Grubert XXXL-Member
      

Status: Offline Registriert seit: 22.03.2005 Beiträge: 693 Nachricht senden | Erstellt am 17.08.2006 - 20:53 |  |
16. April 1910
Dahlenburg, 14. April (Entgleisung auf der Kleinbahn)
Die Staatseisenbahnwagen, die wegen der Schmalspurigkeit der Bleckeder Kreisbahn nicht auf diesem Gleise fahren können, werden zwischen den Bahnhöfen Dahlenburg Staatsbahnhof und Dahlenburg Flecken auf Rollböcken befördert. Ein solcher Rollbock, der mit einem mit 400 Zentnern Kartoffeln beladenen Staatsbahnwagen belastet war, entgleiste heute nachmittag gegen 5 Uhr kurz vor der Einfahrt zum Staatsbahnhof. Da dort zwei Gleise nicht vorhanden sind, der fahrplanmäßige Personenzug sich aber auf dem Staatsbahnhof befand, war die rechtzeitige Abfahrt dieses Zuges nicht möglich. Ein von Bleckede sofort nach hier abgegangener Motorwagen beförderte dann die Post und die Passagiere mit etwa 3/4 stündiger Verspätung weiter.
27. April 1910
Lüneburg, 26. April (Bleckeder Kreisbahn)
Mit dem 1. Mai des Jahres tritt auf der Bleckeder Kreisbahn ein neuer Fahrplan in Kraft, welcher sich von seinen Vorgängern ganz wesentlich unterscheidet. Die Abfahrtszeiten haben sich bei sämtlichen Zügen für alle Haltestellen geändert. Es wird daher jeder gut daran tun, den in Nr. 94 dieser Zeitung vom 23. April erschienenen Fahrplan aufzuheben und genau durchzusehen. Um die Reisezeit abzukürzen, halten die Personenzüge - Triebwagenzüge - auf den sämtlichen Zwischenstationen nur noch nach Bedarf. Auf der Strecke Dahlenburg Staatsbahnhof - Wendewisch fahren die Züge mit einer Grundgeschwindigkeit von 25 Kilometern in der Stunde, während für die Strecke Carze-Anschluß - Lüneburg vom Herrn Minister eine Geschwindigkeit von 30 Kilometern zugelassen worden ist. Es liegt im wohlverstandenen eigenen Interesse des Publicums, beim Ein- und Aussteigen jeden unnützen Zeitverlust zu vermeiden, damit die Züge planmäßig durchgeführt werden können. Diese Warnung ist notwendig, da man sehr häufig die Beobachtung machen,daß im Aussteigen begriffene Fahrgäste in der Türöffnung oder auf der Plattform stehenbleiben und sich mit den im Zuge Weiterreisenden noch allerlei zu erzählen haben. Die Anschlüsse an die Züge der Staatsbahn ließen sich, soweit Lüneburg in Frage kommt, günstiger gestalten.
11. September 1916
Dahlenburg, 10. September (Von der Bleckeder Kreisbahn)
Gegeneinander gefahren sind gestern kurz vor Mittag in der Gartenstraße der fahrplanmäßige Personenzug und ein Gespann der Strampeschen Molkerei, wobei die Pferde vor der Lokomotive zu liegen kamen, während der Milchfuhrmann durch den Stoß vom Bock zwischen die fallenden Pferde flog. Der Fuhrmann erlitt nur leichte Verletzungen, dagegen scheint ein Pferd schwer beschädigt zu sein. Die Anwohner der engen Gartenstraße, in der seit dem 21-jährigen Bestehen der Kleinbahn glücklicherweise noch kein großes Unglück durch Fahren der Züge geschehen ist, werden sich freuen, daß in Kurzem die Bahn nach außerhalb des Ortes verlegt werden soll. Wie zuverlässig verlautet, wird schon in den nächsten Wochen auf der gesamten Kleinbahnstrecke Lüneburg -Bleckede - Dahlenburg ab Lüneburg mit dem Umbau des schmalspurigen Gleises in eine Normalspurbahn der Anfang gemacht. Die Lokomotiven und der Wagenpark sowie das alte Gleismaterial sind bereits verkauft und mit deren Abnahme begonnen. Mit der Entfernung der Bahnstrecke aus den hiesigen Straßen wird dann auch eine Bahnhofsverlegung nach außerhalb des Fleckens nicht zu umgehen sein; da wird unsere Einwohnerschaft wohl später bei unangenehmer Witterung nicht ohne Wehmut an die alten Verhältnisse denken.
23. September 1918
Dahlenburg, 22. September (Durch eigene Unvorsichtigkeit getötet)
Von der Bleckeder Kreisbahn überfahren wurde gestern vormittag ein 16-jähriger Jüngling namens Porepp aus Göddingen. Dieser hatte auf der dortigen Station den Personenzug verpaßt und sprang dann auf den Wagen eines später folgenden, in voller Fahrt befindlichen Güterzuges, wobei er überfahren und getötet wurde.
18. Januar 1919
Die Bleckeder Kleinbahn, die während des Krieges normalspurig ausgebaut wurde, und deren Betrieb infolgedessen seit längerer Zeit ruhte, hat mit dem gestrigen Tage den Güterverkehr wieder aufgenommen. Wie es heißt, soll die Wiedereröffnung des Personenverkehrs bald folgen. Damit würde ein sehnlicher Wunsch der Einwohner der an der Strecke gelegenen Ortschaften erfüllt, denn das Fehlen der direkten Bahnverbindung zwischen Lüneburg und Bleckede wird doch sehr unangenehm empfunden.
11. Februar 1919
(Bleckeder Kreisbahn)
Am Freitag dieser Woche trifft hier eine Kommission ein, die die aus einer kleinspurigen in eine normal-spurige umgebaute Strecke Lüneburg - Bleckede besichtigen und abnehmen will. Am 15. Februar wird der so sehnlichst erwartete und einem großen Bedürfnis entsprechende Personenverkehr wieder eröffnet.
17. August 1921
Bleckede, 16. August (Sillegung und Abbruch, der Balinlinie Wendewisch - Brackede-Feldweiche)
Die fast vollständige Verkehrslosigkeit auf der Bahnstrecke Wendewisch - Garlstorf - Brackede hat die Gesellschafter infolge der hohen unproduktiven Kosten dieses Abschnittes veranlaßt, bei der Aufsichtsbehörde die Genehmigung zur Stillegung und zum Abbruch der Teilstrecke Feldweiche Brackede -Wendewisch nachzusuchen. Nach Prüfung der Sachlage ist laut Bleckeder Zeitung die Genehmigung durch den Minister der öffentlichen Arbeiten erteilt worden. Für Garlstorf-Wendewisch wird an der bisherigen Feldweiche nach Brackede ein Haltepunkt eingerichtet werden. Mit der Stillegung dieses Teils der Bahn wird eine Änderung des Fahrplanes und des Fahrbetriebes auf der gesamten Schmalspurlinie der Kleinbahn verbunden sein.
5. September 1921 .
Bleckede, 4. September (Ein Zeichen der Zeit)
Die Bahn Wendewisch - Brackede hat bekanntlich ihr Leben lassen müssen. Gestern wurden nun auf dem Bahnhof Wendewisch seligen Angedenkens die Lokomotiv- und Güterschuppen und das Wiegehäuschen mit der Viehrampe zum Abbruch verkauft. Der Bahnhof Wendewisch war einmal.
3. Oktober 1921
Bleckede, 2. Oktober (Von der Kleinbahn)
Der vom Minister eingesetzte Kleinbahndarlehnsausschuß für die Provinz Hannover hat sich in einer Sitzung am 28. September einstimmig für den Abbruch der schmalspurigen Kleinbahnstrecken Bleckede - Dahlenburg und Bleckede - Brackede ausgesprochen. Es soll der Kleinbahngesellschaft vorgeschlagen werden, den Erlös der Altmaterialien zinsbar zu belegen, um später in günstigeren Zeiten den normalspurigen Ausbau der Strecke Bleckede - Dahlenburg zu ermöglichen.
7. Dezember 1921
Bleckede, 6. Dezember (Kreistag)
Um den Betrieb der schmalspurigen Linien der Bleckeder Kleinbahn aufrecht zu erhalten und den sonst in naher Aussicht stehenden unvermeidlichen Abbruch der Bahn Bleckede - Dahlenburg und Bleckede - Brackede zu verhüten, erklärte sich der Kreistag bereit, ein Drittel der Kosten zu übernehmen, die zur Instandsetzung der Bahnkörper und des rollenden Materials erforderlich sind, und diesen Anteil (330 000 Mark) im Wege der Anleihe zu beschaffen, ferner von dem Drittel der jährlichen Betriebsverluste auf diesen Bahnlinien den 100 000 Mark übersteigenden Betrag vorläufig drei Jahre zu tragen. Voraussetzung dieses Beschlusses ist aber, daß die ersten 100000 Mark von den beteiligten Gemeinden gewährleistet werden.
30. Dezember 1921
28. Dezember, Auf der Strecke Bleckede - Dahlenburg der Bleckeder Kleinbahn wird bekanntlich mit dem 1 . Januar der regelmäßige Zugverkehr eingestellt. Von diesem Tage ab verkehren hier nur noch lohnende Güterzüge nach Bedarf.
Dahlenburg, 6 . Mai (Kehraus der Kleinbahnstrecke Dahlenburg - Bleckede)
Mit den Aufbrucharbeiten des Gleises auf der Kleinbahnstrecke Dahlenburg - Bleckede ist nunmehr vom Staatsbahnhof Dahlenburg ab begonnen. Das Material wird vorläufig nach Bleckede übergeführt. Der Abbruch des Kleinbahnschuppens auf dem Staatsbahnhof ist schon erfolgt, und bei dem auf dem hiesigen Bahnhof Flecken stehenden ist bereits mit dem Abbruch begonnen.
7. Dezember 1922
Bleckede, 6. Dezember (Treibriemendiebstahl)
In der Eisenbahnwerkstatt Bleckwerk wurde in der Nacht zum Dienstag ein Einbruch verübt und ein Treibriemen von 7,6 Meter Länge gestohlen. Auf die Wiederherbeischaffung des Riemens sind von der Leitung des Werkes bis zu 10 000 Mark Belohnung ausgesetzt.

Landeszeitung
Gruß
Grubert
[Dieser Beitrag wurde am 17.08.2006 - 20:54 von Grubert aktualisiert]
Signatur Verteidiger weiblicher Lokomotivnamen und Stangenlokfan! Augen auf und durch! |