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Der Burgherr (Admin) freier Ritter
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...   Erstellt am 23.08.2007 - 05:01Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Die Gerüchte von Bauern, die Brack unterwegs befragte, erwiesen sich als Wahrheit: Tatsächlich hat ein Lehnsherr namens Iras von Hagenburg am Fuße einer Burg sein Heereslager aufgeschlagen. So nähte sich der Söldner mit seinen Habseligkeiten ein Zelt. Je näher er dem Lager kam, desto klarer wurde ihm die Lage . Er bemerkte anhand der kleineren Zelte, dass zu diesem Lager mehrere Lanzen gehörten, doch welches Zelt gehörte dem Herren? Auf wenige Meter herangekommen schaute er sich die Sache genauer an. Inmitten kleinerer Zelte befand sich ein größeres Zelt .
Brack war davon überzeugt, dass dieses dem Herren gehören musste und betrat das Lager. Zielsicher steuerte er das Zelt an und es wunderte ihn, dass er nicht aufgehalten wurde als er das Lager betrat .
“Keine Wachen ? “, dachte sich Brack im Stillen, dabei bemerkte er, dass manche neugierige Augen seine Schritte zum Zelt des Herren verfolgten. Ein Knecht und eine Magd wuselten um einen Tisch herum, an dem ein Ritter in Begleitung zweier Damen gerade sein Mittagessen zu sich nahm. Zwei ziemlich stark bewaffnete Männer schauten ihn teilnahmslos an, als er seinen Weg strikt auf das Zelt des Herren zu, fortsetzte. Waren es wohl Söldner? Einer von ihnen war groß gewachsen, der andere eher schlanker Statur und etwas kleiner. Eine Kochstelle lag nun vor Brack, darüber ein Kochtopf mit duftender, leckerer Suppe. Einer echten Suppe , mit Fleisch und viel Gemüse, nicht das trübe Wasser, welches bisher Bracks Nahrung darstellte. Aus dem Zelt das sich direkt vor der Kochstelle befand, trat eine Frau im mittleren Alter heraus und rührte die Suppe um. Der köstliche Duft der Suppe schlug ihm in die Nase .
“Schnell weiter, bevor ich anfange zu sabbern. “, dachte Brack und trat letztendlich an das große Zelt heran .
Unter einem davor aufgebauten Sonnensegel stand ein großer Tisch und darauf lagen Früchte, Gemüse, frisches Brot und eine Schüssel von der wunderbaren Suppe und auch Besteck, nach dem gerade eine Hand griff. Brack hob seine Augen und schaute in das Gesicht eines Ritters der ihn gerade mit einem fragenden Blick auf und ab musterte. Brack schluckte laut, denn solche Gespräche waren eigentlich nie seine Stärke. Ihm wurde flau im Magen und kleine Schweißperlen bedeckten seine Stirn.
“Weshalb sabbert Ihr hier auf meinen Boden herum? Antwortet! “ Ertönte eine ernste Stimme die aus den Munde von Iras stammen musste.
Brack suchte nach einer Erklärung. Hastig schaute er sich um und bemerkte einen gut bestückten Waffenständer im Hintergrund. Obwohl der übermäßige Speichelfluss eine klar definierte Ursache hatte, die wenige Meter hinter Bracks Rücken köchelte, entschloss sich Brack dieses zu vertuschen.
“Schöne Waffsen habst ihrs das“, nuschelte Brack mit einer ziemlich feuchten Aussprache in Richtung des Herren.
Iras schaute ihn noch seltsamer an als er es bevor tat und musterte ihn erneut .
“Sprecht deutlich!!! Was sagt Ihr da? Ich habe Euch nicht verstanden.“
Brack schaute sich schnell um. Sollte das weiter so gehen, würde aus seinem Vorstellungsgespräch eine handfeste Prügelei. Er zählte schnell die Männer unter Waffen zusammen, seine Rechnung war simpel aber einleuchtend … … zumindest für ihn: 1x Brack = 3 Mann , 2 Männer + 1 Ritter + 1 Ritter + der knecht und ein Haufen Frauen, das ist einer… und ein Haufen Frauen zuviel.
Er riss sich zusammen und wiederholte lieber seine Worte:
“Ein paar schöne Waffen habt ihr da … … Herr .“ Er deutete auf den Waffenständer im Hintergrund .
Der Herr schaute auf den von Brack gedeuteten Waffenständer, schüttelte den Kopf und schaute wieder Brack an der gerade wie ein kleines Mädchen rot anlief vor Ehrfurcht und mit dem Fuß im Boden scharrte.
“Ihr seid doch nicht hierher gekommen, um meinen Waffenständer zu bewundern! Ihr stört mich beim Essen, also sagt was Ihr von mir wollt oder ich lasse Euch entfernen und bei den Templern in Ketten legen!” die Stimme des Herren klang zunehmend verärgert .
“Templer !?! … Templer !?!…“, dachte Brack nervös, er schaute nach links und tatsächlich, gleich nebenan erstreckte sich ein großes Templerlager. Brack zuckte zusammen. „Fettnäpfchen … Gewaltiges Fettnäpfchen … ein See voller Fettnäpfchen.“, führte er seine Gedanken schnell zu Ende.
Aber bevor er antworten konnte ertönte die Stimme von Iras erneut .
“Wer seid Ihr?“
“Ich bin Brack, ein Söldner auf der Suche nach Arbeit. Der letzte Überlebende der Roten Wölfe … Herr.“, antwortete Brack. Seine Nervosität war wie vom Winde verweht, lag das etwa an der Vorstellung bei den Templern im Lager in Ketten zu liegen oder einfach an seinem Stolz?
Iras hörte abrupt auf zu kauen und schaute erstaunt Brack an.
“Die Roten Wölfe hatten Überlebende ? Ich dachte, dass Ihr einer der Vogelfreien seid, die sie damals überfallen haben, denn die tragen jetzt Eure Wappenröcke.“
Brack lief rot an, aber diesmal vor Wut. Seine Hand zitterte und wilde Gedanken schossen durch seinen Kopf. Am liebsten würde er jetzt ausrasten, aber da waren ja noch die Templer … Dann hätten die Roten Wölfe keine Überlebenden mehr. Er biss die Zähne zusammen und antwortete auf seine Weise.
“Wie können diese Hunde es wagen, unseren Wappen zu missbrauchen?! Sollte ich einen davon erwischen, dann werde ich mit seinen Eingeweiden den Wachturm der Templer schmücken.“, zischte Brack seine Wut unterdrückend . Iras wendete sich wieder seinem Essen zu .
“Gut , Ihr scheint tatsächlich die Wahrheit zu sagen, ein Räuber würde niemals so reagieren wie Ihr, sollte ich aber das Gegenteil erfahren … … Templer . “
Brack schnaufte.
“Nun Herr … Habt Ihr Arbeit für mich?”, fragte Brack forsch.
Iras überlegte einen Moment lang, schluckte den Bissen herunter, den er gerade im Mund hatte und sprach:
“Ich kann fähige Männer gebrauchen. Ihr habt Courage bewiesen indem Ihr in mein Lager hereinmarschiert seid und mit mir geredet habt. Geht an das Ende des Lagers und macht es Euch dort gemütlich. Ich gebe den Lanzenherren bescheid und holt Euch genügend Stroh, damit Ihr nicht Morgen krank seid … Jetzt lasst mich essen! Über den Sold für Eure Dienste verhandeln wir später.“ Iras wandte sich wieder dem Essen zu.
Brack verneigte sich und trat den Weg an das andere Ende des Lagers an. Auf der Höhe der Kochstelle murmelte er noch leise vor sich hin: “Und zweifelt nie wieder meine Ehre an … … Mein Herr!“
Iras hatte die Worte genau verstanden, wollte aber keinen Streit provozieren und ließ es auf sich beruhen.
An der Stelle angekommen, wo Brack den Knecht und die Magd gesehen hat, fing er an sein “Zelt” aufzubauen. Es war eher eine überdachte Schlafstelle aus zwei Ästen, die er sich prompt aus dem Wald besorgt hatte und ein Fell, das zum Schrägdach gespannt wurde. Drunter legte er viel Stroh auf dem er schlafen wollte.
Seine Axt rammte er mit der Klinge nach unten in den Boden vor der Schlafstelle und machte sich daran, eine kleine Feuerstelle einzurichten, wo er gedachte sich sein Essen zu bereiten.
Was ihm entging waren fünf Paare Augen, die ihn bei seinen Bemühungen, sich mehr oder weniger häuslich einzurichten, beobachteten.
Brack stiefelte wieder in den Wald. Dort holte er sich zwei Baumstümpfe. Einen als Tisch, wo er seinen Becher und sein Messer hinlegte und den anderen als eine Sitzgelegenheit. Nachdem das Feuer brannte, legte sich Brack in das Stroh unter sein Zeltdach. Zum ersten Mal seit langer Zeit war er so etwas wie “glücklich”.
Er träumte vor sich hin. Endlich hatte er wieder Arbeit, endlich wieder ein Zuhause, das zu ihm passt und vielleicht die Chance seine toten Brüder zu rächen und die Roten Wölfe wieder auferstehen zu lassen, um von einem Herren bezahlt zu werden und dafür mit seiner Kampfkraft und Loyalität seinem Auftraggeber immer treu zur Seite zu stehen. Ja, genau das schwor sich Brack an diesen Nachmittag.
Die Räuber hatten die Roten Wölfe besiegt und dennoch einen großen Fehler damit begangen. Nein, nicht den, dass sie sie töteten, sondern den, dass sie einen von ihnen am Leben gelassen hatten … Brack.

“Hey … Söldner … … Hey! “ Eine leise Stimme riss Brack aus seinen Träumen. Er musste wohl eingeschlafen sein. Brack schaute in das Gesicht eines Knechtes der ein wenig Brot und eine kleine Holzschüssel Suppe in den Händen hielt. Als der Knecht merkte das Brack wach war, sprach er weiter.
“Der Herr von Auenburg sagte mir, dass du der neue Söldner unseres Herren bist. Er meinte zudem, dass du etwas essen solltest und schickte mich daher.“ Daraufhin hielt der Knecht Brack das Essen vor die Nase. Brack richtete sich auf und nahm das Essen dem Knecht ab. Er stand auf und setzte sich auf seinen Baumstumpf, den er vorhin aus dem Wald geholt hatte, um sitzen zu können. Der Knecht setzte sich dagegen auf einen Strohballen neben dem Tisch, der für den Pöbel längs am Herrentisch, nicht weit der Feuerstelle des Söldners, unter dem Sonnensegel angelegt war. Brack biss beherzt in das Brot hinein und schlürfte mit Vergnügen die heiße Suppe, da er keinen Löffel besaß. Jetzt erst merkte er, dass sein Hunger groß war. Also verschlang er das köstliche Mahl, als ob es kein Morgen gäbe. Nachdem die Schüssel leer war und das Brot wohltuend in seinem Magen ruhte, wandte er sich dem Knecht zu, der ihn anscheinend die ganze Zeit beobachtete .
“Danke … … … Knecht. Wie ist dein Name ?” Brack stellte die leere Schüssel auf den zum Tisch umfunktionierten Baumstumpf.
“Hagen, Herr “, antwortete der Knecht prompt “Und der Eure?“
“Brack und nicht dein Herr, ich bin nur ein Söldner … Nenn mich einfach Brack, einverstanden?“
Hagen nickte .
“Gut, Brack … sag mir … wie kommst du denn hierhin, wo ist dein Lager?”, fragte Hagen vielleicht etwas unvorsichtig. Brack aber verstand, dass Hagen aus reiner Neugierde diese Fragen stellte und damit keine böse Absicht verfolgte. Er schaute bedächtig seine Axt an, die gerade im roten Licht der untergehenden Sonne einen langen Schatten auf den Boden warf. Wie ein Mahnmal eines Grabes für seine toten Brüder. Einen Moment lang wurde alles um ihn herum still, in seinem Kopf wurden Erinnerungen wach. Erinnerungen an die vielen Schlachten, in denen er an der Seite seiner Waffengefährten gegen die stärksten Armeen kämpfte. Jedes einzelne Gesicht zeichnete sich im Nebel seiner Erinnerungen und dem Schatten seiner Axt im blassen Licht ab. Er erinnerte sich an den Tag, als das feige Pack sein Zuhause überrannte, an die Hilferufe der Männer die im Schlaf überrascht wurden und nicht einmal ein Schwert hatten, um ihr eigenes Leben oder das ihrer Gefährtinnen zu verteidigen. An die Schreie der Kräuterfrauen, die der Brutalität der Mörder zum Opfer fielen. Aber auch an all die Feste die sie zusammen gefeiert hatten. Brack schmunzelte bei dem Gedanken an Odin der aus der Haut fährt während seine Brüder mit den Walküren in Wallhall das größte Fest seit Menschengedenken veranstalteten. “Meine Brüder und Waffengefährten sind gefallen, sie wurden feige ermordet.“, antwortete Brack, die Augen nicht von seiner Axt abwendend.
“Oh … … … Das tut mir leid. “, entschuldigte sich Hagen mit niedergeschlagener Stimme.
“Das braucht es nicht, Hagen “, entgegnete Brack, “ Das ist das Risiko mit dem wir leben müssen … Wir Söldner.“
Brack merkte nicht, dass die Magd, die gerade ihre Arbeit beendete, neben Hagen Platz genommen hatte und dem Gespräch still lauschte.
“Das ist Brack, unserer neuer Söldner. “, sagte Hagen zu ihr. Erst jetzt schaute Brack wieder in Richtung der beiden. Er sah die Magd und aus Höflichkeit nickte er in ihre Richtung.
“Willkommen. Ich bin Sarah. “, sprach sie ihm ebenfalls zunickend.
Die Sonne berührte schon den Horizont und Brack war froh über den Tagesverlauf. Sarah brachte noch Reste vom Tisch des Herren und zusammen mit Hagen stillten sie ihren restlichen Hunger. Brack erzählte ein paar Geschichten aus seinem Leben. Über die vielen Schlachten, Feiern und lustige Pannen die ihm oder anderen in der Vergangenheit widerfahren waren, bis schließlich die Nacht anbrach und die Augenlider schwerer wurden. Hagen und Sarah zogen sich irgendwann in ihr Zelt zurück und im Lager wurde es still.
Brack kroch in sein Strohbett, rollte sich zusammen und deckte sich mit seinem Fellumhang zu. Es dauerte nicht lange und er schlief ein.

verfasst von Brack





Signatur
Der Schmerz von heute ist die Kraft von morgen.


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