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bastus17 ...
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...   Erstellt am 17.09.2005 - 17:47Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Das Teppichmesser
von Haro

"Bringen wir deine Kuscheltiere zu Bett, ich helfe dir dabei." Das war das Letzte, was die Saufbrüder vom windigen Red Full hörten. Mit dem Spruch hakte er bei der kleinen Blondine unter und schleppte sie ab aus der "Zocker-Bar". Auf der Strasse hatte er sie aufgelesen. Sie war aus einem Heim abgehauen und hockte die ganze Zeit stumm wie ein Fisch neben ihm. Der mieseste Strizzi der Stadt hatte ein untrügliches Auge und einen nicht minder geschärften Geschäftssinn für gestrandete Mädchen. Mit flotten Sprüchen und hochprozentigen Gefügigmachern riss er die Tussis wie Bierdosen auf. Dann schickte er sie anschaffen. Das Sexbusiness betrieb Red Full mit der Abgeklärtheit eines erfahrenen Börsianers. Brachten die Stuten nicht mehr das, was er von ihnen erwartete, stiess er sie ab oder liess sie einfach liegen wie die Kursnotierungen von gestern. - Nun hatte ihn das Schicksal selber liegen gelassen; zuunterst in der Tiefgarage, neben seinem roten Ferrari. Bereit für den Sargmacher.

"Na, hat's dich endlich erwischt, du grossmäulige, kleinschwänzige Ratte", grummelte Kommissar Knittermann und warf sich eine Peppermint-Power-Pastille auf die raue Zunge. Er wollte nicht, dass wegen seines chronisch schlechten Mundgeruchs am Ende die Leiche von Red Full wieder lebendig würde. Eine solche, von niemandem gewünschte Auferstehung würde den Fall auch nicht lösen, weil Red Full mit Bestimmtheit nicht hätte sagen können, wer ihm mit dem Teppichmesser an die Gurgel gegangen war. Zum Zeitpunkt, als er den Jordan überschritten hatte, war er einfach zu besoffen, um sich noch an solche Details erinnern zu können. Red Full war zwischen 23.00 Uhr und der morgendlichen Kaffeepause auf dem Polizeirevier immer auf einem Pegel zwischen zwei und drei Promille. Kommissar Knittermann konnte dafür die Hand ins Feuer legen, schliesslich kannte er seine Kundschaft aus dem Effeff.

"Der Tod dürfte so gegen 05.00 Uhr eingetreten sein", sagte der Gerichtsmediziner. "Eindeutig verursacht durch die Schnittwunde am Hals." - "Auf dem Teppichmesser sind natürlich keine verwertbaren Fingerabdrücke, oder", fragte der Kommissar gelangweilt seinen Assistenten. "Die Spurensicherung sagt nein, da sei gar nichts drauf. Die Täterschaft hätte wahrscheinlich Handschuhe getragen, im Labor würde man die Tatwaffe noch auf Fasern untersuchen", antwortete der Assistent. "Die kleine, stockbesoffene Blondine, die noch immer wie ein Bär im sibirischen Winter auf dem Rücksitz des Wagens pennt, konnte unmöglich dem Red Full den Kopf abgesägt haben, wie etwa die biblische Judith dem Holofernes. Dafür ist dieser Tiefgaragen-Schwank einfach zu billig", kombinierte Knittermann laut. Sein Vater war ein Sektenprediger gewesen, daher begann er seine Ermittlungen stets mit entsprechenden Abgleichungen in der Bibel. Schliesslich waren in der Heiligen Schrift ja auch alle polizeirelevanten Fälle sauber gelöst. "Von der Kleinen ist kaum etwas Verwertbares zu erfahren. Die hat in ihrem Zustand sicher nichts mitbekommen", sagte Knittermann zu seinem Assistenten. "Aber was ist mit dem Nachtwächter, der die Leiche gefunden hat?" Der habe nichts gesehen und nichts gehört, sagte der Assistent. Als er seine normale Runde durch die Tiefgarage gemacht habe, sei er über den Red Full, vielmehr über dessen fast kopflose Leiche gestolpert. "Nachtwächter sind für die Polizeiarbeit grundsätzlich wertlos. Das weiss ich aus meiner langen Berufserfahrung. Die haben immer den Walkman auf und tragen Sonnenbrille, weil der Job ja so easy ist", sagte Kommissar Knittermann. "Wird so sein", bestätigte der Assistent. "Ist so", wurde er vom Kommissar angefahren. "Bodenleger haben wir auch keine im Haus, oder", suchte Knittermann nach neuen Anhaltspunkten, um endlich vernünftig kombinieren zu können. "Ich weiss nicht", antwortete der Assistent verschüchtert. "Vergessen Sie's", grummelte der Kommissar, "wo ein Teppichmesser ist, müssen nicht zwingend auch Bodenleger sein."

Mehr als hundert Leute könnten achtbare Gründe gehabt haben, den Red Full aufzuschlitzen, überlegte sich Knittermann. Die meisten davon sind Nachtschwärmer und nur die allerwenigsten auch Frühaufsteher? "Ist auch nicht relevant", sagte Knittermann zu seinem Assistenten. Der hatte sichtlich Mühe den schnellen Kombinationen seines Chefs zu folgen und fragte blöde: "Was ist nicht penetrant? "Alles hier unten ist penetrant. Aber relevant ist einzig der gekillte Red Full. Sonst haben wir noch gar nichts Relevantes in dieser penetranten Sache", sagte Knittermann misslaunig zum Assistenten.

"Schau mal Fifi, hast du schon jemals so viele Polizisten an einem Haufen gesehen? Die noch rüstige, aber schon fortgeschritten senile Witwe Wannenmacher im fünften Stock im Hochhaus mit der Tiefgarage hob ihren kleinen Hund zum Fenster hoch, wo sie die Gardine etwas zurückgeschoben hatte. "Nein, das haben wir bestimmt noch nie gesehen", sagte sie zu Fifi. "Das hätte er nicht tun sollen, der böse Mann. Dich treten, mein Schatz, das hätte er nicht tun sollen, der böse Mann. Das dulde ich nicht! Wir gehen immer morgens um fünf in die Tiefgarage, wenn du raus musst, auch wenn's kalt ist da unten und ich die Handschuhe anziehen muss. Aber es ist so schön hell. Du kannst dir das beste Plätzchen aussuchen, wo du hin machen willst, und der Nachtwächter kommt erst um sechs. - Das hätte er nicht tun sollen, der böse Mann. Ich schlag dich tot, hat er geschrieen, als du an sein Auto gemacht hast. Auf die Knie ist er gegangen, wollte dich unter dem Auto hervorziehen, wo du dich vor ihm versteckt hattest. Ich musste einfach dazwischen. Der Karl selig hat mir das Teppichmesser gegeben und gesagt, ich soll es immer in der Handtasche tragen, man wisse nie, wann man so ein Teppichmesser brauchen könne. - Recht hat er gehabt, der Karl selig! Weil das Teppichmesser vom Karl selig ist, will ich es auch wieder zurück haben. Es ist ein Erinnerungsstück und erst noch ein sehr nützliches. - Wir gehen noch heute zum Fundbüro, Fifi."





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