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Helferlein
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...   Erstellt am 04.01.2013 - 21:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens WochenSchauer - Nummer 565 vom 04. Januar 2013

Dreikönigstreffen beim Bürger-King


Zunächst einmal, liebwerte Leserin, geschätzter Leser, wünsche ich Ihnen ein lebenspralles Neues Jahr, strotzend vor Gesundheit und mitmenschlichem Wohlergehen, voller Herzlichkeit und Hirnlichkeit, auf daß Sie mir noch lange erhalten und gewogen bleiben.

Nun steht ja übermorgen zum endgültigen Abschluß der nach-christlichen Feier-Saison der Dreikönigstag auf dem Kalender. Da sollen bekanntlich dereinst drei frühe Lobbyisten der Räucherwaren-Industrie (in diesem Fall von der Abteilung Weihrauch und Myrrhe) bei einem künftigen Herrscher vorstellig geworden sein, um an der Futterkrippe möglichst die ersten zu sein. Ich habe vor Jahren schon darauf hingewiesen, daß es sich bei diesen Heiligen Drei Königen eigentlich um ein dreifaches Fake handelt. Es waren keine Heiligen, keine Könige und möglicherweise noch nicht einmal drei. Im Evangelium des Matthäus (ein früher esoterischer Bestseller-Autor) wird lediglich in der griechischen Mehrzahl von „Magoi apo anatolon“ gesprochen, auf deutsch: „Magiere aus dem Osten“. Möglicherweise waren das also Ossis vom Schlage eines Joachim Gauck. Auch der ist ja einer, der den pathetischen Zauber der pastoralen Magie voll beherrscht. Mit seinen öffentlichen Predigten auf allen Allgemeinplätzen lullt er das Volk so sermonisch sanft ein, daß die Beliebtheits-Barometer wie von einem Zauberstab berührt in himmlische Höhen schnellen. So ist er zum wahren Nationalheiligen geworden – ein heiliger Bürger-King. Und neben ihm thront Queen Angela, unser aller Ober-Ossin, die mit ihrem charismatischen Charme inzwischen ganz Europa bezaubert. Auch sie eine Meisterin der demoskopischen Magie, die alle Umfragewerte wie besoffen ins Unerreichte torkeln läßt. Selbst in der Ausnüchterungszelle meines Kabaretts verliert sie, die östliche Zauberin, nicht ganz ihre Wirkung. Wie gesagt: „magoi apo anatolon“. Frei übersetzt: Der faule Zauber aus dem Osten.

Apropos Dreikönigstreffen: Am Sonntag wird wieder auf allen öffentlich-rechtlichen Kanälen die Leichenschau einer obskuren nekrophilen Sekte nachrichtlich groß abgefeiert werden. Als topaktuelle Nachricht wird uns dann verkauft, daß eine politische Totgeburt namens Philipp Rösler noch einmal von seinen versammelten Zombies mit dem Weihwasser der kollektiven Scheinheiligkeit besprenkelt worden sei, auf daß er ein letztes Mal auferstehe als Hoffnungsträger. Dabei wissen doch alle, daß er nur noch ein wandelnder Leichnam ist, der am 20. Januar bei der Niedersachsen-Wahl hoffentlich endgültig in die Urne sinken wird – total verascht von den Wählern. Und so rufe ich ihm schon jetzt in übler Nachrede hinterher: Unfriede seiner Asche! Ich fürchte allerdings, daß er danach weiterhin im Bundeskabinett herumspuken wird als Geist einer posthumen Vergeltung. Eben: Die späte Rache des Vietkong.

Apropos Rösler: Der war es auch, der unserer Bundesmama ursprünglich das Betreuungsgeld nicht gönnen wollte. Dabei wird sie auch im neuen Jahr als alleinerziehende Mutti in der Kinderstube ihres Kabinetts ausreichend damit beschäftigt sein mit ihren ständig herumstänkernden Koalitionsknaben (die herumzickenden Mädels nicht zu vergessen). Statt die Blagen wenigstens tagsüber in eine sichere Verwahranstalt zu geben, wo sie vielleicht ansatzweise soziales Verhalten lernen könnten, besteht sie darauf, ihre Zwergschule selber zu verwalten, was allerdings dazu führt, daß diese Regierungs-Gnome immer rabaukiger werden. Mit Vorliebe schlagen sie sich gegenseitig die Köppe ein, um nachzugucken, ob bei dem anderen auch nichts drin ist.

Na denn: Auf ein Neues! Auch wenn alles beim Alten bleibt...

© Martin Buchholz




Helferlein
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...   Erstellt am 11.01.2013 - 17:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens WochenSchauer - Nummer 566 vom 11. Januar 2013

Wahnsin schon mal in Berlin?

Bruchpilot Wowereit ist nun auch als Aufsichtsratsvorsitzender notgelandet, hat sich aber gleich danach einstimmig selbst das Vertrauen ausgesprochen. Ansonsten ist er ausgesprochen unansprechbar. Fragt man den Regierenden Dorfschulzen der alten und neuen Mir-reicht’s-Hauptstadt: „Wo bitte geht’s hier zum neuen Flughafen?“ – dann kriegt man nur ein hilfloses Gestammel zur Antwort: „Wo? Wie?“ Ja, unser Wowie sieht derzeit ziemlich alt aus. Fast so alt wie seine Partei, die ihn zähneknirschend stützen muß. Und die SPD verjährt sich immerhin zum 150. Mal in diesem Jahr. Das ist in etwa auch der Zeitraum, mit dem man inzwischen rechnen muß bis zur Eröffnung der neuen Berliner Flugsaison. Von heute an gezählt, könnte also schon im Januar 2168 der erste Hauptstadt-Abflug möglicherweise starten (möglicherweise – denn allzu genau wollen wir uns da vorsichtshalber nicht festlegen). Aber die kleine Verzögerung wird man ja wohl verkraften können.

Die Berliner regt das nicht weiter auf. Sie hocken ohnehin notgedrungen zu Hause – ohne die Chance, irgendwo hinzufliegen oder hinzufahren, denn die S-Bahn kreist ja auch nur noch einmal am Tag aus nostalgischen Gründen um den Ring. Man muß es schließlich mit dem Nahverkehr nicht übertreiben, vom fernen Flugverkehr ganz zu schweigen.

Wie hatte Wowereit einst – und zwar im Jahre 2005 – vor dem Berliner Parlament erklärt: „Ohne meine Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender wären wir nicht an dem Punkt, an den wir heute gekommen sind.“ Tscha, wo er recht hat, hat er recht.

Das Hauptgebäude des angeblichen Großflughafens soll demnächst zum wowereitschen Mausoleum umgewidmet werden. Der Überfliegende Bürgermeister wird dann einbalsamiert im Glassarg liegen und gelangweilt wie üblich die ehrfürchtigen Prozessionen der Fluglärm-Gegner an sich vorbeiziehen lassen. Allezeit werden sie sein Loblied singen, weil er sie so lange landesväterlich vor dem Fluch der dezibelen Belästigung geschützt hat. Fürwahr ein Fluch-Hafen, den er den Berlinern gerne hinterläßt.

Wowereits Berlin, inzwischen eine Provinz-Hauptstadt der zweiten Liga! Nun bin ich ja ein eingeborener Ureinwohner dieses versumpften Biotops. Aber wer von den Berliner Aborigines traut sich heute noch als ein solcher zu outen, wenn er sich in einer halbwegs zivilisierten Außenwelt befindet? Schließlich ist ein solches Outing nicht ungefährlich. Man erinnert sich noch heute in der Stadt an jenen amerikanischen Präsidenten, der vor dem Rathaus Schöneberg tollkühn verkündete: „Ich bin ein Berliner!“ Kurze Zeit danach wurde er konsequenterweise erschossen.

Kennedy meinte damals, daß dies das stolzeste Bekenntnis sei, das man als Weltbürger ablegen könnte. Und jedem frontstädtischen Klein-Moritz im traulich ummauerten West-Berlin blähte sich daraufhin die antibolschewistische Heldenbrust. O tempora! O Moritz! Längst ist sie vergessen, jene Heldenzeit, als die Völker der Welt in unerbittlicher Penetranz von den Insulaner-Häuptlingen aufgefordert wurden: „Schaut auf diese Stadt!“ Heute wäre man froh, wenn kein Aas gucken würde. Zu peinvoll ist die Scham, ein Eingeborener dieses Milliardenlochs zu sein.

Nun ist es heute nicht mehr so, daß man gleich erschossen wird, wenn man als Berliner erkannt wird. Man hat eher einen gewissen Mitleidsbonus. Die meisten versuchen so zu tun, als würden sie diese angeborene Behinderung gar nicht wahrnehmen. Doch hinter meinem Rücken höre ich sie dann tuscheln: „Gott, der Ärmste! Ein Berliner! So einer wie der Doofereit – oder wie der heißt.“ Ich traue mich inzwischen auf meinen Tourneen kaum noch den Mund aufzumachen, weil mein Dialekt allzu deutlich das peinliche Geheimnis meiner Herkunft verrät. Deshalb habe ich jetzt an der Volkshochschule einen Schwäbisch-Kurs belegt. Damit will ich zugleich einen Beitrag leisten zur innerberliner Völkerverständigung. Schließlich muß man sich auch am Prenzlauer Berg mit den dortigen fremdländischen Okkupanten irgendwie arrangieren.

Neulich las ich in der „Berliner Morgenpost“ eine erschütternde Kurz-Analyse über die Zukunft der Stadt. Da stand tatsächlich: „Berlin bleibt Berlin!“ Schauerlicher kann eine Drohung kaum sein.

+++

Themawechsel: Ich will Sie, meine Leserschaft, auf eine sehr erfreuliche Initiative hinweisen – nämlich auf den Versuch, ein Satire-Magazin im Internet-Fernsehen zu etablieren. Unter der Schirmherrschaft von Dieter Hildebrandt soll noch in diesem Jahr der „stoersender.tv“ starten. Dafür braucht es Geld. Und das fordere ich hiermit frech von Ihnen – mit gutem Gewissen, denn meine Kolumne kriegen Sie ja kostenlos. Es wäre also schön, wenn Sie mal wieder etwas Marie locker machen könnten. Auf der Seite http://www.startnext.de/stoersender können Sie sich genauer informieren über das Projekt. Dort können Sie auch direkt als Unterstützer Ihren Obolus entrichten. Ich danke Ihnen schon im Voraus. Und vielleicht verschicken Sie diese Kolumne auch gleich weiter an andere Interessierte. Ich finde es mehr als notwendig, daß Satire endlich ohne jede öffentlich-rechtliche Vorzensur auf den Bildschirm kommt.

© Martin Buchholz




Helferlein
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...   Erstellt am 19.01.2013 - 11:51Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens WochenSchauer - Nummer 567 vom 18. Januar 2013

Das Steinbrücksche "Twilight"-Movie: Bis(s) zum letzten Grauen!


Eine Hängepartie wird es werden, die Wahl in Hangover. Das prophezeien zumindest alle Auguren, die den Flug der Pleitegeier in den niedersächsischen Tiefebenen rings um Großburgwedel beobachten. Darf das FDP-Skelett noch einmal mit den morschen Knochen klappern? Kann sich die Links-Partei am Dutt der Frau Wagenknecht aus dem eigenen Sumpf ziehen? Können die Piraten mit ihrem lecken Kahn anlegen an der Leine -- oder ziehen sie endgültig dieselbe?

Und was ist mit der SPD, der bundesweiten 23-Prozent-Partei, die der Kandidat innerhalb weniger Wochen von immerhin 30 Prozent heruntergebracht hat in den demoskopischen Keller? Egal, wie die Landtagswahl am Sonntag ausgeht: Es dämmert in der SPD. Und zwar dämmert es den meisten, daß man da einen leicht verschatteten Kandidaten gekürt hat. Einen Schattenkanzler fürwahr. "Der hat doch wohl echt 'nen Schatten." Solche Bemerkungen gehören noch zu den behindertenfreundlichsten Einschätzungen, die ich aus dem sozialdemokratischen Teil meines politischen Bekanntenkreises höre. Eigentlich ist es wohl mehr ein Halbschatten, der da in diesem Twilight-Movie herumgeistert: Bis(s) zum letzten Grauen. Ein renommierter Parteienforscher, ein gewisser Joseph von Eichendorff, hatte diesen Horror, unter dem die SPD nun leidet, ahnungsvoll beschrieben in einer Analyse unter dem Titel "Zwielicht":

Dämmrung will die Flügel spreiten. (...)
Wolken ziehn wie schwere Träume.
Was will dieses Graun bedeuten?

Wie rühmte einst der angebliche Parteichef Gabriel den Kandidaten bei dessen Nominierung: "Peer Steinbrück hat sich schon als Finanzminister große Verdienste erworben." Nur, daß sich keiner an solche Verdienste erinnern kann, sondern nur an die späteren Nebenverdienste. Das Große Bundesnebenverdienstkreuz ist ihm jedenfalls sicher. Und die Kanzlerin wird es ihm nach der Bundestagswahl gewiß verleihen. Hat er sich doch jetzt schon um die CDU verdient gemacht. Allerdings wird es wohl nie herauskommen, wieviel ihm die CDU gezahlt hat, damit er für sie Wahlkampf führt noch bevor der Wahlkampf begonnen hat. Er will eben mit allen Mitteln verhindern, daß er selber Kanzler wird. Ein Hungerlohn von monatlich 17.000 Euro ist einem Kandidaten nicht zuzumuten, der fast dieselbe Summe in einem halbstündigen Standard-Gelaber verdienen kann.

Gestern gab er sich mal wieder im Bundestag als kämpferischer Antikapitalist, der rhetorisch gegen die Allmacht der Banken andonnerte. Die "Süddeutsche" kommentierte: "Steinbrück lebt nicht, was er da verkündete. Er war schon immer mehr Arbeitgeber als Arbeitnehmer. Er würde sich auch verbiegen, wenn er plötzlich den Arbeiterführer gäbe." Doch genau das hat er bei seinem Auftritt vor dem letzten SPD-Parteitag in Hannover versucht. Schließlich ist Hannover inzwischen das Zentrum der sozialistischen Internationale. Ist es doch die Stadt der wahrhaft großen Arbeiterführer in der deutschen Geschichte: Gerhard Schröder, Christian Wulff, ganz zu schweigen von Fritz Haarmann, der allerdings eher für die Arbeiterjugend zuständig war.

Im Bundestag höhnte jedenfalls Wolfgang Schäuble in seiner Replik: "Sie sagen etwas, wovon ich nicht glaube, daß das der richtige Steinbrück ist." Tscha, offenbar gibt’s noch einen anderen Steinbrück, aber den darf er zur Zeit nicht raushängen lassen aus seinem etwas zu flotten Mundwerk. Er ist und bleibt ein Schizo-Sozi. Hätte die SPD doch nur auf Eichendorff gehört, als der sie warnte vor diesem zwielichtigen Kandidaten -- und zwar schon lange vor dessen Nominierung. In seiner "Zwielicht"-Expertise heißt es unter anderem:

Hast du einen Freund hienieden,
Trau ihm nicht zu dieser Stunde,
Freundlich wohl mit Aug' und Munde,
Sinnt er Krieg im tück'schen Frieden.

Natürlich wird Steinbrück auch festreden, wenn am 23. Mai dieses Jahres die deutsche Sozialdemokratie sich zum hundertfünfzigsten Mal verjährt. Allerdings gab es Streit unter den Genossen, warum die Parteiführung unbedingt die deutsche Kanzlerin zum Festakt bitten mußte. Ich finde es nur konsequent. Ist sie doch längst die oberste Sozialdemokratin dieses Landes -- auch nach Meinung der letzten AufRechten in der CDU. Bei den entscheidenden Abstimmungen im Bundestag etwa zur Europa-Politik ist sie zugleich die eigentliche Fraktionsvorsitzende der SPD, die den Genossen das Abstimmungsverhalten vorschreibt. Und die verschaffen ihr dann immer wieder die heimliche Kanzlerinnen-Mehrheit, die sie in den Reihen ihren Koalition längst nicht mehr hat. Insofern ist es auch nur konsequent, wenn der SPD-Kandidat sich der alten sozialdemokratischen Tugend entsinnt, die da unter dem Stichwort "Solidarität" längst verstaubt ist, und nun mit ihr schreitet Seit’ an Seit’, denn mit ihr zieht die neue Zeit. Genauer: die alte. Die Zeit der Großen Koalition, die da dämmert am Horizonte. Oder um es mit Eichendorffs "Zwielicht" zu sagen, der offenbar in strikter innerparteilicher Opposition zu Steinbrück stand und sich daher an die Basis der Partei wandte mit dem Aufruf:

Was heut' müde gehet unter, (...)
Manches bleibt in Nacht verloren.
Hüte dich, bleib wach und munter!

© Martin Buchholz




Helferlein
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...   Erstellt am 26.01.2013 - 13:41Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens WochenSchauer - Nummer 568 vom 25. Januar 2013

Warum meine Zweitstimme so niedersächsy ist


Jawohl, es war ein Debakel. Mehr noch, es war ein Desaster! Eine Katastrophe!

Ich rede und schreibe hier vom Super-Gau der Demoskopie. Die Wahlforscher hatten für die FDP den niedersächsischen Untergang prophezeit. Und was wurde draus? Die Zweitstimmen-Erweckung des leichenstarren Lazarus'. Der erststimmige CDU-Wähler sprach mit zweiter Stimme beim Urnengang zur FDP: "Nimm mein Brett und wandle!" Mit diesem Brett war jenes gemeint, das solche Wähler gewohnheitsmäßig vorm Kopf tragen.

Doch ich will nicht verheimlichen, daß dieses demoskopisches Fiasko der Wahl-Prognose auch mich sehr persönlich betrifft. Ich hatte vor der Wahl eine Expertise in Auftrag gegeben beim Meinungsforschungs-Institut Hohn&Häme, um die Wählerstimmung zu erkunden. Das Ergebnis dieser Wähler-Befragung in Niedersachsen war eindeutig: Die FDP würde weit unter 0,00 Prozent landen. Erst hinterher hat sich herausgestellt, daß diese Umfrage nicht gerade repräsentativ war. Der einzige Wähler, den dieses Institut befragt hatte, war ich selbst. Und ich bin in Niedersachsen gar nicht wahlberechtigt.

Außerdem: Keiner hat mich nach meiner Zweitstimme gefragt. Die hätte ich natürlich dem Rösler gegeben, mich selbst überstimmend. So wie ich früher schon immer den Westerwelle heimlich mit Zweitstimme gewählt habe. Und zwar aus rein ökonomischen Gründen. Schließlich lebe ich auf der Kabarett-Bühne von solchen Figuren. Das sind meine Dealer, die mich reichlich mit Stoff beliefern. Ich muß die also irgendwie am politischen Leben erhalten, auch wenn’s zuweilen mehr als unappetitlich ist -- etwa dann, wenn ein Herr Brüderle seinen ranzigen Altmänner-Charme raushängen läßt und hinterher all seine Partei-Dackel vor Begeisterung mit dem Schwänzchen wedeln. Nun ist die FDP ohnehin ein einziger Herrenwitz. Und dabei ist sie so sexy wie ein geliehenes Kondom, das schon mehrfach gebraucht wurde.

Immerhin: Da ich in Niedersachsen meine Zweitstimme nicht einsetzen konnte, habe ich zumindest indirekt den Farbwechsel von schwarzgelb zu rotgrün mit ermöglicht. Wenn ich Anfang Februar in Hannover wieder meine Erststimme auf der Bühne erhebe (am 1. und 2.2. im Theater am Küchengarten), werde ich die dankbare Huldigung der niedersächsischen Massen entgegennehmen.

Notorischen FDP-Wähler habe ich übrigens in meinem letzten Buch "Geh!Denken -- Geh!Dichte" eine kleine Parabel gewidmet mit dem Titel "Wenn Schafe wählen". Hier ist sie:

Die Tiere wählten sich ein Parlament,
und jedes Tier entscheidet effizient
für jenes sich, das es am besten kennt.
Bestimmt es doch auf diese Weise mit,
wer es am sinnvollsten vertritt.

Es wählt der Aal den Aal, der Wal den Wal,
Und der Schakal wählt den Schakal.
Kurz: Jedes Animal erkürt ein Animal,
wie man’s ihm vor der Wahl empfahl
von seiner Art, aus seinem Areal.

Doch als die Schafe sich zur Wahl entschieden,
da wählten sie den Löw’. Der war’s zufrieden.
Schafsköpfig wird der Eindruck so vermieden,
als wählt’ man nur nach eig’nen Interessen.
Wir Schafe wählen die, die uns dann fressen.

© Martin Buchholz




Helferlein
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...   Erstellt am 03.02.2013 - 19:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens WochenSchauer - Nummer 569 vom 01. Februar 2013

Volles Dirndl -- leeres Hirndl


"Ganz Deutschland" redet mal wieder. So wird es mir per "Morgenpost" mitgeteilt: "Ganz Deutschland redet nur über das eine..." Normalerweise halte ich mich da tunlichst raus, wenn "ganz Deutschland" sich zu Wort meldet, doch diesmal habe ich ein Wörtchen mitzureden. Ich hätte da nämlich mal 'ne Frage: Warum redet Deutschland immer nur über das eine, also über die herrenwitzelnde Maulhurerei, und nicht über die eine, die letztlich für diese hormonelle Geistesverwirrung der Kerle verantwortlich ist -- zumindest bei den Alpha- und Beta-Männchen der Polit-Szene? Ja, ich rede von unserer Kanzlerin. Aber nein, von ihrem femininen Sexismus will keiner etwas wissen, obwohl sie gnadenlos ist, wenn sie die Männer in ihrer Umgebung an- und niedermacht.

Sie ist es doch, die diese schwerbehinderten Testeron-Junkies ständig unter ihrer sexistischen Fuchtel hat. Sie ist die Hardcore-Lady, die gnadenlos ihre Knute schwingt. Eine MacPomm-Domina, die ständig am Durchpeitschen ist. Zumindest peitscht sie einen alternativlosen Beschluß nach dem anderen durch den Bundestag. Als Sado-Maso-Queen bringt sie auch die rotgrünen Oppositions-Masochisten dazu, immer brav Männchen zu machen, wenn sie ihnen den kategorischen Imperativ entgegenschleudert: "Stimmt! Mit! Mir!"

Wer in der Altherren-Riege im Bundestag könnte ihr schon widerstehen, wenn sie die Bundes-Mannen mit ihrer feurigen Rhetorik in den Bann zieht und dabei voll ihr elektrisierendes Charisma raushängen läßt, gepaart mit einer eiskalten müd-mondänen Laszivität. Da wird jeder Kerl zum sabbernden Brüderle. Der Ärmste kann doch nichts für seine sexuelle Demenz, wenn ihm das Hirn in die Hosen rutscht. Nein, er ist ein Opfer dieses männermordenden Vamps, von dem schon Friedrich Holländer sang:

"Erst ist sie vampig,
dann wird sie pampig.
Erst tut sie so, als ob,
dann wird sie grob.
Erst macht sie die Männer scharf,
aber keiner darf."

Deshalb übernehme ich hier freiwiilig die Verteidigung dieser gequälten Macho-Macker. Führt doch die frigidäre Verweigerung des Objekts ihrer maskulinen Begierde zu einem permanenten Triebstau. Und irgendwann bricht sich die brutal unterdrückte spätpubertäre Libido wie beim Brüderle eben anderweitig Bahn. Wie oft hat er sich wohl schon in geselliger Runde als Busenfreund geoutet, der gerne mal einer jungen Frau fachmännisch die volle Dirndl-Füllung bescheinigt. Solche verbalen Busengrabscher sind schließlich Experten, was das Holz vor der Hütte angeht. Tragen sie doch selbst vor der Hütte ihres kahlen Oberstübchens meist ein Brett mit der Aufschrift: "Wegen Unterfüllung geschlossen!" Da gibt es einfach nicht genügend Zellen für eine Hirndl-Füllung.

Und alle Brüder im Geiste -- lies: die Brüderles in der Geistlosigkeit -- verteidigen in sämtlichen Quassel-Shows wacker ihren FDP-Kumpan. Auch Westerwelle, der eher unverdächtig ist in Sachen Frauen-Anmache, zeigt brüderliches Verständnis. "Wir sind doch alle nur Männchen", sprach er im Fernsehen. Aber vielleicht habe ich mich verhört. Er kann auch "Menschen" gemeint haben...

© Martin Buchholz




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...   Erstellt am 09.02.2013 - 20:58Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens WochenSchauer - Nummer 570 vom 08. Februar 2013

Frau Doktor Schavan und Frau Doktor Merkel: Ein voll vertrautes Doktorspielchen

Mir schavant Böses für unsere Noch-Doktorin im Bundeskabinett: Die Kanzlerin hat ihr nämlich ihr "volles Vertrauen" ausgesprochen. Und das kommt einem politischen Todesurteil gleich. Denn wann immer Merkels voll ausgesprochenes Vertrauen voll am Überlaufen ist, heißt das für die jeweils Voll-Vertrauten, daß sie sich bald voll laufen lassen dürfen, wenn die Kanzlerin zum Abschiedstrunk ihren Giftbecher reicht.

Ihr volles Vertrauen hatte sie schon früher exekutiert an ihren verschiedenen Ex-Kerlen -- mögen sie nun Franz-Josef Jung, Karl-Theodor zu Guttenberg, Christian Wulff oder Norbert Röttgen heißen. Zuweilen war ihr Vertrauen so übervoll, daß sie sogar ihr "vollstes Vertrauen" zum brutalen Einsatz brachte. Dabei handelt es sich um einen typischen Merkelschen Superlativ. Der ist zwar der deutschen Grammatik fremd, aber mit der deutschen Sprache hat sie ohnehin wenig am Doktorhut. Und immerhin hat sie noch einen.

Neun Insassen ihres Kabinetts dürfen sich mit einer solchen Kopfbedeckung schmücken. Mich würde es nicht wundern, wenn sich eines nahen Tages herausstellt, daß es sich dabei um eine große Abschreibungsgesellschaft handelt. Denn abschreiben kann man diese Regierung ohnehin. Nun trauen sich die meisten Politiker kaum noch, ihren Doktortitel vor den Namen zu setzen. Am liebsten würden sie ihre Promotions-Arbeiten mit allen Exemplaren, die noch irgendwo in Archiven liegen, schreddern. Aber es gibt kaum noch Reißwölfe im freien Handel. Die sind alle beim Verfassungsschutz im Einsatz.

"Person und Gewissen": So der Titel der Doktorarbeit der Noch-Amtsperson im Bildungsministerium. Nun ist das mit dem persönlichen Gewissen so eine Sache. Dazu gehört zumindest ein gewisses Erinnerungsvermögen. Und dieses Vermögen nimmt bekanntlich mit dem Alter ab. Schließlich hat Frau Doktor diese Arbeit vor 30 Jahren geschrieben. Damals hat sie wahrscheinlich noch mit einem sehr jungen Gewissen akademisch herumgedoktort. Da kann sie heute nicht mehr alles wissen -- auch wenn sie beteuert: "Ich bin mit mir im Reinen nach bestem Wissen und Gewissen."

Nun habe ich zwar nicht promoviert zur Problemstellung "Person und Gewissen", doch habe ich mich, wenn auch vollkommen unbedoktort, mit dem Thema "Wissen und Gewissen" des öfteren beschäftigt. Selbst auf die Gefahr hin, mich selbst zu plagiieren, sei es hier noch einmal auf- und abgeschrieben: Zu einem Gewissen gehört nun mal ein gewisses Wissen. Und davon will man oft gar nichts wissen. So gibt man dem Wissen den Marschbefehl. Dann heißt es: Geh! Wissen!

Es ist natürlich peinlich, wenn nicht nur das Wissen flöten geht, sondern auch der Doktortitel. Und das auch noch gemeinsam mit Merkels vollem Vertrauen. Nun muß man der Kanzlerin lassen, daß sie als Vertrauens-Verbreiterin einsame Spitze ist. Nicht umsonst führt sie in Meinungsumfragen ständig die Hitlisten der vertrauenswürdigsten Politiker an. Deshalb wird sie auch vor wichtigen Bundestagsreden expertenmäßig gecoacht. Ihre PR-Beraterin ist dabei offenbar die Schlange Kaa aus dem "Dschungelbuch". Dank ihr ist die Kanzlerin eine wahre Meisterin der hypnotisierenden Volks-Beschwörung. Mit ihrer einschläfernden Rhetorik, mit diesem eintönigen angelesken Singsang ihrer sich ständig wiederholenden, inhaltsleeren Phrasen, versetzt sie das Fernsehvolk in eine willenlose Trance. Wie einst die Schlange Kaa singt sie ihr Lullaby:
"Vertraue mir! Hör' auf mich, glaube mir! Augen zu! Vertraue mir!"

Und irgendwann schnarcht ihr Volk dahin. Im vollsten Vertrauen versteht sich.

© Martin Buchholz




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...   Erstellt am 15.02.2013 - 18:21Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens WochenSchauer - Nummer 571 vom 15. Februar 2013

Der Sturm der Sterne als Rache für Ratzi

Wahrlich, ich sage Euch: Es kam der Tag, da der Zorn des Herrn übermächtig wurde, mächtiger als Er selbst. Und Er öffnete seine Himmel und ließ einen Feuerball hinabstürzen zu den Gefilden der Sündigen. Und Er ließ einen fürchterlichen Sternenhagel stürmen über die Erde. Denn so steht es geschrieben: Und ein gewaltiger Hagelschlag mit pfundschweren Stücken wird fallen vom Himmel auf die Menschen herab. (Offb. 16, 17) Und es brach ein großes Wehklagen aus auf der Erde. "Herr, wofür willst du uns strafen?" Und Gott sprach mit Donnerstimme: "Fürwahr, Ihr müßt büßen, denn unter euch weilt der vermaledeite Benedikt. Der war einst mein Stellvertreter auf Erden. Doch er warf seinen Hirtenstab weit von sich und reichte die Kündigung ein, ohne mich zuvor anzurufen. Das lasse ich mir als Chef nicht bieten. Darum lasse ich nun über die Menschen kommen die Zeichen meines himmlischen Zorns."

Dies sind die Anfangs-Verse der Offenbarung, wie sie verkündet wird im Ersten Buch Martin. Denn wie anders sollte man wohl den Meteoritenhagel erklären, der da über uns kam, wenn auch vorerst nur als göttliche Generalprobe im fernen Ural. Die wahre Apokalypse steht uns noch bevor. Und das ist alles die Schuld jenes Abtrünnigen, der uns Deutsche nicht mehr Papst sein läßt!

Noch immer wird gerätselt, wie es zu seinem Rücktritt kam. Doch es mehren sich die Hinweise, daß die Bundeskanzlerin ihre Finger im Spiel hatte, genauer: die Finger am Handy. Angeblich soll sie nämlich in der letzten Woche ein Telefonat mit dem Noch-Papst geführt haben. Dabei soll sie ihm ihr "vollstes Vertrauen" ausgesprochen haben. Und da wußte der Ratzinger, daß er endgültig verratzt war. Deshalb ist er vor lauter Schiß von selbst zurückgetreten. Obwohl ein Papst wahrscheinlich gar keinen Schiß hat, sondern höchstens Heiligen Stuhlgang.

Als Rücktrittstermin hatte er sinnigerweise den Rosenmontag ausgesucht, wo ein großer Teil seiner deutschen Landsleute zumindest in den rheinischen Tiefebenen in den seltsamsten Kostümierungen herumläuft. Und das macht ja der Papst das ganze Jahr über. Der gewesene Papa Ratzi hat ja anscheinend einen leichten Hang zur Transe. Er stellte sich immer nur in den ausgefallensten Röcken und Kleidern zur Schau. Ratze-Fummel nennt man so was in Berlin.

Jetzt sucht man dringend einen Nachfolger. Aber irgendein Furienkardinal wird sich schon finden, dem seine schicken roten Schuhchen passen, damit der in seine reaktionären Fußstapfen treten kann. Ex cathedra hatte er uns bei seiner Amtseinführung sein Evangelium der alten Werte verkündet: "Einen klaren Glauben zu haben, gemäß dem Credo der Kirche, wird oft als Fundamentalismus hingestellt." Und weiter: "Wenn das so ist, dann laßt uns fundamental sein im Glauben. Laßt uns ankämpfen gegen den Relativismus, gegen den Ungeist der kritischen Beliebigkeit. Die Menschen wollen nicht mehr hin-und-her-gerissen-sein im Widerstreit der Meinungen."

Und alle publizistischen Pilger, darunter so manche Spätheimkehrer aus der 68er Bewegung, die zuvor brav ihr Hirn bei der kollektiven Kollekte abgegeben hatten, warfen sich daraufhin zuhauf vor den römisch-orthodoxen Ayatollah auf den Bauch. In fast jeder Gazette hörte man die Reumütigen plärren: "Papa peccavi! Wir haben uns schwer versündigt am heiligen Geiste. Lasset uns aufhören mit dem Widerstreit der Meinungen, mit dieser unseligen Diktatur der Demokratie! Hinfort mit dem Pfuibaba von Emanzipation, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung."

Und so verratzte auch immer mehr die kritische Vernunft dank des Denk-Verhüterli aus dem Peters-Condom. Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück ins Mittelalter. Natürlich gab es einige störrische Ketzer, die lieber im Zeitalter der Aufklärung bleiben wollten. Die konnten von Glück reden, daß die segensreiche Einrichtung der Heiligen Inquisition noch nicht wieder eingeführt war, obwohl der Gebenedeite unermüdlich auf dieses Ziel hingearbeitet hat. Auf dem Scheiterhaufen hätten auch die letzten Ungläubigen gemerkt, daß man für diesen Papst Feuer und Flamme zu sein hatte.

In Sachen Sexismus war der Gerontologie-Macho ebenfalls ein leuchtendes Vorbild. Ein männliches Oberhaupt, das mit seinem erigierten Hirtenstab ständig in den weiblichen Unterleib hinein regierte. Und da kennt er nur eine antikonzeptionelle Methode -- nämlich, daß Gott verhüte! So erteilte er alleweil seinen Segen: Urbi et uteri!

Es gilt schließlich, das ungeborene Leben zu schützen. Auch und gerade in jenen Ländern der Dritten Welt, besonders in Afrika. Dort allerdings dauert das geborene Leben dann meist nicht lange. Hunderttausende Kinder krepieren bald nach der Geburt elendig an Hunger und Seuchen. Da geht es nicht mehr ums Leben, sondern ums Überleben.

Falls aber zu viele überleben sollten, muß man schwerere Geschütze auffahren. Deshalb hatte (oder hat?) die Bank des Vatikan auch ihre Aktien bei den größten Rüstungskonzernen, die jeden Massenmörder in den sogenannten Krisengebieten reichlich mit Mordwerkzeug ausstatten. So gehen die Bänker des Vatikan mit apostolischer Benediktion über Leichen, denn irgendwas muß ja getan werden, um die unverantwortliche Überbevölkerung -- besonders in diesen Gebieten -- einzudämmen. Das ist gewissermaßen eine postnatale Geburtenkontrolle, eine kollektive Abtreibung -- allerdings erst nach der Geburt. Mit Gottes Segen, weg damit!

Aber das muß man ja nicht an die große Glocke hängen. Denn da mangelt es doch so manchem gläubigen Katholiken am rechten Verständnis. Die sind ja zuweilen in ihrer Naivität päpstlicher als der Papst, wenn es ums geborene menschliche Leben geht. Dabei haben die klerikalen Leichenbeschauer doch immer die posthume Seelsorge der Betroffenen im Auge: Wie formulierte es einmal ein deutscher Militärbischof so einfühlsam in seinem Wort zum Totensonntag: "Den Hinterbliebenen bleibt doch immer ein großer Trost in dem Wissen: Wer früher stirbt, lebt länger ewig."

© Martin Buchholz




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...   Erstellt am 22.02.2013 - 20:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens WochenSchauer - Nummer 572 vom 22. Februar 2013

Das menschliche Hirn – auch nur Hackfleisch vom Gaul?


Diesem Wochenschauer habe ich in den letzten Tagen hitzig entgegen gefiebert. Da das auch mit dem Fieberthermometer heftig meßbar war, mußte ich notgedrungen einen Horchposten auf der Matratze beziehen. Nun geht es mir wieder etwas besser, aber ich denke gar nicht daran, mir diese faulenzende Zwangspause durch irgendeine Kolumnenschreiberei zu vermiesen. (Nebenbei: Aus diesem Grund müssen meine für heute und morgen geplanten Tournee-Auftritte leider ausfallen; am Sonntag hoffe ich wieder fit zu sein für die „Wühlmäuse“ und Montag für Hamburg.)

Ursprünglich wollte ich hier die Pferdefleisch-Hysterie satirisch aktuell verhackstücken. Wie gesagt: Das ist gestrichen – aber nicht ersatzlos. In meinen gestammelten Werken findet sich nämlich ein früherer Bericht über einen ganz anderen Pferde-Skandal, der mich schon in meiner Jugend schwer beschäftigt hat. Hier sei er noch einmal wiedergegeben:

Daß Pferde Genie-Bestien sind, die dem menschlichen Intellekt hoch überlegen sind, ist vielleicht nicht jedem unbedingt bekannt. Mein Opa Oskar jedenfalls war davon fest überzeugt. In meiner Knabenzeit, als ich noch ein hilfloses Objekt der deutschen Erziehungsberechtigung war, wurde ich des öfteren in den Schulferien bei ihm zwangsinterniert. In irgendeinem brandenburgischen Kaff an der Spree war das. Mein Großvater hatte dort extra für mich ein Umerziehungslager eingerichtet, weil er meinte, der Junge sei nicht ganz richtig im Kopf. Ich sei vom bösen Geist besessen, so glaubte er, und zwar vom bösen Geist des Widerspruchs. Und nach seiner gesicherten Erfahrung als früherer Aufseher in einem Jugendgefängnis half dagegen nur eine radikale Roßkur.

Wann immer mich Opa Oskar bei unzüchtigen Eigen-Initiativen ertappte, also bei der Selbstbefriedigung durch eigenständiges Denken, bekämpfte er diese geistige Unzucht erbarmungslos mit körperlicher Züchtigung. Er zog mich an den Ohren – und zwar so weit zu sich hinauf, bis ich nahezu abhob vom Boden. So erfuhr ich früh am eigenen Leib, wie Kinder in Deutschland großgezogen wurden. Dabei sagte mein Opa etwas ganz Seltsames: „Du sollst das Denken den Pferden überlassen, die haben einen größeren Kopf als du.“

Sie lächeln jetzt vielleicht, aber was meinen Sie, mit welcher Ehrfurcht ich damals an den Gäulen in diesem Dorf vorbeigeschlichen bin.

Seine gnadenlose Strafverfolgung hatte meist mehrtägige Isolationshaft zur Folge, sogenannten Stubenarrest. Meine Großmutter übernahm zwar manchmal meine Pflichtverteidigung, um eine Strafminderung zu erreichen, doch da ließ mein Großvater nicht mit sich handeln. In der mündlichen Urteilsbegründung hieß es stets: „Er hat wieder seinen eigenen Kopf!“

Das klang für mich so, als ob ich eine schlimme Krankheit hätte, eine bösartige Auswucherung über dem Kragen. Ein Kind, das damals in Deutschland mit eigenem Kopf zur Welt kam, galt offenbar als Mißgeburt.

Doch auf diese Art sollte ich lernen, daß es überhaupt nicht um meinen Kopf geht, sondern um das Über-Haupt, das über meinen Kopf zu bestimmen hat. Eben das, was einem übergestülpt wird über das eigene Haupt. Ein Ober-Haupt. So wird fremdes Denken in unsere Schädel hineingestampft und hineingestumpft, damit es dann hinterher als Meinungsbildung herausdampft und herausdumpft.

Dann ist das ursprünglich menschliche Hirn tatsächlich von einem Pferdearsch kaum noch zu unterscheiden. Allerdings fällt es im Vergleich mit dem Hintern eines Gauls doch eher dürftig aus. Denn Pferde haben nun mal tatsächlich einen größeren Arsch als wir.

Es ist wirklich zum Wiehern.

© Martin Buchholz




Helferlein
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...   Erstellt am 03.03.2013 - 10:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens WochenSchauer - Nummer 573 vom 01. März 2013

Das Europa der Großmäuler: Die Maul- und Clown-Seuche

Steinbrück, ick hör’ dir trapsen – und zwar mal wieder voll ins Fettnäpfchen hinein. Aber was heißt da Näpfchen! Der Mann macht immer gleich ein ganzes Faß auf, diesmal mit italienischem Vollfett: „Bis zu einem gewissen Grade bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben.“ Einerseits hübsch vermerkelt formuliert: „Bis zu einem gewissen Grade“. (Bei Merkel heißt das als Dauerfloskel „ein Stück weit“. So kommentierte sie die einsitzige rot-grüne Übermacht in Niedersachsen: „Ein Stück weit bin ich natürlich enttäuscht.“) Andererseits ist Steinbrücks pauschale Clown-Attacke eine heftige Beleidigung für alle Komiker, zu denen Steinbrück im Zweifel auch mich zählen würde. Mit einer kriminellen Knallcharge wie Berlusconi verglichen zu werden – das muß man sich wirklich nicht bieten lassen. Ich verlange deshalb eine ausdrückliche Entschuldigung von diesem SPD-Kanzlerkandidaten. Um meine Ehre wiederherzustellen, wäre ich auch zu einem Duell auf offener Bühne bereit. Allerdings stellt sich die Frage, ob Steinbrück überhaupt satirisch satisfaktionsfähig ist.

Vielleicht doch. Immerhin ist er selber im Lachdienstleistungsgewerbe tätig. Schließlich ist er seit Monaten als Alleinunterhalter unterwegs und liefert eine Lachnummer nach der anderen ab. Gerade deshalb sollte er mit Kollegen etwas pfleglicher umgehen. Zugegeben: Der Begriff „Alleinunterhalter“ greift in seinem Fall zu kurz. Er hat sich schließlich nie von allein unterhalten, wenn er sich als Vertragskünstler verdingte. Für ihn waren immer diverse Banken-Bosse und Versicherungs-Chefs unterhaltspflichtig.

Zurück an den drückenden Stiefel Europas: Mario Monti, bislang Italiens oberster Geschäftsführer von Merkels Gnaden, wird nun endgültig abgedankt. Vor anderthalb Jahren war er von der deutschen Kanzlerin (und ihren willigen Euro-Kumpanen) in sein Amt gewählt worden – ohne daß das italienische Volk überhaupt gefragt worden wäre. Der frühere Chef-Berater der weltgrößten Zocker-Zentrale Goldman-Sachs zog das Merkelsche Spardiktat gnadenlos durch – zur dankbaren Zufriedenheit der Finanzwelt, die sein eigentliches Zuhause ist.

Im Gegengeschäft kaufte ihm die Europäische Zentralbank marode Staatsanleihen ab, um die italienischen Großbanken abzusichern. Wozu hat man schließlich alte Kumpel. Denn der Chef der EZB ist auch ein italienischer Mario, mit Nachnamen Draghi, der bei Goldman-Sachs bis zum Jahr 2005 sogar Vizepräsident war. Dieser Herr Draghi hatte einst im Auftrag seiner US-Bosse die griechischen Staatsfinanzen mitfrisiert, wobei Goldman-Sachs einen Riesen-Reibach machte. Heute bestimmt er eigenmächtig, welche Regierungen durch den Ankauf von Schrottpapieren gestützt werden und welche nicht. Und kein europäischer Wähler kann ihm da reinreden, weil er sich nie einem Wähler-Votum zu stellen braucht. Dafür sollte ihm das Wahlvolk dankbar sein, daß es nicht ständig durch Wahlentscheidungen belastet wird. Und dankbare Ergebenheit hatten beide Marios bei der jetzigen Wahl auch von den italienischen Massen erwartet.

Vonwegen! Das Volk erwies sich mal wieder als absolut verständnislos. Es wollte in seiner schieren finanzpolitischen Unvernunft einfach nicht kapieren, warum es in Massen-Haft genommen wurde, also massenhaft in Haftpflicht genommen für die Billionen von Wettschulden, die die globalen Abzocker in den Banken-Casinos verzockt hatten. Nun ist das Volk ohnehin ein massenhafter Störfaktor im universalen Imperium der Finanzmärkte. Deshalb fehlt es ja nicht an Versuchen, diesen Störfaktor irgendwie zu beseitigen. Am besten wäre es ohnehin, das Volk ganz abzuschaffen. Denn wer ist schließlich schuld, wenn Massenarbeitslosigkeit und Massenelend ins Unermeßliche wachsen? Natürlich die Massen selbst. Gäbe es keine Massen, gäbe es auch keine massenhafte Arbeitslosigkeit.

Immerhin gibt es immer mehr Einsichtige, die diese Selbstverschuldung reumütig erkennen und die Konsequenzen daraus ziehen. Sie tun finale Buße. Die sprunghaft gestiegenen Selbstmord-Raten in den südlichen Ländern Europas zeugen davon. So wird endlich ein dauerhafter Ausweg aus der Euro-Krise aufgezeigt: Massen-Suizid als freiwillige Wahl-Entscheidung vor dem letzten Urnengang. Das wäre wahrscheinlich das, was Merkel mit „marktgerechter Demokratie“ meint.

Wenn das Volk sich dann selber endgültig abgewählt hätte, wäre jede weitere Wahl überflüssig. Denn man sieht ja am italienischen Beispiel, daß das Volk einfach zu blöd ist zum Wählen. Obwohl alle europäischen Oberlehrer den Italienern eindeutig gesagt hatten, wo sie ihr Kreuz zu machen hätten – nee, die kreuzten mal wieder an der falschen Stelle rum. Das Volk verwählt sich eigentlich permanent. Und so haben auch Komiker mal eine Chance. Irgendwann ist auch meine Stunde gekommen. Beim Grillo warte ich allerdings mit meinem Urteil ab; dessen wichtigstes Wahlkampfthema war ja die Korruption der gesamten politischen Klasse.

Doch solche Demagogen wie Berlusconi wären aufgeschmissen ohne die aktive Wahlhilfe der deutschen Kanzlerin. Europas Sado-Maso-Queen peitschte die ängstlich blökenden Schäfchen direkt in den Pferch des wölfischen Leithammels, der da im Schafspelz ihrer harrte. Angela, die Engelsgleiche, ist inzwischen zum Schutzengel aller europäischen Volksverhetzer geworden. Ständig jettet sie von einem Euro-Gipfel zu anderen, schwebt in angelesken Höhen überirdisch abgehoben hoch über dem Boden der sozialen Tatsachen dahin. Mit ihren weit ausgebreiteten Schwingen verschattet sie den ganzen südlichen Kontinent, so daß die da schon lange keine Sonne mehr sehen. Sehet hinan, dort rauscht er vorbei: Der Todesengel aus der Uckermark.

Wäre Peer Steinbrück tatsächlich das, was er vorgibt zu sein, nämlich ein oppositioneller Gegen-Kandidat, dann wäre dieser Merkelsche Fluch, der über Südeuropa lastet, sein Thema gewesen. Längst hätte er alle Geschütze zur Fluch-Abwehr in Stellung gebracht. Aber das kann er nicht, weil er selbst nur ein Sparkassen-Gehilfe des Austerität-Dogmas ist. Statt eines neuen europäischen Polit-Konzepts hat er nur clownige Bemerkungen zu bieten.

So ist er nur ein weiteres europäischen Großmaul im allgemeinen Gemaule der grassierenden Maul- und Clown-Seuche.

© Martin Buchholz




Helferlein
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...   Erstellt am 08.03.2013 - 17:01Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Buchholzens WochenSchauer - Nummer 574 vom 08. März 2013

Mein Wort zum Frauentag: Sex is Muß!


Das Haupt-Wort zum Frauentag hat unser präsidiales Oberhaupt in altherrlicher Manier schon vor ein paar Männertagen verkündet: „Tugendfuror“, so gauckte es aus ihm heraus, als er auf den alltäglichen Sexismus angesprochen wurde. Damit wies er all die Furien in ihre Schranken, die sabbernde Lüstlinge des tradionellen Rechts berauben wollen, dem weiblichen Jungvolk zumindest verbal mal an den Busen zu grabschen. Gott, die Weiber sollen sich gefälligst nicht so haben, wenn ein fachmännischer Busenfreund sie anerkennend auf eine mögliche Dirndl-Füllung anspricht. Ganz unter uns Brüderles: Jawoll, Herr Präsident, das mußte mal gesagt werden! Kampf dem Tugendfuror! Wir stehen zur maskulinen Untugend!

Zugegeben: Solch klare Bekenntnisse zum kämpferischen Maskulinismus sind meine Leser und Zuschauer (die -innen inbegriffen) von mir bislang nicht gewohnt. Doch es wird Zeit, daß auch ich mich oute. Deshalb will ich am heutigen Frauentag in dieser Internet-Selbsthilfegruppe meine früheren geschlechtlichen Verirrungen öffentlich eingestehen:

Also, mein Name ist Martin, und ich war selber mal ein aktiver Feminist... Ja, ich war ein willenloses Werkzeug im Dienste der femininen Schreckensherrschaft. Mehr noch: Ich war ein IM, ein Informierender Matriarchist. Einer, der seine Geschlechtsgenossen ständig belauscht und bespitzelt hat, um sie dann in zahllosen Berichten als Macho-Macker zu denunzieren. Als Weichei höhnte ich in hodenloser Gemeinheit über mein eigenes Geschlecht. Softie-mäßig kroch ich der Frauenbewegung in breiter Schleimspur hinterher. Jedem Weib habe ich weinend beteuert: Dreitausend Jahre hab ich dich unterdrückt, aber es soll auch nie, nie wieder vorkommen...

Kurz: Ich war ein Weiberumschwänzler. Ein Schwanz im Schafspelz. Ein Gesinnungskastrat. Ein Warmfühler. Um die Selbstbezichtigung auf die absolute Spitze zu treiben: Ich war ein Frauenversteher!

In jenen diktatorischen Zeiten des real existierenden Feminismus, da sich die Männer noch allabendlich geißelten in ihren Büßergruppen, durfte man gar nichts anderes sein. O, das waren dunkle Jahrzehnte der maskulinen Selbstverleugnung! Doch dann endlich schlug das Imperium zurück, und es schlug die Stunde der Befreiung des Mannes aus der feministischen Zwangsherrschaft. Wer heute noch ein klammheimlicher Frauenfreund ist, der wird zu Recht an den Pranger gestellt als ein Sexualverräter der krankhaftesten Sorte.

In den Zeiten meiner feministischen Perversion schrieb ich sogar ein Programm mit dem Titel „Männer und andere Geschlechtskrankheiten“, das ich in meiner perfiden Schamlosigkeit auch noch öffentlich aufführte. Es gab damals heftigste Proteste von verschiedenen Männerbeauftragten – vonwegen, daß dieser Titel offen männerdiskriminierend sei, also unverhüllt sexistisch. Aber meine Frau meinte, was Sexismus ist und was nicht, das hätten schließlich nicht Männer zu entscheiden, sondern allein die Frauen. Das habe ich sofort eingesehen, denn Sexismus ist seit jeher eine reine Frauendomäne. Man kann sogar sagen: Wir verdanken den Sexismus ausschließlich den Frauen. Denn wenn es keine Frauen gäbe, würde kein sabberndes Brüderle mit Gaucks Segen auf sexistische Gedanken kommen oder gar auf sexistische Sprüche. Und im Fernsehen gäbe es keine Einschaltzoten mehr. Das wäre doch eine ökonomische Katastrophe. Dann könnte fast die gesamte deutsche Comedy-Branche sofort einpacken. Das muß man doch auch mal volkswirtschaftlich sehen: Wieviele Arbeitsplätze im Fernsehen und auf der Bühne gingen verloren, wenn’s keinen Sexismus gäbe?

Mein Manneswort zum Frauentag ist deshalb männlich kurz und bündig: Sex is Muß!

© Martin Buchholz




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