HelmutGobsch  Administrator
    

Status: Offline Registriert seit: 28.08.2008 Beiträge: 436 Nachricht senden | Erstellt am 19.07.2010 - 15:00 |  |
BILDUNG
Der alte DDR-Mief
Viele ältere Lehrer an ostdeutschen Schulen verklären weiter das DDR-Erziehungswesen
Von FOCUS-Korrespondent Alexander Wendt (Leipzig)
Claudia Bohse ist für viele Leipziger die meistgehaßte Frau der Stadt. In einem Aktenordner sammelt die 49jährige anonyme Schmäh- und Drohschreiben, die immer wieder in ihrem Briefkasten landen. Namenlose Anrufer fauchen sie an: „Hören Sie endlich auf mit Ihren Denunziationen.“ Die Lehrerin, die sich schon zu DDR-Zeiten mit Schuldirektoren und Parteifunktionären anlegte, saß nach der Wende in der Leipziger Personalprüfungs-Kommission für Lehrer und verantwortete mit, daß rund 200 schwerbelastete Kollegen gehen mußten.
Heute erforscht Claudia Bohse im Archiv der Leipziger Universität die Geschichte des DDR-Bildungswesens, und auch das erfüllt für viele ältere Pädagogen den Tatbestand der schweren Nestbeschmutzung. Frau Bohses Resümee: „In vielen Schulen hängt noch der alte DDR-Mief. Wir haben ein neues Schulsystem, aber größtenteils noch die alte Lehrerschaft.“
Ob in Leipzig oder anderswo in den neuen Ländern – viele machen keinen Hehl daraus, wie sehr sie der DDR und ihrer „sozialistischen Volksbildung“ nachtrauern. Zum Beispiel Uwe Preuß, Leipziger Lehrer, GEW-Kreischef und Bezirkspersonalrat. Für ihn herrschte vor 1989 „ein in seiner Struktur völlig intaktes Bildungssystem“, das „von oberschlauen Experten aus dem Westen und Möchtegernpolitikern aus dem Osten“ böswillig „zerschlagen“ wurde. Die Entlassungen besonders Belasteter hält der einflußreiche Bildungsfunktionär für „eine Kampagne gegen die Lehrer der ehemaligen DDR“.
Dabei verschwinden die hartnäckigen Ostalgiker nicht wirklich von den Schulen – im Gegenteil: Belastete Lehrer, die gehen mußten, kehren reihenweise in den Schuldienst zurück.
Seit 1991 klagten beispielsweise in Sachsen 3548 Pädagogen mit Stasi- oder Funktionärsvergangenheit auf Wiedereinstellung; bis November 1996 zogen 728 gekündigte Lehrer per Gerichtsurteil wieder ins Klassenzimmer ein. „Die Sehnsucht nach einem Schlußstrich“, sagt der Sprecher des Leipziger Oberschulamts, Roman Schulz, „wird bei den Gerichten immer größer.“
Sachsens Kultusminister Matthias Rößler (CDU) sieht die Situation an seinen Schulen pragmatisch: Rund ein Drittel der Lehrer sei „gegenüber Neuem sehr aufgeschlossen“, ein weiteres Drittel „erreichbar“ – und ein Drittel, so Rößler, „wird sich nicht mehr ändern. Die leben neben der demokratischen Gesellschaft her.“
Wie hartnäckig sich die DDR-Verklärung an vielen Schulen hält, bekam Rößler zu spüren, als er für das Schuljahr 1996 präzisierte Geschichtslehrpläne durchsetzte. Sein Ziel: mehr über das Entstehen totalitärer Systeme zu lehren und Demokratieverständnis zu entwickeln. Prompt protestierte der „Sächsische Geschichtslehrerverband“ Schulter an Schulter mit der PDS. Harald Kunadt, Vorsitzender des Geschichtslehrerverbands und Lehrer im sächsischen Coswig, klagt: „Die USA als Demokratie und die Sowjetunion als Diktatur darzustellen ist doch viel zu einseitig. Wo bleibt da der Vietnamkrieg?“
Vor allem christlich orientierte Eltern in den neuen Ländern – darunter viele Westdeutsche, die in den Osten wechselten – reagieren auf die langen DDR-Schatten über den Schulen auf ihre Weise: Sie melden ihre Kinder in nichtstaatlichen Schulen an.
Besonders beliebt sind Bildungsstätten, die von der Kirche getragen werden, etwa das von den Katholiken finanzierte St.-Benno-Gymnasium in Dresden: Dort können die Eltern sicher sein, daß keine Ex-Staatsbürgerkundelehrer mehr am Pult stehen. „Ich weiß schon, warum ich mein Kind auf St. Benno schicke“, meint ein prominenter sächsischer SPD-Landespolitiker: „Ich brauche mir doch die staatlichen Schulen hier bloß anzusehen.“
STASI-BELASTETE PAUKER
In den neuen Bundesländern dürfen immer noch MfS-Spitzel unterrichten. Viele Ex-IM klagen sich sogar wieder in den Schuldienst zurück.
STASI-BELASTETE PAUKER
THÜRINGEN SACHSEN BRANDENBURG SACHSEN-ANHALT MECKLENBURG-VORPOMMERN
Anzahl der Lehrer (Gauck-überprüft)
rd. 35 000 59 639 rd. 34 000 36 468 29 923
belastet
rd. 1 200 k. Angaben rd. 3 300 887 1 581
entlassen
815 520 617 133 993
Quelle:
http://www.focus.de/politik/deutschland … 62864.html
Signatur Dipl.-Phys. Helmut Gobsch
Max-Reger-Str. 15
D-06110 Halle(Saale)
Tel. & Fax: 0345 - 80 40 559
Anerkannter ehemaliger politischer Häftling |