurde von Marla her geschickt.“, sagt die Frau, die mir heut Morgen die Post gegeben hatte, als sie ohne anzuklopfen die Tür öffnet. „Kann ich sie reinholen?“
Ich nicke erschöpft. Daraufhin tritt ein Mädchen mit weiten Klamotten und vielen Ketten in den Raum.
„Jo, was geht?“, fragt sie. Was ist das denn bitte schon wieder? Hier wird man wirklich jede einzelne Minute aufs Neue überrascht. Ich atme tief ein.
„Guten Morgen, setzen Sie sich.“
Sie nimmt Platz und schaut mich gelangweilt an.
“Was wollen Sie?“
Mit der Frage wirft sie mich aus der Bahn. Ich muss irgendwas von ihr wollen? Ich dachte, sie kommt, weil sie etwas von mir will oder weil jemand anderes was will.
„Ähm, Marla hat sie doch hergeschickt?“, frage ich vorsichtig nach.
"Sie meinen wohl Miss Hendricks?", fragt sie und verdreht spöttisch die Augen. Woher soll ich das denn wissen? "Hören Sie ich habe keine zeit, ja? Ich weiß nicht was die olle für ein Problem hat. Sie hat mich hierhergeschickt weil ich telefoniert habe, stellen sie sich das mal vor. Tsss." Sie schüttelt den Kopf.
„Wieso telefonieren sie denn im Unterricht?“, frage ich und schaue sie ungläubig an.
"Weil ein Kumpel mich angerufen hat. Den kennen Sie sehr gut übrigens. Er heißt Walt Merrick."
Angestrengt suche ich mein Gedächtnis nach dem Namen ab. Doch er sagt mir nichts.
„Wer?“, frage ich stirnrunzelnd.
"Na Walt! Sie haben ihm schon mal geholfen wissen Sie noch? Der Typ der hier die Akten sortiert hat."
„Ich kenne keinen Walt.“, sage ich mit Nachdruck.
"Ach kommen Sie Mann!", sagt sie und sieht sehr verwirrt aus. Ich tue so, als würde ich nachdenken.
„Ah, Walt! Natürlich… Aber das war auch schon sehr lange her…“, sage ich schließlich.
"Das war vorgestern!", sagt sie und schaut mich komisch an.
„Sind sie sicher?“, frage ich und werde unruhig. Ich nehme einen Kuli in die Hand, der vor mir liegt, und lasse ihn durch die Hände gleiten.
"Ja mann, was haben Sie für ein Problem? Ist es weil er schwarz ist?"
Ich reiße entsetzt die Augen auf und starre sie an. „Ne… nein.“, stammle ich.
"Was ist dann das Problem? Haben wohl was auf den deckel gekriegt, wa?" Sie lacht und guckt mich an.
„Wie bitte?“, frage ich verwirrt. Das Gespräch wird mir mehr und mehr unangenehm.
"Also gut, hören Sie, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit, ok? Ich mache mal n Vorschlag, Sie lassen mich jetzt gehen und ich verspreche unter der Stunde nicht mehr zu telefonieren.", sagt sie und lehnt sich frech grinsend zurück. "Na was sagen Sie?"
„Ok.“, willige ich ein, damit ich sie los bin.
„W… was?“
„Ich sagte ok.“, widerhole ich meine Antwort langsam und schaue sie misstrauisch an.
"Wollen Sie mich auf den arm nehmen?", fragt sie mit weit aufgerissenen Augen. Wieso ist sie denn so entsetzt?
“Ich.. also es reicht mir jetzt. Sie machen einen Vorschlag und ich akzeptiere ihn und jetzt sind Sie ganz überrascht.“
"N..Nein, nein, ist schon gut." Sie steht auf und verlässt rückwärts gehend langsam den Raum. Dabei starrt sie micht weiterhin ungläubig an.
"Der hat n Knall", höre ich sie draußen zu der Frau sagen, die sie reingebracht hatte.
„Wem sagen sie das?“, antwortet diese gelangweilt.
Ich stütze meine Ellbogen auf den Tisch und halte mein Gesicht in den Händen. Wie soll das nur weiter gehen?
Die wenig erfreuliche Antwort bekomme ich wenige Minuten später. Ich schrecke hoch, als jemand wütend meine Bürotür öffnet und sie mit einem lauten Prall gegen die Wand kracht.
Es ist die korpulente, schwarzhäutige Frau, die mich im Lehrerzimmer schon wegen dem Matheunterricht belästigt hat.
"WAS fällt Ihnen ein, Sie ungehobelter Mensch?"
Oh Gott, was hab ich denn jetzt schon wieder gemacht?
„Wieso?“
"Wie können Sie Erica mit so einer lausigen Abmachung wieder in meine Klasse schicken?"
"Wo ist das Problem? Hat sie sich nicht daran gehalten?"
"Wo das Problem liegt. Scott Guber sind Sie sich eigentlich im Klaren darüber dass Sie nicht nur sich zum Affen machen sondern auch noch mich?! Ihnen kann es ja gefallen sich zum Affen zu machen aber mir nicht, also kommen Sie mir nicht in die Quere. HABEN SIE MICH VERSTANDEN!"
Ich schaue sie mit großen Augen an. Ich verstehe die Welt einfach nicht mehr. Wieso mache ich mich denn zum Affen?
„Ich verstehe sie nicht ganz.“
"Sie...Oh! Ich sage ihnen jetzt mal was. Halten Sie sich zurück haben Sie mich verstanden? Was ist, wollen Sie jetzt den Weihnachtsmann spielen oder was? Wollen Sie sich als Engel hinstellen? Da kommen Sie aber reichlich spät, finden Sie nicht auch?"
„Was hätten Sie denn bitte gemacht?“
"Was ICH gemacht hätte? Ich hätte ihr eine saftige Strafe gegeben verdammt nochmal. Das beschissene Klo putzen, keine Ahnung das ist normalerweise ihr Job. Dafür werden Sie bezahlt verdammt."
„Jetzt verstehe ich. Sie wollen mich auf den Arm nehmen.“, sage ich und lache.
"W..Was, Oooohhhh.....ooohhhhhhhhh.“, schreit sie hysterisch und ballt ihre Hände zu Fäusten. „Eigentlich sollte ich IHNEN in den Arsch treten."
„Bitte, beruhigen Sie sich.“
"NEIN das werde ich nicht, sie billige Kopie von einem Zwerg. Wissen Sie wie ich dastand als Erica fröhlich pfeifend wieder in den Unterricht gekommen ist und mich ausgelacht hat?"
„Stellen Sie sich erst mal vor, sie würde Sie jetzt sehen, wie Sie hier so eine Szene machen.“, sage ich und grinse.




hebbedie ...



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...   Erstellt am 03.11.2005 - 23:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


„WAS IST HIER LOS?“ , schockiert von den lauter Stimme in Scotts Büro reiße ich die Tür auf und sehe wie Marla mit geballten Fäusten vor Scotts Schreibtisch steht, dieser aber grinsend zu ihr hochsieht.
„Dieser...Dieser...Fettarsch da hat die Schülerin die ich zu ihm hingeschickt habe wieder zurückgeschickt ohne ihr die Leviten zu lesen. GAR NICHTS HAT ER GEMACHT DIESER ERBÄRMLICH GRINSENDE...“
„Ist schon gut Marla“, unterbreche ich sie bevor es noch schlimmer kommt. Überrascht schaue ich zu Scott, das war definitiv nicht seine Art. Ich schaue ihn fragend an „Scott?“
"Ja?", er spielt den scheinheiligen der sich nichts zuschulden hat kommen lassen. "Was haben Sie getan?"
"ICH SAGTE DOCH DASS..." setzt Marla wütend an.“Ich habe Scott gefragt", unterbreche ich sie und wende mich wieder Scott zu.
„Das Mädchen hat in ihrem Unterricht mit dem Handy telefoniert und sie machte den Vorschlag, sie würde versprechen, das Telefonieren für den Rest des Unterrichts zu unterlassen und ich willigte ein. Ich weiß nicht, was dagegen spricht.“
„Aber Scott...“, setze ich an. „...das ist doch nicht Ihre Art.“
„DAS IST EIN...“, noch bevor Marla weiterreden kann hebe ich meine Hand und sie verstummt augenblicklich. Ich drehe mich wieder zu Scott „Das können Sie nicht machen Scott, Sie können nicht vor einem Schüler die Autorität der Lehrer untergraben, das haben Sie noch nie gemacht.“ Ich schaue ihn erwartungsvoll an. „Wissen Sie jetzt was dagegen spricht?“
"Ja, das leuchtet ein…" ist alles was er sagt.
„DER MACHT SICH DARÜBER LUSTIG!“, Marla wird wieder wütend.
„Nein Marla das tut er nicht“, sage ich indem ich Scott weiterhin anschaue.
„OH Verstehe, Miss Perfect will ihren Scotty in Schutz nehmen...“
„Marla....“
„....weil das arme mädchen Schuldgefühle hat weil der Scotty seinen VERDAMMTEN SCHÄDEL angehauen hat...“
„Marla...“ sage ich nun schon zum zweiten Mal doch sie hört mir nicht zu.
„...weil der arme Scotty...“
„MARLA!“ Diesmal bin ich diejenige die wütend ist „Du kannst es nicht mehr ändern, geh jetzt in deinen Unterricht.“ Marla schaut mich verwundert an, dann dreht sie sich um und geht in Richtung Tür, bevor sie den Raum verlässt dreht sie sich nochmal zu Scott, zeigt mit dem Finger auf ihn und sagt „Wir beide sprechen uns noch.“ Dann geht sie.
Scott schaut ihr mit hochgezogenen Augenbrauen hinterher "Die ist vielleicht leicht aus der Ruhe zu bringen..."
Ich überlege eine Weile und schüttele ungläubig den Kopf „Scott das ist Marla! Sie ist schon so temperamentvoll seit sie hier ist. Sie müssten das am besten wissen, mit Ihnen hat sie sich am häufigsten angelegt. Sie hätten wissen müssen wie Marla darauf reagiert dass sie die Schülerin einfach wieder zurückschicken.“
„Ich habe nicht darüber nachgedacht.“
„Ich habe nicht darüber nachgedacht“ ist seine einzige Ausrede. „Seit wann machen Sie das überhaupt?“ je mehr ich darüber nachdenke umso verwirrter bin ich.
„Sie meinen, seit wann ich nachdenke?“
„Nein, seit wann Sie Schüler unbehehligt zurückschicken. Hören Sie Scott, das ist nicht Ihre Art, je länger ich Sie beobachte umso sicherer bin ich dass da was nicht stimmt. Früher hätten Sie alles in Ihrer Macht stehende getan um dem Schüler zu zeigen wer am längeren Ast sitzt. Das was Sie in den letzten zwei Tagen gemacht haben passt nicht zu Ihnen.“
„So ein Quatsch.“
„So ein Quatsch“, sagt er und winkt ab.
„Nein das ist bestimmt kein Quatsch.“
Plötzlich fällt mir etwas ein. Genau! Das muss es sein! Er hat noch Schmerzen will es aber nicht sagen. Ich beschließe dem auf die Schliche zu kommen. „Scott? Wo ist Steven?“

Die ganze Zeit gab ich vor, irgendein Blatt auf meinem Schreibtisch zu suchen. Doch als ich ihre Frage höre halte ich inne.
Wer zum Teufel ist denn Steven? Und selbst wenn ich es wüsste – woher soll ich dann wissen, wo er ist?
„Weiß ich doch nicht.“, sage ich schließlich.
„Ich meine, eben habe ich ihn im Gang hier direkt vor der Tür putzen sehen. Hat er Ihnen vielleicht gesagt, wo er jetzt ist? Auf der Mädchentoilette leckt nämlich ein Hahn und ich wollte ihm Bescheid sagen.“, sagt sie und schaut mich abwartend an. Ich verstehe. Steven ist also ein Putzmann oder sowas in der Art.
„Ach ja, ich erinnere mich. Ich sah ihn eben die Kellertreppe runter gehen. Vielleicht sehen Sie da mal nach.“, erfinde ich mir und lächele. Doch statt zufrieden zu sein, guckt sie mich entsetzt an.
„Scott?“ In ihrer Stimme höre ich Besorgung mitschwingen.
„Ja?“, frage ich unsicher.
„Es gibt keinen putzenden Mann namens Steven hier. Steven ist der Rektor der Schule. Steven Harper.“
Ich reiße die Augen auf und merke, wie ich rot anlaufe. Sie hat mich ausgetrickst.
„Äh, ja…“, stammele ich und lache nervös. „Ich wollte nur… ich wollte Sie auf den Arm nehmen.“
Wieder lache ich, obwohl mir eigentlich nicht danach zu Mute ist. Hoffentlich glaubt sie mir.
„Scott, haben Sie noch Schmerzen? Das können Sie ruhig zugeben, das ist doch nicht schlimm. Ich fahre Sie wieder ins Krankenhaus, wenn Sie wollen.“
Perplex schaue ich sie an. Damit hab ich jetzt gar nicht gerechnet. Ich habe erwartet, dass sie herausfindet, dass ich nichts mehr weiß.
“Nein, danke, das geht schon.“
„Sicher?“, fragt sie besorgt.
„Ja, wirklich.“
Sie mustert mich eindringlich, während ich wieder so tue, als suche ich etwas.
„Ok, dann will ich Sie nicht weiter stören…“, sagt sie schließlich.
„Auf Wiedersehen.“, sage ich und lächele ihr zu. Sie verlässt mein Büro. Draußen höre ich, wie sie jemanden begrüßt. Es klopft an der Tür und die Frau mit der Post kommt rein.
„Scott? Ihre Mutter, auf Leitung zwei.“
„Bitte was?“
„Ihre - Mutter – auf – Leitung – zwei.“, widerholt sie langsam, als sei ich ein kleines Kind. „Am Telefon!“, fügt sie hinzu, als ich sie weiter ratlos ansehe.
Ich sehe das Telefon an und sehe ein rotes Lämpchen neben einer kleinen „1“ blinken.
„Und was muss ich jetzt machen?“
„So wie immer: Sie nehmen den Hörer ab und drücken auf die Taste neben dem roten Lämpchen.“
„Ok, danke.“
„Hörer nehmen – Taste drücken – reden. Das ist gar nicht so schwer.“, sagt sie mit einer überzogen freundlichen Stimme.
„Ok, ich habe verstanden. Hörer nehmen – Taste drücken – reden.“
„Genau, gut gemacht.“
Ich lächele zufrieden. „Herr Gott, Scott, ich hätte nicht gedacht, dass Sie noch schräger werden könnten.“, sagt sie noch und verlässt den Raum.
Ich wende mich dem Telefon zu. Hörer nehmen – Taste drücken – reden.
„Ja?“
„Scotty? Ich bin’s.“ Wer war noch gleich ‚ich’? Ach ja, meine Mutter.
„Hallo.“
„Wie geht es dir, Liebes? Ich habe von dem Unfall gehört.“
„Ja, es geht schon, danke. Und wie geht es dir?“
„Mir geht es hervorragend. Weißt du? Tante Lisa hat mich zu einem kleinen Wochenendtrip eingeladen. Ich bin ja so aufgeregt. Weißt du, wo es hingehen soll?“
„Nein.“
„Nach Las Vegas, stell dir das mal vor.“
„Das ist ja schön, ich freue mich für dich.“
„Danke, Scotty. Ich fange schon an den Koffer zu packen, ich kann es kaum erwarten.“
„Reicht denn ein Koffer für euch beide?“
“Scotty, Lisa wird ihren eigenen Koffer mitnehmen.“
„Nein, ich meine für dich und Vater. Wie geht es ihm eigentlich?“
„Mutter?“, frage ich nachdem sie nichts mehr sagt.
„Ja, ich bin noch dran. Ich kann nur nicht fassen, was du gerade gesagt hast. Findest du das etwa witzig?“
Was hab ich denn schlimmes gesagt?
„Ich weiß nicht, was du meinst.“
„Du weißt sehr wohl was ich meine. Du weißt genau, dass Vater seit fünf Jahren tot ist! Ich weiß nicht, was das soll!!“
Ich schlage entsetzt die Hand vor den Mund. Oh Gott, was hatte ich nur gesagt?
„Es, es tut mir Leid, ich meinte das nicht so.“
„Ja, genauso wie du es nicht so meintest, als du Geoffrey sagtest, er sei ein Weichei, weil er wegen Mila weinte.“
Wer ist Geoffrey und wer oder was ist bitte Mila?
„Und jetzt komm nicht wieder mit deiner Ausrede ‚es ist nur ein Hund’. Du bist gefühlslos, weißt du das?“
Ich seufze.
„Und jetzt fragst du mich nach deinem Vater, als wäre es dir egal, dass ich dann wieder unglücklich bin. Ich glaube es nicht.“
„Das wollte ich nicht!“
„Ja, du willst das nie, aber tust es doch immer wieder!“
„Bitte…“
“Jetzt komm mir nicht wieder so. Ich muss jetzt auflegen. Wir sehen uns.“
„Es tut mir Leid, ehrlich.“
„Ja, ja, schon gut. Auf Wiedersehen.“
„Auf Wiedersehen.“
Ich lege den Hörer wieder auf den Apparat und fühle mich schrecklich. Wie kann ich denn ahnen, dass mein Vater schon seit fünf Jahren tot ist? Auch wenn ich die Frau, die meine Mutter sein soll, gar nicht kenne – ich habe ein schlechtes Gewissen.




hebbedie ...



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...   Erstellt am 05.11.2005 - 10:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich weiß nicht mehr was ich von dem ganzen halten soll, einerseits tut es mir leid, dass ich Scott nicht helfen kann andererseits lässt er es auch nicht zu dass man ihm hilft. Die Sache mit Steven...meine Güte er dachte Steven wär der Putzmann und dann hat er mich auch noch angelogen. Wir haben keinen Putzmann, wir haben eine Putzfrau und Scott weiß es nicht. Was ist nur aus Scott geworden?
Der Mann der immer berechenbar war, dessen Handlungen man immer im Vorhinein wusste. Der Mann der gern die Kontrolle über alles behielt. Er ist jetzt das genaue Gegenteil. Irgendwie jagt mir dieser Gedanke Angst ein aber die Tatsache dass er unberechenbar ist, lässt ihn in einem anderen Licht dastehen. Als ich vorhin Scotts Büro verlassen habe ist mir Marilyn über den Weg gelaufen.
„Hallo Lauren, wo warst du ich habe dich gesucht“
„M...Mich gesucht? Warum?“
„Du weißt doch noch die Geschichte die ich dir heute morgen zum Lesen gab?“
„Ja“
„Ich bringe sie zu Steven.“
Bei der Erwähnung von Steven prustete ich los. Ich habe Steven plötzlich als Putzmann vor mir gesehen, mit blauem Overall. Der Gedanke ist witzig.
„Was ist los?“ fragt mich Marilyn stirnrunzelnd.
„Ach nichts“, erwidere ich „mir ist grad eingefallen dass ich dringend mit Harvey reden muss, weißt du wo er ist?“ Ich hoffe Marilyn merkt nicht dass ich ihr ausweiche.
„Ja der sitzt im Lehrerzimmer, hat gerade eine Freistunde, was ist mir dir? Hast du keinen Unterricht?“
Ich drehe mich um und schaue auf die Uhr die über Louisas Tisch an der Wand hängt.
„Also eigentlich habe ich Feierabend. Ich denke ich mach mich dann auch bald auf den Weg nach Hause.“
„Ok dann sieht man sich morgen“, sagt Marilyn und eilt in Stevens Büro.
Eigentlich habe ich keine Lust nach Hause zu gehen. Da erwartet mich wieder die trostlose Ödigkeit. Seit über einem Jahr habe ich keinen Partner mehr gehabt. Der letzte war Daniel. Mich schaudert bei dem Gedanken an Daniel und ich eile sofort weiter ins Lehrerzimmer.
Kein Mensch ist im Lehrerzimmer. Nur Harvey. Er fummelt immer noch an seinem Reisverschluss an seiner Hose rum.
„Hallo Harvey“, sage ich.
„Oh Lauren...“, er schaut mich nicht mal an „können Sie mir mal bitte helfen“
„Wobei denn Harvey?“
Jetzt schaut er mich an und er hat wieder diesen irren Blick den er immer aufsetzt wenn er was verrücktes sagen will.
Insgeheim gehe ich schon in Deckung und wappne mich gegen das was Harvey gleich sagen wird. Ich setze mich ihm gegenüber. „Wobei soll ich Ihnen helfen Harvey?“
„Ich habe mir überlegt, wenn ich meinen Penis raushol und den Reisverschluss hochzieh vielleicht wird er dann steif.“
Oh...damit hatte ich nicht gerechnet. Ich verschlucke mich an meinem Kaffee und muss husten. Meine Augen tränen schon und ich wünsche mir, mich niemals zu Harvey hingesetzt zu haben. „Ah...Harvey das versteh ich nicht, warum soll er steif werden wenn Sie den Reisverschluss hochziehen?“
Er schaut mich mitleidig an. Warum schaut er mich mitleidig an? Eigentlich sollte ich diejenige sein, die ihn mitleidig anschaut aber nein ER schaut mich mitleidig an. Das versteh ich nicht.
„Oh Lauren“, sagt er kopfschüttelnd. Warum schüttelt er den Kopf? Ich bin total verwirrt. „Was ist?“, frage ich.
„Oh Lauren...ich habe ganz vergessen, dass Sie schon sehr lange keinen Sex gehabt haben. Es ist nicht ihre Schuld wenn Sie nicht mehr wissen wie das geht.“
„Moment“, sage ich und hebe die Hand. Einen Augenblick lang bleiben mir die Worte im Hals stecken. „Harvey? W...Woher wollen Sie wissen wann ich das letzte Mal Sex gehabt habe oder nicht?“ Jetzt bin ich noch verwirrter.
„Kommen Sie Lauren“, er legt mir eine Hand auf meine Schulter „die ganze Schule weiß es, jeder weiß es, das ist doch immer gesprächsthema wenn Sie nicht da sind.“
„M...Mein Sexleben ist Gesprächsthema?“ frage ich verwirrt
„Sie müssen Sich nicht schämen, seit meine Helen tot ist, habe ich auch keinen Sex mehr...“ sagt er und streckt seine Brust vor „...aber trotzdem weiß ich noch wie es geht!“
Ich muss nachher unbedingt nochmal mit Marilyn sprechen. Ich bin mir nicht sicher ob ich Harvey glauben soll, aus Erfahrung weiß ich nämlich dass er manches gerne erfindet. „Ok Harvey und jetzt erklären Sie mir mal warum der Penis Ihrer Meinung nach steif wird wenn sie ihren Reisverschluss öffnen, ihn rausholen und dann den Reisverschluss schließen.“ Sage ich und versuche wieder zum Thema zurückzukommen.
Ich merke wie seine Brust vor Stolz anschwillt und verdrehe meine Augen. „Lauren, passen Sie auf...“ ich bin schon ganz gespannt „...also, erinnern Sie sich zurück, was passiert wenn Blut in den schlaffen Penis gerinnt? Er schwillt an und dann kann man Sex haben.“ Sagt er ganz Stolz.
„Harvey?“
„Ja?“
„Warum wollen Sie dass Ihr Penis anschwillt?“ „Na weil ich Sex haben will!“
„Und mit wem wollen Sie Sex haben?“ Jetzt habe ich ihn und ich jubiliere innerlich. Sein Gesicht nimmt einen überraschten Ausdruck an. „Oh...“, sagt er „...das weiß ich noch nicht.“
„Harvey...“ ich werde jetzt versuchen dieser Sache ein Ende zu setzen weil mir die Lust auf jegliche Unterhaltung vergangen ist und ich nur noch nach Hause will „...ich mache Ihnen einen Vorschlag.“:
„Welchen denn?“
„Sie finden jetzt heraus mit wem Sie Sex haben wollen und wenn es soweit ist dann versuchen wir Ihren Penis steif zu kriegen indem wir ihn im Reissverschluss einklemmen. Ok?“, sage ich und fange gleichzeitig an zu lachen. Ich kann es nicht zurückhalten, das Lachen. Die Vorstellung wie Harvey mit eingelemmten Penis dasitzt ist zu witzig. Harvey hingegen missfällt es dass ich lache und er schaut mich verächtlich an.
„Sie glauben gar nicht dass ich Sex haben werde nicht wahr?“ sagt er
„Oh doch“ bringe ich glucksend hervor.
„Nein, Nein, Sie glauben es nicht und ich weiß auch warum...“
Oh nein, nicht schon wieder! „Nein Harvey...es ist wirklich...“, doch mehr kann ich nicht sagen weil ich wieder lachen muss.
„...weil ich ein Jude bin“, schließt Harvey seinen Satz ab. Ich versuche ihn noch zu beruhigen doch er steht auf und verlässt das Lehrerzimmer. Nachdem Harvey das Zimmer verlässt, bekomme ich nochmal einen Lachkrampf. Irgendwie hat mich die Unterhaltung mit ihm total entspannt.

Nach dem Telefonat hatte ich beschlossen, mal ein wenig durch die Flure der Schule zu gehen und mich umzusehen, damit ich nicht völlig hilflos bin. Mittlerweile gehe ich schon seit über zehn Minuten durch alle möglichen Gänge. Im Moment bin ich im ersten Stock. Ich versuche mir so viel wie möglich zu merken, doch das ist gar nicht so einfach – wirklich alles sieht hier fast gleich aus. Wie kann man sich hier nur je zu Recht finden?
Als ich gerade um eine Ecke biege und in einen grauen, völlig identischen Flur zu den anderen, komme, klingelt plötzlich ganz laut irgendeine Glocke. Ich halte mir die Ohren zu und versuche auszumachen, woher der Lärm kommt.
Nur wenige Sekunden danach öffnen sich die Türen zu den Klassenräumen und die Schüler und Lehrer strömen heraus auf den Gang. Einige schauen mich stirnrunzelnd an oder zeigen auf mich. Ich merke, dass es wohl ziemlich blöd aussehen muss, und nehme die Hände wieder runter.
Fast im selben Moment wird mir aufeinmal ganz anders. Es fühlt sich so an, als würde plötzlich der gesamte Gang hin und her schaukeln. Langsam verschwimmt alles vor meinen Augen und ich kann nur noch vermischte Farben wahrnehmen. Schnell versuche ich, mich an irgendetwas festzuhalten, da ich das Gefühl habe, ich würde umkippen. Ich spüre nur noch, wie ich nach etwas glattem, kalten greife, jedoch keinen Halt finde. Dann wird alles schwarz vor Augen.
„Mr. Guber?“, höre ich jemanden mit ängstlicher Stimme sagen. „Holt doch jemand Hilfe!!!“
Langsam öffne ich die Augen. Als die Konturen wieder scharf werden, sehe ich, dass sich etwa fünf Leute über mich beugen und mich besorgt ansehen. Ich merke, dass ich wieder unheimlich starke Kopfschmerzen habe. Ich versuche vorsichtig aufzustehen. Die Leute, die wohl Schüler sind, treten zur Seite und beäugen mich weiterhin kritisch.
“Geht es Ihnen gut? Sollen wir die Krankenschwester holen?“, fragt jemand.
„Nein, danke, es geht schon.“ Ich klopfe meine Klamotten ab und höre, dass sich Schritte nähern. Im nächsten Moment kommt Lauren mit einer Schülerin um die Ecke. Oh nein, jetzt wird sie wieder denken, ich müsse zum Arzt.
„Scott, geht es Ihnen gut?“, fragt sie besorgt.
“Ja, danke.“
Die Schüler schauen mich noch einmal kurz an und gehen dann weiter und verschwinden im nächsten Gang.
“Was ist denn genau passiert?“, fragt Lauren mich.
„Ich weiß auch nicht. Plötzlich drehte sich alles und ich konnte nichts mehr erkennen… Dann wurde es für kurze Zeit völlig schwarz…“
„Ach so, ein Schwindelanfall. Das wird wohl wegen dem Unfall gestern gewesen sein.“
„Ah ja.“
„Und Ihnen geht es wirklich gut?“
“Also, wenn ich ehrlich bin… Ich habe starke Kopfschmerzen. Ich weiß auch nicht wieso, die sind seit eben erst da.“
„Kommen Sie mit, ich gebe Ihnen ein Aspirin.“
„Ist das eine Spritze?“, frage ich entsetzt.
„Nein, nein. Das ist eine Kopfschmerztablette, das wissen Sie doch.“
„Ach so, ja, stimmt. Ich hatte sie falsch verstanden, entschuldigung.“
Sie sieht mich ungläubig an und geht dann los. Ich folge ihr schweigend bis zum Lehrezimmer, in dem sie mir ein Glas Wasser in die Hand drückt und eine weiße, runde Tablette dazu.
"Scott? wollen Sie die Tablette nicht nehmen?"
Ich blicke auf und runzle die Stirn. Ich bin mit meinen Gedanken gerade ganz woanders. Ohne zu antworten nehme ich die Tablette in den Mund und spüle sie mit einem großen Schluck Wasser hinunter. Ich stelle das Glas ab und denke weiter nach.
Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber ich bin die gesamte Situation langsam so satt. Ständig muss ich mich ausreden. Und es ist so peinlich, wenn mich Leute auf Sachen ansprechen, an die ich mich nicht im Geringsten mehr erinnere. Anfangs munterte ich mich noch damit auf, dass sich das mit der Zeit legen würde und alles wieder käme. Doch der Unfall ist jetzt schon fast eine Woche her und ich weiß noch immer nichts von früher. Und wie soll ich denn richtig arbeiten, wenn ich gar nicht weiß, was genau ich machen soll?
"Scott? Was beschäftigt Sie?"
Ich sehe sie an und zögere kurz. Was spricht eigentlich dagegen, wenn ich es ihr erzähle? Es würde alles nur besser machen – schlimmer kann es ja nicht mehr werden. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich ihr vertrauen kann. Also entschließe ich mich dazu, alles zu erzählen.
„Lauren? Kann ich Ihnen etwas anvertrauen?“




hebbedie ...



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...   Erstellt am 05.11.2005 - 13:15Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


„Aber sicher!“ Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Endlich habe ich ihn soweit dass er sagt was ihn bedrückt. Als Scott zu erzählen beginnt schüttele ich ungläubig meinen kopf. Ich kann das, was er erzählt nur schwer glauben. Doch bei näherem Überlegen fällt mir ein dass ich es hätte wissen müssen, ich hätte es merken müssen. Die Zeichen waren zu deutlich. Und ich gestehe mir ein, dass mich schon seit langem diese Ahnung beschlichen hat. Ich habe es aber immer abgetan weil davon ausgegangen bin dass Scott was sagen würde wenn er wirklich sein Gedächtnis verloren hätte. Doch er hat nichts gesagt. Er hat darauf gebaut dass wir das merken. Er gibt es nicht zu, dass sein Schweigen ein stummer Hilfeschrei war. Oh Gott wie dumm bin ich dass ich das nicht gemerkt habe? Mein Schuldgefühl meldet sich zu Wort und es wird bei jedem Satz den Scott sagt immer größer. Wie furchtbar! Ich merke dass ich wieder den Tränen nahe bin. Er weiß gar nichts mehr über sein früheres Leben und er hat es die ganze Woche über so geschickt verborgen. Niemand hat was gemerkt. Tränen laufen mir langsam über das Gesicht. Ich setze an um was zu sagen doch es kommen keine Laute raus. Mir scheint als würden meine Gewissensbisse mich erwürgen. Und Scott erzählt weiter. Als er von dem Telefonat mit seiner Mutter und von dem Missgeschick mit seinem Vater berichtet, wird mir bewusst dass er sich auch nicht mehr an seinen Vater erinnert und mir enfährt ein lauter Schluchzer. Wie traurig muss er sein? Scott schaut mich erschrocken an.
"Was ist denn los?"
„Nichts... es ist nur...oh gott Scott warum haben Sie das nicht gleich gesagt?“ Ich versuche mich zu beherrschen und nicht mehr zu weinen. Ich möchte nicht dass Scott sich eingeschüchtert fühlt. „Scott, erinnern Sie sich an gar nichts mehr?“
„Es war mir so peinlich, erst Recht, als wir im Krankenhaus waren, das wäre zu spät gewesen. Ich kann mich nur an die vergangene Woche erinnern, an mehr nicht…“
Oh Gott wie furchtbar. Am liebsten würde ich ihn in meine Arme nehmen und ihn trösten. Ich sehe ihm an dass es ihm zu schaffen macht. „Und Sie haben Sich die ganze Woche damit rumgeplagt? Wäre es nicht einfacher gewesen, wenn....ach vergessen Sie es.“ Mich ärgert es dass der Arzt nichts gemerkt hat. Sowas muss man doch wissen, vor allem wenn man Arzt ist. „Scott wie fühlen Sie sich jetzt?“
"Gut... Ich habe ein paar Fragen."
„Fragen Sie nur“, sage ich und freue mich dass es ihm besser geht.
"Die Woche über habe ich gemerkt... dass die Schüler sehr zurückhaltend mir gegenüber sind... und die Lehrer auch. Und... es hat sich außer meiner Mutter niemand bei mir gemeldet... War ich denn so schlimm damals?"
Ich halte die Luft an, mit dieser Frage hätte ich rechnen müssen. Ich stecke in einem Dilemma. Einerseits ist es sein gutes Recht zu wissen wie er früher war andererseits will ich ihm nicht noch einen Schock verpassen. Soll ich ihm die ganze Wahrheit sagen oder soll ich es milder ausdrücken und ihm die Wahrheit später sagen, irgendwann, wenn er sich gefangen hat?
Doch Scott nimmt mir die Entscheidung ab in dem er enttäuscht sagt "Sagen Sie nichts, ich will es gar nicht wissen..." und ich atme erleichtert aus. Ich weiß dass er mir die Frage später nochmal stellen wird aber bis dahin habe ich genug Zeit um mich darauf vorzubereiten und er wird sich insoweit gefangen haben um die Wahrheit zu ertragen.
„Und ich habe also gar keine Familie?“
„Ähm nein, Scott Sie waren noch nie verheiratet“, sage ich und sehe dass er wieder traurig schaut deswegen füge ich noch hinzu „sie haben aber einen Bruder, George heißt er.“ Die Tatsache dass George schon verheiratet ist und zwei Kinder hat verschweige ich ihm lieber. Er muss nicht gleich alles auf einmal wissen.
Und ich bin froh dass ich es ihm verschwiegen habe denn Scott macht einen sehr deprimierten Eindruck, mir scheint er nimmt mich gar nicht mehr wahr und das versetzt mir einen schmerzhaften Stich ins herz. Apathisch steht er auf und verlässt das Lehrerzimmer. Ich beschließe, ihm nicht nachzugehen. Er möchte jetzt bestimmt alleine sein um das eben gehörte zu verdauen.
Jetzt bin ich alleine mit meinen Gedanken, ich nehme meine Tasche und setze mich in ein leeres Klassenzimmer um noch einige Arbeiten zu korrigieren. Im Lehrerzimmer erscheint es mir grotesk und nach Hause möchte ich nicht.

Mit schnellen Schritten gehe ich zurück in mein Büro. Ich hatte mich geirrt – es konnte wohl noch schlimmer werden. Gerade habe ich erfahren, dass ich ein jämmerliches Leben habe. Ich habe keine Frau, keine Kinder und scheinbar auch keine Freunde. Und wie es aussieht, kann mich hier auch keiner leiden.
Ich lasse mich in meinen Stuhl fallen und schlage die Hände vor mein Gesicht. Richtig geändert hat das Gespräch jetzt auch nichts. Ich weiß immer noch nicht, wie ich jetzt weiter leben soll. Vielleicht muss ich sogar kündigen, was mache ich hier überhaupt noch?
Ich stehe auf und gehe zu der Frau, die mir immer die Anrufe durchstellt und sage ihr, dass ich heute keine Anrufe mehr annehmen will. Sie schaut mich zwar irritiert an, widerspricht jedoch nicht.
Danach setze ich mich wieder in mein Büro und starre aus dem Fenster. Ein Gefühl der Leere breitet sich aus. Am liebsten würde ich jetzt laut schreien, aber auch das bringt nichts. Es war ausweglos…
Ein paar Stunden später stehe ich auf. Steven und die Frau hatten sich mittlerweile schon von mir verabschiedet und draußen war es dunkel.
Ich gehe aus dem Büro raus und trete in den fast dunklen Gang. Es ist alles so ruhig… Meine Schritte schallen laut wider, als ich durch die Flure gehe. Als ich um eine Ecke biege, sehe ich einen gelben Lichtschein auf dem Gang, der aus einer Klassenzimmertür zu kommen scheint.
Ich gehe weiter, um vorsichtig zu gucken, wer so spät noch in der Schule ist. An der Tür angekommen sehe ich, dass es Lauren ist. Sie sitzt an einem Schreibtisch und liest irgendwelche Blätter. Ich beobachte sie noch eine Weile. Ich will sie nicht stören – sie sieht so schön aus, wenn sie so beschäftigt ist. Plötzlich sieht sie hoch. Sie scheint mich entdeckt zu haben, denn nun lächelt sie mich an. Ich öffne die Tür und lehne mich in den Türrahmen.
"Na auch noch hier?", fragt sie.
“Ja, ich habe die Zeit ganz vergessen…“
"Ach das ist normal hier. Gehen Sie jetzt nach Hause?"
„Ich weiß nicht, was ich da oder hier noch soll, von daher ist es unwichtig, wo ich bin.“, antworte ich und lache bitter. Sie steht auf und kommt auf mich zu.
"Scott, Sie wissen ganz genau, dass solche Gedanken Sie nicht weiterbringen. Und Ihre Erinnerung bekommen Sie so auch nicht wieder zurück."
„Hm…“, sage ich resignierend und schaue zu Boden.

Lange Zeit herrscht Stille zwischen uns. Scott ist in seinen eigenen Gedanken. Ich betrachte ihn genauer und spüre dass mein Herz schneller pocht. ch habe in dieser Woche einen ganz anderen Scott kennengelernt und ich muss ehrlich sagen, dass mir der neue Scott viel besser gefällt. Eigentlich hatte ich auch nie was gegen den alten Scott und schlagartig wird mir eine Sache bewusst. Ich bin in Scott verliebt. Diese Tatsache habe ich so lange vor mir hergetragen dass sie langsam zur Last wird und somit beschließe ich einen Versuch zu wagen. Ich nehme seine Hände in meine und er schaut mich fragend an. Langsam beuge ich mich zu ihm vor und gebe ihm einen langen, zarten Kuss. Ich habe Angst dass er mich abwehrt doch das tut er nicht und so lege ich meine Arme um seinen Hals und schaue ihm tief in die Augen.
„Keine Angst Scott, gemeinsam sind wir stark.“ Diesmal beugt er sich vor, schließt seine Augen und küsst mich nochmal…

Mein Herz schlägt schneller. Es fühlt sich so schön an, ihre weichen Lippen zu berühren und sie fest in den Armen zu halten. Erst jetzt fällt mir ein, wie sehr ich mich nach sowas gesehnt habe. Die ganze Zeit schon.
Sie hält inne und schaut mich lächelnd an.
“Was würdest du davon halten, wenn ich aufhöre zu arbeiten, und wir zu mir nach Hause fahren?“
„Sehr viel.“, antworte ich und küsse sie nochmal.
Danach fahren wir zu ihr. Wir trinken Wein und machen uns einen sehr schönen Abend. Als es schon ziemlich spät ist, steht sie auf und führt mich in ihr Schlafzimmer.
Ich weiß nicht was mich erwartet doch ich spüre eine gewisse Nervosität. Sie schaut mich an und lächelt. Ein verführerisches Lächeln. Und sie beginnt sich zu entkleiden. Mir stockt der Atem und ich spüre wie sich etwas in meinem Unterleib bewegt. Sie blickt auf genau die Stelle und ich folge ihrem Blick und erstarre. Ich sehe wie da was hervorragt, es tut ein bisschen weh und es ist mir peinlich. Ich bin im gesicht bestimmt puterrot. Ich will das mit der Hand verbergen doch soweit komm ich nicht weil Lauren lachend auf mich zukommt und mich an sich zieht. Es ist mir unangenehm und ich versuche mich zu rechtfertigen. „Ich weiß nicht was mit mir passiert“, setze ich an doch sie unterbricht mich indem sie mich küsst. „Mach dir keine Sorgen“, sagt sie beruhigend „das ist normal, du bist erregt.“ Ich weiß nicht ob das gut ist aber es fühlt sich gut an. Als Lauren mich zu sich ins Bett zieht und beginnt mich zu entkleiden wird mein Atem flacher. Das ist so schön. Als sie mir die Hose runterzieht und ihre Hand an meinen Penis reibt leuchten funkelnde Flecke vor meinem geistigen Auge und mir kommt es so vor als würde ich entschweben. Ein wunderbar entspannendes Zucken fährt durch meinen Körper und ich muss laut seufzen. Es ist ein wunderschönes Gefühl und jetzt weiß ich was diese ganze Sache mit dem Sex ist. Sex ist etwas Wunderschönes. Als ich mich etwas beruhigt habe schaue ich Lauren an und erschrecke. Sie ist knallrot im Gesicht so als würde sie versuchen ein Lachen zu unterdrücken, ich schaue an mir herunter und sehe das mein Penis jetzt nicht mehr hart ist und hervorragt, aber dafür ist da eine komische Flüssigkeit. Ich bekomme Angst.
„Was ist das?“ frage ich erstaunt. Lauren erklärt es mir. Ich hatte sowas wie eine vorzeitige Ejakulation. Oh Gott ist das peinlich, ich weiß nicht was ich machen soll. Lauren sagt dass es normal ist weil es sowas wie mein erstes Mal wäre. Sie schmiegt sich an mich und wir küssen uns. Etwas später meint Lauren dass wir es nochmal versuchen sollen. Diesmal ist es weitaus schöner, vor allem als ich in sie eindringe. Mir kommt es vor als würde ich explodieren.
Als ich wieder dieses schöne Gefühl verspüre, lege ich mich erschöpft neben sie und atme aus und ein. Nach einer Weile beugt sie sich zu mir und küsst mich. Dann steht sie auf und wirft sich einen Bademantel um.
„Wo gehst du hin?“, frage ich.
„In die Küche, ich hole uns was zu essen. Ich habe irgendwie Hunger.“, sagt sie und lächelt.
Als sie das Zimmer verlassen hat, stehe ich auf und ziehe mir die Boxershort und das T-Shirt, das ich unter dem Knopfhemd trug, an. Dann lege ich mich wieder ins Bett und warte auf sie.
Wenige Minuten später kommt sie wieder und gibt mir einen großen Keks. Sie setzt sich im Schneidesitz neben mich und beobachtet mich beim essen.
„Hm, was ich noch sagen wollte…“, sage ich nach einer Weile.
„Ja?“
„Das mit dem One-Night-Stand war gelogen.“
„Was?“ Sie schaut mich stirnrunzelnd an.
“Ich habe doch gesagt, dass ich mich gerne an unsere Nacht erinnere. Weißt du noch?“
„Ach das.“
“Das stimmt nicht, mit der anderen Frau.“
“Darüber habe ich gar nicht mehr nachgedacht, aber ich kann es mir denken.“
„Und… selbst wenn, es wäre niemals so schön gewesen, wie heute Nacht.“
„Du hättest dich doch eh nicht daran erinnern können.“, sagt sie und lacht.
“Ich weiß, aber ich bin mir sicher, dass nichts schöner sein kann.“
Sie hört auf zu lachen und lächelt mich an. Dann beugt sie sich wieder zu mir und küsst mich. „Es ist komisch, aber der Unfall ist fast das Beste, was dir hätte passieren können.“, sagt sie schließlich und lacht. Dann nehme ich sie in den Arm. Wir sagen nichts mehr, weil schon alles gesagt ist und ein wenig später schlafen wir beide ein…

- - -

„Kannst du dir das vorstellen? Wir sind jetzt schon ein ganzes Jahr zusammen…“, sagt Lauren und umarmt mich.
„Es kommt mir viel länger vor.“, sage ich.
„Mir auch.“ Sie sieht mich an und gibt mir einen langen Kuss.
„Mein Gott, sucht euch ein Zimmer, wo ihr ungestört seid.“, sagt Marla genervt, als sie gerade zur Tür herein kommt.
“Entschuldige.“, murmele ich und werde rot. Es ist mir immer unangenehm, wenn wir dabei unterbrochen werden.
„Herr Gott, Scott – schon ein Jahr ist um und sie haben es immer noch nicht gelernt. Sie brauchen sich nicht dauernd zu entschuldigen.“
„Ent… ok.“
„Himmel!“
„Ach, Marla, lass ihn in Ruhe.“, sagt Lauren und lacht.
Es ist wirklich erstaunlich, dass das alles schon ein Jahr her ist. Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen. Steven kommt rein und klopft mir lächelnd auf die Schulter.
„Na? Weißt du noch, wie du heißt?“
“Ja, Steven Harper, oder?“
„Ja, richtig.“, sagt er und lacht.
Ich und Lauren hatten damals beschlossen, dass wir es auch allen anderen erzählen mussten. Es war gar keine so große Überraschung für sie gewesen. Sie hatten Verständnis dafür und halfen mir, wo es nur ging. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich wieder alleine Konrektor sein kann. Die Schüler efuhren nie davon, obwohl immer noch so einige Gerüchte kursieren. Hauptsächlich, weil der „böse“ Mr. Guber plötzlich verständnisvoller und umgänglicher geworden ist.
Wie sagte Lauren doch gleich? Der Unfall war das Beste, was mir hätte passieren können.

Ende.





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