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Stefan  Der Blätter zwey


Status: Offline Registriert seit: 13.10.2005 Beiträge: 24 Nachricht senden | Erstellt am 02.09.2006 - 13:30 |  |
Hallo alle zusammen,
leider habe ich für mich selbst eine grundsätzliche Frage noch nicht klären können und brauche somit Euren Rat.
Ich bin mit dem Grundsatz in dieses Hobby gestartet
unter Berücksichtigung der eigenen Vermögensverhältnisse ein möglichst genaues Abbild des Empire wiederzugeben.
Dazu hatte ich mir vorgenommen, eine bestimmte Person dieser Zeit, in der ich meinen Charakter und mein Tun wiedererkenne, nachzueifern und diese darzustellen. Jedoch bin ich bis dato noch nicht fündig geworden und frage mich ob dieses Unterfangen übehaupt mit Erfolg gekrönt werden kann.
Augenblicklich weiß ich ergo nicht wer ich bin oder sein möchte. Es gibt zwar gewisse Bahnen, durch die einen gewisse Einschräkung möglich wäre. Aber Eine eigene Identität ist doch der Anfang unseres fröhlichen Treibens.
Kennt Ihr diese Gedanken? Habt Ihr vielleicht auch das selbe Problem gehabt?
Liebe Grüße,
Stefan
Signatur Nomen est omen. Rechtschreibfehler sind gewollt und unterstreichen die persönliche Note. |
Republicain  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 522 Nachricht senden | Erstellt am 04.09.2006 - 12:10 |  |
Salut!
Mir ist es anfänglich ebenso ergangen. Die ersten par Veranstaltungen hatte ich keine Rolle für mich gefunden und mich ernsthaft gefragt, was ich denn ohne Rolle, ohne eigene Darstellung in der Zivilszene überhaupt will.
Ich kann einmal kurz schildern, wie ich zu meiner Rolle gefunden habe. Ich überlegte mir, was ich finanziel usw. bereit war darzustellen, wo ich an meine Grenzen diesbezüglich stoßen würde und was das Mindeste einer Ausrüstung einer gewissen Rolle für Anforderungen an mich stellte. Ich bedachte, dass es etwas egoistisch sei, immer nur den reisenden Edelmann darzustellen, da dann die anderen Oberschichtdarsteller für die Services, das Kochgeschirr usw. zu sorgen hätten. Ich sah viele, viele Darsteller der Oberschicht, die im Grunde bloß ihre Kleider zur Schau trugen aber, weder durch Umgangsformen, noch durch Equipage, noch durch entsprechende Dienerschaft irgendwie glaubwürdig auftreten können. Das alles besah ich und stellte für mich fest, dass einfach die Darstellung eines Dieners sich am Vernünftigsten für mich darstellte.
Die Vorzüge lagen auf der Hand:
- Diener kann ich nicht ortsgebunden
- ohne umfangreiche Ausrüstung (die muss mein Herr ja zur Verfügung stellen)
- also mit wenig Gepäck
darstellen.
Überdies benötigt der Dienerstand keine weitergehenden handwerklichen und sonstigen Kenntnisse, von dem abgesehen was grob in manchen Werken umrissen ist.
Ich würde Dir empfehlen auf Deine Neigungen zu hören. Machst du handwerklich, musisch etwas besonders gern? Ist es im Hobby realisierbar?
Hier ein Link, von dem ich vermute, dass er allerdings auch nicht sehr viel mehr hilft:
http://www.f-l-g.org/Info/Hilfen/Tante_ … rlotte.htm
S et F
Du Jard
Signatur ... Das Sturmläuten, das nun anheben wird, ist kein Alarmsignal, es bedeutet den Generalangriff auf die Feinde des Vaterlandes. Um sie zu besiegen, brauchen wir Mut, meine Herren, Mut und nochmals Mut; dann ist Frankreich gerettet. |
Stefan  Der Blätter zwey


Status: Offline Registriert seit: 13.10.2005 Beiträge: 24 Nachricht senden | Erstellt am 04.09.2006 - 18:25 |  |
Werter Du Jard,
seid Euch meines Dankes bewusst. Der von Euch genannte Link hat mich in meinem Denken bestärkt,
dass man sich beim Ausleben dieses Hobbys von Anfang an bewusst sein muß, was man will und was nicht. Es geht leider nicht ohne Mühen. Für eine
gute Darstellung muss man eben unten beginnen um sich mit der Zeit die sogenannten Sporen zu verdienen.
Ich werde mich auf meine Wurzeln besinnen und dies als bald als möglich in Angriff nehmen.
Nochmals Dank,
Stefan
Signatur Nomen est omen. Rechtschreibfehler sind gewollt und unterstreichen die persönliche Note. |
Una  Ast


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 201 Nachricht senden | Erstellt am 04.09.2006 - 22:40 |  |
Ich habe mich lange mit diesem Thema beschäftigt und ich habe mich meiner eigenen Familiengeschichte zu gewendet, um eine korekte historische Persönlichkeit darzustellen.
Da beide Familienteile meiner Mutter bis zum Jahr 1263 bzw. noch früher zurück zu verfolgen waren, wäre es einfach gewesen eine meiner Ururururgrosstanten darzustellen, doch als Freifrau hätte ich mich dann aber auch um bestimmte Kleidung, Accessoires, Zofe etc. bemühen müssen.
Da ich aber auch schottische Vorfahren und Verwandte habe, und ich mehr dem Regency denn des Napoleonischen Empire zu getan bin, war es leicht, meinen fiktiven Charakter an eine meiner schottischen Vorfahrinnen, die dem schottischen Landadel angehörten, an zu lehnen. Da ich auch noch einen schottischen Vonamen hatte, war es leicht, meinen Charakter einen Namen zu geben, und ihn auch mit einer Geschichte aus zustatten.
Es ist also wichtig sich nicht zu sehr von seiner eigenen jetzigen Realität fort zu bewegen. Dazu kommt noch die Größe des Geldbeutels, und ob man Zeit in das Erlernen des historischen Hintergrundes investieren will.
Signatur We are not human beings on a spiritual journey. We are spiritual beings on a human journey.
- Stephen Covey |
MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 05.09.2006 - 01:06 |  |
Seltsamerweise sind diese Darstellungs- und Rollen Fragen wie es scheint nur als Themen in diversen Foren populär.
Mich hat noch nie jemand persönlich auf einer Veranstaltung nach meiner Vita, Vorfahren, Vermögensverhältnissen o.ä. gefragt, oder das Gespräch in diese Richtung gelenkt.
Liegt vielleicht daran , das viele mit sich selbst und ihrer Wirkung beschäftigt sind , oder sich scheuen, die Gretchenfrage zu stellen:" Und was stellen sie so dar?"
Genau wie Una habe ich mich an Heimat, Vorfahren etc. orientiert dieses dann mit meinen Vorlieben, Geldbeutel und sprachlichen Defiziten kombiniert.
Die Rolle der Dienerschaft efordert genauso viel Fingerspitzengefühl, Wissen und schauspielerisches Talent wie die Darstellung eines Adeligen und erziehlt seine Wirkung nur auf Freundschaftsbasis.
Die ganze Darstellungsfrage wird spätestens nach dem dritten Treffen in " zivil" gegenstandslos .Unsere 21. Jahrhundert Persönlichkeit bestimmt dann die Sympathie/ Antipathie , die Freundschaften und die Lebendigkeit im Umgang miteinander.
Trifft man sich kostümiert schimmert diese unter jedem noch so perfekt authentischen Kostüm und Verhalten durch.
Ich freue mich immer wieder über " Menschen" im Hobby , die einem nicht auf das handumstichelte Knopfloch schielen um herausfinden ob das Garn von 1801 stammt.
Bei aller Authenzitäts- und Profil- Finderei möchte man die Leute einfach in den Arm nehem und sagen. " Du brauchst nichts zu beweisen, wir mögen dich auch so.."
Gute Nacht!
[Dieser Beitrag wurde am 05.09.2006 - 07:59 von MadameKaya aktualisiert]
Signatur Es gibt kein echtes Leben im Falschen... |
Elisabeth Ast


Status: Offline Registriert seit: 13.10.2005 Beiträge: 231 Nachricht senden | Erstellt am 05.09.2006 - 07:32 |  |
Chère Stefan ,
empfehle die Lektüre des hinreissenden Romans
Rot und Schwarz von Stendhal ( ist ein ziemlicher Wälzer welcher auch als Höhbuch erhältlich ist )
oder das Reisetagebuch des Herrn Boswell (Reclam )
Signatur der Unterschied zwischen Einbildung und Bildung besteht in Anstrengung und darin , daß man sich die Finger schmutzig macht ..... |
Nanny  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 656 Nachricht senden | Erstellt am 05.09.2006 - 08:35 |  |
Vielleicht hatte ich es da etwas einfacher, da ich mich in einer anderen Epochen-Darstellung durch einen dummen Zufall in einer bestimmten Rolle wieder fand.
Als ich mich vor 2 Jahren durch freundschaftliche Verbindungen dem Regency/Empire zuwandte, dachte ich mir, bleib möglichst nah, bei dem was du bisher gemacht hast! Also Amerikanerin - da kennst du die Geschichte bereits und kannst weniger falsch machen. Den Rest lernst du dann auch noch!
(Auch in der Napoleonik möchte ich mehr, als "nur" zu den Salonabenden gehen - ich tendiere einfach mehr zum ausprobieren, wo meine Grenzen sind)
Tatsächlich bin ich in den letzten 15 Jahren nie nach meiner Vita gefragt worden! Das Einzige, wo es der Sache vielleicht mal Nahe kam war, als ich von einem "Thekensoldaten" mit Überwissen angepflaumt wurde: "Frauen in Uniform hats nicht gegeben!" und ich ihm darauf hin sagte "Deswegen darfst du mich auch James nennen!" 
Mein Rat daher, laß dir Zeit, probier Einiges aus, such nicht zu verzweifelt, denn es wird sich schon finden. Man merkt irgendwann, was man selbst für sich möchte.
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Adolphe  Zweig


Status: Offline Registriert seit: 31.10.2005 Beiträge: 174 Nachricht senden | Erstellt am 05.09.2006 - 11:13 |  |
Erst mal solltest du dir Gedanken darüber machen, was du willst. D. h. Reenactment im Sinne dieses Hobby´s machen? Jemand bestimmtes mit all dem Volumen von Ausstattung/Ausrüstung dieser Person darstellen? Oder einfach nur nett angezogen mehrmals im Jahr mit Gleichgesinnten einen geselligen Abend erleben?
Bei letzteren brauchst du sicherlich keinen großen Aufwand treiben. Beim ersteren ist der Aufwand ungleich höher. Klamotten für Gesellschaft und Reise entsprechende Ausrüstung, bei Darstellung einer höheren Person (z.B. Adel) das ganze auch noch in entsprechender Qualität.
Das geht ganz schön in den Geldbeutel.....
Da ist sicherlich auch eine nette Vita angebracht.
Ideal ist es, wenn man Teile seines eigenen Lebenslaufes einbringen kann.
Da braucht man nicht soviel auswendig zu lernen 
Nanny schrieb
Tatsächlich bin ich in den letzten 15 Jahren nie nach meiner Vita gefragt worden |
MadamKaya schrieb
Mich hat noch nie jemand persönlich auf einer Veranstaltung nach meiner Vita, Vorfahren, Vermögensverhältnissen o.ä. gefragt, oder das Gespräch in diese Richtung gelenkt.
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Da ward ihr bislang auf den falschen Veranstaltungen
 
Ich bin auf der letzten Kommernveranstaltung mehrmals von Darstellern sowie auch von Zuschauern gefragt worden, wer ich sei und was ich hier mache. Es macht Spaß den Leuten Hintergründe zu erzählen. Wobei ich es als einfacher Tagelöhner und Herumlungerer natürlich einfacher habe als jemand, der Graf Koks von der Gasanstalt darstellt.
Wobei ich auch MadameKaya Recht geben muss, meistens ist man irgendwie 21.Jahrhundert in historischer Kleidung.
Ich denke mal, das kommt auch immer auf den Ort der Veranstaltung und die Leute die dabei sind an.
Wenn man wie in Kommern in der niederen, düsteren Bauernstube sitzt, die nur spärlich von einer Kerze erleuchtet wird, fällt es einen leichter sich in die Rolle einzufinden als in einem modernen Raum.
Und wenn dann noch die anderen Leute mitspielen, dann erlebt man die Momente für die sich dieses Hobby lohnt.......
Es gibt eine legendäre Veranstaltung des SpäMi, bei der die Teilnehmer so in ihrer Rolle/Zeit waren, das es über die Frage "Ist die Erde eine Scheibe?" beinahe eine Schlägerei gegeben hat.
Genau so muss es sein, dass ist das Feeling das aufkommen sollte
Signatur Der Schein trügt.......... |
Republicain  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 522 Nachricht senden | Erstellt am 05.09.2006 - 11:31 |  |
MadameKaya schrieb
Mich hat noch nie jemand persönlich auf einer Veranstaltung nach meiner Vita, Vorfahren, Vermögensverhältnissen o.ä. gefragt, oder das Gespräch in diese Richtung gelenkt.
Liegt vielleicht daran , das viele mit sich selbst und ihrer Wirkung beschäftigt sind , oder sich scheuen, die Gretchenfrage zu stellen:" Und was stellen sie so dar?"
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Na so persönliche Fragen stellt man sich ja auch nicht.
"Liebes Fräulein, wie alt sind Sie? Woher kömmen Sie?"
Dies alles fragt höchstens der Polizeibüttel oder der Beamte, wenn man seine Papiere ausgestellt bekommt. Das ist mir auch schon passiert.
Das war klasse.
[Dieser Beitrag wurde am 05.09.2006 - 14:07 von MadameKaya aktualisiert]
Signatur ... Das Sturmläuten, das nun anheben wird, ist kein Alarmsignal, es bedeutet den Generalangriff auf die Feinde des Vaterlandes. Um sie zu besiegen, brauchen wir Mut, meine Herren, Mut und nochmals Mut; dann ist Frankreich gerettet. |
Republicain  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 522 Nachricht senden | Erstellt am 05.09.2006 - 11:36 |  |
Adolphe schrieb
Es gibt eine legendäre Veranstaltung des SpäMi, bei der die Teilnehmer so in ihrer Rolle/Zeit waren, das es über die Frage "Ist die Erde eine Scheibe?" beinahe eine Schlägerei gegeben hat.
Genau so muss es sein, dass ist das Feeling das aufkommen sollte
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Die war dann aber unter Studenten und Mönchen oder was? Wer soll denn solche tiefgründigen Fragen stellen.
Im DHM ist an einer Stelle übrigens ganz schön erläutert, dass eben im Mittelalter und schon vor der Weltumseglung doch die Meinung, dass die Erde eine Kugel sei, die allgemein verbreitete Ansicht war. Schließlich folgte man im Allgemeinen der Weltanschauung des Ptolomaios.
Signatur ... Das Sturmläuten, das nun anheben wird, ist kein Alarmsignal, es bedeutet den Generalangriff auf die Feinde des Vaterlandes. Um sie zu besiegen, brauchen wir Mut, meine Herren, Mut und nochmals Mut; dann ist Frankreich gerettet. |