WordPerfekt

Status: Offline Registriert seit: 09.03.2007 Beiträge: 688 Nachricht senden | Erstellt am 23.02.2008 - 13:20 |  |
Grandiose Aufnahmen.
Besucherin, interessierst Du Dich für Architektur?
Gruss von der Spree
WP

Seine berühmtesten Projekte in Berlin sind das Kanzleramt und das viel bewunderte Krematorium, welches ihm internationale Anerkennung einbrachte.
Wollte man dem Manne wirklich Glauben schenken, dann müßten wir ihn uns als den traurigsten Architekten Deutschlands vorstellen.
Er sitzt in seiner Studierstube am Berliner Lützowplatz, ganz oben unter einem gebogenen Glasdach, und spricht von lauter "mißglückten Projekten", von "Müdigkeit", vom "Leiden an der Stadt" - gemeint ist natürlich "unsere Möchtegern-Metropole" Berlin - und vom erlittenen "Schiffbruch" beim Materialkonzept für sein jüngstes Opus.
"Wäre unser Gesamtprojekt für die Bonner Museumsmeile damals realisiert worden", orakelt unser unzufriedener Protagonist über eine anderthalb Jahrzehnte zurückliegende städtebauliche Planung, "dann wäre ich seitdem ein internationaler Star".
Angesichts von so viel vergangenen und kommenden Ungemach rezitiert er schon in seinem Buch von 1992, gleich neben seiner Vita, resigniert:
"Mich wundert, daß ich so fröhlich bin".
Wir wundern uns auch. Denn diese Anleitung zum Unglücklich-Sein stammt keineswegs von einem namenlosen Pechvogel, sondern von einem der profiliertesten deutschen Architekten der "mittleren" Generation.
Als Schöpfer des neuen Bundeskanzleramts im Berliner Spreebogen, das gegenwärtig der Vollendung entgegensieht, genießt Axel Schultes eine durch unzählige Presse- und Fernsehbilder in jede Wohnstube getragene Präsenz - unvergessen sind die Bilder, die ihn mit seiner jugendlichen Partnerin Charlotte Frank neben dem dicken Altkanzler am Modell des Neubaus zeigen. Schultes, der Mann mit dem notorisch hochgeschlagenen Hemdkragen, avancierte damit fast schon zum Pop-Star der deutschen Architekturszene.

Der Berliner Architekt Axel Schultes (l.) und seine Kollegin Charlotte 2.v.l.
Doch das alles interessiert ihn nicht sonderlich. Er ist kein Politiker, und er will auch kein Pop-Star sein. Er ist Künstler-Architekt. Wie seine Entwürfe, so auch ihr Urheber: Schultes gilt als eigenwillig und radikal. Manche sagen sogar, er sei ein bißchen verrückt.
Den Kragen trägt er laut Selbstauskunft nur deshalb stets hochgeschlagen, damit sich die Kordel seiner Lesebrille nicht darin verhakt.
Was auch immer tatsächlich hinter dieser inszeniert biedermeierlich wirkenden Marotte seiner Garderobe stehen mag - sie sollte keineswegs als Reminiszenz an Karl Friedrich Schinkel mißverstanden werden.
Denn der preußische "Oberrestaurator", auf den sich heute fast alle tonangebenden Berliner Architekten ehrfurchtsvoll berufen, bekommt von Schultes allenfalls milden Spott ab.
Schultes hält sich nicht für den Nachfolger Schinkels - er hält sich für besser. Wo Schinkel "es soviel nobler fand, die neuen Kreationen schön frei in die Geographie zu komponieren" - also bezugslose Solitärbauten zu errichten -, wo Schinkel "seine italienischen Vor-Bilder, in Reiseskizzen gequetscht, entfremdet ihrem urbanen Milieu im märkischen Sand abstellte", da will Axel Schultes endlich anständige urbane Räume schaffen. "Stadtraum" ist das Schlüsselwort zum Verständnis seiner architektonischen Obsession. Und bei diesem Thema ist er kompromißlos sendungsbewußt - bis hin zum kalkulierten Coup.
War doch beim Spreeinsel-Wettbewerb im Jahre 1994 wieder einmal nicht auf ihn gehört worden, da lancierte er ein schäbiges kleines Gipsmodell mit vergilbtem Schreibmaschinen-Etikett in kyrillischer Schrift an die Öffentlichkeit.
Von Schinkel persönlich stamme dieser sensationelle Entwurf, der im Fundus der russischen Beutekunst aufgefunden worden sei, erläuterte Schultes der staunenden Presse.
Kaum überraschend, daß dieser "Schinkel" für den Berliner Schloßplatz verdächtig nach Schultes' eigenem Wettbewerbsentwurf aussah - hatte er dieses Modell doch selbst gefälscht.
Doch Schultes ist Baukünstler; als Staatstheologe muß er scheitern. Er verwendet eine ganz eigene architektonische Formensprache, die sich hergebrachten Symboliken der Macht entzieht - sie speist sich aus den Vorbildern des Architekten, die man im alten Ägypten und beim amerikanischen Großmeister Louis Kahn finden kann.
Zwischen zwei harten Bauriegeln in Sichtbeton ist eine hohe Halle einbeschrieben, die durch einen Wald von unregelmäßig verteilten Stützen gegliedert wird. Licht strömt von oben durch Aussparungen rund um die Kapitelle ein.
So entsteht eine eindrückliche, unbedingt sakrale Anlage, die aber keinerlei Bezüge zur tradierten christlichen Ikonographie oder Bautypologie herstellt. Jeder Versuch, diese Architektur damit zu vergleichen, müßte fehlschlagen. Schultes ist ein "archaic modernist", wie ihn ein englischer Kritiker einst bezeichnet hatte. Diese sture Festlegung auf ganz eigene Bild- und Raumvorstellungen, die durch "Einkerben, Aushöhlen und Durchschluchten" gekennzeichnet sind, wie der Kritiker Wolfgang Pehnt schrieb, macht Schultes so stark. Daß er damit meistens aneckt und oftmals scheitert, liegt in der Natur der Sache. Aber das weiß er ja selbst: "Mich wundert, daß ich so fröhlich bin."
Erstveröffentlichung in "ZEIT-Punkte", 24. Juni 1999 (ZEIT-Verlag Gerd Bucerius)
Signatur Der menschliche Geist gleicht einem Fallschirm;
er kann nur funktionieren, wenn er offen ist.
Franscis Picabia |
ART unregistriert
| Erstellt am 23.02.2008 - 17:04 |  |
Paul-Löbe-Haus beherbergt Ausschüsse des Bundestages
© ZB - Fotoreport
Nur einen Steinwurf vom Reichstagsgebäude entfernt liegt das Paul-Löbe-Haus. Benannt nach dem letzten demokratischen Reichstagspräsidenten der Weimarer Republik, gehört das lichte Gebäude im Spreebogen zum "Band des Bundes“, das die beiden früher durch die Mauer getrennten Teile der Hauptstadt über die Spree hinweg verbindet. Das "Band des Bundes" besteht aus dem neuen Kanzleramt, dem Paul-Löbe-Haus auf der Westseite des Flusses und dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus auf der Ostseite.
Anders als beim Reichstagsgebäude konnten mit dem Paul-Löbe-Haus, losgelöst von den Vorgaben der Geschichte, eigene Akzente gesetzt werden. Das ist dem Architekten Stephan Braunfels nach dem einhelligen Urteil von Fachleuten und Laien gelungen: Der achtgeschossige Neubau mit seinen jeweils 5 markanten Seitenkämmen und den 8 charakteristischen gläsernen Zylindern wirkt wie ein kraftvoller "Motor der Republik“.
Quelle
Liebe Besucherin,
vielen Dank für die ausgezeichneten Fotografien.
Sollten sie nicht von Dir sein, bitte ich um den Quellennachweis, damit wir das Urheberrecht und Copyright wahren.
Ich freue mich, dass Du mit den Fotografien die Ästhetik der Architektur Berlins zeigst.
In Berlin suchte sich die Kunst der Moderne seit dem Fall der Mauer, auch durch die Architektur neue Möglichkeiten, Straßen und Plätze zu gestalten.
Das Regierungsviertel ist ein Beweis für dies Phänomen.
herzlichst
Paula
|
<besucherin> unregistriert
| Erstellt am 24.02.2008 - 13:05 |  |

/quelle: besucherin/
Mexikanische Botschaft
Zu den größten Überraschungen in der neueren Architekturlandschaft Berlin zählt sicher der Neubau der mexikanischen Botschaft. Die Mexikaner, die Berlin als „Ort der Avantgarde“ empfinden, nahmen sich nichts Geringeres vor, als einen „beachtlichen Beitrag zur modernen Architektur“ zu leisten. Beachtlich sollte er auch deswegen sein, da Deutschland für Mexiko als der wichtigste EU-Handelspartner und - nach den USA und Japan - als drittgrößter Exporteur gilt.
In einem beschränkten Wettbewerbsverfahren gelang es 1997 den Architekten Teodoro González de León und Francisco Serrano, sich mit ihrem Entwurf gegen sieben Konkurrenten durchzusetzen. Das erprobte Architektenduo ließ sich in seinem Entwurf von charakteristischen Merkmalen der mexikanischen Architektur leiten: große offene Repräsentationsräume und eine kraftvolle Strukturierung der einzelnen architektonischen Elemente.
Architektonisch signifikant sind die Straßenfassade und das innenliegende Atrium. Die Fassade zur Klingelhöferstraße besteht aus 18 Meter hohen, teilweise schräggestellten Betonstützen. Jede dieser 40 Stützen hat einen anderen Querschnitt, der sich horizontal stetig verändert. Die gesamte Fassade wird an den Seiten sowie entlang der 18 Meter hohen Traufkante von einem Betonband gerahmt. Rahmen und Stützen bestehen aus einem speziellen Beton, der mit kleinen Marmorstücken und gemahlenem Marmor anstelle von Sand und Kies hergestellt wurde. Alle sichtbaren Oberflächen erhielten im Nachhinein mit Hilfe von Pressluftmeißeln ihre strukturierte Oberfläche - ein Verfahren, das Gonzalez de León und Serrano schon in früheren Projekten in Mexiko angewandt haben.
**************************************
die betonstützen haben eine eigenschaft, sie kippen immer in andere richtung..........bei ranfahren an gebäude immer weg von einem, dann gerade und anschließend wieder in entgegen gesetzte.
[Dieser Beitrag wurde am 05.09.2009 - 22:04 von judith aktualisiert]
|