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Lykanthrop ...
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...   Erstellt am 18.07.2007 - 15:21Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


In diesem Falle.. einfach nicht ärgern lassen. Die eigene Fantasie kann manchmal wirklich grausam sein und unumsetzbar. Lass dir Zeit, geh das mit Ruhe an und lass dich nicht hetzen. Nimm dir die Zeit, die du brauchst und wenn du gar nicht weiter kommst, leg die Geschichte einfach ein paar Tage weg, mach dir Gedanken darüber und gehe frisch und erholt wieder ans Werk. Oder teile deine Problematik mit uns und wir versuchen dir zu helfen. Dafür haben wir ja nun einen eigenen Bereich.





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Ist Realität nur die Folge der Notwendigkeit..?

Aerowen ...
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...   Erstellt am 19.07.2007 - 19:22Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hey, danke für deinen lieben Rat. Das mit dem Weglegen ist nur ein bisschen schwierig, weil ich schon in Gedanken dauernd daran arbeite. Mein Hauptproblem ist im Moment das Stilistische, meine Formulierungen sind alle blöd und mir gelingt es nicht, einzelne Absätze (inhaltlich) miteinander zu verbinden. Aber vllt setz ich mich heut noch mal ran.





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Aerowen ...
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...   Erstellt am 20.07.2007 - 18:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich habe mich gestern noch mal ran gesetzt, und finde es - oh Wunder! - jetzt recht passabel. Nur fertig ist das Kapitel noch nicht, bin dann erst mal nicht mehr weiter gekommen. Aber ich hab geändert, ausgebaut und verbunden.
Mal sehen, was Elehn sagen wird, und alle anderen, die das vierte Kap. lesen werden.
Ich gehe manchmal zu hart mit mir ins Gericht.





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Lykanthrop ...
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...   Erstellt am 21.07.2007 - 20:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich glaube auch, dass du einfach zu hart mit dir bist. Bisher war jedes Kapitel deiner Geschichte wirklich gelungen und an deinen Formulierungen gibt es auch nichts zu meckern.
Sieh's einfach mal etwas lockerer. Wenn deine 'Kritiker' sagen, dass es gut ist, darfst du ihnen auch gelegentlich Glauben schenken.





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Ist Realität nur die Folge der Notwendigkeit..?

Aerowen ...
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...   Erstellt am 29.07.2007 - 10:56Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Danke ^^
Du bist lieb!





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Torn ...
Literaturkenner


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...   Erstellt am 31.07.2007 - 20:32Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Mir gefallen die Kapitel bis jetzt wirklich sehr gut, hab gar nichts zu meckern ^^

Du hast einen tollen Schreibstil, sehr lebendig, und vor allem deine Dialoge sind sehr authentisch (das gelingt mir selbst immer am wenigsten...)

Freue mich jedenfalls auf Fortsetzung!!





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Ich dachte immer, dass es leicht wär
Ich dachte immer, das ist doch kein Problem
Jetzt sitz ich hier, wie ein Kaninchen vor der Schlange
Und ich fühl mich wie gelähmt

Ich muss es sagen,
Ich weiss nur noch nicht wie
Ich muss es dir sagen,
Jetzt oder nie

Bitte geh noch nicht
Am besten gehst du nie
Ich hab's dir schon so oft gesagt
In meiner Phantasie
Bleib noch ein bisschen hier
Bitte geh noch nicht
Was ich versuche, dir zu sagen, ist

Ich liebe dich!

Aerowen ...
Schreib-Ass


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...   Erstellt am 01.08.2007 - 11:43Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Jaaa... meine Dialoge... dafür hab ich das Problem, dass sie oftmals zu viel Platz beanspruchen und Beschreibungen zu kurz kommen. Keiner ist perfekt ^^





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Lykanthrop ...
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...   Erstellt am 01.08.2007 - 14:18Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Was mich bei den Dialogen am Anfang ein wenig gestört hat, war das Schema.

"LABERLABER", sagte .... und tat dies und das. "LABERLABER."

Aber das ist leider bei den meisten so und fällt auch nach dem 3. oder 4. Mal eigentlich gar nicht mehr auf =)

Dass die Beschreibungen zu kurz kommen, empfinde ich eigentlich als gar nicht störend. Jeder hat seinen Stil. Und bei dir sind ja Beschreibungen da. Dass du nicht in 5 Seiten einen Stein beschreibst, stört mich nicht im Geringsten. Ich finde die Art und Weise und auch die Ausführungen der eingestreiten "Beschreibungen" ziemlich gut.





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Aerowen ...
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...   Erstellt am 07.08.2007 - 11:10Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Juuhu! Ich hab das vierte Kapitel! Bin gestern morgen auf die glorreiche Idee gekommen, es einfach so zu lassen, wie es ist, anstatt noch weiter zu schreiben. Na ja. Ich zähle auf eure Kritik.

Ach ja: Wenn ich irgendow was vergessen hab, kursiv zu machen (wie die letzten Male), bitte melden. Ich überseh sowas manchmal.




4. Kapitel - Ein neues Leben

Gawenn saß etwas abseits vom Feuer und brütete düster vor sich hin. Je später es geworden war,
umso mehr hatte er sich zurück gezogen. Er war kein von Natur aus depressiver Mensch, aber die
ungewohnte Situation verstörte ihn zusehends.
Sein ganzes Leben hatte er in dem kleinen Dorf namens Nest verbracht, stets mit den selben
Menschen, und ohne dass sich je etwas verändert hatte. Sein Vater und er hatten ein angesehenes
Handwerk ausgeübt und waren daher von allen geachtete Leute gewesen. Ehrlichkeit,
Bodenständigkeit und Hilfsbereitschaft waren die Eigenschaften, die für die Dörfler zählten. Die
harte Arbeit hatte allen ein gesichertes Leben beschert, und die Bewohner Nests zu einer
eingeschworenen Gemeinde gemacht.
Aus dieser gewohnten Umgebung war Gawenn nun herausgerissen, und mit einer Situation
konfrontiert worden, die fremder nicht hätte sein können. An einem Ort, von dem er nicht einmal
genau wusste, wo er sich befand. Umgeben von Menschen, die er in seinem Leben noch nie gesehen
hatte und von denen er nichts wusste, außer dass sie irgendein Geheimnis verband. Auch mit der
Vorstellung, ein Hexenkind zu sein, konnte er überhaupt nichts anfangen.
Alles, was er wusste, war, dass dieser Begriff etwas mit der Magie, mit irgendeinem Geheimnis und
mit dem Überfall auf Nest zu tun haben musste.

Je länger er da saß, umso mehr kamen ihm Zweifel, ob seine Entscheidung, Katreijka zu folgen,
richtig gewesen war. Er stellte sich vor, wie mit jeder weiteren Minute, die er mit Nichtstun
verbrachte, sein Vater und die anderen Dörfler länger leiden mussten. Dieses Herumsitzen machte
ihn ganz krank, auch wenn er keine Vorstellung davon hatte, was er sonst tun sollte. Er traute sich
nicht, jemanden darauf anzusprechen. Katreijka war seit einiger Zeit verschwunden, Falmara zeigte
ihm nur die kalte Schulter, und Calett schien überhaupt nicht auf die Idee zu kommen, dass
irgendetwas nicht in Ordnung sein könnte.

Gerade, als er aufstehen wollte, weil er es nicht mehr aushielt, kam Katreijka aus der Dunkelheit.
Schnellen Schrittes ging sie auf die Gruppe zu, und Gawenn bemerkte, dass Falmara alarmiert
aufsprang. Als er jedoch Katreijkas Gesicht sah, wusste Gawenn, dass nicht Besorgtheit, sondern
Freude ihren Schritt bestimmten. Neben ihr huschte eine schwarze Katze durchs Gras - Shíuala war
wieder da.
»Deinem Dorf geht es den Umständen entsprechend gut!«, rief Katreijka, außergewöhnlich offen,
wie Gawenn fand. »Sie haben Hilfe erhalten, und werden versorgt. Sie werden Nest wieder
aufbauen, sobald es den Verletzten besser geht.« Gawenn viel ein Stein vom Herzen, doch das waren
noch nicht alle guten Nachrichten.
Das Mädchen fuhr fort: »Und Shí ist sich sicher, dass wir nicht verfolgt werden - wir können also
davon ausgehen, dass uns bisher niemand entdeckt hat.« Besonders Falmara schien darüber
erleichtert, doch auch Calett wich eine Anspannung vom Gesicht, die Gawenn zuvor gar nicht
bemerkt hatte. Er wollte gerade fragen, von wem sie gedacht hatten, verfolgt zu werden, als er
plötzlich zwei Gestalten wahr nahm, die, ohne bemerkt zu werden, in den Kreis des Feuerscheins
getreten waren.

Es waren ein großes und ein kleineres Mädchen, die offenbar auch zur Gemeinschaft gehörten. Auf
ihren Schultern saßen ihre Tiergeister, ein großer, schwarzer Rabe und ein zerbrechlich wirkender
Schmetterling. Die Kleine warf sich, ohne von den Neuzugängen besondere Notiz zu nehmen, sofort
neben Falmara auf den Baumstamm. Sie hatte ein sommersprossiges Gesicht, umrahmt von
feuerroten Locken, und war vielleicht zehn Jahre alt. Gawenn wollte gerade ihren Gesichtsausdruck
interpretieren, als das andere Mädchen zu sprechen anfing und er seine Aufmerksamkeit auf sie
richtete.
»Sind wir froh, wieder hier zu sein. Wir haben uns doch glatt in meinem eigenen zu Hause
verlaufen.« Dann sah sie in die Runde, denn ihr war aufgefallen, das dort mehr Personen als üblich
saßen.
»Lebenspuls!«, rief sie, als sie Katreijka erblickte. »Das ist ja eine Überraschung. Und wer bist du?«,
fragte sie, an Gawenn gerichtet.
»Ähm, mein Name ist Gawenn«, sagte dieser nervös.
»Ich habe ihn unterwegs...«, wollte Katreijka sagen, doch das Mädchen unterbrach sie:
»So lass ihn doch für sich selbst sprechen!« Es klang jedoch nicht böse, sondern das Mädchen war
ruhig und freundlich. »Ach, ich bin übrigens Koraja, aber du kannst Kora zu mir sagen, wenn du
magst. Die alten Namen sollte man ohnehin nur mit Vorsicht benutzen. Das da ist meine kleine
Schwester Schovani. Die übrigens auch mal 'Guten Tag' sagen könnte.« Das alles sagte sie in einem
einzigem Atemzug, und bestätigte damit Gawenns Ahnung, dass es sich um die beiden Mädchen
handelte, über die schon gesprochen worden war.
Koraja stellte zwei geflochtene Körbe neben dem Lagerfeuer ab und setzte sich ebenfalls. Sie war
Gawenn auf Anhieb sympathisch. Das Mädchen hatte ein liebes, offenes Gesicht mit rehbraunen,
lebhaften Augen. Als sie ihren langen Kapuzenmantel abstreifte, kam ihr langes Haar zum Vorschein,
das die gleiche Farbe wie ihre Augen hatte. Sie blickte den Jungen herausfordernd an, und so begann
dieser, seine kurze Geschichte zu erzählen. Nach ein paar Minuten schloss er sie mit den Worten:
»Katreijka hat mir gesagt, dass ihr mir helfen würdet. Darum wüsste ich jetzt ganz gern, wie es
weiter geht.« Das zeugte von mehr Entschlossenheit, als er eigentlich besaß, und die Hexenkinder
waren offenbar auch dieser Meinung, denn sie schwiegen.
»Also?«, fragte Koraja schließlich. "Ihr habt es gehört - wie soll es nun weiter gehen?« Offenbar
stellte sie gern provozierende Fragen - aber Gawenn war das nur recht. Er fühlte sich selbst nicht im
Stande dazu.
Falmara blickte missmutig drein.
»Vielleicht wäre es besser«, begann sie, verstummte aber wieder.
»Wir warten auf die anderen Hexenkinder«, sagte Katreijka. »Ich habe sie gerufen.« Koraja, die das
Zeichen natürlich auch erhalten hatte, nickte.
»Und dann werden wir gemeinsam entscheiden, was geschehen soll.« Koraja begriff sogleich, dass
Katreijka damit nicht nur Gawenns Problem meinte. Niemand außer ihr, die mit den Tieren sprechen
konnte, hatte in der letzen Zeit mehr schlechte Omen gesehen und gehört.

Nachdem die beiden Mädchen das restliche Brot gegessen hatten, sagte Koraja:
»Kleine Schwester, es ist spät und an der Zeit, ins Bett zu gehen.« Schovani lächelte auf eine wilde,
verschlagene Art, und Gawenn war sich sicher, dass sie von den Vorgängen mehr verstand, als sie
zugeben wollte. Sie sprang auf und vollführte eine anmutige Pirouette, wo bei ihr der Schmetterling
von der Schulter flog.
»Gute Nacht, allerseits!«, rief sie ohne den geringsten Widerspruch und folgte Koraja zu dem
größten Gebäude der Siedlung, welches in der Dunkelheit nur noch als Schatten wahrnehmbar war.
Als Koraja zurück kam, sagte Calett:
»Spät ist es in der Tat, und darum plädiere ich darauf, das Gespräch auf Morgen zu vertagen, wenn
Gawenn nichts dagegen hat. Über diese Dinge lässt sich bei Tageslicht besser diskutieren.« Er war
weder abergläubisch noch besonders diplomatisch, aber der Abend war wirklich schon sehr
fortgeschritten, und er mochte nicht mehr zwischen den Mädchen sitzen, von denen jede eine andere
Meinung über ihre zukünftigen Vorhaben hatte. »Ihr entschuldigt mich. Fal?« Er sah Falmara
auffordernd an, und sie folgte ihm schließlich zu ihrer gemeinsamen Hütte.
Auch Katreijka stand nun auf:
»Also dann. Ich hoffe, du kannst heute besser einschlafen, Gawenn«, murmelte sie unwirsch, und
bevor der verdutzte Gawenn etwas erwidern konnte, war sie zusammen mit Shíuala in der
Dunkelheit verschwunden. Koraja grinste aus irgend einem Grund, ging jedoch nicht darauf ein.
Statt dessen sagte sie:
»Ich nehme mal an, dass du das schon nicht mehr hören kannst, aber ich sage es dir dennoch: Du
wirst Antworten erhalten - warte den morgigen Tag ab. Und mach dir nicht zu viele Sorgen - ich
weiß, was du bist. Deine wahre Bestimmung wird dir gefallen, trotz alldem, was damit verbunden
ist.« Und mit diesen ominösen, für ein Hexenkind typischen Worten nahm sie die Körbe und ging
ebenfalls davon, und rief ihm über die Schulter zu: »Ach ja - du kannst das Feuer anlassen, es brennt
nicht.«

Gawenn schlief sehr lange, denn der zügige Fußmarsch der letzten beiden Tage, in denen sie auf ihm
unerklärliche Weise an die 50 Meilen hinter sich gebracht haben mussten, hatte ihn bis über die
eigenen körperlichen Grenzen hinaus erschöpft. Nicht einmal die Albträume der vergangenen Nacht
von einem brennenden Dorf hatten ihn mehr verfolgt, so müde war er gewesen. Am vorherigen
Abend hatten ihn nur seine Sorgen über sein altes Zuhause und seine eigene Zukunft noch wach
gehalten.
Als er schließlich erwachte, glaubte er ein paar Sekunden lang, er wäre wieder zu Hause in Nest. Er
lag an einer Wand aus Holzstäben, durch die das Licht der Morgensonne sickerte - ganz wie im
Haus seines Vaters. Von draußen hörte er die Geräusche geschäftigen Treibens, und meinte, es
wären die Dörfler, die ihr Tagwerk verrichteten.
Doch als er sich schließlich umsah, bemerkte er sofort, dass dies nicht die große, geräumige
Holzhütte war, die sein Vater über Jahre hinweg liebevoll eingerichtet hatte. Es war nicht mehr als
ein kegelförmiges Gebilde, in dem, wenn überhaupt, vier Leute Platz zum Schlafen hatten. Es
standen auch keine Möbel darin; das Einzige, was er sah, war sein eigenes Lager, das aus ein paar
Büscheln Heu und Stroh und einer braunen Decke bestand. Der Rest der Hütte, wenn man es so
nennen wollte, lag voller altem Laub, das selbst die kreisrunde Vertiefung in der Mitte der
Behausung ausgefüllt hatte. Wozu diese diente, wusste Gawenn nicht. Ein Abtritt war es natürlich
nicht, doch es konnte wohl auch keine Feuerstelle sein - dieser Gedanke war ja lächerlich. Der Junge
nahm sich vor, jemanden danach zu fragen - Calett, oder vielleicht auch Koraja.
Er stand auf und nahm den langen Stoffmantel in Augenschein, unter dem er geschlafen hatte, und
den Calett ihm gestern überlassen hatte. Er war sich nicht ganz sicher, ob er ihn heute brauchen
würde. Es war ein Morgen im September, und jeder Morgen dieser Art konnte die erste Kälte, den
Vorboten des Winters, mit sich bringen. Doch diese Nacht hatte er nicht gefroren, und trotz der
vielen Lücken, die das Holzgeflecht aufwies, hielten die Hütten die Kälte draußen. Das lag, so
dachte Gawenn, vielleicht auch an dem breiten und langen Vorhang, den Calett erst gestern Abend
über der Türöffnung angebracht hatte. Schließlich entschied sich Gawenn dafür, den Umhang da zu
lassen. Er hob sein Schwert auf, welches in seiner Scheide neben seinem Lager gelegen hatte und
schlug es sorgsam in das Tuch ein, um es dann unter das Stroh seines Nachtlagers zu schieben. Er tat
dies nicht aus Argwohn, sondern rein aus Gewohnheit, ein vertrauter, alltäglicher Akt aus seinem
alten Leben.
Schließlich schlug er den Vorhang zurück und kroch durch die niedrige Öffnung hinaus ins
Sonnenlicht.

Den ersten Menschen, den er erblickte, war Katreijka. Ihr Anblick erinnerte Gawenn schlagartig
wieder an alles, was bisher geschehen war. Sie schien jedoch sehr entspannt zu sein und lächelte ihm
verschlafen zu.
"Es gibt Hühnereier", sagte sie in einem zufriedenen Tonfall. Gawenn erinnerte sich wieder an die
Hühner, die er gestern gesehen hatte. Aus der Tatsache, dass Katreijka sich so freute, schloss
Gawenn, dass sie sehr gerne aß, was man ihr auch nicht verübeln konnte. Unterwegs musste man mit
dem Vorlieb nehmen, was man gerade fand - und das waren meist nur Pilze, Beeren und Wurzeln.
Dennoch konnte er sich ein Lächeln nicht verkneifen. Dieses Mädchen überraschte ihn immer
wieder.

Beim Frühstück waren sie alle sehr wortkarg. Jeder - ausgenommen Schovani, die munter herum
tollte - hing seinen Gedanken nach. Schließlich sagte Koraja:
»Ich fürchte, wenn die anderen da sind, können wir uns nur noch zwei Mahlzeiten am Tag leisten.
Wir haben so gut wie keine Vorräte mehr.«
Katreijka seufzte. Im Geiste sah sie sich bald noch abgemagerter, als sie es sowieso schon war.
Koraja fuhr fort:
»Am besten, ich gehe gleich morgen nach Hellingen, die Ziegenmilch eintauschen. Viel mehr haben
wir nicht zum Tauschen.«
»Es wäre besser, du würdest noch ein paar Tage warten, bis die anderen da sind«, wandte Falmara
ein.
»Wir werden sicher noch mehr Dinge benötigen als nur Vorräte.« Koraja nickte stirnrunzelnd.
Wie wir diese Dinge beschaffen sollen, ist mir ein Rätsel, dachte sie.

Während die Hexenkinder mit der Arbeit begannen, sah sich Gawenn erstmals richtig in der Klamm
um. Zentral und in der Nähe der Felswand gelegen stand das größte Haus, in dem Koraja und
Schovani übernachtet hatten. Es war, wie die anderen Hütten, aus Holz, jedoch fester gebaut. Das
Dach war über die vorderste Hauswand hinaus gezogen, sodass es eine Art Terrasse bildete. In
unmittelbarer Nähe befand sich die Kochstelle, um die herum vier Baumstämme gelegt worden
waren. Das war die Stelle, an der sie bis jetzt immer gesessen und gegessen hatten. Insgesamt gab es
drei weitere Hütten; Falmaras und Caletts, welche unter einer Weide am Bach stand, dann die Hütte,
in der Katreijka übernachtet hatte, und schließlich Gawenns eigene.
Außerdem waren da noch ein Verschlag für Gerätschaften, und einer für Vorräte, in dem auch das
Tierfutter aufbewahrt wurde. Neben den Ziegen und Hühnern, die in einem Gehege mit Unterschlupf
lebten, gab es noch ein Pony, dass Koraja in Hellingen gekauft hatte, weil Schovani nicht so weit
laufen konnte, und das nun manchmal Nahrung zu transportieren hatte. Es teilte sich einen kleinen
Stall mit Epona, der Tirma von Falmara.
An die vielen Tiere, die eigentlich gar keine waren, sondern Naturgeister, musste sich Gawenn auch
erst noch gewöhnen. Diesen Morgen hatte er auch Caletts Tiergeist gesehen: Es war ein großer
Vogel mit rotem Gefieder. Gawenn hatte noch nie so ein Tier gesehen, und war schon gespannt auf
die Tirmas und Tirmos der anderen Hexenkinder.

Während er umher lief, nahm er sich vor, bald auch das andere Ende der Klamm sowie das
angrenzende Gebiet zu erkunden. Er mochte die Klamm wirklich - man fühlte sich irgendwie
beschützt. Gawenn verstand nun, warum sie für die Hexenkinder so ein gutes Versteck darstellte.
Es war sehr friedlich, man hörte nur die Geräusche der arbeitenden Bewohner, Vogelgezwitscher
und das leise Rauschen des Baches. Gawenn schlenderte zu ihm hinüber. Gestern Abend war er
schon einmal an diesem Ort gewesen, als Calett ihm kurz gezeigt hatte, wo er sich waschend konnte.
Gut verborgen hinter Gebüsch und einigen Trauerweiden, deren Zweige ins Wasser hingen,
verbreiterte sich der kleine Wasserlauf und wurde zu etwas, was man einen Weiher hätte nennen
können - nur, dass er eben einen Zu- und einen Abfluss hatte. Er war sehr klar, denn der Großteil des
Bodens bestand aus Fels - das Wasser reichte auch bis an die Seitenwände der Klamm heran, und
hatte dort bizarre Formen in das Gestein gehöhlt. Sonnenstrahlen brachen sich auf dem Wasser und
ließen es glitzern, und Gawenn bekam plötzlich Lust darauf, schwimmen zu gehen. Als er unter einer
der Weiden die Hütte sah, in der Falmara und Calett schliefen, fiel ihm etwas ein, was ihn von seinem
Vorhaben abbrachte. Calett hatte ihm gegenüber erwähnt, dass die Unterkünfte nicht für alle reichen
würden. Er lief zu Koraja, die unter dem Vordach des Hauses saß, und Schovanis Locken zu Zöpfen
flocht.
"Sag mal, wie viele Hexenkinder gibt es eigentlich?", fragte er gespannt. Koraja blickte auf und
lächelte ihn an.
"Dreizehn", sagte sie. Gawenn war erstaunt. Dreizehn Menschen mit magischen Fähigkeiten,
wahrscheinlich alle so seltsam und geheimnisvoll wie jene, die er bereits kannte! Und sie würden alle
hier her kommen, zusammen mit genau so vielen Tieren! Diese Nachricht musste er erst mal
verarbeiten. Er würde nur noch einer von vielen sein, der sich in der Menge kaum noch Gehör
verschaffen konnte...

Bald darauf hatte auch er eine Beschäftigung gefunden: Er suchte mit Katreijka und Calett in der
Umgebung nach Material, mit dem man die Hütten abdichten konnte. Da es in der Klamm nicht allzu
viele Bäume gab, oder zumindest nicht so viele, dass man sie einen Wald nennen konnte, mussten sie
an anderen Stellen nach trockenem Gras und Laub suchen. Deshalb gingen sie ein Stück weit aus der
Klamm heraus und führten Schovanis Pony, dass sie mit Weidenkörben beladen hatten, mit sich. Es
passte gerade so durch den Felsschacht am Eingang der Schlucht. Draußen gab es genug Material,
dass sie sammeln konnten. Calett versuchte, während der Arbeit munter mit ihnen zu plaudern, und
fragte Gawenn, ob er schon einmal im Hrad-Hügelland gewesen war.
"Nur einige wenige Male in Hellingen, dem Dorf im Westen", war Gawenns Antwort. "Mein - mein
Vater hatte dort einige Kunden. Er war der einzige Waffenschmied in der Umgebung." Er stockte;
über seinen Vater zu sprechen, fiel ihm schwer. Was ist mit den Antworten, die sie mir versprochen
haben, wenn ich schon auf die Hilfe warten muss?
, fragte er sich zum tausendsten Mal.
Damit war der Junge mit den feuerroten Haaren aber noch nicht am Ende seiner Rede. Er erzählte
ihm einiges über die Landschaft, in der sie sich befanden. Gawenn hätte dies unter Umständen ganz
spannend gefunden, wenn ihm nicht so viele andere Dinge durch den Kopf gegangen wären.
Und schließlich war da auch noch Katreijka, welche die meiste Zeit schwieg... irgendwie wünschte
sich Gawenn, er wäre nur mit ihr allein gegangen. Obwohl sie dann sicher auch nicht mehr
miteinander gesprochen hätten, dachte er. Kats gute Laune vom Morgen war schon längst verflogen,
und sie war wieder in ihr altes Schweigen verfallen.

Und so verging der Tag, ohne dass etwas Aufregendes passierte. Koraja und Schovani waren wieder
in den Wald gegangen, um sich nach Nahrung umzusehen, obwohl Koraja ihm gegenüber erwähnt
hatte, dass sie die Natur der Umgebung nicht ewig ausbeuten konnten. Irgendwann - und das war
wahrscheinlich sehr bald - mussten sie andere Orte absuchen, oder sich eine ganz andere Lösung
einfallen lassen. Offenbar bereitete Koraja die Versorgungslage ziemliche Sorgen.

Sie hatten es an diesem Tag geschafft, die gröbsten Lücken in Katreijkas Zelt abzudichten, und
hatten begonnen, dasselbe mit Gawenns Hütte zu tun. Auf ein weiteres Mitglied der Gemeinschaft
warteten sie vergeblich. In den Weiten Pelúriens musste man Geduld haben, wenn man auf jemanden
wartete, das wusste auch Gawenn.

Über die Hexenkinder oder die Magie lernte er an diesem Tag nichts Neues. Katreijka schwieg,
Calett redete zwar viel, jedoch nichts, was Gawenn wirklich interessiert hätte. Er war sehr nett,
jedoch hatte Gawenn nicht wirklich das Gefühl, dass er sein bester Freund werden würde.

Falmara jedoch hatte im Laufe des Tages aufgehört, ihm ständig die kalte Schulter zu zeigen und
war etwas netter geworden, wie er fand. Im Grunde genommen waren sie sich gar nicht so
unähnlich, dachte er. Sie musste sich an eine neue, unbekannte Person gewöhnen, und er an eine
völlig neue Lebenssituation.
Als er abends zusammen mit ihr auf der Terrasse saß, musste Gawenn wieder an das erste
Hexenkind denken, dem er begegnet war, und daran, wie Katreijka ihn behandelte. Er glaubte nicht,
dass das ihre übliche Art war. Sie schien etwas zu verstecken, von dem sie nicht wollte, dass es
jemand sah, und das sie mit ihrer manchmal hochmütigen und kalten Art zu überspielen versuchte. Er
fragte Falmara:
»Du bist doch mit Katreijka aufgewachsen. War sie schon immer so?«
»Wie denn?«
»So sprunghaft, einmal ganz nah, und dann wieder ganz abweisend. Sie behandelt mich, wie es ihr
gerade passt. Und sie ist so misstrauisch.« Falmara dachte eine Weile nach.
»Ein bisschen... sprunghaft, wie du sagst, ist sie schon immer gewesen, ja. Vom Wesen her ist sie
eng verbunden mit ihrem Tiergeist. Aber misstrauisch war sie früher nie... Ich fürchte, das ist meine
Schuld. Ich habe sie verraten und im Stich gelassen und damit sehr verletzt«, sagte Falmara mit
tonloser Stimme. »Außerdem wurde sie, obwohl ich genau das damals hatte verhindern wollen, vom
gelben Orden verfolgt, und ihren Andeutungen nach beinahe gefangen genommen worden. Sie weiß
einfach nicht mehr, wem sie noch vertrauen kann«, seufzte das Mädchen. Sie schwiegen eine Weile.
Offenbar war er hier wirklich auf eine Art Familiendrama gestoßen, bei dem auch Calett eine Rolle
zu spielen schien, dachte Gawenn. Schließlich fragte Falmara:
»Du magst sie sehr, nicht wahr?« Er nickte, wissend, dass es keinen Sinn haben würde, diese
Tatsache vor Katreijkas Ziehschwester verbergen zu wollen. Diese seufzte erneut und sagte dann:
»Lass ihr einfach ein bisschen Zeit. Sie wird sich schon wieder fangen.« Im Stillen nahm sie sich aber
vor, Katreijka ins Gewissen zu reden, sobald sich die Gelegenheit dazu bieten würde. Niemand hier
durfte so mit den anderen Hexenkindern umgehen. Und erst recht nicht Katreijka, die als das fünfte
Element ihre Führerin war. Höflichkeit galt als oberstes Gebot, denn sie konnten es sich nun wirklich
nicht leisten, sich erneut zu entzweien.

[Dieser Beitrag wurde am 12.08.2007 - 17:13 von Aerowen aktualisiert]





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...   Erstellt am 07.08.2007 - 15:02Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Aerowen schrieb

    Ach ja: Wenn ich irgendow was vergessen hab, kursiv zu machen (wie die letzten Male), bitte melden. Ich überseh sowas manchmal.


Ich weiß nicht, ob es an mir liegt.. aber kursiv ist da nichts, oder?





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