ART 

Status: Offline Registriert seit: 13.12.2006 Beiträge: 1997 Nachricht senden | Erstellt am 08.01.2008 - 22:22 |  |
Ich habe nicht von Anfang an vorgehabt, Karriere zu machen und Kinder zu haben
Meine Lebensvorstellungen haben sich erst im Laufe von Jahren entwickelt und sehr geändert.
Nach dem Abitur lag es nahe, Jura zu studieren, wenn der Vater Notar war.
Das fand ich wenig originell und forderte meinen Protest geradezu heraus.
Viele Mädchen unserer Klassen wollte ins Lehramt, das fand ich ganz schrecklich als Vorstellung.
Es gab unendliche Diskussionen zu Hause. Aus Vaters Sicht, galt es an Traditionen festzuhalten und die Kanzlei zu übernehmen.
Gegen seinen Willen studierte ich Volkswirtschaft.
Ich bin äußerst naiv ins Studium gegangen. Zunächst vier Semester in Münster, dann in Marburg das war eine schöne Zeit. Die letzten Semester verbrachte ich in Frankfurt und fand ich es
schrecklich: diese Unverbindlichkeit, dieses Sich-nicht-kennen. Als Landpomeranze war ich das nicht gewöhnt und fand die Großstadt grausam.
Mein Lebensplan in der Zeit war konventionell.
Heute wird von den Jugendlichen sehr viel mehr Planung verlangt. Wenn sie nicht sehr zielstrebig und zielgerichtet ihren eigenen Weg gehen, haben sie keine Chance. So locker wie ich das damals angehen konnte, kann man das heute einfach nicht mehr machen.
Ich hatte keine ehrgeizigen Pläne, sondern ging davon aus, dass ich doch einmal in die Frauenpolitik gehe, um für die Rechte der Frauen wirklich etwas zu bewegen. Das war damals gar nicht unüblich.
Die Frauenbewegung hatte Hochkonjektur, und ich war eine Aktivistin, besonders wenn es um die Gründung von Frauenhäuser ging.
In meinem Leben gab es viele Anfänge, aber einer der alles andere in den Schatten stellte, war die Adoption unserer Kinder.
Nachdem wir in Deutschland keine Chance hatten, ein Kind zu adoptieren, haben wir es in Bosnien gemacht.
Hier kam uns der Zufall „Glück“ entgegen.
Ich war in Zagreb, um meine Freundin beim Aufbau eines Frauenhauses zu unterstützen. Sie zeigte mir auch Waisenhäuser. Auf dem ersten Blick war ich in Sena verliebt.
„Das ist unsere Tochter“ dachte ich, flog zurück, und wir erledigten alle Formalitäten für eine Adoption.
Gemeinsam flogen wir nach Bosnien, um unsere Tochter abzuholen.
Im Waisenhaus standen zwei Jungen zwischen der Dolmetscherin, der Heimleiterin und Sena.
Sie sprachen auf die Heimleiterin ein. Diese wollte sie wegschicken, rief eine Helferin.
Ich fragte meine Freundin, was die Jungen denn haben. Sie druckste herum und sagte nach einer Weile : „ Es sind ihre Brüder“
Wir waren entsetzt. Niemals würden wir Geschwister auseinander reißen, da brauchten wir uns gar nicht erst besprechen.
Die Heimleiterin hatte es uns verschwiegen, aus Sorge, dass wir Sena nicht mehr nehmen würden.
Wir sahen uns an, sahen die Jungen an, sahen wieder uns, nickten und nahmen alle 3 Kinder.
Generell kann ich heute jedem sagen, man muss die Situation ausnutzen, nicht zu lange überlegen, was wäre wenn, sondern einfach machen, ausprobieren.
Meine Devise ist , alles auf sich zukommen lassen. Nicht zuviel planen, sondern alle Möglichkeiten, die sich bieten beruflich und privat, wahrzunehmen.
Der Kölner sagt: Et hätt noch immer jut jejange“
In meinen Leben gab es einen weiteren Bruch, als ich Witwe wurde.
Plötzlich, unerwartet, durch einen unverschuldeten Verkehrsunfall auf dem Weg zum Flughafen, um mich abzuholen. Die Kinder haben überlebt.
Die Arbeit war in den nächsten Monaten ein Freiraum, der mich ablenkte, wo ich meine Kräfte sammeln konnte, um abends für meine Kinder keine depressive, trauernde, verzweifelte Mutter zu sein.
Wer wie ich auf Kinder und Arbeit konzentriert ist, wird bald feststellen bei so einem Leben geht etwas verloren.
Es ist unmöglich, eigene Freundschaft, Stammtische, Vereinsleben oder Kulturkreise zu pflegen, weder im privaten noch in der Arbeit.
Ich versuche immer, so viele Termine wie möglich zu reduzieren, um mehr Zeit für meine Familie zu haben, da bleibt keine Zeit für Freundschaft.
Ich habe und das freut mich besonders, sehr viel Wohlwollen in meiner Umgebung erfahren.
Einen Arbeitgeber, der auf meine Bürotage zu Hause eingegangen ist, wunderbare Nachbarn, die immer offene Türen für die Kinder haben, Schulen, die meine Kinder auch nach dem Unterricht betreuten.
Als Rabenmutter, die nicht auf ihre Karriere verzichten wollte, musste ich lernen mit einem schlechten Gewissen umzugehen.
Selbst wenn ich es getan hätte, also auf Beruf, Karriere verzichtet, wer hätte eine Witwe mit 3 Kindern ernährt?
Ich war also weiter berufstätig und alles spielte sich ein, die Kinder wurden größer und haben nun ihre eigenen Termine, sind selten zu Hause, probieren ihre Talente aus. Sport, Musik, Tanz , Arbeitsgemeinschaften, Seifenkisten bauen, und was es sonst so alles gibt für Jugendliche.
Ich werde noch einmal einen Anfang wagen.
Das Glück stand vor der Tür, und meine Kinder und ich haben es hereingelassen.
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Roswitha 

Status: Offline Registriert seit: 08.08.2007 Beiträge: 307 Nachricht senden | Erstellt am 13.01.2008 - 16:27 |  |
Meine Freundin Sunny und ihre Lebenspartnerin wollten in Connecticut, Amerika, ein Kind adoptieren, aber dort ist das ja ganz und gar unmöglich.
Das Mädchen, um das es ging, hatte eine momentan allein erziehende deutsche Mutter und zwei ältere weiße Brüder. Die etwa ein Jahr alte Mia aber war unübersehbar farbig.
Ich kenne alle Beteiligten, lebte selber 1968/69 ein Jahr mit Sunny in Amerika zusammen, kehrte dann aber in die gemütliche Schweiz zurück.
Mutter Chris bekam die Gelegenheit zur Heirat. Der Mann war Puertoricaner mit einem guten Einkommen. Sein Haar war geschoren. Er hatte keine Probleme, er gehörte zu den Weißen, lebte in einem vornehmen Appartementhaus. Man sah ihm seine Herkunft nicht an.
Er wollte Chris heiraten. Die zwei weißen Söhne waren ihm willkommen.
Die schwarze Mia nicht.
Die Familie hätte mit dem farbigen Kind keine Wohnung in einem gehobenen Umfeld gefunden …
Meine in den Staaten mit einem Schwaben verheiratete Kusine adoptierte Mia.
Es dauert nicht lange, und die Ehe wurde geschieden. Den Grund für die Scheidung kenne ich nicht.
Meine Kusine Rosemary kam mit Mia in die Schweiz.
Mia fühlte sich nicht so wohl hier, ging in Amerika studieren.
Letztes Jahr besuchte Mia meine Freundin Sunny in Florida.
Sunny lebt schon etwa achtunddreißig Jahre mit ihrer Lebenspartnerin zusammen. Sie kamen auch schon in die Schweiz und besuchten mich.
Das war ein freudiges Ereignis 
Liebe Paula, du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, weil du weiter berufstätig bist, um deine Familie zu ernähren.
Du bist eine hervorragende Planerin, hast bestimmt deine Zeit mit deinen Kindern so oft geteilt, wie es nötig und möglich war.
Ich denke, du bist ihnen die beste Mutter, die sie haben können.
Signatur Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann.
Christian Morgenstern
http://www.roswitha-wegmann.ch |