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mam 
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...   Erstellt am 02.11.2009 - 10:34Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Das wird einmal ein Pudel

Vor einigen Jahren brachte meine Tochter eine Handvoll schwarze Wollflusen mit glänzenden Knopfaugen aus der Schule mit nach Hause.
„Das wird einmal ein Pudel, darf ich ihn behalten?“
Der noch zu werdende Pudel schaute mich erwartungsvoll aus ihren Händen an. Vorsichtig nahm ich das kleine Bündel hoch. Da wir erst vor kurzem in unser Haus eingezogen waren, wäre ein Wachhund nicht schlecht.
„Sie heißt Lulu.“
Lulu krallte ihre winzigen Pfötchen in meinen Angorapullover und machte vor Freude gleich ein großes Pipi darauf. Ja, hier fühlte sie sich Zuhause. Ein Duschbad später und einen teuren Pullover ärmer fuhren wir zusammen zu einem Tierarzt, um Lulu untersuchen zu lassen. Sie war vier Wochen alt und ihre Frau Mama war an den Strapazen der Geburt verstorben. Ein geübter Blick des Arztes in die intime Zone der kleinen Lulu bestätigte, dass sie ein Junge war.
„Er muss trotzdem Lulu heißen“ meinte meine Tochter „es wäre sonst Tierquälerei. Er hat sich doch schon an seinen Namen gewöhnt.“
Lulu musste alle drei Stunden mit Babynahrung gefüttert werden. Zum Glück hatte ich noch eine Babyflasche Zuhause. Wir kauften eine Wärmelampe und montierten sie über der Puppenwiege meiner Tochter.
Lulu wuchs und gedieh prächtig. Nach fünf Monaten nahm er Ausmaße an, die uns vermuten ließen, dass es sich um einen Königspudel handelt. Kurze Zeit später vermuteten wir einen griechischen Hirtenhund und nach einem Jahr hatte er die Ausmaße eines Elefanten. Das gierige Monster verschlang große Säcke mit Hundehaferflocken und Trockenfutter, sowie ganze Paletten Dosenfutter. Wir ließen einen großzügigen Hundezwinger mit einer beheizbaren Hundehütte und Wasseranschluss bauen, den meine Tochter als ihr Baumhausersatz und Freizeitdomizil benutzte, da Lulu sich mit allen Pfoten und Füßen dagegen wehrte, ihn zu betreten.
Im zarten Alter von zehn Monaten meldete ich ihn telefonisch bei einem Hundeverein an, damit er eine Grundausbildung bekommen sollte. Bis dahin lehnte Lulu nämlich kategorisch alles ab, was auch nur im Entferntesten nach Erziehung roch.
„Wie heißt er denn?“ „Lulu.“
Ich konnte ein Glucksen am anderen Ende der Telefonleitung vernehmen.
„Und wie heißt er weiter?“
„Wie weiter?“ ... „Braun?“
„Aha, Lulu von Braun also.“
So schnell kann man zu einem Adelstitel gelangen.
Später erfuhr ich, dass reinrassige Hunde rote Ausweispapiere besaßen und sich allesamt mit einem adligen Namen schmückten. Obwohl Lulu alles andere als reinrassig und erst recht nicht adlig war, durfte ich dennoch den adligen Mitgliedsbeitrag im Hundeverein bezahlen. Man machte wahrscheinlich eine Ausnahme bei uns. Im Grunde genommen konnte nicht einmal der Tierarzt herausfinden, wie viele verschiedene Vorfahren Lulu hatte.
Der Hundeübungsplatz bestand aus einer quadratischen Wiese, an deren Ecken sich Sichtschutze aus Holz befanden, die wie kleine Wigwams aussahen. In der Mitte des Platzes waren eine Holzwippe, hintereinander aufgereihte Pfähle und ein Holzgestell mit Treppen.
„Fangen wir mit etwas Leichtem an, dem Apportieren“ sagte der Ausbilder. Na gut, dachte ich, wenn er meinte, er hätte mehr Glück als wir, sollte er es mal probieren.
Das knochenförmige Stück Holz flog durch die Luft und Lulu reagierte wie immer, nämlich überhaupt nicht.
„Hol das Stöckchen!“ Lulu wedelte freundlich mit dem Schwanz.
„Lulu, komm her!“ Lulu legte seinen Kopf auf die Vorderpfoten und gähnte.
„Lulu, hier ist ein Leckerli für dich!“ Nun stand Lulu auf, streckte sich und trottete auf den Ausbilder zu. Zwei Sekunden später war das lächerlich kleine Stück Leckerli in seinem Rachen verschwunden und der Ausbilder musste sich die Hand verbinden lassen.
„Böser Lulu“ schimpfte ich und kramte einen Fünfziger als Schmerzensgeld aus meiner Hosentasche.
Der nächste Ausbilder kam in einem Schutzanzug. An seinem linken Arm prangte ein großer stabiler Armschutz, in seiner Rechten hielt er einen Stock mit einer Kordel am Ende. Er knallte mit der Peitsche und Lulu knurrte. Dann sollte ich Lulu festhalten und ihn auf sein Kommando loslassen. Der Ausbilder lief über das Feld und schrie: „Los!“
Der frei gelassene Lulu schlenderte gemütlich über die Wiese, beroch eine Schnecke, die er unterwegs traf und steckte zwischendurch seine große Nase in ein Mauseloch. Es war hoffnungslos. Ob ich wenigstens die Hälfte des ersten Mitgliedsbeitrages zurückbekommen könnte? Ich konnte nicht.
Auf dem Weg nach Hause angelte sich Lulu ein großes Stück Fleischwurst aus der Einkaufstüte einer fremden Dame. Diese lachte belustigt und ich reichte ihr entschuldigend einen Fünfer. Peinlicher Köter!

Lulu ist alles andere als ein Hund. Er ist eine sture, dickköpfige, feige Memme, stets zu den unpassendsten Zeiten zu Scherzen aufgelegt, aber alle lieben diesen riesigen, schwarzen, spitzgedacktelten Schäferpudel. Vielleicht gerade deswegen, weil er ein so absolut untypischer Hund ist?
Statt eines Schildes mit der Aufschrift: „Vorsicht! Bissiger Hund!“ hätten wir eine Warnung an das Gartentor anbringen sollen: „Wer unseren Hund erschreckt, wird strafrechtlich verfolgt!“
Lulu ist das Gespött aller Nachbarskatzen, denn sie tanzen, manchmal sogar sprichwörtlich, ungestraft auf seiner Nase herum. Dafür adoptiert er Mäuse, schleppt sie vorsichtig in seinem Maul tragend ins Haus und verteidigt sie bis aufs Blut.
Nun ist Lulu sieben Jahre alt. Er liegt gerade unter meinem Schreibtisch und meine Füße stecken unter seinem warmen, weichen Bauch. Er hat sich vom ersten Tag an in unsere Familie integriert, oder besser gesagt, er hat sich zum Familienoberhaupt erklärt. Ein so genanntes Hundeleben führt nicht Lulu, sondern wir.

Copyright bei Marina Braun. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch von einzelnen Textauszügen bedürfen meiner schriftlichen Genehmigung.





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...   Erstellt am 02.11.2009 - 20:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich kann mir nicht helfen, aber der Vergleich zu Rantanplan drängt sich mir förmlich auf. Immer wieder.

RANTANPLAN

Der Hund, der dümmer ist als sein Schatten.




Zur Erklärung:
Rantanplan ist ein beamteter Wachhund in einem Staatsgefängnis, in dem die Daltons in der Regel untergebracht sind. Über seine Intelligenz braucht man nicht viel zu sagen, denn sie umfaßt im wesentlichen das Fressen. Wenn es jedoch darum geht, Fährten aufzunehmen oder Banditen aufzuspüren, dann ist man gut beraten, in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Durch eine Reihe merkwürdiger Zufälle gelingt es Rantanplan aber doch auf eine unglaublich absurde Weise, die Verbrecher zu stellen...

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...   Erstellt am 03.11.2009 - 11:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Vielleicht ist Lulu ein Abkömmling von Rantanplan????

Man sollte ihn mit der Kolumnenkatze von Tante Erna kreuzen (Kolumne: "Fußball-WM") und sehen, was dabei herauskommt *schallend lach*. Immerhin ist er auch "nur" ein Kolumnenhund.

Nun, die Wahrheit ist, dass ich einmal einen Schäferhund hatte, der wirklich so eigensinnig war. Damals holte ich ihn aus dem Tierheim in Mannhein, jedoch hatte er immer wieder Heimweh und büchste bei jeder Gelegenheit aus, weil er wusste, dass wenn er aufgegabelt wird, ins Tierheim kam. Dort stand schon meine Telefonnummer in der Kaffeeküche an der Wand und nach einigen Monaten, sowie auch einer großzügigen Spende entschloss ich mich letztendlich schweren Herzens, ihn dort zu lassen. Seine Streiche, Tollpatschigkeit und auch sein Eigensinn leben in meinen Kolumnen weiter. Man wird noch weiteres von "Lulu" lesen können.





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mam 
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...   Erstellt am 07.11.2009 - 06:58Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


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