Brack  Söldnerhauptmann und Bärentöter
 

Status: Offline Registriert seit: 20.05.2007 Beiträge: 59 Nachricht senden | Erstellt am 21.09.2007 - 11:01 | |
Das Gold in seiner Brust.
Ein unsanfter Tritt in die Rippen weckte Brack aus seinem Schlummer. Schlaftrunken wälzte er sich eine Weile im Stroh herum, ähnlich einem großen Käfer der auf dem Rücken liegt und versucht sich umzudrehen. Nach einer kurzen Weile gelang es Brack die Orientierung wiederzuerlangen und auf wackligen Beinen stehend, von der Sonne geblendet, tastete er die nächste Umgebung nach seiner Axt ab, die gestern noch ca. 1 Meter neben seinem Schlafplatz im Boden steckte.
Schnell hatte er seine Axt hochgerissen nachdem er sie fand und nun schaute Brack nach dem Grund dieser unsanften Weckaktion. Die Welt wurde langsam klarer, da seine Augen sich allmählich an das Licht gewöhnten. Seine Suche endete an ein paar Schuhen, edlen Schuhen, die direkt vor ihm auf dem Boden standen. Brack schaute an den Schuhen entlang langsam nach oben: Ein Wappenrock, dann schulterlange lockige Haare und ein Gesicht, eines, das Brack schon gestern am Tisch nebst zwei jungen Damen gesehen hatte.
Der Ritter trat einen Schritt zurück, da Brack drohte nach vorne zu kippen und sprach, nachdem Brack das Gleichgewicht wiedererlangt hatte:
“Iras von Hagenburg, dein Herr, sagte mir bereits, dass du ein komischer Kauz bist und jetzt glaube ich ihm … “ Er musterte Brack, doch bevor dieser antworten konnte sprach der Ritter weiter: “Wie dem auch sei … Ich bin Ritter Ulrich von Auenburg und Gott weiß, wie dein Herr auf die Idee kam, dich hier einzuquartieren aber ich denke, dass es schon in Ordnung ist. Ich habe gerade mit deinem Herren gesprochen und er sagte mir, dass er einen Auftrag für dich hat. Du solltest dich schleunigst bei ihm melden!”
“Ja Herr, danke Herr!“, entgegnete Brack mit verschlafener Stimme.
Ulrich schüttelte den Kopf .
“Und glaub ja nicht, dass ich dich jeden Tag wecken werde Söldner! … Hier bei uns steht man mit der Sonne auf! Das solltest du dir angewöhnen, denn dein Herr wird es von Dir erwarten!“, schrie er auf einmal. Brack zuckte zusammen - nun war er hellwach. Er wusste zwar noch nicht wie ihm geschah, aber aus Instinkt schrie er zurück.
“Ja Herr!!! Zu Befehl, ich werde es mir merken Herr!!! “ Ulrich nickte zufrieden. Nun sprach er wieder mit einer ruhigen aber lauten Stimme.
“Genau so will ich das jeden Tag hören. Wenn die Sonne aufgeht, solltest du schon am besten vor dem Zelt des Herren stehen und sobald er dieses verlässt, um Befehle bitten … Wie heißt du eigentlich?“
“Brack, Herr!“, antwortete er kurz und bündig.
Ulrich trat einen Schritt näher zu Brack und flüsterte fast:
“Gut, Brack … geh jetzt schnell … und benimm dich, im Lager deines Herren fehlt es an guten Kriegern, beweise dich und es wird sich lohnen …glaube mir.“ Er lächelte leicht und drehte sich wieder in Richtung seines Zeltes. Brack schaute ihm nach, bis Ulrich wieder im Zelt verschwand.
Sarah, die aus einiger Entfernung die Szene beobachtete, kam nun einen Wasserkrug in den Händen haltend und breit grinsend näher. Brack bemerkte sie und ihren Gesichtsausdruck.
“Was gibt es hier zu grinsen, Sarah?“, rief er ihr mit mürrischem Ton in der Stimme zu. Doch Sarah grinste weiter, unbeeindruckt von Bracks Versuch, bedrohlich zu wirken. Sie stoppte kurz und deutete auf ihn.
“Mach dich mal sauber “, sagte sie weiter grinsend und setzte ihren Weg fort.
Brack schaute an sich herunter. Er konnte ja nicht bedrohlich wirken, denn er sah wie eine Strohpuppe mit einer Axt aus, da das Stroh, auf dem er letzte Nacht schlief, sich in seiner Kleidung verfangen hatte. Brack klopfte sich schnell ab und ohne noch mehr Zeit zu verlieren, machte er sich auf den Weg zum Zelt des Herren.
Wie sich herausstellte, wurde Brack schon erwartet. Iras saß auf der Bank vor seinem Tisch, ungeduldig mit den Fingerspitzen auf der Tischplatte herumklopfend. Kein gutes Zeichen - also beschleunigte Brack seine Schritte, bis er schließlich in angemessener Entfernung halt machte. Er verneigte sich:
“Mein Herr, Ihr habt nach mir gerufen? “, sagte Brack mit der höflichsten Stimme, die er im Stande war herauszubringen.
“Ja , dies war zwar lange her, aber ich kann mich noch daran erinnern.“, antwortete Iras mit einem unüberhörbaren ironischen Unterton.
Selbst Brack merkte, dass dies kein Witz sein sollte. Er schluckte laut und antwortete, sich entschuldigend:
“Es tut mir leid, mein Herr … Es wird nicht wieder vorkommen.”
“Das hoffe ich stark, Brack. Nun, da du schon hier bist … Der Burgvogt, Herr Savertin, möchte heute den Markt besuchen … “ Iras stand auf und trat ein paar schritte auf Brack zu, während er weiter sprach:
“Herr Savertin gehört nicht gerade dem ärmsten Adel an, im Gegenteil, sein Beutel ist meistens prall mit Gold gefüllt. Wie es nun mal ist, gibt es auf dem Markt jede Menge Gesindel das diesen Umstand als Nutzen sieht. Wie du weißt, ist Diebstahl ein Verbrechen. Aber nicht nur das ist meine Sorge, Raub und Mord sind ebenfalls Ergebnisse von Habgier und Herr Savertin ist in diesem Fall ein erstklassiges Opfer … Deine Aufgabe wird es sein, dem Herren Savertin Schutz zu gewähren. Du hast die Anweisung, jeden zur Rechenschaft zu ziehen, der versucht den Burgvogt in irgendeiner Weise auszunutzen oder zu berauben… Was du machst, ist mir egal. Ich möchte nur keine Klagen hören! Sollte dem Burgvogt etwas zustoßen … … nun … … Du haftest dafür mit deinem Kopf … Hab ich mich klar ausgedrückt Brack?!“
“Ja, mein Herr, das habt Ihr. Dem Herren Savertin wird nichts zustoßen und jeder der versuchen wird dem Herren zu schaden, wird dafür mit seinem Leben bezahlen, mein Herr.“, antwortete Brack deutlich.
“Gut, Brack, der Burgvogt wird bald hier sein, mach dich also bereit.“ Iras setzte sich wieder auf seine Bank und winkte Brack von sich.
“Mein Herr.“ Brack verneigte sich noch einmal und machte sich wieder auf den Weg zu seinem Schlafplatz.
Seinen ersten Auftrag durfte er nicht vermasseln, aber er war sich sicher das dies nicht geschehen würde. Jetzt, wo er gerade wieder Licht am Horizont sah und seine Hoffnungen wuchsen von Schritt zu Schritt. Es fühlte sich toll an, wieder gebraucht zu werden, zu jemandem zu gehören.
Brack rüstete auf, legte seine Kettenhaube an und schulterte seine Axt. Nun blieb nur noch zu warten. Um die Lage besser überblicken zu können, stieg er auf einen kleinen Hügel, von dem man das Lager, aber auch den Markt überblicken konnte. Er schaute herunter und sah auf den Markt hernieder. Es war eine Ewigkeit her, als er zum letzten mal diesen Anblick genießen konnte.
Sonne, Wind, die Leute auf ihren Wegen, die Berge, die sich aus diesem Tal erhoben, die Vögel, die über seinem Kopf flogen - und niemand, der es wahr nahm, doch so ist es eben. Junge, Alte, alle Menschen, mit Ideen, Gefühlen und all ihren Wünschen. Klänge, Trommeln, Stimmen und ihr Klang. All die Händler, die ihre Ware zusammentrugen, um sie zu verkaufen oder an andere weiter zu geben – und niemand, der es wahr nahm, doch so ist es eben.
Brack seufzte, in Gedanken versunken. Irgendwie freute er sich darauf, einen Markt zu besuchen, auch wenn es diesmal mit Arbeit verbunden war und eher eine akribische Beobachtung des Goldes vom Burgvogt bedeutete, als einen lockeren Spaziergang und eine Warenschau.
Brack schaute wieder Richtung Lager, den Weg hernieder näherte sich ein großer, stämmiger Mann in edler hellblauer Kleidung mit einem leichten Streitkolben bewaffnet. Er sah nicht gerade wie ein Krieger aus und der Streitkolben, den er auf seiner Schulter abstützte, wirkte eher wie ein Machtsymbol, als wie eine ernstzunehmende Waffe. Brack schulterte seine Axt und machte sich schnellen Schrittes zum Zelt seines Herren auf, in dem Glauben, dass dies wohl der angekündigte Burgvogt sei. Dort angekommen schaffte er es tatsächlich eher da zu sein, als dieser Mann, der wenige Minuten später ebenfalls das Lager betrat und Iras begrüßte. Brack stellte seine Axt vor sich ab und in angemessener Entfernung bezog er die Warteposition, den Herren nicht aus den Augen lassend. Iras und der Gast unterhielten sich eine Weile, die Unterhaltung schien freundlich und sehr herzlich zu sein, sie lachten zusammen. Nach einer Weile kamen sie beide auf Brack zu und Iras deutete auf ihn.
“Das ist Brack, ich habe Euch gerade von ihm erzählt. Er wird Euch begleiten und für Eure Sicherheit sorgen.“ Savertin musterte Brack kurz.
“Danke, ich denke, dass wir gut miteinander auskommen werden!“, antwortete Savertin mit einer unglaublich sanften und freundlichen Stimme. Brack verneigte sich daraufhin in seine Richtung.
“Herr Bugvogt, meine Axt ist an euer Seite.“
Savertin lächelte freundlich:
“Danke Brack , … nun … dann lasst uns aufbrechen.“
Brack verneigte sich vor Iras und wies Savertin den Weg mit einer untertänigen Geste.
So verließen Savertin und Brack das Lager. Gemächlichen Schrittes gingen sie den Weg hinunter und Savertin schien äußerst gelassen zu sein. Tatsächlich baumelte an seiner Seite ein prall gefühlter Geldbeutel, aber dieses schien ihn nicht im geringsten zu beunruhigen. Brack dagegen umso mehr: je näher sie den Klängen des Marktes kamen, desto unruhiger wurde er und desto öfter landete sein Blick auf den so locker angehängten Schatz. Sie überquerten ein kleines Waldstück und direkt an der Waldkante erstreckte sich vor Brack der große Marktplatz. Sein Herz schlug wie das eines kleinen aufgeregten Jungen. Links und rechts so, weit das Auge reichte standen Verkaufsstände mit allem was das Herz begehrt. Fleisch und Brot , Brezeln und allerlei andere Gebäckarten, Schuhe, Gewänder, Rüstungen und ein Schmied mit seinen Waren, Heiler die ihre Mixturen anpriesen und sogar jemand, der etwas was er Seife nannte, verkaufte. Direkt vor Brack stand ein Karussell, das von zwei Knechten angetrieben, den Mittelpunkt für Buben und Mädchen darstellte. Weiter hinten befand sich sogar eine Bühne auf der gerade eine Gruppe Dudelsackspieler und Trommler von der Menge bejubelt, ein Konzert gaben. Den Mittelpunkt des Marktes jedoch stellte eine Schänke dar, wo Bauer, Knecht, Edelmann und Krieger ausgelassen feiern konnten.
Savertin entschied sich, gelassenen Schrittes nach links zu gehen und einen Stand anzusteuern, an dem Glas verkauft wurde. Mit großem Interesse wurde dieser von neugierigen Bauern belagert, doch sie konnten sich diese Dinge sowieso nicht leisten und die meisten kannten Glas nicht einmal. Umso verständlicher war es, dass keiner von ihnen in dem Bann der glitzernden Pracht zu Seite wich, als Savertin geduldig sich hinter die Menge stellte und versuchte einen Blick auf die Ware zu erhaschen. Dies sah Brack und er holte tief Luft und schrie was seine Lunge hergab:
“Macht Platz für den edlen Herren Savertin!!! … Geht aus dem Weg !!! … Zur Seite mit euch Gesindel !!! … Der Herr will die Ware beschauen!!! …”
Die Menge von diesem Gebrülle aufgeschreckt, suchte nach der Quelle diesen Lärms und der wüsten Beschimpfungen, deren Opfer sie gerade wurde. Die meisten wichen bereitwillig zur Seite, als sie den mit einer großen Axt bewaffneten Brack erblickten. Ein Bauer aber, der durch seine Faszination den Ruf wohl nicht wahrgenommen hatte, blieb im Weg stehen. Mit zwei schnellen Schritten sprang Brack an den Bauern heran und rammte ihn dermaßen hart, dass dieser zu Boden fiel. Brack nahm seine Axt von der Schulter in Anschlag und schrie den auf den Boden liegenden Bauern an:
“Hast du mich nicht verstanden?! Bist du blöd oder taub oder einfach nur lebensmüde?! … Der Herr möchte die Ware beschauen!!! … Ich prügele dir gleich Respekt ein du Wurm!!!“ Er hob die Axt. Der Arme Mann erstarrte vor Angst, kauerte sich auf den Boden und winselte vor Brack:
“Bitte Herr, lasst mich am Leben, ich habe Frau und Kinder!“
Brack knurrte den Mann an, nach der alten Manier der Roten Wölfe, was den Bauern in eine noch größere Angst versetzte. Die Menge hielt den Atem an.
“Brack! Hör auf damit!“ Brack wirbelte herum um dem eine Lehre zu erteilen, der es wagte ihm jetzt noch Befehle zu erteilen.
Savertin stand direkt hinter ihm und schaute ihn streng an, er wiederholte sein Forderung, diesmal wieder mit der gewohnten freundlichen Stimme.
“Hör auf Brack, es ist genug.“ Brack senkte seine Axt und schaute Savertin ungläubig an.
Savertin trat zu dem immer noch auf den Boden liegenden Mann und reichte ihm seine Hand. Er sprach sanft und gütig zu dem Bauern:
“Entschuldige meinen hitzköpfigen Freund, er ist manchmal ungehalten und nimmt seine Befehle oft zu ernst.“ Der Bauer ergriff die Hand von Savertin und ließ sich von ihm auf die Beine helfen.
Brack schaute total verblüfft, was sich dort abspielte. Er konnte seinen Augen nicht trauen und stotterte vor sich hin:
“Aber, aber, aber, Herr, Ihr seid der Herr und er ein Bauer, er muss doch..., ich meine, er ist doch...“ Da unterbrach Savertin Bracks sinnloses Gestotter:
“...auch ein Mensch, Brack?! Du bist ein guter Wächter, du musst allerdings noch lernen, dabei ein Mensch zu bleiben.“
Savertin griff an seinen Gürtel und holte aus dem Beutel der daran befestigt war eine Silbermünze und wandte sich wieder dem Bauern zu und drückte sie ihm in die Hand.
“Hier, nimm. Ich hoffe, dass diese Münze deine Schmerzen angemessen entschädigt.“, sprach er, die Hand des Bauern um die Münze schließend.
“Ja, Herr, danke Herr. Ihr seid voller Güte. Hättet Ihr nicht reagiert, hätte mich Euer Leibwächter bestimmt erschlagen. Danke, noch mal danke Herr.“ Der Bauer verneigte sich noch mehrmals bis er glücklich in der Menge verschwand.
Brack stand wie angewurzelt da. Er konnte nicht glauben geschweige denn verstehen, was dort gerade vor seiner Nase passierte. Solches Verhalten hatte er noch bei keinem Adligen erlebt. Seiner Überzeugung nach war die Welt kalt und ungerecht, jeder der sich nicht durchsetzen konnte, war in dieser verloren. Diese Gesetze hob Savertin gerade komplett aus den Angeln. Brack rätselte wie Savertin wohl es geschafft hatte, in der Welt in der Brack lebt zu überleben. Sie setzten ihren Weg fort, ganz gemächlich schlenderten sie über den Markt hier und dort anhaltend, um die Ware der hiesigen Händler zu begutachten.
Gegen Mittag richtete Savertin seine Schritte zur Taverne .
“Brack, hast du Hunger? “ fragte er an dem Tresen angekommen.
“Ich werde im Lager speisen, Herr … Sarah hat mir bestimmt etwas zur Seite gelegt, Herr.“, antwortete Brack, obwohl sein Magen knurrte.
“Du wirst mit mir speisen.“, bestimmte Savertin mit lockerer Stimme. Brack musste schlucken.
“Solch teure Speisen kann ich nicht bezahlen Herr.“
“Ich fragte dich nicht, ob du Geld hast, sondern ob du Hunger hast – also?“ entgegnete Savertin seine Hand auf Bracks Schulter legend.
Brack schaute zu der Hand die auf seiner Schulter lag, dann den Arm entlang bis zur Savertins Gesicht.
“Ja Herr, ich habe Hunger.“
“Na also, geht doch, und lass das mit den ewigen „Herr“-Gehabe, ich bin Savertin.“ Er nahm seine Hand wieder von Bracks Schulter und bestellte das Essen bei der Wirtin.
“Ich kann doch nicht..., wenn das jemand hört..., Ihr seid doch...“, stotterte Brack ungläubig und verstört den Kopf schüttelnd. Savertin unterbrach ihn wieder:
“...ein Mann wie du, Brack , auch ich wasche mich nur mit Wasser.“
Die Wirtin kam mit zwei prall mit Fleisch der besten Sorte gefüllten Teller zurück. Savertin schob einen von ihnen Brack zu. Ohne Widerrede nahm Brack die Einladung an, er gab es auf, über diesen Mann nachzudenken, es war zu viel für ihn, denn sein ganzes Leben spiegelte ja eine ganz andere Erfahrung.
Nach einem üppigen Mahl nahmen sich Savertin und Brack die andere Hälfte des Marktes vor. Savertin probierte Gewandungen an und Brack beriet ihn dabei, schließlich kamen sie zu dem Schluss, dass seine hellblaue Gewandung Savertin am besten stand. Brack drehte auch am Karussell, alleine , denn er brauchte keinen zweiten Knecht der ihm half, doch drehte er so schnell, dass die Hälfte der Kinder inmitten der Fahrt vom Karussell fiel, unter dem Gelächter der Menge und nicht zuletzt von Savertin selbst, überließ Brack schließlich das Karussell wieder den Knechten. Sie genossen die Musik an der Bühne und bestaunten die Gaukler die später auftraten, bis in den Abend.
Als die Sonne hinter dem Horizont verschwand, lenkte Savertin seine Schritte zum Mittelpunkt des Marktes, in die Schänke. Sie setzten sich an den Tresen und Savertin bestellte für jeden einen großen Humpen Bier.
Bier … Brack hatte seit Jahren kein Bier mehr getrunken - also leerte er den Krug in einem Zug, Savertin jedoch tat dasselbe und Brack schaute wieder ungläubig drein. Der Burgvogt lachte los, Brack schaute eine Weile den lachenden Savertin an, bis er selber nicht mehr sein Lachen zurückhalten konnte. Die Wirtin brachte wieder zwei Krüge.
Brack setzte gerade den Krug an, als er bemerkte das ein Bettler sich Savertin bedrohlich näherte. Er sprang auf, im Sinne den Bettler zu verjagen, Savertin jedoch war diese Tatsache auch nicht entgangen und er schaute Brack ernst an. Diesmal verstand Brack was gemeint war, er ging also auf den Bettler zu, ganz langsam und ohne bedrohlich zu wirken. Er stellte sich zwischen Savertin und den Bettler und fragte mit deutlicher aber nicht erhobener Stimme:
“Was willst du von dem Herren?“ Der Bettler verneigte sich vor Brack und Savertin.
“Edle Herren, ich habe Durst und wollte euch nicht stören. Würden die edlen Herren aber einem armen Mann helfen seinen Durst zu stillen?“
Brack schaute Savertin in der Erwartung einer Entscheidung an.
“Sei mein Gast. “, antwortete Savertin. Darauf hin wies Brack dem Bettler einen Platz neben sich am Tresen. Savertin lächelte gütig und klopfte Brack freundlich auf die Schulter.
“Du lernst schnell, Brack. Ich bin stolz auf dich, mein Freund . “
Brack fühlte sich irgendwie gut, er wusste nicht ob das an den Bieren lag oder an den von Savertin ausgesprochenen Worten.
Nun waren sie zu dritt, sie tranken und erzählten sich Geschichten, sie lachten und scherzten. Je mehr Bier Brack getrunken hatte, desto mehr brannten sich die Ereignisse des Tages in sein Gedächtnis ein, desto mehr quälte ihn die Frage: Wieso?
Schließlich sprach Savertin zu Brack:
“Brack, es ist spät. Wir sollten zum Lager zurückkehren. Ich suche noch die Stallungen auf und dann gehen wir.“ Brack nickte und Savertin taumelte Richtung Stallungen.
Nun saßen sie zur zweit am Tresen und Brack wurde still. Der Bettler merkte dieses und legte seine Hand auf Bracks Schulter als er sprach:
“Mein Freund, was bedrückt dich?“ Brack erzählte dem Bettler sein Dilemma, seinen Konflikt. Der Bettler lächelte aber nur und sprach:
“Brack, ich kenne die Antwort auf deine Frage. Dein Herr sagte doch, dass er mehr Angst davor hat, dass der Herr Savertin überfallen oder ermordet wird, als davor das man ihn ausraubt.“ Brack nickte. Der Bettler sprach weiter:
“Sein Gold befindet sich nämlich nicht an seinem Gürtel.” Brack schaute ungläubig, leicht schielend von den vielen Bier was er schon getrunken hatte. Doch der Bettler lächelte nur.
“Sein größter Schatz befindet sich in seiner Brust, Brack. Es ist sein Herz, das aus Gold ist und so etwas ist mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen.“ Der Bettler ließ nun den komplett aus den Konzept geschlagenen Brack am Tresen zurück und winkte ihm zum Abschied zu. Brack kam sich total dämlich vor.
“Natürlich!“, sagte er leise zu sich, „der Bettler hat Recht.“ Aber bevor er den Gedanken zu Ende führen konnte, sah er Savertin auf den Wegesrand, der ihm zuwinkte. Brack erhob sich und taumelte zur im hin. Sie machten sich auf in Richtung Lager, beide Wegesseiten gleichzeitig benutzend. Im Lager angekommen trennten sich ihre Wege. Sie verabschiedeten sich von einander mit freundschaftlicher Umarmung. Brack taumelte zu seinem Schlafplatz, wo er einfach in das Stroh fiel, sich neben seine Axt legte und sofort einschlief.
Signatur Schwarz , ist die Farbe der Geborgenheit . |