Moccero  Ganz toller Myraner (und 2.Vorsitzender des VFM eV)
  

Status: Offline Registriert seit: 15.05.2006 Beiträge: 639 Nachricht senden | Erstellt am 20.07.2006 - 16:23 |  |
Das neue Heiligtum
Nasja schritt zum zehnten Mal das Gelände ab, wo das neue Heiligtum entstehen sollte, diesmal allerdings in Begleitung des Herrschers. Dieser hatte sie vor einem Mond gefragt, ob sie nicht Lust hätte, einen neuen Tempel zu bauen. Nasja lachte bei dieser Frage – hatte sich immer nicht immer beklagt, dass ihr Tempel zu klein sei? Der Herrscher lachte nicht mit. „Du hast laut genug gejammert, Nasja“, sagte er, „aber hier geht es nicht um einen neuen Tempel für die Stadt. Würdest Du auch anderswo einen größeren Tempel haben wollen?“ Nasja hörte auf zu lachen und sagte: „Ja!“
Und nun standen sie hier, fast zehn Storkanem Raddid entfernt auf einer kleinen Anhöhe und blickten hinunter.
„Da hinten kommt ein großes Gestell aus Steinholz mit einem zentralen Gitter hin. Die Seitenteile machen wir vielleicht aus Eisen, aber das Gitter auf jeden Fall aus Steinholz. Eisen wird im Feuer einfach zu heiß, falls man einmal rasch auf das Gitter muss. Das Gitter hat den Vorteil, dass man den Toten nicht erst aufbahren kann, wenn der Holzstoß fertig ist, sondern jederzeit. Der Stoß wird dann unter dem Gitter errichtet. Und die Decke aus steinhölzernen Ketten kann man so auch viel einfacher über den Toten breiten. Mit aufgeschichtetem Steinholz arbeiten wir hier nicht, das ist hier schließlich...“ Der Priesterin fiel wohl kein passender Vergleich ein, jedenfalls räusperte sie sich und fuhr dann fort: „Wir müssen jedenfalls nicht sparen. Die Stelle ist windig und der herrschende Windrichtung geht natürlich von der Zuschauertribüne fort, so dass die Asche nicht den Gästen ins Gesicht getrieben wird. Bei falschem Wind verschieben wir die Verbrennung. Für den Notfall errichten wir noch eine kleinere Brandstätte in einer geschützten Mulde. Da schauen wir nachher vorbei.“
„Und Wasserbegräbnisse?“, erkundigte sich der Herrscher.
Nasja verzog das Gesicht. „Da haben wir ein Problem. Wir wollen ja nicht, dass das Boot ans Ufer treibt. Wir müssen deshalb leider einige Gatter ziehen, aber es sollte gehen. Im Augenblick planen wir einen hübschen kleinen Kai, von dem aus ein Boot aus Steinholz an einer langen Kette hinaustreiben kann, in dem man den Toten dann verbrennt.“
Eine Weile sahen beide aufs Wasser hinaus. Der Herrscher dachte an seine Heimatstadt. Dies hier würde eine Stätte des Todes werden - auf eine Art, die dem Leben gefällig war.
„Den Platz für die Totenfeiern werde ich doch auch noch sehen?“
„Oh, wir haben mehr als einen Platz“, sagte Nasja stolz. „Wir haben ein ganzes Feld zum Feiern und wir bauen eine große Halle für den Winter oder wenn es regnet. Frostwein ist auch schon bestellt. Und wir haben schon einige sehr schöne Schlafkammern fertiggestellt mit großem Betten für diejenigen, die glauben, dass die Totenfeiern der richtige Zeitpunkt sind, um der Familie zu neuem Wachstum zu verhelfen. Im Augenblick schlafen noch wir Priester darin. Wir können nachher eine der Kammern besichtigen.“
„Ich bin aber gar nicht in Trauer“, sagte der Herrscher und spähte nach dem Hintern der Priesterin.
„Nur besichtigen, nur besichtigen“, sagte die Priesterin milde. „Obwohl ich sicher bin, dass irgendwelche Jungpriester die Räume bereits eingeweiht haben. Ich bin zu alt für solche Scherze.“
„Ist das nicht auch eine berufliche Pflicht?“, fragte der Herrscher.
„Nein“, sagte Nasja. „Und in Trauer bin auch ich nicht. Pech gehabt.“
„Nun, ich bin ja nicht zum Vergnügen hier“, räumte der Herrscher ein. „Zieht das Heiligtum eigentlich schon Priester an?“
„Allerdings“, verkündete die Priesterin. „Ich kann nicht klagen. Aus der Gegend haben sich auch schon einige Halbwüchsige interessiert gezeigt, zu Priestern zu werden – und zwei Erwachsene. Oh, da kommt ja unsere neueste Erwerbung.“
Ein etwa vierzehnjähriger Bengel rannte soeben die Anhöhe hinauf und stolperte fast vor die Füße des Herrschers, würdigte ihn aber keines Blickes.
„Priesterin“, rief er, „Priesterin Nasja, die erste Lieferung Frostwein ist angekommen!“
„Schön“, sagte die Priesterin. „Lass ausrichten, unser Gast und ich wollen ihn heute Abend kosten. Du kannst gehen.“
Der Junge atmete zweimal durch und stürzte sich den Hügel hinunter.
„Sieht so aus, als ob wir heute doch zu etwas Vergnügen kommen werden“, lachte die Priesterin.
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Status: Offline Registriert seit: 15.05.2006 Beiträge: 639 Nachricht senden | Erstellt am 20.07.2006 - 16:24 |  |
Rezepte
aus der Kombüse des Xnum-Tempels von Tondmek
Gammelfisch am Seetang mit Fingerdipp
Man nehme: Fisch, egal welche Art, nur tot muss er sein, die Mischung
machts! Man lasse diesen ca, eine Woche an der frischen Luft in einem
Bottich Meerwasser garen. Erst dadurch kann er wirklich seine Aromen
ausbilden und er wird dabei schön zart. Nach dieser Zeit wir er in
Seetangblätter eingewickelt und muss unbehandelt verzehrt werden! Besonders
gut schmeckt er, wenn in den Fisch vor der Ummantelung ein frischer Finger
eingeführt wurde!
Ein Garen oder kochen oder sogar ein Entfernen der Gräten ist dem Xnum ein
Graus, da es demjenigen an Vertrauen ihm gegenüber mangle!
Gez. Smutje Terlieze aus dem Xnum-Tempel in Tondmek
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Status: Offline Registriert seit: 15.05.2006 Beiträge: 639 Nachricht senden | Erstellt am 20.07.2006 - 16:26 |  |
Aus den kriegorischen Landen:
Die Kugel der drei
Aus einem kleinen Nest, namentlich Steinhaagel, mitten in der kriegorischen Provinz Blutschistan, gibt es Wundersames zu berichten. Die Provinz Blutschistan liegt im Ophis der Blutmöhne, dem Grenzfluss zum aktuellen Konflikt-Gebiet. Dort gibt es einen Schrein des Steins. Dieser Stein ist eine riesige schwarze (Halb-)Kugel, obwohl allein schon das blasphemisch ist. Angeblich ist er eine ganze Kugel, die zur Hälfte in der Erde steckt.
Eigentlich ist sogar nur ein Drittel zu sehen. Er misst bestimmt 20 kriegorische Schritte, ich mag gar nicht mutmaßen, sollte er eine ganze Kugel sein, unglaublich! Auf dieser Kugel hat ein Priester, der allen drei großen Gottheiten Kriegorias, namentlich: Xnum, Seth, Kur-Tulmak, huldigt, einen Schrein errichtet. Dort predigt er tagein tagaus, die Geschichte vom Stein: Die Götter haben sich beim Ballspiel mit dem Ball (dem Stein) hoch droben im Velatorgebirge vergnügt. Dabei haben sie sich derart in Rage gespielt, dass einem der Geduldsfaden riss und er den Ball weit weit weit ins Tal trat. Keiner weiß allerdings, von welchem Gott. Der Legende nach soll dabei ein Stier getroffen worden sein. In der Tat, der Stein scheint wirklich übernatürlich sein: Die Farbe ist tiefschwarz und der völlig glatte Stein scheint jeder Bearbeitung standzuhalten. Die Form ist, zumindest was den Teil über der Erde betrifft, nahezu perfekt. Der Schrein steht auf abgerundeten Stelzen, auf einem kleinen Altar ein Stierkopf zur Huldigung des Stieres. Dort trifft man den Priester, Razagki von Namen.
Gez. Argus Hellbrae,
Reisender in Kriegoria
[Dieser Beitrag wurde am 20.07.2006 - 16:29 von Moccero aktualisiert]
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