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Helferlein
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...   Erstellt am 21.11.2014 - 11:38Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens Wochenschauer Nr. 627 vom 21. November 2014

Steuerland in Junckerhand


Eigentlich ist ja gegen die Demokratie als gesellschaftliche Umgangsform nichts einzuwenden. Das Blöde ist nur, dass da ab und zu auch freie Wahlen abgehalten werden. Und so mancher Depp (manche DeppIn inklusive) ist dann nicht davon abzuhalten, sich als Kandidat aufstellen zu lassen. Und als ob das nicht reichen würde: Nein, es darf auch noch jeder Depp mitwählen. So geschah es ja auch in unserem gesamt-europäischen Deppen-Dorf bei der letzten Europa-Wahl.

Nun hat das Europa-Parlament demokratisch kaum was zu melden auf diesem Kontinent, weshalb diese Wahl auch mehr oder minder eine Abmeldung des sogenannten mündigen Wählers war, der erst gar nicht mitwählte, weil es ihm zu bedeppert vorkam. Diesem Trend der Stimm-Enthaltung galt es entgegenzusteuern, weshalb die staatstragenden Parteien eine Scheinwahl daraus machten: Um den Anschein zu erwecken, dass man da wirklich eine Wahl habe, gab es plötzlich Spitzenkandidaten, die um den Posten des Europa-Oberkommissars rangelten. Und das neugewählte Europa-Parlament musste dann mehrheitlich so tun, um wenigstens etwas an behaupteter Bedeutung vorzutäuschen, als sei das Wahlergebnis entscheidend für das folgende Posten-Geschacher. Besonders SPD und CDU/CSU wollten „ihren“ Kommissionschef. Die Grünen übrigens auch. Wen wundert’s.

Der langen Vorrede kurzer Unsinn: Als Ergebnis dieses Ochsenhandels (die Kuh lassen wir bei diesem Handel gender-bewusst im Stall) haben wir nun den Juncker, den man als Ochsen zum Gärtner gemacht hat. „Bauernland in Junkerhand“ – das war mal eine lautstarke Klage in den frühen Bauernkriegen der DDR vor den Zeiten der LPGs. Allerdings reichte das Herrschaftsgebiet der DDR bekanntlich nicht bis nach Luxemburg. Dort hieß es: „Null-Steuer-Land in Junckers Hand“. Als Herrscher über alle Briefkästen des Landes hatte er per Postwurfsendung mehr als 300 Groß-Konzernen (wie E.ON, Amazon, Deutsche Bank, Pepsi, Fiat, JP Morgan, Heintz undundund) großherzögliche Befreiungsbescheide zugeschickt, auf dass die in Europa nicht mehr unter der brutalen Steuerlast ächzen müssten, bloß weil sie ein paar hundert Milliarden Gewinn gemacht hatten.

Seit nun ein empörendes Datenleck immer wieder neue Enthüllungen in die Öffentlichkeit spült, muss sich nun Juncker auf Pressekonferenzen allerlei spitze Nachfragen anhören. Nur von den deutschen Sozialdemokraten sind solche Brüsseler Spitzen nicht zu hören. Im Europa-Wahlkampf hatte die SPD noch die Schulze, äh Schnauze voll von Steuerdumping und Steuerhinterziehung der Konzerne. Entsprechend vollmundig schulzte man landauf, landab. Jetzt hat man eingesehen, dass man mit vollem Mund nicht reden sollte und schweigt entsprechend nichtssagend.

Wie gassenhauerte es in den Sechzigern mal eine längst vergessene Schlager-Püppi: „Oh pardon, sind Sie der Graf von Luxemburg? Oh pardon, sind Sie der große Mann von Welt?“ Die Anfrage ist im Falle Juncker müßig. Im Augenblick ist der große Mann von Welt sooo klein mit Hut. Er verkündete, als er mit seinem seltsamen Brüsseler Inkompetenz-Team zum ersten Mal vor die Presse trat, er und seine Truppe seien „die letzte Chance, das Vertrauen in Europa zurückzugewinnen“. Die Herren von Amazon, Apple, Google, E.ON, Deutsche Bank usw. können also weiter volles Vertrauen in Europa haben. Das müssen sie erst gar nicht zurückgewinnen, denn ihr steuerfreier Zugewinn ist weiter garantiert.

© Martin Buchholz




Helferlein
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...   Erstellt am 28.11.2014 - 20:03Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens Wochenschauer Nr. 628 vom 28. November 2014

Die schwarze Null im Einsatz – und: Biermann an die Front!


Mal wieder eine Feierstunde im deutschen Bundestag – am Dienstag dieser Woche. Die SPD feierte gemeinsam mit ihren christdemokratischen Oberaufsehern in der Haushaltsdebatte eine alte Bekannte der CDU/CSU: die schwarze Null. Die soll im Jahre 2015 „zielführend“ sein, so schäubelte es voller Stolz aus dem Haushaltsvorstand heraus. Und die SPD hatte er mal wieder sanft eingenullt, so dass deren Widerstand gegen alle Etatkürzungen gleich Null war.

Denn wahrlich, er verkündete uns große Historie: „Mit dieser schwarzen Null schreiben wir Geschichte.“ Und auch ein SPD-Redner sonderte etwas von einer „historischen Stunde“ ab. So war die schwarze Null mächtig angeschwollen aufgrund der geschichtsträchtigen Bedeutsamkeit, die ihr aufgeschwätzt wurde. Vereint mit der rosaroten Null der SPD ist sie ohnehin übermächtig. So versteht man endlich, was mit einem Null-Wachstum gemeint ist.

Nun ist die schwarze Null aber derart aufgeblasen, dass sie vor lauter Stolz immer kurz vom Platzen ist. Dann allerdings wäre die geplatzte Null keine geschlossene mehr, sondern eine offene. Eine Null, die nach allen Seiten hin offen ist, nannte man früher freidemokratisch. Heute wäre diese offene Null eine grüne. Im Skat nennt man die offene Null ein Null-Ouvert. Da weiß jeder: Es sind nur Luschen im Spiel. Und die Luschen haben ihre eigentlichen, früheren Werte längst vergessen. Das ging in Null-komma-Nichts.

Womit wir auch bei den löcherlichen Ergebnissen des Grünen-Parteitags sind. Riesengroß war es an die Stirnwand des Saals gemenetekelt als Parteitags-Motto: „Mehr Biss. Grün!“ Doch das war nur der nostalgische Wunschtraum einer längst kukidenten Opposition, die kaum noch gebissig, sondern bestenfalls drittgebissig ist und meist nur noch so tut als ob. Eine Als-ob-Position.

Immerhin hat man auf dem Parteitag einen radikalen Kurswandel beschlossen, als man sich endgültig vom fleischfreien Veggieday verabschiedete. Aber wer hat den Grünen diese fleischliche Abstinenz je geglaubt? Spätestens in den rotgrünen Jahren unter Schröder, einem bekennenden Anti-Veggie, hatten sie doch gelernt, jeden Morgen zum Frühstück mindestens drei, vier Kröten zu schlucken. Und zwar sogenannte echte Kröten, zoologisch als Gattung „Bufo“ bekannt. Seither leiden viele führende Grüne an schwerer Bufomie. Bedauernswerte Kröten-Junkies. Sie sind unheilbar abhängig von jener amphibischen Frischfleischzufuhr, auch wenn der Dealer nicht mehr Schröder heißt, sondern Kretschmann. Aber der Wille zur Macht, der macht’s eben. Ein Machthunger, der fast alles zu schlucken bereit ist. Was bei den armen grünen Schluckern dann herauskommt, ist das übliche amphibische Erkennungssignal: „Quaaak!“

+++

Über Wolf Biermann Witze zu machen, wäre ungehörig, weil behindertenfeindlich. Es ist wahrlich ein tragisches Schicksal, dass Biermann auf seine alten Tage an jener Greisenkrankheit leidet, die einst auch das Politbüro plagte – eben an einem ewig-gestrigen Altersstarrsinn, der die Wahrnehmung veränderter Realitäten um ihn herum einfach unmöglich macht. In seiner präsenilen Wirklichkeitsflucht wollte der alte Recke gar den Jung-Siegfried spielen, um seine Wahnvorstellung einer urbösen Drachenbrut endgültig zu vernichten. Todesmutig soll er den deutschen Chef-Satanisten Gysi sogar bis aufs Bundestagsklo verfolgt haben, um ihn dort mit seiner Gitarre zu erschlagen. Aber es kann sein, dass ich da verschiedene Meldungen durcheinander gebracht habe. Man ist ja auch nicht mehr der Jüngste.

Am Anfang dieser Woche war er bei Jauch erneut im Einsatz, diesmal um unerschrocken gegen Putin anzutreten, also gegen den Höllenfürsten persönlich. Zugleich rettete er die deutsche Ehre, die ja beschmuddelt wird, wenn man den Putin mehr oder minder direkt mit einem ehemaligen deutschen Kanzler vergleicht. Der Putin sei ja, so Biermann wörtlich, „nicht mal fähig, wie Hitler eine Autobahn von Moskau nach Petersburg zu bauen“. Ein wahres deutsches Manneswort. Denn es gab an diesem deutschen Kanzler hinterher einiges auszusetzen, doch immerhin eines mußte man ihm lassen: Er hat die Autobahnen gebaut. Hat meine Mutter auch immer gesagt, obwohl sie den Biermann nie kennengelernt hat.

© Martin Buchholz




focour 
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...   Erstellt am 29.11.2014 - 17:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Jetzt verbreitet auch Buchholzen die Propaganda der Nazis, Hitler hätte die Autobahnen erfunden. Das ist schlichtweg falsch:


NS-Geschichte: Als Hitler die Autobahn stahl

Genau vor 80 Jahren begann der Bau der ersten "Straße des Führers". Nur alte NS-Propaganda hält den Glauben wach, Autobahnen wären eine Erfindung der Nationalsozialisten.

"Es gibt halt so Sachen, die sind problematisch, und Autobahn geht gar nicht, finde ich." Mit diesem Satz warf Johannes B. Kerner 2007 die frühere ARD-Moderatorin Eva Herman aus seiner Sendung. Herman hatte zuvor in der Diskussion über Familienpolitik auf "Werte" aus der Zeit des Nationalsozialismus Bezug genommen und das so gerechtfertigt: "Es sind auch Autobahnen damals gebaut worden, und wir fahren heute drauf."

"Autobahn geht gar nicht": Geschichtsklitterer haben die angebliche verkehrspolitische Großtat des NS-Regimes so lange für ihre Unter-Hitler-war-nicht-alles-schlecht-Litanei missbraucht, dass die inhaltliche Auseinandersetzung nur noch lästig scheint. Ob im Guten oder Bösen: Autobahnen gelten in Deutschland weithin als die "Straßen des Führers".

Für die meisten Deutschen beginnt die Geschichte der Autobahn am 23. September 1933, mit dem ersten Spatenstich Adolf Hitlers für die erste "Reichsautobahn" von Frankfurt über Darmstadt und Mannheim nach Heidelberg. Doch die Strecke war ein alter Hut: Sie griff zu einem großen Teil zurück auf Pläne des Vereins zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte-Frankfurt-Basel, kurz HaFraBa, und diese gab es seit 1926.


Die Avus gab's schon 1921

HaFraBa-Gründer Robert Otzen, Ingenieur und Professor in Hannover, prägte den Begriff Autobahn als Ersatz für Wortungetüme wie Nur-Kraftwagenstraße. Eine solche hatte schon 1904 der autobegeisterte Kaiser Wilhelm II. angeregt, und eine 1909 in Berlin gegründete Gesellschaft wollte eine "Automobil-Verkehrs- und Uebungs-Straße" – kurz Avus –bauen. Der Erste Weltkrieg kam dazwischen, die Avus wurde erst 1921 fertig.


Adenauer war schneller

Die deutschen Behörden waren weniger futuristisch gestimmt, das Vorhaben der HaFraBa fand keine Unterstützer. Der Verein plante zwar nach italienischem Vorbild, sein Projekt zum Teil per Maut zu finanzieren, doch die Kosten für die fast 1.000 Kilometer von Nord nach Süd waren zu hoch.

So entstand die erste deutsche Autobahn anderswo. 1932 eröffnete der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer die Kraftwagenstraße Köln-Bonn, die heutige A 555. Gebaut wurde sie von Erwerbslosen, die dafür Geld aus der Arbeitslosenkasse bekamen. Die Militärs redeten mit.

Diese Idee, die Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen, kopierte Adolf Hitler kurz nach seiner Machtübernahme 1933. Noch 1930 hatte seine NSDAP als Oppositionspartei im Reichstag den Bau von Autobahnen abgelehnt, weil davon angeblich nur "reiche Aristokraten" und "jüdische Großkapitalisten" profitierten. Jetzt wollten sie plötzlich die "Mobilität der Volksgemeinschaft" fördern.

Nun ging alles ganz schnell: Die Reichsregierung erließ im Juni 1933 das "Gesetz über die Errichtung eines Unternehmens Reichsautobahnen", einer Tochtergesellschaft der Reichsbahn. Fritz Todt, der spätere Rüstungsminister, wurde zum Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen ernannt und organisierte den Bau, der 600.000 Jobs bringen sollte. Nach Berechnungen von Historikern wurden es nie mehr als 150.000. Aber die Wehrpflicht und die Rüstungsindustrie entlasteten den Arbeitsmarkt ohnehin. Zuletzt wurden auch Kriegsgefangene und andere Zwangsarbeiter eingesetzt.

Aktualisiert 23. September 2013

http://www.zeit.de/mobilitaet/2013-09/a … ozialismus





Signatur
Früher war mehr Lametta.

(Loriot)

Ich liebe es, Menschen beim Lügen zuzuhören, wenn ich die Wahrheit kenne ;-)

Helferlein
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...   Erstellt am 04.12.2014 - 10:26Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens Wochenschauer Nr. 629 vom 04. Dezember 2014

Wie brave Sachsen das Abendland vor dem Islam retten


Allah Anfang ist schwer. Das gilt besonders, wenn man einen Kreuzzug beginnt gegen die islamische Weltverschwörung. (Diese Weltverschwörung hat inzwischen den Vornamen geändert; früher war es bekanntlich eine jüdische. Aber die ist in besseren Kreisen derzeit nicht ganz so offiziell angesagt; da ist man ein bisschen vorsichtiger geworden, zumindest bei öffentlichen Äußerungen.) Immerhin ist den Anfängen dieses Kreuzzugs kaum noch zu wehren. In Dresden sollen am letzten Montag 7.500 brav-bürgerliche Islamophobiker auf den Straßen unterwegs gewesen sein mit der sicheren lautstarken Gewissheit: „Wir sind das Volk“. Eine Parole, die auch bei den NPD-Märschen gegen Asylheime immer wieder gerne genommen wird.

Pegida nennt sich diese neue nazionale Bewegung, bei der auch die sächsische AfD begeistert mitmarschiert. Pegida heißt ausgeschrieben: Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands. Nun müsste denen erst einmal jemand klarmachen, dass Abendland da ist, wo die Sonne untergeht. Das ist der Okzident, also der Westen. Sachsen hingegen liegt im politischen Osten, also im Orient. Und gegen eine Islamisierung des Orients zu kämpfen, ist schon seltsam genug. Vorausgesetzt, es gäbe eine solche Islamisierung überhaupt. Aber in Dresden gibt es gerade mal drei kleine Moscheen. Nach Schätzung der islamischen Gemeinde kommen etwa 745 Gläubige zum traditionellen Freitagsgebet. In Chemnitz sind es etwa 450 Muslime.

Man sieht; die Islamisierung kommt offenbar nur schwer in die abendländischen Gänge. Erst, wenn Angela Merkel in einer Gesamtkörper-Burka vor den Bundestag tritt, wissen wir, jetzt sind wir reif für den Dschihad. Wobei die Vorstellung von Merkel in totaler Burka-Vermummung mich, ehrlich gesagt, gar nicht so sehr abschreckt. Das einzige, was mich daran stören würde, wäre die Tatsache, dass diese talibanesische Modekleidung auch für die Merkel ein kleines, gewebtes Mund-Gitter zulässt zwecks Absonderung der anfallenden politischen Notdurft, gewissermaßen eine Laber-Öffnung zur Entleerung der verschiedenen Hohlräume.

Nun ist ja diese Kanzlerin absolut pragmatisch, wenn es denn der Machterhaltung dient. Da ist sie für jede Wende bereit – notfalls auch zur Hinwendung zum radikalen Islam, unter der Voraussetzung allerdings, dass von den Minaretten herab von morgens bis abends ihr zu Ehren ein angeleskes Loblied gejault wird.

Und in dieser immerhin möglichen Merkelschen Mimikry sieht auch die AfD ihre Chance, die sogenannte Christen-Union öffentlich wegen islamischer Unterwanderung anzuzeigen. Deshalb hat sie gerade in einem Aktionsprogramm die Islamophobie zu ihrem Kernpunkt gemacht. Der Gauleiter von Brandenburg und AfD-Vize Gauland erklärte, dass da eine Parallelgesellschaft entstanden sei, die immer dreister an unseren kulturellen Grundwerten nage. So ist er nun mal, der Muselmann: Ständig schickt er die Muselfrau zum nächsten Supermarkt, wo sie dreist vermummt unsere kulturellen Grundlagen aufkauft, damit die vermuselte Familie abends was zum Nagen hat. Dann mampfen die unsere deutschen kulturellen Werte in sich hinein bis davon nichts mehr übrig ist. Und alles im Namen Allahs. Glücklicherweise gibt es die AfD, die das aufdeckt. AfD steht in diesem Fall als Kürzel für: „Allah frißt Deutschland“.

© Martin Buchholz




Helferlein
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...   Erstellt am 13.12.2014 - 02:14Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens Wochenschauer Nr. 630 vom 12. Dezember 2014

Wowi, Gottes Sohn und Walter Ulbricht – und außerdem noch ein bißchen Folter-Nachhilfe


Gottes Sohn hat die Berliner endgültig verlassen. Unser aller Wowi wacht nun nicht mehr über uns. Die Sache mit „Gottes Sohn“ hatte meine Enkelin Andrine schon vor Jahren behauptet. Schließlich, so meinte sie, werde Wowis göttliche Herkunft überall zu Weihnachten besungen: „Stille Nacht, heilige Nacht! Gottes Sohn Wowi lacht“...

Ich klärte sie dann über ihren Irrtum auf. Allerdings hätte mir die Enthüllung schon gefallen, dass der Filius des Allmächtigen schwul gewesen sei und er deshalb eine Homo-Ehe mit seinen zwölf Jüngern angestrebt hätte. Das hätte eine wahre Revolution in allen christlichen Kirchen ausgelöst. Alle Kathedralen wären aus Protest krachend zusammengebrochen. Leider war es nur ein Hörfehler – wie einst beim „weißen Neger Wumbaba“, der bei Mathias Claudius aus den Wiesen stieg, nachdem der Mond aufgegangen war.

Hätte Wowereit himmlische Heerscharen an seiner Seite gewusst, hätte der Berliner Flughafen zumindest zu Heiligabend geöffnet werden werden können als Start- und Landebahn für das übliche „Jahresendgeflügel“ (so nannte man DDR-offiziell realsozialistische Weihnachtsengel). So aber ist nun guter Aufsichtsrat teuer, nachdem sich der Nicht-mehr-Regierende auch dort zurückgezogen hat. Schade, so meint meine Kabarett-Kollegin Helene Mierscheid, dass man nicht den alter Mauerbauer Walter Ulbricht reanimieren konnte für das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden. Wäre sein Geist noch lebendig und er hätte bei der letzten gemeinsamen Pressekonferenz von Wowereit und Mehdorn mit am Tisch gesessen, dann wäre er irgendwann das Geschwafel der beiden leid gewesen und hätte rigoros-ehrlich erklärt: „Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu bauen.“ Und – schwups – zwei Wochen später hätte der Flughafen eröffnet werden können.

+++

Man stelle sich nur einmal kurz vor, es käme in Russland ein Folter-Bericht an die Öffentlichkeit mit ähnlichen staatlich angeordneten Bestialitäten wie jetzt in den USA. Welch ein Aufschrei des Entsetzens ginge da durch unsere Medien. Unsere Politiker würden sich überbieten in öffentlichen Verurteilungen und abgrundtiefster Abscheu. Und das mit aller Berechtigung. Doch bei unseren amerikanischen Verbündeten wird die Folterherrschaft der CIA bestenfalls mit milder Nachsicht registriert, und dann geht man wieder zur Tagesordnung über. Jetzt warte ich nur noch darauf, was der „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe dazu zu sagen hat. Der ist als „embedded journalist“ voll eingenu..., äh, eingebettet in die verschiedensten atlantischen Lobby-Vereine, wie man dank der „Anstalt“-Kollegen weiß. Ich erwarte etwa folgende Einschätzung von ihm: Das, was die CIA-Schergen da mit ihren Gefangenen anstellten, war eigentlich gar keine richtige Folter, sondern, wenn überhaupt, ein menschenrechtlicher Irrtum – eine bedauerliche Fehleinschätzung, die in bester demokratischer Absicht zum Schutz der westlichen Werte erfolgte.

Schon vor zehn Jahren, als die Horror-Bilder aus dem amerikanischen Folter-Knast Abu Ghreib in Bagdad in Umlauf kamen, war Joffe sofort im Propaganda-Einsatz, um die Ereignisse sanft zu relativieren (Wochenschauer vom 14. Mai 2004) – und zwar im Berliner „Tagesspiegel“, wo er allwöchentlich in einer unsäglich eitlen, selbstbeweihräuchernden Kolumne den Wilmersdorfer Witwen die Welt erklärt. Nach Abu Ghreib ließ er seine Leser an einem amerikanischen Sprachkurs teilnehmen. Die Amerikaner, so Joffé, hätten eine sehr viel höher entwickelte Sensibilität als wir Deutschen - besonders, was Nuancierungen im Sprachgebrauch angehe. Sie wüssten ordentlich zu unterscheiden zwischen „torture“ (also „Folter“) und „abuse“ („Missbrauch“). Und nur letzteres hätte im Gefängnis von Abu Ghreib stattgefunden.

Sicherlich, so teilte er uns zwischen Zeilen mit, sei das nicht alles schön gewesen, was da auf einigen privaten Erinnerungsfotos für das amerikanische Familienalbum zu sehen sei, aber, bitte sehr, da wollen wir doch mal sachlich bleiben und sprachlich sauber... Wer in diesem Zusammenhang das Wort „Folter“ benutzt, macht sich selber als „Abuser“ schuldig - missbräuchlich in anti-amerikanischer Hetz-Absicht die Sprache schändend.

Und da im jetzigen US-Folterbericht ohnehin „nur Scheiße“ steht (so Dick Cheney, der Ex-Vize von George Doubleyou), wird uns unser Amerikanisch-Lehrer Herr Joffe bestimmt bald darüber aufklären, dass dieser „shit“ nur der Vorwand für einen anti-freiheitlichen shit-storm ist.

Auch in Springers „Welt“ wurde ich schon im Dezember 2005 aufgeklärt, dass man bei „verschärften Verhörmethoden“ nicht so zimperlich sein dürfe: „Wie wird man Informationen erhalten von Terroristen, die sich bei einer Tasse Tee durch gutes Zureden nicht beirren lassen?“ Hübsch gefragt von einem, der ganz offenbar die dauernde Teetrinkerei mit Terroristen satt hat. Und weiter: „Ist der Rückgriff auf Folterpraktiken in absoluter Weise zu verurteilen und zu bannen, selbst wenn es darum geht, dass sich eine Rechtsordnung gegen Feinde schützen muss, die sich außerhalb des Rechts bewegen?“ So viele drängende Fragen, und dann endlich die rechtsstaatliche Antwort: „Man sollte sich keinen Heucheleien hingeben. Im Bedrohungsfall hat noch jeder Rechtsstaat seine Normen außer Kraft gesetzt, um das Recht zu schützen.“

Wie meinte einst der olle Wolgang Neuss: „Man kann gar nicht so viel kotzen, wie man bei Springer zu lesen kriegt.“

© Martin Buchholz




Helferlein
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...   Erstellt am 19.12.2014 - 17:50Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens Wochenschauer Nr. 631 vom 18. Dezember 2014

Stille Nacht, graulige Nacht!


Es wird immer perverser mit den Dresdner Abendländlern. Am nächsten Montag wollen sie nun auch noch singen. Deutsche Weihnachtslieder sollen einstimmen zum vermeintlichen Fest der Liebe in ein Massen-Event des Hasses. Eine zündende Idee. Und neu ist die Idee wahrlich nicht. Denken Sie nur einmal ein paar kurze Wende-Jährchen zurück: Als damals in Rostock-Lichtenhagen ein Haus voller Vietnamesen in Flammen stand. Für die richtige Mordsstimmung sorgten dabei Tausende von deutschen Biedermännern und deutschen Biederfrauen, die als Publikum die Brandstifter anfeuerten. Und die Menge sang angesichts des lodernden Brandes, in dem Dutzende von Ausländern zu verbrennen drohten, vor den Fernsehkameras im feierlichen Choral: „O Tannenbaum! O Tannenbaum!“

Das ist deutsche Besinnlichkeit. Da wird es einem ganz heimelig ums Gemüt, wenn man in weihnachtlich knisternde Flammen schaut. Und im Nürnberger Umland sind in der vorletzten Woche schon wieder drei Asylheime in Flammen aufgegangen. Die waren noch nicht bezogen – glücklicherweise. (Seltsam, wie bescheiden und pervers man zuweilen das Wort „Glück“ verwendet: Man ist schon froh, dass „nur“ ein paar leerstehende Heime in Flammen aufgegangen sind.)
Viel hat sich nicht geändert: Im Feuerschein der brennenden Asylheime bekommt der Begriff „Scheinasylant“ erst seinen wahren deutschen Sinn.

Man muss offenbar vor dem 24. Dezember immer wieder daran erinnern: Berüchtigte Asylbewerber waren dereinst ein gewisser Joseph mit seiner Ehefrau Maria, von denen in diesen Tagen gelegentlich auch die Rede ist. Aber die sind damals nach Ägypten geflohen. Zu ihrem Glück haben sie gar nicht erst versucht, in Deutschland Asyl zu finden. Unsere christlichen Parteien hätten sie hier sofort als Wirtschaftsflüchtlinge und Asylbetrüger abgestempelt, zumal uns diese Maria auch noch ihr Balg mit eingeschmuggelt hätte, bei dem die Vaterschaft bis heute mehr als fragwürdig ist. Man kann Maria und Josef nur beglückwünschen, dass sie die deutschen Lande großräumig gemieden haben. Denn wenn Bethlehem damals zufälligerweise in Deutschland gelegen hätte, dann wäre dieser Asylanten-Stall mitsamt der Krippe des Christuskindes ohnehin längst abgefackelt worden.

© Martin Buchholz




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