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Das Boot - Albertcamus

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<Betonhof>
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...   Erstellt am 19.03.2007 - 10:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


In seinem Roman „Der Fremde“, bringt der Hauptprotagonist, Meursault, ein kleiner Büroangestellter aus Algier, am Strand einen Araber „nur wegen der Sonne“ um.
Am Tage seiner Hinrichtung behauptet er, dass er glücklich gewesen sei und er sei es immer noch. Die Menschen, die ihn auf dem Weg zum Schafott begleiten, fragen sich: Wer ist dieser Meursault? Ein Narr, ein armer Teufel? Andere, die ein bisschen mehr zu verstehen scheinen, meinen er sei unschuldig, man müsse den Sinn dieser Unschuld nur richtig begreifen.

In dem einige Monate später erschienen Werk „Der Mythos von Sisyphos“ hat uns Camus diese Fragen kommentiert; sein Held ist weder gut noch böse, weder moralisch noch unmoralisch. Diese Kategorien lassen sich nicht auf ihn anwenden. Er gehört einer ganz besonderen Gattung an, die der Verfasser mit dem Wort „absurd“ bezeichnet. Dieses Wort hat bei Camus zwei verschiedene Bedeutungen: Das Absurde ist ein Tatbestand und zugleich das klare Bewusstsein dieses Tatbestandes. Absurd ist der Mensch, der aus einer grundlegenden Absurdität mutig die Schlüsse zieht, die sich daraus ergeben.

Was ist das Absurde als Tatbestand, als ursprüngliche Begebenheit? Nichts Geringeres als die Beziehung des Menschen zur Welt. Die primäre Absurdität drückt sich vor allem in einem Zwiespalt aus: nämlich der Sehnsucht des Menschen nach Einheit und dem unüberwindlichen Dualismus von Geist und Natur, zwischen dem Streben des Menschen zum Ewigen und dem endlichen Charakter seiner Existenz, zwischen der „Sorge“ wie Martin Heidegger es ausdrückt, die sein eigentliches Wesen ist, und der Vergeblichkeit seiner Bemühungen. Der Tod, die Unerkenntlichkeit des Wirklichen, der Zufall, das sind die Pole des Absurden.
Der Mensch fühlt sich als Fremder, als Verstoßener.
„Gott nicht da“, sagt die Natur, „Ich nicht da“, sagt Meursault. Seine Passivität und Indifferenz äußern sich im Nicht-Handeln, Nicht-Reden, Nicht-Verstehen, Nicht-Wissen.

Das Absurde kündigt sich in einer Nichtübereinstimmung zwischen Mensch und Welt an. Der Mensch fühlt sich als Fremder, Verstoßener; er vermisst das Verbindende, die Gemeinschaft.
„Das Gefühl des absurden kann einen beliebigen Menschen an einer beliebigen Straßenecke anspringen. Es ist in seiner trostlosen Nacktheit, in seinem glanzlosen Licht nicht zu fassen.
Aufstehen, ins Büro gehen, Essen, Straßenbahn fahren…Montag, Dienstag, Mittwoch…immer derselbe Rhythmus, das ist ein langer bequemer Weg, bis eines Tages die Kulissen einstürzen. Eines Tages steht man da und fragt sich nach dem „Warum“. Und in diesem Überdruss, in das sich das Erstaunen mischt, fängt alles an und das Bewusstsein des Absurden erwacht. Weder ein Ausweg ist möglich, noch besteht Hoffnung auf ein Morgen, das einzig Sichere ist der Tod. Der Skandal des Absurden wird solange dauern, wie es Menschen gibt.

Welche Folgerungen zieht Camus daraus? Welchen Sinn kann der Mensch dem Leben geben?
Wer das Bild des Aufstiegs bei Sisyphos so versteht, er würde in der Hoffnung unternommen, dass der Stein irgendwann einmal auf dem Gipfel liegen bleibt, hat die Situation des Menschen missverstanden. Es gibt für ihn kein unbedingtes, absolutes, im Sinne als erreichbar, vorgestelltes höchstes und letztes Ziel.
Solange Sisyphos sein Treiben als etwas Fremdes begreift, das nicht Teil seiner selbst ist, kann er nicht er selbst sein.
„Darin besteht die ganze verschwiegene Freude des Sisyphos, sein Schicksal gehört ihm. Der Fels ist seine Sache“.
Was ihm vorher als sinnloses, weil in sich unzusammenhängendes Geschehen erscheint, wird nun zur Geschichte seines Lebens. Er ist der Urheber seines Tuns, er ist frei, seine Autonomie ist unangreifbar. Das Glück des Sisyphos besteht darin, dass ihm eine Sinngebung gelungen ist.




Gudrun 

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...   Erstellt am 19.03.2007 - 21:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


"Es gibt für ihn kein unbedingtes, absolutes, im Sinne als erreichbar, vorgestelltes höchstes und letztes Ziel. "

Es ist doch eh besser, das zu glauben, als, dass es ein absolutes Ziel gibt. Was willst denn da machen, wennst du merkst, du erreichst es nicht? Eine neue Philosophie entwickeln?

Was sagen eigentlich die anderen Philosophen so über den Camus? Hat er mehr "Gegner" oder mehr Befürworter?


Heutzutage gibt's aber auch komische Sisyphostätigkeiten




ccHuber ...

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...   Erstellt am 21.03.2007 - 11:03Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Betonhof,
wollte Dir nur mal kurz sagen, dass ich Deine philosophischen Texte schon gerne lese, aber selbst im Moment nicht den richtigen Draht dazu finde. Mein Kopf gibt im Moment nur Unfug und dumme Sachen her. Also sieh es mir nach, wenn ich nichts dazu schreibe.
Grüssle
Christa





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Setze dich an den Fluss und warte, bis die Leichen deiner Feinde vorbei schwimmen.
(Indianische Weisheit)

<Betonhof>
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...   Erstellt am 21.03.2007 - 12:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


"Hallo Betonhof,
wollte Dir nur mal kurz sagen, dass ich Deine philosophischen Texte schon gerne lese, aber selbst im Moment nicht den richtigen Draht dazu finde. Mein Kopf gibt im Moment nur Unfug und dumme Sachen her. Also sieh es mir nach, wenn ich nichts dazu schreibe.


Vielen Dank für die Ermunterung, denn in der Tat kam mir bereits der Gedanke, ob ich hier nicht Perlen vor sie Säue werfe.

Gute Besserung vom Mann am Fluss




Daggi ...

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...   Erstellt am 21.03.2007 - 12:59Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


schrieb

    Vielen Dank für die Ermunterung, denn in der Tat kam mir bereits der Gedanke, ob ich hier nicht Perlen vor sie Säue werfe.


Autsch! Der Satz veranlasst mich ja nun dazu, Farbe zu bekennen...

Ich bin nämlich immer noch dabei, die Wörter, die ich nicht verstehe, im Fremdwörterbuch nachzuschlagen. *seufz* (he... aber ich versuchs ja wenigstens!)

Aber ich fürchte, ich bin tatsächlich eine von den "Säuen". Aber ein hübsches rosafarbenes! *

Kann halt so philosophische Kost nur nicht so leicht verdauen...

Na wird ja vielleicht noch...

Grüßle

Daggi

[Dieser Beitrag wurde am 21.03.2007 - 13:02 von Daggi aktualisiert]





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Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist...

<Betonhof>
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...   Erstellt am 21.03.2007 - 14:23Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Aber ich fürchte, ich bin tatsächlich eine von den "Säuen". Aber ein hübsches rosafarbenes.

Hallo Daggi, ich bin froh, dass du das Zitat nicht wörtlich nimmst, so war es nicht gemeint. Es ist ja auch gar nicht weiter schlimm, wenn man sich nicht für Philosophie interessiert. Ich habe damit kein Problem, denn auf keinen Fall will ich jemandem irgend etwas auf's Auge drücken.

Beste Grüße, Betonhof




Gudrun 

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...   Erstellt am 21.03.2007 - 19:46Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Daggi Wirbelwind schrieb
    Aber ich fürchte, ich bin tatsächlich eine von den "Säuen".


Lieber Wirbelwind, da grunz ich doch gern mit Dir!

Ich bin mir sowieso nicht sicher, wo man seine Perlen hinwerfen sollte. Ich dachte immer, dorthin, wo man sie braucht oder man geht durch die Gegend und "Hach, hier fehlen noch ein paar Perlen!" oder so.

Lieber Betonhof!

Natürlich ist es schöner, dafür ein paar Diamanten und Rubine zurück zu bekommen. Aber wenn nicht, ... siehste, da fällt mir schon nix mehr ein.
Im Restleben verstreu ich einfach immer alles und geh' schnell weiter, aber meistens nur aus Hunger


Betonhof schrieb
    Es ist ja auch gar nicht weiter schlimm, wenn man sich nicht für Philosophie interessiert. Ich habe damit kein Problem, denn auf keinen Fall will ich jemandem irgend etwas auf's Auge drücken.


Da bin ich aber froh. Denn wenn Du's auf die Augen drücktest, wie sollte da jemand sehend werden.
(Im übrigen diskutier ich das Philozeug auch nicht gerne. Das hat damit zu tun, dass ich meine Argumente sogar selbst widerlegen kann.) Ich nehm's nur gerne als Ausgangspunkt, hauptsächlich für die Schreiberei.
Tatsache ist, man kann alles im Internet oder sonstwo nach lesen. (Wenn man lange genug danach sucht, was ich manchmal tue aber nicht sollte (zwegn dem Broterwerb nicht)) Es stellt sich dann halt immer die Frage nach der Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der Quellen (und wieder nach der Zeit, die man hat) Erstere beide kann man natürlich auch oft genug nach und überprüfen und dann muss man natürlich all die erwähnten Bücher noch mal nach lesen und selber über alles nach denken, was man ja sowieso immer tut, und schließlich und endlich kommt man drauf, man ging vom Falschen aus und dann fängt man noch mal von vorne an. Man sucht zuverlässige Quellen, man hinterfragt sie, man liest die Bücher, man liest über die Autoren der Bücher, man hinterfragt sie ... kurzum, man trödelt rum, und kommt ned weiter, was aber, im Grunde, auch in Ordnung ist, wenn man's so will, was ja nicht jeder will und überhaupt ...




<Betonhof>
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...   Erstellt am 21.03.2007 - 20:16Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Man sucht zuverlässige Quellen, man hinterfragt sie, man liest die Bücher, man liest über die Autoren der Bücher, man hinterfragt sie ...

Das ist eine ziemlich zutreffende Definition von Philosophie: man hinterfragt und hinterfragt und weiß am Ende doch nicht mehr über das, was das Leben auszumachen scheint.

kurzum, man trödelt rum, und kommt ned weiter, was aber, im Grunde, auch in Ordnung ist, wenn man's so will, was ja nicht jeder will und überhaupt ...

Gerade deshalb, weil ich eben dachte, dass dies ein Ort ist, wo getrödelt wird...
Aber wie gesagt: Kein Problem.




Gudrun 

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...   Erstellt am 21.03.2007 - 20:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


"Aber wie gesagt: Kein Problem."

Klar. Du hast ja nur die Perlen geworfen.




<Betonhof>
unregistriert

...   Erstellt am 21.03.2007 - 21:16Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Du hast ja nur die Perlen geworfen.

Es könnte immerhin sein, dass es ironisch gemeint war, wie es bei diesem Zitat überlicherweise der Fall ist.

Beste Grüße, Betonhof




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