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Minotaurus ![]() Hausherr und Gastgeber ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden |
Sicher haben Sie schon davon gehört, daß es so was gibt. Auch ich bin so ein Umweltengel und ich werde es Ihnen gleich erklären, warum. Die beiden Schornsteine meines Hauses erscheinen mir wie eine Metapher für unsere heutige Umweltpolitik: An einem betreibe ich meine moderne Gastherme, mit der ich fast das ganze Haus beheize und das Warmwasser aufbereite. Selbst im tiefsten Winter bei minus 30 Grad kommt dort oben nichts Sichtbares heraus, nicht einmal Wasserdampf. Und der Schornsteinfeger kommt in regelmäßigen Abständen vorbei, um – natürlich auf meine Kosten – die Abgaswerte meiner Therme zu messen. Dagegen gibt es absolut nichts einzuwenden, denn schließlich sichert diese Maßnahme das wirtschaftliche Überleben eines antiken Berufsstandes, der ansonsten ganz sicher vom Aussterben bedroht wäre. Damit tu ich nicht nur etwas für unsere Umwelt, sondern leiste nebenbei noch einen nicht unerheblichen Beitrag zum Schutze wertvollen Kulturgutes. Am anderen Schornstein hängt mein großer Kaminofen. Mit dem kann ich alles verfeuern, was sich neben Wärme auch noch irgendwie in CO, CO2 und Dioxin verwandeln läßt und sonst nur unsere überfüllten Müllhalden belasten würde. Von Zeitungspapier über Plastikbecher, alte Kataloge, Tetra-Pack, Plastikplanen, Spülmittelflaschen und alten, beschichteten Spanplatten brennt alles prima. Auch alte Lackreste und ähnliche Dinge sind kein Problem. Sowohl meine Papiertonne, als auch meine Restmülltonne werden dadurch spürbar entlastet und somit die Umwelt geschont. Nur die rituelle Verbrennung meiner alten Winterreifen anläßlich der Geisteraustreibung zur Walpurgisnacht mußte ich - nach einer längeren Absprache mit meinem Nachbarn – leider unterlassen. Dabei hätten gerade diese Altreifen unsere Umwelt besonders stark entlastet und obendrein noch extrem viel nutzbare Wärme abgegeben. Von den zusätzlichen Kosten für Sondermülltransporte und dessen fachgerechte Lagerung möchte ich erst gar nicht sprechen. Ich schone also unsere Umwelt und zwar in vorbildlicher Weise. Aber ich schweife ab, entschuldigen Sie bitte. Jedenfalls wird dieser zweite Schornstein zwar regelmäßig gekehrt und der Ruß daraus entnommen, gemessen wird dort aber nix. Somit könnte ich zwar das Häufchen Ruß eigentlich auch selbst in meine Restmülltonne schippen, aber diese Arbeit überlasse ich – selbstverständlich ebenfalls auf eigene Kosten - ebenfalls meinem freundlichen Schornsteinfeger. Aber egal, diesen Luxus gönne ich mir, denn damit sichere ich das wirtschaftliche Überleben von... aber ich glaube, das hatten wir schon? Außerdem soll es ja schließlich Glück bringen, regelmäßig einen Schornsteinfeger zu sehen. Jedenfalls habe ich das irgendwo einmal gelesen. Apropos Lesen: Erst kürzlich habe ich in der Zeitung gelesen, daß nun endlich diese bösen Glühbirnen verboten werden sollten, welche unsere Umwelt so sehr belasten. Der größte Vorreiter in Sachen Umweltschutz – das ferne Australien – hat bereits einen entsprechenden Gesetzesentwurf ins Parlament eingebracht und ich frage mich, wozu wir in Deutschland eigentlich eine Partei der Grünen haben, wenn sie eh nix tun. Dieser Vorschlag zur Schonung unserer Umwelt ist einfach genial! Nur weiß ich leider nicht, wohin ich dann meine alten Birnen fachgerecht entsorgen soll. Wie soll ich die Glaskomponenten von den Metallteilen trennen, ohne mir dabei meine beiden linken Hände zu verstümmeln? Was passiert mit dem Gas, das sich in der Birne befindet? Würde dies vielleicht sogar explodieren und unsere Umwelt verseuchen oder würde es brennen und ich könnte somit die Glühbirnen in meinem Kaminofen verheizen? Außerdem: Ist dann nur der Handel, bzw. die Benutzung, oder möglicherweise sogar der bloße Besitz von solchen schlimmen und umweltschädigenden Glühbirnen bereits eine strafbare Handlung? Würden mit dieser Gesetzgebung vielleicht sogar weite Teile der Bevölkerung kriminalisiert? Dabei sollte man bedenken, daß damit vor allem die unteren Bevölkerungsschichten wie z.B. Hartz-4-Empfänger, die sich die Anschaffung von teueren Energiesparlampen einfach nicht leisten können, ebenfalls ganz pauschal kriminalisiert würden. Und das möchte ich auf gar keinen Fall, denn schließlich habe ich eine überaus soziale Ader und ich hasse Pauschalierungen und Diskriminierung.. Fragen über Fragen also. Gut, die weitere Kriminalisierung von Hartz-4-Empfängern könnte ich ja noch verstehen, denn dieses arbeitsscheue Pack lebt ohnehin in Saus und Braus und dies auf Kosten der Allgemeinheit. Man könnte es also ohne größeren, volkswirtschaftlichen Schaden ebenso gut wegsperren. Aber was wäre dann mit der Beschaffungskriminalität von illegalen Glühbirnen? Erfahrungsgemäß zieht ja jedes Verbot eine Beschaffungskriminalität in seinem Schlepptau hinterher, bereits das Verbot von diesem harmlosen Haschisch und Marihuana in den 70ern hat es uns deutlich gezeigt. Vor meinem geistigen Auge sehe ich bereits die Glühbirnen-Verkaufsstände in unseren polnischen und tschechischen Nachbargemeinden, ausschließlich betrieben von skrupellosen und verbrecherischen, schlitzäugigen Verkäufern aus Fernost. Oder windige Dealer in dunklen Bahnhofsunterführungen, die unter ihrem weiten Mantel diverse Glühbirnen zum Verkauf anbieten: „Was, ne 75 Watt Krypton mit Sockel E27? Kein Problem, kostet 60 Euro!“ Ich jedenfalls möchte auf meine dimmbaren Glühbirnen ebensowenig verzichten wie auf das prasselnde Kaminfeuer aus meiner privaten Müllverbrennungsanlage. Das verstehe ich unter Deutscher Gemütlichkeit nach einem stressigen Arbeitstag, nachdem ich mich mit mehreren arroganten Verlegern, kleinlichen Lektoren und dummen Zeitungsfritzen herumärgern mußte. Dieses Pack hat ja ohnehin keine Ahnung von wertvoller Literatur, denn keiner von denen hatte meine grandiose Begabung als zukünftiger Erfolgsautor erkannt. Aber genug davon, ich schweife schon wieder ab. Lassen wir das... In Sachen Umweltschutz geht man jedenfalls in der Nähe von Potsdam jetzt noch einen Schritt weiter: Man bläst überschüssiges CO2 aus den umliegenden Kraftwerken durch ein tiefes Bohrloch in ca. 700 Meter Tiefe. Selbstverständlich hofft man, daß es dort unten bleiben wird und nicht eines schönen Tages einfach „Plopp!“ macht. In Wirklichkeit aber ist das natürlich ein alter Hut, denn Ähnliches praktiziere ich bereits seit vielen, vielen Jahren: Meinen Ölwechsel mache ich seit jeher immer nachts in öffentlichen Grünanlagen und ich gebe somit unserer Mutter Erde das zurück, was ihr einst entrissen wurde. Ich bin ganz sicher, spätere Generationen werden es mir danken. Schon jetzt sehe ich vor meinem geistigen Auge die Schlagzeilen: „Riesige Erdölvorkommen unter dem Stadtpark entdeckt!“ Dasselbe gilt selbstverständlich auch für das CO2, das jetzt in Potsdam unter die Erde gepumpt wird. Eines schönen Tages wird die Mineralwasser-Quelle in Selters versiegt sein, dann wird alles wieder hochgepumpt und es kann ins stille Wasser gepreßt werden. Damit hätten wir endlich wieder einen bundesdeutschen Exportschlager und der Standort Deutschland wäre für viele Generationen gesichert. Jedenfalls erwarte ich nun, für mein beispielhaftes Verhalten bezüglich des Umweltschutzes wenigstens mit dem blauen Umweltengel bedacht zu werden, wenn es schon mit dem Nobelpreis für Literatur nicht so recht klappen will. Sollten Sie sich jemals darüber Gedanken gemacht haben, wieso dieser Umweltengel ausgerechnet blau ist, so dürfte die Erklärung dafür nicht allzu schwer zu finden sein. *hicks* Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und eine gesegnete Zukunft. Prost! © Copyright 2007 by Minotaurus Signatur ![]() Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke. (Marcel Reich-Ranicki) | |||
Elke ![]() Registriertes Mitglied ![]() Status: Offline Registriert seit: 25.12.2007 Beiträge: 53 Nachricht senden |
Das war eine feine Geschichte zur Nacht, lieber Mino! | |||
mam Moderatorin a.D. ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 29.06.2006 Beiträge: 572 Nachricht senden |
Herrlich geschrieben! Signatur Praesis ut prosis, non ut imperes (Stehe an der Spitze um zu dienen, nicht um zu herrschen) | |||
Brigitte ![]() Registriertes Mitglied ![]() Status: Offline Registriert seit: 03.07.2006 Beiträge: 104 Nachricht senden |
Das war mal wieder eine typische Mino-Geschichte! Signatur Am liebsten ist mir derjenige, der gerade bei mir ist. (Hermann Hesse) | |||
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