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Das Boot - Albertcamus

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Bilderelse ...

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...   Erstellt am 22.04.2008 - 15:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo meine Lieben,
die Geschichte stammt aus der Zeit als ich in Wiesbaden nach Arbeit suchte. Sie ist nicht sehr lustig, aber ich wollte mir trotzdem den (schwarzen) Humor nicht nehmen lassen.
Jetzt ist dies nicht mehr mein Thema, habs aufgegeben und bin trotzdem glücklich, wenn auch ohne eigenes Gehalt.



Wie defizitäre „Jungendliche“


Gestern hatte ich einen lächerlichen Termin auf dem Arbeitsamt. Der Zeitpunkt der Audienz war für 10.05 Uhr festgelegt. Ja, es wird minutiös geplant. Die Zeit der Mitarbeiter des Amtes ist straff verplant. Ich fuhr also dort hin, pünktlich, und musste zunächst eine halbe Stunde warten. Man wundert sich darüber nicht mehr.
Ich hatte dann allerdings nur eine barsche Frage zu beantworten:
„Warum sind sie nicht am 20.06. zum Termin erschienen, obwohl sie eingeladen wurden?“
„Ich hatte keine Einladung“, sagte ich schüchtern.
Dies könne passieren, erhielt ich zur Antwort, schließlich würden die Einladungen zentral von Nürnberg aus verschickt werden.
Oh, dachte ich, man ist wirklich durchorganisiert. Nürnberg ist nämlich ein paar hundert Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Das war dann aber auch schon alles. Ich hatte nur noch diesen Satz schriftlich zu bestätigen und konnte gehen.
Ich wunderte mich, dass nicht noch ein Zeuge zu benennen war, Mutti, Papa oder so. Also dies war nun noch weniger als ich erwartete. Ich hatte mindestens gedacht, dass ich peinlichst befragt werde, wo ich mich bisher beworben habe. Nein, dafür war die Dame nicht zuständig. Sie hatte nur abzuklären, warum ich diesen ominösen Termin boykottierte.
Na ja, man hat Zeit als Arbeitsloser und kann halt antreten, wenn gewünscht. Man kommt sich allerdings von einem zum anderen Mal immer lausiger vor. Fast wie ein kleiner Verbrecher muss man Rede und Antwort stehen. Nein, ein Stuhl wurde mir schon angeboten.
Jetzt heißen ja die Arbeitssuchenden neuerdings „Kunden“, hörte ich gestern in den Nachrichten. Na hoffentlich versteht sich dieses Amt, diese Agentur für Arbeit auch als Dienstleister und erfreut die „Kunden“ mit zahlreichen Angeboten. Ich bezweifle dies sehr.
Der Bundespräsident appellierte nochmals im Fernsehen weinerlich an alle Unternehmer, doch endlich die Arbeitslosen in Arbeit zu bringen, ganz besonders die älteren.
Das ist doch sehr rührend, nicht wahr, und so neu. Wer hätte das gedacht.

Die Industrie und alle anderen Arbeitgeber ebenso werden sich vermutlich wie immer einen feuchten Kehricht um die Wünsche der Politiker scheren. Das am Rande.
Übrigens in der Zeitung stand, dass die Älteren nun nicht mehr nur ähnlich wie defizitäre Jugendliche wären, sondern ohne weiteres sehr brauchbar und nützlich seien für alles Mögliche. Das ist doch furchtbar tröstlich. Ich hatte zwar noch nie bei mir Ähnlichkeiten zu defizitäreren Jugendlichen festgestellt, aber die Bezeichnung hat was. Sie ist mir so bisher noch nicht begegnet.

Ich bin nun über 55 und falle in die Rubrik „geförderte Alte“, man erhält also 36 Monate einen imaginären Ausgleich, wenn man einen unterbezahlten Job annähme. Ja, scheiß an die Wand! Das wird die Sache rum reißen. Welche Jobs sind gemeint und wo gibt es diese? Ja, und wie hoch wäre der Ausgleich? Und was passiert danach? Das wissen wir nicht, keiner weiß das. Aber es wurde ein Vorschlag unterbreitet, man denkt an die Alten, die sollen endlich arbeiten, was ist egal.
Allmählich werden all diese defizitären „Jugendlichen“ zur Last und manchmal auch schon richtig frech, man muss sie unterbringen, wo ist egal. Sie müssen von der Straße. Sie lungern dort nur herum und kaufen nichts. Das will keiner, abgesehen mal von der Ästhetik. Alte mit muffigen Gesichtern zieren nicht unbedingt das öffentliche Leben.
Wie schön sind da unsere Fußballfans anzuschauen. Das ist Lebensfreude, die aufbaut. Was machen wir bloß nach der WM? Es wird sich ein Fußballloch auftun. Das ist schlimmer als Arbeitslosigkeit. Alle Defizite werden sichtbar und schmerzhaft zu spüren sein. Wird sich die Zahl der defizitären „Jugendlichen“ etwa noch erhöhen?
Der Bundespräsident wird neue Appelle erarbeiten müssen. Die Regierung wird in Schulterschluss mit Industrie und Handel alle Defizite beseitigen. Die defizitären Jugendlichen müssen weg, da wird nicht locker gelassen. Wir bekommen sie in den Griff.
Danke für die Blumen! Ich habe tatsächlich an Erkenntnis gewonnen und sehr viel Mut bekommen, dass man mich von der Straße holt. Spätestens, wenn die große Klappe zugenagelt wird, bin ich weg.





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Erkennen wollen
ist der erste Schritt des Verstehens.
Zunächst im Selbstversuch!

Chrissi ...

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...   Erstellt am 22.04.2008 - 18:44Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Huhu Helga,

ich hatte mal ´nen Arbeitskollegen, wenn der wütend war kam von ihm: MIR KOCHT DER BLUT .

Genauso geht es mir jetzt. Mir geht heute noch der Hut hoch wenn ich an diesen "netten" Verein erinnert werde.
Helga schrieb

    Gestern hatte ich einen lächerlichen Termin auf dem Arbeitsamt. Der Zeitpunkt der Audienz war für 10.05 Uhr festgelegt. Ja, es wird minutiös geplant. Die Zeit der Mitarbeiter des Amtes ist straff verplant.


Jawoll komm ja pünktlich! Ich musste mit 2 Bussen und einem Fußmarsch ca. 20 Min. dort hin, um dann von der schlechtgelaunten Tüte am Empfang (nein, zum Sachbearbeiter brauchte ich nicht!!) einen Stempel in meiner Terminliste zu erhalten. Telefonisch? Nein das geht nicht. Junge, Junge ich krieg ´nen Affen.

Ein weiteres Thema dazu hatte ich (auch vor Wut) hier eingesetzt (Zeitarbeit)

Guuuuut dass wir das nicht mehr nötig haben!!!

Stinkige Grüße
Chrissi

PS.: Ich muss aber zugeben, trotz der fiesen Erinnerungen musste ich über die Art Deiner Ausführung herzlich lachen.





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Helga ...



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...   Erstellt am 23.04.2008 - 10:18Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Wenn das nicht so traurig und ein ernstes Thema wäre, würde
ich laut lachen......... über die Art und Weise wie du dieses
schriebst und über den Ausdruck defizitäre Jugendliche. Ne oh ne.....

Klasse geschrieben Helga, liest sich weg wie Butter





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Stefan ...
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...   Erstellt am 23.04.2008 - 20:25Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Bilderelse schrieb
    Hallo meine Lieben,
    die Geschichte stammt aus der Zeit als ich in Wiesbaden nach Arbeit suchte. Sie ist nicht sehr lustig, aber ich wollte mir trotzdem den (schwarzen) Humor nicht nehmen lassen.


Das stimmt, Helga. Das Arbeitsamt lässt sich nur mit Humor und sei er noch so schwarz, ertragen.

Bei der Suche nach Arbeit hat mir dieses Amt auch noch NIE geholfen. Gut, so viel musste ich zum Glück noch nicht suchen, aber sie haben mich immer gleich auf die Eigeninitiative verwiesen.

Ach doch, ein Stellenvorschlag kam beim letzten Mal ja von dieser Agentur. Die Stelle entsprach zwar überhaupt nicht meiner nun nicht gerade umfangreichen Qulifikation, aber egal. Die freundliche Dame meinte, ich solle mich einfach mal bewerben. Wenn nicht... DREI Monate Sperre! So einfach ist das.

Vielleicht lag der fehlende Einsatz der AA-Mitarbeiter daran, dass ich weder ein "geförderter Alter" noch ein defizitärer Jugendlicher bin?

Chrissi schrieb
    Telefonisch? Nein das geht nicht. Junge, Junge ich krieg ´nen Affen.


Mittlerweile geht es auch telefonisch, Du erinnerst Dich?

Wobei ich immer noch nicht den Sinn der 3 Monatsmeldung verstehe.

Helga schrieb
    Klasse geschrieben Helga, liest sich weg wie Butter



Ja genau, nur wie liest man Butter?

Muss ich gleich mal gucken gehen, was da alles so in unserer Butter steht.

Liebe Grüße

Stefan





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Macuser sind nicht eingebildet. Sie sehen einfach besser aus....

Bilderelse ...

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...   Erstellt am 24.04.2008 - 08:37Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Ihr Lieben,

kaum einer macht mit Ämtern, die sich wohl nie als DIENSTLEISTER verstehen werden, positive Erfahrungen. Ich habe jedenfalls immer nur Stöhnen vernommen.
Ich hatte früher einmal in Bayern einen Job, da musste ich u.a. polnische Saisonarbeiter auf dem Arbeitsamt anmelden, saß also wie alle im Warteraum. Auf den anderen Stühlen saßen Menschen, für die sie etwas tun sollten, hatten scheinbar kaum noch große Lust dazu. Maulig, zum Teil überfordert scheinend, laut schreiend (als wenn jemand, der nicht deutsch kann, auch schwerhörig sein muss)fertigten sie die "Bittsteller" ab.

Kann ja sein, dass es auch schwarze Schafe gibt, aber man muss doch egal, wie man sich fühlt oder was man denkt, immer zu seinen Kunden freundlich sein, oder?

Nun, danke, dass Ihr meine Geschichte gerne gelesen habt, trotz des ernsten Themas.

Liebe Grüße Helga

[Dieser Beitrag wurde am 09.05.2008 - 10:32 von Bilderelse aktualisiert]





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Gudrun 

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...   Erstellt am 08.05.2008 - 16:42Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Also, was diese "defizitären Jugendlichen" betrifft. Da gibt es ein ziemlich böses Kabarettstück von Stermann und Grissemann darüber. Wie die mit grauen Gesichtern und bedrohlichem Blick im Park rumsitzen, Tauben vergiften und harmlose Spaziergänger mit ihrem Gehstock bedrohen. Die Welt ist natürlich grundsätzlich schlecht, aber DAS macht mir doch Hoffnung auf mein Leben als Alte.

Is - nur - satirisch - gemeint - aber - ein - paar - böse - Geschichten könnte - man - doch - drüber - schreiben Grüße, Gudrun





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