Judith7 Redakteurin


Status: Offline Registriert seit: 27.10.2004 Beiträge: 9659 Nachricht senden | Erstellt am 06.09.2009 - 11:47 |  |
Gestern fand im Rahmen der Jüdischen Kulturtage zur "Langen Nacht der Synagogen" in der Synagoge Rykestraße ein
Benefizkonzert zur Förderung der Rekonstruktion des Turms der Parochialkirche statt, das ich besucht habe.
Im historischen Zentrum Berlins, dem seit dem Mittelalter urbanen Klosterviertel, wurde 1703 die Parochialkirche (‚Parochie’ heißt ‚Pfarrbezirk der Kirchengemeinde’) als Stadtkirche für die reformierte Gemeinde eingeweiht. Die Parochialkirche gilt als erster barocker Kirchenbau von Rang in Berlin, dessen Eingangsfassade „den gleichzeitigen Bauten des Hofes in keiner Weise nachstand und zum besten der Berliner Barockarchitektur um 1700 gehört“ (Prof. Badstübner-Gröger) Der Entwurf stammte von dem neben Schlüter bedeutendsten Berliner Baumeister der Zeit, Johann Arnold Nering, und wurde von dessen Schüler Martin Grünberg vollendet.
Zu ihrer das Stadtbild prägenden Wirkung trug bis 1944 die markante obeliskartige Turmspitze bei (1713/14 von Philipp Gerlach, nach Zeichnungen Jean de Bodts), die das berühmte, von König Friedrich-Wilhelm I. gestiftete Glockenspiel mit 37 Glocken beherbergte. Ein Luftangriff machte die Kirche 1944 zur Ruine, die Turmspitze wurde vollständig zerstört. In den 1990er Jahren wurde das barocke Äußere des Kirchenbaus durch den Architekten Jochen Langeheinecke wieder hergestellt. Die Kirche musste ihren Turm jedoch weiterhin entbehren.
Der Verein Denk mal an Berlin e.V. hat sich der Rekonstruktion des Turms der Parochialkirche angenommen. „Mit dem Parochialkirchturm erhält die Stadt in ihrer alten Mitte einen ihrer schönsten Kirchentürme und ein historisches Wahrzeichen wieder. Ein Juwel Berliner Barockbaukunst wird wieder den Klang von 37 Glocken aussenden.“ sagt der Vorstandsvorsitzende Hans Wall. Staatssekretär André Schmitz ergänzt: „Eines der wichtigen Wiederaufbauprojekte der Stadt wird endlich in Angriff genommen – die Turmrekonstruktion wird der historischen Silhouette Berlins neuen Glanz verleihen.“
Quelle
Der Vorsitzende des Fördervereins hat uns zum März 2011 zur Einweihung des Glockenspiels im Turm eingeladen, schaun wir mal.
Mich hat nicht nur die Musik von Mendelssohn beeindruckt, die dargeboten wurde.
Mir hat gefallen, daß nun nach umfassender (auch durch Spenden finanzierter) Sanierung der Synagoge Rykestraße die Jüdische Gemeinde nun ihrerseits überkonfessionell dieses wichtige Vorhaben in Berlin fördert.
An einer Stelle in der Parochialkirche hat auch in hebräischen Buchstaben der Name Gottes gestanden und mußte in den letzten Kriegsjahren entfernt werden, weil nichts Jüdisches in einer deutschen Kirche stehen sollte.

Parochialkirche jetzt - und früher
Signatur ... und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. |