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Status: Offline Registriert seit: 04.06.2009 Beiträge: 408 Nachricht senden | Erstellt am 29.08.2011 - 14:57 |  |
In Bangladesch warten seit 37 Jahren bis zu 300.000 Menschen auf ihre Übersiedelung nach
Pakistan. Diese Menschen sind weder bangladeschische noch pakistanische Staatsbürger. Sie
gelten offiziell nicht als Minorität und nicht als Flüchtlinge und fallen somit weder unter den
Schutz und Verantwortungsbereich einer Nation, noch unter den der Vereinten Nationen. Sie
sind in Bangladesch gestrandet.
Im Zuge der Teilung Britisch Indiens im Jahre 1947 und den einhergehenden Hindu-Muslim-
Unruhen siedelten über eine halbe Million Muslime aus den urdusprachigen Gebieten Indiens in
den Ostteil des neu entstandenen Staates Pakistan über. Sie kamen vor allem aus dem
indischen Unionsstaat Bihar, weshalb sie im Volksmund üblicherweise als die „Biharis“
bezeichnet werden. Während der zwei Jahrzehnte, in denen die Regierung in Westpakistan die
Geschäfte auch in Ostpakistan führte, fühlte sich die Mehrheit der Biharis enger mit dem
westpakistanischen Landesteil verbunden und unterstützte die westpakistanische Politik. Ein
wichtiger Faktor dabei war die gemeinsame Sprache der Biharis und der Westpakistanis
gegenüber den Bengali sprechenden Ostpakistanis.
Im bangladeschischen Unabhängigkeitskrieg von 1971 beteiligten sich viele Biharis an den
militärischen Aktionen gegen die Bengalen. Nach dem Ende des Krieges und der
Unabhängigkeit Bangladeschs wurden viele Biharis Opfer von Vergeltungsschlägen der
Bangladeschis. Sie wurden von ihrem Land und aus ihren Häusern vertrieben und in
Bangladesch ihrer Überlebensgrundlage beraubt. Auch Pakistan wies sie allerdings ab, aus
Furcht vor einem Masseneinstrom, der das fragile Gleichgewicht der verschiedenen kulturellen
Gruppen Pakistans gefährden könnte.
1972 bot die Regierung Bangladeschs den gestrandeten Pakistanis die Staatsbürgerschaft an.
Jedoch entschied sich die Hälfte, ca. 500.000 Menschen, gegen die bangladeschische
Staatsbürgerschaft und für eine Umsiedlung nach Pakistan. Das Internationale Komitee des
Roten Kreuzes versammelte diese Menschen in sechsundsechzig, über das Land verteilte
Camps um sie gegenüber der bengalischen Bevölkerung zu schützen und den
Übersiedelungsprozess zu vereinfachen.
Obwohl sich Pakistan in zwei Verträgen 1973 und 1974 zu der Aufnahme einer „beträchtlichen
Anzahl“ von gestrandeten Pakistanis bereiterklärte, konnten bis 1993 in mehreren Wellen
lediglich ca. 165.000 Menschen umgesiedelt werden. Seit 1993 kam es zu keiner
Übersiedelung mehr, da sich in den pakistanischen Provinzen Widerstand gegen die Migranten
formierte und die Regierung im Allgemeinen zunehmend weniger Bereitschaft an den Tag legte,
Verantwortung für die gestrandeten Pakistanis zu übernehmen.
Die Zahl der bis heute in den Camps verbliebenen staatenlosen Biharis wird zwischen 250.000
und 300.000 Menschen geschätzt. Obgleich die Bevölkerung ständig wächst, hat sich der
Lebensraum der Biharis nicht vergrößert, was zu einer massiven Überbevölkerung in den
Camps geführt hat. Es mangelt an sanitären Anlagen, ausreichend Brunnenanlagen und an
Gesundheits-und Bildungseinrichtungen. Abwasser und Müll stauen sich in den Camps und
Infektionsraten von Krankheiten wie Durchfall und Dengue sind hoch. Die Menschen in den
Camps sind wirtschaftlich verarmt, da sie kein eigenes Land besitzen und der Aufbau von
Kleinunternehmen innerhalb und außerhalb der Camps sehr schwer ist. Wenn möglich
verdingen sich die Campbewohner als Rikschafahrer oder Tagelöhner auf Baustellen etc.
Innerhalb der Camps, vor allem in Dhaka, ist die Kriminalitätsrate sehr hoch. Die Camps dienen
auch als Rückzugsgebiete für von außen kommende Kriminelle vor der Polizei.
Während die ältere Generation sich tendenziell weiterhin für die Übersiedelung nach Pakistan
einsetzt, fordert die junge Generation zunehmend die bangladeschische Staatsbürgerschaft und
ihre Integration in die bangladeschische Gesellschaft.
Die Unterstützung durch die Vereinten Nationen ist von Anfang an schwierig gewesen, da die
gestrandeten Pakistanis keinen offiziellen Flüchtlingsstatus und die damit verbundenen
Privilegien genießen. Da sie sich freiwillig im damaligen Ostpakistan niedergelassen haben,
werden sie nicht als Flüchtlinge anerkannt. Daher waren finanzielle und diplomatische
Unterstützung durch die Vereinten Nationen bisher nicht effektiv.
Westliche und islamische NGOs versuchen den formalen Lösungsprozess anzutreiben (z.B.
durch die Einrichtung von Fonds zur Finanzierung der Übersiedelungen nach Pakistan) und die
Lebensqualität in den Camps zu verbessern.
Am 5. September 2007 sprachen sich die Minister der Übergangsregierung Bangladeschs dafür
aus, allen Biharis, die nach der Unabhängigkeit geboren wurden und die bangladeschische
Staatsbürger wünschten, das Recht zuzusprechen, als Wahlberechtigte registriert zu werden
und nationale Identitätskarten zu erhalten. Dieser Beschluss wird zur Zeit rechtlich überprüft.
Kontakt: Bangladesch-Forum, Moritz-Hensoldt-Str. 20, 35576 Wetzlar, Tel.: 06441-26585, Fax:
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