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kralhei ...
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...   Erstellt am 23.03.2007 - 08:57Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Die Schicht-Werke in Aussig an der Elbe, Teil 2
Ein Ausschnitt aus einem Bericht von Julius Schaal, Hamburg, AB 32/1

Zur Speisefetterzeugung muss das Öl noch besonders vorbereitet werden und zwar wird es vorgereinigt, gebleicht, von jeder Spur freier Fettsäure befreit und hieraus mit überhitztem Wasserdampf behandelt. Das dann sorgfältig gekühlte Fett wird mittels Füllmaschinen in die rot-grünen Ceres-Tüten abgefüllt, in Kühlzellen vollkommen zur Erstarrung gebracht und diese Tüten zum Schluss ebenfalls auf vollkommen maschinellem Wege zum Verschluss gebracht und unmittelbar darauf in Kisten verpackt und versandt. Bei der Speisefetterzeugung ist ganz besonders die hygienisch absolut einwandfreie Art hervorzuheben, in der die Zubereitung und Verpackung erfolgt, und dass das Fett bis zum Einlegen der Pakete in Kisten mit keiner Menschenhand in Berührung kommt. Ein weiterer sehr großer Teil der Speisefette geht in die verschiedenen Margarinewerke, die mit der Schicht A.-G. verbunden sind, wie z. B. die „Marga" Speisefett- und Margarine-Ges. m. b. H. in Schreckenstein und die Vitello-Werke in Krischwitz b. Tetschen. In einer Versuchsküche werden sämtliche im Werk erzeugten Genussfette ständig praktisch überprüft, der jeweils beste Verwendungszweck für jedes Fett genau festgestellt und unter Leitung eines erprobten Küchenchefs neue Kochrezepte ausgearbeitet.
Ich komme nun auf die Seifenerzeugung der Georg Schicht A.-G. zu sprechen. In der Siederei stehen nebeneinander eine Reihe von Kesseln, deren Rauminhalt so groß ist, dass in je einem Kessel fünf Waggons Seife in einem Sud hergestellt werden können. Aus der bildlichen Darstellung ist ersichtlich, dass die meisten Kessel viereckig sind. Diese Siedehalle ist ein langgestreckter Raum, an dessen einer Seite sich die Kessel und gegenüber auf der anderen Seite auf einer Galerie die Tanks für Öle und Laugen befinden. Durch Oberlichte im Dach ist für guten Abzug der Dämpfe gesorgt, und eine vorbildliche Sauberkeit in diesen Riesenräumen wirkt geradezu wohltuend. In einer tiefer liegenden Etage befindet sich die Ablassvorrichtung für die Seife. Besonders interessant ist hier die Art der Seifenkühlung, die nicht durch die sonst überall benutzten Kühlplattenmaschinen vollzogen wird, sondern durch Seifen-Riegel-Gießmaschinen. Diese Kühlungsart liefert also sofort geformte Seifenriegel in verschiedenen Dimensionen, wodurch die Arbeit des Riegelschneidens umgangen wird. Diese Maschinen sind eigenes Fabrikat der Schicht-Werke.
Nächst der Großerzeugung von Stückenseifen nimmt die Herstellung von Waschpulvern einen bedeutenden Platz in der Fabrikation der Georg Schicht A.-G. ein, und zwar wird ihre Herstellung wie folgt vorgenommen: Die Schicht-Seife wird auf heizbaren Walzen bis zur Staubfeinheit getrocknet und dann nach sorgfältiger Zusammenmischung mit anderen pulverförmigen Bestandteilen, wie z. B. Natriumperborat, auf modernen Maschinen als Waschpulver in die Kartons abgefüllt. Das Einweichpulver „Frauenlob", das selbsttätige Wasch- und Bleichmittel „Schichtal" sowie das Wasserenthärtungsmittel „Clarax" werden ebenfalls in diesem Seifenpulverbetriebe hergestellt, während die Feinseifenfabrikation der „Elida" Ges. m. b. H. unterliegt, welche der Georg Schicht AG angegliedert ist. In diesem Betriebe werden außer den mannigfaltigsten Seifen auch Toilettenartikel und Parfüms erzeugt.
Im engen Zusammenhang mit der Seifenfabrikation steht die Glyzerinerzeugung, für die selbstverständlich ebenfalls eine eigene Anlage vorhanden ist. Es würde jedoch zu weit führen und diesen Bericht zu umfangreich gestalten, wenn darüber wie auch über die Kerzenherstellung, die Holzwerkstätten, Musterwäscherei usw. ausführlich geschrieben würde; aber über die Maschinenwerkstätte sind doch noch einige Worte notwendig. Die Maschinenwerkstätte besteht aus zwei Teilen und zwar erstens aus der eigentlichen Maschinenhalle mit einem Fassungsvermögen von 2100 m', in der sich die neuesten Werkzeugmaschinen befinden, mit denen jede vorkommende Arbeit ausgeführt werden kann, und in der Hähne, Ventile, Maschinen für Seifen- und Speisefetterzeugung, Pumpen etc. angefertigt werden, die das Werk für seine verschiedenen Zwecke benötigt. Der zweite Teil ist die Schmiede, die wiederum aus zwei Hallen besteht und etwa 300 m' Nutzfläche hat. In dieser Schmiede gibt es Schmiedefeuer, mechanische Hämmer, Blechwalzen und Scheren, Sägen usw. sowie eine große Autogen- und Elektroschweißerei. Hier werden auch die großen Apparate für die Fettraffination sowie die Rohrleitungen hergestellt. Übrigens werden hier außer den vielseitigen Arbeiten für das eigene Werk auch noch Aufträge für auswärtige Besteller ausgeführt, Maschinenlieferungen und Instandsetzungen übernommen und sogar im Verein mit ausländischen Spezialfabriken vollständige Kühlanlagen, Schlachthöfe, Schotterwerke, Papierfabrikseinrichtungen u. a. gebaut.

Nachdem in kurzen Umrissen über den Umfang und die mannigfaltige Erzeugung der Schicht-Werke das Wesentlichste gesagt worden ist, wird es zur unbedingten Notwendigkeit, über die vorbildlichen Fürsorgeeinrichtungen der Firma
zu berichten. Die Schicht-Werke haben während ihres bereits 90-jährigen Bestehens durch ihre Erzeugnisse Weltruf erlangt, doch ist dieses nicht nur allein der technisch vollkommenen Betriebsausrüstung zu verdanken, sondern auch dem Umstand, dass den Leitern dieses Unternehmens eine treue und zuverlässige Mitarbeiterschaft zur Seite steht, deren Zahl über 3000 beträgt. Die Ehrentafeln beim Haupteingang des Verwaltungsgebäudes geben Zeugnis davon, wie groß die Zahl der Werksangehörigen ist, die seit 25-40 Jahren im Unternehmen beschäftigt sind, und zwar beträgt diese nach den letzten Erhebungen 550. Diese stattliche Zahl ist aber auch ein Beweis dafür, dass die verantwortlichen Leiter der Schicht-Werke sich nicht damit zufrieden gaben, Tausenden Arbeit und Brot zu geben, sondern auch bestrebt waren, soziale Einrichtungen zu schaffen, die dem leiblichen oder geistigen Wohl der Belegschaft dienen. Es ist natürlich selbstverständlich, dass die Fürsorge schon in den Betrieben beginnt und sich keineswegs nur auf die eigentlichen Erzeugungstätten beschränkt. Ober das ganze Fabrikgelände verteilt entstanden z. B. in eigenen Räumen die erforderlichen Kleiderablagen mit einzelnen verschließbaren Schränken und neben den Garderoben Waschgelegenheiten in besonderen, weißgekachelten Räumen in genügender Anzahl und vorbildlicher Ausführung. Dass auch die Aborte hygienisch einwandfrei, weiß verfließt und mit Wasserspülung ausgerüstet sind, bedarf eigentlich kaum einer besonderen Erwähnung. Helle, peinlich sauber gehaltene Räume stehen den Werksangehörigen während der Arbeitspausen zur Verfügung. Sie enthalten nicht nur lange, mit glatten Eternit-Platten belegte Tische und Bänke, sondern auch große Wärmeschränke, in denen evtl. mitgebrachte Speisen und Getränke angewärmt werden können. Ferner sind in einem riesigen Saal mit Sitzgelegenheit für 500 Personen für angenehmsten Aufenthalt gesorgt, da dort sogar das Rauchen gestattet ist, das sonst im Fabriksbereich strengstens verboten ist. Auf einer Erhöhung, knapp an der Südgrenze des Fabrikgeländes, ist eine Freilufterholungsstätte geschaffen worden. Dort stehen von Rasenflächen umgeben Tische und Bänke und eine ziemlich geräumige, geschmackvoll ausgestattete Veranda, die nach Süden zu offen und nach der Wetterseite hin geschlossen ist und somit Schutz vor Sonne und Regen gewährt. Dass die Schicht-Werke auch eine eigene Werkskantine mit modern ausgestatteter Großküche besitzen, ist eigentlich selbstverständlich. Diese Werkswirtschaft ist imstande, in der geräumigen, hellen Kantine und dem hohen, freundlichen Kasinosaal gleichzeitig einige hundert Gäste mit guten und auch billigen Speisen zu beköstigen. Nach Arbeitsschluss stehen der Belegschaft äußerst zweckmäßig und gediegen eingerichtete Brausebäder zur Verfügung, die in hohen, gut gelüfteten Räumen eingebaut wurden und Kalt- und Warmwasserzufluß aufweisen. Vorbildlich ergänzt werden diese Anlagen durch das „Johann-Schicht-Bad", das als eine Stiftung anlässlich des 80-jährigen Bestehens der Firma im Herbst 1931 seiner Bestimmung übergeben werden konnte und in seiner inneren und äußeren Gestaltung allen Anforderungen entspricht, die heute an einen solchen, der Körperkultur gewidmeten Zweckbau gestellt werden. Da gibt es ein geräumiges Brausebad mit 18 Zellen, Wannenbäder, Heilbäder mit allen Einrichtungen der heutigen Hydro-Therapie, Heißluft- und Dampfbäder, Massagen- und Ruheräume und dazu noch ein 25 m X 12 m großes SchwimmtBassin. Die weite Halle im Obergeschoss mit dem Schwimmbecken ist lichtdurchflutet, da das Gebäude an der Südseite von einer riesigen Glaswand abgeschlossen wird, durch die der Blick auf herrlich gepflegte Grünflächen fällt, die im Sommer den Besuchern für Luft und Sonnenbäder zur Verfügung stehen. Das Schwimmbecken ist mustergültig eingerichtet und besitzt u. a. eine 31/2 m tiefe Sprunggrube, zwei Trampoline und Wasserball-Tore, so dass es kein Wunder ist, dass es sich besonderer Beliebtheit erfreut, wie überhaupt diese ganze Anlage als vorbildlich und absolut zeitgemäß bezeichnet werden muss. Das „Johann-Schicht-Bad" erfüllt aber noch eine überaus wichtige, soziale Aufgabe dadurch, dass es der Mutterberatungsstelle der Stadt Schreckenstein eine in jeder Beziehung musterhafte Heimstätte gewährt, und ganz gewiss nicht zuletzt ist es der neuzeitlichen Einrichtung und Ausstattung der Fürsorgestelle zuzuschreiben, wenn die Zahl der zur Beratung kommenden Mütter ständig steigt und damit das Ziel der Erfassung aller Kleinkinder unter die vorbeugende Fürsorge immer mehr erreicht wird.
Damit aber auch das geistige Wohl der Arbeiter und Angestellten nicht zu kurz kommt, wurde von der Georg Schicht A.-G. eine Werksbücherei geschaffen, die mit ihren rund 14 000 Bänden schöngeistiger, bildender und wissenschaftlicher Werke der Weltliteratur dem Bildungs- und Lesebedürfnis der Belegschaft und ihrer Angehörigen weitestgehend entgegenkommt.
Es ist klar, dass die Leitung der Schicht-Werke sehr schnell erkannte, wie außerordentlich wichtig einwandfreie Wohnungsverhältnisse für die Gesundheit und Erhaltung der Arbeitskraft schaffender Menschen sind, und somit auch auf diesem Gebiet äußerst anerkennenswerte Entschlüsse der Firmenleitung durchgeführt wurden. So wurden z. B. in der Zeit der ärgsten Wohnungsnot (1920-1921) über 100 Siedlungshäuser für Arbeiter und Angestellte errichtet und das gesamte, zum Bau der Siedlung erforderliche Kapital zinslos zur Verfügung gestellt. Jedes dieser Häuser ist für sich abgeschlossen und mit eigenem Eingang, eigenem Boden und Keller, eigener Waschküche, Stall und dahinterliegendem Garten versehen. Die Siedlung wird von einer aus den Mietern gebildeten Genossenschaft selbst verwaltet, die auch die Mieten einzieht, die aber so niedrig bemessen sind, dass sie gerade nur die Abschreibung der Gebäude und Steuern decken. Auch für die Siedlung II, in deren etwas größeren Einfamilienhäusern Beamte des Unternehmens wohnen, werden die Mieten derart berechnet, dass darin ebenfalls nur eine ganz geringe Verzinsung des aufgewendeten Anlagekapitals enthalten ist. Ferner ist auf Grund einer von der Werksdirektion durchgeführten Erhebung über die Wohnungsverhältnisse der nicht in Siedlungshäusern untergebrachten Arbeiterschaft noch die Errichtung einer größeren Wohnkolonie auf dem hochgelegenen Gelände östlich des Fabrikgeländes im Gange. In diesen durchaus neuzeitlich gestalteten Wohnungen sollen vor allem Arbeiter mit kinderreichen Familien untergebracht werden, während die unmittelbar neben der Wohnkolonie liegenden Grundstücke zur Schaffung von Schrebergärten für die Mieter der neuen Häuser vorgesehen sind. Mit der Inangriffnahme dieses neuen Wohnhausprogrammes wird durch die Georg Schicht A.-G. abermals ein wertvoller Beitrag zur Besserung der sozialen Lage der kinderreichen Arbeiter geleistet und zwar insbesondere dadurch, dass man nur ganz niedrige Mieten erheben wird, die höchstens zur Deckung der Erhaltungskosten ausreichen, aber keinerlei Verzinsung des investierten Kapitals erbringen.
Hiermit möchte ich meinen Bericht über die Schicht-Werke schließen; denn es ist, wie eingangs bereits erwähnt, natürlich unmöglich, im Rahmen einer kurzen Abhandlung alle die interessanten Erzeugungsvorgänge zu schildern, mit denen ein so moderner und umfangreicher Betrieb arbeiten muss. Ich hoffe aber, dass es mir gelungen ist, mit dem hier Geschilderten den Lesern einen überblick über die Größe der Georg Schicht A.-G. sowie die Bedeutung Ausdruck gegeben zu haben, welche die Eingliederung dieses Werkes von Weltruf in die deutsche Seifenindustrie hat.
Eingesandt von Frau Helene Hegenbarth, Muthlangen, Forststraße 5, aus dem Nachlas ihres verstorbenen Mannes Josef Hegenbarth, ehem. Siedemeister und Betriebsleiter bei den Schicht-Werken

[Dieser Beitrag wurde am 23.03.2007 - 15:22 von kralhei aktualisiert]





Signatur
Karl Heinz Kralowetz


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