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Aerowen ...
Schreib-Ass


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...   Erstellt am 17.05.2007 - 15:43Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hier ist er: Mein Prolog des 13. Hexenkindes meiner Pelúrien-Saga (wenn ich sie als solche bezeichnen darf). Ihr dürft euch jetzt darum reißen
Nein, im Ernst. Irgendwann muss ich ja mal anfangen damit... ich sage mir jetzt einfach: 'Er ist jetzt gut so.' Mhm, ich schweife schon wieder ab...




Prolog - Katreijka erzählt:

“Vor Äonoen von Jahren war nur das Nichts, ohne Zeit und Raum. In ihm bewegten sich nur die Götter, die ewigen Urgewalten. Vereint waren sie eine reine, riesige Energie, obgleich jeder Einzelne von ihnen anders war.

Doch eines Tages ward von allen Göttern, die auf der Welt verehrt werden, von dieser riesigen Energie die Erde geschaffen - ein gewaltiger Planet, voll von unzähligem Leben.
Sie wurde erschaffen, auf dass alle Lebewesen sich diesen Planeten friedvoll teilen, um auf ihm für
immer leben zu können.

Magische, tierische und vernunftbegabte Wesen wandelten in allen Regionen der Erde, und passten
sich ihren Bedingungen an. Es existierten vielzählige, bedeutende Rassen; kleine, unscheinbare; kluge und geschickte - jedem Volk wurde eine andere Gabe geschenkt.

Eine dieser Rassen waren die Menschen. Sie waren ein aufrechtes, stolzes Vollk, von scharfem Verstand, großem Wissen und ebenso großer Stärke.
Doch sie besaßen keinerlei übersinnliche Kräfte, weshalb sie die magischen Völker bald beneideten.
Und da sie auch niemals weise waren, erkannten sie weder ihre eigenen Stärken, noch dass jedes Volk etwas Besonderes war und nur alle zusammen eine Gemeinschaft bildeten.
Ihre größte Schwäche aber war der Wunsch, andere Lebewesen zu unterwerfen und die ganze Welt mit all ihre Schätzen und Gütern zu erobern.
Und aus diesem Wunsch und aus dem Neid waren die Menschen die allerersten Wesen, welche je die Waffen erhoben. Sie fingen an, gegen die anderen Völker Krieg zu führen, und waren durch ihre Gier dabei gefühllos und blind.

So schafften sie es tatsächlich, große Teile der Erde einzunehmen und die anderen Lebewesen daraus zu verbannen. Als sie schließlich begannen, die Götter in Frage zu stellen und diese zu überflügeln, konnten jene, die weise und friedfertig waren, die Ungerechtigkeiten nicht mehr mit ansehen.
Da sie aber neutral waren und deshalb auch den Menschen keinerlei Gewalt antun durften, blieb
ihnen nichts anderes übrig, als die Menschen von den anderen Völkern zu isolieren.
Und so beschlossen sie gemeinsam mit allen anderen Wesen, die eine Welt in mehrere aufzuspalten und
durch eine große Energie von einander zu trennen.

Und so wurde die Welt geteilt, und alle magischen Völker besiedelten gemeinsam eine Welt, und
die Götter eine andere. Nur die Tiere, sowie einige wenige magische Wesen, die sich den Menschen
auf die ein oder andere Art verbunden fühlten, wollten bei ihnen bleiben und sich ihre eigenen
Nischen schaffen. Und damit all jene weiter existieren konnten, entschloss sich auch die große
Göttin der Erde, die Natur, bei ihnen zu bleiben.

Nun gab es also vier Welten: Die der magischen Wesen und die der Menschen und Tiere, sowie die
spirituellen Ebenen der Götter und der Toten, in deren Reich alle Wesen als bloße Seelen ohne
Körper wieder vereint wurden.
Und alles, was von dem Urzustand blieb, waren die Märchen, Mythen und Legenden der Menschen und ihr Glaube an die Götter. Nur ein paar wenige, geheime Tore zwischen den Welten wurden offen gelassen, damit alle anderen Wesen in Verbindung miteinander bleiben konnten.

Da die Götter aber Mitleid mit den Menschen hatten, entschlossen sie sich, ihnen noch eine Chance zu geben, sobald sie soweit waren. Sie wollten einige wenige menschliche Wesen mit magischen Kräften ausstatteten, mit deren Hilfe diese die Fehler der Menschheit erkennen und beheben sollten.
Und so setzten sie in einer einzigen Nacht an einem geheimen Ort in der Menschenwelt eine große Energie frei, welche die richtigen Menschen auswählen und die Kräfte übertragen sollte. Dieser Ort wurde von den Eingeweihten fortan nur noch Meiya, Ort des Ursprungs genannt.
Und alle weiblichen Kinder, die im Gebiet der ausgesendeten Energiewellen in jener Nacht geboren
wurden, wurden zu Hexen.
Und die Götter prophezeiten, dass es drei Generationen von ihnen geben würde, die sich in der
Anzahl der Angehörigen bis zur dritten stetig verringern würde, aber sich in der magischen Stärke
ihrer Mitglieder gleichermaßen vergrößern würde. Sie sollten alles Unheil unter den Menschen
abwenden und diese innerlich verändern, um eines Tages die Welten wieder vereinen zu können.

Und so entstand unsere Gemeinschaft, denn wir sind die Kinder der Hexen, wir sind die zweite Generation. Und es ist unsere Aufgabe.”

[Dieser Beitrag wurde am 15.06.2007 - 09:23 von Aerowen aktualisiert]





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TheFab ...
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...   Erstellt am 17.05.2007 - 16:36Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Wow!

Schöne, gefühlvoller Prolog!
Der ist dir echt gut gelungen. Interessant und schön zu lesen. Er gefällt mir. Ich freue mich schon auf das erste Kapitel.
Es stecken über die Menschen auch einige Wahrheiten drinnen... Bin echt gespannt wie es weiter geht. *g*





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MfG,

TheFab

Aerowen ...
Schreib-Ass


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...   Erstellt am 18.05.2007 - 09:57Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


*froi*
Dann post ich des gleich mal... obwohls noch nicht betagelesen wurde. Ich kanns ja dann im Nachhinein überarbeiten.





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Aerowen ...
Schreib-Ass


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Registriert seit: 07.04.2007
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...   Erstellt am 18.05.2007 - 10:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Habe ein paar geringfügige Änderungen am Ausdruck vorgenommen.




Die Begegnung

Sie gähnte und streckte sich. Dann legte sie das schwere Buch zur Seite und schob die raue, braune Decke weg. Die Dielen knarrten, als das Mädchen im Zimmer umherging. Katreijka zog ihren Schatz aus dem Lederbeutel, einen Kamm aus Fischgräten und machte sich daran, ihre langen, seidenglatten Haare zu kämmen. Dann sah sich sich um und sammelte ihre wenigen Sachen vom Fußboden. Eigentlich war das eine vortreffliche Unterkunft, dachte sie. Groß und geräumig, und das Dach war noch fast vollkommen dicht. Sie hatte sogar noch etwas unverfaultes Stroh gefunden, auf dem sie schlafen konnte. Zuerst hatte sie nicht verstanden, warum mitten im Wald eine Scheune mit Heuboden stand. Doch dann war sie beinahe über die schwarz verkohlten Überreste der Grundmauern eines Holzhauses in der Nähe gestolpert. Es war ein Wunder, dass die Scheune überhaupt von dem Feuer verschmäht worden war. Nach dem Zustand, in dem sie sich befand, zu schließen, konnte es noch nicht all zu lange her sein. Den Bruchteil einer Sekunde lang dachte Katreijka an den Jungen, der den Brand hätte verhindern können. Doch das Mädchen verscheuchte den Gedanken wieder schnell, denn er kam ihr wie eine lästige Fliege vor. Sorgfältig rollte sie die Decke ein, band sie mit einem Lederriemen zusammen und befestigte sie an den Trägern des Rucksacks. Dann schnallte sie den grünen Gürtel mit dem Langdolch um und nahm ihr Bündel. An der Dachluke drehte sie sich noch mal um, um das Buch zu betrachten. Es lag auf dem dunklen Stroh, der braune Ledereinband schon rissig und vom Stockschimmel befallen. Es würde nicht lange dort liegen bleiben, das wußte sie. Schließlich seufzte sie und stieg rückwärts die Leiter ins Erdgeschoss hinunter.
Als sie das Scheunentor aufschob, blinzelte sie ins schon heller werdende Tageslicht. Nebel lag auf den Wiesen ringsum, und eine blutrote Sonne stieg hinauf in den Morgenhimmel. Unwillkürlich fröstelte Katreijka, als sie aufblickte. Ein unangenehmes Gefühl sammelte sich in ihrer Magengrube. Sie hoffte nur, es lag daran, dass sie nun schon seit über einem halben Tag nichts mehr gegessen hatte, und nicht an dem Himmelsgestirn.
Sie atmete tief durch und stieß einen Pfiff aus, bestehend aus einem hohen und einem tiefen Ton. Fast augenblicklich huschte ein Schatten durch das taunasse Gras, und als die ersten Sonnenstrahlen auf ihn trafen, stellte er sich als eine schwarze Katze mit weißen Ohrspitzen und grünen Augen heraus. Sie hatte die Größe einer Wildkatze.
»Shí, da bist du ja endlich!« rief Katreijka, froh, wieder mit jemanden sprechen zu können. »Warst du die ganze Nacht draußen?« Die Katze sprang in die Arme des Mädchens und schnurrte zutraulich.
»Hast du die Sonne gesehen?« Die Katze blickte sie ernst an. »Ich hoffe, ich bilde mir das nur ein, aber ich glaube, wir müssen wirklich ins Lager...« Stumm erzählte sie der Wildkatze von ihren düsteren Vorahnungen. »Denkst du, er hat gewusst, dass ich kommen würde? Werden wir vielleicht
verfolgt?« Bei diesem beunruhigendem Gedanken drehte sich Katreijka um, und ließ ihren Blick über die Lichtung schweifen. Auch wenn das nicht viel nützte, denn die Späher ihres möglichen Verfolgers waren geschickt. Sie würden sich nicht so einfach blicken lassen.
Die Katze sprang zurück ins Gras und schüttelte den Kopf.
Ich hatte nicht das Gefühl, gab sie Katreijka zu verstehen. Wir sollten uns jetzt nicht verrückt machen lassen. Einen Moment später antwortete Katreijka:
»Ich hoffe, dass du Recht hast. Ansonsten können wir es nämlich nicht riskieren - wenn er unseren Zufluchtsort findet, dann sind wir erledigt.« Und selbst, wenn er nicht weiß, wo wir uns aufhalten, weiß er dennoch von unserer Existenz. Und darum fürchte ich, dass es nicht bei diesem Buch bleiben wird. Er wird weiter versuchen, einen von uns zu ködern ...
Außerdem hatte ich letzte Nacht diesen Traum...
Das Mädchen schluckte. Mutter hat mich an meine Aufgabe erinnert. Das ist kein Zufall, wie du weißt. Ich - ich kann meinen Gefühlen keinen Vorzug mehr geben... Katreijka brach die geistige Verbindung plötzlich ab und ging los in Richtung Waldrand, wo ein schmaler Pfad zwischen den hohen Bäume verschwand. Sie drehte sich noch einmal zu der Stelle um, an der die Katze besorgt im Gras saß und ihrer Freundin nachblickte. »Komm schon! Morgen früh könnten wir da sein, wenn wir die Nacht durchgehen.«

Die Sonne hatte ihren Höchststand überwunden, als Katreijka und ihre Begleiterin sich erneut ihren Weg durch einen dichten Wald bahnten. Sie waren unterwegs durch ein sanftes Tal gekommen, dicht bewachsen mit Apfelbäumen. Katreijka hatte sich erleichtert den Rucksack mit den frühreifen Früchten vollgepackt, Shíuala hingegen hatte nur eine angewiderte Miene aufgesetzt, sich eine Maus gefangen, und gefragt, wem Katreijka da wieder einmal die Ernte schmälerte.
»Es sind nur ein paar Früchte«, hatte diese entnervt geantwortet. »Während du wahrscheinlich eine Mutter, die für zehn Mäusebabys sorgen muss, um die Ecke gebracht hast.« Daraufhin hatte Shí beharrlich geschwiegen. Ihr ging genauso viel im Kopf herum wie Katreijka, die jetzt ein irres Tempo vorlegte. Auf der einen Seite war Shíuala froh, dass sie endlich etwas unternahmen gegen die Macht, welche das Land seit Jahren bedrohte. Aber das hätte schon viel früher geschehen müssen, denn die nahende Herrschaft eines schwarzen Magiers zu brechen erforderte mehr Kraft und Zeit, als sich das Hexenkind bis jetzt im Klaren war. Und es würde gefährlich werden, sehr gefährlich... Wieder einmal fragte sich Shí, wie alles gekommen wäre, wenn sie sich nicht entschieden hätte, Katreijka zu begleiten, sondern bei Falmara geblieben wäre. Vielleicht wären sie alle dann noch zerstreuter... oder es hätte geholfen, die beiden Schwestern wieder zu vereinen.
Aber es war nicht ihre Aufgabe, über das Schicksal nachzudenken. Die Entscheidungen mussten von den Hexenkindern selbst getroffen werden, eine Tirma sollte dabei nur beraten und bei der Umsetzung helfen.

Der Wald war so dicht mit Fichten bewachsen, dass es beinahe nachtdunkel war. Shí, die den besseren Orientierungssinn hatte, lief voran (nicht zuletzt, damit das Mädchen nicht ihre Gedanken
las) und Katreijka folgte ihrer Tirma. Plötzlich blieb sie stehen und horchte angestrengt. Schritte waren im Unterholz zu hören, doch sie waren so schnell, dass das Mädchen nicht ausmachen konnte, aus welcher Richtung sie kamen. Sie wollte schon Shíuala zurückrufen, als die klopfenden Geräusche lauter wurden. Zu spät war ihr bewusst geworden, dass sie von rechts kamen, denn da war sie bereits mit voller Wucht von etwas oder jemandem zu Boden gestoßen worden.
Verärgert pustete sie sich ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. Shíuala turnte bereits auf Katreijka herum und versuchte, ihr das Gesicht abzulecken.
»Schon in Ordnung, Shí! Lass das!« Sie sah immer noch nichts und ihr dröhnte der Schädel. Da sprach plötzlich jemand.
»Ist alles in Ordnung? Tut mir leid, dass ich dich umgerannt hab.« Eine Hand erschien in ihrem Blickfeld. Katreijka packte sie und die Person, die eben gesprochen hatte, zog sie hoch. Es war ein junger Mann, oder eher noch ein Junge. Während er da stand, und versuchte, so außer Atem, wie er war, ein paar weitere Worte herauszubringen, musterte Katreijka ihn. Er hatte strubbeliges, kurzes Haar, dessen genaue Farbe im Halbdunkel nicht zu erkennen war, jedoch irgendwo zwischen blond und braun liegen musste. Sein Gesicht war schmal mit einem spitzem Kinn und er hatte große Augen, die in der Dunkelheit glitzerten. Er war genauso groß wie sie, und ziemlich schmächtig, hatte jedoch Schwielen an den Händen - das hatte sie bemerkt, als er sie - mit ganz schöner Kraft - hochgezogen hatte.
Alles, was er trug, war ein einfacher Kittel über einem Paar abgerissenen Hosen und Sandalen, deren Riemen nicht einmal aus Leder waren, sondern aus Strick. Seine Beine waren da, wo sie frei waren, übersät mit Kratzern von dem Spurt durch das Unterholz. Es war unschwer zu erkennen, dass der Junge aus der untersten Schicht stammte. Als er ihre Blicke bemerkte, klopfte er sich verlegen an den schmutzigen Sachen herum, wodurch Katreijka erst den intensiven Rauchgeruch, der daran haftete, bemerkte. Sie vergaß alles andere und fragte bestürzt:
»Was ist passiert?«
Der Junge holte tief Luft und begann, immer noch aufgeregt, zu sprechen.
»Ich muss... muss Hilfe holen, hab keine Zeit.« Katreijka schüttelte ungeduldig den Kopf und sagte:
»Jetzt nicht.« Wenn es wirklich so dringend war, wie der Junge sagte, würde es viel schneller gehen, wenn Katreijka selbst auf magische Art in seine Erinnerungen eindrang.
»Hä? Was soll das heißen - was machst du da?« Er war noch verwirrter, als Katreijka ihm ihre Hände fest auf die Schultern legte und die Augen schloß.
»Still jetzt«, sagte sie konzentriert und bereitete sich auf die Erinnerungen vor, die sie gleich darauf sehen würde. Der Junge bemerkte zunächst nur ihre Fingernägel in seinen Schultern und ein seltsames Schwindelgefühl in seinem Kopf, als Katreijka begann, in seinen Geist einzudringen. Doch dann sah er die Ereignisse, die eben passiert waren, noch einmal rasend schnell vor seinem geistigen Auge vorbeiziehn. Plötzlich schrie Katreijka auf und brach die Verbindung ab. Die Gedanken rasten in ihrem Kopf, als sie selbstvergessen zurück auf den Waldboden sank. Was war das nur gewesen - das konnte doch nicht sein... Ungläubig wandte sie sich an Shíuala, ihre Tirma:
In diesem Jungen steckt mehr, als man sieht. Ich habe gesehen, was ihm passiert ist - die Schergen des Hexenmeisters haben sein Dorf überfallen -, aber irgendwann bin ich gegen eine Wand gestoßen... du weißt, was eine Mauer im Gedächtnis bedeutet... Shí blickte sie unverwandt aus ihren grünen Augen an und sah dann hoch.
Der Junge.
Auf diese mahnenden Worte hin wandte Katreijka sich ihm und seinem Problem wieder zu. Er beobachtete sie gebannt. »Ich weiß Bescheid, Gawenn«, sagte sie, sich aufrappelnd. »Ich sah, was du sahst, und es war der Dunkle. Aber ich weiß nicht, wofür er eure Männer braucht.« Gawenn unterbrach sie:
»Aber wie - woher...« Sie winkte ab, zog eine Halskette aus ihrem Ausschnitt hervor und sah sich nach ihrer Katze um.
»Das spielt jetzt keine Rolle. Wichtig ist, dass wir deinem Dorf helfen. Weißt du, wohin die Überlebenden des Überfalls geflohen sind?« Der Junge namens Gawenn nickte.
»In die Höhlen im Wald, östlich der Ortschaft.« Nicht genau wissend, worauf Katreijka hinaus wollte, ergänzte er: »Es ist einfach zu finden.« Sie nickte als Zeichen, dass sie verstanden hatte und sagte:
»Und die nächste Siedlung, wo du hin wolltest, liegt in dieser Richtung?« Sie deutete den Hang auf der anderen Seite des Weges hinauf.
»Ja, auf der anderen Seite des Hügels«, bestätigte Gawenn, immer noch verwundert. »A - aber... wie willst du mir denn helfen - ich meine, du bist doch nur... ein Mädchen«, sagte er verlegen.
Tia, nach etwas anderem sehe ich auch nicht gerade aus, dachte Katreijka und seufzte.
»Wenn es doch nur so wäre.« Sie wandte sich ihrem Tiergeist zu, der alles mitbekommen hatte. »Pass auf, Shí, du musst Hilfe holen. Alles brennt, und es gibt Verletzte. Schaffst du es, die Leute, die dort hinten wohnen, in das Dorf zu bringen?«
Ich tue, was immer getan weden muss, gab die Katze ihr zu verstehen. Katreijka nickte und setze ihre Rede fort.
»Finde diese Höhlen und wenn alles in Gang gesetzt ist, folge so schnell wie möglich meinen Spuren zum Ort des Ursprungs.« Es ist soweit. Die Hexenkinder werden sich versammeln, und entscheiden, ob wir etwas unternehmen werden gegen den Dunklen. Wir haben eigentlich gar keine andere Wahl, und die Zeit ist mehr als reif, das sagen all die Zeichen. Und ihn werde ich mitnehmen. Ich habe das Gefühl, dass das die richtige Entscheidung ist.
Ich vertraue dir., antwortete Shíuala. Sie rieb ihren Kopf kurz an der Hand ihres Schützlings, womit sie sich gegenseitig Glück wünschten. Dann sprang Shíuala vom Weg und zwischen die Bäume davon.
»Geht dieses Tier da jetzt etwa alleine hin«, fragte Gawenn, der Shí verblüfft nachstarrte.
»Ja, und sie ist kein Tier, nur dem Aussehen nach. Zu kompliziert, dir das jetzt zu erklären. Deinem Dorf wird geholfen werden, aber das, was deiner Heimat wiederfahren ist, ist schon vielerorts passiert, und wir müssen nach der Ursache dafür suchen. Hör mir jetzt genau zu, das ist wichtig: Ich glaube, du kannst mir dabei helfen.« Gawenn sah sie gebannt an. »Kannst du mir ein paar Fragen
beantworten?« Er nickte.
»Gut. Was weißt du über deine Vergangenheit?« Verglichen mit den anderen Dingen, die geschehen waren, seit er mit diesem Mädchen, dessen Namen er noch nicht einmal kannte, zusammengestoßen war, fand Gawenn diese Frage nicht sehr sonderbar, es kam nur selten vor, dass ihn jemand danach fragte.
»Nicht viel, leider, denn ich weiß nicht, wer meine richtigen Eltern sind. Ich wurde als Baby von Leuten aus Nest, dem Dorf, in dem ich lebe, gefunden. Ein Mann nahm sich meiner an und zog mich als seinen Sohn auf. Er ist Schmied, und ich lerne bei ihm - zumindest bis jetzt, denn er wurde auch von diesen Männern verschleppt.«
»Das passt zusammen.«, sagte Katreijka gedankenvoll.
»Was«, wollte Gawenn wissen.
»Ich erkläre dir alles unterwegs, wenn du mit mir kommst, zu Anderen, die uns helfen werden. Wirst du das tun?«
Gawenn zögerte. Sollte er wirklich mitgehen? Er kannte dieses Mädchen nicht, er wusste nicht, wohin sie gehen wollte, und was das alles mit ihm zu tun hatte. Sie hatte all die wundersamen Dinge getan, und sich mit einer Katze unterhalten - dem Tier des Bösen. Aber sie hatte gesagt, sie würde ihm helfen, und er würde ohnehin nicht viel zurück lassen. Sein Vater, mit dem er allein gelebt hatte, war jetzt nicht mehr da, und das Haus zerstört.
»Und - wir werden versuchen, meine Leute zu befreien«, fragte er.
»Ich kann es dir nicht versprechen, aber wir werden es versuchen. Und vielleicht wirst du noch etwas anderes herausfinden, über dich und deine Vergangenheit«, antwortete Katreijka. Obwohl das einfach unglaublich wäre.
»Na gut. Ich komme mit dir«, willigte Gawenn ein.
»Sehr gut. Es wird ein, zwei Tage dauern, bis wir da sind, aber wir können uns nicht damit aufhalten, noch Reisegepäck für dich zu holen, wenn wir überhaupt welches finden würden. Aber hast du irgendwelche Erbstücke zurückgelassen, irgendetwas Wertvolles, was du bei dir hattest, als man dich damals, als Baby fand? Das ist wichtig«, fragte Katreijka angespannt. Gawenn dachte nach.
»Nein, nur mein Schwert.« Er wies auf die Scheide, die an seinem Gürtel hing, und die Katreijka noch nicht gesehen hatte. Darin steckte offenbar ein Kurzschwert. Katreijka wunderte sich; ein Schwert als Verstärker von magischen Kräften? Dann müsste es ja ganz aus Elfenkristall bestehen, dachte sie.
»Kann ich es sehen«, verlangte sie. Das war alles entscheidend; obwohl sie nicht wusste, ob sie überhaupt etwas sehen würde. Gawen zog sein Schwert geschickt aus der Scheide. Katreijka war sich sicher, dass er damit perfekt umgehen konnte.
»Ich hab es selbst gemacht«, sagte er stolz und hielt die Schneide in einen einzelnen Sonnenstrahl, der durch das Blattwerk fiel. Es glänzte so sehr, dass es Katreijka blendete. Der Junge mochte es
offenbar nicht aus der Hand geben, aber sie sah auch so den großen Edelstein, der im Griff eingebettet war. Sie berührte ihn mit den Fingerspitzen, und ob es nur Einbildung war oder nicht, sie glaubte, dabei ein leichtes Kribblen zu spüren. Gawenn sah Katreijkas Interesse an dem Stein und sagte leise:
»Den aber hatte ich schon bei mir, als ich gefunden wurde.« Katreijka nickte. Das war eigentlich eindeutig; ein Findelkind mit einem Edelstein. Aber seltsam war es, dass seine Kräfte, trotzdem er den Stein schon ewig besaß, offenbar noch nicht aktiviert waren. Sie musste ihn auch danach fragen. Entweder irrte sie sich doch; oder es steckte noch etwas anderes dahinter.
»Gawenn«, murmelte sie. »Das ist doch pelúrisch...« Das konnte nicht sein wahrer Name sein. Wenn er ein Hexenkind war, dann musste er einen Namen in der alten Sprache der Götter haben. So wie sie, Katreijka - Lebenspuls. Ob das vielleicht der Grund war?
Wie auch immer, sie vertraute ihrem Instinkt, und der sagte ihr, dass sie den Jungen mitnehmen sollte. Außerdem mochte sie sich jetzt schon nicht mehr von ihm trennen... Warum auch immer, er hatte sie fasziniert, das musste sie zugeben.
Sie konzentrierte sich wieder auf ihr Vorhaben, sie hatten schon genug Zeit verloren. Katreijka beobachtete Gawenn; es ging wohl nicht anders, als dass er dabei zusah, wie sie die anderen Hexenkinder rief. Sie umfasste ihren eigenen Halsstein mit beiden Händen und schloss erneut die Augen. Der Stein begann in ihrer Faust zu leuchten, und wurde immer heller, bis das weiße Licht durch ihre Finger hindurch brach. In diesem Moment würden die Steine aller Hexenkinder ebenfalls warm werden und strahlen - nun konnte Katreijka nur noch hoffen, dass sie auch kommen würden. Sie spürte Aufregung bei dem Gedanken, dass sie dann zum ersten Mal alle zusammenarbeiten würden. Voller Tatendrang lächelte sie Gawenn an und sagte: »Dann lass uns nun gehen, Gawenn. Retten wir Pelúrien.«

[Dieser Beitrag wurde am 19.06.2007 - 21:09 von Aerowen aktualisiert]





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Sturmvogel 
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...   Erstellt am 19.05.2007 - 20:25Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


also... mit mir hast du eine leserin mehr! Eindeutig!

Ich find den prolog SEHR spannend - das macht richtig lust auf mehr. Und glaub mir, ich höre jetzt ganz bestimmt nicht auf zu lesen.

Du schreibst serh schön, detailiert, allerdings könntest du vielleicht noch ein bisschen mehr auf die gefühle eingehen, denn sowas interessiet mich immer wahnsinnig...vor allem die Gefühle des Jungen
(das kann aber auch an mir liegen - in meinen geschichten werden gefühle immer gaaaanz genau beschrieben^^)

also, weiter so! Wenn das alles so schön bleibt oder besser wird, prima... und einen "leistungsabfall" was den schreibstil angeht vermute ich bei dir gar nicht




Aerowen ...
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...   Erstellt am 19.05.2007 - 20:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hey! Danke für den Kommentar "Wollt ihr das zweite Kapitel?"
Sturmvogel: Die Gefühle interessieren mich auch immer am meisten, also wirst du diesbezüglich nichts zu befürchten haben Ich werde mir große Mühe geben, sie darzustellen (das passiert auch im 2. Kapitel schon) und ich kann auch schon mal verraten, dass es noch eine gefühlsmäßig richtig große Tragödie geben wird, nur alleine zwischen den ersten Beiden Charakteren, die vorgestellt werden. Und dann gibt es ja noch 11 andere Also: Gefühle für alle!





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Sturmvogel 
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...   Erstellt am 19.05.2007 - 20:43Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


oooh, damit machst du mich gerade glücklich ^^

gut, ich hab jetzt auch nicht viel erwartet an geühlen, du hast ja "Prolog" dazugeschrieben... also ich lass mich mal überraschen

und: NAtürlich wollen wir das zweite kapitel




Aerowen ...
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...   Erstellt am 19.05.2007 - 20:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


2. Kapitel - Erschütternde Erkenntnisse

Gawenn folgte dem Mädchen nun schon eine Zeit lang, ohne dass sie viel miteinander gesprochen hatten. Ihm lagen so viele Fragen auf der Zunge, dass er nicht wußte, mit welcher er beginnen sollte. Obwohl sie ihn anscheinend brauchte, strahlte das Mädchen so viel Feindseligkeit und Abneigung aus. Sie hatte ihm ja noch nicht mal ihren Namen gesagt. Zügig lief sie vor ihm her, und so rief er ihr nach:
»Wie heißt du eigentlich?« Nach kurzem Zögern drehte sie sich um und blieb stehen, bis er sie eingeholt hatte.
»Katreijka«, sagte sie. Gawenn sah sie verblüfft an. Was war das denn für ein Name? Sie beantwortete seine stumme Frage von selbst: »Es bedeutet Lebenspuls in einer fremden Sprache, die du nicht kennst.«
»Kat - reijka«, wiederholte er langsam. Und, leiser: »Er ist irgendwie schön.«
Eine fremde Sprache, hatte sie gesagt... welche das wohl sein mochte... er hatte noch nie von einer anderen als der eigenen gehört, die selbst - wenn auch abgewandelt - in den Kolonien gesprochen wurde. Aber das konnte sie nicht gemeint haben. Ihr Name klang so ganz anders als die pelúrischen. Wie auch immer, seine Frage hatte sie wohl nicht zum Reden angeregt, denn das Mädchen lief schweigend weiter, wenn auch nun gleich auf mit Gawenn. Verärgert fragte er:
»Muss ich dir alles aus der Nase ziehen oder sagst du mir nun endlich mal, was hier vorgeht? Katreijka?« Als sie den letzteren Teil gehört hatte, sagte sie unwirsch:
»Gebrauche diesen Namen nicht leichtfertig! Seine Aussprache birgt die Kontrolle über mich.« Obwohl ihn diese Aussage verwunderte, fand er die Vorstellung ganz angenehm. Das Mädchen namens Katreijka machte wieder den Mund auf:
»Also, was willst du als erstes wissen?«
»Wo genau wir nun eigentlich hingehen, wie weit es bis dahin ist und wer diese anderen sind, von denen du gesprochen hast«, antwortete er ohne zu zögern. Katreijka seufzte. Sie hatte einfach nicht so richtig gewusst, wo sie anfangen sollte. Dieses Gespräch würde genauso lang werden wie ihr Weg.
»Wir gehen zu einem Ort, der ungefähr anderthalb Tagesmärsche - vielleicht fünfzig Meilen - nordöstlich von hier liegt. Er heißt Ort des Ursprungs, und liegt im Süden des Hrâd-Hügellandes. Es ist eine breite und hohe Klamm - das ist ein Ort, wo sich ein Fluss in ein Felsmassiv gegraben und es ausgeweitet hat.«
»Ich hab noch nie davon gehört«, unterbrach Gawenn sie aufgeregt.
»Unterbrich mich nicht«, sagte sie unsanft. »Und du kannst noch nie davon gehört haben, weil es ein geheimer Ort ist. Nur meine... meine Verbündeten und ich kennen ihn. Hoffen wir zumindest. Er ist gut versteckt, und das Hrâd-Gebiet wurde seit Jahrzehnten nicht mehr von Menschen betreten.«
»Dann vertraust du mir«, fragte Gawenn, ihre Rüge von eben außer Acht lassend. Das war für ihn die alles entscheidende Frage.
»Ich muss«, antwortete Katreijka brummig. »Du vergisst, dass ich deine Erinnerungen gesehen
habe. Und die können nicht lügen.« Schaudernd dachte Gawenn an die Erfahrung, die er vor ein paar Stunden gemacht hatte. Es war wirklich seltsam gewesen, eine fremde Stimme in seinem Kopf zu spüren.
»Wie hast du das eigentlich gemacht«, wollte er wissen.
»Du kannst nicht alle Fragen auf einmal stellen. Du wolltest zuerst etwas anderes wissen, oder«, wies sie ihn schon wieder zurecht. Wenn sie mir vertraut, könnte sie ruhig ein bisschen netter sein, dachte Gawenn, murmelte dann aber etwas Zustimmendes.
Katrejika fuhr fort. »Zudem ist dieser Ort zusätzlich geschützt. Und damit sind wir auch schon bei deiner dritten Frage.« Sie machte eine Pause. »Gawenn, ist dir schon einmal etwas passiert, was du dir nicht erklären konntest?« Gawenn grinste, denn das war einfach.
»Ja. Heute«, antwortete er. Katrejika seufzte.
»Früher, meine ich.« Gawenn dachte nach. Zuerst wollte er mit ‘nein’ antworten, aber dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.
»Aber ja! Mein - mein Schwert, ich habe es in nur drei Stunden geschmiedet, obwohl das eigentlich gar nicht möglich ist!« Sie blieb abrupt stehen und sah ihn eindringlich an.
»Davon habe ich noch nie gehört«, sagte sie. »Bist du dir sicher?«
»Aber ja doch! Ich kann mich noch ganz genau an den Stand der Sonne erinnern.«
»Wie ist das nur möglich«, murmelte Katreijka verwundert. »Passiert dir so was öfter?«
»Ich... ich weiß nicht«, antwortete Gawenn zögerlich. »Manchmal... manchmal, da kann ich mich nicht mehr an Sachen erinnern, die ich getan habe... und manchmal weiß ich die Tageszeit, obwohl ich stundenlang weder auf ein Stundenglas, noch die Sonne gesehen habe... das ist doch seltsam, oder?!« Das war es in der Tat. Katreijka wußte nicht, ob es möglich war, mit Magie die Zeit zu manipulieren - dazu würde sie Galahan fragen müssen, der das Meiste über Magie und ihre Geschichte wußte.
»Solche Dinge meine ich«, sagte sie schließlich. »Dinge, die einem passieren, und die man sich aber nicht erklären kann. Aber es gibt auch dafür eine Begründung.« Sie schwieg eine Weile und dachte genau darüber nach, wie sie fortfahren sollte. »Du hast mich erst gefragt, wie ich in deine Erinnerungen geschaut habe. Ich Grunde genommen genauso , wie ich meinen Stein zum Leuchten gebracht habe, und wie ich mich mit meiner Katze unterhalten habe. Mit Magie.« Gawenn war völlig perplex. Er wollte ihr ins Wort fallen, aber es kam nur ein Stottern heraus. »Sag erst mal nichts«, sagte Katreijka so sanft, wie sie konnte. »Magie ist auch die Erklärung für die seltsamen Erfahrungen, die du mit der Zeit gemacht hast. Ich habe magische Kräfte. Ich kann in den Geist anderer Menschen eindringen, in ihre Erinnerungen, ich kann ihre Gedanken lesen. Und ich kann sie meine Gedanken hören lassen.«
»A-Aber... das kann nicht sein... das ist nicht möglich«, hauchte Gawenn. Er setzte sich ins Gras. Seine Knie zitterten. Auf einmal wollte er nicht mehr weiter gehen, nicht mehr mit diesem eigenartigen Mädchen zusammen sein. Ihm war mehr nach Weglaufen zumute.
Aber du hast doch schon gesehen, wie ich es getan habe, sagte Katreijkas Stimme in seinem Kopf.
»Lass dass! Geh weg! Ich will das nicht«, rief Gawenn verstört. Katreijka hatte halb gehofft, dass er es verstehen würde, und halb damit gerechnet, dass er so reagieren würde. Es war immer das Gleiche. Die Hexenkinder wurden nicht nur nicht verstanden, sondern die Menschen hatten solche Angst vor der Magie, dass sie sie sogar jagten.
»Ich tue dir doch nichts! Höre richtig zu! Schau richtig hin! Dann wirst du feststellen, dass dir keine Gefahr droht«, sagte sie und setzte sich behutsam neben ihn. Gawenn hielt den Atem an. Nichts passierte. Katreijka hatte recht. Er brauchte sich nicht zu fürchten.
»Aber... es ist so schwer zu verstehen... weil man es - weil man die M-Magie nicht sehen kann«, sagte er langsam.
»Doch, das kann man. Ich gebe zu, meine Magie ist nicht das beste Beispiel dafür, aber ich kann sie dir trotzdem zeigen«, versprach Katreijka ihm. »Sieh her.« Gawenn wand sich langsam um. Das Mädchen saß im Schneidersitz auf dem Boden, die Augen geschlossen und die Hände flach auf die Erde gedrückt. Eine Zeit lang geschah gar nichts, aber dann begannen ihre Handflächen blendend hell zu glühen, ähnlich wie ihr Stein am Mittag. Die Strahlen breiteten sich aus, bündelten sich zu dünnen, weißen Linien, die sich in rasend schnellem Tempo über die Wiese wanden. Bald waren sie zu einem breiten Strom geworden, der nicht still stand, sondern in allen Richtungen davon zu fließen schien. Katreijka saß immer noch unbewegt da, die Augen geschlossen. Dann öffnete sie sie langsam und flüsterte: »Das ist eine Energieader. Es gibt sie überall, und sie sind unsichtbar, aber ich kann sie mittels Magie sichtbar machen. Sieh zu, was ich jetzt tue!« Sie hob die Arme ein Stück, und die Energie floss langsam auf die Stelle zu, an der Katreijka im Gras saß. Als sie sie erreicht hatte, schien die weiße Materie durch das Mädchen hindurch und über sie hinweg zu fließen, wie ein schneeweißer Berg. Das Ganze hielt nicht lange an, dann verschwand die Energie wieder und die Landschaft sah aus wie zuvor. Katreijka stand auf und reichte Gawenn die Hand, um ihn mit hoch zu ziehen. »Ich habe gerade einen Teil der Energie auf mich selbst übertragen«, fuhr sie fort. »Das kann ich mit jedem Gegenstand, und mit jedem Lebewesen tun. Es gehört zu meinen Gaben, genau wie das Gedankenlesen. Meine Gefährten, von denen ich gesprochen habe, besitzen auch magische Fähigkeiten. Darum verstecken sie sich im Hrâd-Gebiet. Denn niemand darf davon erfahren. Der König besitzt ein Inquisitionsgericht, den Gelben Orden. Er fürchtet die Magie und lässt jeden verfolgen und umbringen, der ihr nicht abschwört. Glaubst du mir nun?« Gawenn nickte zögernd. Katreijka fiel ein Stein vom Herzen. Nun konnte sie fortfahren. »Und als ich in deinen Geist eingedrungen bin, habe ich etwas gesehen, was ich mir nicht erklären konnte. Aufgrund dessen, und wegen deiner mysteriösen Vergangenheit glaube ich, dass auch du magische Fähigkeiten besitzen könntest. Und darum wollte ich, dass du mit mir gehst. Vielleicht können wir mit unseren Kräften gegen den Mann kämpfen, der für seine Zwecke die Bewohner deines Dorfes geraubt hat.« Gawenn wollte sie mit tausend Fragen mehr bestürmen, aber bevor er anfangen konnte, zu sprechen, hob sie die Hand und sagte: »Das muss fürs Erste reichen. Es ist zu gefährlich, dir mehr zu erzählen, als du wissen musst, damit du mir folgst. Und ich möchte dir auch keine Versprechungen machen, die ich dann nicht halten kann. Lass uns nun weiter gehen. Wir haben
noch ein ganzes Stück Weg vor uns, und die Zeit läuft uns so langsam davon.« Das musste Gawenn wohl oder übel einsehen, und so gingen sie schweigend weiter. Er dachte jedoch die ganze Zeit über das nach, was er soeben gehört und gesehen hatte.

Sie gingen nun schon so viele Stunden nord- und ostwärts, dass Gawenn aufgehört hatte, sie zu zählen. Die ersten grün-braunen Hügel des Hrâd-Gebietes tauchten am Horizont auf, als die Sonne bereits vom Himmel sank. Gawenn hatte für seine Begriffe genug nachgedacht und nahm nun das Gespräch wieder auf: »Ihr versteckt euch in den Wäldern, habt magische Kräfte, von denen keiner erfahren darf und ihr wollt gegen den kämpfen, der Nest zerstört hat... was seid ihr eigentlich? Rebellen?« Auch wenn Gawenn in einem kleinen, abgeschotteten Dorf gelebt hatte, waren die Kunde über den selbstsüchtigen und bequemen König nicht an ihm vorbei gegangen. Fahrende Händler, die jeden Frühling einmal durch Nest kamen, hatten von Gerüchten über Untergrundbewegungen erzählt. Konnte es sein, dass er auf eben so eine gestoßen war?
Katreijka war leicht überrascht von dieser Frage. Offenbar wußte Gawenn mehr, als er zeigte. Ja, was waren sie eigentlich? Nicht mehr als ein Haufen Kinder, auf denen eine immense Last lag... »Nein«, sagte sie schließlich und begann, den ersten der Hügel hinaufzuklettern. »Wie sind keine Rebellen.« In dem Moment wäre sie beinahe über einen Felsbrocken gestolpert. Gawenn, der es gesehen hatte, grinste. In Pelúrien glaubte man, dass man einen Lügner daran erkannte, dass er sofort gerichtet wurde. Er überholte Katreijka und drehte sich im Vorbeigehen zu ihr um.
»Ha! Du lügst!« Da packte sie plötzlich seine Handgelenke und verdrehte ihm seine Arme blitzschnell auf dem Rücken.
»Unterstell mir nicht noch mal so etwas«, zischte sie ihm ins Ohr.
»Jaa, is ja schon gut«, murmelte er. Dann wandte er sich zum Gehen um und rieb sich dabei die Handgelenke. Dieses Mädchen war ihm unheimlich.
Katreijka lief nun schweigend hinter ihm her. Irgendetwas war wieder einmal mit ihr durchgegangen, und sie bereute es schon. Die Stille war jetzt eine andere geworden, unbequem und kühl. Sie seufzte bei dem Gedanken, dass Shíuala ihr sagen könnte, was mit ihr los war, wenn sie jetzt nur hier wäre. Ein Teil von ihr fehlte einfach. Das Mädchen warf Gawenn vor sich einen Blick zu. Katreijka konnte sich gar nicht mehr vorstellen, ohne ihren Tiergeist zu leben, so wie er.
Gawenn hatte keine Lust mehr, sich mit Katreijka zu unterhalten. Offenbar wollte sie ihm nicht alles erzählen. Dabei hatte er doch nur wissen wollen, wozu diese Menschen magische Fähigkeiten besaßen - denn es musste gewiss einen Grund haben - und welche Rolle er selbst nun eigentlich spielen sollte.
So liefen sie zwischen den vielen Hügeln hindurch, deren vereinzelte Bäume sich allmählich zu einem Wald verdichteten, während die Sonne unterging. Als es schon fast ganz dunkel war, konnte man links und rechts des Pfades die schwarzen Umrisse von großen Felsblöcken erkennen. Katreijka lief zwischen ihnen umher, als wäre sie auf der Suche nach etwas. Sie war gerade wieder hinter einem Felsen verschwunden, als Gawenn ihren triumphierenden Ausruf hörte: »Ahh!
Wußte ichs doch!« Gawenn ging ihr nach und sah, dass der Felsen, den sie entdeckt hatte, zur abfallenden Seite des Hügels eine Art Überhang über dem Boden bildete, sodass dazwischen eine Spalte entstanden war, in der man bequem aufrecht sitzen konnte. Das war es offenbar auch, wonach Katreijka Ausschau gehalten hatte, denn sie begann nun, den Boden der schon rabenschwarzen Höhle mit den Händen abzutasten und die Steine, die darauf lagen, hinauszuwerfen. Gawenn kam ihr zu Hilfe und so es dauerte nicht lange, bis sie einen halbwegs ebenen Untergrund geschaffen hatten. Inzwischen war es vollständig dunkel geworden, und Katreijka entzündete ein Feuer vor der Felsspalte. Sie benutzte dazu einen Feuerstein aus ihrem Beutel, jedoch ließ sie erst Energie aus dem Waldboden - zumindest schien sie von dort zu kommen - auf ihn überfließen, wie sie es zuvor getan hatte, um Gawenn von der Existenz der Magie zu überzeugen. Danach ließen sich damit leicht Funken schlagen. Gawenn sah ihr dabei zu und fragte:
»Warst du eigentlich schon mal hier? Oder woher wusstest du von dieser Höhle?«
»Nicht genau hier. Aber bei solchen Granitblöcken, die abschüssig stehen, findet man oft so was.« Gawenn war beeindruckt. Offenbar lebte Katreijka schon lange in freier Natur, sie wußte wirklich, wie man überlebte. Und jetzt kannte sie auch noch den Namen dieses Gesteins.
Als das Lagerfeuer brannte, teilten die beiden sich Katreijkas letzte Vorräte. Für den morgigen Tag bleibt nicht mehr viel übrig, dachte Gawenn. Sie würden morgen sicher noch weit laufen müssen. Dennoch war er froh, dass sie nicht die Nacht hindurch gingen, denn er war jetzt schon müde von dem ungewohnt langen Marsch. Fasziniert beobachtete er heimlich, wie der Feuerschein sich in Katreijkas hellem Gesicht und ihren schwarzen Augen spiegelte und über ihre ebenso schwarzen, lose herabhängenden Haare tanzte. Sie saß da wie eine Katze, elegant und doch jederzeit zum Sprung bereit. Der glasklare Stein, den sie um den Hals trug, war unter ihrem Hemd hervor gerutscht und leuchtete nun ebenfalls im Licht. Zusammengekauert und mit dem Kopf auf den Knien saß er ergriffen da, ohne sich zu rühren. Egal zu welcher Tageszeit, von dem Mädchen ging immer etwas Geheimes, etwas Besonderes aus. Das hatte er bisher bei noch keiner Frau gespürt.
Der Anblick ihres Edelsteins erinnerte Gawenn wieder an seinen eigenen, der im Griff seines Schwerts steckte. Aus alter Gewohnheit zog er es aus der Scheide und begann, die im Feuer glänzende Schneide mit seinem Hemdsärmel zu polieren. Katreijka beobachtete ihn dabei mit ausdruckslosem Gesicht, bis sie plötzlich fragte:
»Verstoßen noch mehr Einwohner aus Nest gegen das Gesetz, oder bist du der Einzige, der eine solche Waffe besitzt?« Gawenn vernahm die Neugier, die in Katreijkas Stimme mit schwang, aber er konnte sich keinen Reim darauf machen. Verärgert murrte er:
»Du verstößt genauso gegen das Gesetz, oder ist das da an deinem Gürtel etwa kein Dolch?« Er deutet mit einem Kopfrucken auf Katreijkas Langdolch.
»Ohne den wäre ich jetzt schon tot«, sagte sie leise, aber ernst. Gawenn lief ein Schauer über den Rücken; das Mädchen hatte also auch schon getötet...
Plötzlich sprang sie auf und verschwand im Dunkel des Waldes, bevor Gawenn fragen konnte, wo sie denn hin wollte. Die Minuten verstrichen und sie kam nicht wieder. Gawenn fing schon an, sich sorgen zu machen, als es im Unterholz knackte und das Mädchen so plötzlich vor ihm auftauchte, dass er sich erschrak und beinahe den Rucksack umstieß, der direkt neben dem Feuer stand. »Musst du mich so erschrecken«, rief Gawenn, aber sie antwortete nicht, sondern warf ihm einen langen Stock zu, den er gerade so auffing.
»Komm schon, ich will sehen, wie du kämpfst«, forderte sie ihn auf. Er hatte gerade Zeit, aufzustehen, da ging sie auch schon mit einem zweiten Stecken auf ihn los. Er parierte erschrocken ihre Angriffsschläge; auf so was war er nicht vorbereitet gewesen. Sie nutzte seine Verwunderung aus und griff ihn mit einer Reihe Schlägen an, denen er nichts entgegen setzen konnte. Doch während sie ihn immer weiter rückwärts gegen die Felsenwand trieb, fielen ihm alle seine Lektionen wieder ein, die er bei seinem Vater gelernt hatte, und es gelang ihm schließlich, den Kampf zu seinem Vorteil zu wenden. Sein Wunsch, zu gewinnen - vor allem gegen ein Mädchen - wuchs, und er merkte, dass er, obwohl Katreijka wendig und schnell war, der besserer Fechter war, weil er ihr an Kraft und Stärke weit überlegen war. Schließlich, in einem kleinen Moment der Unachtsamkeit ihrerseits, gelang es ihm, Katreijka den Stock aus der Hand zu schlagen und einen Hieb in ihre Seite zu simulieren.
»Tot«, rief er triumphierend und warf auch seinen Stock bei Seite. Dann sanken sie leicht außer Atem auf den Boden.
»Du bist wirklich gut, bei wem hast du das Alles gelernt? Bei deinem Vater?« Er nickte, und antwortete:
»Du kämpfst aber auch nicht schlecht.«
»Ach, ich hatte zu wenig Zeit zum Üben«, winkte sie ab. Er nicke erneut, es war klar dass man keine Chance hatte, sich im Schwertkampf zu üben wenn man alleine umherzog.
Katreijka sagte nichts darüber, dass er keine Chance gehabt hätte, wenn sie seine Gedanken gelesen hätte. Sie hätte bei jedem Manöver vorher gewußt, was er vor hatte.
»Ich schätze, im Ernstfall wissen wir uns beide zu wehren«, sagte Gawenn versöhnlich. Ihr Gesicht wurde wieder Ernst.
»Der Ernstfall kommt. Das kann ich dir versprechen.«

Dann gingen sie schlafen. Doch keiner der Beiden fand so richtig Ruhe. Gawenn, der noch nie unter freiem Himmel geschlafen hatte, starrte aus der Felsenhöhle hinaus in die Dunkelheit des Waldes. Während er dem Knacken der Holzscheite und dem jammervollem Ruf eines Käuzchens lauschte, zogen vor seinem inneren Auge immer und immer wieder die Bilder seines brennenden Dorfes vorbei.
Noch einmal musste er mit ansehen, wie die Angreifer mühelos das Tor durchbrachen, und in das erstbeste Haus eindrangen, dass ihnen vor das grobschlächtiges Visier kam...
Er hörte ihre Knüppel durch die Luft sausen, wärend sie jeden nieder machten, der sich ihnen - beherzt oder töricht - in den Weg stellte; dann die verzweifelten Schreie von sonst so mutigen Frauen, deren Häuser in Flammen aufgingen, und das durchdringende Weinen von verängstigten Kindern, die ohne Gnade von ihren Vätern weg gezerrt wurden, während hinter ihnen die Häuser, in denen sie geboren waren, in Flammen aufgingen...
Schließlich sein eigener Vater, der ihm zu schrie, er solle sich retten, bevor er von einem schwarz maskiertem Mann gefesselt und weggeschleppt wurde...
Er hatte seinen Vater im Stich gelassen, nur um sein eigenes Leben zu retten... und er hatte das ganze Dorf im Stich gelassen, ohne überhaupt zu wissen, wofür...

Katreijka brauchte nicht weit in Gawenns Geist einzudringen, um zu erfahren, woran er dachte. Sie entzog ihm etwas von seiner Energie und leitete sie in die Umgebung ab, damit er müde wurde.
Du musst die Bilder loslassen, sonst verfolgen sie dich bin in alle Ewigkeit... schlaf jetzt, Gawenn. Morgen wirst du vielleicht die Antworten finden, nach denen du suchst.Als Gawenn Katreijkas Stimme hörte, so seltsam klar und eindringlich wie noch nie zuvor, wurde er schlagartig ruhiger.
Es ist egal, was mich erwartet, so lange sie bei mir ist... dachte er noch, bevor er einschlief.

[Dieser Beitrag wurde am 22.06.2007 - 16:59 von Aerowen aktualisiert]





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Aerowen ...
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...   Erstellt am 20.05.2007 - 07:46Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich habe gerade das 3. Kapitel fertig geschrieben!
Aber lest ihr erstmal... und bitte kommentieren! *gg*





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TheFab ...
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...   Erstellt am 20.05.2007 - 22:16Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hey. Wow, das ist ja echt spannend. Ich mag die beiden jetzt schon... Gaween ist ein Hexer oder? Deine Charakterbeschreibungen in einem anderen Forenthread habe ich auch schon gelesen (glaube ich zumindest).

Bin schon gespannt auf die anderen Kapitel... Hoffentlich erfahren wir dann mehr über die beiden und über die anderen Hexenkinder und über den Ort des Ursprungs und überhaupt über alles was noch kommen wird.

Wann wird Gaween seine Fähigkeiten entdecken? Schon sehr bald?
Ich freue mich schon weiter lesen zu dürfen...





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MfG,

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