Reny  10 Tintenfässer 7 Federn 8 Fransen


Status: Offline Registriert seit: 14.03.2006 Beiträge: 821 Nachricht senden | Erstellt am 08.06.2007 - 23:24 |  |
Hmm, wie man sieht hatte ich heute sehr viel Zeit und viel zu viele Gedanken -.- naja, viel Spaß beim lesen
Der nächste Morgen
Völlig regungslos lag sie in ihrem Bett und hörte der wundervollen Stimme zu, die aus den Boxen der Stereoanlage tönte. Sie hatte die Augen geschlossen und konzentrierte sich voll und ganz auf den reinen Klang der Stimme. Wie sehr sie dieses Lied, diesen Sänger doch liebte. Sie wagte es nicht sich zu bewegen, aus Angst diesen Moment zu zerstören. Diesen einen Moment, in dem es nur sie und ihn gab. Nichts, was zwischen ihnen stand. Sie gab sich vollkommen der Musik hin und traute sich kaum zu atmen. Ohne es zu merken, liefen ihr Tränen über die Wangen und tropften auf ihr Kopfkissen. Ach wie oft nur war sie versucht gewesen, dieses Lied, mitsamt der ganzen CD aus dem Fenster zu werfen und zu vergessen. Wie oft schon hatte sie daran gedacht all die Poster von den Wänden zu reißen und zu verbrennen. Aber sie brachte es nicht übers Herz. Sie konnte es nicht, es war ihr Leben, dieses Lied. Der Mann der es sang, sprach ihr aus dem Herzen, wie noch kein anderer es je zuvor vermocht hatte. Das Lied endet, sie atmet erleichtert auf und öffnet die Augen. Doch dann setzt die Musik wieder ein und das Lied beginnt von vorn.
Mit der Klinge fahr ich langsam
meinen Unterarm hinauf.
Dann ein Schnitt, klein und flach,
und die Welt um mich blüht auf.
Wie jedes Mal, wenn es zu dieser Stelle kommt, berührte sie unbewusst ihren Unterarm und Tränen stiegen ihr in die Augen. Verflucht sei dieses Lied, verflucht sei dieser Sänger, der ihre Gefühle ausdrückte, als wären es seine eigenen. Gequält schloss sie die Augen und eine Träne rollte ihre Wange hinunter. Kälte floss durch ihre Adern und ließ sie frösteln. Wie gern würde sie aufspringen und alles zerstören, was sie an diese schrecklichen Erlebnisse erinnert. Doch es klappte nicht. Unmöglich, ihre Glieder waren steif, als wäre sie eine Puppe aus Porzellan.
Schmerz schärft alle meine Sinne,
jede Faser ist gestimmt.
Und ich hör den Körper singen,
wenn der Schmerz die Last mir nimmt.
Oh ja, sie kannte es nur zu gut. Wie oft schon hatte sie durch Schmerzen versucht sich von der Welt abzuschotten und wie oft hatte es auch geklappt. Sie hatte fasziniert von ihrem eigenen Blut alles um sich herum vergessen. Abgelenkt von dem Schmerz im Unterarm war ihr der Schmerz in ihrer Seele entfallen. Es hatte ihr vorgegaukelt als existiere nichts, außer sie alleine. Alle Qual, alles Leid war vergessen. Für einen kurzen Moment nur dachte sie an nichts mehr. Nicht an den nächsten Morgen, nicht an die nächsten Stunden, die sie sich wieder durchs Leben um sie herum kämpfen musste.
Tiefer noch ein bisschen tiefer
schneid ich in den weißen Arm.
Aus der Wunde sickert lautlos
dunkles Blut und mir wird warm.
Schauer liefen ihr den Rücken hinunter, bescherten ihr ein wohliges Gefühl und ließen weitere Tränen aus ihren Augenwinkeln rollen. Wie tief war sie schon gedrungen? Wie lange würde es noch dauern, bis es kein zurück mehr geben würde? Aber sie wollte doch zurück, sie wollte nicht, dass ihr Leben ein Ende nahm. Selbstmord? Den Gedanken hatte sie sofort wieder verworfen. Nein, das wollte sie nicht. Sie wollte Leben, doch wie konnte sie das ohne diesen süßen, wohlig warmen Schmerz?
Das Blut so rot, das Blut so rein.
Die Zeit heilt meine Wunden nicht.
Mein Blut zu sehn, ist wunderschön,
mein Blut zu sehen, tröstet mich.
Schon oft hatte sie dort Trost gesucht. Noch öfter hatte sie ihn dort auch gefunden. Oh ja, sie konnte nicht aufhören, sie wollte nicht aufhören. Leben, das war alles, wonach sie sich sehnte. Jedoch ging es nicht ohne diese liebliche Pein. Denn das war das einzige, worauf sie sich verlassen konnte. Der Schmerz war ihr als Wegbegleiter lieber, als gar kein Begleiter. Alleine konnte sie das nicht durchstehen. Jedes Mal, wenn sie ihr Blut sah, dachte sie, dass sie nicht alleine war. Sicher, es war dumm von ihr so zu denken, aber es war besser als gar nichts.
Glück durchströmt den ganzen Körper.
Schmerz treibt jeden Schmerz heraus.
Um auf diese Art zu fühlen,
nehm ich all das Leid in Kauf.
Du bist nicht allein, auf mich kannst du dich verlassen. So schrie es ihr jedes Mal entgegen und sie kam nicht davon los. Wenn sie sich schnitt, vergaß sie alles, was ihr je wehgetan hatte. Wie ihre Mutter sie mal wieder beschimpfte, oder die Gleichgültigkeit des Vaters und der Freunde. Es war die reinste, unbefleckte Freude. Es war ihr Geheimnis und würde ihr Geheimnis bleiben, denn wer würde sich schon die Mühe machen, sie zu verstehen? Ja, lächelte sie still in sich hinein. Das würde ihr niemand nehmen.
Das Blut so rot, das Blut so rein ...
Kein Hass, kein Neid. Das Blut überdeckte den Spiegel ihres Lebens mit einem roten Schleier und verwehrte ihr den Blick. Sie war froh darüber.
Ich verletze nur die Hülle.
Alles was darunter liegt,
hab ich so tief eingeschlossen,
dass es sich mir selbst entzieht.
Bei diesen Textzeilen schossen ihr wieder die Tränen in die Augen. Es stimmte, außer in diesen kurzen, wertvollen Augenblicken, war alles tief in ihr eingeschlossen und das war gut so. Wie oft wäre sie sonst in Tränen ausgebrochen, wie oft hätte sie sonst um sich geschlagen, mit Sachen geschmissen, oder irgendjemanden verprügelt? Es war gut so.
Das Blut so rot, das Blut so rein ...
Die letzten Töne verklangen und füllten die Luft um sie herum mit Stille. Ja, dieses Lied war alles, was ihr wichtig war. Sie liebte es und sie hasste es. Sie fühlte sich verstanden und zugleich betrogen. Warum nur wünschte sie sich jedes Mal nachdem sie das Lied gehört hatte, dass sie ihr Leben noch einmal leben dürfte, um all die Fehler auszugleichen, die sie begangen hatte? Sie öffnete die Augen, stand rasch auf und schaltete die Stereoanlage aus. Die Stille dröhnte ihr in den Ohren und gab ihr die Antwort. Ihr Leben war leer und dieses Lied führte ihr die eigene Unfähigkeit vor Augen. Aber nun konnte sie nicht mehr zurück. Sie hob den Kopf, sah die Poster an den Wänden kleben und die CD´s auf dem Regal. Es war zu spät, nun gab es kein zurück mehr. Der nächste Morgen würde kommen und mit ihm auch ein neuer Tag, der sich an die vielen anderen reihen würde, die sie schon erlebt hatte.
Signatur If you go me on my Nervs, i will put you into a Gully do a Deckel druff that you never come back to the Tageslicht again.
Najaaa das Reny halt XP
 |