Elke  Registriertes Mitglied


Status: Offline Registriert seit: 25.12.2007 Beiträge: 53 Nachricht senden | Erstellt am 11.01.2008 - 22:20 |  |
In dieser Rubrik stelle ich Euch in lockerer Folge besondere klassische Werke, berühmte Dirigenten mit ihren Orchestern und herausragende Solisten vor.
Als Erstes den berühmten Pianisten
Vladimir Horowitz
geboren am 1. 10. 1904 in der Ukraine, gestorben am 5. November 1989 in New York.
Seinen ersten Klavierunterricht erhielt Horowitz mit sechs Jahren von seiner Mutter, einer ausgebildeten Pianistin. Noch während seiner Schulzeit studierte er am Konservatorium Kiew Klavier und Komposition unter anderem bei Felix Blumenfeld. Zitat: "Wir spielten im Unterricht nicht in erster Linie Klavier, sondern Musik. Dann spielten wir die Musik, wie sie bei verschiedenen Instrumenten erklingen würde. ‘Wie würde das ein Violinist spielen’ würde mein Lehrer dann fragen oder ‘Spiel es wie ein Flötist’. Was immer der Effekt sein sollte, ich musste selbst herausfinden, wie das ging. Mein Lehrer Blumenfeld gab mir den Rat: ‘Versuche nicht zu imitieren, aber denke an die Farbe.’ "
1925 verließ er die Sowjetunion auf Grund der dortigen schwierigen politischen und gesellschaftlichen Lage. Horowitz musste in Kinosälen und manchmal in Gasthöfen vor dem "proletarischen Bauernvolk" spielen. Häufig wurde er als politischer Propagandaträger eingesetzt. Eine Rolle, die ihm nicht zusagte. Durch seine ausgedehnten Konzerttourneen quer durchs Land erreichte er aber einen frühen Ruhm als einer der vielversprechendsten jungen Pianisten. Nach seinem Weggang aus der Sowjetunion lebte er zunächst in Berlin, wo er im Januar 1926 sein deutsches Debüt gab. Wenig später sprang er in Hamburg für einen erkrankten Kollegen ein und erreichte einen sensationellen Erfolg. Seitdem waren die Augen der Öffentlichkeit auf den extravaganten Pianisten gerichtet. Infolgedessen wurde er im Januar 1926 von der Freiburger Firma M. Welte & Söhne zu Aufnahmen eingeladen. Er nimmt 12 Stücke für deren Reproduktionsklavier Welte-Mignon auf, darunter den von ihm selbst komponierten „Moment exotique (Danse excentrique)“. Dies sind die ältesten von ihm überlieferten Aufnahmen.
Konzerte in London und Paris folgen. 1928 tritt Horowitz erstmals in der Carnegie Hall in New York auf, wo er ebenfalls einen großen Erfolg feiert. 1932 spielt er zum ersten Mal zusammen mit Arturo Toscanini in New York. 1933 heiratete er dessen Tochter Wanda Toscanini. 1934 -1938 lebt er relativ zurückgezogen in Paris und nimmt nicht am Konzertleben teil. 1939 zieht er aufgrund der politischen Entwicklung in Europa endgültig in die USA und erhält 1940 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.
Trotz einer gemeinsamen Tochter (Sonja), die 1975 in möglicher Selbstmordabsicht durch eine Überdosis Schlaftabletten ums Leben kam, hielten sich Gerüchte um eine Homosexualität Horowitz´ stets aufrecht. Horowitz begab sich in den 1950ern in psychologische Behandlung, um seine sexuelle Identität zu verändern. In den frühen 1960ern und in den frühen 1970ern unternahm er eine Elektroschocktherapie. [1] Ferner war sein Leben immer wieder von künstlerischen Krisen und depressiven Phasen bestimmt, aufgrund deren er jahrelang weder auftrat noch aufnahm. So trat der als Genie gefeierte Pianist zwischen 1953 und 1965 nicht in der Öffentlichkeit auf. Auch das Leben mit seiner Frau Wanda gestaltete sich nicht immer einfach, da diese das gewaltige Temperament ihres Vaters geerbt hatte, wogegen Horowitz´ Introvertiertheit und Verschlossenheit stand.
Klavierkunst
Horowitz war berühmt für sein einerseits virtuoses, gewaltiges und andererseits durchdachtes, vom blanken Artistentum freies Klavierspiel. Schwerpunkt bildeten in seinem Repertoire vor allem die Werke von Frédéric Chopin, Franz Liszt und Robert Schumann sowie der russischen Komponisten Sergei Rachmaninow und Alexander Skrjabin. Seine Einspielungen einiger Sonaten von Domenico Scarlatti haben Referenzstatus. Daneben gilt Horowitz als tragender Pianist und Wiederentdecker der Werke von Muzio Clementi, den er als "Vater des modernen Klavierspiels" bezeichnete.
Für Joachim Kaiser war Horowitz der fesselndste Liszt-Interpret seiner Zeit. Eine frühe Aufnahme der h-Moll-Sonate zeige, wie Virtuosität umschlage „in wahnwitzige Gespanntheit“. Horowitz habe die berüchtigte Oktavpassage kurz vor dem Schluss nicht nur fabelhaft schnell und klangvoll gespielt, sondern gezeigt, wie sich in diesen „Oktaven ein gehetztes und grandioses Lisztsches Temperament“ ausgedrückt habe, ein Ringen „um Tod und Leben“. Sein rhythmisches Raffinement, mit dem er etwa die 19. Ungarische Rhapsodie spiele, sei unerlernbar. Seine Bewunderung für Horowitz hielt Kaiser nicht davon ab, gewisse Manierismen zu kritisieren, etwa in Mozarts A-Dur-Sonate und selbst in Schumanns Kreisleriana. [2]. Andere Kritiker werfen ihm zudem vor, Mozart und Beethoven teilweise zu blumig und übertrieben eigenwillig interpretiert zu haben.
Horowitz zählte zu den größten Pianisten des 20. Jahrhunderts und wurde, nach dem Titel eines amerikanischen Dokumentarfilms, als letzter echter Romantiker am Klavier bezeichnet („The Last Romantic").
Horowitz als Bearbeiter
Horowitz transkribierte viele Werke von Liszt, Mussorgski, Sousa, Bizet und andere für Klavier. Dabei verzichtete er nicht auf eigene "Zutaten" wie donnernde 16-Oktavpassagen und perlende Läufe. Besonders hervorzuheben sind die Bearbeitungen der Zweiten Ungarische Rhapsodien von Franz Liszt und Stars and Stripes For Ever von Sousa, die wie vierhändig gespielt klingen. Horowitz hat außerdem eine Carmenfantasie hinterlassen und die sehr umstrittene Transkription der Orchesterfassung Mussorgskis Bilder einer Ausstellung von Ravel für Klavier vorgenommen. Auch hier arbeitete er viel Eigenes mit ein. Vor allem die Carmenfantasie wird von einigen Pianisten, wie etwa Arcadi Volodos, gelegentlich als Zugabe gespielt.
Zitate
"Es gibt nur drei Sorten von Pianisten: jüdische, homosexuelle und schlechte."
"Klavierspiel besteht aus Vernunft, Herz und technischen Mitteln. Alles sollte gleichermaßen entwickelt sein. Ohne Vernunft sind Sie ein Fiasko, ohne Technik ein Amateur, ohne Herz eine Maschine."
(Quelle und Weiterführendes: Wiki http://de.wikipedia.org/wiki/Vladimir_Horowitz )
Für mich ist Horowitz einer der genialsten Pianisten überhaupt. Die teils sehr eigenwilligen Interpretationen verschiedener Werke sind einzigartig (Glen Gould mal ausgenommen). Seine öffentlichen Auftritte waren geprägt von Witz, Humor und stillem Charme. Er konnte aber auch mitten in einem Thema hell auflachen, nach einer sekundenlangen Pause wie ein Berserker in die Tasten hauen und dabei diabolisch vor sich hin grinsen. Ein Mann mit vielen "Gesichtrn".
Schaut Euch unbedingt das Video an! - Etwas Geduld! Fast zum Schluss kommt sein unverwechselbares Gelächter!
Vladimir Horowitz zuhause bei einem Interview spielt: "Stars & Stripes Forever"
http://de.youtube.com/watch?v=vpsj01NU1 … re=related
Hier das bei Wiki erwähnte „Carmen-Thema in seiner eigenwilligen Version:
http://de.youtube.com/watch?v=WV_Nh884PKg
Meine Empfehlung: „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgsky.
Es handelt sich hier um die Digitalisierung einer alten Aufnahme.
http://www.amazon.de/Bilder-einer-Ausst … B0000261JE
Ich besitze noch die Original Mono-Schallplatte – Hörgenuss vom Feinsten!
Mein persönliches Lieblingswerk: Sergei Rachmaninows 2.Klavierkonzert in b-moll, das Horowitz (fast) originalgetreu spielt.
Eines seiner berühmtesten Konzerte ist unbestritten der Auftritt in der Carnegie Hall 1965
Auf CD (allerdings sehr schlecht digitalisiert, selbst die alten Platten sind besser!) erstmals in der ungeschnittenen, originalen Fassung:
Bach / Busoni:Toccata, Adagio & Fuge BWV 564
Schumann:Fantasie op. 17;Träumerei aus op. 15; Kinderszenen op. 15 (Aufnahme 1962)
+ Chopin:Mazurka Nr. 21;Ballade Nr. 1; Etüde Nr. 8
+Scriabin:Klaviersonate Nr. 9;Poeme Nr. 1
+Zugaben von Debussy, Scriabin, Moszkowski, Schumann
+Bonus-DVD (Video):Probenausschnitte & Interviews
2 CDs (Sony SK 93024)
[Dieser Beitrag wurde am 11.01.2008 - 22:53 von Elke aktualisiert]
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