Teela  Queen of the Dark
       

Status: Offline Registriert seit: 24.03.2005 Beiträge: 3214 Nachricht senden | Erstellt am 21.12.2005 - 20:09 | |
Man hörte Schritte die steinerne Treppe des siebenseitigen Sene-schallturms hocheilen. Eine massive Holztür wurde mit viel Anstrengung geöffnet. Ein dürrer Lehrling stolperte in die Kammer des Bruderführers. Mit ihm huschte eine zottelige, rotbraune Straßenkatze ins Zimmer und lies sich auf dem Schoß des Bruderführers nieder um sich Streicheln zu lassen. „Wer wagt es?“ donnerte die Stimme des ersten Beraters Moryson durch das Zimmer, dessen Wände mit Bücherregalen vollgestellt war. Der Junge trat zu dem Tisch vor, hinter dem der Bruderführer James auf seinem mit Schnitzereien verziertem Thron saß. „Mei... mein Name ist Gilbert.“ keuchte er unter den vielen entschuldigenden und ehrfürchtigen Verbeugungen hervor. „Ich bringe Nachricht von unseren Brüdern...“ Mit seiner ruhigen und gnädigen Stimme sagte James „Bitte, Gilbert, sprich“
„Brüder unter Artor,“ Gilbert begann seinen Bericht mit diesen traditionellen Worten, bei denen die beiden Zuhörer die Augen verdrehten. „seit dem in diesem Jahr ungewöhnlich spät einsetzenden Tauwetter sind hier im Seneschall zahlreiche Nachrichten des Inhaltes eingegangen, dass es in den Grenzprovinzen des Reiches zu, äh..., ungewöhnliches Aktivitäten gekommen ist. Zunächst sind da die Berichte unserer Brüder in der Festung Gorken zu nennen, denen zufolge mehr Soldaten als üblich auf Patrouillen umgekommen sind. Fürst Magariz konnte die Leichen einiger der verlorenen Soldaten bergen. Allem Anschein nach hat man sie verspeist...“ Gilberts Augen waren angsterfüllt und er musste schlucken um fortfahren zu können. „Die Stämme in Rabenbund haben ebenso schwere Verluste zu beklagen. Sie erzählen von nahezu unsichtbaren Eiswesen, die im Wind leben und auf Menschenfleisch aus sind. Die Rabenbünder fürchten sich vor ihnen, denn Stahl fährt ungehindert durch ihren substanzlosen Körper.“ „Die Unaussprechlichen! Sie kommen zurück so wie es Artor im Buch von Feld und Furche geschrieben hat!“ sagte Moryson fast schon panisch. „So viel Zeit ist vergangen, wohl an die tausend Jahre, seit die Unaussprechlichen hinter die Grenzberge und in das Eisdachalpengebirge abgedrängt wurden. Viele der alten Berichte über sie sind verloren gegangen oder stehen uns nur als Sagen zur Verfügung. Aber ja, tief in meiner Seele fürchte ich, dass wir es wieder mit den Unaussprechlichen zu tun haben.“ James stand auf und goss sich und den beiden anderen Wein ein. „Furche weit, Furche tief“ prosteten sie sich zu und tranken um sich zu beruhigen.
Es vergingen etliche Wochen der Besorgnis. Man hoffte, dass dies nur Gerüchte waren, denn die Meldungen schwächten ab. Mittlerweile hatten sich schon Schneewolken am Himmel gebildet, viel zu früh für diese Jahreszeit, dennoch gab es vorerst keinen Grund zur Besorgnis… Schon nach wenigen Tagen nach dem Beginn des Schneefalls kam erneut Gilbert mit einer Botschaft zum Bruderführer. „Brüder unter Artor!“ es hatte die Treppen noch schneller als beim letzten Mal erklommen „Die Festung Gorken wurde angegriffen! Fürst Magariz wurde schwer verwundet, seine Wächter wurden in Stücke gerissen! Die meisten unserer Brüder wurden niedergemetzelt! Zwei konnten entkommen… sie berichten von einem unglaublichen Blutbad!“ James und Moryson waren sprachlos. Nachdem sich der erste Schock gesetzt hatte fragte Moryson mit heiserer Stimme „Hatten unsere Brüder die Möglichkeit die Angreifer zu sehen?“ „Ja, Herr, es sollen große Geisterwesen sein, nur mit mehr Substanz, in der Form den Menschen ähnlich. Die Überlebenden beschreiben sie als Knochengebilde, zusammengehalten aus gelblichem Eis, ihre Augen sollen wie silberne Scheiben sein. Sie haben eine Art Schnabel und Schwingen mit Klauen als Finger… es waren nur fünf…“ „Entsetzlich“ „Unfassbar“ James und Moryson war die Farbe aus dem Gesicht gewichen. „Was wird der König machen?“ fragte James den jungen Bruder. „Er wird alle Truppen nach Gorken schicken. Mit Beginn des Winters rechnet er mit noch mehr Angriffen.“ Gilbert hatte sich gut informiert. „Holt mir Karin!“ befahl James dem Jüngling.
Einige Zeit später betrat Gilbert erneut den Raum, diesmal aber in Begleitung. Eine junge Offizierin war bei ihm. Ihr langes rotes Haar war zu einem Zopf gebunden, die Uniform penibel glattgestrichen. „Furche weit, Furche tief!“ klar und deutlich sprach sie die Grußformel und hielt beinahe die Luft an als sie stillstand. Karin Koenig, Ziehtochter des Bruderführers, dem Militär des Königs unterstellt. James ging in seinem Zimmer auf und ab. „Ihr seht mich betrübt, weil wir König Priam gegenwärtig keine Kenntnisse zur Verfügung stellen können, die sie für den Kampf gegen diese Kreaturen benötigen. Doch es gibt einen Ort, an dem wir dieses Wissen zu erlangen vermögen.“ „Die Burg der schweigenden Frau?“ warf Moryson ein. James nickte. Karins Unterkiefer klappte nach unten. „Aber meine Männer werden doch alle in Gorken stationiert!“ entfuhr es der jungen Frau. Man sah dem Bruderführer an, dass es ihm nicht leicht fiel seine Adoptivtochter auf eine solch gefährliche Mission zu schicken. Immerhin lag die Burg in einem dichten Wald, in dem Dämonen hausen sollen. „Trotz diesen schrecklichen Nachrichten wird König Priam seinen Geburtstag mit ganz Achar feiern. Krieger, Söldner und sogar Diebe sind in diesen Tagen in Karlon zu finden. Ich bezweifle, dass du keine fähigen Leute für deinen Weg findest. Davon gibt es in Achar genug. Artor sei mit euch!“ "Jetzt und immerdar!" antortete Karin und drehte sich um. "Wartet!" schrie ihr Gilbert hinterher "Ich hab etwas für Euch besorgt... weil es ja eine Zivilmission ist, solltet Ihr nicht in Uniform losgehen" sagte er grinsend und überreichte ihr ein Paket. "Ich habe es von einer Dame aus Nor." Moryson hielt sich die Hand vors Gesicht. Die Frauen aus Nor, die diese Tage zum Feiern in Karlon waren, waren meist aus gewerblichen Zwecken hier. "Danke..." sagte Karin zögerlich und verließ das Zimmer.
Signatur
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Nightseeker unregistriert
| Erstellt am 23.12.2005 - 16:24 | |
[Ahmed - Karlon]
König Priams Geburtstag wurde in den Straßen gefeiert, und Ahmed, eigentlich Karin Koenigs privater Leibwächter, wuselte mit durch die Straßen und genoss das Fest. Heute hatte er frei: Ein seltenes Ereignis für einen Sklaven wie ihn. Aber Tradition war Tradition, und auch seine Herrin hatte nichts dagegen gehabt. Und so hatte Ahmed nicht lange gefackelt und genoss der Tag. Paraden waren noch nie sein Fall gewesen. Stattdessen nutzte er die Festtagsangebote: Er verbrüderte sich mit Söldnern, warf Messer auf Zielscheiben und leistete sich Alkohol... viel Alkohol. Der Tag war noch jung, und er noch viel zu nüchtern. Und so strich Ahmed durch die Gassen, auf der Suche nach einer Person, die sich auf ein Wetttrinken einlassen würde.
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