<gastone> unregistriert
| Erstellt am 22.11.2005 - 16:56 |  |
Der doppelte José Marco
Unter den vielen, teils verwirrenden Namen und Pseudonymen der Darsteller des europäischen Kinos fanden leider immer wieder Gleichsetzungen und Trennungen statt, die unberechtigt waren. Dem detektivischen Spürsinn vieler ungenannter Hobby-Filmforscher sind im Laufe der Zeit viele Aufklärungen und Identifizierungen zu verdanken. So habe ich von den klugen Köpfen in diesem Forum schon viel gelernt.
Besonders erfreulich fand ich die kürzlich erfolgte und in der IMDb wiedergegebene Trennung zwischen zwei völlig unterschiedlichen Personen namens José Marco, die im spanischen Kino zuhause sind. Da mindestens einer der beiden auch die Italo-Fans interessiert, will ich hier einmal ausdrücklich darauf hinweisen.
Das Missverständnis beruhte wohl vor allem darauf, dass der José Marco, der aufgrund seiner häufigen Auftritte in Western heute als bekannter gelten muss, dessen Lebensdaten aber unbekannt waren, irrig mit einem ursprünglich sicher renommierteren, aber erheblich älteren Namensvetter gleichgesetzt wurde, von dem man wusste, dass er 1895 geboren wurde. Die offensichtliche Diskrepanz zwischen dem vermeintlichen Alter und dem Aussehen des Herrn wurde bislang geflissentlich ignoriert.
Folgende Darsteller sind zu unterscheiden:
José Marco Davó
* 10. Mai 1895 in Orihuela (Alicante), † 27. September 1974 in Torrevieja (Alicante). Seit den 30er Jahren spielte er in zahlreichen spanischen Filmen, vor allem in den 50er Jahren verkörperte er mehrfach ältere Herren, z.B. als Vater, Richter oder Kommissar. Dazu zählen: La guerra de Dios (1953) Tormenta (1955) Marcelino pan y vino (1955, Das Geheimnis des Marcellino) Un ángel pasó por Brooklyn/Un angel volo sobre Brooklyn (1957, Der Hund, der „Herr Bozzi“ hieß) Les Bijoutiers di clair de lune/Gli amanti del chiaro di luna (1958, In ihren Augen ist immer Nacht) La venganza/Ho giurato di ucciderti (1959, Die Rache) Un mundo para mí (1959) Carmen de la Ronda (1959, Das Mädchen aus Granada) Unsere Heimat ist die ganze Welt/Juanito (1960) La venganza del Zorro/El Zorro vengador (1962, Zorro – Das Geheimnis von Alamos) L’ombra di Zorro/Cabalgando hacia la muerte (El Zorro) (1962) Il ponte dei Sospiri/El puente de los suspiros (1964, Der Rächer von Venedig) Cabriola (1965) La morte sull’alta collina/Sin aliente (1969) Er benutzte auch den Namen Joe March. (Marco, darauf sei noch hingewiesen, ist kein Vorname, sondern bereits Bestandteil seines Nachnamens.)
José Marco
* 1925 in Barcelona (als José Joandó Roselló). Ursprünglich Journalist und Boxer, kam er noch in den 40er Jahren zum Kino. Nach einer Vielzahl von Filmrollen in den 50er Jahren, darunter auch die als Harpalos in Alexander the Great (1956, Alexander der Große), war er vor allem in den 60er Jahren aktiv. (In L’ombra di Zorro/Cabalganda hacia la muerte (El Zorro) (1962) würde er dann tatsächlich neben seinem Namensvetter gespielt haben.) In Italien war er in den Historien- und Actionfilmen Il conquistatore di Maracaibo/Los corsarios del Caribe (1961, Unter der Flagge der Freibeuter) Il gladiatore invincibile/El gladiador invencible (1961, Der unbesiegbare Gladiator) I sette gladiatori/Los siete Espartanos (1962, Sieben Gladiatoren) Il segno del Coyote/El vengador de California (1963, Mit Colt und Maske) Gli invincibili sette/Los invencibles (1963, Die Revolte der Sieben) Romeo e Giulietta/Los amantes de Verona (1964, Liebe in Verona) Agente 3S3 – passaporto per l’inferno/Agente 3S3, pasaporte para el infierno (1965, Agent 3S3 kennt kein Erbarmen) Le spie uccidono in silenzio/Los espías matan en silencio (1966, Leise töten die Spione) L’uomo del colpo perfetto/El hombre del golpe perfecto (1967) Le avventure e gli amori di Miguel Cervantes/Cervantes (1967, Cervantes – Der Abenteurer des Königs) 7 eroiche carogne/Comando al infierno (1969) Siete minutos para morir/[Agente Howard: 7 minuti per morire] (1971) Il coltello di ghiaccio/Detrás del silencio (1972) I corsari dell’isola degli squali/La rebelión de los bucaneros (1972, Totenkopf auf weißen Segeln) zu sehen.
Zu seinen Filmen zählen auch die Western Il vendicatore di Kansas City/Cuatro balazos (1964, Der Rächer von Golden Hill) La tumba del pistolero (1964) All’ombra di una colt/Plazo para morir (1965, Pistoleros) L’ultimo dei Mohicani/Uncas, el fin de una raza (1965, Der letzte Mohikaner) Per qualche dollaro in più/La muerte tenía un precio (1965, Für ein paar Dollar mehr) L’uomo della valle maledetta (Boudine)/El hombre del valle maldito (1965, Der Rancher vom Colorado-River) Per un dollaro di gloria/El escuadrón de la muerte (1966) Django… cacciatore di taglia (1966) Per il gusto di uccidere/Cazador de recompensas (1966, Lanky Fellow - der einsame Rächer) I morti non si contano/¿Quién grita venganza? (1968, An den Galgen, Bastardo) Adiós Cjamango/20.000 dólares por un cadaver (1970) Ancora dollari per i MacGregor/La muerte busca un hombre (1970) Quinto: non ammazzare/El valor de un cobarde (1970)
Er spielte später auch in Horrorstreifen wie El vampiro de la autopista (1969, Der Vampir von Schloß Frankenstein) La furia del hombre lobo (1970) La noche de Walpurgis (1970, Nacht der Vampire) El vertigo del crimen (1970) Dr. Jekyll y el hombre lobo (1971, Die Nacht der blutigen Wölfe) Panico en el Transiberiano/Horror Express (1972, Horror-Express)
Er dürfte auch der José Marco Rosello aus Manfred R. Köhlers Wie tötet man eine Dame?/Tiro a segno per uccidere (1967) sein. Seine letzte Rolle hatte er in Almodóvars Mujeres al borde de un ataque de nervios (1988, Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs). Er benutzte auch die Namen Joseph Marco, Pepe Marco und Joshua Marcos.
Frank
|