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RAJABEAT
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...   Erstellt am 19.06.2014 - 13:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hat Herr Buchholz Urlaub ?????????????




Helferlein
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...   Erstellt am 20.06.2014 - 19:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens Wochenschauer Nr. 622 vom 20. Juni 2014

Kriegsgräber-Vorsorge dank Standortpfarrer Gauck


Eine Wortmeldung in eigener Sache vorweg: Nachdem ich zwei Wochen lang in England herumgefaulenzt habe, geht die Faulenzerei nun an der Heimatfront gemäßigt weiter. Ein weitgehend auftrittsfreier Sommer liegt vor mir. Zwar habe ich an einem neuen Programm zu arbeiten und auch ein weiteres Buch ist in gedanklicher Vorbereitung (erscheint aber erst im nächsten Jahr), doch ansonsten will ich mir eine Auszeit gönnen, um Gemüt und Gehirn neu aufzutanken. Soll heißen: Diese Kolumne wird in den nächsten Monaten nur nach Bedarf erscheinen (und zwar nach meinem).
Ich hoffe, Sie bleiben mir dennoch gewogen. Hier also mein vorerst letztes Pamphlet – Gauckseidank!

+++

Standortpfarrer Gauck, unser oberkommandierender Seelenhirte auf dem Feld der deutschen Ehre, rüttelt schon lange an seinem Volke herum, auf dass Deutschland endlich mal wieder erwache. Er geißelt zum wiederholten Male die kriegerische „Zurückhaltung der Deutschen“, die „den Einsatz militärischer Mittel“ – natürlich „als letztes Mittel“ – scheue. Nun waren in der Kriegsgeschichte jedweder Nation die militärischen Mittel stets die letzten Mittel, zu denen man bedauerlicherweise greifen musste. Irgendwann musste man eben zurückschießen – spätestens ab 5 Uhr 45 (das ist allerdings mehr eine deutsche Zeitangabe). Beim letzten Mittel gibt es nun mal kein Mittelmaß.

Die derzeit mittel-mäßige Haltung der Deutschen war schon für einen früheren Bundespräsidenten ein rechtes Ärgernis. Der damalige Herzog in der Bellevue-Kaserne forderte martialisch, dass „ein Ruck durch Deutschland gehen“ müsse. Seltsam, immer wenn unsere obersten Feldprediger heftig am Rucken sind, zucke ich nicht minder heftig zusammen. Ein Ruck-Zug der besonderen germanischen Art.

Pfarrer Gauck hat seine Missionsarbeit als Kriegs-Vorantreiber schon vor zwei Jahren begonnen. In einer Rede vor der Führungsakademie der Bundeswehr beklagte er, dass das deutsche Volk absolut kein Glücksgefühl empfindet, wenn deutsche Soldaten bei Auslandseinsätzen sterben. Gauck wörtlich: „Dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glückssüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen.“ Was übersetzt heißt: Wir müssen endlich wieder unglückssüchtig werden, damit wir es erträglicher finden, wenn es mehr deutsche Gefallene gibt (obwohl es diese Soldaten dann eigentlich nicht mehr gibt, eben weil sie gefallen sind). Eine alte deutsche Tradition: Kriegsopfer-Vorsorge nennt man das. Gauck meint offenbar: Wenn deutsche Soldaten fallen, dann sind sie ja wohl gefallen zum Wohl gefallen, zum Wohl des Vaterlandes und damit wohl auch zu seinem Wohlgefallen. Und dieses Wohlgefallen will er mit uns teilen, auf dass uns eine ganz neue Art von Glückseligkeit erfülle.

Glücklicherweise (genauer: gaucklicherweise) gibt es immer mehr deutsche Kriegsfreiwillige, die den Ruf ihres Präsidenten vernommen und verstanden haben. In Scharen ziehen sie ins Ausland, um dort zu den Waffen zu greifen. Sie sind bereit, sich „früher, entschiedener und substanzieller einzubringen“, wie es Gauck im Januar auf der Münchner Sicherheitskonferenz von den Deutschen forderte. So konnte „Spiegel-online“ gestern die Erfolgsbotschaft verkünden, dass im Irak nun frisches „Kanonenfutter aus Deutschland“ auf dem Markt sei. Die Zahl der freiwilligen deutschen Kämpfer sei in diesem Jahr sprunghaft gestiegen – allerdings auf der Seite der Dschihadisten, also bei den Isis–Milizen. „Bundespräsident Gauck ruft erneut zum Heiligen Krieg auf“, so betitelte der Ex-CDU-Minister Todenhöfer die Meldung auf seiner Facebook-Seite, und zugleich zeigt er den Heiligen Krieger im fotomontierten Al-Kaida-Outfit.

Das ist natürlich unerhört, und so wird es in den Gazetten einstimmig kommentiert: Man kann Gauck ja viel unterstellen, aber er ist gewiss kein islamischer Fundamentalist. Nein, er ist eindeutig ein protestantischer. Doch der Krieg ist ihm heilig – zumindest als „letztes Mittel“, wenn es um die „Menschenrechte“ geht. Eine diffuse Ersatz-Religion, die schon den Krieg in Afghanistan rechtfertigen sollte. Menschenrechte werden immer dann von rechten Menschen gepredigt, wenn es im Hintergrund um ganz andere Interessen geht, wie es der Ex-Präsident Köhler einst allzu offen eingestand, woraufhin er freiwillig zurücktreten musste.

Der Heiligenschein, mit dem der jetzige präsidiale Evangelist auch von den Grünen und der SPD bekränzt wurde, ist ein Schein, der auch die „letzten Mittel“ heiligen soll. Was da zum Vorschein kommt unter diesem Heiligenschein ist schon lange augenscheinlich: Ein gefährlicher Scheinheiliger.

© Martin Buchholz




Helferlein
unregistriert

...   Erstellt am 25.10.2014 - 13:37Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens Wochenschauer Nr. 623 vom 24. Oktober 2014

Buchholz schauert‘s wieder


Mich haben so einige besorgte Mails und Anfragen erreicht, ob ich denn wohlauf sei, weil man so lange keinen Besinnungsaufsatz mehr von mir gelesen habe in dieser angeblichen Kolumnen-Wöchnerei. Die Antwort für mein Schwänzen ist ziemlich einfach: Ich war zu faul und zu unbelustigt. Natürlich darf man sich so etwas wie gesellschaftliche Lustlosigkeit oder gar Frustvölligkeit in meinem Kritik-Gewerbe eigentlich gar nicht leisten, aber ich wollte eine Auszeit haben ohne jeden Morgen die Meldungen zu durchforsten zwecks satirischer Verarbeitung. Diese Auszeit ist vorbei; die Inzeit beginnt wieder. Also rein ins traurige Vergnügen!

+++

Das Bundesverfassungsgericht hat am Dienstag hart wie Kruppstahl entschieden: Die Bundesregierung darf Rüstungsexporte vor den Abgeordneten so lange geheim halten bis diese Deals kaum noch zu stoppen sind. Unseren Rüstungswirtschafts-Minister Gabriel wird das freuen. So spart er sich den Ärger mit den eigenen Genossen, vor denen er noch im Mai lautstark gemaulhurt hatte, was für ein großer Abrüster er doch sei. Inzwischen stimmte er kleinmäulig allen Waffengeschäften zu, die arabische Scheichs befähigen, ihre Bevölkerung im Krisenfall gut in Schuss zu halten. Nun ja, das ist eine alte Geschichte. Wenn die CDU ganz dringlich etwas fordert, hört man von den mitregierenden Genossen zunächst nur ein zögerliches „Ja, aaaber...“ Und zum Schluss heißt es dann immer: „Aaaber jaaa!“ So kann keiner sagen, dass die SPD nicht zu ihrem Wort steht. Nur dass die Wörter dabei gelegentlich verdreht werden.

Sigmar Gabriel hat sich selbst einmal in einem Interview als „meinungsstark, aber kompromissfähig“ charakterisiert. Und wenn er mal ein kleines bisschen zu meinungsstark ist, dann beordert ihn die Chefin in ihr Büro. Brav marschiert dann der Minister zum Kanzleramt, und natürlich nimmt er auch seine meinungsstarke Meinung mit. Weil er aber auch kompromissfähig ist, überlässt er seine Meinung grosszügig der Kanzlerin und marschiert mit ihrer Meinung wieder davon. Das nennt man einen demokratischen Meinungsaustausch.

+++

Ich bin ja ein Fan von der Berliner SPD – obwohl ich ansonsten von Trash-Comedies eher gelangweilt bin. Aber diese Wowi-Nachfolgewahl im Berliner Genossenklüngel war so eine gelungene provinzielle Veranstaltung, dass das Tegernseer Bauerntheater dagegen dramaturgisch glatt abstinkt. Allein die nervenzerfetzende Spannung, die da in dieser internen Berliner SPD-Inszenierung dem Zuschauer durch alle Adern jagte, war kaum noch auszuhalten. „I have a faint cold fear thrills through my veins“, schrieb einer der ausländischen Wahlbeobachter, ein gewisser William Shakespeare (immerhin etwa 300 Jahre älter als die SPD). Wahrlich, ein Drama im Stil seiner alten Königs-Historien: Drei Machtmänneken, die sich da um die wowereitsche Erbschaft stritten, also um die Trümmer der bruchgelandeten Höhenflüge.

Wäre es nach mir gegangen, hätte die Kultur-Staatssekretärin Monika Grütters diese interne SPD-Wahl gewonnen. Nur kam sie gar nicht in die engere sozialdemokratische Auslese: Blöderweise ist sie eine Frau und aus Versehen auch noch in einer anderen Partei, allerdings in einer von der SPD nicht sehr weit entfernten, also in der Schwesterpartei CDU. Doch eine kluge, kulturell interessierte und informierte Frau wie die Grütters wäre mal eine Abwechslung gewesen als Oberhäuptin in unserer alten und neuen Mir-reicht’s-Hauptstadt. Jetzt aber kriegen wir einen Aktenordner namens Müller als Regierenden Bürgermeister. Persönlich ist gegen ihn wahrscheinlich nichts zu sagen: Eben ein freundlicher Ärmelschoner, der das Charisma eines stellvertretenden Sparkassen-Filialleiters von Hinterfinsterwalde ausstrahlt. Und der wird nun auch noch per Ämter-Anhäufung zuständig für die Kultur in Berlin (selbst für die mit dem Vornamen Sub). Und ich fürchte, dass ihm diese meilenweit an verschiedenen Körperteilen vorbeigeht, wobei ich hier von Hirn und Herz rede und nicht vom Gesäß, dass bei jedem Amts-Insassen ohnehin zur notwendigen Grundausstattung gehört.

Ich fürchte, wir werden uns in Berlin eines nicht allzu fernen Tages noch nach Wowereit zurücksehnen. Auch der war und ist kulturell eher ein piefkiger Schnösel. Die Kulturszene der Stadt hat er eher peinlich bereichert, etwa als er für eine Schwulen-Mami wie Desiree Nick das Aschenblödel machte – nach dem Motto: Ruckedigu, Sekt ist im Schuh! Aber immerhin: Allein sein damaliges Outing und die anschließende Wowi-Wahl haben diese Stadt Berlin erfreulich entspießert und ein Stück denkoffener gemacht und damit auch attraktiver für manches international herumstreunende Künstlervolk. Ja, das war auch gut so! Dafür gebührt ihm ein Dank!

+++

Als eine „Zonenwachtel“ habe man sie einst beschimpft, berichtete Angela Merkel Anfang der Woche auf einem Migranten-Meeting in der Berliner CDU-Zentrale. Nun stammt sie ja selbst aus dem nahen Osten. Wir haben somit eine Kanzlerin mit Migrationshintergrund. Wohl deshalb sei sie, so ihre tröstenden Worte an das meist argwöhnisch beäugte Ausländervolk, „ein bisschen komisch beguckt“ worden. Doch vielleicht guckte man damals auch deshalb komisch, weil sie angeblich nicht mit Messer und Gabel umgehen konnte, wie ihr einstiger Ziehvater vor vertraulichem Mikro höhnte. Nun ja, so erging es damals nicht nur besagter Ossin, sondern vielen ihrer Zeit-Gen-Ossen: Sie brauchten gar nicht Messer und Gabel, sondern nur einen Löffel, weil sie die Suppe auslöffeln mussten, die sie sich supp-optimal selber eingebrockt hatten. Als die Merkel dann mit Gabel und Messer umgehen konnte, spürte das auch der einstige Einheitskanzler, der sie aufgegabelt hatte, sehr schmerzhaft. Plötzlich steckte ihr Messer in seinem Rücken. Er hauchte nur noch: „Auch du, meine Tochter Angela!“ und sank hinab in den Spenden-Sumpf. Oder sollte der Vereinigungs-Caesar gar geröchelt haben: „Auch du, meine Zonen-Wachtel?“.

© Martin Buchholz




focour 
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...   Erstellt am 25.10.2014 - 14:47Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Danke Helferlein, für den Wochenschauer, ich habe ihn in den letzten Monaten schon vermisst. Ob wir das mit dem "demokratischen Meinungsaustausch" hier auch einmal versuchen? ...





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Judith7 



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...   Erstellt am 26.10.2014 - 10:14Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ja, würdest Du Dir das denn zutrauen?




Judith7 



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...   Erstellt am 26.10.2014 - 10:29Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich freue mich übrigens auch sehr über den Wochenschauer, Helferlein.
Ich beführchtete schon, Du seist müde geworden, ihn einzustellen. Schön, daß es nicht so ist.




focour 
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...   Erstellt am 26.10.2014 - 10:51Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


ja sicher Judith würde ich mir das zutrauen ...





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Helferlein
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...   Erstellt am 31.10.2014 - 23:15Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens Wochenschauer Nr. 624 vom 31. Oktober 2014

Was ist der Buchholz? Nuhr zu feige!


„Hooligans gegen Salafisten“: Endlich haben sie sich gefunden, Neonazis und islamistische Neos, die zwei wichtigsten Mannschaften der deutschen Hirnlosen-Liga, würdige Gegner im Kampf um den Europa-Cup des fundamentalistischen Irrsinns. Jakob Augstein zitiert in seiner heutigen „Spiegel-on-line“-Kolumne einen der Sprechchöre, mit denen die Kampfesfreude der Anti-Islamos angefeuert werden sollte: "Heute schächten sie Schafe und Rinder, morgen vielleicht schon Christenkinder." Natürlich sind ihnen solche Gereimtheiten nicht selbst eingefallen – wie auch, wenn man die eigene Hirnschalen längst geschächtet hat. Das sind tausendjährige Spruch-Weisheiten aus früheren Zeiten. Nur ging es damals nicht gegen den Islam, sondern gegen das Judentum. Soll keiner sagen, dass junge Leute nicht bereit wären, deutsche Traditionen zu pflegen.

Nun ist der Kampf um Europa schon lange entbrannt. Das hat auch die Europa-Wahl in diesem Jahr gezeigt: Die planvoll geschürte Hysterie in vielen Medien hatte Früchte getragen. Die Internationale der ultrarechten Fremdenhasser, von den Verdummten dieser Erde nun mit Macht zum Durchbruch gebracht, hatte ihren Wahlkampf weitgehend auf einen Nenner gebracht: Es ginge darum, die endgültige Islamisierung Europas zu verhindern. Diese Dumpfsinnigkeit funktioniert auf der völkischen Unterschwelle bis weit hinein in das, was sich heute das „bürgerliche Lager“ nennt – auch in Deutschland. Die Angstparolen der „AfD“ (ein Kürzel für: „Allah frißt Deutschland“) wurden an den Wahlurnen vielstimmig wiederholt.

Unermüdliche Aufklärer wie Henryk M. Broder (nee, das M. steht nicht für Mohammed) und seine Propaganda-Brüder vom Blog „Die Achse des Guten“ sorgten dafür, dass die anti-islamische Achse immer gut geschmiert war. Als die Schweizer sich vor vier Jahren mit satter Mehrheit dafür entschieden hatten, dass man die Kirche konkurrenzlos im Dorfe zu lassen habe, auf dass kein Minarett das Matterhorn überrage, belobigte Broder das eidgenössische Votum als beispielhaft für die restliche westliche Welt. Denn, so Broder: „Moslems dürfen in Europa Gebetshäuser bauen, Christen in den arabisch-islamischen Ländern dürfen es nicht.“ Also müssen wir den Spieß nur umdrehen. Wir müssen endlich den Fundamentalismus der islamistischen Fanatiker übernehmen und in Sachen Religionsfreiheit das Mittelalter wieder einführen. Ein fundamentalistisches Gegengeschäft: Auge um Auge! Hirn um Hirn! So habe ich das damals kommentiert (Wochenschauer Nr. 447 vom 27.11.2009).

Und heute schäme ich mich dafür. Denn inzwischen hat mir Dieter Nuhr ins Gewissen geredet. Seine Erweckungspredigten hat er inzwischen zu einer Art Koran-Schule gemacht. Da zitiert er alle Grusel-Stellen aus den Suren und mekkat kräftig dagegen an. Aber die Mohammedaner wollen blöderweise nicht auf ihn hören. Die schwören einfach nicht ab. Nun könnte man natürlich auch alle Gruselstellen aus der Bibel herbeizitieren, was die Fundamentalisten in den USA auch gerne machen, die in etlichen Bundesstaaten an der Regierung sind und die dort die öffentlichen Bibliotheken säubern von schändlicher westlicher Literatur und an den Schulen die Darwinsche Evolutionslehre zu Teufelswerk erklären. Von überwiegend rassistisch bedingten Todesstrafen an Schwarzen und Morden an Abtreibungsärzten einmal ganz abgesehen. Und das sind nur einige Beispiele. Die hier aber nicht zählen. Weil in den christlichen USA bekanntlich die Meinungsfreiheit nicht bedroht wird; sie wird nur elektronisch allumfassend überwacht. Hingegen braucht in den streng islamistischen Staaten die Meinungsfreiheit nicht überwacht zu werden, weil es sie gar nicht gibt.

Die „FAZ“ zitierte in dieser Woche aus einem Nuhr-Interview, bei dem es einzig und alllein um seine Haltung zum Islam ging: „Nuhr wünscht sich ein breiteres Einstehen der bürgerlichen Mitte für die Meinungsfreiheit – auch, um einer Instrumentalisierung seiner Kritik durch Rechtsradikale zu begegnen.“ Einleuchtend: Die bürgerliche Mitte muss sich eben selbst meinungsfreiheitlich gegen den Islam radikalisieren, damit Rechtsradikale daneben keine Chance mehr haben.

Weiter lese ich der „FAZ“: „Nuhr ging in dem Gespräch zugleich mit dem deutschen Kabarett hart ins Gericht.“ Was den satirischen Umgang mit dem Islam anginge, würde das Kabarett (mit Nuhr einer Ausnahme) kneifen. Nuhr über seine Kollegen: „Die ziehen den Schwanz ein. Sonst wäre man ja islamophob“.

Und da hat er mich wahrlich schwer getroffen: Zu lange habe ich mit eingezogenen islamophilem Schwanz auf der Bühne gestanden. Jetzt lasse ich ihn endlich raushängen. Ich habe nämlich in diesem Jahr eine Bürgerinitiative gegründet unter dem Motto: „Weg mit allen Minaretten!“ Allerdings nicht in Deutschland, sondern in der Türkei. Da war ich im Sommer für ein paar Wochen auf Reisen und wurde permanent in meinem Morgenschlaf gestört durch muselmanisches Lautsprecher-Gewimmer von allen Minaretten herab. Wenn ein Muezzin mit seinem monotonen Singsang fertig war, fing der nächste an. Und mindestens 15 Moscheen waren immer direkt in der Nähe. Man konnte währenddessen bei dieser ohrenbetäubenden Jaulstärke kein Wort wechseln, geschweige denn eine Meinung äußern. Die Meinungsfreiheit war ständig brutal unterdrückt. Wahrlich: Ich weiß, was islamischer Terror bedeutet. (In Deutschland habe ich eher einen Bimmel-Bammel, wenn schon frühmorgens in verschiedenen Kirchtürmen der Glauben an die große Glocke gehängt wird.)

Meine Bürger-Initiative gegen türkische Minarette hat allerdings bislang selbst unter türkischen Freunden keine Anhänger gefunden, nur unter einigen deutschen Touristen. Mit mir zusammen waren wir immerhin drei. Wir drei wollten dann in Istanbul auch eine Massendemonstration veranstalten, um den Türken endlich zu zeigen, dass wir uns nicht länger terrorisieren lassen. Alle deutschen Fernseh-Stationen waren schon mit Kamera-Teams vor Ort, um diese mutige Aktion deutschen Widerstands im Namen der Meinungsfreiheit in die Nachrichtensendungen zu bringen. Aber dann hat mich doch der Mut verlassen – auch weil meine Frau meinte, dass ich total beballert sei und wenn ich so weiter mache, werde sie aus Protest gegen mich nur noch mit einem Kopftuch herumlaufen.

Und wieder habe ich den Schwanz eingezogen. Ja, ich gestehe! Ich weiß, was ich bin. Nuhr zu feige!

+++

Der Härtetest eines Weicheis


Unser Verkehrsregler Dobrindt erntet als potentieller Wegelagerer an deutschen Verkehrswegen nur Hohn und Häme. Zunächst hat man den potentiellen Straßenräuber selber gründlich abkassiert. Zumindest kassierte man einen wesentlichen Teil seiner Maut-Pläne – und die Abkassierer kamen sogar aus den eigenen Reihen. Und nun sind auch die Datenschützer hinter ihm her, die schon längst auf der Datenautobahn ihr gefährliches Unwesen treiben. Wegen der geplanten elektronischen Überwachung von Auto-Nummern, die ja meist im Stau geschoben werden, befürchten sie, dass der Autofahrer „gläsern“ werden könnte. Daraufhin hat der Minister in der heutigen BILD-naja-Zeitung den „härtestmöglichen Datenschutz“ versprochen.

„Härtestmöglich“ soll hier offenbar eine Steigerungsform sein – aber wovon? Die Normalform dieses Superlativs wäre „hartmöglich“, der Komperativ „härtermöglich“. Sinnfreie Wortverbindungen, die unterschwellig so etwas wie eine mentale Errektionsschwäche bei Alexander D. vermuten lassen. Alexander der Kleine ist eben nur ein Männekin, gewissermaßen ein Anhängsel von Seeehofer. Steht er doch unter der strengen Aufsicht seines brutalstmöglichen Erziehungsberechtigten, der die Mautgelder dringend braucht, um die Alimente für die bayrischen Landfrauen zahlen zu können. Der Alimenteur nennt diese Unterhaltspflicht allerdings „Betreuungsgeld“.

Und das Ministerchen Dobrindt hat als brutalstmöglich gedeckelter Dackel immer nur mitzukläffen – unisono mit his master’s voice. Eben ein härtestmögliches Weichei.

© Martin Buchholz




Helferlein
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...   Erstellt am 07.11.2014 - 22:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens Wochenschauer Nr. 625 vom 7. November 2014

25 Jahre „Waaaahnsinn“!


Nun wollen SPD und Grüne in Thüringen doch mit den linken Schmuddelkindern in eine gemeinsame Buddelkiste, auch wenn unser Ober-Gauck sie so überaus dezent gewarnt hatte. Um es mit den Worten dieses Fernsehpredigers zu sagen: Ich musste mich schon immer ganz schön anstrengen, um diesen geistlichen Hauptfeldwebel als Bundespräsidenten zu akzeptieren. Doch sollte man Nachsicht mit ihm üben. Er ist nun mal in einem gewissen Alter und zudem noch DDR-sozialisiert. Da fällt es ihm eben schwer, das Ergebnis einer demokratischen Wahl im Osten anzuerkennen. So etwas hat er schließlich früher dort nie erlebt. Und genau so ist seine Auskunft auch zu verstehen: „Menschen, die die DDR erlebt haben und in meinem Alter sind, die müssen sich schon ganz schön anstrengen, um dies zu akzeptieren.“

Nun ist ja die DDR schon lange hinüber. Zum 25. Jahrestag der Entmauerung will auch ich noch einmal eine Jubelhymne anstimmen – wie ich es schon in meinem Machwerk „Geh!Denken – Geh!Dichte“ getan habe (hier zu bestellen: http://www.martin-buchholz.de/buecher_cd_dvd.php). „Ein Volkslied“ – so der einfache Titel.


I.

Wie war für’s Ost-Volk dazumal
der Sozialismus so real.
Er füllte jedes Transparent
und siechte und siechte permanent,
war überall, zu jeder Stunde
als Zwangsparole im volkseig’nen Munde.
Sozialismus als Maulhurerei –
oral existierend für die Einheitspartei.

Und die Idee wurde fahl und schal –
so-zi-alistisch irreal.
So irre real, daß als Realist
man ganz real irre geworden ist.

II.

So gab es schließlich Irre in Massen.
Die konnte man nicht frei herumlaufen lassen.
Die Irrenwärter sorgten sich sehr.
Schließlich sprach einer: „Ein Schutzwall muß her!“
Und so enstand ‘ne geschloss’ne Abteilung
für all diese Fälle ohne Aussicht auf Heilung.

Und es ging ins Land manch heilloses Jahr.
Doch plötzlich gab‘s da eine kecke Schar,
die rief den Wärtern glatt ins Gesicht:
„Wir sind das Volk! Erkennt ihr uns nicht?“
Und die Wärter staunten: „Ein Volk, das so spricht,
nee, tut uns leid, so was kennen wir nicht.“

III.

Nun war das auch nur eine Hochstapelei:
Denn das Volk, das da rief, dass es DAS Volk sei,
war gar nicht DAS Volk. Es war zu der Zeit
nur eine störrische Minderheit.

Und DAS Volk stand wie immer nämlich
oben am Fenster und glotzte nur dämlich.
Lupfte ganz vorsichtig die Gardine
mit völlig unbeteiligter Miene
für den Fall, dass einen doch einer sieht.
Gesamtdeutsch gibt’s da keinen Unterschied:
Hingucken, weggucken – beides zugleich.
Die übliche Sichtweise im germanischen Reich.

Doch irgendwann, als die Sache gelaufen,
kam auch DAS Volk herbei in mächtigen Haufen –
Das war sofort mit dem Kanzler auf Du.
Nun gehörte kein Mut, nur noch Helmut dazu.
Da hatte das Volk eine mächtige Fahne.
Die war schwarz-rot-gold – mittendrin ne Banane.
Und dann rief fast jeder Ossi-Germane
Wir sind EIN Volk“, mit lautem Organe.

IV.

Und es kam der Tag remember, remember...
In jener irren Nacht im November,
da hatte ein Irrenwärter, rein aus Versehen
sich schwer verzettelt – und schon war‘s geschehen:

Die Anstaltstore gingen auf
und die Insassen strömten ins Freie zuhauf.
Alle Irren war’n los. Da war irre was los.
Und die geist’ge Verwirrung ward allerorts groß.
Es gab sich der Ossi dem Wessi spontan hin.
Und alles stammelte nur noch „Wahnsinn“.

So hat sich dies‘ Volk vor aller Welt
selbst die sauberste Diagnose gestellt.

V.

Zur Orgie wurde das Straßenfest.
Es stöhnte der Ossi: „I test the West.
Mach mir den Wessi! Gib mir den Rest!“
Und der Wessi versprach: „I do my best.“

Wie böse ist man dann erwacht
nach der wildwüsten Einheitsnacht.
Bloß weil man einmal kopuliert
war man nun plötzlich eng liiert.

Das Westvolk und das Ostvolk, ach,
die hatten fortan nur noch Krach.
Das eine Volk zum ander‘n spricht:
„Wir sind EIN Volk? Ich fass’ es nicht!“

VI.

Bald war man schwer im Stimmungstief,
nur noch ger-manisch depressiv.
Es liegt im nationalen Gen:
Wir sind und bleiben schizophren.

Das Fazit der Vereinigung:
Die deutsche Schüssel hat ‘nen Sprung.
Den erbten wir von unseren Ahnen:
Nämlich den Ur-Sprung der Germanen.

Drum frag’ ich mich und frag‘ auch Sie:
Wahnsinn schon mal in Germany?

© Martin Buchholz




Helferlein
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...   Erstellt am 14.11.2014 - 15:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens Wochenschauer Nr. 626 vom 14. November 2014


Und noch ein Krieg zum Gedenken


Die Mauerfall-Fete ist nun glücklicherweise vorüber. Damit sollte es eigentlich vorbei sein mit dem deutschen Gedenkjahr, wo auch für zwei Weltkriege endgültig die Verjährungsfrist abgelaufen war. Einen kleinen Kriegs-Geburtstag hatte man dabei vorsichtshalber total verdrängelt, denn vor 15 Jahren haben wir Deutschen zum ersten mal wieder einen Krieg mitführen dürfen – nach allzu langer Zeit, die seit dem Weltkrieg Germanisch II (wir hatten da vorsichtshalber mit einer Nummerierung begonnen; bei erfolgreichen Serien weiß man ja nie, wie viele Folgen es noch gibt) vergangen war.

Wie schrieb ein Kommentator in Springers „Welt“ in einem Gedenkartikel zum 9. November 1989: „Mit dem Fall der Mauer war die Nachkriegszeit für Deutschland endgültig vorbei.“ Folgerichtig begann spätestens mit der deutschen Vereinigung wieder eine Vorkriegszeit. Und die konnte schließlich nicht ewig andauern. Irgendwann wollten deutsche Helden wieder aufbrechen in die große, weite Welt. Und es war dafür auch höchste Zeit. Nachdem die Ex-DDR-Bürger schon längst ihre Reisefreiheit wiedererlangt hatten, gab es keinen Grund mehr, unseren Soldaten Reisebeschränkungen aufzuerlegen.

Der erste Ausflug ging dann ins ehemalige Jugoslawien. Zugegeben, der Balkan war nicht gerade das, was man ein exklusives Reiseziel nennen kann. Doch als die Nato diesen Krieg begann, wurde dringend deutsches Knowhow gebraucht. Schließlich kannten wir uns in diesen Gegenden schon von früher her besser aus als alle anderen. „Serbien muß sterbien“: Das haben schon unsere Urgroßväter jubelnd gerufen, als sie dort im ersten Weltkrieg einmarschierten. Und im Weltkrieg Numero Zwo haben wir dann unseren kroatischen Verbündeten geholfen, mehr als eine Dreiviertelmillion Serben zu massakrieren. Und Belgrad haben wir ganz nebenbei in Schutt und Asche gelegt.

Aber bei unserem letzten Serbienkrieg war es natürlich was ganz anderes, denn diesmal ging es ja darum, einen Völkermord zu verhindern. „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, heute Abend hat die Nato mit Luftschlägen gegen militärische Ziele in Jugoslawien begonnen. Damit will das Bündnis weitere schwere und systematische Verletzungen der Menschenrechte unterbinden und eine humanitäre Katastrophe im Kosovo verhindern.“ Mit diesen Worten hat Bundeskanzler Gerhard Schröder am 24. März 1999 der Öffentlichkeit den ersten Kampfeinsatz deutscher Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg mitgeteilt.

Der damalige "Verteidigungs"-Minister Scharping zeigte uns im Fernsehen auf Papptafeln, welche brutale ethnische Säuberung die Serben da im Kosovo planten: Man hatte nämlich bei der NATO einen sogenannten „Hufeisenplan“ der serbischen Führung ausfindig gemacht, der im einzelnen die systematische Vernichtung aufzeigen sollte. Dieser grausame Plan war für die deutsche Regierung der entscheidende Kriegsgrund. Blöderweise kam später heraus – dazu noch durch eine Enthüllung des „Hamburger Abendblatts“, das zur publizistischen Kriegspartei des Springer-Konzerns gehörte –, dass dieser Hufeisenplan eine reine Erfindung des NATO-Pressesprechers war. Die wirkliche ethnische Säuberung begann erst nach dem unvermeidbaren Sieg der NATO. Danach wurden 200 000 Serben und hunderttausende Sinti und Roma aus dem Kosovo vertrieben. Aber da haben wir dann schon nicht mehr so genau hingeguckt.

Aber für Gerhard Schröder und Joschka Fischer war dieser Krieg eben lediglich eine humanitäre Maßnahme. Unsere Tornados eigentlich düsende Friedensengel. Und es sang der Chor der himmlischen Heerscharen:

Vom Himmel hoch, da kommt es her.
Wir bomben heut humanitär.

Übrigens: Ein Krieg ohne Zustimmung der Vereinten Nationen, nur mit NATO-Vollmacht. Frank und frei erklärte Schröder im März dieses Jahres in einem Interview, er verstehe gar nicht die Aufregung um den völkerrechtlichen Einmarsch Putins auf die Krim. Er, Schröder, habe als Kanzler doch auch völkerrechtswidrig gehandelt, als er ohne jedes Mandat des UNO-Sicherheitsrates, aber mit voller Unterstützung von Angela Merkel und Joschka Fischer Jugoslawien bombardieren ließ. Und zwar, um eine Separatistenbewegung zu unterstützen, die einen eigenen prowestlichen Staat auf serbischem Boden gründen wollte und dann auch gründete.

Seltsamerweise hatte der Putin damals für diese Separatisten überhaupt kein Verständnis. Dafür die Nato umso mehr. Jetzt allerdings ist es in der Ost-Ukraine genau umgekehrt. Soll das einer verstehen, wer will. Ich will es nicht. Ich bin weder ein Schröder-Versteher noch ein Putin-Versteher noch ein Nato-Versteher.

Bleibt das Fazit bei aller Kriegsgedenkerei – auch am kommenden Sonntag, dem Volkstrauertag, der zum Tag der Kriegsgräbervorsorge geworden ist: Es musste erst „die Wende“ kommen, damit Deutschland wieder einsatzfähig wurde für Kriege. Logisch: Eine Wende geschieht, wenn man sich umdreht – und da hatten wir plötzlich wieder eine Perspektive vor uns, von der man glaubte, dass sie eigentlich endgültig hinter uns gelegen hätte.

© Martin Buchholz




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