Lavida unregistriert
| Erstellt am 29.08.2006 - 20:58 |  |
Der Splitter im Auge des anderen
Seien wir ehrlich: Es ist sehr leicht, über andere Menschen zu urteilen, sie zu verurteilen. Der Mensch, der an allem möglichen Anstoß nimmt, ist ein Meister darin, nicht zuletzt weil er, was seine eigene Person betrifft, eine Bretterwand vor dem Kopfe trägt.
„ Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?"
Mit diesem Vers aus der Bibel beschreibt man am ehesten mit dem Wort der Selbstgerechtigkeit beschreiben könnte.
Es ist ja immer sehr leicht, die Finger in die Wunden anderer zu legen.
Bei uns selbst sind wir da schon vorsichtiger. Ich frage mich häufig, wenn
ich die Menschen so betrachte, was sie eigentlich dazu verleitet, vorschnell über andere zu urteilen, gar um kleinste und läßliche Sünden ein Riesengeschrei zu machen.
Ich denke, es geht dabei oft gar nicht darum, irgendein Unrecht anzuprangern, sondern vielmehr, den anderen zu erniedrigen.
Und auch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn wenn ich einen anderen Menschen anklage, so liegt darin gleichzeitig auch meist eine Selbsterhöhung meiner Person. Seht hin, das hat er gemacht, bedeutet gleichzeitig: Schaut auf mich, ich bin nicht so.
Es geht um die Verbesserung des eigenen Bildes auf Kosten von Menschen, die einen Fehler gemacht haben. Die Fehler des Anklägers fallen da ganz nebenbei unter den Tisch. Mit dem Finger auf andere zu zeigen, kann ein willkommenes Ablenkungsmanöver von den eigenem Fehlverhalten sein.
Da ertappen wir beispielsweise jemanden bei einer Lüge. Für den Lügner selbst ist das peinlich, ja, mancher möchte vor Scham im Boden versinken. Für den Entdecker hingegen ist dies oft ein willkommener Grund, schweres Geschütz aufzufahren. Da hagelt es dann Sprichwörter wie: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht...", natürlich mit erhobenem Zeigefinger.
Und die Entdecker der Lüge wähnen selbstverständlich alle Moral dieser Welt auf ihrer Seite. Nun ja.
Ich für meinen Teil halte mir da lieber vor Augen, was kluge Köpfe unlängst herausgefunden haben: Rein statistisch betrachtet, sagt ein erwachsener Mensch um die zweihundert Mal am
Tag (!!!) die Unwahrheit.
Als ich diese Zahl das erste Mal las, da runzelte ich noch skeptisch die Stirn. Aber ich beschloß, mich selbst zu beobachten.
Und siehe da: Auf runde fünfzig kleinere oder größere Unwahrheiten während eines Tages kam ich ohne Mühe.
Nun waren dies alles keine kapitalen Lügen, aber es waren Lügen. Mit unserer Moral hat es so seine eigene Bewandtnis. Wir Menschen neigen dazu, an uns selbst andere Maßstäbe anzulegen als an unsere Mitmenschen. Und wenn wir
dann doch einmal mit unseren eigenen Sünden konfrontiert werden, so sind wir ziemlich schnell mit Sätzen bei der Hand wie:
„Aber das ist doch etwas ganz anderes". Oder: „Das kann man doch gar nicht vergleichen."
Ich denke, wir sollten es doch vergleichen. Wir wären dann nämlich um einiges vorsichtiger, wenn es darum geht, über andere Menschen zu urteilen, denn jeder von uns hat so seine „Leichen im Keller".
Und wir tun gut daran, vor der eigenen Türe zu kehren und uns an die eigene Nase zu fassen, bevor wir andere anklagen
Einen Vorteil brächte das auf alle Fälle. Wir schauten ein wenig gelassener in die Welt, wenn wir uns selbst als Menschen mit all jenen Fehlern sähen, die wir den anderen so schnell ankreiden.
In diesem Sinne.........
„Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein."
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Judith7 Redakteurin


Status: Offline Registriert seit: 27.10.2004 Beiträge: 9040 Nachricht senden | Erstellt am 02.09.2006 - 16:58 |  |
Lavida Du meinst jetzt, wir sollten nicht verurteilen, um uns selbst zu schützen? Wer verurteilt könnte auf sich selbst und seine Fehler aufmerksam machen und auch verurteilt werden?
Urteilen werden und müssen wir. Beurteilen muß sein, um zu schauen, was rechts und links ist und den Weg zu gehen, den man gehen will.
Diesen Satz, daß man erst ein paar Tage in den Schuhen seines "Nächsten" gelaufen sei sollte, um ihn zu beruteilen, den finde ich gut.
Fehler allerdings sollen und müssen
beim Namen gennannt werden, findest Du nicht?
Signatur ... und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. |