witchi  Der Burgherr (Admin) freier Ritter
        

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 2908 Nachricht senden | Erstellt am 08.05.2005 - 10:02 |  |
1.) Einleitung Unser Bild vom Mittelalter ist oft geprägt durch Film und Fernsehen. Wir wissen von dieser Epoche, daß es eine Zeit der Ritter und Burgen war, eine Zeit, die uns heute brutal und voller Aberglauben erscheint. Nur war dies wirklich so? Stimmen die Vorurteile der frühneuzeitlichen Humanisten wirklich, die den negativen Begriff Mittelalter prägten und diese Zeit als "finster" und barbarisch abwerteten? Die folgenden Ausführungen sollen versuchen, dem Leser einen vorurteilsfreien Blick in das Mittelalter und im besonderen in die mittelalterliche Gesellschaft zu geben, um ihm so die Möglichkeit zu bieten, sich ein eigenes Urteil über diese ferne Zeit zu bilden. Nach einer kurzen Einführung über den Zeitraum des Mittelalters und der dort herrschenden allgemeinen Lebensumstände werden die Ausführungen mit der Darstellung des bäuerlichen Lebens beginnen. Es wird dargestellt, wie die bäuerliche Familie in ihrer Hütte lebte, wie ihre tägliche Arbeit aussah und wie sich das Verhältnis zu dem jeweiligen Grundherren gestaltete. Dabei wird sich auch ein kleiner Exkurs mit der bäuerlichen Kleidung befassen. Daran anschließend wird sich die Beschreibung der Lebensumstände der adeligen Bevölkerung, jenes mittelalterlichen Bevölkerungsteils, der das Bild vom Mittelalter seit langem beherrscht. Beantwortet werden sollen die Fragen, wie der junge Adelige zum Ritter wurde, wie sich das Leben auf einer Burg gestaltete, wie die höfische Mode aussah, aber auch zentrale Fragen über den Aufstieg der Ministerialen. Danach wird auf das Leben der Mönche eingegangen werden. Die Klöster waren über eine lange Zeit die kulturellen Zentren des Mittelalters. Der Text soll dabei einen Einblick in die Welt eines mittel-alterlichen Klosters geben. Zum Abschluß wird noch auf die mittelalterliche Stadt eingegangen. Die Stadtbewohner hatten zwar in dem Schema Klerus-Adel-Bauer keinen Platz, waren aber dennoch von großer Bedeutung.
All diese Ausführungen können die angesprochenen Themen nur anreißen. Eine vollständige Darstellung der mittelalterlichen Gesellschaft würde den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen. Daher müssen viele Aspekte nur kurz und zum Teil auch vereinfacht dargestellt werden. Auch eine zeitliche Eingrenzung ist nötig. Die folgenden Ausführungen behandeln im wesentliche die Zeit des Hochmittelalters. Dennoch wird es immer wieder Exkurse ins Früh- und Spätmittelalter geben. Um aber dem Interessierten die Möglichkeit zu bieten, sich weitergehend zu informieren, wird am Schluß des Textes ein umfangreiches Literatur-verzeichnis zu finden sein.
2.) Das Mittelalter - ein Periodisierungsproblem Wir alle haben unsere Vorstellungen über das Mittelalter, die Zeit der Ritter und Burgen. Wenn wir allerdings versuchen, das Mittelalter zeitlich einzugrenzen, stößt man auf Probleme. Die meisten von uns haben zwei grobe Eckdaten in der Schule gelernt: Das Mittelalter reicht von ca. 500 bis etwa zum Jahre 1500. Nur, ist das wirklich so und was hat diese Denkweise beeinflußt? Der Begriff Mittelalter ist an sich ein sehr nichtssagender Ausdruck und außerdem negativ gemeint. Eingeführt wurde er um das Jahr 1500 aus dem Gefühl heraus, daß nun ein völlig neues Zeitalter begonnen habe, ein Zeitalter mit neuem Denken und neuem Sprechen. Mittelalter, das sollte heißen, daß ein dunkles, ein finsteres Zeitalter zu Ende gegangen war und daß ein helleres, ein besseres, beginnen würde. Unterstützt wurde diese Denkweise noch durch die Reformation, die von vielen Zeitgenossen als tiefer geschichtlicher Einschnitt verstanden wurde. Endgültig festgelegt wurde diese zeitliche Einteilung allerdings erst im 17. Jahrhundert. Die Weltgeschichte wurde als dreigeteilt verstanden. Man ließ das Mittelalter mit dem Ende des weströmischen Reiches im Jahre 476 beginnen und mit der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 enden.
Diese Eckdaten haben heute immer noch Bestand, neben anderen. Man findet als Anfangsdatum für das Mittelalter auch das Jahr 375, d.h. den Einbruch der Hunnen in Europa und damit den Anfang der Völkerwanderungszeit. Als Enddatum gilt oft auch das Jahr 1492, die Entdeckung Amerikas. Wie auch immer man zu diesen Einteilungen steht, sie bleiben letztendlich alle fraglich. Die geschichtliche Entwicklung weist trotz einiger herausragender Daten keinen Bruch auf. Auch von den Zeitgenossen wurde eine solche Zeitenwende nicht bewußt erlebt. Im Frankenreich beispielsweise verschmolz die alte römische Führungsschicht mit der neuen der Franken. Auch die Grenze zur Neuzeit bleibt fraglich. Phänomene, die man bislang für spezifisch neuzeitlich hielt, wie etwa Kenntnisse der Antike und Vor- und Frühformen des modernen Staates, haben ihre Wurzeln im Mittelalter. 2 Damit wird sichtbar, daß die Schwierigkeit eine Epocheneinteilung zu finden, darin begründet liegt, daß man sich zuvor entscheiden müßte, worauf man sich bezieht, wenn man die Geschichte nach Zeitaltern gliedert. Ist es die politische Geschichte, sind es soziale oder gesellschaftliche Veränderungen oder auch kirchliche Entwicklungen?
1 Boockmann, Hartmut: Einführung in die Geschichte des Mittelalters, München 1988, S. 14 2 Ebd. S. 14-15
3.) Mensch, Natur und Kultur Über die Bevölkerung im Früh- und Hochmittelalter läßt sich leider nur sehr wenig mit Bestimmtheit sagen, da es keine verläßlichen Angaben über diesen Zeitraum gibt. Einzig brauchbar sind Hochrechnungen aus wenigen Aufstellungen, die jedoch nur einen Ausschnitt aus einem begrenztem Raum zu einer bestimmten Zeit geben können. In jedem Fall erwiesen ist, daß Europa zu Beginn des Mittelalters nur sehr dünn besiedelt war, allerdings gab es räumliche Unterschiede. Die größte Bevölkerungsdichte wiesen die Städtelandschaften in der Lombardei, in den Niederlanden, in Frankreich und Italien auf. Weiterhin waren Küstengebiete, Flußtäler und fruchtbare Ebenen bevorzugte Siedlungs-gebiete. In Deutschland waren in erster Linie das Gebiet des Niederrheins, Niedersachsen, die Rhein-Main Tiefebene, Teile des Oberrheins, die Täler des Mittelrheins, der Mosel, des Neckars und der Tauber, das Weserbergland und die Schwäbische Alb besiedelt. Kaum besiedelt waren hingegen im Norden die Marsch- und Sumpfgebiete, im Süden die Berglandschaften und die höheren Mittelgebirge. 3 Mit Beginn und im Laufe der Völkerungswanderungszeit vom 4. bis 6. Jahrhundert nahm die europäische Bevölkerung drastisch ab, nach einigen Schätzungen ungefähr um ein Drittel. Erst mit dem 9. Jahrhundert fand ein langsames Bevölkerungswachstum statt, das im 12. und 13. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte, um dann im 14. Jahrhundert durch die Pest wieder dramatisch abzufallen. 4 Im Frühmittelalter beherrschten vor allem im späteren Deutschland riesige Wälder die Landschaft, die vereinzelten Dörfer glichen eher Siedlungsinseln. Dies änderte sich mit dem starken Bevölkerungsanstieg im 12. und 13. Jahrhundert. Neuer Lebens- und Siedlungsraum wurde benötigt. Daher kam es zu großangelegten Rodungen, zu Eindeichungen und zum vermehrten Trockenlegen von Sümpfen und Mooren. Viele Siedlungen, die in dieser Zeit entstanden sind, bezeugen dies heute noch mit Namensendungen auf -holz, -wald oder roda. Als Folge des starken Bevölkerungswachstums kam es zu großen Ostsiedlung im 12. und 13. Jahrhundert. Die ehemals slawischen Gebiete jenseits der Elbe und Saale bis nach Siebenbürgen wurden von Deutschen erobert und besiedelt. Zum größten Teil waren diese Siedlungszüge organisierte Unternehmen, oft im Auftrag von Königen oder mächtigen Grundherren. 5 Trotz dieser großen Umwälzungen und Siedlungsprojekte blieb der Lebensraum des einzelnen Menschen stark begrenzt. Reisen waren seltene Erlebnisse, zudem waren die Straßen in einem sehr schlechten Zustand und oft durch Räuber gefährdet. Erst im 11. und 12. Jahrhundert wurden die Menschen mobiler, vor allem durch Pilgerreisen. Es entstanden Pilgerhospitäler und Gasthäuser. Trotzdem blieb die Mehrheit der Bevölkerung in ihrem Lebensraum auf das Dorf beschränkt. Für Informationen aus der Welt außerhalb des Dorfes war man auf die Erzählungen der Kaufleute angewiesen.
3 Goetz, Hans Werner: Leben im Mittelalter, München 1986, S. 21 4 örtlich zum Teil bis zu 50 % 5 Goetz, Leben im Mittelalter, S. 22
4.) Zeitgefühl, Klima, Lebensbedingungen Der Zeitablauf war auch den Menschen des Mittelalters bewußt, allerdings beschränkten sich Datierungsfragen nur auf die Gebildeten. Der einfache Mensch verfolgte weder die Jahreszahlen, noch wußte er, wann er geboren worden war. Viel wichtiger als irgendwelche abstrakte Jahreszahlen war für die bäuerliche Gesellschaft die Wiederkehr der Jahreszeiten und der Wechsel von Tag und Nacht. Das gesamte Alltags- und Arbeitsleben war an den Tag gebunden, begann mit dem Hahnenschrei zu Sonnenaufgang und endete mit dem Sonnenuntergang. Eine genaue Zeitmessung, wie sie für uns gang und gebe ist, gab es damals nicht. Die Tageszeit bestimmte man nach dem Stand der Sonne und dem Glockengeläut der nahen Kirche. Im Kloster hingegen war man auf eine genauere Zeiteinteilung angewiesen, um die Stundengebete alle drei Stunden genau einzuhalten. Dazu benutzte man eine Reihe von primitiven Uhren wie etwa Kerzen, die eine bestimmte Zeit brannten, Sonnenuhren und kostbare Wasseruhren, an deren Wasser-standsanzeiger man das Fortschreiten der Zeit beobachten konnte. Der Nachteil war, daß Sonnenuhren nur bei Tag und gutem Wetter funktionierten und Wasseruhren bei Frost einfroren. Später kamen noch Sanduhren dazu. 6 All diese Uhren waren relativ ungenau und auf ständige menschliche Bedienung angewiesen. Die uns heute vertrauten mechanische Räderuhren, die damals noch keine Minutenzeiger hatten, wurden erst im ausgehenden 13. Jahrhundert entwickelt und waren zunächst im 14. und 15. Jahrhundert hauptsächlich als Turmuhren verbreitet. Das Klima während des Mittelalters war vom 8. bis 13. Jahrhundert relativ günstig mit einem Klimaoptimum von 1150 bis 1300, das vermutlich positive Auswirkungen auf das Bevölkerungswachstum und den Aufschwung der Landwirtschaft hatte. Erst seit dem 13. Jahrhundert trat eine allmähliche Klimaverschlecherung ein. Trotz dieses günstigen Gesamt-klimas waren die Zeitgenossen stark von kurzfristigen Klimaschwankungen abhängig, die sehr schnell Mißernten und Hungersnöte zur Folge hatten. Die Folge der immer wieder auftretenden Hungersnöte waren Seuchen, Krankheiten und Mangelernährung. Von einer ärztlichen Kunst konnte man kaum reden, die Pflege der Kranken übernahmen die Klöster. Erst als Europa im Verlauf der Kreuzzüge im 12. und 13. Jahrhundert mit der arabischen Welt in Kontakt kam, entwickelte sich die ärztliche Kunst weiter. Bis dahin kannte man im Abendland bei leichteren Fällen einige Kräuter, bei schwereren Fällen galt der Aderlaß als Allheilmittel. Meistens blieb den Kranken nur die Hoffnung auf ein Wunder. Neben den vielen Mangelerscheinungen, die durch die zahlreichen Hungersnöte ausgelöst wurden, bedrohten auch zahlreiche Krankheiten das Leben der Menschen. So waren Thyphus, Pocken, Cholera oder Lepra eine ständig gegenwärtige Gefahr. Die Krankheiten verliefen in den meisten Fällen tödlich. Weiterhin gab es zahlreiche Gelähmte, von rheumatischen Erkrankungen Geplagte und viele Blinde und Halbblinde. Die Brille wurde erst im 14. Jahrhundert erfunden. Genau wie heute gab es Epileptiker und Geisteskranke, die allerdings damals als Besessene angesehen wurden. Zudem hatten viele Menschen schlechte Zähne, obwohl Kariesfälle selten waren, da es noch keinen Zucker gab. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug damals 25 bis 32 Jahren. Allerdings war die sehr hohe Kindersterblichkeit, die zwischen 40% und 60 % lag, für die niedrigen Werte verantwortlich. Diejenigen, die Kindheit und Jugend überstanden, konnten damit rechnen, älter zu werden. Die Lebenserwartung beim Mann war etwa 47, bei Frauen 44 Jahre. Bei den Frauen war vor allem die Geburt ein hohes Risiko. Alte Leute waren selten, wurden einerseits aufgrund ihrer Erfahrungen geachtet, anderer-seits allerdings auch als Belastung empfunden. 7 6 Ebd. S. 25 7 Ebd. S. 23-29
5.) Die bäuerliche Welt Unsere Vorstellung vom Mittelalter ist im wesentlichen geprägt von Geschichten über Ritter, Burgen und Königen. Viel seltener ist von dem Bevölkerungsteil die Rede, der 90% der mittelalterlichen Gesellschaft ausmachte, den Bauern. In einer hauptsächlich land-wirtschaftlich geprägten Gesellschaft sorgten die Bauern nicht nur für den eigenen, sondern auch für den Unterhalt der restlichen 10% der Bevölkerung. Das alltägliche Leben der Bauern vollzog sich auf einem sehr engen Raum, in Nord-deutschland lebte man sogar mit dem Vieh zusammen unter einem Dach. Die Behausungen waren einfache Holzhäuser oder Fachwerk mit Lehmfüllung. Die Dächer waren mit Stroh, Schilf oder Schindeln gedeckt. Fenster im heutigen Sinn hatten diese Behausungen nicht. Licht fiel nur durch kleine, mit Holzgittern gesicherte Öffnungen, ins Innere, die im Winter mit Stroh zugestopft wurden. Der Fußboden bestand meistens aus gestampftem Lehm. Im einzigen vorhandenen Raum war eine offene Feuerstelle, manchmal ein Lehmofen. Beleuchtet wurde der Raum mit Kienspänen oder einfachen Talglichtern. Geschlafen wurde entweder auf einfachen Strohlagern auf dem Boden oder auf Wandborden. Zum Essen benutzte die Familie eine gemeinsame Holzschüssel. Als Besteck dienten Holzlöffel, von denen es manchmal nur einen für die ganze Familie gab. Messer waren nicht nötig, da fleischliche Kost selten war. Insgesamt war die Nahrung sehr kärglich und nur wenig abwechslungsreich. 8 Auch die Kleidung der Bauern war sehr einfach. Getragen wurden kurze Kittel, eine einfache Tunika mit weiten Ärmel, manchmal Beinkleider. Die Kleidung wurde von den Frauen in Handarbeit aus grobem Leinenstoff und Schafswolle hergestellt. Das Schuhwerk bestand aus Rindsleder. Neben einem Strohhut trugen die Bauern manchmal einen Mantel. Seit dem 12. Jahrhundert gab es dann Kleidungsvorschriften, die der ländlichen Bevölkerung nur die Verwendung der Farben Schwarz und Grau gestatteten. 9 Zu Beginn des Hochmittelalters nutzten die Bauern noch den einfachen Hackenpflug, die Egge gab es noch nicht. Auch die Sense setzte sich erst langsam durch. Geerntet wurde mit der Sichel. Erst mit der Einführung eines neuen Zuggeschirrs, dem Kummet, gelang es, die Kraft von Pferden und Rindern besser zu nutzen. Auch die Dreifelderwirtschaft wurde erst im Hochmittelalter verstärkt betrieben. In den Familien lebten oft nur zwei Generationen unter einem Dach, da der Tod allgegenwärtig war. Aufgrund der harten kräftezehrenden Arbeit und der wenig abwechslungsreichen Ernährung waren die Menschen sehr krankheitsanfällig. Dies erklärt die geringe Lebenserwartung von nur 40 Jahren, die damit noch niedriger war als die der Adeligen. Die Familie war ein fester, patriachalisch geordneter Verband, der den täglichen Nahrungserwerb organisierte. Nur so war ein Überleben möglich. Die Familie sorgte für Arbeit, Ausbildung und Alterversorgung. Der Mann als Familienoberhaupt bestimmte die Arbeitsteilung, er entschied über den Anbau und die Verteilung des Erwirtschafteten. Alle Familienmitglieder, auch die Kinder, mußten nach Kräften mithelfen. Der Mann arbeitete in erster Linie auf dem Feld, die Frau kam in Zeiten der Saat und Ernte hinzu, verrichtete also nicht nur leichtere Arbeit in Haus und Hof. Die Frau mähte das Getreide, band die Garben, half bei der Heuernte, beim Dreschen, versorgte das Vieh, produzierte Butter und Käse und erzog die Kinder. Es ist also deutlich zu erkennen, daß die Frau trotz der patriachalischen Strukturen eine entscheidende Rolle im bäuerlichen Alltag hatte. Dies hatte auch Einfluß auf die Partnerwahl. Im Mittelalter war die Liebesheirat eher selten, es kam vielmehr auf die Arbeitskraft der Frau an. Die Eltern wählten meistens den Partner aus, wobei darauf geachtet wurde, daß der Besitzstand in etwa gleich war. Der Grundherr hatte allerdings die Möglichkeit, Einfluß auf die Wahl seiner abhängigen Bauern zu nehmen. Er konnte Heiraten erzwingen oder auch verbieten. In machen Gegenden mußten die Bauern Abgaben für das Eiverständnis ihres Grundherrn zur Heirat zahlen. In diesem Zusammenhang begegnet auch ab und zu das "ius primae noctis", das Recht des Grundherrn auf die Hochzeitsnacht mit der jungen Braut. Dieser Brauch war jedoch recht selten. 10 Im Hochmittelalter kam es dann zu einem Wandel, der das Leben der Bauern stark veränderte. Zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert stieg die Bevölkerung in Europa um das 2-3 fache an. Dieses Wachstum ist nur vergleichbar mit dem Entstehen der industriellen Gesellschaft. Dieses Bevölkerungswachstum stand in enger Beziehung mit der Entwicklung der Landerschließung und -kultivierung. Es gab große Fortschritte in der Agrartechnik, so etwa der Wendepflug, die Egge, die Dreifelderwirtschaft, die vermehrte Nutzung der Wasserkraft und den Ausbau des Mühlenwesens. Dazu kam das allmähliche Auflösen des alten Fronhofsystems. 11 Im alten Fronhofsytem war jeder Bauer einem Fronhof oder Herrenhof zugeordnet und stand in einem engen und persönlichen Bezug zu seinem Herrn. Ziel und Zweck war die Versorgung des Herrenhofes. Der Bauer war zuständig für die gesamte Feldbestellung, d.h. Pflügen, Säen, Ernten, Mähen und Dreschen, während seine Frau für Spinn-, Web- und Wascharbeiten zu sorgen hatte. Der Bauer mußte für diese Arbeiten seine eigne Ausrüstung mitbringen. Da der Herrendienst oder Frondienst Vorrang hatte, konnte der Bauer erst nach dieser Arbeit seine eigenen Felder bestellen. Dieses System endete im hohen Mittelalter. Der Grundherr wandelte den Frondienst zunehmend in Naturalabgaben um, dann mit Zunahme der Geldwirtschaft immer mehr in Geldabgaben. Dadurch verloren die Bauern allerdings die persönliche Bindung zu ihrem Grundherren. Außerdem gab es Veränderungen in der dörflichen Struktur. Bis zur Auflösung des Fronhofsystems hatten die bäuerlichen Siedlungen eher den Charakter von Nachbarschaftsverbände. Man half sich zwar in Notfällen oder feierte Familienfeste zusammen, ansonsten war das ganze Leben auf den eigenen und den Hof des Herren ausgerichtet. Durch die angesprochenen Veränderungen wurden aus der Nachbarschaft eine politische Gemeinde. Das Dorf wurde ein eigener Rechtsverband mit eigenen Organen. Es entstand eine dörfliche Verwaltung mit einem eigenen Gericht, bei dem die Bauern als Schöffen teilnahmen. Der Grundherr blieb aber dennoch präsent, etwa durch seine Funktion als oberster Richter. 12 Der häufigste Dorftyp war das Haufendorf. Es bestand aus einem umzäunten Kerndorf mit Wohn- und Stallgebäuden im Mittelpunkt, umgeben von Gartenland. Um das Dorf gab es einen Ring von Feldblöcken, sogenannte Gewanne, aufgeteilt in schmale Streifen. Jeder Bauer besaß in jedem Gewann einen oder mehrere Streifen. Durch die Dreifelderwirtschaft wurden die Gewannen zu drei Blöcken zusammengefaßt, einer für Winterfrucht, einer für Sommerfrucht und einer lag brach. Um das neue System effektiv zu nutzen, war eine Flurordnung nötig. Die Dorfgemeinschaft oder der Vorsteher legte daher fest, wan die richtige Zeit für Saat und Ernte war. Um die Gewannen lag ein weiterer Ring, der der Allmende. Die Allmende waren für alle Bauern nutzbar. Dort gab es Weidefläche für Vieh und Wald für die Schweinemast. Außerdem gab es dort Holz zum Heizen und Bauen. Die Dorfgröße war unterschiedlich. Im Durchschnitt bestand eine bäuerliche Siedlung aus 10 - 12 Höfen mit ca. 70 Einwohnern. Es gab allerdings auch kleine Dörfer mit 3- 5 Höfen und große Dörfer mit 40 - 50 Höfen.13 Die dörfliche Gemeinschaft war für den einzelnen Bauern unentbehrlich. Jeder war eingebunden in ein Geflecht von Abhängigkeiten. Trotzdem darf man sich das Dorf nicht als homogene Gemeinschaft von Gleichgestellten vorstellen. Es gab eine deutliche Gliederung zwischen reichen und armen Bauern und dem Gesinde. Zum Schluß sei noch kurz das Verhältnis der Bauern zur Kirche erwähnt. Alle Bauern entrichteten den Kirchenzehnten, ansonsten gab es kaum Begegnungen, außer bei Taufen und Begräbnissen. Die Ehe wurde erst ab dem 12. Jahrhundert zunehmend kirchlich geschlossen. Der Weg zur nächsten Kirche war oft weit, deshalb waren Beichte und Abendmahl nur einmal im Jahr vorgeschrieben. Sofern es in der Nähe des Dorfes eine Kirche gab, war der Kontakt zu ihr eng, da die Kirche als Versammlungsort genutzt wurde. Ein weiterer beliebter Treffpunkt war die Dorflinde. Der Gottesdienst fand auch nicht wie heute in aller Stille statt. Der Kirchenbesuch wurde als Möglichkeit zum Austausch genutzt, man ging umher, unterhielt sich und verabredete Hochzeiten. Aus diesem Grund stärkte auch der Gottesdienst das Gemeinschaftsgefühl der Gemeinde.14 Bei Eigenkirchen wurden die Dorfpfarrer vom Stifter oder Herrn der Kirche ausgewählt. Auswahlkriterium war weniger die geistliche Eignung oder Vorbildung des Priesters, sondern vielmehr seine Gefügigkeit dem Grundherrn gegenüber. Oft waren die Priester verheiratet und hatten Kinder, die auch ihre Nachfolge antreten konnten. Sonst ist wenig bekannt über ihr Leben. Ihr Lebensunterhalt war ganz von der Freigebigkeit des Dorfes abhängig, weshalb viele der Dorfpriester ein elendes und armes Leben führten. 15 8 Lohse, Tillmann: Lebensformen der ständisch gegliederten Gesellschaft im hohen Mittelalter, in: Toman, Rolf (Hrsg.): Das hohe Mittelalter, Besichtigung einer fernen Zeit, Köln 1990, S. 8 9 Goetz: Leben im Mittelalter, S. 163 10 Lohse: Lebensformen, S. 11 11 Ebd. S. 12 12 Ebd. S. 13 13 Goetz: Leben im Mittelalter, S. 134 14 Lohse: Lebensformen, S. 14 15 Waas, Adolf: Der Mensch im deutschen Mittelalter, Graz, Köln 1964
6.) Der Adel Der Adel im Gegensatz zur bäuerlichen Bevölkerung weitgehend frei von produktiver Arbeit. Ihren Lebensunterhalt bezogen sie aus der Grundherrschaft. Die adelige Oberschicht beherrschte das Land und vor allem seine Bewohner, schützte sie mit dem Schwert und erhielt dafür Abgaben. Auch die Kirche war von dieser Schicht durchsetzt. Bischöfe entstammten dem Adel, ebenso wie die Äbte. Zudem waren zahlreiche unversorgte adelige Söhne und Töchter Mönche und Nonnen. Dennoch war die Oberschicht nicht generell wohlhabend und schon gar nicht gleichförmig. Es gab eine deutlich gestufte Herrenschicht mit reichen und armen Adeligen. An der Spitze der Hierachie stand der König, gefolgt vom fürstlichen Adel. Darunter rangierte der nichtfürstliche Adel und die Ministerialen. 16 Das Rittertum war eine gesamteuropäische Institution, die sich von Südfrankreich aus-gehend nach Norden und Westen bis ins Deutsche Reich ausdehnte. Die Ursprünge des Rittertums liegen im Kriegswesen. Ritter (Reiter) waren bewaffnete Krieger zu Pferd. Bis in die hohe Karolingerzeit war das aus den Freien gebildete Fußheer maßgeblich. Danach wurde die Kerntruppe zunehmend aus schwer bewaffneten Reitern gebildet. 17 Ein solcher Reiterkrieger zu sein, war allerdings eine sehr teure Angelegenheit. Pferd und Ausrüstung erreichten bereits im 8. Jahrhundert einen Wert von 45 Kühen, im 11. Jahrhundert war das Pferd allein 5-10 Ochsen wert. Für so eine aufwendige und kostspielige Ausrüstung war Grundbesitz unbedingt nötig. Zu den ritterlichen Hauptwaffen zählte zunächst das Panzerhemd. Es bestand aus eisernen Ringen, die einzeln zusammengeflochten und vernietet wurden. Die Kettenhemden hatten lange Arme und gepanzerte Fäustlinge. Die Beine und Füße wurden ebenfalls mit Hosen und Schuhen aus Panzerringen geschützt. Diese Rüstung, die schließlich den ganzen Körper bis auf die Gesichtsmitte einhüllte, blieb bis ins 13. Jahrhundert im Gebrauch. Als Helm war zunächst der normannische Helm mit dem Nasenband weit verbreitet. Ab dem Beginn des 13. Jahrhundert kam dann der Topfhelm mit Sehschlitzen auf, später dann noch mit einem beweglichen Visier. Der Schild bestand aus lederbezogenem Holz, das in der Mitte und an den Rändern metallene Beschläge besaß. Bis 1200 waren große, stark gewölbte Schilde in Gebrauch, danach wurden die Schilde kleiner und flacher. Sie bekamen eine dreieckige Form mit gerader Schildkante und abgerundeten Ecken. Auf die Schilde wurden die Wappen ihrer Träger aufgemalt. Das Schwert hatte sich seit der Karolingerzeit kaum verändert. Es bestand aus einem kurzen Griff mit einer geraden Parierstange und einer langen Klinge mit beidseitigen Blutrinnen. Die Lanze wurde im Verlauf des 12. Jahrhunderts zur charakteristischen Angriffswaffe des Ritters. Der Schaft bestand aus Eschenholz und war mit einer Brechscheibe am Lanzenschaft zum Schutz der Hand versehen. Die Lanzen waren oft bemalt und mit Fähnchen geschmückt, im 12. Jahrhundert mit einem schmalen Band, im Verlauf des 13. Jahrhunderts mit einer hochrechteckigen Fahne. 18 Die hohen Adeligen mußten, wenn sie ihre jeweilige Machtposition festigen und ausbauen wollten, eine ständige militärische Macht zur Verfügung haben. Um dies zu erreichen, waren sie gezwungen, auf niedrigere Schichten zurückzugreifen. Dies bot edelfreien Dienstmänner und immer häufiger Nichtadeligen und Unfreien die Möglichkeit zum Aufstieg. Daraus setzte sich vor allem die Gruppe der Ministerialen zusammen. Im hohen Mittelalter nahm die Zahl der Kämpfe zwischen den einzelnen Adelsgeschlechtern um Macht und Einfluß im Deutschen Reich immer mehr zu, der Adel mußte ständig militärische Macht zur Verfügung haben. Die bislang bei den Kämpfen eingesetzten Bauern, freie Bauern mit kleinem Grundbesitz, wurden durch den häufigen Kriegsdienst allmählich ruiniert, da die Äcker während der Kriege zu oft unbebaut blieben. Die Schwächeren unter ihnen wurden zu Fronbauern, daß heißt, sie gaben ihre Freiheit auf und unterstellten sich und ihr Land einem reichen Grundherrn, der für sie Kämpfer stellte, dafür dann aber Abgaben verlangte. Hier lagen die Wurzeln der Grundherrschaft. Diejenigen, die sich behaupten konnten, wurden mit Lehen ausgestattet und stiegen als Vasallen in den niederen Adel auf. Dieser Prozeß begann bereits im frühen Mittelalter und zog sich bis ins hohe Mittelalter. Hinzu kam noch eine wichtige Entwicklungslinie. Die Errichtung von Territorien durch den hohen Adel, ein rapides Bevölkerungswachstum, die Ausweitung und Differenzierung der Wirtschaft, verlangte von der Herrenschicht eine Umstellung der Verwaltungsstruktur. Im Gegensatz zum frühen Mittelalter standen dafür keine ausreichende Zahl von Vasallen zur Verfügung. Daher war man auf Unfreie für die Verwaltung und den Krieg angewiesen. Diese neue Schicht, die Ministerialen, mußten materiell gut ausgestattet sein, um die Ritterdienste erfüllen zu können. Daher wurden sie mit Grundbesitz und unfreien Bauern ausgestattet. Dieser vom Dienstherren zur Verfügung gestellte Grundbesitz wurde bereits im 11. Jahrhundert erblich und damit zum persönlichen Eigentum. Dies war die Grundlage für den Aufstieg in den niederen Adel. 19 Die Ministerialen waren neben dem Kriegsdienst auch Funktionsträger für die Eigen-wirtschaft ihrer Herren. Sie hatten die Aufsicht über die Bauern, die hörigen Handwerker und die hörigen Kaufleute. In der Zeit des Burgenbaus wurden sie dann noch Bugverwalter oder Burggrafen. Im Laufe der Zeit lösten sich die Ministerialen immer weiter aus der Masse der Hörigen. Sie übernahmen schließlich sogar auch Verwaltungsaufgaben beim fürstlichen Adel. Allerdings waren die Ministerialen auch keine homogene Schicht. Die Bedeutung ihrer Stellung war abhängig vom jeweiligen Machtstatus ihrer Herren. Der Aufstieg der Ministerialen führte auch dazu, daß sie einen Lebensstil entwickelten, der sich am Vorbild des hohen Adels orientierte. Schon bald gab es kaum noch Unterschiede zwischen dem Leben des alten Adels und dem der Ministerialität. 20 Im 13. Jahrhundert kam es zu einem Aussterben zahlreicher altadeliger Familien. Der Anteil der Ministerialen am Adel nahm statt dessen immer mehr zu, bis er schließlich um 1300 80% betrug. Die Ministerialen gaben dem Rittertum seine Kraft, es war für sie ein Vehikel des Aufstieges. Allerdings war das Rittertum nicht nur an die Ministerialität gebunden, es war zentraler Bestandteil der adeligen Kultur. Wie schon erwähnt, war der Ritter materiell so gestellt, daß er sich ein zum Kampf freigestelltes Leben leisten konnte. Um Ritter zu werden, war eine lange Ausbildungszeit nötig. Mit 8 Jahren wurde der adelige Junge zunächst Page, meist bei einem Onkel oder anderen Verwandten. Dort verblieb er 2-4 Jahre. Meistens mit 14 wurde er dann Knappe, um schließlich mit 20 Ritter zu werden. In dieser Zeit lernte er den Umgang mit den verschiedensten Waffen und die höfischen Umgangsformen. Nicht alle erreichten dieses Ziel, so, wenn sie nicht die erforderlichen körperlichen Voraussetzungen hatten. Die Ritterweihe war Abschluß der Lehrzeit. In einer feierlichen Zeremonie bekam der junge Ritter seine Waffen überreicht. Meistens schloß sich daran ein mehrtägiges Turnier an. Auch der Kampf des Ritters war ritualisiert. Gekämpft wurde mit Lanze und Schwert, Fernwaffen galten als unritterlich. Auch Schlachten folgten gewissen Regeln. Oft wurden Ort und Zeit vereinbart. 21 Man darf sich allerdings nicht dazu verleiten lassen, die Kampfbeschreibungen aus den Ritterepen mit denen der Wirklichkeit zu vergleichen. Die Norm waren rohe ungezügelte Gewalttaten. Es gab kein staatliches Gewaltmonopol und keine Legitimation von Gewalt. Recht hatte immer der Stärkere. Die Ritter waren oft maßlos im Einsatz von Gewalt, unbeherrscht im Kampf und grob gegenüber Frauen. Daher findet sich in der Literatur oft der Versuch, dieses Verhalten zu mäßigen. Die Ritter sollten Ehre (ere), Treue (triuwe) und Recht (reht) bewahren und Freundlichkeit (milte) zeigen. In diesem Zusammenhang wurde auch immer wieder der Dienst für den Glauben erwähnt. Der Ritter sollte seine Kraft in den Dienst der Armen und Schwachen stellen. Dies wurde vor allem zum Leitbild der Ritterorden, der Johanniter, der Templer und des Deutschen Ordens. 22 Das hohe Mittelalter war auch die Zeit der Burgen. Besonders viele Burgen wurden vor allem im 12. und 13. Jahrhundert erbaut. Die Burg war Ausdruck der Macht einer Familie, ein weithin sichtbares Zeichen der Herrschaft. Die Burg war Zentrum der Grundherrschaft des Herren, die Verwaltungszentrale und zugleich repräsentativer Treffpunkt des Adels. Der Burgenbau war ein altes Recht des Königs, viele Burgen wurden jedoch ohne Genehmigung errichtet. Bis ins 12. Jahrhundert waren Burgen eher selten. Die meisten Adeligen lebten auf großen Gütern. Erst Kaiser Heinrich IV. (1056-1106) begann mit einer planvollen Burgenpolitik. Die meisten der königlichen und fürstlichen Burgen wurden nur selten von den Herrschenden selbst bewohnt. Sie dienten vielmehr der Absicherung oder Erweiterung ihres Herrschaftsbereiches und wurden in der Regel von Ministerialen verwaltet. 23 Die neuen Adelsburgen unterschieden sich von den alten Fluchtburgen, die für eine viel größere Zahl von Menschen gedacht waren und nur wenige Mauern und Gebäude aus Stein besaßen. Die neuen Burgen umschlossen ein kleineres Areal, hatten mehrere Verteidigungs-werke und bestanden fast nur aus Stein. Zentrales Bauwerk war der Bergfried. Um in herum waren hohe, mit Türmen und Zinnen versehene Mauern errichtet, die durch Gräben und Vorwerke gesichert wurden. Im 12. und 13. Jahrhundert war es für die deutsche Burg typisch, daß es neben dem Turm ein herrschaftliches Wohngebäude, den Palas, gab. Der Turm, bislang als Wohnturm genutzt, hatte nunmehr nur noch militärische Zwecke. Der gesellschaftliche Mittelpunkt der Burg war der Festsaal im ersten Stock des Palas. Dieser und alle anderen Räume der Burg waren düster und durch Kamine nur spärlich beheizt. Es gab riesige Festsäle, so zum Beispiel den Festsaal in Gelnhausen, der 300 qm groß war. Die Säle waren bunt, die Wände oft mit Bildern bemalt oder mit Teppichen verhängt. Mobiliar hingegen war nur spärlich vertreten. Tische und Bänke wurden für Mahlzeiten extra aufgestellt. Gelegentlich gab es Truhen, die die Schränke ersetzten. Das Bett war das einzige bequeme Möbel und diente sowohl zum Sitzen wie zum Liegen. Zu den am meisten geschätzten Bequemlichkeiten gehörte ein warmes Bad. Oft war es ein großer Bottich, der meistens von mehreren Personen genutzt wurde. 24 Die adelige Kleidung veränderte im Verlauf des Mittelalters immer wieder ihr Gesicht. Trotzdem lassen sich einige allgemeine Aussagen machen. Die Gewänder und Mäntel, bei den Frauen auch oft die Oberbekleidung, waren bodenlang, faltenreich und mit weiten Ärmeln und Schleppen versehen. Die Kleidung der Frauen bestand oft aus Seide oder feinem Wollstoff, war leuchtend bunt und mit Goldplättchen, Edelsteinen oder Perlen verziehrt. Zur Frauenkleidung gehörten auch noch ein Gürtel und Spangen. Genau wie die Frau trug der Mann seidene Hemden, kostbare Obergewänder mit Bortenbesatz und Goldstickereien. Dazu kamen mit Pelzen gefütterte Mäntel. Der markante Unterschied zur Frauenkleidung war allerdings, daß die Männer vorn und hinten aufgeschlitzte Kleidungsstücke trugen, so daß man die Hosen oder die Beine sehen konnte. An den Beinen und deren Bekleidung manifestierte sich die männliche Schönheit in auffälligster Weise. Die Hosen waren strumpfartige Beinkleider aus Leder oder Stoff, manchmal mit Gold und Perlen geschmückt. Die Beinkleider mußten eng anliegen, damit die Schönheit der Beine richtig zur Geltung kam. Die Kirche hat sich immer wieder heftig über eine derartige Zurschaustellung der Beine erregt. 25 16 Ebd. S. 15 17 Goetz: Leben im Mittelalter, S. 177 18 Bumke, Joachim: Höfische Kultur, München 1992, Bd. 1, S. 214-221 19 Lohse: Lebensformen, S. 17 20 Ebd. S. 18 21 Ebd. S. 30-31 22 Ebd. S. 31 23 Ebd. S.31 24 Bumke: Höfische Kultur, S. 137-160 25 Ebd. S. 180-199 7.) Mönchische Lebensformen Die Christianisierung der meisten europäischen Länder fand erst im frühen Mittelalter statt, in Nordeuropa sogar erst im 11. und 12. Jahrhundert. Es ist allerdings wenig darüber bekannt, in wieweit das christliche Gedankengut das Leben der Menschen bestimmte. Lediglich das Leben in den Klöster ist aufgrund der dortigen Schriftlichkeit gut dokumentiert. Das Christentum kam nicht als Bewegung von unten zu den Menschen wie bei den Urchristen, sondern kam als "Staatsreligion" über sie. Es war eine Entscheidung der Mächtigen, das Volk hatte zu folgen. Trotzdem brachte das Christentum den Menschen keine Ruhe. Neben den alltäglichen Bedrohungen wie Hunger, Mißernten, Seuchen und Kriegen enthielt auch der Glauben noch angsteinflößende Elemente. Im Jahre 1033, 1000 Jahre nach dem Tod Christi, befürchteten viele das Ende der Welt. Ein ähnlich gefürchtetes Datum war das Jahr 1000. Die Kleriker hatten die Aufgabe, den Menschen bei diesen seelischen Bedrängnissen beizustehen. Diese Bedrängnisse wurden als heftig empfunden, einfaches Beten genügte nicht. Diese Ängste sind heute nur noch schwer nachzuvollziehen. Es gab konkrete Höllenängste und den Glauben an Dämonen und die Leibhaftigkeit des Teufels. Aus diesen Gründen bestand Bedarf nach Weltgeistlichen für die Seelsorge und nach Mönchen im Kloster, die für die Selbstheilung und das Heil der Welt lebten und beteten. 26 Einige der Klöster waren bereits im frühen Mittelalter durch umfangreiche Land-schenkungen zu grundherrlicher Macht gekommen. Die Klöster waren also nicht nur für religiöse und kulturelle Aspekte zuständig, sondern hatten auch Einfluß auf Wirtschaft und Politik. Es gab also auch geistliche Grundherren, die über große Mengen von hörigen Bauern herrschten. Einige gehörten sogar dem Hochadel an, wie etwa die Äbtissin von Essen. Um allerdings Mönch, bzw. Nonne zu werden, war eine lange Ausbildung notwendig. Nach mittelalterlicher Auffassung war die Kindheit mit 7 Jahren vorbei. Dies hieß für die meisten Kinder Mitarbeit auf den Feldern oder in den Handwerksbetrieben. Bei den adeligen Familien wurden zur Vermeidung von Erbteilungen viele Kinder in Klöster geschickt. Gleiches tat man auch mit Behinderten. Es war allerdings üblich, daß die Klöster die Kinder nur aufnahmen, wenn die Eltern eine Schenkung machten. Dies hatte zur Folge, daß die Klöster zu reinen Adelsklöstern wurden, da die weniger Reichen sich solche Schenkungen nicht leisten konnten. Für die Kinder begann mit dem Eintritt ins Kloster eine harte Zeit. Sie wurden ständig beaufsichtigt und mußten sich einer strengen Disziplin unterwerfen. Bis zum 15. Lebensjahr dauerte die Ausbildung und Disziplinierung, dann folgte die Novizenzeit. Mit etwa 16 Jahren folgte dann das Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams. 27 Der Abt stand an der Spitze des Klosters, er leitete das Klosterleben und repräsentierte es nach außen. Der Dekan war sein Stellvertreter und vertrat auch die Interessen der anderen Mönchen gegenüber dem Abt. Dem Probst oblag die Aufgabe, das Kloster als Wirtschaftsunternehmen zu führen. Der Zellerar verwaltete die Geräte, Kleider und Vorräte des Klosters. Manchmal teilte er sein Amt mit dem Kämmerer. Weiterhin gab es den Hospitarius, der für die Pflege der Kranken und Armen zuständig war und den Pförtner, der eine extra Zelle am Eingang bewohnte. Ein sehr wichtiges Amt hatte weiterhin der Bibliothekar, der auch die Ausbildung der Novizen übernahm. 28 Der Tag der Mönchen begann sehr früh am Morgen. Nach einer vierstündigen Nachtruhe, die angezogen und in einem gemeinsamen Schlafraum mit Kerzenlicht stattfand, wurde um 1 Uhr der Nachtgottesdienst gehalten. Beim Hellwerden wurde das Morgengebet verrichtet. Die festen Arbeitszeiten am Vor- und Nachmittag wurden durch weitere Stundengebete unterbrochen. Das gemeinsame Essen wurde im Refektorium eingenommen. Die Hauptmahlzeit war mittags gegen 12. Uhr und im Gegensatz zum Essen vieler Zeitgenossen vielfältig und abwechslungsreich. Weiterhin wurde im Kloster Wert auf Hygiene gelegt. Tägliches Waschen war vorgeschrieben, genau wie eine Vollwäsche am Samstag und ein Vollbad zu Weihnachten und zu Ostern. Das ganze tägliche Leben unterlag festen Regeln. Diese gab es sogar für den Toilettengang. Dadurch, daß die Klöster große Wirtschaftsunternehmen waren und immer wieder mit Schenkungen versehen wurden, konnten sie großen Reichtum sammeln und viele körperliche Arbeiten an Hörige oder Laienbrüder abtreten. Dagegen wandte sich der im späten 11. Jahrhundert gegründete Zisterzienserorden. Die Zisterzienser verrichteten bewußt wieder körperliche Arbeit. Dabei hatten sie an vielen technischen Erneuerungen und ihrer Umsetzung maßgeblichen Anteil, etwa an der Dreifelderwirtschaft oder an der Verwendung von Wasserenergie. Weiterhin hatten sie auch großen Einfluß auf die Fortentwicklung der Wissenschaft, Theologie und Philosophie. In den Skriptorien wurden antike Werke abgeschrieben und übersetzt, aber auch eigene Schriften wie Chroniken oder Heiligenviten verfaßt. Die Klöster wurden so zu den Zentren der Kultur in dieser Zeit. Neben diesen Aufgaben erfüllten die Klöster in einer Zeit, in der es noch keine staatliche Fürsorge gab, auch karitative Aufgaben. Sie sorgten für Arme und Kranke und boten auch Unterkunft für Reisende. Viele Klöstergründungen wurden durch Könige oder Bischöfe in die Wege geleitet, aber auch der Adel gründete immer wieder Hausklöster. Diese Hausklöster sicherten einmal die Zukunft unversorgter Söhne und Töchter, dienten aber noch einem anderen Zweck. Die dort ansässigen Mönche sollten für das Seelenheil der verstorbenen Gründer beten. Zudem erledigten sie den anfallenden Schriftverkehr und beherbergten den Gründer und seine Nachkommen auf Reisen. 29 Im 13. Jahrhundert kam es dann zu einem Wandel im Ordenswesen. Es entstanden die Bettelorden, die sich bewußt gegen die reichen Klöster abgrenzten. Zu den wichtigsten Bettelorden gehören Franziskaner und Dominikaner. Der Franziskanerorden wurde 1209 von Franz von Assisi gegründet. Sie waren nicht mehr ortsgebunden, sondern öffneten sich bewußt der Welt. Sie lehnten Grundbesitz und eigene Betriebe ab. Auch konnte jeder in diesen Orden eintreten. Die Bettelmönche zogen in die Städte, wo sie ihren Lebens- und Wirkungskreis fanden, wobei Ihre materielle Basis lediglich in den Spenden der Bürger bestand. Eine zentrale Bedeutung bekam die Predigt, die alle Reformorden in den Mittelpunkt rückten. Ein weiterer Reformorden waren die Dominikaner. Sie wurden 1218 von Dominikus Guzmann gegründet und widmeten sich in erster Linie der Glaubenspredigt. Weiterhin übernahmen sie eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der scholastischen Philosophie. Eine traurige Berühmtheit erlangten sie durch ihre Beteiligung an der Inquisition und durch ihre vehemente Ketzerbekämpfung. 30 26 Lohse: Lebensformen, S. 33-34 27 Ebd. S. 34 28 Ebd. S. 35 29 Ebd. S. 39 30 Ebd. S. 37-39 8.) Die mittelalterliche Stadt In dem herkömmlichen Schema Klerus-Adel-Bauer haben die Stadtbewohner keinen Platz. Dennoch sollen sie hier erwähnt werden, da die Stadt einen wichtigen Platz in der mittelalterlichen Gesellschaft hatte. Die ehemals blühenden römischen Städte auf deutschem Boden boten zu Beginn des Mittelalters einen traurigen Anblick, da sie n der Spätantike und der Völkerwanderungszeit oft überfallen und geplündert worden waren. Die Lebensform der Germanen selbst war nicht städtisch geprägt. Daher ließ man die administrativen und wirtschaftlichen Funktionen der Städte verfallen. Der Bevölkerungsschwund während der Völkerwanderungszeit und zu Beginn des frühen Mittelalters taten ein übriges, um die Städte schwer zu schädigen. Die römischen Stadtmauern standen zwar oft noch, innerhalb dieser Mauern war allerdings nur noch ein Bruchteil der ehemaligen Siedlungsfläche bewohnt. Statt dessen erstreckten sich dort beispielsweise Äcker oder Wiesen. Lediglich die Kirche rettete Reste spätantiker Urbanität ins Mittelalter, so etwa in Trier, Köln und Mainz. Die Kirchen, Stifte und Klöster innerhalb der Städte mußten allerdings versorgt werden. So entwickelte sich langsam eine Wiederbelebung von Handel und Gewerbe. Genau wie die weltlichen Grundherren griffen die Bischöfe auch auf abhängige Personen zurück, die Ministerialen. Zusammen mit den Kaufleuten bildeten die Ministerialen im 11. Jahrhundert schließlich die wirtschaftlich stärkste und einflußreichste Gruppe. Der Bischof als Stadtherr besaß im Normalfall die volle Herrschaftsgewalt über die Stadt. Er war Gerichtsherr, erhob Grundsteuern und Zölle und beherrschte die Mauern und Türme. Die Stadtbewohner waren auf unterschiedliche Weise an den Stadtherrn gebunden. Entweder waren sie Unfreie, die dem Bischof gehörten, oder sie waren freie Stadtbewohner, die dem Schutz des Stadtherrn unterstanden, gleichzeitig aber auch die Pflicht hatten, die Gerichtstage zu besuchen, Steuern zu zahlen und bei der Verteidigung der Stadt zu helfen.31 Trotzdem hatte der Stadtherr keine uneingeschränkte Handlungsvollmacht. Das Stadtrecht setzte einer Willkürherrschaft Grenzen. Die Stadtrechte entwickelten sich langsam als Antwort auf die Erfordernisse des Zusammenlebens vieler Menschen. Auf ihre Einhaltung, auch durch den Stadtherrn, wurde von den Bürgern sehr genau geachtet. Im bisher üblichen Schema Klerus-Adel-Bauer hatten die Bürger keinen Platz. Erst im Laufe des Hochmittelalters erkämpften sich die Bürger ihre Anerkennung als eigener Stand. Im 11. Jahrhundert hatte das lateinische Wort für Bürger, cives, noch keine feste Bedeutung. Es bedeutete lediglich Bewohner eines beliebigen Ortes. Erst nach und nach setzte sich die Definition vollberechtigter Bewohner einer Stadt für das Wort Bürger durch. Auch dann galten noch lange nicht alle Bewohner einer Stadt als Bürger. Zum Bürgertum rechnete man nur im Sinne des Stadtrechts vollberechtigte Bewohner, die mit einem eigenen Haus und Grundstück ausgestattet waren. Die Ablehnung schloß manchmal Ministeriale, in jedem Fall aber abhängige Leute, Tagelöhner, Arme und Bettler aus. Die städtischen Judengemeinden wurden aufgrund ihrer andersartigen Religion ebenfalls ausgegrenzt. 32 Das Bürgertum umfaßte also nur einen kleinen Teil der Stadtbevölkerung. Dieser wurde allerdings im Verlauf des Hochmittelalters zur beherrschenden Gruppe. Die Stadt wurde zur Bürgerstadt. Dies hieß aber nicht, daß sie gänzlich in deren Hände überging. Der Stadtherr behauptete einen Teil seiner Rechte. Im 12. Jahrhundert wurde man sich dem Phänomen Stadt soweit bewußt, daß man nun planmäßig Städte gründete. Dabei war die Bevölkerungszahl von nur geringer Bedeutung. Köln, die einzige Großstadt nach mittelalterlichen Maßstäben, hatte zum Ende des 12. Jahrhunderts auf 400 ha ungefähr 35000 Einwohner. Trier und Mainz als Mittelstädte zwischen 2000 und 10000 Bewohner. Insgesamt waren über 90% der deutschen Städte Kleinstädte mit kaum mehr als 500 bis 2000 Einwohnern und unterschieden sich kaum von Dörfern. Als Keimzellen für Städte konnten Marktsiedlungen wie Soest oder Münster, Königspfalzen wie Aachen oder Frankfurt sowie Stifte und Klöster wie Kempten oder Fulda dienen. Einer der frühesten Gründungsstädte war Freiburg im Breisgau, das 1120 von Konrad von Zähringen gegründet wurde. Die meisten Stadtgründungen fallen allerdings ins 13. Jahrhundert. Jeder noch so kleine Landesherr wollte aus wirtschaftlichen oder strategischen Gründen oder einfach aus Geltungssucht Herr einer eigenen Stadt sein. Die Stadtmauer machte die Stadt zur Großburg, die eine enorme militärische Bedeutung haben konnte. Die Mauern umschlossen einen Bereich eigenen Rechts, den Geltungsbereich des Stadtrechts. 33 Das beherrschenden Thema der Stadtgeschichtsforschung ist die Entwicklung des Verhältnisses zwischen dem Bürgertum und dem Stadtherren. Zunächst wurde die Zusammenfassung der Stadtbewohner zu einer funktionierenden Lebensgemeinschaft von äußeren Faktoren bestimmt, beispielsweise durch eine gemeinsame Pfarr- oder Gerichts-gemeinde. Seit dem 11. Jahrhundert allerdings wurde die Gemeinschaft praktisch von Innen mit Leben erfüllt. Die Tendenz ging dahin, genossenschaftliche Zusammenschlüsse zu bilden. In den Städten entstanden religiöse Bruderschaften, Kaufmannsgilden und Handwerkerzünfte. Die Stadtherren lehnten solche Neubildungen vehement ab, da diese ihre Herrschaftsrechte zu beeinträchtigen drohten. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen. Nach und nach erkannten die Stadtherren allerdings, daß die bürgerlichen Bewegungen auf Dauer nicht zu unterdrücken waren. Es kam zu Kompromissen, in denen die Stadtherren immer mehr Rechte an die Bürger abtraten, bis die meisten Städte im Spätmittelalter ihre ehemaligen Herren aus den Mauern vertrieben. Sichtbares Zeichen dieser lang umkämpften Autonomie waren die Stadtsiegel.34 Die Führer der Stadtgemeinden waren zunächst Männer, die schon unter den Stadtherren herausgehobene Positionen wie etwa die der Schöffen hatten. Ursprünglich hatten die Stadtherren die Schöffen nach eigenem Gutdünken ernannt. Nun galt der Brauch, daß die Schöffen freigewordene Stellen durch eigene Wahl neu besetzten. Die Gefahr der Cliquenwirtschaft drohte. Nach Auseinandersetzungen und Kämpfen gegen diese Vorgehensweise wurden schließlich Stadträte gegründet, die sich aus den verschiedenen Gruppen der Bürgerschaft zusammensetzten. An der Spitze des Rates stand der Bürgermeister mit einer befristeten Amtszeit. Trotzdem war die Ratsverfassung keine demokratische Einrichtung. Nur die Vollbürger hatten das aktive Wahlrecht.35 Auf der obersten Stufe der städtischen Hierachie standen die Kaufleute, die sich mit zunehmendem Reichtum eine ritterliche Lebensweise zulegten. Unter den Kaufleuten standen die Handwerker, die sich im Hochmittelalter zu Zünften zusammenschlossen. Die Zünfte waren nicht nur ausschließlich wirtschaftliche Interessenverbände, sondern vielmehr Solidargemeinschaften, die alle Lebensbereich umfaßten. Die Mitglieder unterstützen einander im Leben und beteten für das Seelenheil der Verstorbenen. Die Masse der Stadtbevölkerung bestand allerdings aus armen Leuten, Dienstpersonal, Tagelöhnern und Bettlern, von denen viele aus dem Umland eingewandert waren. Viele waren ihren Herren entlaufen und hofften auf die Anonymität in der Stadt. Nach Jahr und Tag waren sie, getreu dem Sprichwort "Stadtluft macht frei!", frei von allen alten Bindungen. Die Unterschicht prägte das Straßenbild der Städte. Die Reichen traten kaum in Erscheinung und wenn, dann ritten sie selbst kürzeste Strecken. Da es in den Städten auch keine Armenfürsorge gab, umlagerten Bettler ständig die Kirchen, Märkte und Häuser der Reichen.36 Dieses enge Zusammenleben ohne jegliche Hygiene sorgte dafür, daß die immer wieder auftretenden Seuchen wie etwa die Pest, besonders in den Städten zahlreiche Opfer fanden. 31 Groten, Manfred: Formen des Wirtschaftslebens im hohen Mittelalter, in: Toman, Rolf (Hrsg.): Das hohe Mittelalter, Besichtigung einer fernen Zeit, Köln 1990, S. 71ff. 32 Ebd. S. 79 33 Ebd. S. 80 34 Ebd. S. 80-81 35 Ebd. S. 81 36 Ebd. S. 82-85 9.) Fazit Abschließend gesehen mag der obige Text die Vorurteile über das Mittelalter bestätigt haben. Zum Teil sind diese Vorurteile auch richtig. Das Mittelalter war eine Zeit der Willkür, der Gewalt, ständiger Kriege, voller Ungerechtigkeit und Aberglauben. Dennoch sollten wir als Menschen der Neuzeit nicht zu abschätzig auf diese Zeit herabblicken. Was die Neuzeit an Grausamkeiten, Aberglauben, Krieg, Tod und Zerstörung zu bieten hat, steht dem Mittelalter in keinster Weise nach. Wir sollten das Mittelalter mit seinem ambivalenten Charakter sehen, mit all seinen "finsteren" Elementen, aber auch mit seiner Kultur und uns davor hüten, es ganz und gar zu verteufeln oder es zu glorifizieren. Es war ein anderes, uns heute fremdartig erscheinendes Zeitalter, in dem allerdings auch viele Wurzeln unserer heutigen Zeit verborgen liegen. 10.) Literaturverzeichnis 10.1) benutzte Literatur - Boockmann, Hartmut: Einführung in die Geschichte des Mittelalters München 1988 - Borst, Arno: Lebensformen im Mittelalter 14. Auflage, Berlin 1995 - Bumke, Joachim: Höfische Kultur München 1992, Bd. 1 - Goetz, Hans-Werner: Leben im Mittelalter München 1986 - Groten, Manfred: Formen des Wirtschaftslebens im hohen Mittelalter, in: Toman, Rolf (Hrsg.): Das hohe Mittelalter, Besichtigung einer fernen Zeit, Köln 1990, S. 71-85 - Lohse, Tillmann: Lebensformen der ständisch gegliederten Gesellschaft im hohen Mittelalter, in: Toman, Rolf (Hrsg.): Das hohe Mittelalter, Besichtigung einer fernen Zeit, Köln 1990, S. 8-39 - Waas, Adolf: Der Mensch im deutschen Mittelalter Graz, Köln 1964 10.2) weiterführende Literatur ALLGEMEINES Evans, J. (Hg.): Blüte des Mittelalters Zürich 1966 Wolf, A.: Deutsche Kultur im Hochmittelalter.1150-1250 Essen 1986 DIE BÄUERLICHE WELT Brunner, K./Jaritz, G.: Landherr, Bauer, Ackerknecht. Der Bauer im Mittelalter: Klischee und Wirklichkeit Wien, Köln, Graz 1985 Franz, G.(Hg): Deutsches Bauerntum im Mittelalter Darmstadt 1976 Rösener, W.: Bauern im Mittelalter München 1985 DER ADEL Borst, A.(Hg): Das Rittertum im Mittelalter Darmstadt 1976 Droege, G.: Landrecht und Lehnrecht im hohen Mittelalter Bonn 1969 Fleckenstein, J. (Hg): Herrschaft und Stand. Untersuchungen zur Sozialgeschichte im 13. Jahrhundert Göttingen 1977 MÖNCHISCHE LEBENSFORMEN Frank, K.S.: Grundzüge des christlichen Mittelalters Darmstadt 1975 Wollasch, J.: Mönchtum des Mittelalters zwischen Kirche und Welt München 1973 STADT IM MITTELALTER Diestelkamp, B. (Hg): Beiträge zum hochmittelalterlichen Städtewesen Köln, Wien 1981 Ennen, E.: Die europäische Stadt im Mittelalter Göttingen 1979 Planitz, H.: Die deutsche Stadt im Mittelalter Wiesbaden 1996 witchi
www.geschichte-mittelalter.de/einleitung.htm
[Dieser Beitrag wurde am 08.05.2005 - 10:06 von witchi aktualisiert]
Signatur Der Schmerz von heute ist die Kraft von morgen. |