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Uriel ...
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...   Erstellt am 07.10.2009 - 00:07Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Der Heilige Geist ist die dritte Person in der Gottheit, dem Wesen nach eins mit dem Vater u. dem Sohn u. von beiden als einem Prinzip (Grund) durch Hauchung ausgehend. Die Persönlichkeit des Heiligen Geistes steht nicht aus dem Namen allein fest, da dieser in den hl. Schriften manchmal auch unpersönlich für eine von Gott ausgehende Kraft od. für übernatürliche Gnadenwirkungen oder auch zur Bezeichnung des von der Gnade erhobenen Menschengeistes gebraucht wird. Aus dem Zusammenhang der Schriftstellen ergibt sich jedoch deutlich, dass darunter auch eine göttlichen Person zu verstehen sei.

Im Taufbefehl steht der Heilige Geist auf einer Linie mit Vater u. Sohn. Die Taufe wird, wie im Namen u. in der Vollmacht des Vaters u. des Sohnes, so auch in seinem Namen gespendet. Nach Jo 14, 16 u. 15, 26 ist er vom Vater und vom Sohne gesandt u. soll den Sohn nach dessen Weggang aus dieser Welt bei den Jüngern ersetzen. Der Heilige Geist soll die Jünger lehren. Sie an alles erinnern, frei die Gaben austeilen, die Tiefen der Gottheit erforschen, Bischöfe einsetzen, für uns beten usw. (Jo 14, 26; 1 Kor 12, lff; 2, 10; Apg 20, 28; Rom 8, 26).

In der Gleichsetzung mit Vater u. Sohn ist auch die Gottheit des Heiligen Geistes mitgesagt. Nur unter dieser Voraussetzung werden jene Schriftworte verständlich, die dem Heiligen Geist göttliche Wirksamkeit zuschreiben, so die Nachlassung der Sünden (Jo 20, 22), die Wiedergeburt in der Taufe (1 Kor 6,14), die Ausgießung der Liebe (Rom 5, 5), die Austeilung der Charismen od. Gnadengaben (1 Kor 12, 4 ff), die Erleuchtung der Propheten (2 Petr 1, 21). Dem Heiligen Geist wird im NT zugeteilt, was im AT von Gott selber ausgesagt wird (vgl. Is 6, 1 ff. u. Apg 28, 25 ff; Ps 94, 8 ff. u. Hebr 3, 7 ff). Den Heiligen Geist belügen heißt Gott belügen (Apg 5, 3); Tempel Gottes sein ist dasselbe wie Tempel des Heiligen Geistes sein (1 Kor 3,16). Daher befand sich die Kirche in vollem Einklang mit der Schrift, als sie gegen die Leugner der Gottheit des Heiligen Geistes, die sog. Pneumatomacken (nach denen der Heilige Geist ein Geschöpf des Sohnes war), auf dem 1. Konzil zu Konstantinopel (381) die Gottheit des Heiligen Geistes lehramtlich bestimmte. Sie stellte den Hervorgang des Geistes aus dem Vater fest u. fügte später, unter Zurückweisung der gegenteiligen Ansicht der Griechen (die behaupteten, der Geist ginge nur vom Vater aus), die ausdrückliche Lehre hinzu, dass der Geist auch vom Sohne gehaucht werde (4. Laterankonzil 1215; Konzil v. Lyon 1274; Konzil von Florenz 1439; Denz. 428 463 691 u. a.); so kam das Filioque („Und aus dem Sohne") auch ins Credo. Die Grundlagen dieses Dogmas finden sich schon in der Schrift. Denn der Heilige Geist heißt dort ebenso der Geist des Sohnes (Gal 4, 6) wie der Geist des Vaters (Mt 10, 20) — von beiden ausgehend. Er wird vom Vater, aber auch vom Sohne gesendet, u. Sendung schließt den ewigen Ausgang der gesandten von der sendenden Person ein. Sodann erklärt der Sohn, dass der Vater alles, was er hat, dem Sohne gegeben habe, also auch die Kraft, den Geist zu hauchen. Schließlich hat der Geist alles, was er mitteilt, vom Sohn, damit auch die göttliche Natur, mit der alles, was der Geist mitzuteilen hat, zusammenfällt (Jo 16, 13 ff).

Über die Art des Ausgangs des Geistes von Vater u. Sohn hat das 2. Konzil von Lyon (1274) u. das Florentinum (1438) festgelegt, dass Vater u. Sohn nicht in ihrer personalen Entgegensetzung, sondern insofern sie eins sind, den Geist hauchen. Gestützt auf den Namen Logos, den die Schrift dem Sohn beilegt, u. fußend auf jene Stellen der Bibel u. der späteren Überlieferung, in denen die Liebe auf den Heiligen Geist zurückgeführt wird, fasst der theologische Gedanke die Zeugung des Sohnes aus dem Vater nach Art des geistigen Wortes, das aus der Erkenntnis hervorgeht, u. den Ursprung des Geistes aus Vater u. Sohn wie den Hauch der Liebe oder die aus ihr bleibende Hinneigung, die im Willen entsteht, u. sieht darin den Grund, weshalb der Hervorgang des Geistes keine Zeugung sei.

Wie Vater u. Sohn den Heiligen Geist hauchen, so senden sie ihn auch. Denn Sendung ist nichts anderes als der innergöttliche Ausgang einer göttlichen Person mit Beziehung auf eine außergöttlichen Wirkung, die wegen ihrer bes. Ähnlichkeit mit der Eigenart der ausgehenden göttlichen Person auf diese zurückgeführt wird. Ist die Wirkung sichtbar, so heißt auch die Sendung eine sichtbare (Beispiel: Herabkunft des Heiligen Geistes am Pfingstfest in Gestalt feuriger Zungen). Bleibt die Wirkung dagegen unsichtbar, so spricht die Theologie von einer unsichtbaren Sendung (Beispiel: Einwohnung des persönlichen Gottesgeistes in Verbindung mit den übernatürlichen Gaben der Taufe, wie heiligmachende Gnade, theologische Tugenden, Gaben des Heiligen Geist usw.).

Was Gott schenkt, schenkt er aus Liebe, u. darum haben alle Gaben mit der persönlich göttlichen Liebe, d. h. mit dem Heiligen Geist, der Gabe aller Gaben, eine besondere Ähnlichkeit, weshalb sie diesem mit Vorzug zugeschrieben werden. In der Offenbarung wird im einwohnenden Heiligen Geist die Grundlage unserer ganzen Gotteskindschaft gesehen, die persönliche Gemeinschaft mit ihm erscheint geradezu als das Merkmal unserer Annahme an Sohnes Statt (Gal 4, 6 u. a.). So ist der Heilige Geist die Bestätigung, dass Gott uns liebt, und darum verbreitet der einwohnende Gottesgeist Ruhe u. Frieden u. das Gefühl einer übernatürlichen Geborgenheit im Vater.





[Dieser Beitrag wurde am 10.06.2011 - 20:21 von Uriel aktualisiert]





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...   Erstellt am 16.07.2010 - 17:09Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


1. Der Heilige Geist
Das Werk der Heiligung wird gewöhnlich der dritten Person der allerheiligsten Dreifaltigkeit zugeschrieben. Es ist zwar als eine Art Neuschöpfung irgendwie das Werk der ganzen heiligsten Dreieinigkeit als des einen Gottes. Es gibt aber gute Gründe, die dem Heiligen Geiste besonders den Titel des Heiligmachers beizulegen gestatten. Wir fassen es zusammen:
Der Heilige Geist ist der Ausdruck der Liebe im Schoße der Dreifaltigkeit; er ist das Band der Liebe zwischen Vater und Sohn, daher auch das Band der Einheit zwischen Vater und Sohn als unterschiedenen Personen. Er ist der Ausdruck des ganzen heiligen Wollens Gottes, also der Ausdruck seiner Heiligkeit, der Heilige Geist, Geist der Heiligkeit. Er ist gleichsam die Blüte des Lebens des dreifaltigen Gottes. Der Heilige Geist ist es auch, mit dem die Menschheit Christi gesalbt wurde, der die Menschheit Christi in die Einheit des göttlichen Christus und der Heilige Geist Lebens einbezieht, der dann auch in die menschliche Seele Christi die Liebe, die Heiligkeit als Abbild seiner selbst eingießt. Wir erkennen es deshalb auch schon als entsprechend, dass Gott dem Geschöpf, das er an Kindes Statt annimmt, den Heiligen Geist schenkt, ihn gleichsam über es ausbreitet, damit er seinerseits die Kreatur nach seinem Bilde umforme, ihm sein Bild einpräge, und so auch hier zum Bande der Einheit werde. Somit ist es sicher berechtigt, die Eingießung der heiligmachenden Gnade, also die Heiligung des Geschöpfes, auf den Heiligen Geist zurückzuführen. Er ist es einerseits, durch den die Liebe Gottes zu uns sich in unsere Herzen ergießt, und anderseits ist er es auch, der in unsere Herzen die Liebe zu Gott eingießt: „Die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, der uns geschenkt wurde" (Röm 5,5).

2. Christus und der Heilige Geist
Aus dem eben Gesagten ergibt sich, dass Christus ein ganz einzigartiges Verhältnis zum Heiligen Geiste innehat. Der Heilige Geist wird zum Geist Christi, auch seiner menschlichen Natur nach. Christus besitzt auch als Mensch den Heiligen Geist als eine ihm gehörende Gabe. Christus ist auch als Mensch der Sohn Gottes, da seine Menschheit mit der zweiten Person der allerheiligsten Dreifaltigkeit, dem Sohne, vereinigt ist. Somit hat er auch als Mensch einen Anspruch auf die Vaterliebe Gottes, also auf den Heiligen Geist als Band und Ausdruck der Liebe und Einheit zwischen Vater und Sohn. Der Heilige Geist nun formt die Menschheit Christi ganz nach seinem Bilde; er vergöttlicht sie. Diese Vergöttlichung der Menschheit Christi zeigt sich erstens in der Heiligkeit seiner Seele, seines Denkens und Wollens. Sie zeigt sich aber an sich auch in der Verklärung seiner ganzen Menschheit, auch seines Leibes. Auf diese Verklärung hatte der menschgewordene Gottessohn also einen ursprünglichen Anspruch. Unsertwegen, um das Werk unserer Erlösung, in Demut und Verzicht, auf seine Majestät zu vollführen, hat er zu Lebzeiten auf sie verzichtet, sie gleichsam hintangehalten. Nur einmal wollte er drei ausgewählte Zeugen, Petrus, Jakobus und Johannes ahnen lassen, welche Herrlichkeit ihm von Rechtswegen gebührte. Er nahm sie mit auf den Berg Tabor. „Da ward er vor ihnen verklärt. Sein Antlitz leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider glänzten wie das Licht." Gott selber gibt den tiefen Grund dieser „Verklärung" an, indem er vom Himmel ruft: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe." (Mt 17, 2 und 5). Dieser Mensch also, der da in herrlicher Verklärung vor den Augen der drei Apostel steht, ist Gottes Sohn, und darum gebührt ihm die Herrlichkeit eines Sohnes Gottes. Durch seinen Tod hindurch ging er ein in seine ewige Verklärung und Herrlichkeit. „Da er (Christus) in Gottesgestalt war, glaubte er dennoch nicht an seiner Gottgleichheit unbedingt festhalten zu sollen. Vielmehr entäußerte er sich, nahm Knechtsgestalt an, wurde den Menschen gleich und erschien im Äußern als Mensch. Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze. Im Namen Jesu soll sich jedes Knie beugen im Himmel und auf Erden und in der Unterwelt, und jede Zunge soll zur Ehre Gottes des Vaters bekennen: Jesus Christus ist der Herr (= Gott)" (Phlp 2, 6—11). Christus wollte eben die ganze Bürde und Verpflichtung der sündigen Menschheit auf sich nehmen und durch den Kreuzestod sich und die ganze Menschheit davon befreien. So ging er durch das dunkle Tor seines Leidens in seine strahlende Glorie ein. Das zeigte sich in etwa nach seiner Auferstehung, da sein Leib viele Gaben besaß, die ein gewöhnlicher Mensch nicht sein eigen nennt: Er war beweglich wie ein Geist und bewies allenthalben, dass auch der Leib vergeistigt war. Diese Vergeistigung der Menschheit Christi ist auch ein Werk des göttlichen Geistes, den er in sich trägt. Dieser hat die Menschheit des Sohnes Gottes ganz durchdrungen, ganz vergeistigt, ja vergöttlicht: „Der Herr ist Geist" (2 Kor 3, 17), sagt der heilige Paulus, d. h. Christus ist ganz Geist und vergöttlicht, ganz durchdrungen und durchformt vom Heiligen Geist, der ja sein eigener Geist ist. Die Kirchenväter erläutern diese Wahrheit gern durch ein Bild: Die Menschheit Christi ist wie ein Stück Eisen, das ins Feuer gehalten wird. Wie dieses ganz feurig wird ohne aufzuhören, Eisen zu sein, so wird die Menschheit Christi ganz göttlich ohne aufzuhören, Menschheit zu sein.

Daraus ergibt sich für uns eine ganz wichtige Folgerung. Wir gelangen so zu einer ganz grundlegenden Erkenntnis: Wo ist der Heilige Geist auch für uns gegenwärtig, wo können wir Anteil am Heiligen Geiste gewinnen? Die Antwort kann nur lauten: In Christus, in der verklärten Menschheit Christi. Wenn wir also mit der Menschheit Christi in Berührung kommen, so strömt aus ihr der Heilige Geist in uns über. Um in dem eben angeführten Bilde zu bleiben: Die Flamme, die in Christus glüht, schlägt auf den über, der mit Christus in Kontakt kommt. Er wird auch wie jenes Eisen, das ins Feuer gehalten wird. Auch er bekommt Anteil am Heiligen Geiste, dem Geiste Christi, des Sohnes Gottes; er bekommt also Anteil an der Sohnschaft des menschgewordenen Gottessohnes, wird vom Heiligen Geist in ihn umgestaltet.

So kann es uns kein großes Rätsel mehr aufgeben, wenn in der Heiligen Schrift dieselben Wirkungen einmal dem Heiligen Geist, ein andermal Christus zugeschrieben werden. Sie sind Wirkungen des geisttragenden Christus, sie sind Wirkungen des Geistes Christi, des Geistes in Christus. Der Heilige Geist kommt zu uns, wird uns gesandt mit dem verklärten Gottmenschen, in ihm und durch ihn; die Sendung des Heiligen Geistes fällt zusammen mit dem Wiederkommen Christi vom Himmel aus. Daher ist es auch verständlich, wieso der Heiland seinen Jüngern sagen kann: „Es ist euch gut, dass ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, kommt der Beistand nicht zu euch; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn euch senden" (Joh 16, 7), wieso der heilige Apostel Johannes in seinem Evangelium sagen kann: „Noch war der Heilige Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war" (Joh 7, 39). Das Pfingstgeheimnis ist die Frucht des Ostergeheimnisses, Pfingsten folgt auf Ostern und Christi Himmelfahrt.

3. Der Heilige Geist im Menschen
Wir sagten eben, wer mit Christus in Berührung kommt, auf den strömt gleichsam der Heilige Geist über, der die Menschheit Christi salbt und heiligt. So wird auch jedes Geschöpf, das Rebzweig am Weinstock Christi ist, das Christo eins gegliedert ist, mit dem Heiligen Geiste gesalbt. Der Heilige Geist ruht gewissermaßen über ihm. Durch die Eingliederung in Christus bekommt das Geschöpf Anteil an der Sohnschaft des Gottmenschen. Folglich gehört auch ihm der Geist der Liebe und Einheit, mit dem der himmlische Vater seinen Sohn liebt: „Die Liebe Gottes (des Vaters) ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns verliehen wurde" (Röm 5, 5). Der Heilige Geist nun gestaltet das Geschöpf, über dem er ruht, um nach dem Muster des Gottessohnes. So wie er die Menschheit Christi vergöttlicht und verklärt, so vergöttlicht und verklärt er nun auch das Christo eingegliederte Geschöpf. Er ist dadurch auch das Unterpfand der ewigen Herrlichkeit. Einstmals wird er sein Werk der Verklärung an uns vollenden. So wie er Christus in ewiger Seligkeit verklärt hat, so wird er auch uns einst der Seele und dem Leibe nach verklären. In der Stelle aus dem Briefe des heiligen Paulus an die Epheser, sagt der Apostel: „Nachdem ihr das Wort der Wahrheit, die frohe Botschaft von eurem Heile, vernommen und den Glauben angenommen habt, seid auch ihr in ihm (Christus) mit dem verheißenen Heiligen Geist besiegelt worden. Er ist das Unterpfand (,Angeld') unseres Erbes, das uns den Loskauf seines Eigentums verbürgt zum Lobe seiner Herrlichkeit" (Eph 1, 13 f). Der Heilige Geist, der uns also, wenn wir in Christus sind, wie ein Siegel oder Prägestempel aufgedrückt ist, um uns umzugestalten, ist schon ein „Angeld" auf die ewige Herrlichkeit, die die volle Erlösung ist. Es ist demnach ein steter Umgestaltungsprozess nach dem Vorbild Christi, des menschgewordenen Gottessohnes, den der Heilige Geist an uns vornimmt: „Wir werden immer herrlicher in das Bild (Christi) umgewandelt, und zwar durch den Geist des Herrn (Christi)" (2 Kor 3, 18). Wir dürfen somit auf diese Wirksamkeit des Heiligen Geistes in uns vertrauen; er arbeitet in seiner ruhigen und steten Art an unserer Seele, um dereinst, wie die Seele, so auch durch die Seele den Leib zu verklären und zu verherrlichen.

Der Heilige Geist wohnt also in der Seele des Menschen, der Christo eingegliedert ist. Aus dieser Einwohnung ergibt sich die heiligende Kraft und Wirksamkeit des Heiligen Geistes in der Seele. Diese heiligende Kraft äußert sich zunächst in der Vergöttlichung. Die Seele wird gottähnlich, wie das Eisen, das ins Feuer gehalten wird, feurig wird. „(Gott) hat uns die kostbarsten und größten Verheißungen geschenkt, damit ihr durch sie ... der göttlichen Natur teilhaftig werdet" (2 Ptr 1, 4). Diesen gottähnlichen Zustand der Seele nennen wir mit einem theologischen Ausdruck „heiligmachende Gnade". Die heiligmachende Gnade ist also nichts anderes, als eine Teilnahme an der Natur Gottes; wir werden durch sie gottähnlich. Aus der heiligmachenden Gnade im Grunde der Seele fließt dann eine Erhebung aller unserer Seelenfähigkeiten, so dass wir fähig werden, in Gott und mit Gott zu denken, zu wollen und zu handeln. Dadurch werden wir einbezogen in das Leben des dreifaltigen Gottes. Gott lebt in uns, die ganze heilige Dreifaltigkeit wohnt in uns wie in einem heiligen Tempel und steht in heiliger Gemeinschaft mit uns: „Wenn jemand mich liebhat, so wird er mein Wort bewahren. Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen" (Joh 14,23). Die mit der heiligmachenden Gnade geschmückte Seele steht demnach in geistigem Kontakt mit der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Die Einwohnung der heiligen Dreifaltigkeit ist eine Folge des Besitzes der heiligmachenden Gnade; dieser selbst ist aber eine Folge der Salbung mit dem Heiligen Geist, der die in Christus eingegliederte Kreatur überschattet, oder richtiger: überstrahlt.

Außer der heiligmachenden Gnade kennen wir noch die sogenannte „Wirkgnade". Sie ist eine augenblickliche Hilfe, Anregung, Erleuchtung vonseiten Gottes. Während also die heiligmachende Gnade ein Zustand der Seele ist (der Zustand ihrer Gottähnlichkeit), ist die Wirkgnade ein augenblickliches Wirken Gottes in der Seele. Diese Gnade kann der Tat des Menschen zuvorkommen: „zuvorkommende Gnade". Sie kann aber auch mit dem Wirken des Menschen zusammen helfend eingreifen: „helfende Gnade". Eine besondere Art der helfenden Gnade ist die „Gnade der Beharrlichkeit", durch die uns Gott gewährt, im Stande der heiligmachenden Gnade aus diesem Leben zu scheiden.

Die Gnade ist zum Heil unbedingt notwendig. Die heiligmachende Gnade bedeutet das höhere Leben der Seele, ohne das sie geistig tot ist. Die Wirkgnade steht dem Menschen bei zu jedem Werk, das für das übernatürliche Leben irgendwie nützlich ist. Mit der zuvorkommenden Gnade bereitet sich der Mensch auf die Rechtfertigung durch die heiligmachende Gnade vor, sodass auch der Anfang des Heiles von Gott kommt. Die Gnade zwingt aber nicht den Menschen; er kann und muss mit ihr mitwirken, er kann ihr auch widerstehen. Das Zusammenwirken von Gnade und menschlicher Freiheit ist ein undurchdringliches Geheimnis.
Ist der Mensch durch die heiligmachende Gnade gerechtfertigt, so wird er — unter dem Beistand der helfenden Gnade — „gute Werke" verrichten. Diese ergeben sich ganz naturnotwendig aus dem neuen Zustand, in den der Mensch durch die heiligmachende Gnade versetzt wurde. Es versteht sich ganz von selbst, dass der Mensch die Liebe, die er Gott gegenüber im Herzen trägt, durch Taten beweisen muss; sonst wäre sie nicht echt. Aus seinem höheren Leben heraus muss der Mensch Früchte tragen. Nach unserem Glauben wird er eben wirklich innerlich besser durch die Rechtfertigung aus Christus. Es ist demnach ganz selbstverständlich, dass sein ganzes Tun und Lassen ein anderes, besseres wird. Der innere Adel seiner Seele muss sich notwendig in entsprechendem Verhalten offenbaren. Die Werke, die man in Verbindung mit Christus, als Rebzweig am göttlichen Weinstock, in der Kindschaft Gottes durch die heiligmachende Gnade verrichtet, sieht Gott an wie Werke seines Sohnes. Er muss also gleichsam auf sie mit seiner Gegenliebe antworten. Mit anderen Worten: Die im Stande der Gnade verrichteten guten Werke werden von Gott belohnt, eben mit seiner Gegenliebe. Die wechselseitige Liebe drängt zu gegenseitigem Hingeben und Mitteilen. Somit verdienen die guten Werke Vermehrung der heiligmachenden Gnade und schließlich die ewige Seligkeit. Werke, die nicht im Stande der Gnade, d. h. nicht von einem Kinde Gottes, einem Gliede Christi verrichtet werden, sind vor Gott wertlos; für das ewige Heil sind sie verloren. So ist es zu verstehen, wenn es in der Heiligen Schrift heißt: „Gott wird jedem vergelten nach seinen Werken: mit dem ewigen Leben denen, die beharrlich Gutes tun" (Röm 2, 6 f). „Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen" (Mt 7, 19). Der Heiland verspricht das ewige Leben denen, die ihm zu essen gaben, als er hungrig war, ihm zu trinken gaben, als ihn dürstete, ihn beherbergt, bekleidet und in Krankheit und Gefangenschaft besucht haben, wie er umgekehrt die dem ewigen Feuer überantworet, die ihm in den Mitmenschen diese Wohltaten verweigert haben (Mt 25, 31—46).

Außer den bisher erwähnten gibt es noch eine Klasse von Gnaden, die man wohl „Amtsgnaden" nennen kann. Die Theologen sprechen in Anlehnung an einen augustinischen Ausdruck von „gratiae gratis datae", d. h. umsonst (gratis) gegebene Gnaden. Sie verstehen darunter Gnaden, die jemandem nicht um seiner selbst willen, nicht zum eigenen Heil der Seele gegeben werden, sondern zum Besten der Gesamtheit. Hierhin gehören also die dem Priester zur guten Verwaltung seines Amtes erteilten Gnaden. Niemand wird zu seinem eigenen Nutzen Priester, sondern zum Dienst an der Gemeinschaft und wegen der Gemeinschaft, die eben des Priesteramtes notwendig bedarf. Hierhin gehören auch die Gnaden, die jemanden etwa zu einem guten Prediger befähigen und dgl. Sie machen den betreffenden Menschen nicht besser; sie helfen ihm nur — vielleicht gänzlich ohne sein Verdienst (darum „gratis" = umsonst gegeben) —, zum Besten der Gemeinschaft beizutragen. Sie sind also für ihn ein Anlass, sich nicht zu überheben, sondern eher sich zu demütigen.

Der Heilige Geist, der unserer Seele aufgeprägt wird, ergießt sodann in diese die ganze Fülle der Tugenden. Durch die drei „göttlichen" Tugenden, die sich unmittelbar auf Gott beziehen und darum „göttliche" heißen, verbindet er die Seele in ihrem Denken, Wollen und Streben fest mit Gott, richtet sie auf Gott aus. Durch die anderen Tugenden, die man gewöhnlich unter die vier Haupt- (Kardinaltugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmut und Maß oder Maßhaltung einreiht, macht er den Menschen in sich und im Hinblick auf die Mitmenschen wohlgeordnet. Diese Tugenden werden zunächst aber vom Heiligen Geist nur als Keim und Anlage gegeben und erheischen von uns eifrige Mitarbeit.

Außer den Tugenden gießt der Heilige Geist in die Seele noch die sogenannten „Sieben Gaben" aus. Sie werden im Anschluss an den Propheten Isaias, der sie dem künftigen Messias beilegt (Is 11, 2), aufgezählt als: Gabe der Weisheit und des Verstandes, des Rates und der Stärke, der Wissenschaft und der Frömmigkeit, Gabe der Furcht des Herrn. Sie befähigen den Menschen, auf die Eingebungen Gottes zu lauschen, deren jeder Mensch bedarf, um an sein ewiges Ziel zu gelangen, und Gottes besonderer Führung, vor allem in schwierigen Lagen, treu zu folgen.

Dieser ganze herrliche Reichtum, den der Heilige Geist demjenigen verleiht, der ein Glied Christi ist, der mit Christus, dem menschgewordenen Gottessohne, verbunden ist, geht nun verloren durch eine einzige Todsünde. Eine Sünde ist die Übertretung eines göttlichen Gebotes. Da aber Gott nicht willkürlich gebietet und verbietet, so ist jede Sünde gegen das Wesen der Dinge. So ist z. B. die Lüge auch gegen das Wesen der menschlichen Sprache, die vom Schöpfer erdacht ist, damit der Mensch seine inneren Gedanken ausdrücken kann. Das Wort ist seinem inneren Wesen nach also Ausdruck eines inneren Gedankens. Wer es demnach missbraucht, und etwas in ihm ausdrückt, was nicht seinen Gedanken entspricht, versündigt sich gegen das Wesen der menschlichen Sprache und daher gegen den Schöpfer, der dieses Verfehlen notwendig ahnden muss. Weil nun alle Dinge Abbilder Gottes sind, aus Gottes Weisheit entsprungen und seinem Wesen nachgebildet, ist jede Sünde auch gegen das Wesen Gottes und die aus seinem Wesen fließende Weisheit. Der Schöpfer wacht über seiner Schöpfung und lässt sie nicht ungestraft verkehren und verderben. Handelt es sich nun um einen wichtigen Gegenstand, der ganz besonders tief in die Schöpfung eingreift, etwa um die Dinge, die mit dem Menschenleben zusammenhängen, so zieht eine Übertretung ein vollständiges Brechen mit Gott nach sich, vorausgesetzt, dass sie mit klarer Überlegung und freiem Willen begangen wurde. In diesem Fall haben wir es mit einer Todsünde (schweren Sünde) zu tun, zu der also immer drei Stücke gehören: ein wichtiger Gegenstand, klare Erkenntnis des Bösen und volle freie Einwilligung. Sie vernichtet das höhere, wahre Leben der Seele, das in Gott durch die heiligmachende Gnade besteht. Der Heilige Geist trennt sich von der Seele; sie wird gottfern. Die Tugenden werden vernichtet. Zugleich wird jede Möglichkeit genommen, im Stande der Todsünde noch etwas für die Ewigkeit Verdienstliches und Nützliches zu tun, ja. Nicht, als könnte ein solcher Mensch überhaupt nichts Gutes mehr tun. Das Gute, das er noch tut, ist ihm sogar nützlich, um Gott zu bewegen, ihm die Gnade der Bekehrung zu erteilen, ihm unter Umständen auch zeitlichen Lohn und Abwendung von zeitlichen Strafen zu gewähren. Da eine solche Tat aber nicht mehr in der Liebe zu Gott geschieht, kann Gott doch keine volle Freude an ihr haben, noch auch sie mit sich selbst und ewiger Seligkeit vergelten. Für die Ewigkeit ist sie verloren.

Eine Übertretung des göttlichen Gesetzes, bei der eins von diesen drei Stücken fehlt, die wir oben als zum Wesen einer Todsünde gehörend erwähnten, ist eine leichte oder „lässliche" Sünde. Sie wird lässlich genannt, weil sie nachgelassen wird ohne den Empfang des Bußsakramentes zu erfordern. Eine lässliche Sünde vernichtet nicht das übernatürliche Leben, zerstört nicht die Gemeinschaft mit Gott. Da somit die Liebe zu Gott nicht vernichtet wird, bleibt eben durch diese Liebe die Möglichkeit, die Sünde durch Reue vollkommen wieder gutzumachen. Eine bewusst und überlegt, ganz freiwillig begangene leichte Sünde vermindert selbstverständlich das Gnadenleben, lockert die Gemeinschaft mit Gott und bedeutet eine drohende Gefahr.

Der ernststrebende Mensch hingegen sucht ständig im übernatürlichen Leben zu wachsen, Gott näher zu kommen. Er verlangt nach immer reicherem Einstrom der göttlichen Gnade.







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Die Urheimat des Heiligen Geistes


Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen 2 Kor 13,13
Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi Eph 2,3
Ich und der Vater sind eins Joh 10,30.


Auf einer Missionsreise durch Irland war der heilige Patrizius mit seinen Begleitern an eine Quelle gekommen. Da traten die noch ungetauften Töchter des heidnischen Königs zu dem Neuankömmling mit der Bitte: Ihr Männer, bringt uns doch Botschaft von dem großen Gott! Da führte der Heilige die Königstöchter im Geiste hinauf in den Schoß des Dreifaltigen Gottes. Er kündete ihnen den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. In heiliger Ergriffenheit staunten die noch heidnischen Seelen über die Größe dieses Glaubensgeheimnisses. Die Gnade Gottes war an der Arbeit, und sie sprachen: Höre nicht mehr auf zu reden! Lehre uns noch mehr! Wir wollen glauben!

Dieses Thema ist über den kleinen Horizont des Menschengeistes erhaben. Wir wollen nun über die Urheimat des Heiligen Geistes im Schoße der Dreifaltigkeit parlieren. Wir lernen da kennen:

I. den ewigen Vater;
II. den Eingeborenen Sohn;
III. den Heiligen Geist.

I.
Der ewige Vater! Katholisches Volk; in dem einen Gott gibt es drei Personen. Das ist eine durch die göttliche Offenbarung verbürgte Glaubenswahrheit. Wie freilich der Sohn aus dem Vater und der Heilige Geist aus dem Vater und dem Sohne hervorgeht, darüber enthält die Heilige Schrift nur Andeutungen. Mit heiliger Ehrfurcht und gläubigem Sinn haben die Gottesgelehrten die Schrift erforscht. Sie sagen uns in Anlehnung an die Offenbarung ungefähr folgendes:

Der himmlische Vater, die erste Person in der Dreifaltigkeit, hat das Leben nicht empfangen. Er ist ohne Anfang und ohne Ursprung! Er ist der Quell seines eigenen Lebens! Dieses Leben ist groß wie das Meer. Doch, was sagen wir, wie das Meer? Fahre hinaus auf die tiefste Stelle des Meeres! Lass ein Senkblei in die Tiefe! Es mag lange dauern, aber einmal erreicht es doch den Grund des Meeres. Das Senkblei, das der gläubig forschende Menschengeist in den Lebensozean des himmlischen Vaters hinunterlässt, wird nie auf den Grund kommen, denn dieser Ozean ist unendlich in der Tiefe und Höhe, in der Länge und in der Breite. Quell dieses Ozeans ist der Vater selber. Er hat sein Leben nicht empfangen. Er ist sich selber Ursprung seines Lebens.

II.
Der Vater ist ein Geist. Es steht geschrieben: „Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." Der Vater ein Geist! Er ist nicht wie ein Götzenbild, das Augen hat und doch nicht sieht; das Ohren hat und doch nicht hört! Nein, der Vater ist von Ewigkeit her in Tätigkeit. Der Vater denkt und will! Der Vater schaut und liebt! Der Vater schaut von Ewigkeit her mit wundervoller Klarheit des Geistes seine Majestät und Größe! Seine Schönheit und Herrlichkeit! Wie aus der Knospe die Frucht wächst, so geht aus der Schau des Vaters ein Bild von seiner eigenen Herrlichkeit und Schönheit hervor! Dieses Bild steht seit den Tagen der Ewigkeit vor seinem Auge! Es ist ein Bild des Vaters von seinem eigenen Ich!

Wir lesen von einem der großen Maler: Er wollte gegen Ende seines Lebens ein Bild von sich selber auf die Leinwand bringen. Wochenlang ging er in die Stille seiner Werkstatt und dachte über sein Antlitz nach. Als das Bild im Geiste fertig war, fing er an zu malen. Das Bild, das ein Künstler von sich entwirft, steht weit hinter der Wirklichkeit zurück. Ganz anders das Bild, das der Vater im Himmel von seiner Schönheit und Herrlichkeit in seinem Geiste trägt. Dieses Bild ist der vollkommenste Ausdruck von dem, was der Vater an Majestät und Größe besitzt. Es ist so reich, dass es nicht eine Sache bleibt, wie das Selbstbildnis eines Künstlers, sondern Person wird. Es ist der Eingeborene des Vaters. Wenn ihr also die Frage stellt, wie der Sohn aus dem Vater hervorgeht, so antworte ich euch: Aus der Schau des Vaters in seine eigene Majestät und Schönheit! Die Gottesgelehrten haben dieses Hervorgehen ein „geistiges Gezeugtwerden" des Sohnes vom Vater genannt. Begriffen, warum wir im Glaubensbekenntnis der heiligen Messe die Worte beten „Gezeugt, nicht geschaffen"?

III.
Doch ihr sollt noch etwas hören von der Urheimat des Heiligen Geistes! Himmel staune und Erde merke auf: Wir stehen vor dem Geheimnis aller Geheimnisse! Möge der Heilige Geist, den wir Tag für Tag verehren sollen, das rechte Wort verleihen. Mit unaussprechlichem Wohlgefallen schaut der Vater auf seinen Sohn. Dieser ist ja der vollendete Abglanz seiner eigenen Schönheit. Das vollkommenste Ebenbild seines Wesens. Der Vater ist Geist! Er betätigt sich nicht nur durch Schauen. Auf das Schauen folgt naturnotwendig das Lieben. Bei dem Anblick der unendlichen Schönheit des Sohnes entsteht im Herzen des Vaters eine Liebesbewegung. Mit unendlicher Innigkeit liebt er seinen Sohn.

Noch nie hat auf dieser Erde ein Vater seinem Sohn einen solchen Blick der Liebe zugewandt, wie der himmlische Vater ihn dem Sohne zuwendet! Noch nie hat aus dem Herzen eines Vaters eine solche Liebesflamme dem Sohne entgegengeschlagen, wie aus dem Herzen des himmlischen Vaters! Noch nie hat aber auch ein Sohn auf dieser Erde seinem Vater einen solch feurigen Blick der Liebe zugewandt wie der Sohn dem Vater im Schöße der Dreifaltigkeit! Die Gottesgelehrten sprechen von einer unendlichen Liebesflamme, die hinüber- und herüberschlägt! Sie sprechen von einer unendlichen Liebeswoge, die der Vater aussendet und die der Sohn zurücksendet. Aus der Liebe zwischen Vater und Mutter geht als Frucht in der Ehe das Kind hervor; eine menschliche Person! Aus der Liebe zwischen Vater und Sohn in der Dreifaltigkeit geht die göttliche Person hervor. Der Hl. Geist, die persongewordene Liebe in der Gottheit!

Wenn wir die drei göttlichen Personen aufzählen, so erscheint der Heilige Geist immer am Ende. Wir sagen: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wir dürfen aber nicht die Vorstellung haben, als stünde der Geist Gottes neben oder gar außerhalb des Vaters und des Sohnes. Nein, wie die Liebe auf Erden Vater und Mutter verbindet, so ist der Heilige Geist mitten in der Gottheit. Und wenn ihr nach seiner Heimat fragt: Sie liegt auf dem Herzensgrund des Vaters und des Sohnes.

Auf einem mittelalterlichen Schlosse wurde ein Familienfest gefeiert, zu dem nur die Kinder des Hauses eingeladen wurden. Die Knechte, die auf dem Schlosse dienten, schauten aus der Ferne nach den hell erleuchteten Fenstern. Bei der heiligen Taufe sind wir als Gotteskinder in die Familie der Heiligsten Dreifaltigkeit aufgenommen worden. Heute durften wir im Geiste das innerste Familiengeheimnis der Dreifaltigkeit betrachten. Fühlt ihr es, welch eine Auszeichnung und Gnade uns, den Kindern Gottes, zuteil geworden? Der große und gütige Gott hat nicht nur seine Majestät enthüllt wie einstens im Alten Bunde. Er lässt uns hineinschauen in das Geheimnis seines innergöttlichen Familienlebens. Freilich, das ist eine Gnade, die der Dreifaltige Gott nur seinen Kindern gewährt. Freuen wir uns dieser einzigartigen Begnadigung und zeigen wir uns ihrer würdig! Beten wir voll freudiger Dankbarkeit den Lobspruch auf die Heiligste Dreifaltigkeit: „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen!"



Drei Lichtstrahlen aus der Urheimat


Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerscharen Is 6,3
Du sendest aus Deinen Geist und erneuerst das Antlitz der Erde Ps 103,30
Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben Joh 14,16.


In staunender Ergriffenheit haben wir einen Blick in die Urheimat des Heiligen Geistes geworfen. Noch unter dem Eindruck, den das Geheimnis der Geheimnisse in unserer Seele ausgelöst hat. Nun wollen wir noch drei Lichtstrahlen auffangen, die vom Heiligen Geist ausgehen! Lichtvoll ist:

I. sein Name;
II. seine Geburt;
III. sein Wesen.

I.
1.
Seit den Tagen unserer Gläubigkeit sind wir gewohnt, die dritte Person in der Gottheit „Heiligen Geist" zu nennen, Haben wir aber schon einmal darüber nachgedacht, was dieser Name uns zu sagen weiß? Heiliger Geist! Der Prophet Isaias durfte bei seiner Vision in die andere Welt schauen und lauschen auf das Lied des Himmels. Es fielen die Engel Gottes auf ihr Antlitz nieder und riefen ohne Unterlass: „Heilig, heilig, heilig bist Du, Herr, Gott der Heerscharen!" Es muss etwas zu bedeuten haben, dass auf den reinen Lippen der Engel das Lied von der Heiligkeit Gottes erklingt! Man möchte fast glauben: Kein Gotteslob findet im Himmel droben ein solch freudiges Echo wie das Lied auf Gottes Heiligkeit! Dieses Lied gilt dem Vater, dem Sohne und dem Heiligen Geiste gemeinsam. Warum sagen und betonen wir nun dennoch: Heiliger Geist? Heilig ist der Vater! Heilig der Sohn! Der Heilige Geist aber ist gleichsam der Duft, der da ausgeht von der Heiligkeit des Vaters und des Sohnes! Er ist die Liebesflamme, die aus dem Herzen des Heiligen Vaters und des Heiligen Sohnes hinüber- und herüberschlägt! Im Herzen des Hl. Geistes vereinigt sich die Heiligkeit des Vaters und des Sohnes!

2. Wir nennen die dritte Person in der Dreifaltigkeit: Heiliger Geist! Auch der Vater und der Sohn ist in seinem Wesen ein Geist. „Gott ist ein Geist. Warum nun dennoch diese Betonung: Heiliger Geist? Es gibt kaum einen Namen, der das Wesen des Heiligen Geistes so ausdrückt wie der Name „Geist". Der Lateiner sagt für Geist „Spiritus", das heißt: Hauch. Wer denkt da nicht an den Anfang der Schöpfung? Es heißt in der Schrift: Und Gott hauchte in den Erdenklotz „Mensch", in das tote Gebilde, etwas von seinem Odem ein. Geist steht für Hauch. Jemand anhauchen heißt: Ich gebe ihm etwas von dem Innersten meines Wesens. Jemand anhauchen heißt: Leben und Liebe ausströmen lassen und in einen andern einströmen lassen. Wer denkt da nicht an die Stunde, da Christus das Sakrament der Buße einsetzte und die Apostel anhauchte mit den Worten: „Empfanget den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen! Welchen ihr sie behalten werdet, denen sind sie behalten!" In diesem Augenblick ging der Heilige Geist, den der Heiland in sich trug, durch Hauchung auf die Apostel über. Ahnt ihr jetzt, was es sagen will: Heiliger Geist? Er ist der Hauch der Liebe, der vom Herzen des Vaters ausgeht und zum Herzen des Sohnes hinübergeht und von da wieder zurückgeht. Heiliger Geist will sagen: Er ist der persongewordene Liebeshauch, durch den der Vater und der Sohn ihr Innerstes und ihr Bestes ausströmen und ineinanderfließen lassen. Wenn eine Mutter ihrem Kindlein das Feinste ihres Herzens schenken will, dann haucht sie es an und drückt ihm den Mutterkuss auf seine Lippen. Sie hat ihm das Leben geschenkt. Sie nährt das Leben an ihrer Brust. Sie möchte durch den Kuss dem Kind immer wieder etwas einhauchen von ihrem Leben und von ihrem Innersten. Versteht, warum St. Bernhard den Heiligen Geist genannt hat den „Kuss" in der Heiligsten Dreifaltigkeit, durch den der Vater und der Sohn von Ewigkeit her aneinanderhängen und sich gleichsam ihr Innerstes ausschütten!

II.
Zweiter Lichtstrahl aus der Urheimat des Heiligen Geistes: Der Hl. Geist ist die Krone in der Dreifaltigkeit! Wenn der gläubige Mensch ehrfürchtig vor den Geheimnissen Gottes steht und seine Ohnmacht fühlt, etwas zu sagen, so hilft er sich mit einem Gleichnis. Wir sind uns freilich bewusst: Auch das Reden in Gleichnissen ist wie das Stammeln eines Kindes und das leise Flüstern des Windes! Vor Gottes Unendlichkeit gibt es keinen Vergleich. Und doch, wir wissen keinen anderen Weg.

Schon die alten Kirchenväter haben die Familie mit Vater, Mutter und Kind eine Art irdische Dreifaltigkeit genannt; das Abbild und das Nachbild der Dreifaltigkeit im Himmel droben! Wenn dem so ist, dann ist das Kind Abbild des Heiligen Geistes. Das Kind, die Krone des irdischen Familienlebens! Der Heilige Geist, der krönende Abschluss in der Gottesfamilie der Dreifaltigkeit! Schon in alter Zeit haben die Gottesgelehrten gefühlt: Ohne den Heiligen Geist würde in der Lebensentfaltung der drei göttlichen Personen der Abschluss fehlen. Was der Vater beginnt, was der Sohn fortführt, das vollendet der Heilige Geist! Der Vater schaut in seine Herrlichkeit und Schönheit. Aus dieser Schau des göttlichen Wesens geht der Sohn hervor. Der Vater schaut nicht nur den Sohn. Er liebt ihn auch mit unendlicher Liebe. Der Sohn gibt eine ebenbürtige Antwort auf die Liebe des Vaters. Aus dieser Liebe wächst als köstliche Frucht der Heilige Geist. Der Geist der Liebe! Er sendet den Strom der Liebe, der vom Vater und vom Sohne ausgeht, wieder zurück. Begreift jetzt die Gottesgelehrten und insbesondere einen heiligen Hieronymus, warum sie den Heiligen Geist genannt haben den krönenden Abschluss im Leben der Dreifaltigkeit!

III.
Dritter Lichtstrahl aus der Urheimat des Heiligen Geistes: Von der Rhön, erzählt der bekannte Schriftsteller Weismantel eine ergreifende Begebenheit. Um die Not des Landes kennenzulernen, stieg der Bischof eines Tages einer Bergeshöhe zu, wo die armen Waldarbeiter wohnten. Der Bischof klopfte an einer Tür an und stellte die Frage: Wohnen hier die armen Leute von der Rhön? Er bekam die Antwort: Wir sind nicht arm! Wir haben Brot und sind zufrieden! Der Bischof stieg noch höher hinauf und klopfte an einer Köhlerhütte an. Ein Greis im weißen Silberhaar saß in der Stube. Ungefähr 20 Enkelkinder spielten zu seinen Füßen. Noch einmal fragte der Bischof: Wohnen hier die armen Leute von der Rhön? Da stand der Alte auf und gab eine Antwort, wie sie kein Universitätsprofessor hätte schöner geben können: Wir sind nicht arm! Wir haben Kinder! Wo das Kind zu Hause ist, da wohnt die Freude!

Wo das Kind zu Hause ist, da wohnt die Freude. Das Kind, der Freudenbringer in einer freudlosen Zeit! Mein Gott, wie oft schon haben die Erwachsenen uns bitter enttäuscht! Schaut auf die Kleinen! Und jedes Mal, wenn die Augen der Kindesunschuld leuchten, da erleben wir es immer wieder: „Das Kind, ein Freudenbringer!" Wie viele Mütter, die um eines Kindes willen viel gelitten, haben das Geständnis abgelegt: Wir würden es nicht um eine Million hergeben! „Das Kind, ein Freudenbringer!" Das Kind, die Frucht aus der Liebe in der Ehe, ist uns ein Bild vom Heiligen Geist, der aus der Liebe des Vaters und des Sohnes hervorgeht! Mit Recht haben die Kirchenväter ihn genannt „das Band der Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn".

Ein Sprichwort sagt: Lieben und geliebt zu werden ist das höchste Glück auf Erden! Dieses Wort gilt nicht nur für die irdische Dreifaltigkeit der Familie. Es gilt auch für die himmlische Gottesfamilie der drei göttlichen Personen. Könnt ihr euch jetzt noch wundern, wenn die Gottesgelehrten den Heiligen Geist, die persongewordene Liebe, den Freudenbringer in der Gottheit nannten? Merkt einmal auf und lauscht auf die rührenden Ausdrücke, mit denen schon die alten Kirchenväter den Heiligen Geist schildern! Er ist die Wonne! Die Seligkeit! Die Süßigkeit! Der Herzensjubel des Vaters und des Sohnes! Der wunderbare Wohlgeruch, den der Vater und der Sohn aussenden! Der unaussprechliche Seufzer des Herzensglückes in der Gottheit! Die Kirchenväter sagen uns weiter: Der Vater ist die Erhabenheit und Majestät! Der Sohn ist die Fülle der Weisheit! Der Heilige Geist aber bringt die Anmut und Lieblichkeit in die Majestät des Vaters und in die Weisheit des Sohnes. Der Vater, der Träger der unendlichen Majestät Gottes! Der Sohn, der Träger der unendlichen Weisheit Gottes! Der Heilige Geist, der Träger der Holdseligkeit und der Liebe!

Eine Begebenheit aus der Heiligen Schrift: Droben auf Bergeshöhe nahm der Stammvater des Volkes einstens Abschied von der Herrlichkeit, die der Herr ihm gezeigt. Da sprach der Herrgott zu ihm das Wort: „Schau' auf zum Herrn und handle nach dem Bilde, das ich dir auf dem Berge gezeigt!“ Wir durften nun miteinander eine Taborstunde auf Bergeshöhe erleben. Wir durften in das Innerste der Urheimat des Heiligen Geistes schauen, soweit gläubige Menschenaugen schauen dürfen. Was für ein Abschiedswort soll man mitgeben, wenn ihr hineinschreitet in den grauen, bitteren Alltag des Lebens? Es gibt kein schöneres Wort als das: „Schau' auf zum Herrn und handle nach dem Bilde, das ich dir auf Bergeshöhe gezeigt habe." Komme, was kommen mag, schau' auf zum Herrn und handle nach dem Bilde, das ich dir gezeigt! Lass deine Seele immer wieder einkehren in der Heimat des Heiligen Geistes! Wenn die drei schwachen Lichtstrahlen, die wir auffangen durften, unsere Seele schon so beglückt haben, was mag dann erst für eine Freude unser Herz durchziehen, wenn wir einmal die Schwelle der Ewigkeit überschreiten und das Antlitz des Heiligen Geistes schauen dürfen von Angesicht zu Angesicht, von Ewigkeit zu Ewigkeit!



Der feierliche Einzug


Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, damit er bei euch bleibe in Ewigkeit Joh 14,16
Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, da entstand plötzlich vom Himmel herab ein Brausen, gleich dem eines dahinfahrenden gewaltigen Sturmes, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen Apg 2,1
Ich werde meinen Geist über alles Fleisch ausgießen Joel 2,28.


Wir durften zuletzt am Ufer eines Meeres stehen, das keine Grenzen kennt. Wir durften das erhabene Hin- und Herwogen zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist bewundern. Wir durften das Senkblei des Glaubens in die Tiefen der Gottheit hinunterlassen. Noch immer zittert in unserer Seele das Wort der Heiligen Schrift nach: „O welch eine Tiefe des Reichtums und der Weisheit Gottes! Wer kann den Sinn des Herrn ergründen? Wer ist jemals sein Ratgeber gewesen?" Noch einmal sei es gesagt: Wie das Kind als Frucht der Liebe aus der Vermählung zwischen Vater und Mutter hervorgeht, so der Heilige Geist aus dem Vater und dem Sohn. Mit Recht haben die Gottesgelehrten ihn genannt die „persongewordene Liebe"; den „Kuss des Vaters auf die Lippen des Sohnes!" Es ist der Liebe eigen, sich mitzuteilen und zu verschenken. Die rechte Liebe spricht „Hin zu dir!" Wundert euch darum nicht, dass sich der Heilige Geist, ohne seine Urheimat im Schoße der Dreifaltigkeit aufzugeben, auch auf der Erde eine Heimstätte gesucht hat. Am Pfingstmorgen hielt er feierlich seinen Einzug. Der Einzug des Heiligen Geistes auf der Erde ist:

I. eine durch den Heiland vorbereitete Tatsache;
II. eine durch die Schrift verbürgte Tatsache.

I.
Wir wollen jetzt nicht reden von dem Prophet Joel, der schon in alter Zeit das Pfingstgeschehen geschaut und Gott in der Schrift sprechen lässt: „Ich werde meinen Geist über alles Fleisch ausgießen." Reden wir nur von der Vorbereitung des Heiligen Geistes, wie sie der Heiland in der letzten Zeit seines Erdenlebens getroffen hat.

1. Er hat die Herabkunft des Heiligen Geistes verheißen! Unsagbare Wehmut ergriff die Apostel, als der Meister seinen Heimgang zum Vater ankündigte. Welches war die Trosthoffnung, die der Herr in jenen Tagen in den Kreis seiner Freunde hineinsenkte? Er verheißt den Heiligen Geist; den Tröster, der an seine Stelle treten und sich der Apostel im Geiste der Liebe annehmen soll! Er spricht zu ihnen: Es ist gut, dass ich heimgehe! Denn wenn ich heimgegangen bin, so werde ich euch den Tröster senden. Der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe! Er wird das von mir begonnene Erlösungswerk zum gnadenvollen Abschluss bringen!

2. Jesus hat auch um den Heiligen Geist gebetet! „Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster senden." Saget selbst: Wenn der Gottessohn mit aufgehobenen Händen vor den Thron des Vaters tritt und um das Kommen des Heiligen Geistes anhält, ahnt ihr da nicht etwas von der Größe des Pfingstgeschenkes? Der Heiland hat nicht nur gebetet. Um dieses Geschenkes willen steigt er an das Kreuz hinauf und betet mit seinen vom Blut geröteten und weit ausgebreiteten Armen. Ja, er hat uns die Herabkunft des Heiligen Geistes mit seinem Blute verdient.

3. Jesus hat uns in der Gemeinschaft mit dem Vater den Heiligen Geist gesandt, nachdem er über die Wolken aufgestiegen war und zur Rechten des Vaters sitzet. Solange auf Erden noch eine Seele der Erlösungsgnade bedarf, so lange wird Christus den Heiligen Geist heruntersenden. Erst, wenn die letzte Seele in das Reich der Herrlichkeit eingegangen und das Erlösungswerk Christi seinen Abschluss gefunden, wird auch das Herniedersteigen des Heiligen Geistes ein Ende haben!

II.
Der Einzug des Heiligen Geistes auf der Erde, eine durch die Schrift verbürgte Tatsache!

1. Wenn wir von einem Einzug des Heiligen Geistes sprechen, so will das nicht sagen, dass der Geist Gottes vor dem Pfingstfeste keine Verbindung mit der Erde gehabt hätte. Der Geist Gottes ist wie der Vater und der Sohn vom Anbeginn der Schöpfung an allgegenwärtig. Wenn auch unsichtbar, so ist er doch jeden Augenblick im Weltall und in allen Geschöpfen gegenwärtig und wirksam. Er ist die unsichtbare Sonne, die alles Leben weckt, erhält und befruchtet. Noch nie hat ein Menschenherz zu schlagen begonnen, es sei denn, dass der Heilige Geist es in Bewegung gebracht! Noch nie hat ein Stern auch nur einen einzigen Augenblick am Himmelszelt geleuchtet, außer im Heiligen Geist! Noch nie ist ein Wassertropfen in das Reich der Wolken eingegangen oder hat sich aus einer Wolke losgelöst, ohne dass der Heilige Geist dabei war. Nicht nur in der materiellen Welt, auch in der Welt des Geistes ist der Heilige Geist ständig gegenwärtig und tätig. Er hat in alter Zeit durch den Mund der Propheten zukünftige Dinge vorausgesagt. Er war das „Allerheiligste", das die Gerechten des Alten Bundes auf dem tiefsten Grunde ihres Herzens tragen durften. Doch, wir sprechen jetzt von dem feierlichen Einzug des Gottesgeistes. Was Weihnachten ist im Leben des Eingeborenen vom Vater, das ist Pfingsten im Leben des Heiligen Geistes. An diesem Tage trat er gleichsam aus der Verborgenheit der Dreifaltigkeit heraus. Er durchbrach gleichsam den Schleier, den er um sich gelegt. Er zog unter Zeichen, die dem Menschenauge sichtbar waren und die Aufmerksamkeit weckten, auf der Erde ein.

2. Ja noch mehr! Noch nie hat ein König einen solch majestätischen Einzug in seinem Reiche gehalten, wie der Heilige Gottesgeist. Pfingstsonntagmorgen war's. Da entstand plötzlich vom Himmel her ein Brausen. Es war wie das Brausen eines gewaltig dahinfahrenden Sturmes. Er erfüllte das ganze Haus, in dem die junge Kirche sich versammelt hatte. Der Sturm des Pfingstmorgens rüttelte nicht nur an den Fensterscheiben des Abendmahlsaales. Er rüttelte auch an den Wohnhäusern der Stadt. Ja, er drang sogar hinein in den geschlossenen Raum, in dem die Apostel waren! Er griff nicht nur in das Angesicht, sondern hinunter in den letzten Winkel des Herzens. — Es erscheinen zerteilte Zungen wie von Feuer! Flammengarben schießen vom Himmel herab! Feuerzungen spielen auf ihren Häuptern! Das himmlische Gottesfeuer durchdringt ihre Seelen und verbrennt den Spreu ihrer Erdengesinnung. Er reißt zu einer Begeisterung mit fort wie es die Menschheit seit Jahrtausenden nicht mehr erlebt hat. Eine ungeheure Bewegung ergreift die Menschen. Wie die Bäume des Waldes stöhnen und ächzen unter dem Orkan, so und noch viel mehr werden die Herzen durch das Pfingstgeschehen aufgewühlt. Ob Mann oder Frau, ob drinnen oder auf der Straße, alles verlässt die Stadt und eilt dem Abendmahlsaal zu, der droben auf Sion liegt.

3. Auf Sinai erschien einstens Gott einem einzigen Volke! Über der Bundeslade des heiligen Tempels zeigte sich Gott dem Hohepriester! Im brennenden Dornbusch der Wüste offenbarte er seine Majestät einem einzigen Mann! Immer waren es nur wenige Zeugen, welche die Herrlichkeit Gottes schauen durften. Die Thronbesteigung des Heiligen Geistes auf der Erde vollzog sich vor den Augen der Menschheit. Es wurde in Jerusalem das alttestamentliche Pfingstfest gefeiert. Die Straßen der Heiligen Stadt wimmelten von Menschen aus vielen Nationen. Selbst Afrika und Asien, Rom und Korinth hatten ihre Vertreter entsandt. Ja man kann sagen: Zum Einzug des Heiligen Geistes war die ganze Menschheit versammelt. Es hatten die Völker ihre Vertreter geschickt, um Zeugen der wundersamen Großtat des Heiligen Geistes zu sein.

Am Pfingstmorgen, wenn unsere Kirche an den festlich geschmückten Hochaltar tritt, um das Geheimnis des Tages zu feiern, so bricht sie im Introitus der heiligen Messe in die Jubelworte aus: „Der Geist des Herrn hat den Erdkreis erfüllt!"

Wir wissen, wie Milliarden von Himmelskörpern im Weltall wandern. Sie sind meist größer und lichtvoller als unsere arme Erde, dieses Tränen- und Sündental! Und doch, keiner von ihnen durfte den großen Heiligen Geist empfangen und beherbergen. Wollen wir da heute, da wir uns der Nähe des Heiligen Geistes wieder bewusst geworden, nicht der Erde Glück wünschen, dass sie einem so erhabenen Gaste Herberge und Wohnzelt sein durfte? Die Erde, die einstens die Krippe von Bethlehem getragen; die Erde, auf der das Kreuz gestanden, das Ostergrab des Auferstandenen gelegen, sie durfte allein den feierlichen Einzug des Heiligen Geistes erleben.

Wohlan denn, freuen wir uns als Adamskinder dieser erhabenen Begnadigung! Und wenn wir heute das heilige Opfer feiern, so wollen wir mit besonderer Dankbarkeit im Gedanken an die Herabkunft des Heiligen Geistes beten und singen: „Gratias agamus Domino, Deo nostro! Dignum et justum est!" „Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott! So ist es recht und heilsam!"






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...   Erstellt am 09.06.2011 - 01:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Das Heilige Alte Testament kennt wohl mehrere Stellen, in denen von „Gottes Geist" oder vom „Geist des Herrn" die Rede ist. „Gottes Geist schwebte über den Wassern" (1. Buch Moses 1,2). Im Buche der Richter wird von Othoniel berichtet: „Über ihn kam der Geist des Herrn, und er wurde Richter in Israel" (3,10). Erst im Heiligen Neuen Testament erfahren wir aus ungefähr einhundert Bibelstellen vom Heiligen Geist, der dritten Person der geheimnisvollen Dreieinigkeit und Dreifaltigkeit Gottes. In seiner unergründlichen Weisheit hatte es Gott gefallen, über viele Geheimnisse der Göttlichen Wesenheit noch einen Schleier des Geheimnisses zu legen, bis der kommen würde, der uns in der Fülle der Zeit diesen Schleier ein Stück weit hinwegziehen sollte. Die erste klare Aussage über den Heiligen Geist macht der Engel dem frommen Priester Zacharias gegenüber: „Denn er (Johannes) wird groß sein vor dem Herrn ... und schon im Mutterschoße wird er vom Heiligen Geiste erfüllt sein" (Lukas 1,15). Sechs Monate danach offenbart der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das aus dir geboren wird, Sohn Gottes genannt werden" (Lukas 1,35). Der Dritte, dem Kunde vom Heiligen Geiste wird, ist Joseph, der Nährvater Jesu: „Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, deine Gattin, zu dir zu nehmen; denn was in ihr erzeugt worden ist, stammt vom Heiligen Geiste" (Matthäus 1,20). Nun mehren sich die Aussagen über den Heiligen Geist. Johannes der Täufer kündet öffentlich: „Er, (der mächtiger ist: Christus) wird euch mit dem Heiligen Geiste und mit Feuer taufen" (Matthäus 3,11).

In seinen Abschiedsreden im Abendmahlssaal gibt uns Jesus das Geheimnis der Wesenheit des Heiligen Geistes kund: „Dann will ich den Vater bitten, dass er euch einen anderen Beistand gibt, der in Ewigkeit bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr jedoch kennt ihn; denn er wird dauernd in euch sein ... Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (Johannes 14,12-14 und 26). „Wenn aber der Beistand kommt, der vom Vater ausgeht, so wird er Zeugnis von mir geben ... Es ist gut für euch, dass ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, kommt der Beistand nicht zu euch; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt zum Bewusstsein bringen, dass es eine Sünde gibt, eine Gerechtigkeit und ein Gericht... Noch vieles hätte ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber er, der Geist der Wahrheit, kommt, wird er euch in alle Wahrheit einführen. Denn er wird nicht aus sich reden, sondern was er hört, wird er reden, und was zukünftig ist, euch verkünden. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem Meinigen nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird von dem Meinigen nehmen und es euch verkünden" (Johannes 15,26-16,15).

Kommt hier schon sehr deutlich zum Ausdruck, dass mit „Heiliger Geist" nicht nur das Einströmen göttlicher Erleuchtungen oder Gnaden gemeint war, sondern dass hier die Wirksamkeit einer von Gott dem Vater ausgehenden Person geoffenbart wurde, so wird das nach der Auferstehung Christi noch deutlicher, wenn er seine Jünger im Abendmahlssaal in feierlicher Weise anhaucht und spricht: „Empfanget den Heiligen Geist!" (Johannes 20,22). Lukas, der gebildete Arzt, der alle Ereignisse kritisch überprüft hatte, berichtet dann am Anfang seiner Apostelgeschichte die folgenden Abschiedsworte des Herrn: „..er gebot ihnen, von Jerusalem nicht wegzugehen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten. ,ihr habt sie ja', sprach er, ,von mir vernommen. Johannes taufte nur mit Wasser. Ihr aber werdet in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geiste getauft werden ... Ihr werdet vielmehr die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommt, und sollt meine Zeugen sein..." (1,4-8). Vor der Himmelfahrt, auf dem Berge in Galiläa, wohin sie der Herr beschieden hatte, trat Jesus auf seine Jünger zu und sprach zu ihnen: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht euch alle Völker zu Jüngern, indem ihr sie tauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes..." (Matthäus 28,16-20).

Ausführlich schildert Lukas in seiner Apostelgeschichte die Herabkunft des Heiligen Geistes am Pfingstfest im Sturmesbrausen und mit feurigen Zungen, die sich „auf jedem von ihnen niederließen. Alle wurden mit dem Heiligen Geiste erfüllt. Sie begannen in fremden Sprachen zu reden ..." (2,1-13). Staunenswert, mit welcher Beredsamkeit, mit welchem Mut, auch angesichts ständiger Todesdrohung, nun Petrus und seine Mitapostel öffentlich auftreten! Nicht minder staunenswert, wie schnell die ungelenken Fischer vom See Genezareth in ihre weltweite Aufgabe hineinwachsen, wie schnell sie die damals bekannte Welt in ihr Apostolat einbeziehen, wie sicher sie sofort ein Gemeindeleben allüberall aufbauen, eine kirchliche Ordnung schaffen, eine klare Gottesdienst-Form entwickeln! Und erneut „erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren. Alle wurden mit dem Heiligen Geiste erfüllt und verkündeten mit Freimut das Wort Gottes..." (Apostelgeschichte 4,31). Und unter geheimnisvollem Antrieb finden sie auch bald die äußere Form, um das Wirken des Heiligen Geistes in den neuen Gemeindemitgliedern zu vermitteln: die Handauflegung. Petrus und Johannes wurden von der Gemeinschaft der Apostel nach Samaria entsandt, wo sich eine Gemeinde Neugetaufter gebildet hatte. Sie „zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen, sie waren nur auf den Namen des Herrn Jesus getauft worden. Da legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist" (Apostelgeschichte 8,14-17). Die Spendung des hl. Sakramentes der Firmung hatte begonnen.

Von nun an sprechen und schreiben die Jünger des Herrn immer wieder vom Heiligen Geiste und geben uns damit nähere Kenntnis von seiner Wesenheit. „ ... Die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, der uns verliehen wurde (Römerbrief 5,5). „Das Reich Gottes besteht doch nicht in Essen und Trinken, sondern in Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geiste" (Römerbrief 14,17). „Der Gott der Hoffnung erfülle euch durch den Glauben mit lauter Freude und Frieden, damit ihr überströmt an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes" (Römerbrief 15,13). In seinem ersten Brief an die Gemeinde von Korinth zeigt uns der Völkerapostel, wie der Menschenleib neue Würde erlangt hat: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des in euch wohnenden Heiligen Geistes ist, den ihr von Gott empfangen habt, so dass ihr euch nicht selbst angehört?" (6,19). Der Heilige Geist bringt uns eine „Erneuerung", durch die wir „gerechtfertigt" und „Erben des erhofften ewigen Lebens werden" (Titusbrief 3,7). „Der Geist ist ja die Wahrheit. So sind es drei, die Zeugnis geben im Himmel: Der Vater, das Wort (= Christus) und der Heilige Geist, und diese drei sind eins. Und drei geben Zeugnis auf Erden: Der Geist, das Wasser und das Blut, und diese drei sind in sich eins" (1. Johannesbrief 5,7-8).

Die Anführung dieser vielen Bibelstellen soll dazu dienen, dem „Unbekannten Gott" größere Verehrung und Liebe durch alle Christen zu bieten. Viel zu wenig wird der Kult des Heiligen Geistes gepflegt. Pfingsten ist gemäß Goethes Gedicht zum „lieblichen Fest" geworden, zum Fest der großen Ausflüge, der Fahrten ins Blaue, der „Pfingstbowle", des „Maitanzes" usw. Und selbst die heilige Firmung ist mehr und mehr zu einer schnell vorübergehenden Äußerlichkeit geworden, wozu nicht selten die Ansammlung mehrerer hundert Kinder aus mehreren Jahrgängen und mehreren Gemeinden ungünstig beiträgt. Das II. Vatikanische Konzil hatte sich dieses Anliegens angenommen. Die Eltern sollten aber nicht bis zur Einführung neuer Firm-Ordnungen warten, sondern selber dem „Unbekannten Gott" den Weg in die Herzen ihrer Kinder bereiten! Das geschieht durch oftmaliges Gebet um die Erleuchtung des Heiligen Geistes für das elterliche Erziehungsmühen, nicht minder auch durch das öftere gemeinsame Beten um die Kraft des Heiligen Geistes mit den Kindern, besonders wenn wichtige Ereignisse bevorstehen, wie z. B. die Einschulung, die Entscheidung über den Übergang auf eine höhere Schule, Prüfungen, Abitur, ferner die Berufswahl-Fragen (nicht nur bezüglich der Entscheidung für den geistlichen Stand!), die Mühe um die rechte Wahl der künftigen Ehepartner usw. Wie wichtig ist das Beten um die Kraft des „Beistandes", wenn Eltern wissen, dass ein Kind in seine Pubertätskrise kommt, dass zwei junge Verliebte und Verlobte in die besonderen Gefahren ihres Standes kommen, wie wichtig aber auch das Gebet um diese göttliche Kraft für die eigenen Eheprobleme und Ehekrisen. Die vielfältigen Möglichkeiten verwirklichter Caritas (Adveniat- und Misereor-Kollekten, Caritas-Sammlungen und caritative Betätigung, z. B. in nachbarschaftlicher Familienhilfe) bieten starken Antrieb, dem „Geist der Liebe" weit die Tore des Herzens zu öffnen.

Da aber nicht nur die Liebe zu den vom Heiligen Geist in Taufe und Firmung eingegossenen Tugenden gehört, sondern auch der Glaube und die Hoffnung, gehören Gespräch und Gebet um die Bewahrung und Verlebendigung des „Geistes der Wahrheit" in alle ernsthafte religiöse Formung der Familienmitglieder hinein. Das religiöse Lehrgut des Religionsunterrichtes, der Seelsorgestunden, des Erstbeicht- und Erstkommunionunterrichtes, der Elternkreise, Vereins- und Gruppenstunden, der Standesvorträge und Predigten, und auch der Lesung in religiösen Büchern und Schriften wird kalte Wissengewinnung bleiben, wenn nicht das Feuer des Pfingstgeistes zugleich erbetet wird. Und es ist wirklich aller Mühe und Ausdauer wert, immer wieder einmal in Besinnung und Gespräch und Gebet jene sieben Gaben ins Bewusstsein zu bringen und in der Seele zu erhalten, die - wie der „Unbekannte Gott" - auch weithin aus der Erinnerung der Getauften geschwunden sind: die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die in Taufe und Firmung ins Herz des Christen einströmen: „Der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Frömmigkeit und der Furcht des Herrn" (Isaias 11,2).







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...   Erstellt am 10.06.2011 - 22:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Die Persönlichkeit ist etwas schwieriger nachzuweisen, weil Pneuma (=Geist) neutrisch ist und weil es auch sehr oft in der Schrift eine unpersönlich Kraft bezeichnet; zudem ist Pneuma gemeinschaftlicher Name für die Gottheit überhaupt (Joh. 4, 24).

Im Alten Testament ist „Ruach Elohim" unpersönliche Kraft Gottes, die das kosmische Leben bewirkt (1 Mos. 1, 2; 2, 7; 6, 3. Is. 32, 15. Ps. 103, 29 f.) wie das charismatisch-prophetische (4 Mos. 11, 16: 70 Älteste), in Samson, Saul, den Propheten, im Messias (Is. 11,1), und seiner Gemeinde (Is. 32,15 ; 44,1 ff'. Joel 2, 28 f.). Als ethisches Prinzip soll er die Gabe der messianischen Zukunft sein.

Im Neuen Testament kehren diese dreifachen Bestimmtheiten sehr oft wieder, bei den Synoptikern wie bei den Aposteln (Paulus). Aber auch als göttliche Person wird der Heilige Geist ganz deutlich gekennzeichnet, indem ihm persönliche Wirkungen und Akte beigelegt werden. So Joh. 14, 16 f.: „Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit… Er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (Joh. 14, 26). Wenn er vom Vater gesandt wird, „so wird er Zeugnis von mir geben; aber auch ihr werdet Zeugnis geben" (Joh. 15, 26 27), infolge seines Zeugnisses. „Er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hört, wird er reden und das Zukünftige euch verkünden. Er wird mich verherrlichen; weil er von dem Meinigen empfangen und es euch verkündigen wird“ (Joh. 16, 13 ff.). Alles Worte, die sowohl die Persönlichkeit als die Gottheit bezeugen.

Paulus hat eine ganze Reihe trinitarischer Formeln. Weiter stellt er den Heiligen Geist fort während zu dem erhöhten Christus in Parallele. Für die Persönlichkeit wie für die Gottheit sprechen besonders folgende drei Stellen: „Der Geist erforschet alles, auch die Tiefen der Gottheit" (1 Kor. 2, 10). „Wisset ihr nicht, dass ihr Tempel des Heiligen Geistes seid und der Geist Gottes in euch wohnt?" (1 Kor. 3,16.) Und 1 Kor. 12, 4—11, wonach der Heilige Geist mit Christus und dem Vater („idem autem Spiritus... idem autem Dominus" = Christus . . . „idem vero Deus") über der Christenheit schwebt als Gnadenwalter, „zuteilend den einzelnen, wie er will".

Der trinitarische Glaube der Vornizäner ist bestimmt, die Theologie dagegen noch wenig klar; das betrifft die dritte Person noch mehr als die zweite. Von den Wirkungen des Heiligen Geistes reden sie fast alle und wiederholen dabei die Schriftworte: man empfängt ihn in der Taufe; er redete durch die Propheten und ist jetzt noch in den Pneumatikern tätig (Didache, die apostol. Väter Klemens, Ignatius, Barnabas, Hermas; die Apologeten Hippolyt, Irenäus). Der erste, der den trinitarischen Geist in seiner persönlichen Gottheit erfasst, ist Tertullian; er ist hier der einzige bis auf Athanasius. Athanasius verteidigte entschlossen gegen Bischof Mazedonius von Konstantinopel in drei Briefen an den Bischof Serapion von Thmuis (Ep. 1, 3, 4) die Gottheit des Heiligen Geistes. Athanasius stützt sich auf Schrift (Ad Serap. 1, 4—6), Tradition (1, 28) und Vernunft. Es gibt einen ganz einfachen Beweis, den theologischen: Es würde folgen, „dass die Dreiheit nicht mehr eins sei, sondern selbst aus zwei und verschiedenen Naturen bestehe wegen der Wesensverschiedenheit des Geistes. . . . Was ist nun dieses für eine Theologie, die aus Schöpfer und Geschöpf zusammengesetzt ist. Wenn es eine Trinität gibt, wie sie auch wirklich ist, wie stellen sie dann den Geist der Trinität an die Seite der Geschöpfe, die nach der Trinität sind? Denn dieses heißt abermals (wie beim Sohne) die Trinität teilen" (Ep. 1, 2). „Der Dreieinigkeit wird nichts Fremdes beigemischt; sondern sie ist unteilbar und in sich selbst gleich. Dies genügt den Gläubigen", aber darüber hinaus lasse man das Forschen; es ginge über den Blick der Cherubim (1,17). Außer den zahlreichen Schriftstellen stützt sich Athanasius auf das seitdem ständig wiederholte Argument aus der Wirkung: Gottes Geist vergöttlicht uns, also muss er Gott, kann kein Geschöpf sein (1, 28). Über den Ausgang sagt er, „dass er vom Vater ausgeht, sofern er aus dem Worte (Logos), das aus dem Vater ist, ausstrahlt und von ihm gesendet und gegeben wird" (1, 20). Wie der Sohn aus der Wesenheit des Vaters, „so muss auch der Geist, der, wie gesagt, aus Gott ist, dem Wesen nach dem Sohne eigen sein" (1, 25; vgl. 1, 20 u. 21; 3, 2). „In dem eigentümlichen Verhältnisse, in dem, wie wir wissen, der Sohn zum Vater steht, wird, wie wir finden werden, der Geist zum Sohne stehen. Und wie der Sohn sagt: .Alles, was der Vater hat, ist mein, ebenso werden wir finden, dass dieses alles durch den Sohn auch in dem Heiligen Geiste ist" (3, 1). „In den Schriften ist der Geist weder Sohn genannt, damit man ihn nicht für einen Bruder halte, noch Sohn des Sohnes, damit der Vater nicht für einen Großvater angesehen werde; sondern der Sohn ist Sohn des Vaters und der Geist ist Geist des Vaters genannt; und so ist die Gottheit der heiligen Trinität eine und der Glaube einer" (1, 16). Über Athanasius ist die griechische Theologie hier kaum wesentlich hinausgekommen, wenn auch Basilius und besonders Gregor Naz. noch bessere Formeln prägen konnten.

Nach dem hl. Johannes ist die Gottheit Geist, Licht und Liebe. Weil sie Geist ist, deshalb soll unser Gottesdienst geistig sein. Wir sollen in all unsern religiösen Übungen und Gebeten nicht ruhen, bis wir durch die Hülle und Schale den geistigen Kern, Gott selbst, gefunden haben. Im Gottesdienst der Wahrheit haben wir es immer direkt und unmittelbar mit Gott selbst zu tun; wir sollen ihn in seinem innersten Heiligtum selbst aufsuchen, nicht gedankenlos draußen in der Vorhalle stehen bleiben. Gott ist Licht; deshalb soll unser Wandel in seinem Lichte geschehen. Nicht in der Finsternis, Christus warnt vor ihr, weil sie gleich ist dem Untergang. Auch das Licht unsrer eigenen Erkenntnis ist Finsternis; wenn sie sich nicht vom Lichte Gottes durchstrahlen lässt. „Solange ich in der Welt bin", sagt der Herr, „bin ich das Licht der Welt." Gott ist endlich Liebe; er ist Liebe im Heiligen Geiste. Wie deshalb unser Wesen Licht, so soll unser Wille Liebe werden. Auf diese dreifache Weise findet die Menschenseele am sichersten ihre Rückkehr zu Gott und gelangt mit ihm zur mystischen Einheit. „An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir und ich in euch." Die geheimnisvolle Einheit von Vater und Sohn ist das Vorbild der mystischen Einheit der Seele mit Gott.

Das Dogma der Dreifaltigkeit umfasst nicht nur die Dreiheit der Personen in der einen Wesenheit, sondern auch die gegenseitigen innern Beziehungen der drei Personen zueinander, wie sie durch die Ausgänge der Einzelnen bestimmt sind.






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...   Erstellt am 11.06.2011 - 21:14Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Die dritte Person geht durch Hauchung von der ersten und zweiten aus wie von einem Prinzip!

Die erste Definition zu Konstantinopel 381 betont die Aussendung „aus dem Vater", um der Irrlehre entgegenzutreten, der Heilige Geist sei ein Geschöpf des Sohnes. Athanasianum: „Der Heilige Geist geht vom Vater und Sohne aus, wird nicht gemacht, nicht geschaffen, nicht geboren“. Gegen die Griechen, die den Ausgang vom Sohne („filioque") ablehnten, richten sich die Definitionen des Lyonense II 1274: „Der Heilige Geist geht ewig aus dem Vater und dem Sohne aus, aber wie von einem Prinzip, nicht (wie die Griechen vorwarfen) aus zwei Prinzipien; auch nicht durch zwei Hauchungen, sondern durch eine Hauchung" (also: „tamquam ex uno principio" und „unica spiratione"). Letzteres wird vom Florentinum wiederholt. Dann wird noch gesagt, dass das „Filioque" erlaubter- und begründeterweise dem Symbolum beigefügt sei (D. 691).

Christus lehrt zunächst, dass der Heilige Geist vom Vater ausgeht: „Wenn der Tröster kommt, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird er Zeugnis von mir geben" (Joh. 15, 26). Das Filioque taucht zuerst im Abendlande nach Augustinus Theologie auf; es findet sich nicht formell in der Schrift. Doch lassen sich aus dieser folgende Beweismomente anführen. Zunächst wird der Geist öfters mit dem Sohne in Verbindung gebracht (Apg. 16, 7); besonders bei Paulus: er ist zwar meist „Geist Gottes" (Röm. 8, 9 11 14. 1 Kor. 2, 11 14; 3, 16; 6, 11; 7, 40; 12, 3. 2 Kor. 3, 3. Eph. 3, 16. Phil. 3, 3), wobei zu beachten ist, dass gemäß 1 Kor. 2, 12 von Paulus stets der „genitiv. originis" gemeint ist. Aber er redet auch vom „Geiste Christi" (Röm. 8, 9. Phil. 1,19. 2 Kor. 3,17 f. Gal. 4, 6), und man darf daher auch hier an den „genitiv. originis" denken und wenigstens „eine Spur" des Ausgangs vom Vater und Sohn darin finden. Die Griechen erklären die Stelle vom Ausgang aus dem Vater; die Lateiner auch vom „Filioque"; die Protestanten meist von der zeitlichen Sendung.

Von Johannes heben wir zunächst die Parallele zwischen Sohn und Geist hervor: der Sohn bezeugt den Vater (Joh. 6, 46; 8, 26 38; 18, 37), der Geist den Sohn (15, 26); der Sohn verherrlicht den Vater (17, 4), der Geist den Sohn (16, 14); der Sohn redet nur, was er vom Vater hört und sieht (12, 49; 7, 16); der Geist „redet alles, was er hört, ... er nimmt es von dem Meinigen" (16, 13 f.). Wie der Sohn vom Vater gesandt ist, so wird der Geist durch den Sohn gesandt (15, 26; 16, 7). Das ist jedoch nicht einseitig zu fassen, als sei der Geist nur abhängig vom Sohne und Sohn des Sohnes, sondern der Anteil des Vaters an dem Geiste ist an mehreren Stellen ebenso deutlich ausgesprochen und vor dem des Sohnes: Der Sohn sende ihn vom Vater (15, 26); der Geist nimmt es „von dem Meinigen", aber „alles, was der Vater hat, ist mein; deshalb sagte ich, dass er es von dem Meinigen nehmen wird" (16, 14 f.). Daher die Breviloquenz: „Der vom Vater ausgeht" (15,26). Der Vater ist Prinzip auch des Sohnes: daher kommt der Geist vom Vater „im Namen" des Sohnes (14, 26) oder auf Bitten des Sohnes (14, 16; vgl. Offb. 22, 1).

Die Lateiner haben seit Tertullian sachlich das „Filioque"; Augustinus hat es formell. „Der Heilige Geist geht vorzugsweise (principaliter) vom Vater aus, . . . doch gemeinschaftlich (communiter) von beiden (Trin. 15, 26, 47). Also gibt es in der Trinität keine zwei Prinzipien, sondern eins" (Trin. 5, 14, 15). Ihm folgen die andern fast ausnahmslos. Die Griechen betonen mehr den Vater als Quelle der andern Personen und bevorzugen die Formel „a Patre per Filium". Manche legen in das „per Filium" etwas Kausales; andere denken mehr an einfache Weitergabe der vom Vater empfangenen Substanz. Ganz energisch vertreten diese Auffassung die Antiochener Theodor von Mops und Theodoret gegen Cyrill Alex., so dass sie die Abweichung davon für eine Blasphemie halten (Tixeront III 199). Man darf behaupten, dass Augustinus, dem griechischen Gedanken dadurch Rechnung tragend, dass er sagt, der Heilige Geist gehe „principaliter" vom Vater aus, und nicht zwei Prinzipien, sondern „unum principium" betont, wesentlich, wenn auch nicht methodisch, mit den Griechen dasselbe will und lehrt, und dass der Streit um das „Filioque" in der Kirche unbekannt war und erst mit Photius begann. Seit der Zeit freilich leugnen die Griechen das „Filioque" als Häresie ab und lehren nur den Ausgang aus dem Vater. Sie verdrehen das „Filioque", als wenn der Sohn selbständig, wenn auch ausgerüstet vom Vater, als zweites Prinzip den Heiligen Geist hervorbrächte.

Die vom Glauben erleuchtete Vernunft sieht in der schismatischen Fassung eine große Schwierigkeit; denn wenn der Heilige Geist nur vom Vater ausgeht, fehlt ihm jede Beziehung zum Sohne und damit auch der Gegensatz zu ihm, somit besteht Identität mit ihm: das ist aber die Auflösung der Trinität. Dies wird später noch deutlicher werden. Es würde auch alle innere Harmonie und Schönheit in der göttlichen Ordnung fehlen, wenn der Heilige Geist einfach beziehungslos neben dem Sohne stände.

Die spekulative Erklärung der Hauchung bot stets größere Schwierigkeiten als die Zeugung und wurde noch mehr als diese mit scheuer Zurückhaltung von den Kirchenvätern behandelt. Die Griechen begnügen sich mit materiellen Bildern, am häufigsten des Lichtes oder der Fackel. Sehr drückt sie, wie die Väter alle, die Frage, warum die dritte Person nicht auch „Sohn" ist, welcher Unterschied besteht zwischen Zeugung und Hauchung. Warum heißt ferner die dritte Person mit Wesensnamen Heiliger Geist, da doch, so sagen sie, auch die beiden andern sowohl heilig als auch Geist sind und heißen?

Augustinus psychologische Erklärung verfolgt die früher angedeutete Analyse des Menschengeistes weiter und stößt auf dessen zweite Kraft, den Willen oder die Liebe. Geht die zweite Person aus der ersten hervor in Weise eines Erkenntnisbildes („per modum intellectus"), so die dritte aus der ersten und zweiten in der Art eines Liebesaktes („per modum voluntatis, amoris"). Das erklärt Augustinus so: Wie Gott im Sohne sein eigenes Wesen erkennt und begreift, so umfasst er es mit dem Sohne durch einen gemeinsamen Akt der Liebe („amor sequitur intellectum"), und der Ausdruck dieser heiligen Selbstliebe ist der Heilige Geist, gleichsam das Band („vinculum"), welches beide zur Einheit verbindet, das Geschenk („donum"), das beide sich gegenseitig ewig machen. Wie sich, „generatio" und „processio" in Gott unterscheiden, vermag Augustinus sowenig zu sagen wie die Griechen; daher verzichtet er auf eine Lösung (M. 42, 770), hält aber fest, dass der Heilige Geist in keiner Weise „Sohn" sei.

Aber in Augustinus Lehre lagen die Keime der Vollendung, die Thomas von Aquin der „processio" gegeben hat. Zunächst zeigt der Aquinate, dass es gemäß der zwei geistigen Lebensakte in Gott einen zweiten Ausgang geben muss (S. th. 1, 27, 3). Dann unterscheidet er Zeugung und Hauchung.

Der tiefste Unterschied zwischen beiden Ausgängen liegt, nach Thomas, nicht in dem Zielpunkt der gleichen Natur, sondern in der formellen Art und Weise, diese Natur mitzuteilen: in der Mitteilung selbst ist die Sohnschaft begründet; anderseits liegt in ihr der Grund, weshalb der Ausgang des Heiligen Geistes einfache „processio" oder „spiratio" ist, nicht „generatio", und ihr Zielpunkt „spiritus" nicht „filius". Die Begründung für letzteres liegt wieder in der Eigentümlichkeit dieses zweiten Prozesses. Der Wille bringt sein Objekt nämlich nicht wie der Intellekt in Weise eines Abbildes hervor, sondern setzt dieses vielmehr als vom Intellekt bereits geschaffen und dargeboten voraus und äußert sich ihm gegenüber als Hinneigung, Verlangen, Streben, Bewegung, Liebe und Umfangen (S. th. 1, 27, 4). Daher ist auch der Wesensname „Spiritus" = Hauch, Wind, Bewegung, und sind die Bewegungsbilder für den Heiligen Geist in der Schrift Wind, Wasser, Feuerzungen und Sturm (Joh. 3, 8; 7,38 f. Apg. 2,1—4). Und wenn Gott überhaupt der Natur nach „Geist" ist und heißt (Joh. 4, 24), so ist es die dritte Person doch nicht nur gemäß der Natur, sondern auch der Person; und wenn beide erste Personen der Natur nach heilig sind, so ist es die dritte Person doch auch ihrer Person nach, da sie als „Caritas" und „donum Dei" der persönliche Ausdruck der göttlichen Heiligkeit und Liebe ist. Daher heißt die dritte Person mit Emphase in der Schrift „Spiritus Sanctus". — Die persönliche Eigentümlichkeit und Verschiedenheit von Sohn und Geist gründet somit in ihrer besondern Ursprungsweise, nicht im Ursprung an sich, und gar nicht in ihrer Natur, welche dieselbe ist.

Union von Griechen, und Lateinern? Wer die neuere Polemik hierüber liest, sollte die Frage verneinen; wer die vernünftigen und scharfsinnigen Erklärungen der griechischen Theologen auf dem Florentinum studiert, muss sie bejahen, wie auch tatsächlich der unierte Teil der Griechen es tut, wenngleich die Kirche nie die lateinische Formel („filioque"), sondern das Dogma ihnen abgefordert hat. Selbst Loofs meint, bei gutem Willen wäre eine Einigung möglich gewesen, weil „das ,durch den Sohn' bei den Griechen nicht ohne alle Tradition war", wenngleich es bei Joh. Damasz. zurücktrat. Aber auch dieser letzte klassische Theologe der Griechen hat wiederholt das „per Filium" — die Kritik des Aquinaten an ihm beruhte auf einer unvollständigen Kenntnis seiner Schriften und seines Sprachgebrauchs —, und wenn er schreibt: „Der Geist ist nicht aus dem Sohne" (M. 95, 420D; 96, 605 B), so versteht er das im Sinne von Quelle, Prinzip schlechthin, wie auch Bessarion ausführte, nicht von Mitursache, wobei der quellenhaffte Charakter des Vaters vor allem gewahrt werden sollte. Freilich standen sich die Parteien geschichtlich oft schroff gegenüber. Und doch hätten sie beide die Autoren der Gegenpartei wohl in ihrem Sinne, d. h. im gemeinsamen Sinne deuten können. Die augustinische Formel respektierte mit der Wendung „er geht vorzüglich vom Vater aus" („principaliter") den griechischen Gedanken; und die griechischen Väter haben mit „durch den Sohn" sicher ein gewisses „kausales" Verhältnis des Sohnes zum Geiste ausdrücken wollen, wie dies Bessarion mit seinem Anhang in Florenz auseinandersetzte und das geläufige Bild der Griechen von den drei Fackeln wie die Wendung Licht vom Lichte sachlich bezeugt; denn die eine Fackel entzündet sich je an der vorhergehenden. Die Lateiner aber wenden den Gedanken so, dass sie erklären: der Sohn empfängt vom Vater mit der Natur auch die Hauchungskraft („vis spirativa") und haucht so mit dem Vater gemeinsam den Heiligen Geist („unum principium, unica spiratio").





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