DunkleSonne  Schreiberling

Status: Offline Registriert seit: 15.02.2007 Beiträge: 56 Nachricht senden | Erstellt am 09.03.2007 - 18:43 |  |
Danke *_*
Naja, es war halt auch nur der Prolog. Aber es ermutigt einen doch gleich, wenn nicht sofort alles zerschmettert wird XD
Soo, jetzt habe ich eigentlich keine Ahnung, wie es weitergeht.. Darf ich den zweiten Teil hier gleich weiterposten? Auf dass ihr ihn auf gedei und Verderb auseinander nehmt? Ich will mich ja bessern *g*
Okay, ich versuchs mal. Wenn es falsch ist, melden. Dann weiß ich es fürs nächste Mal ^^
Kapitel Eins
Es war ein ruhiger Morgen im Frühjahr 1762. Die ersten Strahlen der Sonne ließen die Küste Kolumbiens aufleuchten und es war für die frühe Tageszeit bereits sehr warm, als ein Handelsschiff sich dem Festland näherte. Das Schiff des Kaufmanns Gustavo unter dem Kommando seines Freundes und erfahrenen Kaptäns Beltran Rodríguez war dort nicht unbekannt, liefen sie nun schon seit einer geraumen Zeit immer wieder den Hafen Cartagenas und die der anderen Städte der Gegend an.
Gustavo war erleichtert gewesen, als er den Streifen Land am Horizont erkannt hatte, denn diese Fahrt war länger und beschwerlicher gewesen, als sämtliche davor. Es war in den vergangenen Jahren selten gewesen, dass sie Piraten begegnet oder in Stürme geraten waren, doch auf dieser Reise war einfach alles geschehen, was man sich nur denken konnte. Glücklicherweise war Kapitän Rodríguez mit seiner langjährigen Erfahrung als Seefahrer nicht alleine auf diesem Schiff und konnte jede Gefahr mit der tatkräftigen Mannschaft umgehen. Dabei war es trotz großer Vorsorge einmal zu einem Gefecht auf See gekommen, bei dem Gustavo mit seinen beiden Gehilfen betend unter Deck jede Minute gezählt hatten, während Rodríguez und seine Männer alles daran gelegt hatten, das Schiff und seine Fracht zu beschützen. Und als das Geschrei der Seeräuber und die lauten Befehle des Kapitäns kaum mehr für den friedliebenden Kaufmann zu ertragen gewesen waren, hatten die Männer an Deck die größte Gefahr längst gebannt und die Piraten zogen ab, ohne einen Versuch zu wagen, das Schiff zu entern und auszurauben.
Dieser Vorfall war nur wenige Tage her.
Nun stand Gustavo neben dem Kapitän auf Deck und genoss den frischen, rauhen Meereswind, der ihnen entgegenwehte.
"Der anstrengende Teil der Reise ist jetzt ja abgeschlossen.", unterbrach der Kapitän das lange Schweigen beider, während sie das Meer betrachteten. "Was wirst du tun, wenn wir endlich wieder Land unter unseren Füßen haben?"
"Das solltest du eigentlich wissen.", erwiderte Gustavo und atmete voller Vorfreude die salzige Luft tief ein. "Sobald wir in Santa Marta angekommen sind, werde ich die nächste Zeit an der Seite meiner Frau verbringen. Sie wird bereits auf mich warten. Du weißt ja, wie ungeduldig sie sein kann."
"Ich beneide dich um deine Familie.", seufzte Rodríguez schwer und blickte trübsinnig auf das Meer hinaus.
"So?", fragte der Kaufmann skeptisch und warf seinem alten Freund einen zweifelnden Blick zu. "Dabei dachte ich immer, eine Frau und gemeinsame Kinder würden dich nur alle deine Nerven kosten. Und wie war das noch, als du mir weißmachen wolltest, du wärest ganz glücklich damit, dir so etwas nicht angetan zu haben? Da du ja ohnehin zu viel Zeit deines Lebens auf dem Meer verbringen würdest und den Gefahren auf See nicht mehr ruhig ins Auge blicken könntest, weil du befürchten müsstest, deine hilflose Familie ohne Ernährer zurückzulassen?"
"Ach, das." Kapitän Rodríguez winkte ab. "Das ist doch nun schon lange her."
"Das war gleich nachdem wir Bekanntschaft mit diesen Piraten gemacht haben, die uns um unsere Waren erleichtern wollten."
Rodríguez lachte. "Schon, da magst du Recht haben. Aber es bedrückt mich jedes Mal, wenn ich zusammen mit dir unseren Heimathafen ansteuere uind niemand da ist, der auch mich begrüßt."
Gustavos Mundwinkel verzog sich zu einem hähmischen Grinsen, während er ihn aus den Augenwinkeln heraus ansah. Er wusste es besser, hatte sein Freund doch bisher noch keine Gelegnheit ausgelassen, zu zeigen, dass er ein glücklicher Einzelgänger war und nichts anderes brauchte als Meer und Mannschaft auf seinem stolzen Schiff "Dawn Wind".
Bevor er jedoch etwas dazu äußern konnte, zerschnitt eine aufgeregt schreiende Stimme die entspannte Atmosphäre der Heimreise.
"Kapitän, Kapitän!", schrie Pedro im Ausguck, so laut er konnte. "Cartagena! Es ist - Es ist völlig zerstört!"
Rodrígez wirbelte herum und lief mit weiten Schritten zum Bug des Schiffes "Dawn Wind", doch noch war die Stadt zu weit entfernt, um etwas mit bloßem Auge erkennen zu können. Kaum hatte er sein Fernrohr aus der Tasche geholt und ausgezogen, stand auch schon sein Freund neben ihn und sah ihn nervös an. Kapitän Rodrígez ließ sich davon nicht ablenken und suchte den Streifen Lands ab. Plötztlich weiteten sich seine Augen.
"Was zur heiligen - " Er ließ das Fernrohr sinken und sah entsetzt zum Festland hinüber. "Die ganze Stadt ... Wer war das?", murmelte er fassungslos.
"Was ist?", fragte Gustavo beunruhigt. "Mein alter Freund, ist es so schlimm?"
Rodrígez sah den Kaufmann nicht an, sondern hielt ihm wortlos das Fernrohr hin. "Gott sei gedankt, wenn sich deine Familie wirklich in Santa Marta aufgehalten haben. Mögen diese Halunken dort nicht auch gewütet haben. - Mörder!", flüsterte er.
Mit langsamen, vorsichtigen Schritten gingen die Männer der "Dawn Wind" an den ausgebrannten Häusern der ersten Straßen vorbei, durch die kalten Rauchschwaden, die noch immer schwer auf den Straßen lagen. So oft waren sie diesen Weg schon gegangen. Niemals hätten sie gedacht, dass so etwas jemals geschehen könnte.
"Das ist ja grausam!", hauchte Gustavo und starrte das Gasthaus an, in dem er nach jeder Ankunft einige Nächte geschlafen hatte, bevor er weitergefahren war. "Unfassbar!"
Die Wände waren zum Teil geschwärzt, die Fenster leer. Das alte Dach wirkte aufgerissen. Mehrere Löcher klafften unheilvoll im sonst so schönen Ziegeldach. Er bekam eine Gänsehaut, als es ihn eiskalt überlief, und er drehte sich wie hilfesuchend zum Kapitän um. "Das ist ja wie eine Geisterstadt hier."
"Ich denke auch nicht, dass allzuviele überlebt haben.", antwortete der, ohne Gustavo dabei anzusehen. Seine Augen waren glanzlos und leer. Der Kaufmann sah zur Seite. Er wusste, dass sein Freund Beltran Rodríguez seine meisten Freunde in Cartagena gehabt hatte.
"Möglicherweise haben sie nicht alles zerstört. Wir sollten nach Überlebenden suchen.", schlug Pedro, der Mann vom Ausguck, vor.
Doch Rodríguez schüttelte den Kopf. "Wer immer das hier war, es müssen Teufel gewesen sein. Ich denke nicht, dass sie sich nur an diesem Teil Cartagenas versucht haben. Mein Gott. Seht euch das an. Nicht einmal die Soldaten hier hatten eine Chance gegen sie!" Der Kapitän deutete auf vier am Boden liegende Uniformierte. "Ich hoffe nur, sie haben es sich hier nicht noch gemütlich gemacht."
Gustavo fing plötzlich an zu zittern. "Wir sollten nach Santa Marta! Ich will wissen, ob es meiner Familie gut geht."
"Ich hätte nichts dagegen.", stimmte Rodríguez zu. "Mir wäre es auch lieber, wenn wir von hier verschwinden könnten."
"Und wenn noch Verwundete hier sind?", warf Pedro wenig begeistert ein. Auch er hatte gute Erinnerungen an diese Stadt und seine Bewohner.
"Solche Dämonen lassen keine Verwundeten. Und selbst wenn, wir können schwerlich die ganze Stadt durchkämmen." Der Kapitän sah sich um und schüttelte langsam den Kopf. "Außerdem können wir hier nicht noch länger bleiben. Stell dir vor, diese Teufel sind hier noch und feiern ihr Fest auf den Aschehaufen ihrer Fegefeuer!"
Pedro sah aus, als wollte er etwas erwidern, doch er klappte seinen Mund sofort wieder zu und hob den Kopf. Prüfend drehte er ihn, während er die warme Luft einsog. "Riecht ihr das auch?", fragte er mit zusammengezogenen Augenbrauen. Er drehte sich zum Kapitän um. "Riecht Ihr das etwa auch, Kapitän?"
Rodríguez nickte nur und deutete mit dem Kinn zum Hafen. "Ich fürchte, wir sind tatsächlich nicht allein.", erwiderte er mit einem dunklen Leuchten in den Augen.
Nun drehte sich auch der Rest der Mannschaft um - und erstarrte. Vom Hafen zogen dunkle Rauchwolken auf.
"S-Sie verbrennen das Schiff? Unser Schiff?", rief Gustavo panisch, als er verstand, was das bedeuten musste. "Wie zur Hölle kommen wir hier raus?"
"Zugegeben", erwiderte der Kapitän mit ruhiger Stimme. "Meine Orientierungsfähigkeiten an Land sind nicht so gut wie die auf den Meeren dieser Welt. Aber ich weiß, in welcher Richtung Santa Marta liegt. Ich schlage vor, wir verlassen so schnell wie möglich diese verfluchte Stadt und ihre letzten Lebenden, so schnell wir können."
Gustavo nickte schweigend. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als zurück zu seiner Familie zu können und diesen Schrecken hinter sich zu lassen. Seine Luftröhre fühlte sich an wie abgeschnürt und ihm war plötzlich eiskalt geworden.
Santa Marta war ein ganzes Stück von Cartagena entfernt. Selbst mit dem Schiff "Dawn Wind" dauerte es für gewöhnlich länger als einen tag, um die Distanz zu überbrücken. Doch die Männer wussten, dass es keinen anderen Ausweg gab und sie hofften, bald auf eine Stadt zu treffen, die noch unversehrt war.
"Was das angeht", sagte Rodríguez bestimmt nach einem tiefen Einatmen, um ein Keuchen zu verhindern, zu seinen alten Freund. "Bin ich mir ziemlich sicher. Keine Sorge, wir werden schon früher oder später auf ein Stückchen friedliches Land treffen. Es muss diese Mörder einiges an Kraft gekostet haben, um Cartagena derartige Wunden zugefügt zu haben. Sie werden nicht auch noch in der Umgebung gewütet haben!"
"Ich hoffe, du bist dir da wirklich so sicher.", entgegnete Gustavo mit der Hand auf der Brust. Normalerweise liebte er Reisen, möglichst lange, weite, die ihm einiges abverlangten. Normalerweise reiste er aber auch mit dem Schiff oder einem Wagen. Das verbrannte Cartagena lag ihnen nun schon weit hinten im Rücken und der Kaufmann merkte die Anstrengung. Den Seemännern schien es da nicht sehr viel besser zu gehen, auch wenn Gustavo mit einigen, nicht neidischen Seitenblicken feststellte, dass ihre Art zu Reisen doch eine andere war und auch als gutes Training herhielt.
"Keine Sorge, mein Freund.", erwiderte der Kapitän und warf einen schnellen Blick zurück. Sie wiurden zwar tatsächlich nicht verfolgt, aber es schmerzte ihn, die dunklen Rauchwolken von seinem Schiff aus aufsteigen zu sehen. Die meisten Jahre auf See hatte er auf diesem Schiff verbracht und er besaß noch gute Erinnerungen an diese lange Zeit. Er wusste nun schon, wie grausam es zumindest in der ersten Zeit werden würde, das alte, stabile Holz unter den Sohlen seiner Stiefeln nicht mehr zu spüren.
Gustavo bemerkte den Blick und lenkte ein: "Ein schönes Schiff war es ja doch."
"Du bist mir ein Held!", rief Rodríguez, aber er lachte. "Die letzten Jahre beschwerst du dich über den unruhigen Seegang und mangelnden Komfort unter Deck und in der Todesstunde der "Dawn Wind" lobst du das Schiff mit seinen Erinnerungen aufs Höchste."
"Ich sagte nicht, dass ich es aufs Höchste loben will. Aber schön war es.", meinte Gustavo beharrlich. "Es war."
Der Kapitän nickte nur.
"Wir werden sehen, ob wir in der nächsten Stadt nicht wenigstens einen kleinen Ersatz dafür finden werden. Dann wird die Reise schneller voran gehen bis nach Santa Marta. Aber du, mein werter Gustavo, hast all deine restlichen Waren und das Gold verloren, das du auf den letzten Reisen gemacht hast.", bemerkte Rodríguez.
"Das Gold!", rief der Kaufmann mit einem Anflug Gleichgültigkeit. "Du solltest doch mittlerweile wissen, dass mir mein eigenes Leben immer noch wichtiger ist. Außerdem haben wir einiges davon noch daheim. Santa Marta, oh meine Glückseeligkeit."
"Werd nicht träumerisch. Bis dahin sind es noch seine Welten. Aber wenn wir irgendwo jemanden antreffen, sollte die Strecke zu überbrücken sein. Mit Wagen oder Schiff - " Der Kapitän brach jäh ab. "Was war das?", fragte er und horchte in die Stille hinaus.
"Du hörst die Schreie der "Dawn Wind." Da war nichts, mein Freund.", erwiderte Gustavo mit misstrauischem Blick.
"Doch, ganz gewiss. Still!"
Gustavo sah ihn zweifelnd an, doch als er die vorsichtig spähenden Blicke der anderen bemerkte, wurde er unruhig. "Sind sie das?", fragte er mit unterdrückter Angst. "Meint ihr, sie sind uns doch gefolgt?"
Der erfahrene Seefahrer antwortete nicht, sondern drehte den Kopf leicht in verschiedene Richtungen, als sei er sich nicht sicher, aus welcher Richtung die Geräusche kamen. Auch seine Mannschaft schien unsicher. "Heilige! Wir hätten nie anlegen sollen!", zischte Pedro leise. "Wir sind dem Teufel auf der Fährte!"
Rodríguez schüttelte jedoch nur den Kopf. "Das Spiel läuft längst anders herum. Wir sollten uns beeilen." Er sah sich ein letztes Mal um und sagte dann mit lauter Stimme: "Gut, Männer. Wir werden, Gott bewahre, keine Pausen mehr einlegen, so lang es nötig ist. Lieber verrecke ich an Erschöpfung als in ihren Händen."
"Und bei ersterem", fügte ein anderer der Mannschaft trocken hinzu. "gibt es noch Hoffnung auf Erlösung."
Kapitel Zwei
Auf den Wellen glänzten gelbe Lichter, vermischten sich mit dem roten, wütenden Leuchten und den orangen Flecken, die unbeirrt auf dem Wasser tanzten.
Das Meer schien zu brennen.
Inmitten der gänzenden Wellen trieb ein Schiff mit der Ausrüstung eines Marineschiffes und der schwarzen Flagge von Piraten. Der Anker war nicht gesetzt und doch bewegte es sich kaum ein Stück von seinem Platz. Immer wieder trieb es nach vorne, lenkte zurück, wurde gen Küste gedrückt und fast das selbe Stück zurück aufs Meer gezogen, das im Schatten des Schiffes genauso dunkel und bläulich schimmerte wie es üblich war.
An Deck befanden sich kaum Männer, abgesehen von einem jüngeren Mann in einem dunklen Umhang, der an der Reling lehnte und den hellen Flammen, die auf dem Festland flackerten und deren Abbilder auf den Wellen tanzten, zusah. Der helle Schein erleuchtete das Land vor ihnen und rief selbst die verbrannten Reste Cartagenas weit im Schatten zurück ins Leben.
Der Mann seufzte und sah in den dunklen Himmel hoch. Langsam drückte er sich von der Reling weg und ging ein paar langsame Schritte über das Deck. Die schweren Stiefel schlugen laut auf dem Holz des verlassenen Marineschiffes. Er war es nicht gewohnt, dass alles so ruhig war. Allmählich wurde dem Mann langweilig. Es waren nur wenige Männer auf dem Schiff. Doch sie schliefen alle unter Deck, während er auf den Rest der Mannschaft wartete. Selbst der Kapitän befand sich in seiner Kajüte, doch der Pirat bezweifelte, dass er schlief. Möglicherweise füllte er sein Logbuch aus oder grübelte über einen neuen Plan oder was man auch immer tat, wenn man Kapitän einer Horde zügelloser Piraten war. Er hatte davon keine Ahnung. Er war nicht die längste Zeit seines Lebens fern dem Festland gewesen.
Der junge Mann sog die kühle Nachtluft tief ein und reckte sich ein wenig. Im Grunde war diese Ruhe ja doch ganz angenehm, lenkte er im Stillen ein. Solche Momente gab es nicht oft. Entweder es war für einen solchen Augenblick zu laut und ungemütlich oder die Sonne brannte so sehr vom Himmel, dass man kaum einen klaren Gedanken fassen konnte. Ruhige Momente oder Langeweile gab es zwar zur Genüge am Bord des Schiffes, doch wirklich ruhige, angenehme waren selten.
Der Mann verharrte noch ein wenig in seiner Position, dann drehte er sich auf dem Absatz um und machte kehrt zur Reling, auf die er seine Unterarme stützte und wieder zum Land vor sich sah. Er konnte keine Männer mehr im Schein des Feuers sehen. Hoffentlich waren die ausgeschickten Seeräuber wieder auf dem Rückweg.
Er schloss die Augen und unterdrückte ein Gähnen, als plötzlich eine rauhe Stimme die Stille durchschnitt. "Genießt du die Ruhe, Junge?"
Der Mann öffnete die Augen, doch er hatte seinen Kapitän schon längst erkannt. "Aye.", erwiderte er einsilbig, ohne den Blick vom Land zu wenden. "Es ist selten so ruhig.", fügte er schließlich hinzu, als der Kapitän neben ihm stand.
Der Altersunterschied war nicht zu übersehen. Dem alten Kapitän hätte man ein Dreifaches der Jahre zutrauen können, die er im Gegensatz zum Jungen mit sich trug. Doch noch gewaltiger war seine Erfahrung an Bord eines Schiffes. Seit er denken konnte, war er schon unter fremden Kommando gesegelt, während der junge Mann neben ihm erst vor wenigen Jahren zu der Piratenbande gestoßen war, vor zwei Jahren um genau zu sein.
Seitdem hatte sich viel auf dem Schiff verändert, wie der Kapitän selbst nicht gerade unzufrieden bemerkt hatte. Wider früherer Erwartungen schien der dunkelhaarige Mann seine Entscheidung jedoch nie bereut zu haben.
Der Kapitän folgte dem Blick des Jüngeren und starrte eine Weile zu den hellen Flammen. Sein linkes Auge leuchtete vor kindlicher Freude und er lachte plötzlich. "Diese armen Leute scheinen nicht weit gekommen zu sein.", rief er mit einem Anflug Schadenfreude und für eine Sekunde schien er zu grinsen, bevor er hinzufügte. "Aber es war eine weise Entscheidung von ihnen, Cartagena zu verlassen."
"Und keine, die besonders lange gedauert hat.", fügte der Mann neben dem Alten hinzu. Auch sein Blick ruhte wieder auf den hohen Flammen, doch in ihnen leuchtete kein Anzeichen einer Freude auf. "An ihrer Stelle wäre es allerdings das einzig richtige gewesen, gar nicht erst das Land zu betreten. Sie hätten vom Meer aus sehen müssen, dass die Stadt zerstört ist. Sie hätten klüger sein müssen."
Der Kapitän grinste nur, bevor er nach einer langen Pause sagte: "Weißt du, Junge. Manchmal fühlt man sich so sehr zu etwas hingezogen, dass man mitunter auch sein Leben dafür lassen würde. Auch wenn man klug genug sein sollte."
Er sah den Dunkelhaarigen an und zum ersten Mal an diesem Abend begegneten sich ihre Blicke. Der junge Mann blickte in das rechte Auge seines Kapitäns. Es war leer.
Signatur

Manchmal fällt man tiefer, als man wieder emporsteigen kann.
Manchmal muss man weiter gehen, als die Füße einen tragen können.
Und manchmal gibt es mehr Hoffnung als Augen sie sehen können.
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