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WHISPER ...
Hohepriesterin
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...   Erstellt am 25.10.2005 - 15:55Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Lebendig begraben zu werden, ist eine uralte Angst.
Grausige Funde und medizinische Berichte tun kund von verzweifelten Kämpfen in dunklen Grüften.
Das mittelalterliche Denken der Ungebildeten war teilweise nachzuvollziehen. Wenn der Mensch am jüngsten Tag auferstehen sollte, konnte er nicht völlig tot, sondern in einer anderen Existenzform lebendig sein.Und teilweise fanden leichtgläubige Menschen auch "Bestätigung".
Die sich zersetzenden und auf den Friedhöfen nach der Beisetzung wieder ans Tageslicht gelangten Leichen bewegten sich,vergossen blutähnliche Flüssigkeiten, schmatzten , klapperten mit den Zähnen. Körperhaare u. Nägel wuchsen angeblich weiter. Frauen sollten gar im Sarg noch gebären können. Bei Ausgrabungen auf dem Klosterfriedhof v. Abelhold gibt es Zeugnisse einer Sarggeburt. Zwischen den Oberschenkeln einer jungen Frau lag der ausgetriebene Fötus.
Das solches "Nachleben" der Toten dem Verwesungsprozess zu verdanken war, denn bei der Verwesung entstehen Faulgase, die Körperteile bewegen oder gar postmortale Geburten einleiten können, verstanden die Menschen nicht.
Da sie von der Weiterexistenz der Verstorbenen ausgingen,und dass diese wiederkehren und bestrafen könnten, machten sie sich darüber auch keine Gedanken.
Schauergeschichten von Scheintoten, die auf den Friedhöfen ihren Gräbern entstiegen, waren allgegenwärtig. 1357 soll in Köln eine Frau ihrem Grabe entstiegen sein, als man sie der Grabbeigaben berauben wollte.
Im 18. und 19. Jh. entwickelte sich der Scheintotglaube zu einer Hysterie. Man nahm an, die Vertorbenen hätten funktionierende Körperfunktionen, allerdings auf ein Minimum reduziert.
Man forderte, das die Bestattung erst nach der Verwesung vorgenommen werden sollte.
In Graz vollzog man den "Herzstich" noch bis ins 20. Jahrhundert hinein.
1792 wurde dort das erste Leichenhaus errichtet,Dr. Chr.W. Hufeland war der Begründer. mit einem Zimmer für eine Aufsichtsperson, die von dort aus den Verstorbenen gut beobachten konnte.
In Weimar wurde dieser Wächter mit einer Konstruktion unterstützt, die aus Fäden und Glöckchen bestand, die an Fingern und Zehen der Leiche befestigt waren.
Die Phantasie zur Bekämpfung des Scheintodes war fast grenzenlos. Es gab da ein Gerät, das man dem Toten auf die Brust legte; sollte er sich noch bewegen, würde ein scharfes Eisen hervorspringen und ihm die Brust durchbohren.
Später wurde nur noch ein Leichentuch aufgedeckt, das Grab blieb offen, es wurde sogar eine Leiter bereitgestellt. Oder man gab dem Toten eine Axt und einen Spaten mit in den Sarg.
Auch die Leichenglocke sollte das düstere Schicksal im Sarg verhindern, der Tote konnte sich lautstark zurückmelden, da eine dünne Schnur an Finger und Beinen befestigt war, welche durch eine Röhre geleitet wurde und bei geringster Bewegung läuten wurde.

Wiederbelebung von Scheintoten:
In Bayern wusste man sogar durch Polizeireglement genau, wie man verfahren musste, um Scheintote wiederzubeleben:
Das Fenster musste geöffnet werden, das Zimmer sollte erwärmt werden.
Künstliche Beatmung kam zur Anwendung.
Warme Kataplasmen von Senf auf die Brust und Extremitäten legen.
Mit einer weichen Bürste, einem Stück essig- oder kamphergetränkten Stoffes wurden Reibungen erzeugt.
Die Kehle mit einer Vogelfeder kitzeln. Ammoniakgeist unter die Nase halten.
Tropfenweise Balsamextrakt in den Mund träufeln lassen.
Man konnte auch ein Stück Eisen in siedendes Wasser tauchen, es in der Magengegend auflegen und max. 30 Sek. dort belassen, um schwere Verbrennungen zu vermeiden.
Ein automatischer Zungenzieher wurde erfunden, der bei Erwachsenen 20-25 mal pro Min. und bei Kindern 20-30 mal pro Min. an der Zunge zog.

Die unterschwellige Angst, lebendig begraben zu werden, gibt es bis heute, und ist auch nachvollziehbar, wenn man an z.B. qualvolle Bestrafungen in früheren Zeiten denkt:
Als grausame Strafe wurde es meist bei Frauen angewandt. Man bestrafte im alten Rom die Vestalinnen, die gegen das Keuschheitsgelübte verstossen hatten. Sie mussten in eine extra gebaute
unterirdische Kammer steigen, die verschlossen und mit Erde zugeschüttet wurde.
Im Mittelalter war diese Hinrichtungsart unter dem Hochadel in Mitteleuropa sehr verbreitet,und auch v.a. Frauen vorbehalten, z.B. für Ehebruch und Kindsmord. Es sollte verhindert werden, dass Schande über die Angehörigen kam. Diese Hinrichtungen wurden stets in kleinstem Kreise vollzogen. Die Verurteilte musste sich in eine Mauernische setzen, die mit Ziegeln zugemauert wurde. Der qualvolle Tod trat durch verhungern und Verdursten ein.
Zur "Erleichterung" wurde manchmal ein kleiner Spalt freigelassen, wodurch Nahrung und Trinkwasser gereicht werden konnte. Hierdurch wurde der Tod aber nur durch weitere schreckliche Tage hinausgezögert.
Eine andere Art des Begrabens war, den Delinquenten aufrecht stehend in eine Grube zu stellen und diese mit Erde zuzuschütten, bis an seinen Hals, der Kopf blieb über der Erde.
Eine Verschärfung der Strafe bestand darin, dem Verurteilten einen Schlauch in den Hals zu stecken, bevor auch sein Haupt mit Erde bedeckt wurde.
In Italien wurde der Verurteilte kopfüber in die Grube gesteckt und zugeschüttet, und nur die Knöchel schauten aus der Erde.



Quelle: Lebendig begraben, Geschichte einer Urangst
und D. Thürnau: Der Scheintod





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Savertin ...
Der Burgvogt (coAdmin)
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...   Erstellt am 28.11.2005 - 15:27Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Das ist vermutlich eine Urangst des Menschen: lebendig begraben zu sein...





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Der Falkenkaiser
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...   Erstellt am 29.11.2005 - 12:10Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Und diese Angst ist nach dem obenstehenden Bericht über den Scheintod nicht unbegründet....





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WHISPER ...
Hohepriesterin
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...   Erstellt am 11.02.2007 - 17:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Interessant fand ich auch nicht nur die äusserst grausamen Todesstrafen, sondern vielmehr auch die Wiederbelebungsversuche zu damaliger Zeit.





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