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...   Erstellt am 17.06.2005 - 17:15Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Geschichte Bergkirchens:



Trotz seiner einmaligen Entwicklung gibt es erstaunlicherweise bisher keine Chronik zu Bergkirchen. Durch die Kirchenbücher steht zwar umfangreiches Material in den Archiven zur Verfügung (z.B. der Landeskirche), das leider bis auf die Geschichte der Kirche selbst noch nicht verarbeitet wurde. Es wäre wünschenswert, wenn sich Geschichtsforscher hier künftig betätigen würden. Die Darstellung des folgenden, leider sehr lückenhaften Abrisses beruht auf einigen wenigen Angaben aus der Ortschronik von Wölpinghausen sowie Darstellungen der regionalen Geschichte.

Bergkirchen entstand in der 1. Rodungsperiode des Dül-Waldes in der Zeit zwischen 800-1200 n.Chr. als vermutlich älteste Ansiedlung auf den Rehburger Bergen. Der Weg entlang des Kammes wurde lange vor dieser Zeit benutzt, um die nassen Niederungen des Dül-Waldes und des Steinhuder Meeres zu vermeiden. Wohl an der Stelle einer germanischen Kultstätte wurde zunächst eine Kapelle errichtet. Teile der heutigen Kirche entstammen dem 12. Jahrhundert. Es handelte sich um eine befestigte Fluchtkirche.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort als "Berkerken" 1174 in einer Urkunde des Bischofs Anno von Minden. Zwischen 1300 und 1500 waren die Herren von Münchhausen zeitweise Vögte von Sachsenhagen. Da Sachsenhagen damals keine eigene Kirche hatte, waren sie die Patrone der "Bergkirche". Wohl unter ihrer Schirmherrschaft entwickelte sich Bergkirchen als geschlossene Dorfanlage beidseitig entlang des Weges als Angerdorf. Bereits 1560 hatte Bergkirchen 88 ha und war damit größer als Wölpinghausen (G. Lemke: Geschichte des Ortes Wölpinghausen). Die Flurstreifen liefen - von der Straße ausgehend - zu beiden Seiten des Kammes hinab in die Ebene.

Die Entwicklung des Ortes wurde während des 17. Jahrhunderts durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges unterbrochen. Bergkirchen wurde mehrfach geplündert und litt unter hohen Kontributionen, die an die Schweden zu entrichten waren. Viele Höfe wurden zerstört oder fielen wüst. Erst mit dem Westfälischen Frieden 1648 normalisierte sich das Leben wieder. Bergkirchen wurde durch die Teilung der Grafschaft Schaumburg zum Amt Hagenburg geschlagen. Die Kirche in Bergkirchen hatte nun Gemeinden in drei verschiedenen Ländern (Hessen, Braunschweig-Hannover und Schaumburg-Lippe). zum Kirchspiel gehörten Auhagen, Düdinghausen, Winzlar, Wölpinghausen, Wiedenbrügge, Schmalenbruch, Windhorn, Landwehr, Berghol und die Oberförsterei Spießingshol.

Ab 1750 wurde unter Graf Wilhelm die Zuwanderung von "Ausländern" gefördert, die Haus und Gartenland erhielten. Er führte auch verbesserte Anbaumethoden und neue Feldfrüchte (Kartoffeln, Kohl, Rüben usw.) ein. In einer Verordnung von 1774 wurden sehr genaue Hinweise zur Verbesserungen in der Landwirtschaft gegeben, insbesondere durch Meliorationsmaßnahmen, Anpflanzung von Obst und anderen Bäumen. Sehr gebräuchlich war im Schaumburgischen auch das Erdefahren (Auffangen von abgeschwemmtem Boden und Wiederaufbringung auf die Äcker). Der Graf förderte außerdem die Leinen-Verarbeitung, um der besitzlosen Schicht ein besseres Auskommen zu gewähren. So waren auch in Bergkirchen zahlreiche Hausweber für die Steinhuder Webereien tätig. Damals begann die enge Verflechtung von Handwerk, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft, die charakteristisch für die Wirtschaftsstruktur des Kreises Schaumburg-Lippe wurde. Das Gesetz über die Aufhebung der Leibeigenschaft erfolgte 1810, das jedoch noch nicht die Verbindlichkeiten (Hand- und Spanndienste) aufhob. Erst 1845 wurde das Gesetz zur Ablösung des Zehnten u.a. privatrechtlicher Reallasten erlassen.

Um die Jahrhundertwende erfuhr Bergkirchen durch den Steinbruch und das Bergwerk Zuzug von Arbeitern. Im Zuge dieser Entwicklungen entstanden in Bergkirchen eine Anzahl neuer Anwesen am Rande des alten Dorfes, insbesondere in Richtung Sachsenhagen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Bergkirchen zunehmend zum Wohnstandort. In Zuge der Verwaltungs- und Gebietsreform wurde die bis dahin selbständige Gemeinde 1974 ein Ortsteil der Gemeinde Wölpinghausen.


Quelle Schaumburger Heimathefte

[Dieser Beitrag wurde am 17.06.2005 - 17:22 von witchi aktualisiert]





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