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...   Erstellt am 24.08.2009 - 23:27Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 



Dacia erobert die Welt

Von Björn Engel 21. Februar 2009, 02:42 Uhr

Die rumänische Billigmarke breitet sich immer weiter aus. Das schadet der etablierten Autoindustrie, sagen Experten

Sophie Albertus ist anders. Wird den Franzosen gern vorgehalten, sich außerhalb ihrer Muttersprache keine Mühe zu geben, bezeugt Mademoiselle Albertus das Gegenteil. Lieber radebrecht die Französin auf Deutsch und Englisch, als einem wissbegierigen Zuhörer etwas vorzuenthalten. "Bei Dacia sind wir jetzt in Phase zwei", sagt die Produktmanagerin von Renault und es klingt, als würde die rumänische Tochtergesellschaft vom französischen Hersteller in Kürze auf den Mond geschossen.


Das ist natürlich nicht der Fall, aber wenn schon nicht das Universum mit Billigautos erobert werden soll, global will Dacia deutlich bei den Marktanteilen zulegen. Nicht zufällig wählt Dacia-Sprecher Freddy Cholière das Wort "Eroberungswerkzeug", wenn er kaufmännisch kühl das weltweite Einstiegsprogramm der Marke erläutert.


In 80 Ländern wurden bisher 1 293 305 Dacia verkauft, seitdem Renault 2004 die Marke übernommen und neue, einfach aufgebaute Autos mit französischer Technik konstruiert hat. Um 38,7 Prozent stieg der Verkauf in der Welt von 2007 auf 2008, in Deutschland waren es gar 44 Prozent, was 24 913 verkauften Fahrzeugen entspricht. Die weltweite Nachfrage speist sich dabei aus den überdurchschnittlich günstigen Preisen der Neufahrzeuge, die etwa in Deutschland bei den Basismodellen der Dacia unter 10 000 Euro liegen.

Doch nicht alle sind begeistert von solchen Sonderangeboten. "Das tut schon weh", sagt Uwe Röhrig, Inhaber der Beratungsfirma International Car Concept (ICC) aus Hannover. "Hier werden Fahrzeuge in den Markt gedrückt, die mit dem heutigen Entwicklungsstand überhaupt nichts zu tun haben." Röhrig war mal Vertriebschef für Mercedes und Maybach, er bemängelt an dem Dacia-Konzept besonders, dass Entwicklungs- und Produktionskosten für moderne aktive und passive Sicherheitstechnik nicht auf das Produkt umgelegt werden.

Damit drohe nicht nur eine Wettbewerbsverzerrung, sondern auch Renault werde sich das eigene Wasser abgraben, wenn die Preisgestaltung nicht überdacht wird. "Das ist ein reines Preisbrecher-Produkt, bei dessen Idee einfach das Ende nicht bedacht worden ist."

Bedacht hat man bei Dacia hingegen die Modelle der "Phase eins", wie es Sophie Albertus ausdrückt. Sie stellten den kleinsten weltweiten Nenner dar und kamen relativ gleichförmig und gesichtslos daher. Doch das wird nicht so bleiben, denn mittlerweile gibt es für die "Phase zwei" drei Designzentren, die kontinent- und länderspezifische Erkenntnisse liefern sollen. Sie liegen in Rumänien, Russland und Brasilien und müssen herausfinden, "was die Menschen in den entsprechenden Regionen möchten", sagt Albertus. "In Brasilien zum Beispiel ist den Leuten Design wesentlich wichtiger als etwa in Deutschland - besonders muskulöses Design." Die Produktmanagerin lächelt und geht zum Anschauungsunterricht über.

In einem Zelt auf dem Renault-Testgelände "Ceram" in Mortefontaine bei Paris steht der Sandero Stepway, ein kleiner Geländewagen, der Männerträumen von Kraft weit näher kommt als der Sandero, der in Deutschland verkauft wird. "Er ist kein wirklicher Allradler", sagt Albertus, "aber er sieht so aus mit seinem Bügel vor der Stoßstange, seinen veränderten Scheinwerfern und seinen dunklen Radläufen."

Der Sandero Stepway läuft in Brasilien unter dem Renault-Logo, wie Dacia ohnehin nur in Europa und Nordafrika als eigene Marke auftritt. Überall sonst bedient man sich des Renommees der französischen Mutter. Auch in Indien, wo der Logan mit dem Zusatz "Edge" in Nashik nahe Bombay produziert wird. Dort trifft die Produktpolitik jedoch auf eine andere Gesellschaftsstruktur. Gilt der Dacia Logan in Deutschland als Billigauto, zählt er in Indien zur Mittelklasse.

Doch nicht nur das angepeilte Segment und die Vorlieben der Menschen vor Ort müssen in Betracht gezogen werden: Auch Modellnamen sind angesichts der weltweiten Strategie keineswegs in Stein gemeißelt. So wird der Logan seit vergangenem Jahr gemeinsam mit iranischen Zulieferern unter dem Namen "Tondar 90" in Teheran produziert. Dabei ist die Zusammenarbeit nicht immer einfach. Europäische Qualitätsstandards waren anfangs vor Ort kaum selbstverständlich, weshalb Mohammad Reza Najafi, der Sekretär der "Iran Auto Part Makers Association", noch vor Kurzem seine Landsleute ermahnen musste: "Renault ist einer der besten Autohersteller Europas, darum ist man dort sehr um die Qualität der Produkte besorgt."

Dacia kann auf das Netz der Muttergesellschaft zurückgreifen. Wird im kolumbianischen Medellín für das westliche Südamerika produziert, baut man im brasilianischen Curitiba autos für den Osten Südamerikas. Der schwarze Kontinent wird vom südafrikanischen Werk Rosslyn beliefert, Osteuropa und Vorderasien von Moskau aus. Und das Stammwerk im rumänischen Pitesti versorgt die Zentraleuropäer.

Nur nach China traut sich Dacia nicht: "Das gehört nicht zu unseren Ambitionen", sagt Jacques Rivoal, Renaults künftiger Europadirektor. "In China ist die Konkurrenz mit den Basisanbietern zu groß."

In Europa aber soll das Wachstum weitergehen, auch mit neuen Modellen. Das einstige Basisauto Logan ist nun auch als Kleinlieferwagen und Pick-up zu haben, und so gefällt sich Dacia als einziger Billiganbieter Europas mit Aufstiegschancen. Die Deutschen, glaubt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen, haben da einen Trend verschlafen. "Wenn sie nur wollten, könnten auch sie billige Autos bauen."
http://www.welt.de/welt_print/article32 … -Welt.html





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