WHISPER  Hohepriesterin
       

Status: Offline Registriert seit: 21.04.2005 Beiträge: 2710 Nachricht senden | Erstellt am 11.04.2006 - 11:14 |  |
Der Nussbaum – Sucht seine Heimat
Die Urheimat der in Europa vorkommenden Nussbäumen liegt wahrscheinlich zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer bis gegen den Persischen Golf hin. AN den sonnigen Vorbergen des Kaukasus wachsen sie so zahlreich, dass sie geradezu Wälder bilden. Aber schon in der Zeit der großen Völkerwanderung ist der Nussbaum (Juglans) von da über Griechenland und Italien nach Frankreich gelangt und weiter in unser Breiten.
Die Kelten haben ihn auch nach England und Irland gebracht. Heute sehen wir die schönen, breitkronigen Bäume auch in der freien Landschaft, in Gärten, ja sogar auf geschützten Anhöhen der europäischen Nordküste, doch nie dort wo der Boden sandig ist.
Blätterlos scheint die Krone dünn. Mit Blättern ist er ein ausgeprägter Schattenbaum, der unter sich nichts aufkommen lässt. Seine Blättermassen sind so dicht, weil auch im Inneren der Krone aus den Ästen überall reichbeblätterte Zweige austreiben.
Der Stamm des Nussbaumes ist relativ kurz. Auf zwei bis drei Metern Höhe teil er sich meist in mehrere mächtige Äste. Dabei ist er maserig und knorrig, im Alter fast immer hohl. In sechzig Jahren wäschst der Baum bis gegen zwanzig Meter, in hundert Jahren bis gegen dreißig Meter. Sein Holz ist zäh und elastisch, von helleren und dunkleren Farbtönen durchzogen. Kurioserweise ist es das kranke, von Maserknollen durchsetzte Holz, das in der Möbelindustrie die höchsten Preise erzielt. Maserknollen sind Ausschellungen des Stammes, die durch Pilze, Bakterien und andere Krankheiten verursacht werden. Andererseits wagen Insekten dem Baum weder zu schaden noch zu nützen. Als monözische Pflanze befruchtet er sich selbst oder lässt sich vom Wind bestäuben. Gefährlich wird ihm eigentlich nur das Klima. Er braucht viel Sonne und reagiert empfindlich auf Kälte. Wenn Frost Ende April die Blüten erwischt, bleibt die Nussernte aus. Der Markustag am 25. April wird deshalb von Nussbaumbesitzern als „Nussfresstag“ gefürchtet, mehr noch als die Eisheiligen im Mai.
Dass Kelten in den Tagen von 21. bis 30. April dem Nussbaum besondere Aufmerksamkeit schenkten ist gewiss nicht aus der Luft gegriffen. Und das sie diesem Baum im Herbst, vom 24. Oktober bis zum 11. November, gleich 19 ganze Tage weihten, zeigt wie sehr sie seine Nüsse schätzen. Mit ihrem hohen Fett- und Proteingehalt liefern sie die ideale Nahrung vor dem Einbruch der Winterkälte.
Aber mit dieser außergewöhnlich langen Zeitperiode rückten sie auch ihr Lieblingsgefühl in den Vordergrund: Eben noch erfreuten sie sich der Farbpracht der Bäume und Wälder im Herbst und schon haben die ersten Novemberstürme diese Pracht ein Ende gemacht. Eben noch zeigte sich vor allem der Nussbaum in seiner Blätterfülle, voll behangen mit Nüssen, und über Nacht ist der ganze Reichtum, die ganze beeindruckende Macht wie weggeblasen. Wo stolz die Krone war, ist nur noch ein dünnes Skelett von Ästen und Zweigen.
Braucht der Mensch da nicht viel Zeit, um sich auf diese Andere Welt umzustimmen? Bringt das alljährliche Sterben der Natur ihm nicht zu Bewusstsein, das alle materiellen Werte früher oder später zerfallen? Gibt es, abgesehen von der Vergänglichkeit aller Dinge, etwas Unvergängliches, etwas Ewiges?
Die Kelten stellten sich diese Frage
Sie fanden ihre Heimat im Glauben and die sogenannte Andere Welt, die man sich verdienen kann durch Verzicht, Opfer und Tod.
Der 1.November war der wichtigste ihrer vier Jahresfeste. Da tranken sie Bier und aßen mit Nüssen gefühlten Gänsebraten. Für uns ist es der Tag geworden an dem aller Seelen gedenken!
Lust oder Schmerz, Gewinn oder Verlust? Diese Frage mischt offenkundig oder versteckt die Karten ihres Lebens, so sie in den Tagen des Nussbaumes zur Welt gekommen sind. Das könnten wir von allen Menschen sagen. Aber nur die „Nussbaummenschen“ bringen so viel Leidenschaft auf, ihre Lebenslust zu sichern und zu verteidigen. Wie opferbereit werfen sie sich doch in den Kampf, wenn es gilt Verluste zu vermeiden.
So paradox es klingt: Für die Lust nehmen sie viel Leid in Kauf. Nur selten gelingt es ihnen, aus dem Leid Lust zu gewinnen. Trotzdem werden sie von der Mehrheit, die sich über ernste Fragen „hinwegphilosophiert“ beneidet, weil ihr Leben Tiefgang hat, würzig bleibt und nicht selten reiche Früchte trägt.
Wenn sie etwas tun, dann tun sie das ganz. Wenn sie etwas wollen, kennt ihre Beharrlichkeit keine Grenzen. Wenn sie etwas lieben, dann bis in den Tod. Diese Unbedingtheit hängt mit der Macht ihres Unbewussten zusammen. Sicher wissen sie, was es bedeutet, wenn man einfach nicht anders kann. Der „Nussbaum“ Martin Luther drückte diese Gefühle für alle „Nussbäume“ aus: „Da steh ich und kann nicht anders. Gotte helfe mir, Amen!“
Obwohl Worte nur Spiegel sind für das Drama, das in jedem Menschen tobt, raten wir ihnen die Romane des „Nussbaums“ Dostojewski zu lesen oder sich die Dramen von William Shakespeare, Friedrich Schiller oder Albert Camus anzuhören. Auch die Gedichte von Thomas Dylan (In Tod und Tore) oder von Georg Heym spiegeln ihr Wesen. All diese Dichter sind in den Tagen des Nussbaumes zur Welt gekommen. Ebenso Henry de Montherlant (Erbarmen mit den Frauen) und Vladimir Nabokov (Lolita) oder Jean Amery, der so viel über den Tod nachgedacht und geschrieben hat.
Das wir sie auf Dichter hinweißen, um sich selbst und ihr Leben besser verstehen, haben sie auch einem „Nussbaum“ zu verdanken: Robert Musil. Er schrieb das Buch „Der Mann ohne Eigenschaften“. Allein der Titel macht klar, wie langweilig trockene Charakterisierungen im Vergleich zum Geschehen in einem Roman sind, wo die Zusammenhänge bewusst werden, die ihnen vielleicht einen Antwort geben auf die Frage, warum sie eher ein Lustsucher als ein Lustfinder sind.
Beobachte auch die Eibe, wenn zwischen dem 3. und 11. November geboren .
Sie steht in geheimnisvollen Hintergrund der Leidenschaftlichkeit der Nussbäume.
Menschen die auch noch in den Nusstagen zu Welt kamen:
Pablo Picasso – Er hatte alles was er wollte und suchte trotzdem nach einer Heimat, in welcher die Freiheit grenzenlos ist.
König Elisabeth von England – Ihr fehlt es nicht an Heimat; sie konzentriert sich auf ihre Pflichten mit Leidenschaft. Ohne sie müsste sie nach ihrer inneren Heimat suchen.
Stein: Der Serpentin vertreibt das Heimweh!
Fixstern: Princeps, Sharantan und Hamal
Zahl: 16
Medizinische Verwendung: Zerriebene Walnussblätter halten Insekten davon ab, sie zu stechen!
Psychologische Empfehlung: Such sie wohnen in ihren Gewohnheiten. Warum sie in Frage stellen?
Bezug zur griechischen Mythologie: Ares als Gott der Entwicklung.
Signatur Pazifisten sind wie Schafe, die glauben, der Wolf sei ein Vegetarier... |