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foerse ...
großes Lob für Fleiß
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...   Erstellt am 21.04.2006 - 00:20Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Die folgende Geschichte hat meine Schwester erlebt und erzählt:

Die Geschichte ereignete sich im Sommer 1945 nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bei meinem Elternhaus. Ich war damals gerade zehn Jahre alt. An jenem Tag stand ich also vor dem Haus und beobachtete das bunte Treiben auf der Straße. Es war ein ständiges Kommen und Gehen: ehemalige polnische Zwangsarbeiter, aus der Gefangenschaft heimkehrende Soldaten, Heimatvertriebene auf der Suche nach einer Bleibe, amerikanische Militärfahrzeuge, Schwarzhändler auf der Suche nach einem Absatzmarkt.
Zum besseren Verständnis der Geschichte muss ich die Örtlichkeiten des Geschehens noch ein wenig beschreiben. Am Fuße der Kellertreppe meines Elternhauses entspringt eine Quelle. Das Rinnsal läuft durch den Keller unter dem Haus hindurch. Es wurde wohl in früheren Zeiten zum Zwecke des Viehtränkens unter dem Boden des Stalls in einer Zisterne gefasst. Das Wasser ist stark mineralhaltig und kann weder zum Kochen noch zum Betonieren verwendet werden.
In den Nachkriegsjahren, wenn der Pfarrer zu Besuch kam, wünschte er immer ein Glas "Gänsewein" zu trinken - eben ein Glas Wasser aus jener Quelle. Ebenso holten die Bauern bei der Feldarbeit mit Vorliebe Wasser zum Verdünnen ihres Mostes aus dieser Quelle.
Doch nun zurück zu meiner Geschichte! An jenem Tag im Sommer 1945 fuhr ein Mann auf seinem Fahrrad in unseren Hof, hielt vor mir an und fragte nach meiner Mutter. Ich erklärte ihm, sie sei hinter dem Haus im Garten. Er stellte sein Fahrrad am Haus ab und erzählte mir, dass er von einem 6 km entfernten Ort komme und weiter in die Stadt wolle. Aus Angst, sein Fahrrad werde ihm abgenommen, getraue er sich aber nicht weiterzufahren. Deshalb wolle er meine Mutter fragen, ob er sein Fahrrad im Haus abstellen dürfe. Anschließend beabsichtigte er, zu Fuß weiterzugehen. Er schärfte mir nochmals besonders ein: "Madle, du basch m'r sou lang uff mei Fahrrad uff, doa isch allerhand Gsindl underweechs!" Ich nahm meine Aufgabe ernst und wich keinen Schritt von der Seite des Fahrrads, während ich dem Treiben auf der Straße weiter zusah. Kurze Zeit später kam aus Richtung Vellberg eine Gruppe heimkehrender Soldaten vorbei.

Als sie mich sahen, tuschelten sie kurz miteinander und kamen auf mich zu. Der Wortführer sprach mich an und bat um etwas zu trinken. Ich verwies ihn auf die zuvor beschriebene Quelle am Fuß der Kellertreppe. Er schaute mich mitleiderregend an und sprach: "Mädchen, du wirst doch einem armen Soldaten etwas zu trinken bringen!" Ich war hin und hergerissen zwischen der Pflichterfüllung und dem Samariterdienst an einem armen Soldaten.
Obwohl ich ein ungutes Gefühl in der Magengegend verspürte, entschied ich mich für den Samariterdienst, eilte die Treppe hinunter, füllte das bereitstehende Glas mit Quellwasser und brachte es schnell wieder herauf. Als ich oben um die Hausecke bog, sah ich gerade noch das Fahrrad -besetzt mit drei Soldaten (!) - um die Kurve biegen.
Die Leser können sich sicherlich lebhaft vorstellen, wie mir zumute war und was der Besitzer des Fahrrads anschließend zu mir sagte.




maxheidi
unregistriert

...   Erstellt am 21.04.2006 - 01:27Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo foerse,
das kann ich mir wirklich vorstellen, wir dir zu Mute war.
maxheidi





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